„Fußball wäre wahrscheinlich am nachhaltigsten, wenn er gar nicht stattfinden würde.“
Sagt Dirk Schlünz, Geschäftsleiter Vermarktung des 1. FC Nürnberg in LÖTZ TALK. Für den 50-Jährigen, der zuletzt den FC St. Pauli von der Fremd- auf die Eigenvermarktung umgestellt und sich dies seit Oktober auch beim Traditionsklub 1. FC Nürnberg zur Aufgabe gemacht hat, sind Vermarktung und Nachhaltigkeit kein Widerspruch: „Jedenfalls dann nicht, wenn man auch in der Vermarktung nachhaltig agiert.“
Nachhaltigkeit ist für Schlünz keine gut klingende, clevere Verkaufsstrategie oder Produktkategorie. „Für mich ist Nachhaltigkeit in erster Linie eine innere Haltung, eine Art universaler Wert. Und danach sollte man eigentlich versuchen, alle Entscheidungen innerhalb eines Unternehmens – oder auch in unserem Fall innerhalb eines Vereins – zu treffen.“ Noch dazu, weil wir derzeit „in einer volatilen, unsicheren, komplexen, mehrdeutigen Welt leben. Und da greifen die klassischen Management-Tools, nach denen man Unternehmensentscheidungen ausrichtet, nicht mehr so richtig, sondern man muss eigentlich eine Ebene höher gehen und sagen: Was sind meine Werte und nur die sind stabil, auch über die Dauer, und nachhaltig stabil, egal was in der Welt passiert. Egal ob eine Pandemie kommt. Egal ob es soziale Verwerfungen oder Spaltungen gibt – die Werte bleiben, und ich kann meine Entscheidung im Unternehmen immer nach diesen Werten ausrichten.“
In seinem Leitbild hat der 1. FC Nürnberg ein besonderes großes Ziel ausgelobt: „der nachhaltigste Verein der Welt“ zu werden. „Es ist eine ganz klare Vision, es ist ein ganz klares Unternehmensziel“, erläutert Schlünz, „hinter dem sich alle Mitarbeiter versammeln können und über das absolute Einigkeit besteht, dass man da hin will.“ Das Thema Nachhaltigkeit „muss bei allen im Verein oder in einem Unternehmen verankert sein, die Entscheidungen treffen. Egal auf welchem Level. Weil nur dann wird es Bestandteil einer Kultur, und nur dann ist es wirklich am Ende auch nachhaltig.“
„Fußball wäre wahrscheinlich am nachhaltigsten, wenn er gar nicht stattfinden würde.“ Dass Nachhaltigkeit – auch in ihrer Umsetzung – ein eher langfristiges Unterfangen ist, verneint Schlünz nicht: „Wir haben die Diskussion Mobilitätswende, Kohleausstieg und so weiter. Ja, das muss alles gemacht werden, aber geht eben nicht von heute auf morgen. Und so werden auch Fußballvereine nicht von heute auf morgen komplett nachhaltig, sondern das ist erstmal eine Bewusstseinsänderung, dass man darüber nachdenkt.“ Die aber vor allem bei den Großen des Fußballbusiness nicht angekommen ist. Schlünz: „Paris Saint-Germain und Manchester City sind für mich in eigentlich kaum einem Belang wirklich nachhaltig. Sind sie es noch nicht mal sportlich, wenn man die eigenen Ansprüche, die sie an sich haben, überprüft. Und das ist auch ganz beruhigend und ganz schön zu sehen.“