Jetzt in der Football was my first love-App

TURUS.NET

Fußball Magazin turus.net: Spannende Reportagen, eindrucksvolle Fotos sowie Kommentare und Diskussionen rund um Fußball und Fankultur aus der ganzen Welt

5 Titel verfügbar

Jetzt App kostenlos herunterladen

Alle Podcasts und Hörbücher ohne Datenvolumenverbrauch hören mit

Englisches Flair in Jungfernheide: Westend gegen BW 90, Rugby und Wurst zum Frühstück

26.09.2022 00:00:00

Der Wecker schrillt. Sonntag. 8 Uhr. Griesbrei kochen für das Kind, anziehen und ab die Post! Auf dem Weg vom Tierpark bis Jungfernheide dürfen die beachtlichen Ausdehnungen von Berlin voll ausgekostet werden. Am Rohrdamm raus aus der U-Bahn und rüber zur Bushaltestelle, von der ein Bus gefühlt quasi nach JWD fährt. Dachten wir, man träfe dort ein paar Fans von Blau-Weiß 90, so sahen wir uns getäuscht. Ganz allein stand Jérôme an der Haltestelle - und das mit einem gebrochenen Knöchel. Mit einem Spezialschuh humpelte er in den Bus, und wir fragten uns, ob wir drei beim Landespokalspiel SC Westend 01 vs. Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin wohl die einzigen Zuschauer sein werden. Hinein in die Parkanlage in Jungfernheide, in der sich einige Sportplätze befinden. Auf dem vorderen bestritten ein paar Minis des 1. FC Union Berlin gerade ein Auswärtsspiel, auf dem hinteren Rasenplatz machten sich die Männer für das Pokalspiel warm. Zur großen Überraschung herrschte bereits reger Betrieb um kurz vor halb elf. Bier und Kaffee wurden ausgeschenkt, die sehr schmackhaften Bratwürste befanden sich bereits im verzehrfertigen Zustand. Und das alles zu sehr moderaten Preisen.   Ich naschte bereits ein erstes Bierchen und verspeiste mit Wohlwollen die Bratwurst, als Jérôme mir in die Seite stieß. „Kiek mal, es gibt gleich Pyro!“ Wat? Und tatsächlich, zwei junge Männer hatten ihre Gesichter komplett vermummt und legten zwei ordentliche Rauchtöpfe auf zwei Absperrkegel. Ich bekam gar nicht so schnell meine Kamera aus dem Rucksack, als sich das Umfeld des SC Westend 01 bereits mit gezückten Handys um den Ort des Geschehens gruppierte und auf das Einlaufen der Mannschaften wartete. Dichter blauer und roter Rauch waberte empor, und die Spieler mussten da einfach mal durch.    Welch eine Überraschung. Blöd gelaufen für die Blau-Weiß-Fans, die etwas später eintrudelten und jaaanz jeemütlich die mitgebrachten Fahnen ans Geländer knüpften. Solch einen Auftakt um 10:30 Uhr konnte man allerdings wirklich nicht erwarten. Beim Blick auf den Bierbecher musste festgestellt werden, dass einem das Wappen des SC Westend 01 noch nie vor die Augen kam.    Am 1. Juni 1901 wurde der Verein als Charlottenburger FC 01 Concordia ins Leben gerufen, im Jahre 1933 fusionierte dann der Charlottenburger FC 01 Concordia mit dem Charlottenburger FC Viktoria 1911 zum neuen Charlottenburger FC 1901. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es zunächst als Sportgruppe Charlottenburg-Nord bzw. Sportgruppe Westend Berlin weiter, seit 1949 lässt man als SC Westend 01 Berlin den Ball rollen. Man staune, es gab sogar durchaus Erfolge zu vermelden. So spielte man 1973/74 in der Regionalliga Berlin (zweithöchste Spielklasse). Gegner waren unter anderen Blau-Weiß 90 Berlin, Tennis Borussia Berlin, Wacker 04 Berlin und den BFC Alemannia 1890. In der Saison darauf nahm Westend 01 sogar am DFB-Pokal teil, musste sich aber in der ersten Runde Eintracht Nordhorn mit 1:5 geschlagen geben.   Inzwischen ist der SC Westend 01 in der Kreisliga A angesiedelt und bekam nun im Berliner Landespokal mit Blau-Weiß 90 einen Oberligisten vorgesetzt. Was kann man sich da groß vornehmen? Einen Ehrentreffer erzielen und nicht zweistellig verlieren, würde ich mal sagen. Für Blau-Weiß 90 war ein deutlicher Sieg selbstverständlich Pflicht, und beim Bierchen schauten die inzwischen zehn Blau-Weiß-Fans dem Treiben auf dem Rasen gelassen zu.   Bereits in der zweiten Minute machte Simon Gartmann die 1:0-Führung für Blau-Weiß 90 klar, und es schien einen Kantersieg zu geben. Allerdings hielten sich die Gastgeber erstaunlich wacker und ließen bis zur 41. Minute keinen weiteren Gegentreffer zu. Dann platzte bei Blau-Weiß der Knoten und innerhalb von zwei Minuten fielen gleich drei Treffer. Bob Chike Mike Okezie-Anicene, Maxim Cygankov und Florian Kohls stellten die 4:0-Führung vor der Pause her.    Die Sonne schien, das Herbst war bereits teils herbstlich gefärbt, und das gesamte Ambiente erinnerte durchaus an England. Das alte Gebäude mit dem Casino an der Stirnseite des Rasenplatzes, all die Grünflächen und Bäume, und hinzu kam, dass sich im Hintergrund bereits die Spieler des Berliner Rugby Clubs langsam warmachten. So viel Idylle hatte ich gar nicht erwartet, und auch der größere Sohnemann stimmte mir zu, dass es nach dem intensiven Derby am Tag zuvor bei Stahl Brandenburg auch mal gemütlicher zugehen kann.    In der zweiten Halbzeit erzielte die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 noch fünf Treffer - Bob Chike Mike Okezie-Anicene, Maxim Cygankov, Tobias Göth, Mike Brömer und Tamino Marker waren die Torschützen -, doch sollte das Ganze nicht zweistellig werden. Sei es drum, die Blau-Weiß-Spieler kamen einmal rüber und klatschten lachend die anwesenden Fans ab. Bei solch einer frühen Anstoßzeit irgendwo in Westend kann es schon mal vorkommen, dass die anwesende Fantruppe überschaubar ist.    Noch ein Kaffee, noch eine Waffel, noch eine Wurst, noch ein Bier. Auf aus Baumstämmen gebauten Bänken wurde sich niedergelassen und noch etwas gequatscht. Zudem konnte noch ein Blick auf das sportliche Treiben hinten auf dem Platz des Berliner Rugby Clubs geworfen werden. Auch dort ließ man nichts vermissen. In einem aufgebauten Zelt wurden Kuchen, Würste und Getränke verkauft. Da komme ich noch einmal wieder. Ich konnte ja nicht ahnen, dass um 15 Uhr zum Hauptspiel der FC St. Pauli bei den Berlinern antreten würde. Andererseits kamen halt Fluchtgedanken auf, als die ersten Spieler mit Krawatte und St. Pauli-Utensilien lässig vorbeischlenderten…    Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin > zur turus-Fotostrecke: Rugby 

Jetzt in der App abspielen

BSG Stahl Brandenburg vs. BSC Süd 05: Augenpipi, Gänsehaut und Derbysieg!

24.09.2022 00:00:00

„Ob in Dresden oder Rostock, in Leipzig oder beim BFC. In jeder Stadt im Osten, hat man unsere Farben gesehen. In Köln und in Hamburg, selbst in Göteborg und Coleraine brannte das Stahlfeuer, wir werden weiterleben …“ Da war sie wieder die Gänsehaut! Boah, welch ein geiles Gefühl, den legendären Song „Stahl Feuer“ von Fauxpas im Stahl-Stadion (Stadion am Quenz) zu hören! Mein lieber Scholli - das packte wieder ganz gewaltig. 14:30 Uhr - noch waren es 30 Minuten bis zum Anpfiff, und noch füllten sich die Ränge immer mehr. Die Haupttribüne galt bereits vor dem Spiel als ausverkauft, nun galt es, die Kurve zwischen Sprecherturm und Anzeigetafel mit Leben zu erfüllen. Und das wurde sie! Schon bald schien es, als sei man plötzlich irgendwie in die Zeit Ende der 1980er zurückgesaust, als die BSG Stahl Brandenburg in der DDR-Oberliga eine gute Rolle gespielt und sogar Auftritte auf europäischem Parkett hatte. Die Zuschauerzahl zu schätzen, war aufgrund fehlender aktueller Vergleichswerte im Stadion am Quenz relativ schwer. Ich vermutete irgendwas um die 3.000, doch spielte die Zahl auf dem Papier auch keine Mandoline. Wichtig war, dass wieder Musike drin war.   Anfangs wurde der Anpfiff aufgrund des Andrangs um 15 Minuten nach hinten verschoben, daraus wurden dann sogar 30 Minuten. Die Schlange war einfach zu lang. Die Mannschaft der BSG Stahl machte sich noch einmal warm, putschte sich richtig auf und drehte klatschend eine Runde an der Fankurve vorbei. Heute galt’s. Die Mannschaft in Blau war bis in die Haarspitzen hoch motiviert. Geballte Fäuste, weit geöffnete Augen. Stahl Brandenburg war in Derby-Stimmung. Die Jungs von Brandenburg Süd sollten geschlagen werden. Ohne wenn und aber.    Es knisterte. Die Augen wurden feucht. Meine Güte, dermaßen hatte mich eine Gesamtatmosphäre lange nicht mehr geflasht! Was gibt es Genialeres, als nach so vielen Jahren die Ränge bei einem alten Traditionsverein, der sportlich in der Landesliga Brandenburg versunken ist, wieder zum Leben erwacht erleben zu dürfen. Ich liebe Auferstehungen. Es erfüllt mich mit Glück, wenn Vereine wie die SG Dynamo Schwerin und die BSG Stahl Brandenburg endlich mal wieder was reißen können oder auch der Standort Frankfurt (Oder) wieder - wie am Donnerstag beim Testspiel gegen Hertha BSC - mit Leben erfüllt und die Fußballgeschichte wieder spürbar wird.   Bei Stahl Brandenburg kommt noch die Einzigartigkeit des Stadions hinzu. Die markante Haupttribüne, die flache überdachte Gegengerade, der Sprecherturm, die Anzeigetafel, die alten Zäune, die Gebäude im Hintergrund - all dies versprüht einen Charme, der einen an DDR-Oberliga, 90er Jahre, aber auch an polnischen Fußball erinnern lässt. Die Mischung ist der Knaller und ließ die Zunge schnalzen.    Als um 15:30 Uhr die Stahl-Spieler aus den Katakomben kamen, rannten sie nach der Begrüßung am Mittelkreis nochmals kurz zur Fankurve und explodierten quasi vor Adrenalin und Vorfreude. In der Heimkurve wurde eine Blockfahne hochgezogen, im Gästebereich wurden rot-weiße Fähnchen geschwenkt und roter Rauch zum Wabern gebracht. Im Anschluss erfolgte in der Heimkurve eine Zündung nach der anderen. Weißer Rauch, blauer Rauch, rote Fackeln. Mal einzeln, mal alles zusammen. Es qualmte quasi die gesamte Partie immer irgendwas. Hinzu kam, dass die beiden Vorsänger auf dem Zaun es schafften, die Fans zu einem passablen Support zu animieren.    Man bedenke, wir sprechen hier von einem Verein, der in den letzten Jahren in Brandenburg-Liga und Landesliga vor 150 bis 400 Zuschauern kickte und auswärts von 30 bis 100 Fans begleitet wird. Keine Frage, stets klein, aber fein. Aber mal aus dem Stegreif zum Derby eine Fankurve zu schaffen - das hat schon was! Es schien, als seien all die Jahre Unterklassen-Tristesse nie dagewesen. „Stahl! Feuer!“, hallte es immer wieder über den Platz.    Die Chance erschien verdammt günstig, dem eine Liga höher spielenden Rivalen ein Bein zu stellen. Ein rasches Tor für Stahl würde verdammt gut tun - bis in die Haarspitzen motiviert waren die Spieler definitiv. Sie lechzten regelrecht nach dem Erfolgserlebnis. Nun soll den Süd-Spielern keinesfalls der Wille zum Sieg abgesprochen werden, doch solch vor dem Anpfiff dermaßen hochmotivierte Spieler wie im Fall der BSG Stahl habe ich lange nicht mehr gesehen.   Und es lief aus Heimsicht voll nach Plan. Nach exakt einer Viertelstunde machte Pascal Karaterzi das 1:0 - und das Stadion explodierte vor Freude. Noch mehr Rauch - noch mehr inneres Feuer. Das Ganze flashte wie Sau, um es mal ganz salopp zu sagen. Nachdem nach knapp einer halben Stunde Erik Sauer zum 2:0 für Stahl Brandenburg nachlegen konnte, schien der Weg zum Sieg bereits passabel geebnet. Stahl hatte die Partie gut im Griff und bestimmte bis zur Pause weiterhin das Spiel. Große Angstmomente gab es auf Heimseite kaum auszustehen. Allerdings fehlte beim Brandenburger SC Süd 05 verletzungsbedingt der Mannschaftskapitän Konrad Cudny, den ich persönlich beim FC Polonia Berlin kennen und schätzen lernen durfte. Nach einer Zwischenstation bei Spandau 06 wechselte er gemeinsam mit Torhüter Adam Szymczyk, der sich ebenfalls bei Polonia Berlin ein Denkmal schuf, vor der laufenden Saison zum BSC Süd 05. Während Adam Szymczyk als zweiter Torhüter auf der Bank platz nahm, stand Konrad Cudny mit im Gästeblock und schickte mir ein Video vom roten Fahnen-Rauch-Intro. Beide sind auf dem Spandauer Mannschaftsfoto als Dritter und Vierter von rechts zu sehen. Einen lieben Gruß an dieser Stelle!   Der aus Heimsicht optimale Spielverlauf nahm auch eine Menge Hass und Brisanz aus der Partie. Hätte es - womöglich „Dank“ eines unberechtigten Elfers - 0:2 gestanden, wäre die Grundstimmung sicherlich eine ganz andere gewesen, und manch eine innere Sicherung wäre kurz vor dem Durchbrennen gewesen. So aber blieb es entspannt, und in der Pause wurde seelenruhig ein Kaltgetränk konsumiert.    Sehr zur Überraschung knüpfte die Stahl-Mannschaft nahtlos an die gute Leistung der ersten Halbzeit an. Der Brandenburger SC Süd 05 fand einfach nicht richtig rein ins Offensivspiel und brachte den eigenen Anhang sicherlich zur Verzweiflung. Erst in der Schlussphase konnten die Gäste ein Schippchen drauflegen und kamen demzufolge auch zu Möglichkeiten. Völlig klar, ein Anschlusstreffer - und das Ganze hätte einen anderen Verlauf nehmen können. So aber warfen sich die Stahl-Spieler weiterhin in die Zweikämpfe und eroberten immer wieder den Ball.   Im Gästebereich wollte man eine Viertelstunde vor Schluss doch noch etwas stänkern, und somit zogen sich fünf, sechs Fans eine Larve über den Kopf und präsentierten ein paar Stahl-Utensilien. Zwei, drei Freunde aus Weimar saßen mit auf dem Zaun und zündeten einen blau-weißen Schal an. Auf Heimseite nahm indes kaum einer großartig Notiz von dem Geschehen auf der Gegengerade. Da konnte noch so oft wütend gegen den Zaun und die Werbebande getreten werden - heute lockte es die Stahl-Anhängerschaft nicht aus der Reserve.   Warum auch? Der Sieg war zum Greifen nahe und konnte schließlich in trockene Tücher gebracht werden. Gegen 17:20 Uhr pfiff der Schiedsrichter die Partie ab - und wieder waren die Stahl-Spieler kaum zu halten. Ab in die Kurve! Den Emotionen freien Lauf lassen! Welch ein genialer Anblick! Her mit der brennenden Fackel und mit einem Derbysieger-Banner ab zum Gruppenfoto vor dem Zaun der Kurve!    „Stahl-Arbeiter. Auf der Straße spielt die Liga keine Rolle“, stand auf einer Zaunfahne geschrieben. Die Liga spielte auch auf dem Rasen keine Rolle. Der Siebtligist schlug den Sechstligisten völlig verdient mit 2:0. Und was das muntere Treiben auf den Rängen betraf, so bewegte man sich gleich ein paar Etagen höher. Ein sehr gutes (aktuelles) Regionalliga-Niveau wurde sicherlich erreicht, und selbst ein Drittligist würde sich solch einen Trubel wünschen. Also her mit dem FC Energie Cottbus oder den SV Babelsberg 03 in der nächsten oder halt übernächsten Pokalrunde! Wenngleich es dann sportlich verdammt schwer wird, fantechnisch braucht man sich nicht zu verstecken, wenn dermaßen aufgefahren wird wie heute.    Jungs und auch Mädels - das war ein mega Tag! Es war mir - ach, was sage ich - uns (der Sohnemann war auch hellauf begeistert) eine wahre Freude! Egal, wer der Gegner sein wird, in der nächsten Pokalrunde sind wir wieder am Start. Das hat sich die Mannschaft einfach verdient! Stahl Feuer!   Stichwort DDR-Oberliga. Fußball im Osten. Tradition und alte Zeiten. Herzblut und Wehmut. Manche werden es bereits wissen, jüngst kam nach meinem Hansa-Wälzer „Kaperfahrten“ ein Fußballroman über den ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) auf den Markt. Ein Buch, das einen gedanklich zurückführt in den Alltag in Ost-Berlin der 50er und 60er Jahre und in Frankfurt (Oder) der 70er und 80er Jahre. Wer Interesse an einem Exemplar (gern mit persönlicher Widmung) hat, der melde sich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! document.getElementById('cloak997d216d123db185f32c77d9674e7465').innerHTML = ''; var prefix = 'ma' + 'il' + 'to'; var path = 'hr' + 'ef' + '='; var addy997d216d123db185f32c77d9674e7465 = 'marco.bertram' + '@'; addy997d216d123db185f32c77d9674e7465 = addy997d216d123db185f32c77d9674e7465 + 'gmx' + '.' + 'de'; var addy_text997d216d123db185f32c77d9674e7465 = 'marco.bertram' + '@' + 'gmx' + '.' + 'de';document.getElementById('cloak997d216d123db185f32c77d9674e7465').innerHTML += ''+addy_text997d216d123db185f32c77d9674e7465+'';   Weitere Infos auf: www.marco-bertram.de Apropos: In der Reihe der Fußballfibeln suchen wir noch eine Autorin, einen Autor bzw. ein Autorenteam für den Band über die BSG Stahl Brandenburg. Auch diesbezüglich darf sich gern bei mir gemeldet werden. :-) Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: BSG Stahl Brandenburg

Jetzt in der App abspielen

Niederrheinpokal: Oberhausen lässt MSV Duisburg vor guter Kulisse keine Chance

24.09.2022 00:00:00

Seit knapp 14 Jahren konnte der MSV Duisburg (30.11.2008, 2. Bundesliga) nicht mehr im Stadion Niederrhein in Oberhausen gewinnen. Ok in den letzten elf Jahren gab es auch nur zwei Begegnungen zwischen den Nachbarstädten - beide im Niederrheinpokal: Am 15. April 2015 holte sich RWO den Sieg im Halbfinale mit 2:0 über den MSV Duisburg und gestern wiederholte Oberhausen den Coup und siegte hochverdient über die Zebras in der zweiten Runde des Landespokals und rückte eine Stufe näher an den Goldtopf DFB Pokal.Direkt in der zweiten Runde des Niederrheinpokals ein sportlicher und für Zuschauer attraktiver Kracher ist eher selten. Meistens kicken (und versagen) die Klubs aus Liga drei und vier in den ersten Runden gegen unterklassige Teams aus dem Landesverband. Umso schöner für die Fans, dass es direkt zum Ruhrpott-Derby zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem MSV Duisburg und damit einer Neuauflage von 2015 kam. Damals pilgerten über 13.000 Fans ins Stadion Niederrhein mit einem übervollen Gästeblock. Gestern waren es nicht ganz so viele. Vielleicht zogen einige die überflüssige Nations League vor dem Fernseher vor. Eine falsche Entscheidung, denn die 9.770 Zuschauer (darunter gut die Hälfte im Zebra-Look) bekamen einiges überraschendes auf Rasen und Rängen zu sehen.Während die MSV Fans in der Kanalkurve stimmgewaltig ihr Team nach vorne peitschten, inszenierten die Oberhausener Fans auf der Emscherseite eine Konfetti-Choreo unter dem Motto "Niemand ist größer als der Verein, für immer die Macht vom Niederrhein". Danach folgte noch eine Überraschung: Erst unter einer Fahne versteckt, wurde dann mit einem sehenswerten Pyro-Intro die Auferstehung (?) der Oberhausener Ultra-Gruppierung „Semper Fidelis“ gefeiert. Vor ein paar Wochen wurde beim Auswärtsspiel von RWO bei der U23 des 1. FC Köln die Zaunfahne der 2005 gegründeten Gruppierung von Kölner Anhängern entwendet. In Ultrakreisen folgen dann normalerweise die Auflösung der Gruppierung und eine eventuelle Gründung unter neuem Namen. Fragezeichen bei den Zuschauern im Stadion: Hat Semper die geklaute Fahne zurück erhalten? Oder folgt die Gruppierung einfach nicht dem Kindergarten "Ich klaue Dir Dein Förmchen“ Ritual? Wie auch immer, eines war klar: Die Stimmung kehrte zurück ins Stadion Niederrhein, was aber auch an der sehenswerten sportlichen Leistung von Rot-Weiß Oberhausen lag. In der Regionalliga-West eher durchwachsen gestartet, forderte RWO den MSV direkt von Minute eins an. Dachten die Zebras, die Kleeblätter würden sich hinten reinstellen, wurden sie richtig überrascht um nicht zu sagen überrollt von dem Chancenwucher der Heimelf. Die Duisburger hätten sich nicht beklagen können, wenn es schon früh 1:0 oder 2:0 gestanden hätte. Tanju Öztürk setzte beispielsweise einen Ball ans Aluminium und Leroy Mickels hatte mehrfach die Chance zum Abschluss. Duisburg fand in Halbzeit eins gar nicht statt und auch zu Beginn der zweiten Hälfte spielte eigentlich nur RWO. Als Bonus oben drauf gab es dann für den Duisburger Marvin Ajani einen Platzverweis und Nils Winter zirkelte kurz danach den Ball in die Maschen zur längst überfälligen Führung. Der MSV warf nun alles nach vorne aber Oberhausen konterte geschickt und setzte mit dem 2:0 durch Matona-Glody Ngyombo ein fettes Ausrufezeichen. Der rot-weiße Anhang tobte, während es aus dem Gästeblock wütende Unmutsbekundungen gab. Dazu warf ein unbelehrbarer "Fan" in blau-weiß einen Böller in den Innenraum. Ja Pyro (Fackeln, Rauch) ist schön und gut, aber Böller und das Werfen von diesen ist und bleibt ein NoGo. Anscheinend blieb es auch nicht dabei, denn über das ganze Spiel verstärkte sich der Uringeruch vor der Gästekurve: Manche Zebras konnten wohl auf dem Klo nicht ihre Hufe unter Kontrolle halten. Ein sportlicher Hoffnungsschimmer in der 81. Spielminute als Aziz Bouhaddouz aus kurzer Instanz den RWO-Keeper Daniel Davari überwand und den Anschlusstreffer erzielte. Der MSV rannte wild an, aber Oberhausen spielte das Match gekonnt bis zur fünften Minute der Nachspielzeit runter und ging als hochverdienter Sieger vom Platz. Mit hängenden Köpfen mussten die Duisburger Spieler vor die eigene Fankurve und wurden mit einem Regen aus Bierbechern (volle und leere) und weiteren Utensilien bedacht. Auch der eine oder andere erboste Fan fand den Weg in den Innenraum zu den Spielern.Für Rot-Weiß Oberhausen wartet in der kommenden Pokalrunde der KFC Uerdingen. Der KFC genießt dann zwar Heimreicht, aber ob das Spiel in der Grotenburg stattfindet ist anscheinend noch nicht klar. Schön wäre es. Übrigens nach dem 2015er Sieg gegen den MSV ging das Niederrheinpokal-Finale im Elfmeterschießen verloren und zwar gegen Rot-Weiss Essen.Fotos: Alle Fotos Bildagentur frontalvision.com > RWO Fotostrecke auf turus > MSV Fotostrecke auf turus  

Jetzt in der App abspielen

1. FC Frankfurt (Oder) vs. Hertha BSC: Nostalgischer Fußballtag deluxe

23.09.2022 00:00:00

Während kurz hinter Erkner von Uwe die letzten Programmhefte gefaltet wurden, kam die Frage auf, wann zum letzten Mal rund 4.000 Zuschauer den Weg ins altehrwürdige Stadion der Freundschaft in Frankfurt an der Oder gefunden hatten. Beim Testspiel des 1. FC Frankfurt (Oder) gegen das Konstrukt aus Leipzig im Juli 2016 waren es 3.420 Zuschauer. Am gestrigen Nachmittag sollten es gegen Hertha BSC noch einmal 500 mehr werden, welche die Ränge füllten.  Mal vom Spiel gegen das Brause-Konstrukt abgesehen, musste man gedanklich weit zurückgehen, um Partien mit ähnlich großer Kulisse zu finden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verschwand der einstige ruhmreiche FC Vorwärts Frankfurt (Oder) zunächst als Viktoria in der sportlichen Versenkung. Mehr als Verbandsliga bzw. Brandenburg-Liga und NOFV-Oberliga waren seit 1991 nicht mehr drin. Seit der Fusion im Jahr 2012 versucht man nun als 1. FC Frankfurt (Oder) sein Glück und durfte zuletzt immerhin die Wiederkehr in die Nordstaffel der NOFV-Oberliga feiern. Mal abgesehen von der Auftaktniederlage gegen die Amateure des F.C. Hansa Rostock gelang der Saisonstart geradezu phänomenal.   Aber gut, wir waren bei der Zuschauerkulisse im Stadion der Freundschaft. Immerhin 850 Zuschauer waren es vor elf Jahren beim legendären Landespokalspiel gegen den SV Babelsberg 03, als es auf beiden Seiten brannte und qualmte und es vor Anpfiff zu einigen Laufereien auf den alten Rängen kam. Vierstellige Zuschauerzahlen gab es am 14. August 1994 beim Freundschaftsspiel gegen Borussia Mönchengladbach und bei den beiden U21-Länderspielen gegen Bulgarien und Portugal zu vermelden. Immerhin etwas mehr als 1.000 Zuschauer kamen zudem am 13. September 2014 ins Stadion der Freundschaft, als beim Heimspiel gegen den Eisenhüttenstädter FC Stahl das neue Funktionsgebäude eingeweiht wurde.   Die 4.000 fast geknackt wurde beim gestrigen Testspiel gegen die Alte Dame aus Berlin-Charlottenburg. Hätte das Spiel ein, zwei Stunden später begonnen, wären wohl locker 5.000 bis 6.000 möglich gewesen. Das derzeit fehlende Flutlicht sorgte jedoch dafür, dass die Partie bereits um 16:30 Uhr angepfiffen werden musste. Somit strömten zahlreiche Besucher last minute ins Stadion, und den Vereinsverantwortlichen waren Aufregung und Anspannung anzumerken. Bereits am 29. Oktober 1991 gab es schon mal ein Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC, das zugleich ein Abschiedsspiel für Thomas Rath war. Als FC Victoria ’91 Frankfurt (Oder) ging damals das Ganze gegen den Zweitligisten mit 0:5 verloren.    Nur nicht zweistellig verlieren, lautete gestern sicherlich die Devise. Und nach Möglichkeit sollte ein Treffer gegen die Berliner erzielt werden. Punkt eins konnte erfüllt werden, Punkt zwei konnte indes nicht erfüllt werden. Immerhin knapp 20 Minuten lang konnte der Kasten sauber gehalten werden, und die Heimzuschauer spendeten Applaus für jeden gehaltenen Ball und jede gelungene Aktion. Schnell war spürbar, dass nicht nur geschaut werden wollte, was die Bundesliga-Stars so schönes auf dem Rasen treiben. Vielmehr drückten beachtlich viele den Frankfurtern die Daumen. Allerdings sollte hier auch betont werden, dass etliche Zuschauer sowohl Utensilien von Frankfurt und von Hertha dabei hatten. Bei herrlichem Wetter erfreute man sich einfach daran, endlich mal wieder im Stadion der Freundschaft wie zu alten Zeiten ein sportliches Highlight vor guter Kulisse sehen zu dürfen.   1a war die Versorgungslage. Lange Warteschlangen an den Wurst- und Bierständen gab es kaum. Vor dem Stadion wurden zudem zahlreiche Bierbänke aufgebaut. Drei Euro für ein 0,4er Bier lagen völlig im Rahmen, gleiches galt für die Bratwurst. Zu gern hätte ich mal einen Torjubel nach einem Frankfurter Treffer gesehen, doch ließen die Berliner nix anbrennen. Nach 20 Minuten machten Richter und Maolida die ersten Treffer, in der 24. und 29. Minuten legten Ngankam und nochmals Maolida nach. Nachdem in der 39. Minute Darida das erste seiner drei Tore schoss, war zu befürchten, dass es doch zweistellig werden könnte. Allerdings war nach der 66. Minute Schluss, nachdem Mittelstädt und Darida innerhalb einer Minute zweimal einlochen konnten. Zuvor hatte Darida in der 56. Minute die zwischenzeitliche 6:0-Führung für Hertha BSC hergestellt.    Am Ende hieß es 0:8. Ein Ergebnis, für das sich der Oberligist keinesfalls schämen muss. Man hatte gekämpft und kam auch zu eigenen Möglichkeiten. Der Ehrentreffer war durchaus drin, doch wirklich enttäuscht war nach dem Spiel niemand. Zu sehr Spaß hatte es gemacht, alte Bekannte und Kumpels auf den Rängen zu treffen und mit ihnen zu plauschen und ein frisch Gezapftes zu zischen. Hinter dem Wall stromerten in der zweiten Halbzeit auch ein paar Cottbuser herum, doch sollte an diesem Nachmittag nix Weltbewegendes passieren.    Am Bierwagen neben der Haupttribüne fanden sich nach dem Spiel die alten Vorwärts-Fans ein und tauschten sich aus. Thema waren unter anderen das geplante Flutlicht, die Problematik mit dem Insektenschutz und selbstverständlich die alten guten Vorwärts-Zeiten. Da recht rasch die Dunkelheit hereinbrach und es empfindlich kühl wurde, verlegten ein paar alte Vorwärts-Fans das Epizentrum in ein Kneipchen jenseits der Bahnlinie.    Die Belegschaft fuhr mit dem Taxi vor, ich nutzte die Gelegenheit und lief gemütlich zu Fuß hinterher. Der lange abendliche Tunnel sorgte für ein gewisses Millwall-Feeling und ich testete mutterseelenallein die Akustik. „No one likes us, no one likes, no one likes us, we don’t care…“ Wenig später betrat ich die verquarzte Kneipe und fühlte mich auf einen Schlag um locker 25 Jahre zurückversetzt. Mein lieber Herr Gesangsverein, solch eine geile Zeitreise hatte ich lange nicht mehr gehabt. Tasche abgelegt und zum gereichten Flaschenbier gegriffen.    Dekoration wie in den 90ern, Mucke wie in den 90ern - das ganze Ambiente wie in den 90ern. Die Auswertung der ganz, ganz alten Zeiten konnte beginnen. Die Wimpel an den Wänden sorgten für Aufhänger. Qualifikation für die X. Fußballweltmeisterschaft 1974. Finnland vs. DDR in Tampere am 06.06.1973. 1:5. Da schlummerte ich noch in Mamas Bauch. DDR vs. Rumänien in Leipzig am 26.09.1973. 2:0. Ich lag bereits mit der Kina-Milchflasche im Babybett in Waldesruh vor den Toren Ost-Berlins. Apropos Milch. Heiß diskutiert wurde über die Milchsorten in der DDR. Es schien regionale Unterschiede gegeben zu haben. So wurde felsenfest behauptete, dass es an der Oder auch Milch mit Bananen- und Kokos-Geschmack gab. Konnte ich mir nicht vorstellen. Ich kenne nur Milch pur, Frucht, Vanille, Kakao und Schoko. Wobei einst die Sorten Vanille und Schoko H-Milch-Versionen waren und keine Fettbröckchen in den Zipfeln der dreieckigen Viertelliter-Milchtüten hatten.   Noch ein Bier, eine Runde Armdrücken, ein Gruppenfoto und weiteres Schwelgen über alte Zeiten. Ein Blick auf die Uhr. Zeit zu gehen, der Zug nach Berlin rief. Einmal bezahlen bitte. Die vier Bier. „Macht sechs Euro!“ Nee, oder? 1,50 Euro für die 0,5er Flasche Frankfurter Pils in geselliger Runde? Krass. Angenehm krass. Preise wirklich wie Mitte der 90er. Frankfurt, ick komme recht rasch wieder!    Apropos, alte Zeiten. Die einen wissen es bereits, die anderen noch nicht. Jüngst kam von mir ein Fußballroman über den ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) auf den Markt. Es wird gemunkelt, dass es - schreibtechnisch betrachtet - wohl mein bislang bestes Fußballbuch geworden ist. Reale Fußballhistorie verknüpft mit den Alltagsgeschichten in Ost-Berlin der 50er und 60er Jahre sowie in Frankfurt (Oder) der 70er und 80er Jahre. Das gute knapp 200-seitige Stück ist mit persönlicher Widmung bei mir zu haben. Einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! document.getElementById('cloakd4ff053356b8b73edecb25a567da37f3').innerHTML = ''; var prefix = 'ma' + 'il' + 'to'; var path = 'hr' + 'ef' + '='; var addyd4ff053356b8b73edecb25a567da37f3 = 'marco.bertram' + '@'; addyd4ff053356b8b73edecb25a567da37f3 = addyd4ff053356b8b73edecb25a567da37f3 + 'gmx' + '.' + 'de'; var addy_textd4ff053356b8b73edecb25a567da37f3 = 'marco.bertram' + '@' + 'gmx' + '.' + 'de';document.getElementById('cloakd4ff053356b8b73edecb25a567da37f3').innerHTML += ''+addy_textd4ff053356b8b73edecb25a567da37f3+'';  senden. Paar Infos zum Buch sind auf www.marco-bertram.de zu finden.  Noch ein Apropos. Bereits vor dem Bau der Berliner Mauer gab es Freundschaftsspiele gegen Hertha BSC - und zwar als ASK Vorwärts Berlin an der Plumpe. Die Vorwärts-Kicker ließen es damals mächtig krachen und siegten souverän. Für reichlich Trubel sorgte das auf der Brust getragene „Spalter-Zeichen“. West-Berliner Politiker und Medien drehten reichlich am Rad - die Zeiten in der geteilten Stadt waren alles andere als einfach. Hier ein Auszug aus meinem besagten Buch „Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel“, das im Verlag Culturcon medien erschienen ist: Zwei Begegnungen zwischen dem ASK Vorwärts Berlin und Hertha BSC hatte es bereits 1959 gegeben. Während der Status von Berlin auf weltpolitischer Ebene heiß diskutiert wurde – im Herbst 1958 hatten sowohl Walter Ulbricht, als auch Nikita Chruschtschow betont, dass ganz Berlin zum Hoheitsgebiet der DDR gehöre – fegte am 10. Juni 1959 im Jahn-Sportpark vor 30.000 Zuschauern Vorwärts die Jungs von der Plumpe mit 7:1 vom Platz. … Ein Wiedersehen gab es an der Plumpe am 8. Juni 1960, und dieses Mal wurden im Vorfeld eine Menge Kohlen aufgelegt. Die allgemeine Stimmungslage in der geteilten Stadt war arg erhitzt, und die großen Zeitungen hatten ihren Anteil dran. Als kurz zuvor der SC Chemie Halle beim VfL Bochum ein Freundschaftsspiel bestreiten wollte, kamen Polizeibeamte in die Kabine und teilten mit, dass es zu Polizeigewalt kommen würde, wenn die Hallenser mit dem DDR-Emblem auf der Brust den Rasen beträten. Hammer, Zirkel und Ährenkranz wurden im Westen als „Spalter-Symbol“ angesehen. Der SC Chemie Halle reiste aus Bochum ab und versuchte in Frankfurt am Main sein Glück, wo ein Testspiel beim FSV Frankfurt problemlos über die Bühne ging.  Vor dem Auftritt der Vorwärts-Mannschaft bei Hertha BSC – man durfte davon ausgehen, dass Hammer, Zirkel und Ährenkranz auf dem Trikot getragen würden – forderte der Tagesspiegel in einem Vorbericht indirekt ein durch die West-Berliner Polizei durchzusetzendes Veranstaltungsverbot. Diese wollte jedoch nichts davon wissen und beschränkte sich darauf, außerhalb des Stadions für Ordnung zu sorgen und den Verkehr zu leiten. Auch die Verantwortlichen von Hertha BSC ließen sich nicht beirren und konzentrierten sich voll und ganz auf das Sportliche. Ein erneutes sportliches Desaster konnten sie allerdings nicht vermeiden.  Vor rund 8.000 Zuschauern holte der ASK Vorwärts unter Trainer Harald Seeger einen klaren 5:0-Sieg. Bereits nach vier Minuten machte Gerhard Vogt die erste Bude, Gerhard Reichelt, Horst Kohle, Lothar Meyer und Peter Kalinke konnten fleißig nachlegen. Nun bei den Männern dabei war der junge Jürgen „Kuppe“ Nöldner, im Tor kam zur Halbzeit Horst Jaschke für Karl-Heinz Spickenagel zum Einsatz. Allerdings täuschte das klare Ergebnis darüber hinweg, dass Hertha BSC eine Stunde lang ein ebenbürtiger Gegner war. Erst nach dem zweiten Gegentreffer in der 64. Minute brach die West-Berliner Mannschaft komplett ein.  „Die Herthaner hatten nach Halbzeit praktisch keine Torchancen mehr, und wäre ihr Schlußmann Tillich nicht in überragender Form gewesen, hätte das Ergebnis auch zweistellig ausfallen können“, war am folgenden Tag in der Berliner Morgenpost zu lesen.  Der Westberliner Telegraf gab indes zu bedenken: „Es erhebt sich die Frage, ob es in Zukunft nicht zweckmäßiger wäre, Spiele gegen sowjetzonale Staatsprofis nur dann zu bestreiten, wenn unsere Saison noch in vollem Gange und die Mannschaften nicht schon spielmüde sind. Während nämlich Hertha BSC eine lange, nerven- aufreibende Meisterschaftsserie bereits hinter sich hat, stehen die ASKler mitten in ihren Punktekämpfen und wirkten auch entsprechend frischer.“  Thematisiert wurde in westdeutschen Medien noch tagelang das „Spalterzeichen“ auf den Trikots, und besonders der Tagesspiegel echauffierte sich über den Auftritt an der Plumpe: „Die Ostberliner Mannschaft der Volkspolizei musste sich auf Geheiß ihres Politruks das Wappen mit Hammer und Zirkel auf die gelbe Hemdbrust kleben, und Ostberliner Zeitungen melden die Tatsache, dass das Spalter-Emblem bei einem Fußballspiel auf Westberliner Boden gezeigt worden ist, mit Triumphgeschrei. Die Vereinsleitung von Hertha BSC war sich der Tragweite ihrer Handlung offensichtlich nicht bewusst, als sie ihre Mannschaft zu dieser Begegnung auf das Feld laufen ließ.“  Zu einem Wiedersehen des ASK Vorwärts Berlin und Hertha BSC sollte es aufgrund des Mauerbaus am 13. März 1961 ohnehin nicht mehr kommen. … Fotos: Marco Bertram, Bildagentur frontalvision.com > zur turus-Fotostrecke: FC Vorwärts / 1. FC Frankfurt (Oder) > der Fußballroman über Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) auf www.marco-bertram.de

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen: Nächster Heimdreier vor guter Kulisse gegen Saarbrücken

20.09.2022 00:00:00

"Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn! Götze!“ ähnlich wie 2014 halb Deutschland nach dem Kommentar von Tom Bartels vor der Glotze Kopf stand, so dreht gestern um 19:37 Uhr das Stadion an der Hafenstraße komplett durch, jedenfalls diejenigen die es mit „Rot-Weiss“ hielten. Aber nicht Mario traf sehenswert, sondern sein jüngerer Bruder Felix Götze (ausgeliehen vom FC Augsburg) in der 37. Spielminute für Rot-Weiss Essen gegen den bis dato ungeschlagenen 1. FC Saarbrücken.Damit hatten nicht viele vor dem Spiel gerechnet. Immerhin sind die Saarländer gut dabei in Liga 3 (Platz 4) und hatten in der Vorwoche die SpVgg Bayreuth mit einem satten 6:0 vom Platz gefegt, während RWE im Hans-Walter-Wild-Stadion vor ein paar Wochen nur zu einem knappen 1:1 kam. Aber die dritte Liga ist verrückt und nicht berechenbar und vor allem Essen zeigt nach einem schwierigen Start eine immer bessere Leistung. Auch wenn nicht alle mit einem Erfolg rechneten, zu Hause an einem Montagabend zu verkriechen ist auch nichts für die RWE-Fans. Gestern kamen 15.900 in das Stadion an der Hafenstraße, darunter über 1.000 Fans aus dem Saarland, die den Gästeblock richtig gut rockten.Ja von der Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen ehemaligen RWE-Präsidenten Wilfried Schenk wussten sie wahrscheinlich nichts und starteten schon vor dem Einlaufen der Teams ihre Pyroshow aus blauem und schwarzem Rauch sowie Feuerregen. Dabei blieb es aber nicht. Während des ganzen Spiels wurde nicht nur stimmlich, sondern auch mit Pyroelementen eingeheizt. Die RWE-Fans hielten gut dagegen. War es zu Beginn des Spiels noch verhältnismäßig (nervös) ruhig, wurde das Stadion zum Ende des Spiels hin komplett euphorisch. Was natürlich auch am Spielverlauf lag.Der 1. FC Saarbrücken präsentierte sich vom Start weg als der Favorit auf die drei Punkte und drängte direkt auf das Essener Tor. Die erste Angriffswelle konnte RWE gut meistern und kam selber zu guten Möglichkeiten. Lawrence Ennali verpasste nach einem Pass von Kefkir unglücklich und donnerte den Ball neben das Tor. Im Gegenzug hätte Frantz nach einer Flanke am langen Pfosten fast den Fuß dran gehabt, aber der Ball ging ins Aus. Besser machte es dann in der 37. Spielminute Essen: Mit gekonntem Pressing durch Ennali und einem schönen Sololauf von Felix Götze wurde die 1:0 Führung erzielt ("Mach ihn" - ja er machte ihn) mit der es auch in die Pause ging.In der zweiten Halbzeit versuchte RWE direkt auf das zweite Tor zu gehen, aber auch Saarbrücken legte mit frischen Offensivkräften nochmal zu. Zum Spielende kam Essen kaum noch aus seiner Hälfte heraus und sogar der Torwart der Gäste „turnte“ im Strafraum herum. Einen magischen Moment bescherte den heimischen Fans der in den letzten Wochen viel gescholtene ("meine jüte es war nur ein Patzer") Torhüter Jakob Golz, der einen Kopfball von Sebastian Jacob sensationell parieren konnte. Aber auch Mustafa Kourouma, der für Andreas Wiegel kam, bekam mehrfach Szenenapplaus für seine feine Ballbehandlung in der Abwehr.Am Ende stand trotz der druckvollen Saarbrücker ein verdienter 1:0 Sieg für Rot-Weiss Essen in der „verrückten“ Liga 3. Am kommenden Wochenende ist Spielpause. Einmal etwas durchschnaufen, genießen und hart weiter arbeiten und das ohne die teils überzogene Kritik aus dem Netz als Nebengeräusche. Ab dem 2. Oktober folgen zwei Auswärtsspiele: Erst bei Wehen Wiesbaden und danach bei der zweiten Mannschaft des SC Freiburg. Am 15. Oktober steht das nächste Traditionsduell in Liga 3 an, denn dann kommt die SG Dynamo Dresden in das dann sicherlich "rappelvolle" Stadion an der Hafenstraße.Fotos: Alle Bilder Bildagentur www.frontalvision.com > turus Fotostrecke Essen> turus Fotostrecke Saarbrücken

Jetzt in der App abspielen

Wasserschlacht in Bornheim: FSV Frankfurt vs. SSV Ulm 1846

17.09.2022 00:00:00

Voilà! Am 14. September 2022 hatte es mich in die Regionalliga Südwest verschlagen. Im Spiel des 7. Spieltages trafen der FSV Frankfurt und der SSV Ulm aufeinander. Das Spiel begann bereits regnerisch in der PSD Bank Arena, als der Schiedsrichter um Punkt 19 Uhr das Spiel anpfiff.Der FSV Frankfurt hatte Schwierigkeiten ins Spiel zu kommen, was Ulm in der achten Minute zum ersten Mal nutzte, als Hannemann aufs Tor zog und dieses um etwa 15 Meter verfehlte. Eine Minute später drehte der Ulmer Jann den Ball bei der Ecke so ein, dass dieser glatt im Aus landete.   In der 15. Spielminute gab es dann gleich zwei Ecken für den SSV Ukm. Ludwig spielte den Ball in den Strafraum, der aber direkt zur nächsten Ecke geklärt wurde. Bei dieser Ecke verpasste der FSV-Schlussmann Bremer den Ball und der Nachschuss von Reichert konnte geklärt werden. An der Sechzehnerkante kam wenig später Lucas Röser an den Ball, drehte sich um und schoss die Pille platziert ins Tor. 1:0 in der 17. Minute für den SSV Ulm! Im weiteren Verlauf war das Spiel recht eintönig, da Ulm weiter die Oberhand behielt, ehe der Regen weiter zunahm und der Schiedsrichter in der 31. Minute das Spiel wegen des Unwetters unterbrach. Als das Gewitter vorbeigezogen war, kam das Schiedsrichtergespann zur Begutachtung auf den Platz zurück. Der Linienrichter ließ den Ball aus Hüfthöhe auf den Rasen fallen und er blieb wie eine Bowlingkugel liegen. Auch die darauffolgenden Passversuche durch die unzähligen Pfützen ließen auf den Rängen keinen Zweifel mehr zu, dass das Spiel abgebrochen wird. Doch dann die Überraschung! Es ging weiter! Die Verantwortlichen haben auf jeden Fall Humor bewiesen, als auf der Anzeigetafel „Spielstand war 3:1 oder?“ zu lesen war. Nach dem Schiedsrichterball drehte Frankfurt plötzlich auf. Wasserball scheint den Jungs aus Bornheim zu liegen. Es war der Ulmer Abwehr zu verdanken, dass die Frankfurter nicht den Ausgleich erzielten.   Viel passierte nicht mehr bis zur Pause. Bei Rindsbratwurst und Äppler beobachte ich, wie die Greenkeeper verloren den Rasen begutachteten und schulterzuckend wieder abzogen. In der Zwischenzeit war die Gästezahl von 14 auf rund 40 gestiegen, da einige Ulmer zuvor in einer Vollsperrung auf der A8 feststeckten. Somit waren am heutigen Tag 828 Zuschauer am Richard-Herrmann-Platz anwesend.   Der SSV Ulm von 1846 hatte sich nach Wiederanpfiff etwas zurückgezogen und war eher daran bedacht keinen stecken gebliebenen Ball ins Gehäuse zu bekommen. In der 58. Minute setzt sich Ulm durch, doch der Pass auf Hannemann kam zu weit hinten an, sodass er den Ball vertändelte. Frankfurt lag der tiefe Boden mehr und konnte sich einige gute, aber nicht wirklich gefährliche Möglichkeiten erarbeiten. Ich würde Euch ja gerne mehr vom Spielgeschehen erzählen, aber außer der Großchance durch den FSV-Spieler Ünlücifi, der das Tor nur knapp verfehlte, passierte rein gar nichts Spannendes.   Mit vier Minuten Nachspielzeit endete dieses Spiel, und ich beneidete die Greenkeeper nicht um ihre kommende Aufgabe. Der Ascheplatz, auf dem ich als Kind gespielt habe, sah besser aus als das Feld hier. Text und Bilder: Benjamin Barsig

Jetzt in der App abspielen

DDR-Oberliga und Europapokal! Vorwärts und Dynamo im Vergleich

15.09.2022 00:00:00

Goldene 1960er vs. Goldene 1980er. Sechs DDR-Meistertitel vs. zehn DDR-Meistertitel. Zwei FDGB-Pokalsiege vs. drei FDGB-Pokalsiege. 13 Europapokal-Teilnahmen vs. 17 Europapokal-Teilnahmen. 22 Siege vs. 24 Siege in der DDR-Oberliga. Die Rede ist von der Bilanz des ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) im direkten Vergleich zum SC Dynamo Berlin / BFC Dynamo. Während der ASK / FC Vorwärts Berlin vor seinem Umzug nach Frankfurt (Oder) ganz klar seine erfolgreichste Zeit zwischen 1958 und 1969 hatte, startete die Serie des BFC Dynamo von zehn DDR-Meistertiteln in Folge ab 1979. In der Zwischenzeit waren der 1. FC Magdeburg und die SG Dynamo Dresden in der DDR - ähnlich wie Borussia Mönchengladbach in der BRD - das Maß aller Dinge.Schaut man sich die Historie von Vorwärts und Dynamo (Berlin) an, so gibt es nur eine Phase, in der beide Vereine zeitgleich sportlich richtig erfolgreich waren. 1983 holte der BFC Dynamo gerade seinen fünften Meistertitel, als der FC Vorwärts Frankfurt (Oder) etwas überraschend Vizemeister wurde. So waren es in der Saison 1982/83 immerhin rund 9.000 Zuschauer, die im Schnitt ins Stadion der Freundschaft pilgerten (beim BFC waren es 12.500).  Bereits im Jahr zuvor - Vorwärts wurde Tabellenvierter - durften beide Vereine ihre Visitenkarte auf europäischem Parkett abgeben. So hatte es im Herbst 1983 der BFC Dynamo im Europapokal der Landesmeister mit dem Hamburger SV zu tun, der FC Vorwärts Frankfurt (Oder) kreuzte indes die Klingen mit dem SV Werder Bremen. Beide schlugen sich achtsam, mussten jedoch gegen die westdeutschen Rivalen die Segel streichen.  Stichwort Europapokal. Den ersten Auftritt auf europäischer Bühne hatte der SC Dynamo Berlin (ab Januar 1966 dann BFC Dynamo) in der Saison 1961/62, als in der Gruppenphase des International Football Cup gegen Spartak Hradec Králové, Górnik Zabrze und den Wiener Sport-Club angetreten wurde. Auch der ASK Vorwärts Berlin war in jener Spielzeit in diesem Wettbewerb dabei und hatte es mit dem ŠK Slovan Bratislava, Odra Opole und dem Wiener AC zu tun. Am Rande: In anderen Gruppen mit von der Partie waren unter anderen der VfL Osnabrück, Kickers Offenbach, der FK Pirmasens und der SC Tasmania 1900 Berlin.  Parallel dazu nahm der ASK Vorwärts Berlin auch am Europapokal der Landesmeister teil, wo in der ersten Runde der Linfield FC geschlagen werden konnte. Schluss war im Achtelfinale gegen die Glasgow Rangers (1:2 und 1:4). Für den ASK Vorwärts war es bereits die dritte Teilnahme am Europapokal der Landesmeister. Bei der Premiere im Herbst 1959 hatte es Vorwärts mit den Wolverhampton Wanderers zu tun. Das Hinspiel wollten am 30. September 1959 im Walter-Ulbricht-Stadion (später Stadion der Weltjugend) rund 65.000 Zuschauer sehen, Jürgen ‚Kuppe’ Nöldner und Horst Kohle erzielten die Treffer zum umjubelten 2:1-Sieg. Das Rückspiel am 7. Oktober 1959 ging indes im Molineux Stadium mit 0:2 verloren. Jeweils ins Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister und des Europapokals der Pokalsieger zog der FC Vorwärts Berlin in den Spielzeiten 1969/70 und 1970/71 ein. Panathinaikos Athen, Roter Stern Belgrad, der FC Bologna und Benfica Lissabon wurden in teils hoch dramatischen Schlachten rausgekegelt. Schluss war gegen Feijenoord Rotterdam (damals noch ohne „y“) und den PSV Eindhoven. Apropos Eindhoven. Als FC Vorwärts Frankfurt (Oder) gab es im Herbst 1984 die letzten Auftritte auf europäischer Bühne. Vor begeisterten Fans wurde im Stadion der Freundschaft der PSV mit 2:0 geschlagen - das 3:0 war bereits auf dem Fuß -, im Rückspiel setzte es eine bittere 0:3-Niederlage.  In jener Saison musste der BFC Dynamo im Europapokal der Landesmeister in der ersten Runde gegen den Aberdeen FC antreten. Nachdem auswärts mit 1:2 verloren wurden, konnte das Rückspiel im Jahn-Sportpark mit 2:1 nach Verlängerung gewonnen werden. Das Elfmeterschießen musste her. Gänsehautstimmung. Rainer Ernst haute den Elfer links oben rein. Ein Pfeifkonzert, als die schottischen Schützen antraten. Frank Rohde haute den Ball halbhoch auf der linken Seite rein. Dann traf Bernd Schulz nur die Latte. Das Aus? Rainer Troppa schob lässig ein, danach konnte BFC-Keeper Bodo Rudwaleit den Schuss von Willy Miller halten. Welch ein Jubel! In der Folge konnte Frank Terletzki verwandeln und Bodo Rudwaleit den Schuss von Eric Black abwehren. Norbert Trieloff bewies Nerven und brachte den Ball unter. Wohl kaum war der Jubel im Jahn-Sportpark dermaßen frenetisch wie bei diesem Sieg gegen Aberdeen. Nachdem 1989 die SG Dynamo Dresden den BFC Dynamo als Meister ablöste, trat der BFC Dynamo als FDGB-Pokalsieger im Herbst 1989 im Europapokal der Pokalsieger an und setzte sich in der ersten Runde gegen Valur Reykjavík mit 2:1 und 2:1 durch. Verdammt ärgerlich war dann das Ausscheiden gegen den AS Monaco. Nach dem 0:0 im Hinspiel stand es auch im Rückspiel nach 90 Minuten 0:0. In der 110. Minute machte Eike Küttner an jenem 1. November 1989 das 1:0 für den BFC Dynamo. Alles gut? Nein! In der 117. Minute machte Ramón Díaz den Ausgleich für die Monegassen klar. Das Aus für den BFC Dynamo. Hätte man dieses Spiel gewonnen, ja, hätte, hätte, Fahrradkette. Wer weiß, wie es beim BFC weitergegangen wäre. Zurück zu den Fakten. Im FDGB-Pokal traten der FC Vorwärts Frankfurt (Oder) und der BFC Dynamo dreimal gegeneinander an. Zweimal konnte sich Vorwärts durchsetzen - 5:4 im Elfmeterschießen am 25. März 1981 und 2:0 nach Verlängerung am 9. Dezember 1989 -, einmal konnte der BFC Dynamo gewinnen. Am 27. März 1982 erzielten Bernd Schulz und Ralf Sträßer die Treffer zum 2:0-Sieg.  Und im Ligabetrieb? Als in der DDR-Oberligasaison 1952/53 Vorwärts noch in der Messestadt Leipzig spielte, war der SC Dynamo noch nicht am Start. Am Ende jener Spielzeit wurde Vorwärts nach Ost-Berlin umgesiedelt und spielte nach dem Abstieg als SV Vorwärts KVP Berlin in der DDR-Liga. Bereits in ZSK Vorwärts Berlin umbenannt, glückte in der Staffel 2 der souveräne Aufstieg in die DDR-Oberliga. Somit kam es in der Saison 1954/55 zu den ersten Pflichtspielen zwischen dem ZSK Vorwärts Berlin und dem SC Dynamo Berlin. Am Ende jener Spielzeit hatten beide Vereine 26:26 Punkte, die direkten Duelle konnte der SC Dynamo mit 4:0 und 3:1 für sich entscheiden.  Es sollte bis zum 23. März 1958 dauern, bis Vorwärts den ersten Sieg gegen Dynamo einfahren konnte. Vor rund 10.000 Zuschauern trafen Rolf Fritzsche und Horst Kohle ins Schwarze, am Ende stand es 2:1 für den ASK Vorwärts. Es startete die goldene Ära von Vorwärts Berlin, doch blieben die direkten Duelle meist ausgeglichen. Mal gewann Vorwärts mit 3:0, mal behielt der SC Dynamo mit 4:1 die Oberhand.  Wenngleich nach dem Umzug von Vorwärts im Sommer 1971 in die Oderstadt der BFC Dynamo meist der klare Favorit in den Ligaspielen war und 16-mal gewinnen konnte, so schaffte es der FC Vorwärts Frankfurt (Oder) immer wieder die Weinroten zu ärgern. Immerhin achtmal wurde gewonnen, neunmal wurde ein Remis abgerungen. So gab es in den 1980er Jahren gleich zweimal ein 3:3 im Stadion der Freundschaft, am 9. September 1983 sahen die Zuschauer im Stadion der Freundschaft ein 4:5-Torfestival. Den höchsten Sieg von Dynamo (seit 1954 alle eingerechnet) gab es am 23. August 1975 zu sehen. Nach 0:1-Rückstand endete das Ganze 7:1. Zweimal mit 5:2 konnte Vorwärts die dynamischen Jungs bezwingen. Am 24. August 1974 in Frankfurt und am 10. September 1969 in Berlin.  Die letzten (traurigen) Aufeinandertreffen gab es in der letzten Oberliga-Saison 1990/91. Als FC Berlin konnte der BFC zweimal mit 2:1 gegen den FC Vorwärts Frankfurt bzw. den FC Victoria 91 Frankfurt gewinnen. Das Duell in Berlin wollten nur noch 676 Zuschauer sehen, beim Abschied in Frankfurt waren am 25. Mai 1991 nur noch rund 700 Unentwegte dabei…    Buch-Tipp ‚Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel‘ Mit sechs Meistertiteln und zwei FDGB-Pokalsiegen war der ASK/FC Vorwärts Berlin in den 1960er Jahren einer der erfolgreichsten Vereine in der DDR-Oberliga. Es gab legendäre EC-Spiele gegen Wolverhampton, Benfica und Feyenoord. Namen wie Otto Fräßdorf, Jürgen „Kuppe“ Nöldner sowie Karl-Heinz Spickenagel hatten einen großen Klang. Mit dem Umzug nach Frankfurt (Oder) endete zwar die goldene Ära des Vereins, doch auch im Stadion der Freundschaft feuerte eine treue Anhängerschaft ihre Helden im rot-gelben Dress an. Aus dem Blickwinkel von zwei jugendlichen Anhängern lässt Marco Bertram die Vereinsgeschichte lebendig werden. Dabei zeigt er das reale sportliche Geschehen eingebettet in eine farbenfrohe Schilderung des zeitgenössischen DDR-Alltags. Zum Autor:  Marco Bertram wurde 1973 in Ost-Berlin geboren und geht seit dem Fall der Mauer Woche für Woche zum Fußball. Seit 2008 betreibt er gemeinsam mit K. Hoeft das Onlinemagazin turus.net. In den vergangenen Jahren veröffentlichte er zahlreiche Fußballbücher, u.a. „Zwischen den Welten“, „BFC Dynamo Fußballfibel“, „F.C. Hansa Rostock Fußballfibel“, „Fußballheimat Brandenburg“ und „Kaperfahrten – Mit der Kogge durch stürmische See“. Aufgrund fester privater Freundschaften hat er seit Anfang der 1990er-Jahre eine besondere Beziehung zur Stadt Frankfurt (Oder).  > Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit auf www.marco-bertram.de  Textprobe aus dem Fußballroman „Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel“: Ein paar Tage später hatte ihn jedoch wieder der Fußball im Griff. In der Abstiegssaison 1987/88 war noch mal richtig was los, es schien, als wolle man allen anderen Fans noch einmal zeigen, wo der Hammer hängt. Als ob die FCV-Fans spürten, dass danach endgültig die Tristesse Einzug halten würde. Häufig wurden die Frankfurter aufgrund der seit 1985 stetig abnehmenden Zuschauerzahlen arg belächelt, aber anscheinend befeuerte dies zusätzlich die kleine Anzahl der handfesteren Frankfurter Partisanen, und so manche siegestrunkene auswärtige Nachzügler-Gruppe erlebte in der Gubener Straße nach Abpfiff unerwartet ihr rot-gelbes Wunder.  So unter anderem auch die Fans aus Aue, die sich an einem Freitagabend im Herbst 1986 unter der Anzeigetafel im Stadion der Freundschaft eingefunden hatten. Bereits weit vor Spielende hatten etliche Frankfurter, im Stil der Ostberliner BFC-Schule, das Stadion verlassen, um sich am schlecht beleuchteten Reichsbahner- Denkmal nahe Hauptbahnhof zu positionieren. Dort verteilten sie wenig später überfallartig im Halbdunkel etliche Backpfeifen an die mehr als überraschten gen Bahnhof trottenden Auswärtigen. Einige Auer waren dermaßen geschockt, dass sogar vereinzelt Tränen flossen und Frankfurter Fans dazwischen gingen, um das Ganze zu stoppen. Molli stockte bei solchen Szenen das Herz. Eine Mischung aus Faszination, Schock und Ekel.  Seinen Augen traute Molli kaum am Abend des 11. Dezember 1987. Der FC Vorwärts empfing den BFC Dynamo. Thomas Doll brachte die Berliner mit 1:0 in Führung, Lutz Schnürer konnte zum 1:1 ausgleichen und auf den Rängen blieb es erwartungsgemäß entspannt. Nach Abpfiff zog eine beachtliche Gruppe sportlich gekleideter BFCer nebst ihren Frankfurter Sportsfreunden gemeinsam über den dunklen Vorplatz des Stadions und skandierte lautstark: „Falko Götz! Falko Götz!“ Wie aus dem Nichts schossen Mitarbeiter des MfS in Trenchcoats heran, zückten die Teleskop-Schlagstöcke und schlugen auf die Truppe ein. So was hatte Molli noch nie zuvor gesehen und der Schrecken fuhr ihm in die Glieder. Erst später begriff er, dass die Falko-Götz-Rufe reine Provokation waren, da dieser sich am 3. November 1983 in den Westen abgesetzt hatte. … Fotos: Marco Bertram, Bildagentur frontalvision.com > Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit auf www.marco-bertram.de 

Jetzt in der App abspielen

TeBe und das irre Auf und Ab: Oldenburg, Derbysieg, Tuntentour und Gruselkabinett Regionalliga

14.09.2022 00:00:00

Berliner Fußball Mitte der 90er. Wenn ich so überlege, gibt es da einige Aspekte. Nach meinen dreieinhalb Jahren im Rheinland mit einem reich gedecktem Fußball-Gabentisch erfolgte ab Herbst 1994 in meiner Heimatstadt die Ernüchterung. Irgendwie schien hier alles im Arsch zu sein.  Union verlor unter der Woche vor etwas über 900 Zuschauern gegen Hertha Zehlendorf, und eine bedrückende Weltuntergangsstimmung machte sich im Schummerlicht breit. Hertha kickte vor 4.000 bis 6.000 Zuschauern im maroden Rund gegen Mainz 05 und Chemnitz, beim FC Berlin (BFC Dynamo) gab es daheim - bis auf wenige Lichtblicke - meist auch nur ein Trauerspiel zu sehen, und dann wäre da noch Tennis Borussia Berlin.Die Sache mit der gefälschten Bankbürgschaft und dem Nicht-Aufstieg von Union Berlin war noch ganz frisch, und mit Argwohn schaute ich auf die Lila-Weißen in Berlin-Charlottenburg, doch nahm ich damals so ziemlich alles mit, was der Fußballkalender bot. Reinickendorfer Füchse, Hertha Zehlendorf - Hauptsache, der Ball rollte und die freie Zeit konnte gefüllt werden. Fühlte es sich im Berliner Olympiastadion schon wie eine Zeitreise an - die vergilbten Vorhänge in der Stadionkneipe, die skurrilen Typen, all der Verfall -, so haute der West-Berliner Muff der 70er im Mommsenstadion noch mehr rein.   Ein dortiger Stadionbesuch war teils echt eine Folter. Die gähnende Leere in großen Teilen der Kurven, die knarzende Stimme des Stadionsprechers, die traurig hängenden lila-weißen Stoffe am Zaun vor der Haupttribüne. Überall roch es nach Tristesse, und doch mochte ich das ganze Ambiente irgendwie. Es war eine andere Tristesse als damals im Sportforum Hohenschönhausen und in der Alten Försterei. Für mich als geborenen Ost-Berliner war dieser West-Berliner Muff eine neue Welt. Eine durchaus willkommene Abwechslung. Die alten Herren mit den Biertulpen im verrauchten Casino, die teils auf Klappstühlen sitzenden Typen hinter den Zaunfahnen.  Nun denn, so dachte ich mir, wenn es Hertha, Union und der BFC nicht auf die Reihe kriegen, soll es halt TeBe richten. Also tigerte ich am 26. August 1995 ins Mommsenstadion und drückte den Berlinern im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC ein wenig die Däumchen. Vor 5.130 Zuschauern kam es jedoch bitter, in der 89. Minute musste das 1:2 hingenommen werden, geschossen von Slaven Bilic. Am Ende der Saison 1995/96 war ich ebenfalls am Start, als Tennis Borussia Berlin in der Aufstiegsrunde den VfB Oldenburg empfing. Wieder einmal konnte man sich deftig drüber echauffieren, dass die Staffelmeister nicht direkt aufsteigen durften.   Vor 5.683 Zuschauern ging TeBe mit 1:0 in Führung, in der 76. Minute musste der Oldenburger Ausgleichstreffer hingenommen werden. Ich drehte ein paar Runden, fertigte Fotos an und schaute im Gästeblock vorbei, wo ein paar Unioner und Rostocker einen TeBe-Schal verbrannten. Im Rückspiel kam es knüppeldick. Nicht, dass TeBe mit 6:0 verprügelt wurde, nein, vielmehr schrammte man denkbar knapp am Aufstieg vorbei. Beim Stand von 2:1 für Oldenburg gab es in der 103. Spielminute einen Elfer für die Berliner. Taskin Aksoy verwandelte und TeBe war auf der Schwelle zur 2. Bundesliga. Nix da! „Nich freun!“, hieß es. Der Elfmeter musste Dank Dr. Markus Merk wiederholt werden - und dieses Mal verschoss Aksoy vom Punkt aus. War das bitter! „Nich freun!“ So heißt ein Kapitel in der frisch aus dem Druck gekommenen „Tennis Borussia Berlin Fußballfibel“, die Daniel Stolzenbach gemeinsam mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern geschrieben hat. Ab Seite 97 ist einiges von Martin Hoffmann und Mirko Niehoff zu lesen, was die die turbulente Zeit in den 90ern betrifft. Arg war war die Zeit für die TeBe-Fans in der Höllen-Liga Regionalliga Nordost, die an anderer Stelle auch als Gruselkabinett bezeichnet wird. Für die lila-weiße Anhängerschaft wurden die Auswärtsfahrten zu einem echten Spießroutenlauf. Entgegenschlagender Hass in der Alten Försterei, Steine werfende Chaoten in Cottbus, Reiterstaffeln in Leipzig und Dresden.   Und dann das Scheitern in Oldenburg. Tränen im Bus. Rittersport-Schokolade mit Keks als Trostpflaster. Eine neue Runde Horror-Liga. Immerhin wurde die Fanszene etwas größer, Kontakte wurden unter anderen mit den Fans von Türkiyemspor geknüpft. Das Ganze wurde bunter, offener und lebendiger. Der Ruf von den Schnöseln mit der „enorm ungeilen Jack-White-Playlist“ konnte ein stückweit abgelegt werden. Dank der Göttinger Gruppe ging es auch sportlich aufwärts. 1998 durfte der Aufstieg in die 2. Bundesliga gefeiert werden. Dem nicht genug, wurde am 28. Oktober 1998 ein denkwürdiger 4:2-Sieg im DFB-Pokal gegen Hertha BSC eingefahren. Vor über 40.000 Zuschauern ließen es Ilija Aračić (2x) Francisco Copado und Kreso Kovacec gegen den Erstligisten krachen. Plötzlich war TeBe in aller Munde - und das nicht nur sportlich. In der „match live“ durfte man auf abgedruckten Farbfotos die Choreo der TeBe-Fans bestaunen. Auf vier mächtigen Stoffbahnen - eine ähnliche Choreo gab es kurz zuvor bei 1860 München - waren die vier großen Buchstaben zu sehen. TEBE. Das Ganze in fettem Lila auf Unterhosenweiß. Kurioserweise gab es in der folgenden Saison schon wieder ein Aufeinandertreffen im DFB-Pokal. Das Duell der dritten Runde wollten 23.300 Zuschauer im Olympiastadion sehen, und bereits nach vier Minuten brachte Uwe Rösler die Lila-Weißen in Führung. Am Ende musste sich TeBe mit 2:3 nach Verlängerung geschlagen geben. Aus der kühnen Vision, dass Tennis Borussia Berlin mit dem Trainer Winnie Schäfer schon recht bald in der Champions League spielen würde, wurde nix. Die Göttinger Gruppe geriet in Schieflage und stieg letztendlich bei TeBe aus. Eine Lizenz gab es nicht von Seiten des DFB, es ging runter in die Regionalliga Nord und ein Jahr später in die NOFV-Oberliga Nord.   TeBe spielte von 2001 bis 2009 in der Oberliga, schnupperte 2009/10 noch einmal Regionalliga-Luft und stürzte dann in die Verbandsliga ab. Am End der Saison 2010/11 scheiterte TeBe in der Abstiegsrelegation gegen den Süd-Vertreter SC Borea Dresden und musste nun ganz kleine Brötchen backen. Erfreulich: Die TeBe-Fanszene war inzwischen um einiges größer als damals zu Zweitligazeiten. „Im Neunerbus nach Wattenscheid, aber mit 200 Leuten zum TSV Rudow. Was davon schöner ist, muss jede / jeder für sich selbst beantworten - eins ist sicher: das Beste aus beiden Welten, mit 200 Leuten in der Zweiten Liga nach Wattenscheid, wird es wohl nicht geben. Das liegt aber zunächst mal an Wattenscheid …“ Mit diesen Worten endet das besagte Buchkapitel über die 90er Jahre.   Was das Buch betrifft: Ich nahm die lila-weiße Fußballfibel zuerst bei einem Glas Wein mit auf den Balkon und anschließend las ich diese gleich weiter in der warmen Wanne. Was soll ich sagen? Ich war begeistert! Vor allem die Episoden aus den 90er Jahren ließen im Geiste noch einmal alles Revue passieren. So vieles wurde auf den Punkt gebracht, und es ist spannend, mal alles aus der Sicht von TeBe-Fans zu lesen. Ich saugte die abgedruckten Spielberichte von 1996 bis 2000 aus dem Fanzine Victory auf. Auswärts in Erfurt, Dresden und bei Union. Mal mit Sakko und Krawatte - Que sera, sera, die Borussen sind wieder da, mit Krawatte wie jedes Jahr, que sera, sera … , mal mit Perücken. Federboas und Strapsen. Was müssen die Cottbuser gekiekt haben, als aus dem Gästeblock das „Wir vögeln Euch alle!“ und das „Wir sind TeBe, wir sind TeBo und wollen in euren Po!“ ertönte. Die Beleidigungen von der Heimseite liefen ins Leere, nach dem Spiel ließ man die TeBe-Fans sogar ungehindert zu ihrem Bus laufen. Und das zum ersten Mal!  Die TeBe-Fußballfibel kommt mit ihren 214 Seiten recht dick daher, und der Autor Daniel Stolzenbach tat gut daran, möglichst viele Leute zu Wort kommen zu lassen. Somit ergeben sich abgeschlossene Kapitel, und je nach Belieben können dann halt beim Lesen einzelne Abschnitte, die einen nicht besonders interessieren, einfach weggelassen werden. Überflogen habe ich ich sämtliche Texte, doch waren es in meinem Fall die Kapitel über die alten Zeiten, die mich wirklich gefesselt haben. So fand ich das Interview mit Lutz und Denis grandios, die in den 80er Jahren zur Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin gingen und nach deren Konkurs im Frühjahr 1992 zu TeBe wechselten. So legte die damalige Auflösung von BW 90 ganz klar den Grundstein für die heutige TeBe-Fanszene, die zu jenem Zeitpunkt quasi nur aus dem Fanclub Germany bestand. Wieder mal was dazu gelernt!   Kurzum: Man muss wahrlich kein TeBe-Fan sein, um dieses Buch zu mögen. Für die Erweiterung des eigenen Fußballhorizonts ist dieses Buch wirklich ideal. Daniel Stolzenbach wollte in seinem Buch darstellen, wie TeBe wirklich ist - und das ist ihm außerordentlich gut gelungen. Eine klare Kaufempfehlung von mir!  Info: Am Donnerstag, den 15. September 2022 signiert Daniel Stolzenbach die „Tennis Borussia Fußballfibel“ von 16 bis 19 Uhr in der Ventil Verlagsbuchhandlung in der Florastraße 34B in Berlin Pankow. Fotos: TeBe Fußballfibel, Marco Bertram, Felix > zum Onlineshop von CULTURCON medien

Jetzt in der App abspielen

Mission geglückt! Rostocker Sieg in Fürstenwalde - der Tag war gerettet!

12.09.2022 00:00:00

„Papa, warum kann man hier nicht durch?“ „Papa, das war kein Tor! Da steht immer noch 0:1!“, „Wo ist Mama? Ich will zu Mama!“ „Ich will Pommes!“ „Papa, trinken!“ „Wo bleibt die Pyrotechnik?!“ „Papa, ich glaube, ich interessiere mich doch nicht so doll für Fußball!“ Fünf Minuten später. „Papa, Hansa ist toll! Und du bist der beste Papa der Welt!“ - Oh, meine Güte. Welch ein emotionales Auf und Ab im Friesenstadion beim jüngeren Spross am gestrigen Nachmittag. Das Ganze verhielt sich wie beim Wetter. Sonnenschein und Regenschauer. Am Ende gab es strahlende Gesichter bei beiden Kindern. Die Amateure des F.C. Hansa Rostock konnten beim FSV Union Fürstenwalde mit 3:1 gewinnen - und trotz Regen gab es quasi wieder Sonnenschein. Der Tag war gerettet - der ganze Einstand als Fußballfan war quasi gerettet.Zugegeben, das Ganze hing bei Felix (6 Jahre) am seidenen Faden. Zwar sang er bereits mit zwei Jahren das „Hansa forever“ und liebt alles, was Blau-Weiß-Rot ist, doch war noch nicht ganz klar, ob es mit der aktiven Karriere als Stadiongänger ähnlich gut klappen wird. Während sein größerer Bruder (inzwischen 12) bereits im Kinderwagen zu den Spielen von Tasmania Berlin und des BFC Dynamo gekarrt wurde und er mit sechs bereits seine erste Partie im Ostseestadion erleben durfte - nach der Niederlage beim Jubiläumsspiel gegen Union Berlin flossen bittere Tränen -, verhielt es sich beim Kleineren ein wenig anders.   Zwar gab er seinen Einstand im Alter von anderthalb Jahren in Berlin Treptow beim Testspiel VSG Altglienicke vs. Polonia Bytom (!) - es gab wegen Unwetter sogar eine Spielunterbrechung - und begleitete uns einige Male zu Polonia Berlin und beschimpfte im Sportforum Hohenschönhausen nach der hitzigen Partie BFC Dynamo vs. BSG Chemie Leipzig völlig aus der Kalten den Gästetrainer als „Superschwein“, doch fehlte ihm noch ein erstes echtes Spiel von Hansa Rostock.    Schuld waren vor allem die teils arg fragwürdigen Corona-Regelungen. Es geriet alles ein wenig aus dem Tritt, das Oberligaspiel Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin vs. F.C. Hansa Rostock II hatten wir nur draußen am Zaun verfolgen können. Logisch, dass er nicht mega begeistert war. „Papa, mir ist langweilig!“ Die knackige Initialzündung wurde im Alter von vier oder fünf leider verpasst. Am gestrigen Tag war es jedoch soweit. Hansa-Pullover, Schal und eine große McPom-Fahne wurde bereitgelegt. Zum Frühstück legte ich die CD „Unterwegs“ von Lupus in Fabula ein. Sachte, sachte, nur kein Stress! Nur dem Kleinen nicht irgendwie die Laune verderben. Tierkarten spielen im Zug, Brezeln und Cola im Gepäck. Ein gemütlicher Spaziergang durch den Stadtpark. „Sind wir zu spät? Fängt das Spiel schon an?“, wurde ich gefragt, weil bereits Musik zu hören war. Auf der Haupttribüne wurden dann die Augen groß und größer, als die Spieler zum Warmmachen auf den Rasen liefen. Schön, dass Hansa ganz klassisch in blau-weißer Kleidung antrat. Da konnte nix durcheinander kommen.    „Papa, Pommes!“ Klar doch. Eine große Plastikschüssel gab es für drei Euro, genauso viel war für ein großes Bier zu zahlen. Eine sehr faire Angelegenheit! Am Tag zuvor sollten auf einem besuchten Gemeindefest fast doppelt so viel gelöhnt werden. Wir schauten im Sitzen den Spielern bei den Übungen zu. Plötzlich Tränen. Wat denn nu? Jut, Felix wollte die Pommes ganz allein für sich haben. Sein großer Bruder zeigte sich am gestrigen Nachmittag ausnahmsweise milde und schaute über alles hinweg. Nur keinen Stress. Nur nicht den Tag versauen!   Kurz vor Spielbeginn wurde getanzt und die große blau-weiß-rote Fahne nach oben gestreckt. So wollte er nun 90 Minuten lang stehen bleiben. Wenige Minuten nach Anpfiff sollte es eine Runde auf den Rängen sein. Maßlos ärgerte er sich, dass die Runde nicht ganz komplett gemacht werden konnte, da ein Tor verschlossen war. Ich munterte ihn auf und zeigte ihn die dortigen verwaisten Grill- und Bierstände. Hier würde er später arbeiten wollen, erklärte er nun. Für mich gäbe es dann Wurst und Bier gratis. Ein guter Plan!   Nicht ganz nach Plan verlief die erste Halbzeit auf dem grünen Rasen. „FSV!“ - „Union!“ ertönte es von der Haupttribüne. Union Fürstenwalde spielte erstaunlich stark auf. Zwar konnte Louis Köster nach einer halben Stunde die Rostocker mit 1:0 in Führung bringen, doch kamen die Gastgeber zu teils hochkarätigen Chancen. Max Hagemoser zeigte zwischen den Pfosten all sein Können und legte zwei, drei richtig gute Paraden hin. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff schlug dann jedoch Felix Pilger zu und machte mit einem strammen Flachschuss den Ausgleich für Fürstenwalde klar. „Felix? Wer?“ Erstaunen und Entsetzen in des Sohnemanns Augen. „Neee, Papa, ist kein Tor! Da steht immer noch 0:1!“, erklärte er. Irgendwann erschien jedoch auf der Anzeigetafel das 1:1.   Könne man nicht jetzt einfach nach Hause gehen, wurde ich gefragt. Nee, das ginge eh nicht! Graue Wolken zogen auf, es begann zu regnen, und die meisten Zuschauer auf der Gegengerade flohen nun unters Dach der Haupttribüne. In der 54. Minute gab es einen dreifachen Wechsel, und ich hatte ein richtig gutes Bauchgefühl. Unter anderen kam Ephraim Eshele mit der Rückennummer 28 für Maurice Schah Sedi. Wir drei hatten nun unseren Spaß und hatten mit der Nummer 28 einen echten Hingucker und einen neuen Lieblingsspieler.   Ephraim Eshele war fast einen Kopf größer als der ihn bewachende Verteidiger, und in manch einen Zweikampf ging er ein wenig unkonventionell. Bei Freistößen und Flanken war er allerdings fast immer irgendwie mit dem Kopf dran. Kein Wunder! Ein Unentschieden war zu wenig. Hier musste ein Sieg her. Wenn schon, denn schon! Leider waren am gestrigen Nachmittag nicht allzu viele Hansa-Fans vor Ort, da am Abend zuvor die erste Mannschaft in Düsseldorf antreten musste, und somit blieb auch das so oft gesungene „Ha Ho Höre Hansa Amateure“ aus. Zwar waren schätzungsweise rund 40 Hansa-Fans vor Ort, doch waren diese im ganzen Stadion verteilt.   Der Fußballgott meinte es jedoch gut mit uns. Eine Viertelstunde vor Schluss kam Theo Gunnar Martens an den Ball, und nachdem er sich 1a durchsetzen konnte, haute er den Ball oben in die Maschen. Bähm! „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“, ertönte es nun lautstark in unserem Bereich, wo es sich ein wenig gesammelt hatte. Ephraim Eshele war hoch erfreut und bat um mehr Support. Die letzte Viertelstunde machte richtig Bock. Hansa Rostock II drängte zur endgültigen Entscheidung und ließ - bis auf eine Ausnahme - nix mehr hinten zu. In der Nachspielzeit wurde schließlich der Ball von der rechten Seite hereingeflankt, Eshele brachte ihn ins Epizentrum, und den folgenden Abpraller konnte Mike Bachmann verwerten. 3:1 für Hansa! Dolles Ding! Aus Sicht des Sprosses hätten nun die Fackeln angerissen werden können.    Immerhin konnte sich unten an den kleinen Zaun gestellt werden, um die Spieler abzuklatschen. Mit unserem Held des Tages Ephraim Eshele gab es sogar ein Erinnerungsfoto. Das passte! Gut möglich, dass Felix im Fall einer Niederlage erstmal keinen Bock mehr gehabt hätte, so aber ist die nächste Sause in Planung. Am 2. Oktober schauen wir beim Auswärtsspiel bei Eintracht Mahlsdorf vorbei - und sicherlich wird dort wieder das „Ha Ho Höre Hansa Amateure“ ertönen.    Noch wat in eigener Sache. Wer meine Arbeit unterstützen oder quasi über Umwege den Kids die nächsten Portionen Pommes, Wurst und Cola spendieren möchte, der kann gern bei mir eines meiner Fußballbücher bestellen. Die Auswahl ist inzwischen groß, alles ist vorrätig. Die Spatzen zwitschern es inzwischen vom Dach, dass weitere Wälzer in Arbeit sind. Um die Zeit zu überbrücken und Layout & Druck vorfinanzieren zu können, ist jede Art der Unterstützung goldwert. Zur Buchauswahl: www.marco-bertram.de Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Jetzt in der App abspielen

Erzgebirge Aue vs. FSV Zwickau: Keine brennende Hochsprungmatte, aber brennende Luft

12.09.2022 00:00:00

Der wilde Osten in den wilden 90ern. Die Bilder von der lichterloh brennenden Hochsprunganlage bei der Oberliga-Partie FC Erzgebirge Aue vs. FSV Zwickau am 26. März 1994 sorgten deutschlandweit für Gesprächsstoff. Aufgrund von aus dem Gästeblock geworfenen Brandsätzen standen die Hochsprunganlage und Teile der Tartanbahn bereits vor Anpfiff in Flammen. Die Partie konnten die Zwickauer mit 1:0 für sich entscheiden. Es war der erste Sieg in Aue seit fast exakt 20 Jahren. Am 23. März 1974 erzielten Roland Stemmler und Heinz Dietzsch die Treffer zum 2:0-Sieg der BSG Sachsenring Zwickau bei der BSG Wismut Aue.Noch arger zu ging es zuvor am 22. Mai 1991, als im Westsachsenstadion die Liga-Partie (zweithöchste Spielklasse) zwischen Zwickau und Aue stieg. Es ging damals um viel. Genauer gesagt um alles. Als Staffelmeister durfte man an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teilnehmen, und somit war dieses Duell am vorletzten Spieltag eine Vorentscheidung. Bereits nach 23 Minuten führte Aue mit 3:0, in der 63. Minute machte Stefan Persigehl das 4:1 für die Jungs aus dem Schacht. Bei manch einem Zwickauer brannte nun die Sicherung durch. Es wurde der Platz gestürmt, gegnerische Spieler und der Schiedsrichter wurden angegriffen. Üble Szenen, die zum berechtigten Spielabbruch führten. Aue gewann dieses Spiel mit 4:1 am grünen Tisch.   Beide Mannschaften waren punktgleich, allein das Torverhältnis war nun entscheidend. Daher beließ es das Verbandsgericht beim Spielstand des Spielabbruchs. Vor dem letzten Spieltag lag Aue noch vorn, doch dann geschah am 30. Spieltag Kurioses. Aue gewann „nur“ 4:1 gegen den SV Motor Weimar, die Zwickauer feierten indes einen 9:0-Sieg beim FSV Kail Werra Tiefenort und zogen somit last minute am Erzrivalen vorbei. Entscheidend waren die Treffer von Ralph Vogel und Olaf Schreiber in der 78. und 80. Minute.   Ein Wiedersehen gab es in den Regionalliga-Spielzeiten 1998/99 und 1999/2000. Zwickau und Aue konnten jeweils beide Heimspiele gewinnen. Ein Aufeinandertreffen gab es außerdem beim Sachsenpokal-Finale 2001, das im Westsachsenstadion ausgetragen wurde. Die Partie begann mit 10-minütiger Verspätung. Vor vollen Rängen konnte Erzgebirge Aue die Partie drehen und mit 3:1 für sich entscheiden. Ausgerechnet Jörg Kirsten hatte an alter Wirkungsstätte den Ausgleichstreffer für Aue erzielt. In den Blöcken qualmte es, bei Spielende brach die Dämmerung über das Westsachsenstadion ein.   Im Ligabetrieb gab es seit dem Jahr 2000 kein Wiedersehen mehr, doch sorgte im Mai 2016 das auf der Baustelle Erzgebirgsstadion ausgetragene Landespokalfinale Aue vs. Zwickau für reichlich Schlagzeilen. Zwischen den Fanblöcken flogen die brennenden Fackeln hin und her, auf dem Rasen konnte Aue das Spiel gewinnen und somit zum vierten Mal den Sachsenpokal gewinnen.    Nach dem Abstieg des FC Erzgebirge Aue gab es nun im Rahmen der 3. Liga ein Wiedersehen in Aue, und die Zwickauer wollten unbedingt einen Sieg feiern. Quasi dem aktuell arg angeschlagenen Gegner richtig eine verpassen. Selten war die Ausgangslage so günstig, beim verhassten Erzrivalen einen Sieg einfahren zu können. Mit einem Old-School-Sonderzug reisten die Fans des FSV Zwickau an, an einem Bahnübergang kam es aufgrund der gezogenen Notbremse zu skurrilen Bildern. Zur Eskalation kam es dort nicht, wenig später erreichte die Anhängerschaft den Gästeblock des Erzgebirgsstadions. Ich übergebe hiermit an „Charly on Tour“ das Wort, der mit vor Ort war.   Also dann. Es war, wie Marco bereits erwähnte, das erste Punktspiel der beiden Kontrahenten nach über 22 Jahren. Das brisante Westsachsenderby fand mit dem FSV Zwickau einen hochverdienten Sieger. Grenzenloser Einsatz, unbedingter und riesengroßer Wille, mit viel Herz, unbändiger Kampfgeist und endlose Leidenschaft zeichnete dabei meine Zwickauer aus.    Bereits nach 15 Minuten konnte Johan Gomez das Tor des Tages erzielen. In der zweiten Halbzeit wurden sehr schöne Konter gefahren, der Abschluss ließ dabei zu wünschen übrig. Coskun (74.) und von Schrötter (77.) hatten die Entscheidung auf dem Fuß, scheiterten aber aus aussichtsreicher Position. Den Gastgebern merkte man die Verunsicherung an. Eine ganz schwache Leistung, Aue kam kaum zu nennenswerten Chancen. Dies war jedoch auch ein Verdienst der sehr guten Abwehrleistung der Zwickauer.    Ein paar Worte noch zum Schiedsrichter. Mit Herrn Aytekin wurde der zur Zeit vielleicht beste deutsche Schiri für das Derby angesetzt. Ihm muss man eine erstklassige und fehlerfreie Leistung bescheinigen. Sein souveränes, ruhiges und besonnenes Handeln ließen keine große Hektik aufkommen. Auch hier an dieser Stelle darf der Gastro-Test nicht fehlen. Die BoWu gab es im frischen Brötchen für 3 Euro. Diese war so wie sie sein muss. Dazu gab’s Bautzner Senf. Preis/Leistung in Ordnung. Dafür also die Note 2.   Was den Support betraf, so gab es auf Heimseite zu Beginn eine gut anzuschauende Choreo, die mit reichlich Pyrotechnik gut abgerundet wurde. Der Support der Szene war bis zehn Minuten vor Schluss ganz okay. Danach entlud sich der ganze Frust über die sich anbahnende Niederlage. Dabei flogen allerhand Böller, Rauchtöpfe und Bengalos in den Innenraum.   Und Zwickau? Was für ein - man kann es nicht anders beschreiben - megageiler Auftritt! Von Beginn an bedingungsloser Support bei sehr hoher Mitmachquote. Es gab abwechslungsreiches und melodisches Liedgut, dabei wurde es zeitweise brachial laut. Während der gesamten Spielzeit wurde immer mal wieder gezündelt, schön anzusehen war die Blockbeflaggung, mehrere große Schwenker waren stets im Einsatz.   Zum Schluss noch ein Zitat aus der Presse (tag24) vom heutigen Montag: „In jenen Belangen konnten die Veilchen dem Erzrivalen am Sonntag nicht einmal annähernd das Wasser reichen. Mitten in der zweiten Halbzeit hielten manche die Köpfe schon so weit unten, dass das Kinn fast über den Rasen schleifte.“ Fotos: Charly on Tour (externer Link zu Facebook), Marco S. Marco Bertram, Marco Hensel Bericht: Marco Bertram (erste Hälfte), Charly on Tour (zweite Hälfte) > ein Stimmungsvideo auf YouTube (externer Link)

Jetzt in der App abspielen

Osnabrück vs. Essen: Bremer Brücke, Freitagabend, Fußballtradition pur.

10.09.2022 00:00:00

Die Bremer Brücke ist genau so wie man sich ein Stadion wünscht. Mitten im Wohngebiet (Osnabrücker Stadtteil Schinkel), eng, verwinkelt und ganz nah am Spielgeschehen. So nah das man auch als Fotograf im Innenraum mit den Zuschauern auf Tuchfühlung gehen kann und nicht nur vom Regenschauer nass wird, sondern je nach Spielsituation auch von den Rängen biergeduscht wird. Ist nicht schön, aber macht ein Kultstadion wie die Bremer Brücke aus. Zum Glück hat das Stadion des VfL Osnabrück immer noch nicht seinen alten Charme verloren und auch die Zuschauer schaffen es immer noch die Bremer Brücke zum Beben zu bringen auch wenn der Kick auf dem Rasen nicht gerade ansehnlich ist, wie gestern. 15.260 Zuschauer darunter 1.400 im ausverkauften Gästeblock aus Essen. Das Spiel des VfL Osnabrück gegen Rot-Weiss Essen wollten viele sehen. Die letzte Begegnung lag nun auch schon 16,5 Jahre zurück. Damals 2006 kamen am 31. Spieltag der Regionalliga Nord 8.500 Fans zur Bremer Brücke und sahen einen 4:1 Sieg von RWE. Damit war gestern nicht zu rechnen, denn es war von beiden Seiten kein sportlicher Leckerbissen. Aber das Spiel machte vor allem in der ersten Hälfte nur der VfL Osnabrück ohne das RWE groß mitzockte. Unverständlich. Lagen doch beide Teams vor dem Match in Punkten gleichauf (beide sechs) auf Tabellenplatz 15 und 16.Vor allem der VfL war angeknockt. Sechs Spiele in Folge hatten die Niedersachsen nicht mehr gewonnen, dagegen sollte RWE mit einem überzeugenden Heimsieg gegen Erzgebirge Aue vergangene Woche eigentlich mit breiter Brust im Hexenkessel Bremer Brücke auftreten. Taten sie aber nicht. Das Team von Christoph Dabrowski igelte sich von Beginn an hinten ein. Sogar Isaiah Young eigentlich Stürmer, agierte als Verteidiger und das eher unglücklich. Zahlreiche Ballverluste und schlechte Dribbelings (fast wie in seiner ersten RWE-Saison) bestimmten sein Spiel. Irgendwie fand er nicht ins Spiel, aber auch andere Spieler nicht. Eine Minichance hatte Essen, aber der Kopfball von Alonso verfehlte das Tor. Osnabrück hatte zwar mehr vom Spiel, wirkte aber zu Beginn etwas ideenlos.In der 35. Spielminute war dann aber Ba-Muaka Simakala zur Stelle und netzte mit Alu-Hilfe zum 1:0 für die Hausherren. Das Stadion außer Rand und Band und in der Ostkurve bei der aktiven Osnabrücker Fanszene wurden ein paar Fackeln mehr angerissen. Über das ganze Spiel hinweg ließen die Fans mehrere Freudenfeuer aufflackern. Im proppevollen Gästeblock wurde der Rückstand zur Kenntnis genommen und weiter supportet. Dauersupport trotz Rückschläge, damit kennen sich die RWE-Fans aus. Zu Beginn der zweiten Hälfte gab es von den Essener Fans ein sehenswertes „Pyro Blinker“ Intro und weiter starke Anfeuerungen in Richtung eigenes Team.Die Stimmung auf beiden Seiten war grandios. Eine kleine Kritik gab es dann noch von den Essener Fans in Richtung VfL Osnabrück mit einem Spruchband. Grund war der teure Preis für einen Stehplatz: „16,50 Euro für ein Steher: In Bayreuth groß beschwert Zuhause nicht drum geschert", hieß es auf den Papierbanner. Die Kritik ist verständlich: 16,50 Euro für einen Stehplatz kann man schon als "fett" bezeichnen. Aber auch die Heimfans wurden extra zur Kasse gebeten. Bezahlen die Heimfans für „nen Steher“ normalerweise an der Tageskasse nur 14 Euro, wurden gestern 15 Euro fällig. Leider gab es für die Rot-Weiss Essen Fans für die vielen Euros, die Michael Welling jetziger Geschäftsführer des VfL Osnabrück und von 2010 bis 2018 in gleicher Funktion in Essen tätig in sein lila-weißes Portemonnaie steckte, keinen Mehrwert auf dem Platz. In der zweiten Hälfte agierte RWE zwar mutiger und nicht mehr so ängstlich, kam aber zu irgendwie keiner richtigen Chance. Osnabrück hatte eine zum 2:0, aber RWE-Torwart Jakob Golz parierte. Essen lief die Zeit davon und Trainer Dabrowski setzte alles auf eine Karte, um "den Bock umzustoßen" und wechselte fast den kompletten Sturm ein inklusive Ron Berlinski von dem man sich auch mehr erhofft hatte außer foulen und böse gucken ( ;-) Zwinkersmilie). Also wenn ich bei der Fußballsimulation FIFA hinten liege, wechsele ich auch den ganzen Sturm ein und werfe alles nach vorne. Aber realer Fußball ist keine Simulation und funktioniert nur wenn alle um ihre Rolle wissen. Teilweise standen sich Spieler gestern selber auf den Füßen. Es sollte einfach nicht sein. Der Ball lag zwar einmal im Osnabrücker Tor, aber Felix Bastians stand bei seinem Schuss mehrere Meter im Abseits. Abpfiff, aber keine Pfiffe aus dem Gästeblock, sondern weiterhin große Unterstützung. Man muss es so sagen: Es war kein überzeugener Auftritt von Rot-Weiss Essen. Jetzt geht es unter der Woche erst einmal im Niederrheinpokal weiter bevor am Montag in einer Woche der 1. FC Saarbrücken (Aufstiegsanwärter) seine Visitenkarte an der Hafenstraße abgeben will. Es wird nicht leichter für RWE. Osnabrück hat sich Luft verschafft und gastiert am kommenden Wochenende bei der starken zweiten Mannschaft vom SC Freiburg.Update des Textes: Wir haben den Text um den Ticketpreis angepasst.Fotos: Alle Bilder Sport Photo Agency frontalvision.com  

Jetzt in der App abspielen

Union Berlin gegen Royal Union und eine internationale Premiere ...

08.09.2022 00:00:00

Manchmal muss man sich echt kneifen, gerade wenn man bedenkt, wo der 1. FC Union Berlin eigentlich herkommt und was man persönlich in über zwanzig Jahren eiserner Leidenschaft an Höhen, aber eben auch an vielen Tiefschlägen miterlebt hat. Und spielte man vor siebzehn Jahren noch in der (damals viertklassigen) NOFV-Oberliga, so heißt es heute nun nach dem doch mehr als beeindruckenden Weg in die 1. Bundesliga zum zweitmal Mal in Folge „Union spielt international“.  Dazu kommt, dass aufgrund neuer UEFA-Regeln in diesem Jahr im Gegensatz zur letzten Spielzeit auch zuhause in der „Festung“ Stadion an der Alten Försterei - sprich in der Heimat - gespielt werden kann. Welch ein schöner Zufall, dass mit einer „Union“-Elf dann auch der Gegner einen ebenso so schönen Namen und sogar eine ähnliche Geschichte hat.   Somit geht es heute am späten Nachmittag in den Südosten Berlin ins wunderschöne Köpenick, wo es am frühen Abend zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im besagten „Wohnzimmer“ Stadion an der Alten Försterei heißt: Europa League Premiere! Der 1. FC Union Berlin empfängt den belgischen Klub Royal Union Saint-Gilloise. Und wie oben schon beschrieben ist Union Berlin mittlerweile zum Phänomen geworden. Bundesliga-Aufstieg vor vier Jahren und in der Premierensaison einen guten elften Platz hingelegt. Dann trotz im Vergleich zu anderer Spitzenteams bescheidener Mittel vor zwei Jahren mit Platz sieben in der Conference League gelandet und als bisherigen Höhepunkt in der letzten Spielzeit als Fünfter sogar nun Europa League.    Aber auch in dieser bisherigen Saison weiß das Team zu überraschen. Drei Siege und zwei Unentschieden bedeuten aktuell elf Punkte aus fünf Spielen und Platz vier, wobei gerade die letzten beiden Spiele mit einem 6:1 auf Schalke und einem mehr als beachtlichen 1:1 daheim gegen den Rekordmeister FC Bayern München doch für etwas Aufsehen sorgten.  Apropos zuhause. Ich sprach oben von der Festung Alte Försterei - und dies belegen die Zahlen, in denen man sich in den letzten zweiundvierzig Heimspielen hier nur zweimal (je einmal gegen Augsburg und Bayern) geschlagen geben musste und die letzte Niederlage hier vom Ende Oktober letzten Jahres stammt, wo man sich trotz guter Leistung gegen Bayern München geschlagen geben musste.    Insofern traue ich Union auch heute viel zu, wenngleich für mich auch nach wie vor und gerade international gilt: Alles kann, nichts muss. Denn auch der der heute Gegner von Royal Union Saint-Gilloise ist eine Überraschung im belgischen Fußball. Das Team stieg erst vor zwei Jahren nach fünfzig Jahren wieder in die erste belgische Liga auf, wurde aber dann doch recht überraschend in seiner Premierensaison hinter dem Rivalen FC Brügge prompt belgischer Vizemeister.  Und auch in dieser Spielzeit liegt man mit vielleicht nicht überragenden, aber dennoch guten dreizehn Punkten aus sieben Spielen auf Platz fünf der Tabelle. Aber auch sonst gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Vereinen. Das Stadion Stade Joseph Marien wurde 1919 errichtet (eröffnet mit der Partie Royale Union Saint-Gilloise vs. AC Mailand) und ist somit nur ein Jahr alter als die Wirkungsstätte von Union, hat ebenso wie Union einen hohen Anteil an Stehplätzen und auch ähnlich treue und lautstarke Fans.   Leider dürfen sie jedoch im Europacup nicht zuhause spielen, sodass diese für die EC-Heimspiele ins dreißig Kilometer Leuven (King Power at Den Dreef Stadion) ausweichen müssen. Und es gibt da doch einen Punkt, den Royal Union den Eisern voraus hat - und das ist die beachtliche Titelsammlung, die dann doch zugegebenermaßen recht weit zurück liegt. Elfmal belgischer Meister (1904 – 1907, 1909, 1910, 1913, 1923, 1933 – 1935) plus belgischer Pokalsieger 1913 und 1914.  Insofern steckt bei diesem am 1. November 1897 gegründeten Verein auch viel Tradition dahinter, und ich freue mich schon riesig auf diese Partie, auch wenn man diese echt nicht unterschätzen sollte. Somit freue ich mich heute wirklich auf die Premiere, eine geile Atmosphäre, ein gutes Spiel und tippe mal recht optimistisch und vielleicht nicht ganz neutral auf einen Sieg der Eisernen... Bericht: Groundhopping Berlin und Co. (externer Link zu Facebook) Fotos: Marco Bertram, Los Misenas, Marco Hensel

Jetzt in der App abspielen

Szturm Junikowo vs. Orkan Konarzewo und noch einiges mehr

07.09.2022 00:00:00

Die Sonne lacht, der Fußball ruft! Doch wohin? Um 11:00 eröffnete Szturm Junikowo den Sonntag. Ohne eine echte Heimat zu besitzen, trägt Szturm seine Heimspiele, seitdem mir der Verein bei 90minut über den Weg gelaufen ist, in Plewiska aus. Das sind nur ein paar Minuten mit der Bahn oder ein kleiner Spaziergang vom Posener Stadtteil. Ich gehe mal davon aus, dass sich die Wiege des Klubs auch auf irgendeinem Freizeit-Bolzplatz befindet. Das ist hier so üblich. In dieser Saison lief der Auftakt ziemlich gut und torreich. Der heutige Gast war ebenso stürmisch, jedenfalls vom Namen her. Absteiger Orkan Konarzewo gab sich die Ehre. Aber so richtig sieht es noch nicht nach einem angestrebten Wiederaufstieg in die 6. Liga aus. Die Ausbeute gestaltete sich bisher eher mäßig. Immerhin lockte das halbe Derby 100 Zuschauer an. Die Orte trennen nur wenige Kilometer. Die Sympathien teilten sich auch in 50/50 auf. Echte Anfeuerungen suchte man vergeblich. Orkans-Fans trumpften in der vorletzten Saison immer mal wieder ordentlich auf. Grodzisk erlebte im Aufstiegsjahr sogar eine kleine Invasion. Ich hatte auf etwas regeres Leben auf der Tribüne gehofft.   Wirklich damit gerechnet hatte ich nicht. Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten wurden heute außer Kraft gesetzt. Der Sturm war stärker als der Orkan. Bis zum 3:2 hielten die Gäste noch etwas dagegen, doch nach dem Elfer vor der Pause war die Motivation weg. Nach dem Seitenwechsel wurde Orkan gar 7:2 abgefertigt. Damit gehört Szturm wohl zusammen mit Sparta Szamotuły zu den Favoriten dieser Liga.  Nun überlegte ich hin und her, wohin es nun gehen sollte. Widzew spielte heute in Poznan. Neun Jahre hatten sie sich nicht mehr gesehen. Die Freundschaft zu ŁKS Łódź brachte noch zusätzlich ordentlich Würze ins Spiel. Stark von der Polizei abgeschirmt rollte dann der Sonderzug aus Łódź ein. Ein paar Gesänge, Pyrotechnik und, soweit ich es mitbekam, hatte hier jeder ausnahmslos ein rotes Shirt an. Wer das Spiel besucht hat, wird wohl auf seine Kosten gekommen sein. Mich zog es dann weiter nach Opalenica. Leider durch Unwissenheit hatte ich ja neulich nur den 4. Platz der Hotelanlage mit einem Spiel besuchen können.    Nun sollte heute im feinen städtischen Stadion mit dem Schilfdach im Hintergrund der Ball rollen. Es ist nicht so, dass alle großen Spiele auf einem der Hotelplätze ausgetragen werden. Zagłębie Lubin durfte neulich im Test gegen Aalbork sogar im Stadion ran! An diesem späten Nachmittag wurde mit einem Jugend-Kick wieder schmalere Kost geboten. Hausherr Promien Opalenica dümpelt übrigens in den Niederungen Wielkopolskas herum. Die Jugend-Mannschaften von Piotr Reiss' Akademie (vergleichbar mit Förderkader René Schneider) spielen überall verteilt. So darf halt in Opalenica derzeit die B-Jugend regelmäßig ran. Zwei Posener Truppen messen sich 30 km von Großpolens Hauptstadt entfernt. Na super! Da wird wohl kaum jemand zuschauen wollen.    Aber da hatte ich mich geirrt. Knapp 70 Leute waren Beobachter des Spiels AP Reiss gegen GES Poznan. Das ist nicht schlecht! GES steht für "Gaudium et Studium". Spaß und Lernen - für Leute ohne Latinum. Natürlich ist das auch die Truppe einer Privat/Sportschule. Von diesen Truppen gibt es einige. Das ist ein gängiges Modell. Eltern, Freundinnen, Kumpels und Großeltern mit Picknick-Körben besetzten daher die Plätze. Von GES zählte ich eine mitgereiste Spielermutti, die auch noch ungelogen permanent auf dem Smartphone spielte. Sie wechselte sogar noch zur Pause die Seite. Woher ich das weiß? Die zweite Halbzeit verbrachte ich im Gästeblock. Sie ließ sich kurz davor nieder. Der Sektor war total sauber. Keine Aufkleber, keine Pyro-Reste und alles ohne Schäden. Schon lange war hier keiner mehr.    Zwei Aufreger gab es gleich am Anfang des Spiels. Die Unparteiischen rechneten nicht mit der Farbwahl von GES. Sie hatten aber Ersatz-Trikots dabei. Es mag eine Kleinigkeit sein, aber in den vielen Fußball-Jahren war diese Begebenheit ein Novum für mich. Mit der zweiten Minuten zeigte der Schiedsrichter aufgrund eines Handspiels auf den Punkt. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, in dem es so früh einen Handelfmeter zu bestaunen gab. Im Nachschuss verwandelt. Das war nur der Auftakt zum Schützenfest. GES, alle um einen Kopf kleiner, hatte nie eine reale Chance hier zu gewinnen. Langsam verabschiedete sich die Sonne und ich trat die Heimreise an. Natürlich wählte ich die kürzeste Strecke. Ein Bahnübergang muss dabei schon eine Weile geschlossen worden sein. Die ersten Autos drehten schon um. Und dann passierte das, was hier irgendwie typisch ist. Es hängen ja nun überall in der Öffentlichkeit Überwachungskameras. Der Autofahrer fragt nach einer Umleitung, die war wohl zu zeitintensiv. Also was machen? Einfach rüber! Die Beifahrerin des Fahrers amüsierte sich dabei noch köstlich. Auch in Poznan kümmert sich nicht jeder um rote Ampeln. Nach 10 weiteren Minuten wählte ich die Alternativ-Route durch den Wald.   Mittlerweile war es schon finster und die Sirenen waren zu hören. Wenn man schon mal hier ist, kann man sich auch noch die Abfahrt von Widzew reinziehen. Schallkanone und der Bus mit den Zellen wurden in Stellung gebracht und über dem Szenario kreiste ein Hubschrauber mit Suchstrahler, was auf die Atmosphäre noch das i-Tüpfelchen setzte. So laut es nachmittags, um so gespenstisch ruhig war es nun. Kein Mucks und ziemlich zügig. Und so endete dann der Fußball-Sonntag auch irgendwann. Fotos: Michael  

Jetzt in der App abspielen

Polonia Berlin, Alemannia und BFC Dynamo - langer Pokalsonntag mit happy End

06.09.2022 00:00:00

Schauplatz Sportplatz Ollenhauerstraße in Berlin Reinickendorf. Bereits um neun Uhr in der Frühe empfing die zweite Mannschaft des FC Polonia Berlin den SV Tasmania Berlin II. Schlichtweg zu früh für mich! Ich saß noch in der U-Bahn, als bereits die Partie abgebrochen wurde. Nicht jedoch aufgrund von Rangeleien oder Pöbeleien, sondern vielmehr war die 6:1-Führung von Polonia II zur Pause der Grund, dass die Gäste, die sich vor Saisonbeginn neu umstrukturieren mussten, keine Lust verspürten, die Partie fortzusetzen.  Die ersten Herren des FC Polonia Berlin empfingen im Anschluss den Landesligisten BSV Grün-Weiß Neukölln, der trotz Klassenunterschied schlagbar schien. Und siehe da, der FC Polonia Berlin, der aktuell in der Kreisliga A spielt, ging in der 26. Minute Dank des Treffers von Michal Jakub Majcher mit 1:0 in Führung. Da sollte tatsächlich etwas gehen. Es roch nach einer Überraschung.   Den ersten Rückschlag gab es jedoch unmittelbar vor der Pause, Davi Hugo Jimenez de Lucas machte den Ausgleich für die Neuköllner klar. Nachdem Noah Schyschka in der 52. Minute die Gäste in Führung bringen konnte, schien sich das Blatt zu wenden. Allerdings kam nur fünf Minuten später Polonia Berlin zurück, Patryk Dzikowicz erzielte den umjubelten Ausgleichstreffer zum 2:2.    Lange konnte Polonia Berlin die Angelegenheit offen gestalten, und es schien, als würde es eine Verlängerung geben. Dann aber war in der 86. und 87. Minute Andre Luis Jimenez Lucas Correa zur Stelle und machte zwei Buden für Grün-Weiß Neukölln - eine davon als Heber über den neuen Polonia-Torwart Adrian Andrzej Bortnowski. Der Drops war gelutscht - das Aus im Landespokal war besiegelt.   Ein Blick auf die Uhr. Für 16 Uhr war das Duell Berlin Türkspor vs. BFC Dynamo angesetzt, somit blieb noch eine halbe Stunde Zeit, um ein wenig die folgende Partie BFC Alemannia vs. SV Bosna Berlin 94 zu begutachten. Beide Mannschaften spielen aktuell in der Kreisliga B, und die Gäste hatten sogar eine kleine Anhängerschaft mitgebracht. Ein Vater schwenkte mit seinem kleinen Sohnemann die bosnische Fahne, ich hatte indes den brasilianischen Alemannia-Abwehrspieler Bruno de Carvalho im Fokus, von dem ich eine ganze Fotoserie anfertigte.   Der SV Bosna Berlin 94 schien frischer und ging nicht unverdient in der 19. Minute Dank des Treffers von Vernes Selimovic in Führung. Wenig deutete darauf hin, dass es noch eine hochgradig dramatische Partie werden würde. Ich saß bereits im Bus gen Sömmeringstraße und futterte auf dem dortigen Sportplatz die erste Geflügelbratwurst, als auf dem Sportplatz in der Ollenhauerstraße die Post abging. Zuerst machte Mohamed Zeid in der 90. Minute den Ausgleich klar, dann war es in der 119. Minute Mustafa Senol, der den 2:1-Siegtreffer für den BFC Alemannia erzielte. In der Folge wurde es „etwas“ hektisch, auf Heimseite gab es zweimal Rot, auf Gästeseite eine rote Karte.    Erhöhte Betriebstemperatur wurde auch beim Duell Berlin Türkspor vs. BFC Dynamo erwartet. Die Älteren werden sich noch erinnern: Am 11. Mai 1999 stieg im Jahn-Sportpark das Berliner Pokalfinale, das die Weinroten vor 1.888 Zuschauern gegen Türkspor mit 4:1 für sich entscheiden konnten. Damals gab es ein paar weniger schöne Szenen, inzwischen ist jedoch eine Menge Gras drüber gewachsen. Von der einstigen Brisanz zwischen dem BFC Dynamo und Vereinen mit türkischem Hintergrund ist nur noch wenig zu spüren. Vorbei die Zeiten, als im Frühjahr 2004 gegen Yesilyurt mit Fladenbrot-Handschuhen geklatscht wurde.   Am vergangenen Sonntag gestaltete sich das Ganze auf dem gemütlichen Sportplatz in der Sömmeringstraße, wo der CFC Hertha 06 seine Heimspiele in der NOFV-Oberliga austrägt, völlig entspannt. Dies lag zum einen an der angenehmen Gastfreundschaft von Türkspor und zum anderen am sportlichen Verlauf. Es wurde nicht rumholzt, vielmehr versuchte der Berlin-Ligist mit spielerischen Mittel mitzuhalten. Überraschenderweise stellte sich Türkspor zu Beginn der Partie überhaupt nicht hinten rein, sondern versuchte sogleich forsch nach vorn zu spielen. So viel Mut wurde jedoch sogleich ganz bitter bestraft. Christian Beck machte nach nicht mal einer Minute bereits das 1:0 für den BFC Dynamo, nur fünf Minuten später legte er locker flockig zum 2:0 nach.    Zu jenem Zeitpunkt hielt ich noch ein Fladenbrot mit Köfte in meiner Hand. Fotos könnte ich schließlich noch später machen. Als ich mir dann auch noch auf Heimseite ein Bierchen am Imbissstand bestellte, wurde die sportliche Leiterin von Türkspor neugierig und befragte mich. Sie erschien etwas irritiert und dachte vielleicht, dass das geschulterte 600-Millimeter-Geschoss nur ein Alibi sei, um gratis Fußball zu gucken. Der sehr adretten Dame wurde dann jedoch unser Onlinemagazin vorgestellt, und wenig später legte ich das geschulterte Teil auch an.    Bähm! Nach einer Viertelstunde machte Christian Beck die dritte Bude - ein astreiner Hattrick war vollbracht. Es schien eine Klatsche zu geben für Berlin Türkspor, doch kamen die Gastgeber in der Folge deutlich besser ins Spiel - und sogar zu einigen Möglichkeiten. Kurz vor der Pause erhöhte Chris Reher auf 4:0 für den Regionalligisten aus Hohenschönhausen, und in der Pause wechselte ich mal eben die Seite, um auf Gästeseite mit bekannten Nasen ins Gespräch zu kommen.   In der zweiten Halbzeit hielt Türkspor weiterhin wacker gegen, und in der Schlussphase wurde es sogar etwas ruppiger. Zu sehen gab es nur noch einen Treffer - und zwar den von der Cedric Euschen zum 5:0 für den BFC Dynamo in der 74. Spielminute. Dabei blieb es auch. Tiefenentspannt verließen die BFC-Fans den Sportplatz, von der Berliner Polizei war an diesem Nachmittag mal erstaunlich wenig zu sehen. Geht doch!    Gleich nebenan beglückten wir als kleine Truppe in einem Biergarten die Betreiber mit lauten, fröhlichen Gesprächen. Im benachbarten Zelt fand gerade eine Theateraufführung statt, und phasenweise übertönten wir wohl die Protagonisten auf der Bühne. Wir gelobten Besserung, dämpften die Stimmen und zogen eh wenig später weiter nach Friedrichshain. An einen baldigen Abschluss des Tages war jedoch noch nicht zu denken. Für mich ging es weiter nach Lichtenberg, wo die letzte Phase des Fußballtages eingeläutet wurde. Mit ein paar Hansa-Fans wurde bis 2:30 Uhr in der Nacht noch der Stand der Dinge ausgewertet. Ahoi! Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: FC Polonia Berlin > zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo

Jetzt in der App abspielen

Blankenfelde-Mahlow vs. Cottbus auf der Waldemar Mühlbächer Kampfbahn

06.09.2022 00:00:00

Hätte, hätte, Fahrradkette. Hätten am vergangenen Freitagabend meine Wege nach Erkner geführt, so hätte es schöne Bambule zu sehen gegeben. Meine beiden Jungs hätten gewiss gestaunt, als beim Landespokalspiel FV Erkner 1920 vs. SV Germania 90 Schöneiche plötzlich die Fackeln flogen und es zu Laufereien kam. Zwischen wem auch immer. Aber jut. Ich schaute nicht in meinen alten heimatlichen Gefilden vorbei, sondern sagte Hallo in der neuen Heimatgemeinde meiner beiden Kinder. Noch nie zuvor hatte ich ein Spiel des BSC Preußen 07 Blankenfelde-Mahlow gesehen, und da zum einen im Stadion Mahlow gespielt wurde und zum anderen kein Geringerer als der FC Energie Cottbus zu Gast war, war dieses Pokalspiel quasi der Volltreffer für einen lässigen Papa-Sohn-Abend. Von der Frau Mama wurden wir bis vor die Stadiontore gekutscht, und am Eingang ging es überaus freundlich zu.    Die Würste lagen bereits auf dem Grill, das Bier wurde gezapft, die Musik lief - bereits 45 Minuten vor Anpfiff war gut was los. Die Jungs fühlten sich auf Anhieb heimisch, und auch ich traf auf Anhieb auf bekannte Gesichter. Klar doch, eine nicht nur beim BFC Dynamo bekannte und engagierte Wildfruchtverarbeitung GmbH hat ja ihren Sitz ein Stück weiter südlich in Zossen und ist beim BSC Preußen 07 Blankenfelde-Mahlow der Trikotsponsor. Demzufolge war der Firmenchef persönlich anzutreffen. Um ihn herum noch ein paar weitere ältere BFCer, die gut aufgelegt waren und mich sogleich über die zwei aufgehängten Banner aufklärten.   „Waldemar Mühlbächer Kampfbahn“ war weiß auf weinrot zu lesen. Daneben Waldemar Mühlbächer in perfekter Schusshaltung. Im September 1937 wurde er in Mediaș (Siebenbürgen in Rumänien) geboren, noch während des Zweiten Weltkrieges zog seine Familie zurück nach Deutschland. Mit dem Fußballspielen begann Waldemar Mühlbächer im Alter von 13 Jahren bei der BSG Fortschritt Meerane, 1956 wechselte er nach Ost-Berlin zum SC Dynamo Berlin. Dort blieb er bis zu seinem Karriereende im Jahre 1968. Viele Titel konnte er in jener Zeit nicht holen - zu jener Zeit war der ASK / FC Vorwärts Berlin (sechs Meistertiel) noch der Platzhirsch in der Hauptstadt der DDR. Immerhin gewann er am 13. Dezember 1959 mit dem SC Dynamo Berlin das FDGB-Pokalfinale gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt mit 3:2.    Waldemar Mühlbächer absolvierte ein paar Spiele in den Junioren-Nationalmannschaften und trug 17-mal das Trikot der DDR-Nationalmannschaft. Auch nach seiner Zeit blieb er dem BFC Dynamo stets treu, und da er in Mahlow wohnhaft war, gab es nun die Idee, dass in Erinnerung an Waldemar Mühlbächer, der im vergangenen Jahr im Alter von 83 Jahren gestorben war, dass das Stadion in Mahlow in Waldemar Mühlbächer Kampfbahn umbenannt werden könnte. Man werde das mal prüfen, hieß es in der Gemeindeverwaltung.    Was den BSC Preußen 07 Blankenfelde-Mahlow betrifft, so ist dieser aktuell in der Brandenburger Landesliga Süd anzutreffen. Zuletzt gab es auf dem Sportplatz Blankenfelde vor 51 Zuschauern ein torloses Remis gegen den BSV Guben Nord zu sehen. Etliche mehr Zuschauer waren es am vergangenen Pokalspiel gegen Energie Cottbus an der Beethovenstraße. Angesagt wurden sogar mehr als 1.000 Zuschauer, bei fussball.de angegeben wurde die Schnapszahl 777. Passt doch zur besagten Wildfruchtverarbeitung, die auch einige Liköre im Repertoire hat.    Nicht lumpen ließ man sich, was die Bierversorgung betraf. Zwei Stände auf Heimseite, zwei Stände auf der hügeligen Gegengerade, wo sich die Energie-Fans niederließen. Bei herrlichem Spätsommerwetter entwickelte sich eine recht muntere Partie, in der die Gastgeber gut gegenhalten konnten. Die Routine des Regionalligisten aus der Lausitz war allerdings in Halbzeit eins ausschlaggebend dafür, dass mit zwei Treffern in Halbzeit eins die Sache bereits in halbwegs trockene Tücher gebracht werden konnte. Ali Wissam Abu-Alfa machte nach einer Viertelstunde das 1:0 für Energie Cottbus, in der 37. Minute konnte Axel Borgmann zum 2:0 nachlegen.    Bei schummerigem Licht drängte Blankenfelde-Mahlow im zweiten Spielabschnitt zum Anschlusstreffer, doch wurden sämtliche Mühen nicht belohnt. Cottbus hielt seinen Kasten sauber, in der 83. Minute setzte Arnel Kujovic mit seinem Tor zum 3:0 den Schlusspunkt in einer unterhaltsamen Partie mit einem sehr angenehmen Publikum.  Fotos: Marco Bertram, Dominik Bertram > weitere Impressionen von der Partie  

Jetzt in der App abspielen

Currywurst und rote Karten: Aachen gewinnt in Wattenscheid

06.09.2022 00:00:00

Fußballsonntag, Hochsommer-Temperaturen um die 30 Grad und dann noch der „Tag der Currywurst“. Was gibt es besseres als diesen mit der viel gelobten Stadionwurst Deutschlands zu begehen. Manch einer bezeichnet sie auch als die Beste. Also rein ins Lohrheidestadion in Wattenscheid, Wertmarken gekauft und frisch vom Grill mit pikanter Soße (nein nicht die aus Bochum) in die Schale geschreddert und dazu ein gekühltes Blondes von einer Brauerei aus der Nachbarstadt (nein auch nicht die aus Bochum). Bratwurst & Bier als leckeres Intro für einen spannenden Fußballnachmittag.Fußball in der Lohrheide zu schauen, hat immer was Familiäres. Alles ist freundlich, ungezwungen und locker jedenfalls auf den Rängen. Auf dem Rasen geht und ging es am vergangenen Sonntag dann schon ordentlich zur Sachen. Sportlich hofft die SGW vor allem auf den Klassenerhalt in der Regionalliga West. Mit vier Punkten ist man nun auch mitten drin im Abstiegskampf. Das wissen auch die Heimzuschauer und honorierten jede gelungene Aktion mit Applaus. Dazu versuchte die aktive Szene mit Gesängen das eigene Team zu motivieren, kam dann aber nicht gegen die Lautstärke der gut 600 Gästefans (geschätzt nicht gezählt) unter den insgesamt 1.536 Zuschauern an.Nach dem knappen aber wohl sehr überzeugenden, wie man am Spielfeldrand so hörte, Heimsieg gegen Rot Weiss Ahlen in der Vorwoche waren die Aachener gewillt eine Siegesserie zu starten. Das erste Spiel der Saison in Oberhausen ging ja verloren, dann folgten drei Unentschieden und der Sieg gegen die Wersestädter.  Sechs Punkte standen auf der Habenseite der Alemannia vor dem Auftritt in Wattenscheid. Da war bisher sicherlich mehr drin. Als zusätzliche Motivation stellten sich die Aachener Fans direkt hinter die Mannschaft (bzw. Trainerbank) auf der großen Sitzplatztribüne im Lohrheidestadion und lieferten von dort einen astreinen lautstarken Support und durften am Ende sogar ekstatisch feiern.Aber nochmal kurz auf Anfang: Es war ein Spiel das einiges bot, so dass es sogar auf zwei Kanälen (Sporttotal und Magenta) übertragen wurde. Den besseren Start erwischten die Aachener, die Wattenscheid förmlich in der eigenen Hälfte einschürte. Chancen um Chancen erspielten die Kaiserstädter sich, aber erst in der 24. Spielminute konnte Elsamed Ramaj zur Aachener Führung nutzen. Zu dem Zeitpunkt ein schmeichelhaftes Ergebnis für schwarz-weißen, die aber nach der Führung wachgerüttelt wurden und in der ersten Hälfte selbst zu zwei Chancen kam. Kurz vor der Pause hätte Tim Korzuschek locker für Aachen erhöhen können, wartete mit dem Abschluss aber zu lange so dass Wattenscheid die Chance abwehren konnte.Die zweite Hälfte hatte es dann in sich. Es begann ein offener Schlagabtausch auf beiden Seiten. Wattenscheid agierte jetzt mutiger und kam zu fast hundertprozentigen Chancen, die sie aber liegen ließen. Aber auch Aachen schaffte es nicht das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Dann in der 77. Spielminute war Kim Sané für Wattenscheid 09 zur Stelle und netzte aus spitzem Winkel ein. 1:1. Großer Jubel im weiten Rund, ein kleiner Schock bei schwarz gelb, aber auch nur kurz. Die Aachener Fans brüllten die Mannschaft nach vorne. Nur sieben Minuten nach dem Ausgleich wurde der Aachener Jannis Held zum Helden. Nach einer Ecke von Julian Schwermann, landete der Ball bei Held der einfach mal abzog und traf. Schwer zu sehen für den Wattenscheider Keeper. Klar, dass daraufhin der Gästeblock explodierte. Aachener Mannschaft und zahlreiche Fans die mal eben in den Innenraum sprangen feierten die erneute Führung. Aber es ging noch weiter und es wurde noch spannend. Nach einem Foul von Exaucé Andzouana sah dieser direkt die rote Karte. Aus meiner Position war das nicht so eindeutig, aber die Fernsehbilder zeigen, das er schon mit gestreckten Bein und „offener Sohle“ in Richtung Tim Kaminski rauschte. Hier lag Schiedsrichter Yannick Rupert richtig. Aachen wurde nun von Wattenscheid hinten reingedrängt. Kurz nach der roten Karte, musste dann auch Lukas Wilton nach seiner zweiten gelben Karte vom Platz. Aachen agierte fortan zu neunt. Zwei Minuten später dann die Erlösung mit dem Abpfiff. Aachen gewinnt verdient, da über das ganze Spiel gesehen die besseren Möglichkeit mit 2:1. Wattenscheid hat mutig gespielt und muss nun nach vorne schauen. Als Erstes steht schon morgen eine Partie im Westfalenpokal bei Preußen Münster an, bevor es am Wochenende zur U23 von Mönchengladbach geht. Aachen erwartet dann den SC Wiedenbrück und könnte mit einem weiteren Sieg einen großen Sprung nach vorne machen.

Jetzt in der App abspielen

Currywurst, rote Karten & Held(en): Aachen gewinnt in Wattenscheid

06.09.2022 00:00:00

Fußballsonntag, Hochsommer-Temperaturen um die 30 Grad und dann noch der „Tag der Currywurst“. Was gibt es besseres als diesen mit der viel gelobten Stadionwurst Deutschlands zu begehen. Manch einer bezeichnet sie auch als die Beste. Also rein ins Lohrheidestadion in Wattenscheid, Wertmarken gekauft und frisch vom Grill mit pikanter Soße (nein nicht die aus Bochum) in die Schale geschreddert und dazu ein gekühltes Blondes von einer Brauerei aus der Nachbarstadt (nein auch nicht die aus Bochum). Bratwurst & Bier als leckeres Intro für einen spannenden Fußballnachmittag.Fußball in der Lohrheide zu schauen, hat immer was Familiäres. Alles ist freundlich, ungezwungen und locker jedenfalls auf den Rängen. Auf dem Rasen geht und ging es am vergangenen Sonntag dann schon ordentlich zur Sachen. Sportlich hofft die SGW vor allem auf den Klassenerhalt in der Regionalliga West. Mit vier Punkten ist man nun auch mitten drin im Abstiegskampf. Das wissen auch die Heimzuschauer und pfiffen nicht, sondern honorierten jede gelungene Aktion mit Applaus. Dazu versuchte die aktive Szene mit Gesängen das eigene Team zu motivieren, kam dann aber nicht gegen die Lautstärke der gut 600 Gästefans (geschätzt nicht gezählt) unter den insgesamt 1.536 Zuschauern an.Nach dem knappen aber wohl sehr überzeugenden, wie man am Spielfeldrand so hörte, Heimsieg gegen Rot Weiss Ahlen in der Vorwoche waren die Aachener gewillt eine Siegesserie zu starten. Das erste Spiel der Saison in Oberhausen ging ja verloren, dann folgten drei Unentschieden und der Sieg gegen die Wersestädter. Sechs Punkte standen auf der Habenseite der Alemannia vor dem Auftritt in Wattenscheid. Da war bisher sicherlich mehr drin. Als zusätzliche Motivation stellten sich die Aachener Fans direkt hinter die Mannschaft (bzw. Trainerbank) auf der großen Sitzplatztribüne im Lohrheidestadion und lieferten von dort einen astreinen lautstarken Support und durften am Ende sogar ekstatisch feiern.Aber nochmal kurz auf Anfang: Es war ein Spiel das einiges bot, auch für die Zuschauer vor der Glotze. Das Spiel wurde auf zwei Kanälen (Sporttotal und Magenta) übertragen. Den besseren Start erwischten die Aachener, die Wattenscheid förmlich in der eigenen Hälfte einschürten. Chancen um Chancen erspielten die Kaiserstädter sich, aber erst in der 24. Spielminute konnte Elsamed Ramaj eine zur Aachener Führung nutzen. Zu dem Zeitpunkt ein schmeichelhaftes Ergebnis für schwarz-weiß, die aber nach der Führung wachgerüttelt wurden und in der ersten Hälfte selbst zu zwei Chancen kam. Kurz vor der Pause hätte Tim Korzuschek locker für Aachen erhöhen können, wartete mit dem Abschluss aber zu lange so dass Wattenscheid die Chance abwehren konnte.Die zweite Hälfte hatte es dann in sich. Es begann ein offener Schlagabtausch auf beiden Seiten. Wattenscheid agierte jetzt mutiger und kam zu fast hundertprozentigen Chancen, die sie aber liegen ließen. Aber auch Aachen schaffte es nicht das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Dann in der 77. Spielminute war Kim Sané für Wattenscheid 09 zur Stelle und netzte aus spitzem Winkel ein. 1:1. Großer Jubel im weiten Rund, ein kleiner Schock bei Schwarz-Gelb, aber auch nur kurz. Die Aachener Fans brüllten die Mannschaft nach vorne. Nur sieben Minuten nach dem Ausgleich wurde der Aachener Jannis Held zum Helden. Nach einer Ecke von Julian Schwermann, landete der Ball bei Held der einfach mal abzog und traf. Schwer zu sehen für den Wattenscheider Keeper. Klar, dass daraufhin der Gästeblock explodierte. Aachener Mannschaft und zahlreiche Fans die mal eben in den Innenraum sprangen feierten die erneute Führung. Aber es ging noch weiter und wurde noch spannend. Nach einem Foul von Exaucé Andzouana sah dieser direkt die rote Karte. Aus meiner Position war das nicht so eindeutig, aber die Fernsehbilder zeigen, dass er schon mit gestreckten Bein und „offener Sohle“ in Richtung Tim Kaminski rauschte. Hier lag Schiedsrichter Yannick Rupert richtig. Aachen wurde nun von Wattenscheid hinten reingedrängt. Kurz nach der roten Karte, musste dann auch Lukas Wilton nach seiner zweiten gelben Karte vom Platz. Aachen agierte fortan zu neunt. Zwei Minuten später dann die Erlösung mit dem Abpfiff. Aachen gewann verdient mit 2:1, da das Team von Fuat Kılıç über das ganze Spiel gesehen die besseren Möglichkeiten hatte. Wattenscheid hat am Ende mutig gespielt und muss nun nach vorne schauen. Als Erstes steht schon morgen eine Partie im Westfalenpokal bei Preußen Münster an, bevor es am Wochenende zur U23 von Mönchengladbach geht. Aachen erwartet dann den SC Wiedenbrück und könnte mit einem weiteren Sieg einen großen Sprung in der Tabelle der Regionalliga West nach vorne machen.

Jetzt in der App abspielen

Hansa Rostock vs. Hannover 96: Fehlende Schweigeminute für Elli Paetow

05.09.2022 00:00:00

24.500 Zuschauer im Ostseestadion - unter ihnen rund 1.500 gut zu vernehmende Gästefans - wollten in der Mehrzahl einen weiteren Heimsieg ihrer Hanseaten sehen. Am 01. September drehte sich noch kräftig die Spielerbörse, sodass Hansa plötzlich von "Rudis Resterampe" drei neue Spieler ausgeliehen hatte.Ich habe mir dann gleich ein neues Hansa-Trikot bestellt und auf dem Rücken steht jetzt "Ausgeliehen". Dies ist wohl der heutige Weg in der "BRD-Profiliga", statt Spieler entwickeln wird neugekauft und weggeworfen. Im Herbst fallen dann oftmals nicht nur viele Blätter, sondern die ersten Trainer, denn der muss sofort Punkte liefern...   Zurück ins geliebte Ostseestadion, wo es vor dem Spiel mal wieder eine Schweigeminute gab. Jedoch nicht für unser mit 101 Jahren verstorbenes Vereinsmitglied Elli Paetow, sondern für die Opfer des Attentates von Olympia in München 1972. Was soll so etwas? Da hätte ich lieber für Gorbi eine Schweigeminute eingelegt, denn dem haben wir auch ein Bundesligaspiel zwischen Hansa gegen Hannover mit zu verdanken. Die Nord 9A und Süd ehrten dann Elli mit einer Tapete. Fingerspitzengefühl bewiesen.    Kurz zum Sportlichen: Hannover stand uns von Beginn an auf den Füßen, sodass die Rostocker in der ersten Halbzeit nur einmal gefährlich vor dem Gästetor auftauchten. Hannover 96 war besser und der Elfmeter war aus meiner Sicht wohl auch in Ordnung, aber ein 0:1 ließ uns in der Halbzeit hoffen.    Trotz Sturmlauf unserer Hanseaten und vielen Chancen gab es leider kein Tor mehr für Hansa. Die Gästefans feierten lautstark den Auswärtssieg und freuen sich auf ihr Derby gegen den BTSV. P.S.: Gegen den 1. FC Magdeburg gewinnen wir dann unser nächstes Heimspiel, denn dann kommt Fiete wieder mit. Ahoi aus Rostock!   Bericht & Fotos: Heiko Neubert > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen vs. Aue: Erster Sieg in Liga 3 für RWE, aber Pfiffe statt Party

03.09.2022 00:00:00

Puh, was für eine Erleichterung bei den 16.070 Fans an der Hafenstraße, abzüglich den ca. 500 Anhänger des FC Erzgebirge Aue, die den weiten Weg an einem Freitagabend ins Ruhrgebiet auf sich genommen haben. Der erste Sieg im Profifußball seit 15 Jahren und der erste überhaupt in der 2008 eingeführten 3. Liga für Rot-Weiss Essen. RWE ist am siebten Spieltag angekommen im Profifußball. War die Stimmung vorher schon gut, entlud sich die ganze Anspannung, vor allem auch wegen der spannenden Schlußphase, nach Abpfiff in einem großen Jubel und einem gewaltigen Bierschauer über der Fantribüne „West“.Aber Essen wäre nicht Essen, wenn alles immer „normal“ wäre. Essen ist anders. In Essen ist immer was los. Ohne Spannung geht es nicht. Genauso gestern. Nach dem warmen Bierschauer von der „West“ kam die kalte Dusche schneller als manch einer dachte und viele wussten nicht wieso. Erst die Spannung auf dem Rasen, dann gab es Spannung auf den Rängen. Gehen wir auf Anfang: Rot-Weiss Essen grüßte vor dem Spieltag vom letzten Tabellenplatz der Liga, der Stimmung auf den Rängen tat das aber keinen Abbruch. Ein fast pickepacke volles Stadion an der Hafenstraße. Freitagabend. Flutlicht. Was will man mehr. Sportlich spielte RWE wie schon gegen den FC Ingolstadt vor zwei Wochen von Beginn an gut mit und die Fans waren begeistert. Diesmal verstärkt um gleich fünf Änderungen, als noch in Bayreuth suchte das Team von Christoph Dabrowski gegen den FC Erzgebirge Aue (Absteiger aus der zweiten Bundesliga) den schnellen Weg zum Tor. Auch wenn Aue die ersten Chancen hatte, war es dann Felix Bastians der nach einer Kopfvorlage von Simon Engelmann zum 1:0 für RWE einnetzte (23. Spielminute).Essen spielte nun richtig auf, auch in der zweiten Hälfte, musste dann aber den frühen Ausgleich in der 55. Spielminute durch Sam Schreck hinnehmen sehr zur Freude der mitgereisten Fans, die im Gästeblock ein geschlossenes stimmungsvolles Bild abgaben. RWE wirkte kaum geschockt und erspielte sich weitere zahlreiche Chancen. In der 64. Spielminute staubte dann Rios Alonso zum 2:1 ab, nachdem Aue-Torhüter Philipp Klewin nach einer Ecke nur abklatschen konnte. Essen hätte nach der Führung noch höher stellen können, vergab aber beste Chancen. Dies rächte sich fast in der 85. Spielminute als Maximilian Thiel von der Strafraumgrenze abzog, aber nur die Latte traf. Glück für RWE. Kein später Ausgleich mehr wie zuletzt noch gegen Ingolstadt. Die drei Punkte waren eingetütet und man rutschte erstmal vom letzten Platz auf Rang 13 (vor Ende des Spieltags).Sehr zufrieden und vor allem gelöst zeigte sich RWE-Cheftrainer Christoph Dabrowski nach dem Spiel im TV-Interview. Diesmal ging sein Matchplan auf. Sein zufriedenes Lächeln in die Kamera gefror aber in dem Moment, als mehrere Fans von der Haupttribüne einfach in den Innenraum spazierten und ihn mitten im Live-Interview bedrängten. Dabrowski diskutierte zuerst mit ihnen wurde dann aber anscheinend beleidigt und zog von dannen. Ähnliches erlebte Simon Engelmann, dazu schwoll während seines Interviews ein Pfeifkonzert, hauptsächlich von der „West“ an. Was war passiert?Um alles zu verstehen, muss einen Spieltag zurück gespult werden: Nach dem Spiel bei der Spvgg Bayreuth (1:1) kam es auf einem Autobahn-Rastplatz zu Auseinandersetzungen zwischen RWE-Fangruppen, bei der mehrere RWE-Fans verletzt wurden. Laut einer Pressemeldung des Vereins vom 30. August, wurde das gesamte Team (Mannschaft und Betreuer) unfreiwillig Zeuge des Überfalls der einen Fangruppe auf die andere. Der Verein verurteilte in seiner Pressemeldung diese Aktion. Zitat: „Ein solches Verhalten ist in keinster Weise mit den Werten von RWE vereinbar und somit auch nicht hinnehmbar“. Nach dem gestrigen Spiel kam es erst zu einer Reaktion der Mannschaft und dann zu einer emotionalen harten Antwort der Fankurve, vielleicht auch weil nicht alle um die Geschehnisse auf dem Rasthof wussten. Die Mannschaft applaudierte nach dem Abpfiff zwar in Richtung „West“ und bedankte sich so für die Stimmung, drehte dann aber zügig in Richtung Gegengerade (Rahntribüne) ab und bedankte sich bei den restlichen Tribünen auf die gleiche „zurückhaltende“ Weise. Einigen Fans war diese Art der Danksagung anscheinend zu wenig. Ja, bei früheren Siegen wie beispielsweise in der vergangenen Jahren in der Regionalliga West wurde mitunter noch einmal eine „LaOla“ angestimmt oder auch das legendäre "zweimal leise, einmal laut“ zelebriert. Auch der eine oder andere Spieler wurde öfters auf den Zaun gerufen um mit der Tribüne zu feiern. Ja das alles gab es gestern nicht und die frustrierten Fans reagierten deshalb mit nicht gerade freundlichen Gesängen („Wir sind Essener und ihr nicht“), Beschimpfungen und mit einem Pfeifkonzert, als ob der Klub hoch verloren hätte und abgestiegen wäre. Aber viele wussten wahrscheinlich nicht warum die Mannschaft nur zurückhaltend feierte. Hätte man das irgendwie im Vorfeld kommunizieren können? Wahrscheinlich nicht. Auch wenn sich im Netz jetzt Vorschläge überschlagen, die richtige Herangehensweise hätte es nicht gegeben und hinterher ist man ja immer schlauer. Auch eine Vorankündigung, dass man im Falle eines Sieges nicht hätte feiern möchte aufgrund der Vorkommnisse, hätte nach hinten losgehen können und wäre kritisiert worden. Es sah auch eher nach einer spontanen Reaktion der Spieler aus und nicht wie von den Verschwörungstheoretikern aus den Fanforen und sozialen Netzwerken interpretierte Anweisung von „ganz oben“. In den Kommentaren im Netz war von einer Abstrafung aller Fans zu lesen, aber Hand aufs rot-weisse Herz: Wir reden hier von einer fehlenden vielleicht fünfminütigen Party mit „LaOla“ oder "zweimal leise, einmal laut“. Die Reaktion von den Rängen war vielleicht etwas überraschend emotional, aber wiederum auch erklärbar: Da steigt man in die 3. Liga auf und vermasselt sportlich den Start, aber die Fans stehen zu Hause und auswärts (alleine 6.000 waren jeweils in Dortmund und Duisburg und über 1.000 in Bayreuth) hinter dem Team auch nach nur drei erreichten Punkten in sechs Spielen. Dann nach einem mitreißenden Freitagabend Heimspiel mit starkem Support wird der erste Sieg eingefahren und noch voller Adrenalin sowie wahrscheinlich reichlich Gerstensaft der lokalen Brauerei intus gibt es kein finalen Höhepunkt mit der Mannschaft, der sonst immer so voll Leidenschaft und Hingabe zelebriert wurde. Das war wahrscheinlich wie eine kalte Dusche für einige. Dieser Absturz in den Frust entlud sich dann in den nicht freundlichen Gesängen und Pfiffen im Stadion sowie im Internet in wüsten Kommentaren und Spekulationen.Aber liebe Leute eine Nacht drüber geschlafen und nochmal nachgedacht: Die Mannschaft hat vor dem Spiel Richtung Tribünen geklatscht, die Tore vor den Tribünen gefeiert und ist nach dem Spiel nicht (!) direkt in den Katakomben des Stadions verschwunden, sondern hat sich für die Unterstützung bedankt, aber halt nicht in der Intensität wie sonst. Dazu: Trotz der erlebten Vorkommnisse auf dem Rastplatz und den Pfiffen sowie Beleidigungen nach dem gestrigen Spielende, ist die Mannschaft wenig später dann doch noch einmal herausgekommen vor die „West“ und hat mit den Fans das klärende Gespräch gesucht und ihnen den Grund für die ausgefallenen intensiven Feierlichkeiten erklärt. Es wurde diskutiert, Hände geschüttelt, Trikots verschenkt und es gab auch wieder vereinzelt freundliche Gesänge von den Tribünen. Also alles gut? Es ist zu hoffen. Denn in der Liga kann man nur sportlich Bestehen mit einem starken Fanrückhalt und mit einer guten Fanbasis, auch wenn sie hochgradig emotional ist. Nach den Lila-Weißen aus Aue-Bad Schlema (Sachsen), gastiert Rot-Weiss Essen am kommenden Freitag bei den nächsten lila-weißen beim VfL Osnabrück in Niedersachsen. Der Gästeblock ist schon ausverkauft und auch hoffentlich wieder „vereint“ stimmungsvoll. Es geht nur zusammen - #nurderRWE.Fotos: Sport Photo Agency frontalvision.com > zur Rot-Weiss Essen Fotostrecke > zur FC Erzgebirge Aue Fotostrecke

Jetzt in der App abspielen

Pogoń Szczecin: Man muss die Feste feiern wie sie kommen

01.09.2022 00:00:00

Man muss die Feste feiern wie sie kommen. Je älter ich werde, desto "Dad-Joke" mäßiger werden die Sprüche und der Humor. Eine Sache, die allerdings noch nicht erloschen ist, das ist die Suche nach Abenteuern und neuen Grounds. So ging es für uns auf eine kleine Reise in den Norden Deutschlands mit einem kleinen Abstecher ins polnische Szceczin. Die hier beheimateten Jungs von Pogoń durften die Gäste von Zagłębie Lubin im Stadion Floriana Krygiera begrüßen.  Im Vorfeld der Partie kümmerten wir uns ausschließlich um die rasche Buchung der Tickets, da die Kontingente aufgrund des Stadionneubaus weiterhin stark eingeschränkt sind. Die Hälfte des Stadions, darunter unter anderem der Gästeblock, blieben somit leer.    Einen provisorischen Gästebereich richteten die Gastgeber in letzter Zeit auch gerne mal auf der immer gut gefüllten Gegengerade ein, zu unserer Überraschung war dies am heutigen Tage nicht der Fall. Wenige Minuten nach Beginn der Partie fluteten knapp 200 Leute in orangenen Oberteilen die Heimkurve und breiteten sich mit ihrer Zaunfahne aus.    Da wir keine Experten im polnischen Fußball sind, waren wir anfangs natürlich etwas verwundert und vermuteten eine Fanfreundschaft beider Vereine, die sich im Laufe der Partie scheinbar auch an einzelnen Gesängen und dem friedlichen Verhalten untereinander zeigte. Gegen den gut aufgelegten Mob der Gastgeber kamen die Gäste akustisch natürlich nicht wirklich an und verzichteten somit weitestgehend auf Support. Allerdings ist hier nicht die Rede von einer Fanfreundschaft, sondern von der Bereitschaft, aktuell aufgrund der Baumaßnahmen den Gästefans einen Teil des Heimbereichs zur Verfügung zu stellen. Dies war vorher bereits unter anderen gegen Wisła Plock, Górnik Zabrze und Radomiak der Fall.   Es sollte sich ein entspannter und trockener Fußballabend entwickeln, der uns und den Anhängern Pogońs ganz gut gefallen durfte. Ein ziemlich ungefährdeter 3:0-Sieg - die Treffer erzielten Damian Dąbrowski (26.), Kamil Grosicki (62.) und Pontus Almqvist (64. Minute) - und eine grundsolide Stimmung machten das "Erlebnis Stadion" alles in allem sehr zufriedenstellend. Anmerkung: Den anfänglichen Fehler im Text haben wir behoben. Für diesen möchten wir uns entschuldigen! Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) > zur turus-Fotostrecke: MKS Pogon Szczecin

Jetzt in der App abspielen

Regen und etwas Bambule: Jena gewinnt beim BFC Dynamo

31.08.2022 00:00:00

Freitagabend, die Sonne lacht. Das Thermometer zeigt stolze 30 Grad an und ich genieße gerade die Abendsonne von Kusadasi. Der BFC Dynamo hat sein letztes Ligaspiel mit 4:2 gegen Altglienicke gewonnen und kürt sich zum Regionalliga-Meister der Staffel Nordost. Die treuen Fans feiern dies gewiss gerade ausgiebig im Vereinsheim und feiern, bis die Kotze sauer schmeckt.Moment mal, ich schweife noch durch den Mai, dabei haben wir ja schon August. Die Realität sieht aktuell bescheidener aus. Das Thermometer zeigt 22 Grad an, es regnet aus Eimern, der FC Carl Zeiss Jena ist zu Gast und beim Blick auf die Tabelle finden wir den BFC Dynamo nicht ganz oben. Einzig das Sportforum Berlin verliert niemals an Charme und deren Fans sowieso nicht. Laut unbestätigten Medienberichten wurden die Fans des BFC Dynamo zum 10. Mal in Folge zu den attraktivsten aus Gesamtdeutschland gekürt. Immerhin etwas gibt es also zu feiern. Der Saisonstart ist holprig verlaufen. Zwar siegte man in Meuselwitz mit 2:1, danach verlor man aber zweimal hintereinander mit jeweils 0:1. Einmal zu Hause gegen den Berliner AK und auswärts beim Chemnitzer FC. Ein Dreier gegen die Gäste aus Thüringen stand also auf dem Pflichtprogramm von Neu-Trainer Heiner Backhaus. Der FC Carl Zeiss Jena überraschte den BFC Dynamo in der Vorsaison mit zwei Siegen - als wohlgemerkt einzige Mannschaft. Am Ende half es dennoch nicht.  Das jetzige Spiel gegen Jena wurde um 15 Minuten nach hinten verschoben, da einige Jena-Fans noch im Stau standen bzw. auch das Schiedsrichtergespann und die Mannschaft von Jena erst recht spät im Sportforum Berlin eintrafen.  Heiner Backhaus ließ Neuzugang Amar Suljic auf der Bank platz nehmen, welcher in den ersten drei Partien recht quirlig agierte. Das Spiel begann verhalten. Beide Mannschaften tasteten sich ab. Keinesfalls wollte der BFC abermals in Rückstand geraten. Die Qualitäten um Jena sind bekannt. Nach acht Minuten schickte Neuzugang Cedric Euschen einen perfekten Ball auf Christian Beck, doch Gästetorhüter Kevin Kunz schnappte sich das Leder in letzter Sekunde. Jena kam nun besser in die Partie und sicherte sich einen klaren Feldvorteil. Nach 12 Minuten segelte erst eine Ecke durch den Strafraum des BFC, ehe sechs Minuten später ebenfalls Neuzugang Matthias Hamrol im Tor des BFC alles geben musste, um den artistischen Schuss noch abwehren zu können. Glück gehabt. Starke Aktion von beiden Seiten. Nach 23 Minuten musste sich Hamrol aber geschlagen geben. Hatte er eben noch stark pariert, verschätzte er sich nun bei einer Ecke und war zu spät am Ball. Rene Dahlke hielt seinen Kopf hin und brachte Jena mit 1:0 in Führung. Ein kleines Hallo-wach-Zeichen für den BFC, der jetzt anfing endlich Druck aufzubauen. Nach 27 Minuten probierte es Cedric Euschen aus der Distanz, vier Minuten später probierte es ebenso Neuzugang Dominic Duncan mit einem Kopfball. Das Spiel ging jetzt über Kampf und so hagelte es binnen fünf Minuten 3x Gelb von Schiedsrichter Florian Markhoff. Ein paar Sekunden später waren die gelben Karten wohl alle, und er sucht die Rote raus. Niklas Brandt rauschte ran, zog im letzten Moment aber eindeutig und klar zurück. Aufgrund des glitschigen Rasens rutschte er aber minimalistisch in Pasqual Verkamp hinein. Mit einem VAR hätte man hier sicherlich anders entschieden, aber den gibt es in der Regionalliga Nordost nun mal nicht. Brandt konnte es nicht fassen. Der BFC zeigte sich dennoch unbeeindruckt und probierte noch vor dem Halbzeitpfiff den Ausgleich zu erzielen. Kurz vor der Pause war es abermals Christian Beck, der eine Kleihs Ecke probierte zu verwerten. Diese ging jedoch knapp vorbei. Schiedsrichter Markhoff pfiff nun zur Pause. Die 2. Halbzeit begann mit leichter Verspätung. Gästefans brachen ein Tor zum Innenraum auf, was nun die BFC-Fans auf den Plan riefen. Die Polizei marschierte auf und beruhigte, zusammen mit den Verantwortlichen des BFC, die Situation recht schnell. Was auch immer die Fans von Jena in jenem Moment bemängelten, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Aber wie heißt es so schön? Manche nehmen nur den Finger, andere gleich die ganze Hand. Wie dem auch sei, die zweite Halbzeit begann nun und Trainer Heiner Backhaus und Co-Trainer Nils Weiler beließen es vorerst bei den verbliebenen zehn Akteuren auf dem Platz.   Der BFC kam stark aus der Kabine, aber das gewisse Etwas fehlte. Kaum ausgesprochen, konterte Jena zum 0:2. Abermals durch Rene Dahlke. Arthur Ekallé und Chris Reher verloren nach einer Hereingabe Rene Dahlke aus den Augen, der musste nur noch den Kopf hinhalten und zum 0:2 einnetzen. Nach 60 Minuten kamen Andy Pollasch und Amar Suljic, um nach vorne noch einmal für Gefahr zu sorgen. Marvin Kleihs und Cedric Euschen verließen das Spielfeld. Kurz darauf musste auch der bullige Ekallé den Platz verlassen. Für ihn kam auch Neuzugang Maximilian Franke.  Ja, liebe Leser, wie Sie es selbst vernehmen, gab es eine große Umstrukturierung seitens des BFC Dynamo. Viele neue Gesichter, viele neue Namen. Hoffen wir für die Zukunft, dass der baldige Aufschwung kommt! In der 78. Minute gab es dann noch einmal Aufregung. Der BFC forderte einen klaren Elfmeter, doch die Pfeife von Schiedsrichter Markhoff blieb stumm. Absolut unverständlich. Trainer Backhaus kassierte für das Meckern die gelbe Karte und reihte sich in den Reigen ein. Dies soll jetzt keine Diskussionen entfachen, aber die Leistungen der Schiedsrichter rund um den Regionalliga-Betrieb sind teils allmählich einfach nur noch schlecht und fragwürdig. Auch in der Meistersaison gab es etliche Fehlentscheidungen bei einigen Spielen. Auch bei Partien, bei denen der BFC nicht involviert war. Sehr zum Leidwesen der jeweiligen Teams. Spielerisch passierte nun nicht mehr viel. Der BFC war bemüht gewesen, aber so hagelte es die Niederlage Nummer drei nach vier Spieltagen. Die Saison ist noch lang und es gibt noch viele Punkte zu vergeben, dennoch sind viele gefrustet. Hatte man doch in der Vorsaison... Neue Saison, neue Ziele, neues Glück. Es kann, besser gesagt, es muss vorwärts gehen.   Während im Gästeblock die Fackeln brennen und die Ultras des BFC gemeinsam mit der Fraktion H munter weitersingen, pfiff Schiedsrichter Markhoff die Partie ab. Ein räudiger und feuchter Abend ging zu Ende. Was bleibt, ist ein Wochenende zum Grübeln und Aufarbeiten. Am kommenden Sonntag steht das Pokalspiel bei Türkspor Berlin an. Gespielt wird ab 16:00 Uhr in der Sömmeringstraße. Dann - aus Sicht der Weinroten - hoffentlich wieder erfolgreich und mit dem Einzug in die nächste Runde des namentlich neu aufgesetzten Berlin Pokal. Ab sofort übernimmt COSY-WASH die Namensrechte. In Liebe, euer Kämpfer! Fotos: Abteilung Utzki, Marco Bertram Bericht: Abteilung Utzki

Jetzt in der App abspielen

Fußballstadt Buenos Aires: Interview mit dem Fibel-Autor Lukas Lange

31.08.2022 00:00:00

In Argentinien werden Liebe, Leidenschaft und Verrücktheit für den Fußball extrem gelebt. Die Stadien sind Orte großer Emotionen – selbst die VIP-Plätze sehen aus wie die Fankurven in Deutschland. So steht es im Klappentext der neuen Fußballfibel geschrieben. Lukas Lange, der 1986 in Bern geboren wurde und viele Jahre bei Young Boys in der Fankurve stand, lebt seit sieben Jahren in seiner Wahlheimat Buenos Aires und fand in der Kurve von San Lorenzo ein neues Zuhause. Während des Corona-Lockdowns nutzte er die Zeit und verfasste ein überaus umfangreiches Buch über die Fußballstadt Buenos Aires. Bevor er am 1. September sein Werk in der Schankwirtschaft BAIZ in Berlin Prenzlauer Berg persönlich vorstellen wird, durften wir ein ausführliches Interview mit ihm führen. Dabei ging es um seinen persönlichen Werdegang, den Alltag in Buenos Aires und auch um die kleineren Vereine abseits der großen Metropole. Viel Spaß beim Lesen!turus.net / Marco: Moin Lukas, erzähl doch mal zuerst, wo du aufgewachsen bist, wie du zum Fußball kamst und welcher Verein anfangs hier in Europa dein Herz beglückt hat. Lukas Lange: Hallo Marco, vielen Dank schon mal für die Möglichkeit für dieses Interview. Ich bin 36 Jahre alt und komme aus Bern in der Schweiz. Dort bin ich aufgewachsen und wurde recht früh Young Boys Fan. Warum genau, weiß ich gar nicht. Meine Eltern waren - was Bern betrifft - nicht fußballinteressiert. Trotzdem war ich 1995 im Alter von neun Jahren bei meinem ersten Spiel. Im Anschluss wollte ich immer wieder mit meinen Jungs zu den Spielen fahren. Zwar wurde Young Boys zuletzt viermal Schweizer Meister und spielte in der Champions League, doch war dies damals ganz anders. Sie waren recht schlecht und spielten immer am Rande des Abstiegs. 1997 sind sie dann auch abgestiegen. Von daher war es auch etwas schwieriger, Schulfreunde zu finden und mit ihnen dorthin zu fahren. Ich konnte das aber durchziehen. Ab 1997 sah ich sämtliche Heimspiele, 1998 durfte ich im Alter von 12 Jahren auch auswärts fahren. Ich würde das halt als normale Fankarriere beschreiben. Ich bin alles gefahren und wurde auch in der Fankurve aktiv. Parallel dazu bin ich auch zu vielen anderen geilen Spielen gefahren in Europa und auf der ganzen Welt, um meine Länderpunkte zu machen. In meinem Fall war es jedoch weniger klassisches Groundhopping. Ich wollte einfach geile Spiele sehen. Speziell zu sagen ist, dass meine Mutter nicht fußballinteressiert ist und mein Vater gebürtiger Hamburger ist. Seit über 40 Jahren lebt er in der Schweiz, ist aber HSV-Fan. Als Kind hatte ich immer die HSV-Spiele am Fernseher verfolgt. Daher habe ich als Schweizer auch einen deutschen Verein - und das ist der HSV. Ich bin früher auch häufig dorthin gefahren.   turus: Und ab wann hattest du deine Fühler nach Südamerika ausgestreckt? Lukas: In den längeren Sommerpausen bin ich immer auf ausgedehnte Reisen gegangen. Grundsätzlich war ich auch viel in den asiatischen und arabischen Ländern unterwegs, vor allem aber war ich von den lateinamerikanischen Ländern fasziniert. Einerseits hat mir dies als Reiseregion am besten gefallen, andererseits fand ich dort den Fußball klasse. Dorthin habe ich viele Reisen gemacht, und ich war in fast allen Ländern Lateinamerikas. Vor allem in Südamerika. Bei meiner Faszination für den Lateinamerika und den lateinamerikanischen Fußball stach ganz klar Argentinien hervor. Buenos Aires ist einfach die Fußball-Welthauptstadt. Es gibt einfach keine andere Stadt mit so vielen Vereinen und so viel Fußballfankultur. Das Spezielle dort: Viele assoziieren Fußball mit der Fußballfankultur. Klar, Leute wie wir sprechen auch hier in Europa, wenn wir uns über Fußball unterhalten, nicht nur über das sportliche Geschehen und die Vereinsstrukturen, sondern in einem Atemzug von der Fankultur. In Argentinien ist dies allerdings in der ganzen Gesellschaft so. Wenn man dort beispielsweise über die Boca Juniors redet, spricht man nicht nur über die Spiele und den Verein, sondern über die Kurven. Diese sind elementarer Bestandteil der Außendarstellung des Vereins. Wenn zum Beispiel der 50-jährige Mitarbeiter mitbekommt, dass du Fußballfan bist, zeigt er dir nicht ein Ausschnitt eines Spiels, sondern er zeigt dir mal gleich ein YouTube-Video, wo die Kurve ein neues Lied singt und erklärt, dass dieser Verein XY die besten Fans hat. Aus diesen Gründen packte mich die Faszination für Argentinien. Ich bin immer wieder dorthin gereist, und es war immer mein Traum, dort eines Tages zu leben. Mit 28 Jahren habe ich mich dann daheim bei den Young Boys ein wenig zurückgezogen aus der aktiven Fanszene und verwirklichte meinen Traum, nach Buenos Aires zu ziehen. Dort hat man als Ausländer, der dort dauerhaft wohnen möchte, einige Vorteile. Zum Beispiel kann ich dort wohnen und falle auf der Straße nicht auf. In Kolumbien könnte ich dagegen zehn Jahre wohnen und trotzdem würde jeder erkennen, dass ich Ausländer bin. Ein anderer Punkt: In Kolumbien, Venezuela und Brasilien gibt es nur Ober- und Unterschicht und es gibt wenig Vermischung. Das ist zum Leben in solch einer Gesellschaft schon sehr anstrengend. Zwar sind auch in Argentinien die Ober- und Unterschicht ausgeprägter als in Deutschland und der Schweiz, doch ist es dort nicht so krass, dass nur in seiner Schicht gelebt wird. Es gibt durchaus eine Vermischung. Das waren auch die zwei wichtigen Punkte, warum ich mich in Lateinamerika für Buenos Aires entschieden habe.  turus: Wo genau in Buenos Aires wohnst du? Lukas: Seit sieben Jahren wohne ich nun in Buenos Aires, vorher war ich oft beim Reisen dort. Genauer gesagt, seit 14 Jahren war ich immer wieder dort. Zuerst habe ich ziemlich zentral in der Nähe des Congreso in einer großen WG gewohnt. Das war eine ziemlich coole Mischung aus Leuten aus dem Landesinnern und Europäern, die dort gewohnt haben. Da jedoch fast alle meine Freunde in der Zona Norte wohnen - in etwa zwischen den Stadien von Platense und Tigre -, bin ich dann auch dorthin gezogen. Ich war zunehmend mit den Leuten dort unterwegs, und nun wohne ich seit fünf Jahren selber in der Zona Norte. Ich habe dort an mehreren Orten gelebt. Unter anderen in Vicente López, gar nicht mal so weit weg vom Platense-Stadion. Mittlerweile wohne ich in Béccar, einem Teil von San Isidro. Ganz in der Nähe des Tigre-Stadions. Ich lebe dort eigentlich nur mit argentinischen Freunden. Ich wohne zwar inzwischen alleine, doch im selben Hochhaus haben einige Freunde eine Wohnung. Meinen Alltag bestreite ich nur mit Einheimischen und ich bin in einige Freundesgruppen hineingerutscht.  turus: Was machst du eigentlich beruflich? Lukas: Ich habe eine Tourismus-Ausbildung und meine Eltern haben in Bern ein Tee-Fachgeschäft. Ich habe Kundenreisen nach China, Japan und Südkorea organisiert, weil wir als Fachgeschäft natürlich unsere Tees direkt vor Ort bei den Teebauern einkaufen. Direkt in den Dörfern kann man zu den Teebauern gehen und die Teesorten begutachten. Die Nachfrage war da und ich habe dann seit 2012 die Kundenreisen nach Fernost geplant und organisiert. Dies mache ich auch weiter, während ich hier in Argentinien lebe. Alle drei Reisen sind immer nacheinander, und somit fliege ich einmal im Jahr rüber und führe dann die drei Reisen durch. In der Regel mache ich dann auf der Rückreise einen Halt in Europa und besuche Freunde und Familie. Wenn’s gut läuft, schaue ich, wie Young Boys Meister wird. In Buenos Aires arbeite ich auch mit Touristen. Ich mache verschiedene Dinge, führe kleine Führungen durch oder auch größere - je nach Nachfrage. Unter anderen verkaufe ich den Leuten auch Eintrittskarten für die Spiele von Boca und River, weil das teilweise nicht einfach ist. Aber ja, das Thema Tourismus ist seit drei Jahren schwierig, und die letzten zwei Jahre war ich wegen Corona quasi ohne Job. Und in dieser Zeit habe ich nun dieses Buch über den Fußball in Buenos Aires geschrieben. Inzwischen sind allerdings die ersten Touristen wieder nach Buenos Aires zurückgekommen und ich kann wieder arbeiten. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder nach China, Japan und Südkorea gehen kann. Ob das wirklich klappt, weiß ich allerdings noch nicht genau.   turus: Hast du in Buenos Aires einen neuen Herzensclub gefunden? Lukas: Meine fußballerische Entwicklung in Argentinien war ähnlich wie die bei vielen Leuten, die dort hingereist sind. Ich schaute erst einmal ganz viele Spiele und war fasziniert. Ich habe all die Derbys gesehen - die großen und kleinen. Ich fand die eine Kurve richtig geil und die andere Kurve halt auch mal weniger geil. Nach all den Jahren bin ich dann bei San Lorenzo hängengeblieben - und das ist mittlerweile mein argentinischer Verein. Das habe ich auch im Buch so deklariert. Ich hatte zuerst einige wichtige Spiele gesehen und dann habe ich Leute kennengelernt und bin nach und nach reingewachsen. Eines Tages stand ich dann bei denen mit in der Kurve. Anfangs hatte ich ja in der Innenstadt gewohnt und dort hatte man irre schnell Leute kennengelernt. Meist waren dies aber eher Argentinier aus dem Landesinnern, andere Latinos und Europäer. Durch San Lorenzo bin ich dann in die Gruppe reingerutscht, die in der Zona Norte wohnt und im Stadion mit der Martínez-Fahne präsent ist. Dadurch habe ich auch ihre anderen Kollegen kennengelernt, die River-Fans oder Boca-Fans sind. Auf diesem Wege bin ich dann in die Freundesgruppen reingerutscht, die nun mein Zuhause sind. turus: Um mal auf deine Fußballfibel zu sprechen zu kommen. Wie kam es eigentlich dazu? Wie ist eigentlich der Kontakt zum Herausgeber Frank Willmann bzw. zum Verlag zustande gekommen? Lukas: Also der Kontakt kam zustande, weil ich einen guten Freund habe, der die Darmstadt-Fußballfibel geschrieben hat. Er hat mir dann eines Tages gesagt, hey, ich habe eine Mail vom Verlag bekommen, in der drin steht, dass nun auch Städte-Fibeln in Planung seien. Er meinte dann, dass ich unbedingt Buenos Aires machen müsse. Der Kontakt zu Frank kam dann sehr fix zustande. Dies ist tatsächlich mein erstes Buch, aber ich hatte vorher bereits an diversen Fanzines - unter anderen am Darmstädter Fanzine - mitgeschrieben.    turus: Und diese Frage bekommt jeder gestellt. Schreibst du lieber morgens beim Kaffee oder abends bei Bier und Wein? Lukas: Puh, wie soll ich sagen? Ich glaube nix von beidem. Ich bin morgens einfach aufgestanden und habe mich gleich rangesetzt. In der Regel habe ich zuerst das Geschriebene vom Vortag gelesen, um thematisch reinzukommen. In der Regel habe ich versucht, den 8-Stunden-Tag einzuhalten. Meist habe ich gegen neun begonnen und dann bis fünf oder sechs geschrieben. Abends schrieb ich in der Regel nicht, weil meist was los war. Aber klar, es kam schon mal vor, dass ich einfach weitergeschrieben habe, weil ich gerade im Flow war.  turus: Hört man Lateinamerika, denken viele gleich an Kriminalität und die möglichen Gefahren beim Reisen. Hattest du auf all deinen Reisen schon mal unangenehme Erlebnisse abseits des Fußballs?  Lukas: In Argentinien hatte ich eigentlich noch nie Probleme. Auf meinen Lateinamerika-Reisen wurde ich einmal 2007 in Venezuela und einmal 2010 in Kolumbien ausgeraubt. In Argentinien ist mir indes noch nie etwas passiert. Man gewöhnt sich natürlich auch, etwas auf der Hut zu sein und auf bestimmte Sachen zu achten. Automatisch führe ich einen Fuß durch eine Schlaufe der Tasche, damit diese niemand unbemerkt wegnehmen kann. Dies mache ich dann auch in Europa so, und meine Freunde fragen dann ganz erstaunt, was ich da anstelle. Man gewöhnt sich halt an gewisse Sicherheitsmaßnahmen. Stets gilt: Keine Angst haben, aber Respekt. Dies ist stets meine Devise. Hört man aufs Bauchgefühl, dann ist eigentlich alles recht entspannt. Natürlich entspannt sich das alles auch, wenn man dort wohnt und die Sprache kann, weil man dann alles besser einschätzen kann. Wenn ein Besoffener einem was zuruft, weiß man dann halt, ob er nur einen Scherz macht oder ob Gefahr in Verzug ist. Allgemein kann man durchaus sagen, dass Argentinien bzw. Buenos Aires nicht so gefährlich ist, wie es mitunter in deutschsprachigen Fanzines dargestellt wird. turus: Buenos Aires ist bekanntlich der Fußballnabel von Argentinien. Aber vielleicht kannst du uns einen kleinen Überblick geben, welche anderen relevanten Vereine es noch gibt, die aus ganz anderen Ecken von Argentinien kommen. Lukas: Fußball in Argentinien ist ziemlich zentralisiert und das kommt auch in meinem Buch vor. Das Ganze ist auch historisch so gewachsen. Zwar kommen die größten Vereine aus Buenos Aires, doch gibt es um Buenos Aires herum zwei Städte. Die eine ist La Plata. Die zählen einige Leute noch zu Buenos Aires, doch offiziell liegt sie nicht in Buenos Aires. Dort gibt es Estudiantes de La Plata, die sicherlich die Erfolgreichsten sind von den Vereinen außerhalb von Buenos Aires. Viermal haben sie die Copa Libertadores gewonnen. Dann gibt es noch Gimnasia y Esgrima La Plata, die jedoch ziemlich wenig gewonnen, aber auch eine große Fanmasse haben. Die dortigen Derbys zwischen Estudiantes und Gimnasia sind wirklich auch sehr gut. Dann gibt es vier Stunden nördlich von Buenos Aires die ziemlich verrückte Stadt Rosario, wo Newell’s Old Boys und Rosario Central herkommen. Das sind mit die besten Fanszenen in Argentinien. Die beiden haben zwar nationale Meisterschaften gewonnen, aber international noch keinen Titel geholt. Beide haben tolle Stadion, und das Aufeinandertreffen der Rivalen wird in Argentinien als das „el clásico mas caliente del país“ (heißeste Derby des Landes) betitelt. Zwei Stunden weiter nördlich kommt Santa Fe. Dort gibt es auch zwei Vereine. Colón und Unión. Die sind etwas kleiner als die Beiden aus Rosario, doch haben auch sie eine beachtliche Fanbasis. Colón ist deutlich größer und wurde erst kürzlich argentinischer Meister. Des weiteren haben wir Córdoba, die zweitgrößte Stadt Argentiniens. Dort gibt es gleich vier relevante Vereine. Talleres hat die meisten Fans, dicht gefolgt von Belgrano. Das Duell zwischen beiden ist auch das dortige größte Derby. Der dritte Verein ist Instituto Atlético Central und der vierte heißt Racing Córdoba. International konnten diese Vereine noch nichts holen, wobei dieses Jahr Talleres gut dabei war. Dann gibt es noch die Region Mendoza im Westen des Landes. Das Komische dort: Die eigentliche Stadt Mendoza ist relativ klein, weil in der dortigen Region alles in kleinere Städte aufgeteilt ist. Der aktuell große Verein von Mendoza ist Godoy Cruz, die sind für einen Verein aus dem Landesinnern recht gut und international ab und zu dabei. Der eigentliche größere Verein in Mendoza ist Independiente Rivadavia, der spielt allerdings seit einigen Jahren nur in der zweiten Liga. Auf jeden Fall müsste man an dieser Stelle noch die beiden Tucumán-Vereine nennen. Buenos Aires, Rosario, Santa Fe und La Plata - dies sind die relevantesten Fußballstädte, und außerhalb dieser vier Städte sind aktuell die größten Vereine Godoy Cruz in Mendoza und die beiden Vereine in Tucumán. Die spielen meist erste Liga und haben auch schon international gespielt. Das wären Club Atlético Tucumán und Club Atlético San Martín, und das Derby ist auch richtig gut. Ganz im Norden Argentiniens haben wir noch die Stadt Salta, die hat drei Vereine mit vielen Fans, wobei es nur einer von denen in die erste Liga geschafft hatte. Inzwischen spielt Gimnasia allerdings wieder in der dritten Liga. Was haben wir sonst noch? Eine spannende Sache noch. Oben am Rìo Paraná befinden sich direkt nebeneinander die Städte Corrientes und Resistencia. Diese beiden Städte sind mit einer einzigen Brücke verbunden, darunter gibt es mehrere hundert Kilometer keine Brücke. Passend dazu gibt es das „Derby der Brücke“. Früher, als es noch Gästefans gab, wurden diese nach Hause gefahren und anschließend wurde die Brücke hochgeklappt, damit nix mehr passiert. Beide Vereine haben allerdings auch ein Stadtderby: Club Atlético Chaco For Ever und Club Atlético Sarmiento in Resistencia sowie Deportivo Mandiyú und Boca Unidos in Corrientes.  turus: Vielen Dank für diese ausführliche Ausführung. Ich habe da noch eine andere Frage. Wie lief das Ganze eigentlich während der Corona-Krise ab?  Lukas: Als Corona in Argentinien ankam, wurde erst einmal alles dichtgemacht. Es gab eine Ausgangssperre und man durfte nur noch zum Einkaufen raus. Es fand eigentlich gar nix statt. Zuerst wurde der Fußball ganz abgesagt. Dann ist allerdings Corona in Argentinien anders abgelaufen als in Europa, weil nach dem ersten Lockdown der lange Sommer kam. Im Winter gab es dann noch einmal einen zweiten Lockdown. Der erste Lockdown kam ja bei uns im Herbst und nicht wie bei Euch im Frühling, da die Jahreszeiten auf Süd- und Nordhalbkugel ja verschoben sind. Das heißt, dass bei uns der erste Lockdown richtig lang war. Das war richtig hart. Wir hatten rund vier Monate Ausgangssperre. Anfangs hatten sich alle daran gehalten, später hatten die Leute nach und nach die Lockerungen quasi selber durchgenommen. Fußball gab es lange Zeit gar keinen mehr, und danach halt erst einmal ohne Publikum. Irgendwann im Oktober 2021 ging es endlich wieder los mit halb gefüllten Stadien. Ab November 2021 war dann wieder alles normal.  turus: Was mir beim Lesen einfiel. Gibt es eigentlich auch kleine Vereine, die von Einwanderern gegründet wurden? So wie es hier in Deutschland beispielsweise einen FK Srbija, S.D. Croatia Berlin und den FC Polonia Berlin gibt. Gibt es so etwas auch Argentinien? Gibt es im Amateursport vielleicht auch kleine Vereine, die von deutschen, osteuropäischen oder brasilianischen Einwanderern ins Leben gerufen wurden? Lukas: Argentinien ist ja ein Einwanderungsland, und in meinem Buch gibt es dazu auch ein extra Kapitel. Davon ganz abgesehen sind viele Vereine einst von den Engländern gegründet worden. Etliche dieser Vereine sind allerdings von der Landkarte verschwunden, weil sie sich nicht vom Amateursport-Gedanken verabschiedet haben. Später haben dann viele Einwanderer - Spanier, Italiener, etc. - die meisten Vereine gegründet. Aber halt nicht als Einwanderer-Vereine, sondern als ganz normale Clubs. So wurden einst die Boca Juniors von sechs Italienern ins Leben gerufen.  Zwar wurde sich auf die Herkunft berufen, doch waren die Vereine stets für alle offen. Es gibt allerdings auch Einwanderer-Vereine wie Deportivo Español, die ein Derby gegen Sportivo Italiano spielen. Da spielen dann wirklich Spanier gegen Italiener, aber beide Vereine sind in der Gegenwart relativ unbedeutend und waren auch nie wirklich richtig bedeutend. Des weiteren gibt es noch Deportivo Armenio, der von armenischen Einwanderern gegründet wurde. Und warte, da gibt’s noch Deportivo Paraguayo, und sicherlich gibt es auch Kolumbianer und Bolivianer, die sich zum Fußballspielen zusammenschließen, aber die sind meist nicht im Ligabetrieb des argentinischen Verbandes dabei. Was die deutschen und Schweizer Einwanderer betrifft, so gibt es im Landesinnern sicherlich kleinere Vereine, die aber im relevanten Clubfußball nicht zu finden sind. Es gibt allerdings einen jüdischen Verein, der darum kämpft, in die AFA aufgenommen zu werden. Der Verband tut sich allerdings ziemlich schwer mit Neuaufnahmen. turus: Schauplatz Rostocker Ostseestadion. Das „Hansa forever“ ertönt. Gänsehaut, die Augen werden feucht. So ist das in meinem Fall. Nun kann man sich ausmalen, wie es sich in einem argentinischen Hexenkessel anfühlt. Das ist ja noch mal ein anderes Level. Wenn man dann eingebunden ist und seinen Verein gefunden hat - wie ist das? Wie oft kommt es vor, dass sich die Tränen vor Freude und Überwältigung ihre Wege bahnen?  Lukas: Es ist natürlich verrückt, in Argentinien in einer Kurve zu Hause zu sein. Manchmal wird das Ganze natürlich auch Alltag und es gibt ein ganz normales Heimspiel. Oftmals gibt es aber die Momente, wo einem bewusst wird, hey, wo bin ich denn hier überhaupt? Im Normalfall gehen wir vor den Spielen gemeinsam grillen und haben eine geile Zeit. Und dann geht es in die Kurve, und dort gehen alle völlig ab. Es ist immer wieder sehr emotional und es gibt sehr schöne Momente. Und klar, die gibt es auch nach sieben Jahren immer noch. Und dann immer dieser Wille, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen! Dieses absolute Glücksgefühl nach einem Sieg und die krasse Traurigkeit nach einer Niederlage. Nichts desto trotz kommt es bei San Lorenzo, auch wenn ich dort inzwischen zu Hause bin, gefühlsmäßig nie ganz an meinen Schweizer Heimatverein Young Boys heran… turus: Vielen Dank für dieses überaus ausführliche Gespräch, das wir mit Hilfe von Sprachnachrichten geführt haben. Wir alle sind gespannt auf die kommenden Lesungen in Berlin, Hamburg und Bern - und wir wünschen Dir für die Zukunft viel Glück. Mögen die „Cuervos“ von  San Lorenzo eines Tages mal wieder argentinischer Meister werden! Veranstaltungshinweis: Am 01. September 2022 stellt Lukas Lange um 19:30 Uhr in der BAIZ in der Schönhauser Allee 26a in Berlin Prenzlauer Berg sein Buch vor. Schaut vorbei - der Eintritt ist frei! Fotos: Lukas Lange, Marco Hensel, Arne Amberg > zum Verlag Culturcon Medien (externer Link)

Jetzt in der App abspielen

Greifswald ist immer eine Reise wert! 3:1 gegen Lok und Sonne satt am Ryck

30.08.2022 00:00:00

Gegen 15 Uhr legte „Felix“ im Yachthafen von Eldena ab und stach in See. Bei schönstem Sonnenschein - am Tag zuvor munkelte ein Kumpel von strömendem Regen - saßen wir zu zweit an der Mündung des Ryck mit einem Fischbrötchen in der Hand und schauten auf den Greifswalder Bodden. Herrlich! Alles richtig gemacht! Die Hansestadt Greifswald samt Wieck und Eldena wussten am vergangenen Sonntag auf ganzer Länge zu überzeugen. Und nicht nur die Wanderung entlang des Flusses Ryck wurde zu einem echten Highlight. Auch der frisch gebackene Aufsteiger Greifswalder FC wusste vor mehr als ordentlicher Kulisse im altehrwürdigen Volksstadion zu überzeugen. Drehen wir gedanklich die Zeit knapp zwei Jahrzehnte zurück, so sah es in der Hansestadt Greifswald fußballtechnisch alles anderes als erbaulich aus. Man schrieb den 31. Mai 2003, als gewaltige schwarze Rauchschwaden gen Himmel aufstiegen und man aus der Ferne hätte meinen können, irgendein Reifenlager sei in Brand geraten. Es war das letzte Spiel des Greifswalder SC, und die Fans verbrannten ihre Fahnen, brachten Bengalos zum Leuchten und zogen blank. Sportlich betrachtet gingen beim Nachfolgeverein der BSG Kernkraftwerk (KKW) Greifswald die Lichter aus. Mit 5:2 wurde der SV Blau-Weiß Polz bezwungen - im Anschluss wurde der GSC aufgrund einer Schuldenlast aus dem Vereinsregister gelöscht.   Im Anschluss konnte der neu gegründete Greifswalder SV 04 auch nicht die ganz großen Erfolge feiern, und der 2010 gegründete FC Pommern Greifswald wurde auch nur eine Eintagsfliege. In Erinnerung blieb vor allem der Auftritt des BFC Dynamo beim FC Pommern im Oktober 2013, als die Berliner mit einem Sonderzug anreisten und für eine tolle Atmosphäre im Volksstadion sorgen konnten.    Ein neues Kapitel wurde am 1. Juli 2015 mit der Gründung des Greifswalder FC aufgeschlagen. Der Greifswalder SV 04 und der FC Pommern Greifswald fusionierten und als Greifswalder FC hätte man den Startplatz in der NOFV-Oberliga übernehmen können, doch wagte man lieber in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern einen Neustart. Nach zwei Vizemeisterschaften in Folge gelang den Greifswaldern am Ende der Saison 2017/18 der Aufstieg in die NOFV-Oberliga. Auf Anhieb konnte in der Oberliga oben mitgespielt werden, und nach drei guten Platzierungen gelang am Ende der zurückliegenden Spielzeit der Sprung in die Regionalliga Nordost.   Der Sack zugemacht wurde am 12. Juni 2022 mit einem furiosen 4:2-Sieg gegen den FC Hertha 03 Zehlendorf. Und wichtig: Greifswald hatte wieder richtig Bock auf Fußball und seinen Greifswalder FC. 2.197 Zuschauer strömten beim besagten Heimspiel gegen Hertha 03 Zehlendorf ins Volksstadion. Wohl denn, mit Trainer Roland Kroos durfte das Regionalliga-Abenteuer in Angriff genommen werden. Am ersten Spieltag musste man sich beim Berliner AK 07 mit 0:2 geschlagen geben, am zweiten Spieltag wurde vor 2.218 Zuschauern dem Chemnitzer FC ein torloses Remis abgerungen. Nachdem man sich denkbar knapp mit 0:1 in Jena geschlagen geben musste, gab nun am vergangenen Sonntag der 1. FC Lokomotive Leipzig in Greifswald seine Visitenkarte ab.   Da die Loksche aus der Messestadt nach längerer Zeit mal wieder oben an der Küste zu Gast war, waren auch einige Anhänger des F.C. Hansa Rostock motiviert. Ab Pasewalk konnten ein paar Späher gesichtet werden, vor dem Spiel gab es von hinten einen Angriff auf den Gästeblock, der jedoch recht rasch verpuffte. Lok Leipzig war recht ordentlich vertreten und die anwesenden Fans zeigten einen soliden Support. Nachdem ein Lok-Fan während der Partie auf den Bauzaun gesprungen war, lösten sich ein paar Schrauben, und der „aufplatzende“ Zaun zog ein paar Fahnen in Mitleidenschaft.   Generell blieb es jedoch friedlich, und bereits am Freitagabend konnten die ersten Lok-Fans mit Trikot in der Stadt gesichtet werden. Und auch nach der Partie ließen sich ein paar meist etwas ältere Lok-Anhänger oben in Eldena und in der Stadt am Wasser sehen und genossen bei herrlichem Wetter völlig entspannt das frisch gezapfte Bier.  Was die Heimseite betrifft, so war es schön, solch eine große Kulisse zu sehen. Zwar ist eine aktive Fanszene noch kaum auszumachen, doch trugen sehr viele Zuschauer von Jung bis Alt rote Shirts, Trikots, Jacken und Schals. Das viel zitierte „Support your local team“ wird in Greifswald wieder groß geschrieben. Auf den Wiesen in den Kurven herrschte familiäre Picknick-Atmosphäre, unten am Zaun schauten Kids in GFC-Trikots gebannt in Richtung Spielfeld.   Laut wurde es, als in der ersten Halbzeit die Heimtreffer fielen. Und von denen gab es an diesem Nachmittag gleich drei Stück zu sehen. Der Knoten ist geplatzt, bereits in der dritten Minute konnte Abu Bakarr Kargbo nach einer Ecke das 1:0 besorgen. Da war er, der erste Greifswalder Treffer in der Regionalliga Nordost! Allerdings hatten die Leipziger eine passende Antwort parat. Nach zehn Minuten zog Sascha Pfeffer einfach mal ab und hämmerte das Leder aus der Distanz in die Maschen. Es war bereits sein dritter Treffer in der laufenden Saison.   Gute Stimmung im Gästeblock. Würde nun das Spiel gedreht werden? Nein! Auf Heimseite war Tom Weilandt Dreh- und Angelpunkt. Zuerst scheiterte Weilandt mit dem Kopf, dann hatte auf der anderen Seite Sascha Pfeffer eine erneute gute Möglichkeit, in der 23. Minute stellte Tom Weilandt dann mit einem Distanzschuss die erneute Führung für die Greifswalder her. Lok drückte nun, musste allerdings in der 27. Minute einen erneuten Gegentreffer hinnehmen. Der Ball wurde von der linken Seite hereingebracht, Abu Bakarr Kargbo traf zum 3:1. Jubel auf den Rängen - man konnte es kaum glauben, wie das gegen die Loksche flutschte.   Der Greifswalder FC spielte mutig weiter, an den Imbissständen wurden die Zuschauer bestens versorgt. Ohne großartige Wartezeiten erhielt man / frau frisch gezapften Hopfentee und Bratwurst. Zur Freude der Heimfans bestimmte auch in der zweiten Halbzeit der Greifswalder FC das Spiel und brachte das 3:1 ohne Probleme über die Zeit - am Ende durfte sich über den ersten Saisonsieg gefreut werden.   Nix wie hin nach Eldena! Für uns wurde Phase II des Tages eingeläutet. Fischbrötchen mit Blick auf das Wasser, im Anschluss ging es zu Fuß am Ufer des Ryck zurück in die Stadt. Welch einer herrlicher Weg! Auf der einen Seite zahlreiche Obstbäume, auf der anderen Seite der Fluss, eine leichte Brise strich einem über das Gesicht. An eine baldige Rückfahrt nach Berlin war nicht zu denken. Stattdessen wurde sich in Greifswald am Wasser gemütlich gemacht. Der letzte Zug sollte es schließlich sein. Kurzum: Die Sause nach Greifswald hatte richtig Freude bereitet. Wir kommen ganz gewiss wieder!  Bericht: In Zusammenarbeit mit der „Schwarzen Natascha“ Fotos: Marco Bertram

Jetzt in der App abspielen

Greifswald ist immer eine Reise wert! 3:1 gegen Lok und Sonne satt an der Ryck

30.08.2022 00:00:00

Gegen 15 Uhr legte „Felix“ im Yachthafen von Eldena ab und stach in See. Bei schönstem Sonnenschein - am Tag zuvor munkelte ein Kumpel von strömendem Regen - saßen wir zu zweit an der Mündung der Ryck mit einem Fischbrötchen in der Hand und schauten auf den Greifswalder Bodden. Herrlich! Alles richtig gemacht! Die Hansestadt Greifswald samt Wieck und Eldena wussten am vergangenen Sonntag auf ganzer Länge zu überzeugen. Und nicht nur die Wanderung entlang des Flusses Ryck wurde zu einem echten Highlight. Auch der frisch gebackene Aufsteiger Greifswalder FC wusste vor mehr als ordentlicher Kulisse im altehrwürdigen Volksstadion zu überzeugen. Drehen wir gedanklich die Zeit knapp zwei Jahrzehnte zurück, so sah es in der Hansestadt Greifswald fußballtechnisch alles anderes als erbaulich aus. Man schrieb den 31. Mai 2003, als gewaltige schwarze Rauchschwaden gen Himmel aufstiegen und man aus der Ferne hätte meinen können, irgendein Reifenlager sei in Brand geraten. Es war das letzte Spiel des Greifswalder SC, und die Fans verbrannten ihre Fahnen, brachten Bengalos zum Leuchten und zogen blank. Sportlich betrachtet gingen beim Nachfolgeverein der BSG Kernkraftwerk (KKW) Greifswald die Lichter aus. Mit 5:2 wurde der SV Blau-Weiß Polz bezwungen - im Anschluss wurde der GSC aufgrund einer Schuldenlast aus dem Vereinsregister gelöscht.   Im Anschluss konnte der neu gegründete Greifswalder SC 04 auch nicht die ganz großen Erfolge feiern, und der 2010 gegründete FC Pommern Greifswald wurde auch nur eine Eintagsfliege. In Erinnerung blieb vor allem der Auftritt des BFC Dynamo beim FC Pommern im Oktober 2013, als die Berliner mit einem Sonderzug anreisten und für eine tolle Atmosphäre im Volksstadion sorgen konnten.    Ein neues Kapitel wurde am 1. Juli 2015 mit der Gründung des Greifswalder FC aufgeschlagen. Der Greifswalder SC 04 und der FC Pommern Greifswald fusionierten und als Greifswalder FC hätte man den Startplatz in der NOFV-Oberliga übernehmen können, doch wagte man lieber in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern einen Neustart. Nach zwei Vizemeisterschaften in Folge gelang den Greifswaldern am Ende der Saison 2017/18 der Aufstieg in die NOFV-Oberliga. Auf Anhieb konnte in der Oberliga oben mitgespielt werden, und nach drei guten Platzierungen gelang am Ende der zurückliegenden Spielzeit der Sprung in die Regionalliga Nordost.   Der Sack zugemacht wurde am 12. Juni 2022 mit einem furiosen 4:2-Sieg gegen den FC Hertha 03 Zehlendorf. Und wichtig: Greifswald hatte wieder richtig Bock auf Fußball und seinen Greifswalder FC. 2.197 Zuschauer strömten beim besagten Heimspiel gegen Hertha 03 Zehlendorf ins Volksstadion. Wohl denn, mit Trainer Roland Kroos durfte das Regionalliga-Abenteuer in Angriff genommen werden. Am ersten Spieltag musste man sich beim Berliner AK 07 mit 0:2 geschlagen geben, am zweiten Spieltag wurde vor 2.218 Zuschauern dem Chemnitzer FC ein torloses Remis abgerungen. Nachdem man sich denkbar knapp mit 0:1 in Jena geschlagen geben musste, gab nun am vergangenen Sonntag der 1. FC Lokomotive Leipzig in Greifswald seine Visitenkarte ab.   Da die Loksche aus der Messestadt nach längerer Zeit mal wieder oben an der Küste zu Gast war, waren auch einige Anhänger des F.C. Hansa Rostock motiviert. Ab Pasewalk konnten ein paar Späher gesichtet werden, vor dem Spiel gab es von hinten einen Angriff auf den Gästeblock, der jedoch recht rasch verpuffte. Lok Leipzig war recht ordentlich vertreten und die anwesenden Fans zeigten einen soliden Support. Nachdem ein Lok-Fan während der Partie auf den Bauzaun gesprungen war, lösten sich ein paar Schrauben, und der „aufplatzende“ Zaun zog ein paar Fahnen in Mitleidenschaft.   Generell blieb es jedoch friedlich, und bereits am Freitagabend konnten die ersten Lok-Fans mit Trikot in der Stadt gesichtet werden. Und auch nach der Partie ließen sich ein paar meist etwas ältere Lok-Anhänger oben in Eldena und in der Stadt am Wasser sehen und genossen bei herrlichem Wetter völlig entspannt das frisch gezapfte Bier.  Was die Heimseite betrifft, so war es schön, solch eine große Kulisse zu sehen. Zwar ist eine aktive Fanszene noch kaum auszumachen, doch trugen sehr viele Zuschauer von Jung bis Alt rote Shirts, Trikots, Jacken und Schals. Das viel zitierte „Support your local team“ wird in Greifswald wieder groß geschrieben. Auf den Wiesen in den Kurven herrschte familiäre Picknick-Atmosphäre, unten am Zaun schauten Kids in GFC-Trikots gebannt in Richtung Spielfeld.   Laut wurde es, als in der ersten Halbzeit die Heimtreffer fielen. Und von denen gab es an diesem Nachmittag gleich drei Stück zu sehen. Der Knoten ist geplatzt, bereits in der dritten Minute konnte Abu Bakarr Kargbo nach einer Ecke das 1:0 besorgen. Da war er, der erste Greifswalder Treffer in der Regionalliga Nordost! Allerdings hatten die Leipziger eine passende Antwort parat. Nach zehn Minuten zog Sascha Pfeffer einfach mal ab und hämmerte das Leder aus der Distanz in die Maschen. Es war bereits sein dritter Treffer in der laufenden Saison.   Gute Stimmung im Gästeblock. Würde nun das Spiel gedreht werden? Nein! Auf Heimseite war Tom Weilandt Dreh- und Angelpunkt. Zuerst scheiterte Weilandt mit dem Kopf, dann hatte auf der anderen Seite Sascha Pfeffer eine erneute gute Möglichkeit, in der 23. Minute stellte Tom Weilandt dann mit einem Distanzschuss die erneute Führung für die Greifswalder her. Lok drückte nun, musste allerdings in der 27. Minute einen erneuten Gegentreffer hinnehmen. Der Ball wurde von der linken Seite hereingebracht, Abu Bakarr Kargbo traf zum 3:1. Jubel auf den Rängen - man konnte es kaum glauben, wie das gegen die Loksche flutschte.   Der Greifswalder FC spielte mutig weiter, an den Imbissständen wurden die Zuschauer bestens versorgt. Ohne großartige Wartezeiten erhielt man / frau frisch gezapften Hopfentee und Bratwurst. Zur Freude der Heimfans bestimmte auch in der zweiten Halbzeit der Greifswalder FC das Spiel und brachte das 3:1 ohne Probleme über die Zeit - am Ende durfte sich über den ersten Saisonsieg gefreut werden.   Nix wie hin nach Eldena! Für uns wurde Phase II des Tages eingeläutet. Fischbrötchen mit Blick auf das Wasser, im Anschluss ging es zu Fuß am Ufer der Ryck zurück in die Stadt. Welch einer herrlicher Weg! Auf der einen Seite zahlreiche Obstbäume, auf der anderen Seite der Fluss, eine leichte Brise strich einem über das Gesicht. An eine baldige Rückfahrt nach Berlin war nicht zu denken. Stattdessen wurde sich in Greifswald am Wasser gemütlich gemacht. Der letzte Zug sollte es schließlich sein. Kurzum: Die Sause nach Greifswald hatte richtig Freude bereitet. Wir kommen ganz gewiss wieder!  Bericht: In Zusammenarbeit mit der „Schwarzen Natascha“ Fotos: Marco Bertram

Jetzt in der App abspielen

Hansa Rostock vs. St. Pauli: Freudentränen, geiles Spiel und heisere Stimme

22.08.2022 00:00:00

Hand aufs Herz! Es gibt nichts Schöneres als ein Sieg gegen den FC St. Pauli! Das Gefühl, wenn dem selbsternannten Kiezklub aus Hamburg bereits nach vier Minuten einer eingeschenkt wird! Und das nicht irgendwie durch ein miesen, abgefälschten Mistball! Nein! Allein auf den Gästekeeper zulaufend - und dann rein mit der Kirsche! Kai Pröger - Fußballgott! Einfach phantastisch! Unvergessen einst die Worte von Uwe Fuchs irgendwann Anfang der 90er Jahre. Geiler als jeder Orgasmus! Wenn dem Erzrivalen eine hübsch verpasst wird - dann können die Hosen, sorry, die Augen schon mal feucht werden! Zugegeben, mir wurden die Augen bereits wenige Minuten zuvor feucht - und zwar beim „Hansa forever“ kurz vor dem Anpfiff, als tausende Hansa-Fans in gewohnter Manier die Schals hoben und lautstark mitsangen. Freiwillig wechselte ich beim gestrigen Spiel auf die Ränge. Genauer gesagt auf die Osttribüne. Ich legte das berufliche Korsett ab und wollte einmal meinen Emotionen freien Lauf lassen - mit 24.000 anderen Hansa-Fans das Spiel von den Rängen aus erleben.    Und somit packten mich die Emotionen mit voller Kraft. Ich ließ gedanklich die letzten 32 Jahre Revue passieren, in denen ich zig hunderte Fußballspiele gesehen habe. Ich dachte an meine ersten Hansa-Spiele, die ich im Frühjahr 1992 in Leverkusen und Köln besucht hatte. Während vor mir und direkt neben mir mit leuchtenden Augen die Kids in ihren Shirts und Trikots mit leuchtenden Augen stolz ihre Schals hoben, musste ich an meine beiden Kinder denken, die ebenso für Hansa glühen, aber sicherheitshalber zu Hause bleiben mussten, weil Papa halt seinen Emotionen freien Lauf lassen und zudem vor und nach der Partie einen geübten Blick auf die Gästefans werfen wollte.  Ich dachte ans Foto im Wälzer „Kaperfahrten“, auf dem der Große (damals 9) bei einem Heimspiel gegen den MSV Duisburg beim Blick auf die Südtribüne tränenerfüllte Augen hat. Weil es so schön war! Ich dachte an den Kleineren (aktuell 6), der am Frühstückstisch schon mal trocken raushauen kann, dass St. Pauli ausgerottet werden muss. Okay, okay, über die Wortwahl sprachen wir dann ein bisschen. Aber wirklich nur ein bisschen. Es glüht und brennt nun mal im Innern, wenn wir allesamt an den FC St. Pauli denken. Aus Hansa-Sicht geht es einfach nicht schlimmer, was im Rostocker Ostseestadion die Visitenkarte abgeben kann. Und das seit nun mehr 30 Jahren.    Am achten Spieltag der Zweitligasaison 1992/93 kam es zum ersten Aufeinandertreffen am Millerntor. Mit 2:0 konnte der F.C. Hansa Rostock am Abend des 12. August 1992 das Duell für sich entscheiden. Jens Dowe und Heiko März ließen die mitgereisten Hansa-Fans jubeln. Sieg oder Niederlage. Dazwischen gibt es im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Vor der gestrigen Partie gab es bereits 20 Begegnungen zwischen Hansa Rostock und dem Hamburger Stadtteilverein. 11-mal konnte Rostock, 9-mal konnte St. Pauli gewinnen. Unentschieden waren bislang klare Fehlanzeige. Alles oder nichts. Wie beim legendären Erstligaspiel am 23. September 1995, als die Vereinslegenden Steffen Beinlich und Steffen Baumgart die beiden Treffer erzielten. St. Pauli-Torwart Klaus Thomforde kamen damals die Tränen, Uli Maslo sprang im Dreieck - einen geforderten Spielabbruch gab es jedoch nicht. Aus der späteren Strafe, das Heimspiel gegen Frankfurt in Berlin austragen zu müssen, wurde letztendlich ein Geschenk. Aber gut, diese Geschichten kennen wir alle schon. Wenden wir uns dem gestrigen Spiel zu.  Die Sonne färbte den Horizont zaghaft rot, als ich um 4:30 Uhr aus der Koje sprang, eine schwarze Jacke überzog und zur U-Bahn stiefelte. Überpünktlich fuhr ich nach Oranienburg, wo aufgrund von Bauarbeiten der Regionalexpress nach Rostock einsetzte. Zwei Riegel und einen Oranienburger Kaffee später ging es in bester Gesellschaft mit der Bahn gen Küste. Bei lauter Musik verging die Zeit wie im Fluge, um halb zehn konnte am Rostocker Hauptbahnhof schließlich ein Stück Kuchen reingehauen und ein Dosenbier runtergekippt werden. Das Gelände vor dem Hintereingang wurde inspiziert, gegen elf sollten die St. Pauli-Fans mit einem Entlastungszug eintreffen.    Die Aufregung hielt sich allerdings in Grenzen. Die Ankunft des Zuges erinnerte ein wenig an eine Kaffeefahrt, eher gemächlich purzelten die in Weiß gekleideten Gästefans aus den Waggons, und die Pfandflaschensammler gingen fix ihrer Arbeit nach. Ein Großteil der auf dem Bahnsteig stehenden Polizisten ließen ihre Helme unten, problemlos wurden die Hamburger Zugfahrer zum Sammelplatz vor dem Bahnhof gebracht. An den angekündigten Fanmarsch war wahrlich nicht zu denken. Bereitwillig stieg der erste Schub Gästefans in die Busse ein, und recht rasch wurden die ersten zwei Vehikel gen Ostseestadion gekutscht. Da gab es in den letzten 30 Jahren wahrlich schon ganz andere Ankünfte von Gästemobs.   Ebenso nach nicht ganz voller Kapelle schaute es im Gästeblock aus. Die erkennbaren Lücken am Rande des Gästeblocks wurde im späteren Verlauf der Partie auf der Südtribüne mit einem Spruchband kommentiert: „Trotzdem sich jeder zweite Zeckenverein für Euch bückt, gingen 500 Karten an uns zurück!“ Optisch sollte sich der Gästeblock auch nicht großartig abheben. Sowohl bei den Gäste-, als auch bei den Heimfans wurden zahlreiche weiße T-Shirts getragen. „Einmal Arschloch, immer Arschloch“, hieß es auf der Rückseite der auf Heimseite verkauften Motto-Shirts. Dazu das zerbrochene Wappen des FC St. Pauli.    Nachdem eine Viertelstunde vor Spielbeginn der Onkelz-Song „Auf gute Freunde“ die Zuschauer auf den Rängen verzückte und zum Mitsingen animierte, wurde wie eingangs erwähnt mit dem „Hansa forever“ die Betriebstemperatur erreicht. Während es im Gästeblock ein wenig kokelte, wurde auf der Südtribüne eine große Blockfahne hochgezogen. „F.C. Hansa Rostock - wir kriegen nie genug!“ Zwei, drei Minuten blieb die Fahne über den Köpfen - und somit hätte man dort fast den frühen Führungstreffer verpasst. Es wurde ein Spielbeginn wie aus dem perfekten Drehbuch. Die Gäste kriegten nix auf die Ketten, und Hansa war von Beginn an voll bei der Sache. In der eigenen Hälfte eroberte Dennis Dressel den Ball und schickte daraufhin Kai Pröger auf die Reise. Routiniert schob dieser den Ball vorbei an Dennis Smarsch rechts unten in die Maschen. 1:0 für Hansa - der anschließende Jubelorkan war gewiss bis zum Teepott in Warnemünde zu vernehmen.   Nach der wenig erbaulichen Leistung in Darmstadt trauten die Hansa-Fans ihren Augen kaum. Hansa machte St. Pauli rund, und nur wenige Minuten nach der 1:0-Führung setzte Sébastian Thill den Ball an den linken Pfosten. Attacke! Rostock blieb am Drücker! Nach einer Viertelstunde kam das Glanzstück der gestrigen Partie. Thill spielte Pröger an, dieser flankte von der rechten Außenbahn zu John Verhoek - und dieser setzte per Fallrückzieher mustergültig das Leder zum 2:0 in die Maschen. Das war fast zu schön um wahr zu sein. Alter Schwede! Da wurden die Augen erneut ganz feucht. Direkt neben mir wurde im Block 9 / 9A gut Alarm gemacht, die erwähnten Kids standen wie die Großen mit gebannten Augen an den Geländern, und unten auf dem Rasen machte Kai Pröger fast seine zweite Bude. Von schräg links verzog er und der Schuss ging über das Gehäuse. Neben mir verschluckte sich ein älterer Mann vor lauter Freude fast an seinem Bierchen.   Es fühlte sich an wie in einem englischen Stadion der 90er Jahre. Kurz hinsetzen - dann wieder bei der nächsten guten Aktion aufstehen und die Fäuste ballen. „Scheiß St. Pauli! Scheiß St. Pauli!“ Boah, das Herz hatte gut zu pumpen. Und auch in der zweiten Halbzeit ließ Hansa Rostock nix anbrennen und war dem 3:0 eindeutig näher als die Gäste dem Anschlusstreffer. Auf der Südtribüne wurden nun die Spruchbänder präsentiert, die in den sozialen Netzwerken für reichlich Diskussionen sorgten. Der Aufschrei war groß und auch der DFB ermittelt wieder einmal. „Der Verein ohne Titel. Das wird sich nie ändern. Statt Stern auf dem Trikot nur Meisterinnen im Gendern.“ „Euer Genderscheiß interessiert in Wolgast keine Sau! Hier gibt es nur Jungs, Mädchen, Mann und Frau!“ Angespielt wurde hierbei das auf den Trikots getragene Gender-Sternchen beim letzten Heimspiel des FC St. Pauli. Zwei Hansa-Fans legten am Rande der Südtribüne mit einem „Schwule bekommen keinen Nachwuchs!“ nach. Vor allem dieses spontan besprühte Spruchband schien eher eine Einzelaktion gewesen zu sein.   Nun wurde ich am heutigen Tag bereits mit Nachrichten bombardiert - und manch ein Freund und Feind war bereits gespannt, was ich wohl zu den Spruchbändern sagen würde. Was wohl? Ich nutze in der deutschen Sprache keine Gender-Sternchen - und werde dies nie tun. Zum Gendersternchen auf dem Trikot, der im Frühjahr freiwilligen 2G-Regel am Millerntor und zum gesamten FC St. Pauli fehlen mir sowieso die Worte. Lasst sie einfach machen. Hauptsache sie werden auf dem Rasen sportlich geschlagen! Sehr unglücklich indes war das Aufhängen des Lichtenhagen-Banners mit der Sonnenblume am Rande der Süd zum Gästeblock hin. Ich mag Provokationen - ich mag es auch mal derb, doch ist die Lichtenhagen-Thematik schlichtweg zu traurig, zu heiß und zu brisant. Allerdings fehlt mir der Einblick, wie alt diese Fahne ist, mit welcher Intention diese dort aufgehängt wurde und wer überhaupt auf der Südtribüne davon wusste.    In der medialen Debatte leider völlig unter ging indes das Verhalten mancher St. Pauli-Fans zum Ende der Partie hin. Mit einem lautstarken „Nazischweine!“ brachte der Gästeblock, nachdem die Niederlage ziemlich sicher schien, Schwung ins Ganze und brachte vor allem zahlreiche Hansa-Fans auf der Osttribüne in Wallung. Völlig sinnfrei wurden am Ende der Partie mehrmals Leuchtkugeln in Richtung Südtribüne geschossen. Hierbei soll niemand meinen, dass diese allesamt in der Luft oder irgendwo am Dach verpufften. Mindestens eine schlug nahe des Capo-Podests ein. Auf der Südtribüne hielt man indes - auch wenn es manch einem sicherlich verdammt schwer fiel - die Füße still und wollte sich nicht provozieren lassen.    Zu lautstarken Pöbeleien kam es nach Abpfiff noch an der Pufferzone zwischen Gästeblock und Osttribüne, doch gab es nichts Außergewöhnliches zu vermelden. Man zeigte sich gegenseitig, wie „verdammt lieb“ man sich hat - und das war’s dann auch schon. Ohne nennenswerte Ausschreitungen ging der Tag vorüber. Erstaunlich war indes, wie auf dem Vorplatz des Rostocker Hauptbahnhofs zur Altstadt hin ein einzelner St. Paulianer schmerzfrei zu einem Imbiss tingelte und somit den „Gitarrenkoffer“ (Stichwort Desperado) öffnen ließ. Ein Wunder, dass er wenig später den Weg zurück zum Bahnsteig fand. Ausgelaugt, aber glücklich traf die Berliner Hansa-Fraktion am Abend wieder in der Hauptstadt ein und ließ den Tag bei zwei, drei Bierchen und Kirschlikör gesellig ausklingen.    Noch wat? Noch wat! Band II von „Kaperfahrten“ ist bereits in Arbeit und geht zeitlich noch weiter zurück als Band I. Wer mich bei der Arbeit unterstützen möchte, der kann dies in Form des Kaufs eines meiner Bücher gerne tun. Wer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ bereits sein Eigen nennt, dem würde ich unter anderen meinen Fußballroman über Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) empfehlen: www.marco-bertram.de/buecher. Dank sagen möchte ich an dieser Stelle all den Hansa-Fans, mit denen ich - auch bei den Hansa Amateruen - unterwegs bin und mit denen ich eine verdammt geile Zeit verbringe. Immer mehr wird mir klar, dass ich endlich nach so vielen Jahren meinen Heimathafen erreicht habe. Ahu! Apropos, meine Stimme ist heute total im Arsch ... *Zwinkersmiley* Fotos: Marco Bertram, Heiko Neubert (1992 und 1993) > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock > zur turus-Fotostrecke: FC St. Pauli  

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen: Später Doppelschlag der Schanzer bringt RWE um verdienten Lohn

20.08.2022 00:00:00

Das muss man sich eigentlich merken: Gehe nie nach einem Besuch an der Hafenstraße nach einem Spiel von Rot-Weiss Essen ins Internet. Lese keine Kommentare in Fanforen oder sozialen Netzwerken. Denn das bereitet nur Kopfschmerzen. Ein paar wenige sind dort während des Spiels und kurz danach unterwegs und kritisieren in ihrer Anonymität alles und jegen egal wie das Spiel ausgegangen ist. Da wird der Kopf des Trainers schon nach dem ersten Spieltag gefordert und der Torhüter wegen einem Fehler schon in die zweite Mannschaft, die in der Kreisliga spielt, diskutiert. Vielleicht sind es auch die gleichen (wenigen) Fans, die die Ultras beim heutigen Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 mit einem Spruchband adressierten: „Wer vorm Abpfiff geht, braucht zum Anpfiff nicht kommen.“Auch heute gab es ein paar Fans, die nach dem Ausgleich des FC Ingolstadt in der 88. Spielminute nicht die letzten fünf Minuten (inklusive Nachspielzeit) mehr abwarten konnten und aus dem Stadion flüchteten. Ja der späte Doppelschlag der Schanzer war bitter, da Rot-Weiss Essen über weite Strecken des Spiels den Absteiger aus der zweiten Bundesliga spielerisch voll im Griff hatte. Die gefühlte Niederlage nach einer überragenden 2:0 Führung ertränkten die meisten Fans aber in einem Schluck Bier, blieben im Stadion und applaudierten dem Team um Christoph Dabrowski zu. Vor allem die "West" beeindruckte wieder einmal mit einem über das ganze Spiel durchgängigen starken Support mit der Einbindung aller Tribünen.Richtig so. Die Fans sind von Beginn an da und die Mannschaft inzwischen auch. Anders als zum Saisonstart sind deutliche sportliche Fortschritte erkennbar. Trotzdem: Vor dem heutigen Spiel hätten nicht wenige einen Punkt liebend gerne mitgenommen. In Foren und den sozialen Netzwerken wurde teilweise nur über die Höhe der Niederlage gegen die Schanzer diskutiert. Immerhin hatte der Wiederaufstiegsaspirant aus Bayern vor dem Spiel drei Siege und ein Unentschieden auf seinen Konto und in den bisherigen vier Begegnungen keinen Gegentreffer erhalten. Wie sollte RWE dagegen halten und ein Tor erzielen. Ganz einfach: Per Elfmeter und ("Fußballgott") Simon Engelmann.Elfmeter? Ja ein Wunder passierte in der neunten Spielminute, als nach einem Handspiel (Patrick Schmidt bekam den Ball an den Arm) Felix Bastians den Strafstoß im Tor versenkte und damit erstmal wieder den Elfmeterfluch brechen konnte. Die erste Führung in der dritte Liga und das ganze Stadion mit 13.507 Zuschauern (100 Gästefans abgezogen) lag sich in den Armen. Der FC Ingolstadt, der von 2015 bis 2017 noch in der ersten Bundesliga kickte, hatte nichts dagegen zu setzen. Essen zeigte sich gut und stabil aufgestellt, agierte zwar wie in Dortmund vorsichtig und zurückgezogen fast bis in die eigene Hälfte, konternte dafür aber über den schnellen Lawrence Ennali und Isiah Young sehr gefährlich. Über einen dieser Angriffe konnte RWE dann in der 32. Spielminute in Führung gehen. Simon Engelmann krönte seine gute Leistung mit seinem zweiten Treffer in Liga. Die Vorlage kam von Young, der nach einem schwierigen Start in die Liga nun zu seiner alten (spektakulären) Form zurückfindet.Hochverdient ging Essen mit dieser Führung in die Pause und ließ die Schanzer etwas kommen. Viel passierte aber nicht. Ingolstadt wirkte ungefährlich und RWE kam nur noch selten vor das Tor der Gäste, blieb aber bissig. Als Niklas Tarnat einen Angriffsversuch der Ingolstädter mit einer eindrucksvollen Grätsche unterband, sprang die Haupttribüne auf und das ganze Stadion jubelte. Gänsehaut. Eine grandiose Stimmung. In der Schlussphase wechselten beide Teams durch und da verschaffte sich Essen leider einen kleinen Nachteil, da nicht alle Spieler momentan scheinbar auf dem gleichen Leistungsniveau agieren. Erst hatte aber Ron Berlinski (er kam für Simon Engelmann) die 3:0 Führung auf dem Fuß, scheiterte aber in der 80. Spielminute am Schlussmann von Ingolstadt Marius Funke. Das wäre es gewesen. Es kam aber anders und zwar in Form eines schnellen Doppelschlags in der 84. und 88. Spielminute von Tobias Bech Kristensen, bei der die Essener Abwehr alles andere als gut aussah. Am Ende blieb es beim 2:2. Klar der späte Ausgleich und Punkteverlust ist bitter. Aber während manch ein RWE Fan schon die Geschichtsbücher wälzt und sich mit Vergleichen zu früheren Spielen und ebenfalls spät verlorenen Punkten sowie negativ verlaufenen Spielzeiten in Tristesse stürzt, ist aktuell eine gute Entwicklung zu sehen um nicht zu sagen eine starke. Wurde Rot-Weiss Essen beim Auftakt gegen den SV Elversberg einmal richtig (negativ) geerdet, zeigte man in Duisburg (2:2) zwar noch Schwächen, aber vor allem eines: Willensstärke und Moral. Die 1:4 Niederlage gegen Viktoria Köln war ein paar Tore zu hoch und die Niederlage in Dortmund war total überflüssig, da man über weite Strecken des Spiels ein ebenbürtiger und teilweise besserer Gegner war. Zwar steht man immer noch im Tabellenkeller, aber man hat sich gefangen und stark gesteigert. Es ist eine verrückte Liga und es sind erst fünf von 38 Spieltagen gespielt. Kein Grund Trübsal zu blasen und im Internet zu „moppern“. Besser die Mannschaft feiern und zwar so:Nächste Woche geht es zum Mitaufsteiger Bayreuth. Da könnte dann der erste Dreier drin sein. Unter der Woche kann sich Essen dafür schon einmal Warmschießen in der ersten Runde des Niederrheinpokals im Lokalduell beim SV Burgaltendorf. Das nächste Heimspiel steigt dann am 2. September gegen Erzgebirge Aue, vielleicht auch mit funktionierenden Lautsprechern. Manch einer vermutet schon eine Verbindung zwischen kaputten Boxen auf der West und unnötigen Punktverlusten: „Erst wenn der Opa (Luscheskowski) richtig läuft, dann läufts auch auf dem Rasen“,  munkelt der/die eine oder andere. Wir werden sehen und bleiben dran.Fotos: Alle Fotos frontalvision.com Sport Photo Agency  > Fotostrecke Rot-Weiss Essen > Fotostrecke FC Ingolstadt

Jetzt in der App abspielen

BVB U23 gegen RWE: Zuschauerrekord für Dortmund, Niederlage für Essen

13.08.2022 00:00:00

„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“ Gruß geht raus ans Phrasenschwein und an Andi Brehme, den dieser Spruch zugeschrieben wird und der gerne rausgekramt wird, wenn es einfach nicht laufen will. So wie derzeit bei Rot-Weiss Essen. Vier Spiele gespielt, ein Punkt auf der Habenseite. Ganz klar: Viel zu wenig für Liga 3. Dabei war heute beim Auftritt bei der U23 von Borussia Dortmund viel mehr drin als 0 Punkte. Aber steht man unten drin hat man halt die „Scheiße am Fuß“, dann gelingt irgendwie nix und man verliert trotz Großchancen am Ende durch einen frühen Fehler, diesmal durch den sonst starken Torwart.Bei der Fußballsimulation FIFA, würde ich einfach mal vom Schwierigkeitsgrad Ultimativ eine Stufe runterschalten ein paar Messis und Mbappés kaufen und mich vom Abstiegsplatz schießen. Auch wenn die Werbung von der kommenden Version des Spiels heute an vielen Ecken des „Westfalenstadions“ entgegenleuchtete, Fußball in der Realität ist natürlich eine ganz andere Nummer. Viel komplexer mit viel mehr Emotionen und viel mehr Leidenschaft vor allem von den Rängen. Beeindruckend waren auch heute wieder einmal die Fans von Rot-Weiss Essen. Trotz des desaströsen sportlichen Auftakts reisten gut 5-6.000 von ihnen ins 40 Kilometer entfernte Dortmund und bescherten dem BVB einen neuen Zuschauerrekord für ihre U23. Der alte Rekord lag bei 9.999 Zuschauern gegen Jahn Regensburg vor acht Jahren im benachbarten Stadion Rote Erde. Heute kamen insgesamt 11.079 gutgelaunte Fans ins große Stadion der Profis („Signal Iduna Park“), wo eigentlich 81.365 Zuschauer Platz finden. Von der sonst pickepacke vollen Südtribüne unterstützten die „Ultras von die Amateure“ ihr Nachwuchsteam im kleineren Rahmen, aber nicht weniger laut, während im Gästeblock die RWE-Fans bis unters Dach ordentlich Krach machten und das in der prallen Sonne bei 35 Grad. „1, 2, 3 Oberkörper frei“, war bei den Meisten im Gästeblock angesagt, also diejenigen die zum Anpfiff im Stadion waren. Der Andrang am Gästeblockeingang war groß, so dass später noch ein zusätzlicher Block geöffnet wurde. Auch auf der Gegengerade mischten sich viele RWE Fans unter die Heimzuschauer. Zwar gibt es die Fanfreundschaft zwischen BVB und RWE nicht mehr in der intensiven Form wie noch vor Jahrzehnten, trotzdem ist es kein Problem sich mit Fanutensilien des jeweils anderen Teams in den Blöcken aufzuhalten. Von der Fanseite her war es angerichtet, gespannt waren vor allem die Essener Fans, ob es nun die nächste Klatsche geben würde. Aber Trainer Christoph Dabrowski änderte wieder seine Taktik und setzte erst einmal auf die Defensive, um ein frühes Gegentor zu verhindern, was auch gut gelang. Liefen die Stürmer in den zurückliegenden Spielen den gegnerischen Torwart an, zog sich Simon Engelmann als einzige Spitze fast bis zur Mittellinie zurück. Absicherung war das neue Credo. Bloß nicht wieder ein frühes Gegentor fangen. Am Anfang funktionierte es und sogar Engelmann konnte eine Chance kreieren. Dann aber der Rückschlag. Diesmal stand der Essener Keeper Jakob Golz im Mittelpunkt. Er vertändelte einen Rückpass an Bradley Fink, der sich den Ball eroberte und diesen in der 22. Spielminute ins Tor schob. Die Führung für den BVB. Schock für Rot-Weiss Essen. Viel vorgenommen und dann doch wieder im Rückstand. RWE versuchte zu antworten, aber richtig gelang das erst zur zweiten Halbzeit. Essen schnürte dann den BVB förmlich ein und kam zu zahlreichen guten Möglichkeiten. Der Ball wollte aber nicht über die Linie. Es war nur noch eine Frage der Zeit bis der Treffer fallen würden, aber in der besten Druckphase (15 Minuten vor Abpfiff) wechselte Trainer Christoph Dabrowski plötzlich Simon Engelmann für Ron Berlinski aus, dazu noch Isaiah Young für Loubongo und Plechaty für Sponsel. Unverständnis nicht nur bei den Spielern (insbesondere Engelmann und Young), sondern vor allem bei den Fans. Ein Engelmann ist in so einer Druckphase Gold wert, eventuell sogar als Doppelspitze mit Berlinski. Das hat beispielsweise in Duisburg beim 2:2 gut funktioniert.So nahm der Trainer mit seinen Auswechselungen eine Möglichkeit mehr im Sturm durch einen echten Goalgetter. Dazu kam noch Pech, denn wenig später humpelte Lawrence Ennali, der wieder einige gute Szenen hatte, von Krämpfen geplagt über das Spielfeld. Und zu guter Letzt schafften es die Spieler nicht den Ball im Tor zu versenken, obwohl der BVB fast dazu einlud und auch Felix Bastians als Abwehrspieler vorne mit mischte. Die zwei größten Chancen hatte Sandro Plechaty in der 83. Spielminute und in der Nachspielzeit. Er vergab beide Möglichkeiten kläglich.„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“ Stark gekämpft und besser gespielt als noch zuletzt, aber am Ende wieder verloren. Rot-Weiss Essen grüßt nun vom Tabellenende der 3. Liga. Noch stehen die Fans hinter dem Team. Wie schon bei den letzten Spielen wurde das Team abgefeiert. Aber die Stimmung kann schnell kippen. Weiter geht es für Rot-Weiss Essen am kommenden Samstag gegen den Absteiger aus der 2. Bundesliga und jetzigen Tabellenzweiten FC Ingolstadt. Noch sind 34 Spieltage zu gehen: Niemals aufgeben, #immeRWEiter Fotos: alle Bilder Sport Photo Agency frontalvision.com

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen vs. Viktoria Köln: RWE noch nicht angekommen in Liga 3, sportlich

11.08.2022 00:00:00

Man hätte meinen können, Rot-Weiss Essen hat sein erstes Spiel in der dritten Liga gewonnen, so lautstark feuerten die Fans von den Rängen ihr Team in den Schlussminuten der Partie gegen den FC Viktoria Köln und auch noch weit nach Abpfiff an: „Allez Rot Weiss allez, nur der RWE, unser ganzes Leben stehen wir für dich ein“, hallte es tausendfach von den Rängen. Fast bis zum Abpfiff leerte sich das Stadion an der Hafenstraße am Dienstagabend nicht, obwohl eine erneute Klatsche längst in Sicht war. Erst mit dem Kunstschuss als Schlusspunkt von Simon Handle für Viktoria Köln in der Nachspielzeit begaben sich die RWE-Fans auf den Weg nach Hause.15.006 begeisternde Zuschauer (100 Gästefans) und trotz der 1:4 Klatsche nur wenige Pfiffe von den Rängen. Die Fans sind längst im Profifußball angekommen, die Mannschaft um Trainer Christoph Dabrowski noch nicht. Zwar waren die ersten 20 Minuten gegen Viktoria Köln recht ansehnlich und RWE machte mit einem komplett umgestellten Team da weiter, wo sie in Duisburg aufgehört haben, aber es reichte nicht gegen „abgezockte“ Kölner, die mit Verzögerungen versuchten den Essenern die Druckphase zu nehmen und so das eigene Spiel aufzuzwingen. Essen machte es den Gästen dann aber auch wieder viel zu leicht. Anstatt im Strafraum beherzter einzugreifen, lud man sie zum Dribbeln ein und zack war der Ball im Tor (25. Spielminute). Als man dann doch mal im Strafraum zupackte, gab es direkt den berechtigten Elfmeter (0:2). Essen hatte in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel, aber Köln machte die Tore (5:4 Torschüsse, 6:0 Ecken). RWE versuchte in der zweiten Hälfte das eigene Spiel zurückzuholen, aber Viktoria blockte erfolgreich und spielte insgesamt trickreicher. Zwar kamen die Kölner nicht zu mehr Chancen, hatten aber Glück wie in der 62. Spielminute, als Felix Bastians den Ball ins eigene Netz köpfte. „Da hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu“, dafür einen Fünfer ins Phrasenschwein. Am Ende reichte es noch zu einem Anschlusstreffer von Simon Engelmann, bevor Handle die zwar verdiente aber etwas zu hohe Niederlage markierte. Fazit: Rot-Weiss Essen ist noch nicht in Liga 3 angekommen. Es fehlt einiges, um in der Liga mitzuhalten. Der Wille ist da, was man an Ron Berlinski sieht. Der Neuzugang vom SC Verl rennt sich die Lunge aus dem Leib, um den Ball zu ergattern. Was vielleicht schön für die Fans zum Ansehen ist, hat aber leider bisher kaum einen Effekt. Ein Isaiah Young, der unter großem Jubel seinen Vertrag verlängert hat braucht scheinbar auch noch seine Zeit in Liga 3, um sich an diese Art des Spielens zu gewöhnen und genauso den Bällen nachzurennen wie in Liga 4. Es ist müßig einzelne Spieler herauszupicken. Zwar kämpft jeder für den Einsatz auf seiner Position, trotzdem ist es eine Teamleistung. Alle sind gefordert für die Wende. Es ist allen klar, dass 50 Minuten guter Fußball von 270 Minuten in Liga 3 einfach nicht reichen. Über die gesamte Spiellänge muss mehr Robustheit rein, bessere Pässe, besseres Ballstoppen und vor allem bessere Flanken und Standards. Es gibt viel zu mäkeln und meckern, aber es bringt auch nichts direkt nach dem dritten Spieltag Köpfe zu fordern vor allem in der Anonymität der Foren und sozialen Netzwerke. Im Stadion zujubeln und im Internet motzen und die starke Arbeit der letzten Jahre komplett in Frage zu stellen, das ist auch RWE. Manch einer muss einfach mal ruhiger werden. Es sind noch 35 Spieltage zu gehen und RWE ist vor allem im Hintergrund mehr als professionell aufgestellt. Einfach mal machen lassen und den Blick nach vorne richten (immeRWEiter). Am Ende des Regenbogens wartet vielleicht nicht der Topf mit Gold, aber vielleicht der erste Sieg: Der 4. Spieltag der 3. Liga steigt am kommenden Samstag um 14 Uhr im Dortmunder Signal Iduna Park. Trotz des Fehlstarts wird Rot-Weiss Essen von über 5.000 Fans zum Nachbarschaftsduell gegen die U23 des BVB begleitet. Die Fans sind da und die Mannschaft dann hoffentlich auch, denn es ist noch die eine oder andere Rechnung aus Regionalligazeiten mit den Schwarz-Gelben offen.Fotos: Alle Fotos bereitgestellt von der Sport-Bildagentur frontalvision.com

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen vs. Viktoria Köln: RWE sportlich noch nicht angekommen in Liga 3

11.08.2022 00:00:00

Man hätte meinen können, Rot-Weiss Essen hat sein erstes Spiel in der dritten Liga gewonnen, so lautstark feuerten die Fans von den Rängen ihr Team in den Schlussminuten der Partie gegen den FC Viktoria Köln und auch noch weit nach Abpfiff an: „Allez Rot Weiss allez, nur der RWE, unser ganzes Leben stehen wir für dich ein“, hallte es tausendfach von den Rängen. Fast bis zum Abpfiff leerte sich das Stadion an der Hafenstraße am Dienstagabend nicht, obwohl eine erneute Klatsche längst in Sicht war. Erst mit dem Kunstschuss als Schlusspunkt von Simon Handle für Viktoria Köln in der Nachspielzeit begaben sich die RWE-Fans auf den Weg nach Hause.15.006 begeisternde Zuschauer (100 Gästefans) und trotz der 1:4 Klatsche nur wenige Pfiffe von den Rängen. Die Fans sind längst im Profifußball angekommen, die Mannschaft um Trainer Christoph Dabrowski noch nicht. Zwar waren die ersten 20 Minuten gegen Viktoria Köln recht ansehnlich und RWE machte mit einem komplett umgestellten Team da weiter, wo sie in Duisburg (2:2) aufgehört haben, aber es reichte nicht gegen „abgezockte“ Kölner, die mit Verzögerungen versuchten den Essenern die Druckphase zu nehmen und so das eigene Spiel aufzuzwingen. Essen machte es den Gästen dann aber auch wieder viel zu leicht. Anstatt im Strafraum beherzter einzugreifen, lud man sie zum Dribbeln ein und zack war der Ball im Tor (25. Spielminute). Als man dann doch mal im Strafraum zupackte, gab es direkt den berechtigten Elfmeter (0:2). Essen hatte in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel, aber Köln machte die Tore (5:4 Torschüsse, 6:0 Ecken). RWE versuchte in der zweiten Hälfte das eigene Spiel zurückzuholen, aber Viktoria blockte erfolgreich und spielte insgesamt trickreicher. Zwar kamen die Kölner nicht zu überzeugenden Chancen, hatten aber das Glück auf ihrer Seite wie in der 62. Spielminute, als Felix Bastians den Ball ins eigene Netz köpfte. „Da hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu“, dafür einen Fünfer ins Phrasenschwein. Am Ende reichte es noch zu einem Anschlusstreffer von Simon Engelmann, bevor Handle die zwar verdiente aber etwas zu hohe Niederlage markierte. Fazit: Rot-Weiss Essen ist sportlich noch nicht in Liga 3 angekommen. Es fehlt einiges, um mitzuhalten. Der Wille ist da, was man an Ron Berlinski sieht. Der Neuzugang vom SC Verl rennt sich die Lunge aus dem Leib, um den Ball zu ergattern. Was vielleicht schön für die Fans zum Ansehen ist, hat aber leider bisher kaum einen Effekt. Ein Isaiah Young, der unter großem Jubel seinen Vertrag verlängert hat braucht scheinbar auch noch seine Zeit in Liga 3, um sich an diese Art des Spielens zu gewöhnen und genauso den Bällen nachzurennen wie in Liga 4. Es ist müßig einzelne Spieler herauszupicken. Zwar kämpft jeder für den Einsatz auf seiner Position, trotzdem ist es eine Teamleistung. Alle sind gefordert für den Erfolg. Es ist allen klar, dass 50 Minuten guter Fußball von 270 Minuten in Liga 3 einfach nicht reichen. Über die gesamte Spiellänge muss mehr Robustheit rein, bessere Pässe, besseres Ballstoppen und vor allem bessere Flanken und Standards. Es gibt viel zu mäkeln und meckern, aber es bringt auch nichts direkt nach dem dritten Spieltag Köpfe zu fordern vor allem in der Anonymität der Foren und sozialen Netzwerke. Im Stadion zujubeln und im Internet motzen und die starke Arbeit der letzten Jahre komplett in Frage zu stellen, das ist auch RWE. Manch einer muss einfach mal ruhiger werden. Es sind noch 35 Spieltage zu gehen und RWE ist vor allem im Hintergrund mehr als professionell aufgestellt. Einfach mal machen lassen und den Blick nach vorne richten (#immeRWEiter). Am Ende des Regenbogens wartet vielleicht nicht der Topf mit Gold, aber vielleicht der erste Sieg: Der 4. Spieltag der 3. Liga steigt am kommenden Samstag um 14 Uhr im Dortmunder Signal Iduna Park. Trotz des Fehlstarts wird Rot-Weiss Essen von über 5.000 Fans zum Nachbarschaftsduell gegen die U23 des BVB begleitet. Die Fans sind da und die Mannschaft dann hoffentlich auch, denn es ist noch die eine oder andere Rechnung aus Regionalligazeiten mit den Schwarz-Gelben offen.Fotos: Alle Fotos bereitgestellt von der Sport-Bildagentur frontalvision.com

Jetzt in der App abspielen

Auswärtssieg! Hansa Rostock Amateure stürmen in Frankfurt (Oder) an die Tabellenspitze

09.08.2022 00:00:00

„Dann steh’n wir wieder auf, dann setzen wir uns wieder hin - das finden wir lustig, weil wir bescheuert sind …“ Na geht doch! Nachdem in der ersten Halbzeit noch etwas Sommerpausen-Feeling unter den rund 100 Hansa-Fans im Stadion der Freundschaft herrschte, ging es im zweiten Spielabschnitt stimmungstechnisch mit steigendem Pegel voran. Das sollte aber auch sein, schließlich hatte man sich sehr gefreut, Dank des Aufstiegs des 1. FC Frankfurt nach sechs Jahren endlich wieder an die Oder fahren zu dürfen. Selbst direkt aus Rostock reisten über Berlin ein paar Hansa-Fans an, und die üblichen Verdächtigen aus Berlin trafen bereits zwei Stunden vor dem Anpfiff in der Oderstadt ein. Ich habe da einen Tipp, haute ich in die Runde und führte die kleine Truppe in den Biergarten auf der Insel Ziegenwerder. Vorbei an einer Grillwiese, auf der bereits Fleischspieße zubereitet wurden und einem Abenteuerplatz ging es geradewegs zum „Geheimtipp“, der jedoch für nicht soooo große Freude bei den Anwesenden sorgte.   Einen Hingucker gab es jedoch eine Viertelstunde vor Anpfiff, als die Straßenbahnhaltestelle vor dem Stadion der Freundschaft erreicht wurde. Wie zu alten Zeiten erklomm ein älterer FCV-Fan im stramm sitzenden rot-gelben Nikki einen kleinen Hügel und hielt neugierig Ausschau, wer da wohl alles von der Oder-Insel herbeigeschlendert kam. Er sollte nicht der einzige aus der ganz alten Garde bleiben, der nach längerer Zeit mal wieder im Stadion der Freundschaft, das einst sogar Europapokal-Abende erlebt hatte, gegen die Hansa Amateure vorbeigeschaut hatte. Stolz wurde mir später mitgeteilt, wer von den Alten mal wieder anwesend sei. Einige von denen sollen einst in den 80ern sogar die BFCer aus dem Stadion gejagt haben. Ich gebe das einfach mal so weiter.   Insgesamt hatten sich am vergangenen Sonntagnachmittag knapp 500 Zuschauer auf den Rängen eingefunden. Unter ihnen locker 100 Fußballfreunde, die dem F.C. Hansa Rostock die Daumen drücken. Sportlich war mit einem Rostocker Sieg gegen den Aufsteiger aus Frankfurt (Oder) zu rechnen. Schließlich zählen die Amateure des F.C. Hansa in dieser Saison zu den Favoriten. Nun ist das so eine Sache mit den zweiten Mannschaften in den höheren Ligen, doch hätte manch ein Hansa-Fan schon mal richtig Bock auf Chemie Leipzig, Lok Leipzig und den BFC Dynamo.   Die Frankfurter hielten anfangs überraschend stark dagegen und konnten zunächst die Parte offen halten. Allerdings war in der 20. Minute nix zu machen. Theo Gunnar Martens machte die erste Bude des Tages und brachte somit die Rostocker in Führung. Für Frankfurt wurde das Ganze schon eine enorme Herausforderung, spielten bei den Gästen unter anderen bekannte Spieler wie Luca Finn Horn, Lukas Scherff und Torhüter Max Hogemoser mit. Im Profikader steht zudem Theo Gunnar Martens, der 2003 in Rostock geboren und in der Jugend des F.C. Hansa Rostock ausgebildet wurde.   Wohl denn, kurz vor der Pause erzielte Martens seinen zweiten Treffer zum 3:0 und sorgte somit für die Vorentscheidung. Kurz zuvor hatte Randy Dei für die 2:0-Führung gesorgt. Gute Laune unter den Gästefans, zumal kurz nach Wiederanpfiff Louis Köster auf 4:0 erhöhen konnte. In der Folgezeit schalteten die Rostocker einen Gang runter, und in der 70. Minute ließ Niclas Weddemar mit seinem 1:4-Anschlusstreffer die Frankfurter jubeln. Hinter der großen rot-gelben Fahne ertönte ein mehrfaches „FCV! FCV!“, im weiten Rund wurden indes ein paar Gespräche mit ein paar Einheimischen und anwesenden Groundhoppern geführt.   Allzu klar, dass dieses Stadion eine Wucht ist und ein Spaziergang auf den Rängen für viel Freunde sorgt. Schön, dass der 1. FC Frankfurt wieder am Start ist in der NOFV-Oberliga Nord, und es gilt zu hoffen, dass die Klasse gehalten wird. Nix zu holen gab es jedoch gegen die Rostocker, die in Form des Tores von Lucas-Levi Juhrmann auf 5:1 erhöhen konnten. Dank dieses Treffers wurde die Tabellenführung erobert, und nach Abpfiff wurde zum Erschrecken der Ordner mal eben der Zaun erklommen.    Die Mannschaft wurde abgeklatscht, und wenig später ging es als kleine Truppe ins benachbarte Slubice, um nun aber wirklich einen Geheimtipp zu präsentieren. Gleich drei satt bestückte Schnitzelplatten verzückten die anwesenden Hansa-Fans im Restaurant und machten die dufte Sause an die Oder richtig rund.   Anmerkung: Wie einige bereits wissen, hatte ich nach dem Erscheinen von „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ einen unterhaltsamen Fußballroman über Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) geschrieben. In diesem ist einiges über den Alltag in Ost-Berlin der 50er und 60er und in Frankfurt (Oder) der 70er und 80er Jahre zu lesen. Wer Bock und Interesse hat, der darf sich gern bei mir melden. Infos und Kontaktformular gibt es auf www.marco-bertram.de. Fotos: Marco Bertram, Jens > zur turus-Fotostrecke: 1. FC Frankfurt (Oder)  > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Jetzt in der App abspielen

Oberliga-Premiere für Dynamo Schwerin bei Blau-Weiß 90 Berlin

09.08.2022 00:00:00

Begeben wir uns zunächst auf eine Zeitreise. In der Wende-Saison 1989/90 spielte die SG Dynamo Schwerin in der Staffel A der DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse) und hatte es unter anderen mit dem FC Vorwärts Frankfurt (Oder), dem 1. FC Union Berlin, der BSG KKW Greifswald, der BSG KWO Berlin und der BSG Chemie „Wilhelm-Pieck-Stadt“ Guben zu tun. Jene Spielzeit wurde mit einem mäßigen 14. Platz abgeschlossen, doch in Erinnerung blieb das Ganze dennoch. Dynamo Schwerin zog ins FDGB-Pokalfinale ein und trat im Berliner Jahn-Sportpark als PSV Schwerin gegen die SG Dynamo Dresden an. Denkbar knapp musste man sich mit 1:2 geschlagen geben, durfte jedoch im Europapokal der Pokalsieger in der ersten Runde gegen Austria Wien (0:0 und 0:2) antreten. In der NOFV-Liga-Saison 1990/91 wurden die Schweriner allerdings nur Vorletzter und verschwanden in der sportlichen Versenkung. Da nutzten auch die 15 Saisontore von Legende Steffen Benthin nix.   Ebenso in der Versenkung verschwand in jener Zeit die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin, die 1986/87 mit dem Erstligaauftritt noch für reichlich Furore sorgte und knapp davor war, Hertha BSC dauerhaft als Nummer eins in West-Berlin abzulösen. 1991/92 spielten die Blau-Weißen noch in der Staffel Nord der 2. Bundesliga, schnupperten zwischenzeitlich an den höheren Rängen, nahmen dann nur an der Abstiegsrunde teil und mussten letztendlich wegen rund einer Million DM Schulden und dem Entzug der Lizenz Konkurs anmelden. Blau-Weiß 90 wurde aus dem Vereinsregister gelöscht und musste als SV Blau-Weiss ganz unten in der Kreisliga C neu anfangen. Inzwischen wird stolz wieder das „Sp.Vg.“ im Namen getragen, und in der Nordstaffel der NOFV-Liga gehört Blau-Weiß 90 Berlin zu den Top-Teams. Ebenso ganz unten fing die 2003 neu ins Leben gerufene SG Dynamo Schwerin an. Zuletzt gelang der fulminante Durchmarsch von der Landesliga in die NOFV-Oberliga, und beim vergangenen Aufstieg - der zugleich Abschied von der geliebten Paulshöhe war - waren rund 2.400 Fußballfreunde auf den Rängen.   Am vergangenen Samstag kam es zur Begegnung Blau-Weiß 90 Berlin vs. Dynamo Schwerin, und es war klar, dass einige Schweriner im Volkspark Mariendorf zu erwarten waren. Ich haute im Vorfeld in einem Chat-Verlauf mal eben die Zahl 100 in den Raum - und bei den Blau-Weißen schaute man mit gemischten Gefühlen auf das anstehende Auftaktspiel der Saison 2022/23. Der Ruf der Dynamo-Fans eilte dem Ganzen voraus - die friedliebende Fangemeinde von Blau-Weiß 90 mag definitiv keinen Stress. Das Theater in Torgelow hatte manch einem gereicht.  Letztendlich waren es rund 30 bis 40 Dynamo-Fans aus Schwerin, die es nach Berlin geschafft hatten. Zum einen waren einige Fans noch im Urlaub, zum anderen spielte am Abend Hansa Rostock gegen Arminia Bielefeld, und somit fehlten locker 20 bis 30 Schweriner, die beiden Vereinen die Daumen drücken. „Wo sind denn die 100 Dynamo-Fans?“, wurde ich vor der Partie gefühlt hundertmal gefragt. Unter dem Strich war man erfreut, dass überhaupt mal wieder Gästefans vor Ort und diese auch noch völlig tiefenentspannt waren.   Für Erheiterung sorgte ein Blick in das Programmheft, in welchem von der „SG Dynamo Berlin“ zu lesen war. Beim Bier wurde reichlich gescherzt. Gab es wie zu DDR-Zeiten mal wieder eine Delegierung von einer Stadt zur anderen? Manche Vorwärts- und Dynamo-Vereine konnten ja davon ein Liedchen trällern. Aber gut, so ein Vertipper passiert nun mal, wenn im Sommer mal schnell was mit heißer Nadel gestrickt wird. Zudem klingt aus Sicht der Mariendorfer ein „Dynamo Schwerin“ wahrlich exotisch.   Insgesamt hatten sich 150 Zuschauer auf der Haupttribüne des Volksparks Mariendorf eingefunden, und vor dem Anpfiff gab es eine Trauerminute für die jüngst verstorbene Marei. Die blau-weiße Familie hatte mehr als eine gute Seele verloren, und nach der Schweigeminute wurden zahlreiche blaue und weiße Luftballons gen Himmel geschickt.   Auf dem grünen Rasen tat sich zunächst Blau-Weiß 90 gegen den Aufsteiger aus Schwerin ziemlich schwer. Zunächst gab es einen straffen Schuss links vorbei, in der 12. Minute machte Nicklas Klingberg das 1:0 für die SG Dynamo - vorbei am herausgekommenen Berliner Torwart Nico Wiesner. Na geht doch! Der erste dynamische Treffer in der Oberliga war bereits in trockenen Tüchern. Auf diesen musste Blau-Weiß 90 Berlin nach dem Aufstieg in die Oberliga einige Spieltage warten, bis letztendlich der Knoten auswärts bei Hertha 03 Zehlendorf platzte.   Es sollte bis zur 42. Minute dauern, bis Blau-Weiß 90 gegen Dynamo Schwerin ins Schwarze traf. Nach einer Balleroberung am Mittelkreis ging es flott über die rechte Seite, am Ende schloss Romario Hartwig souverän ab. Ein Raunen ging eine Minute später über die Ränge, als nach einem Lattentreffer die Gäste fast mit 2:1 in Führung gingen. Es ging schließlich mit einem 1:1 zum Pausentee, und aus den Boxen ertönte „Kreuzberger Nächte sind lang …“   Nett wurde sich mit zwei anwesenden Fans der BSG Stahl Brandenburg ausgetauscht, bevor es in die zweite Halbzeit ging und die Blau-Weißen ein gehöriges Schippchen drauflegen konnten. Zunächst senkte sich ein Schlenzer auf die Latte, dann folgte in der 55. Minute eine Doppelchance für Blau-Weiß 90. In der Folgezeit verteidigte Dynamo Schwerin tapfer und die Berliner drückten weiterhin aufs Tempo.    Die blau-weiße Erlösung erfolgte eine Viertelstunde vor Schluss. Nach einer Ecke bekam die Dynamo-Abwehr das Leder nicht aus der Gefahrenzone, aus kurzer Distanz machte Romario Hartwig seine zweite Bude des Tages. Den Sack zu machten schließlich Florian Kohls in der 82. Minute und Mike Brömer in der 90.+1. Minute. Nach Abpfiff feierten die Blau-Weiß-Fans ihre Mannschaft, auf Gästeseite wurde den Spielern, dem Trainergespann und den Betreuern Mut zugesprochen. Man hatte keine so schlechte Partie gezeigt, und zudem galt zu Bedenken, dass Dynamo Schwerin vier neue Spieler fehlten, da noch keine offizielle Nachmeldung möglich war. Der Staffelleiter war wohl die zwei Tage vor der Partie telefonisch nicht erreichbar.   Fakt ist, nach dem ersten Beschnuppern dürfen sich die Blau-Weiß-Fans auf das Rückspiel im Sportpark Lankow freuen. Dort seien die Berliner definitiv herzlich willkommen, und auch nach der Partie könne dort locker flockig gemeinsam ein Bierchen gezischt werden… Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin > zur turus-Fotostrecke: SG Dynamo Schwerin

Jetzt in der App abspielen

Rostock vs Bielefeld: Wenn der Vater mit dem Sohn ins Ostseestadion geht...

08.08.2022 00:00:00

Am vergangenen Sonnabendabend fand vor 24.300 Zuschauern im Ostseestadion die größte Freiluftveranstaltung in MV statt. Zusätzlich gab es noch einige Geburtstagseinlagen zum 20-jährigen bestehen der "Baltic Boyz". In der Vorwoche wurde bekanntlich das Pokalfinale in Berlin nur knapp in Lübeck verpasst. Die Erwartungen an ein Weiterkommen waren extrem hoch, denn wer vorher den HSV schlägt...Ich mag Pokalspiele, denn hier gibt es kein Taktieren, sondern die Entscheidung fällt sofort. Wie schön sind doch Ergebnisse wie Chemie Böhlen gegen BFC mit 1:0 damals im FDGB Pokal oder die "Teebeutel" damals gegen den FC Bayern. Diesmal hat es dann uns erwischt. Im Hansa-Forum oder bei "Fressbuch" wurde sich dann erstmal ordentlich "ausgekotzt", aber hoffentlich waren dann alle "Kübeldreckabkipper" am Sonnabend wieder im Ostseestadion gewesen.    Damals gab es ja noch Telefonzellen und darin liegende Telefonbücher, in welchen sogar die Hansa-Fußballer mit Namen und Adresse drin standen. Nach einer miserablen Leistung habe ich dann auch einmal "Juri" oder "Rainer" angerufen und mich über die Nichtleistung beschwert. Aber meinen Verein oder Spieler in Foren bepöbeln ist für mich nicht denkbar.   Zum ersten Heimspiel war ich auf Grund einer Reha nicht im Ostseestadion, sodass ich meine Jahreskarte einem holländischen Autisten ausborgen konnte. Er wohnt seit 14 Jahren in Rostock, ist 1965 (!) geboren, und war vorher noch nicht im Ostseestadion.   Zu diesem Heimspiel war ich aber zum Glück wieder in Rostock, sodass diesmal der "Vater mit dem Sohn" zu Hansa gehen konnte. Fiete ist fast 14 Jahre alt. Natürlich war er mit 6 Jahren auch mit zu Hansa, aber damals wohl zu laut und zu viele Leute. Den Grund wussten wir damals noch nicht, denn Fiete ist Asperger Autist.   Im Gästeblock tummelten sich rund 600 "Arminia der Lenz ist da" Fans, welche sich wohl durchgehend um Anfeuerung bemühten, aber bis auf das Feuerwerk kaum hörbar waren. Dafür sorgte unsere Süd, welche heute fast durchgehend extrem laut war.    Passend unsere 1:0-Führung in der 25. Minute durch Kai Pröger, welche das Ostseestadion und die anliegenden Stadtteile Hansaviertel, Reutershagen und KTV zum toben brachten. Kurz nach der Pause sorgten die Geburtstagsfeierlichkeiten für noch mehr Lärm auf der Süd. Dahinein fiel der Ausgleichstreffer. Vielleicht war unsere Abwehr nur einen Augenblick dadurch abgelenkt...   Das Spiel war extrem spannend, denn beide Mannschaften wollten unbedingt gewinnen. In der 85. Minute erfolgte dann unser Siegtreffer durch "Helmut". Noch neun Minuten zittern - und dann nur noch Jubel und Freude im Ostseestadion. Und gegen St.Pauli dann wieder, wenn der Vater mit dem Sohn... Bericht & Fotos: Heiko Neubert > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock  > Infos und Bestellmöglichkeit zum 512-seitigen Hansa-Wälzer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“

Jetzt in der App abspielen

Pluton Przeźmierowo – der letzte Planet im Sonnensystem und auch so galaktisch sportlich in der Liga

08.08.2022 00:00:00

Noch am letzten Spieltag vom Aufstiegsplatz verdrängt werden, eine Relegation nicht schaffen, gar absteigen – das alles kann oder sollte ein Trainer wegstecken können. Aber was gibt es Schlimmeres als der allerletzte Platz in der landesweiten Wertung. Der letzte Platz im Vergleich mit allen untersten Ligen eines Landes ist damit gemeint.Das ist dem Posener Vorortverein Pluton Przeźmierowo in der Saison 2020/21 gelungen. In der untersten Liga gab es nur Haue - 22 Niederlagen in 22 Spielen bei nur 18 selbst geschossenen Toren. Packungen von 1:17, 0:10, 2:10 ließen die Gegentor-Zahl auf 164 anwachsen. In der folgenden Saison sah es dann schon besser aus. Es wurden einige Punkte geholt und sogar noch eine Mannschaft hinter sich gelassen. Allerdings zog sich diese Mannschaft zurück. Neue Saison, neues Glück! Leider legt Pluton aktuell den Namen ab.    Als heimatloser bzw. Verein ohne eigenes Stadion trug Pluton seine Heimspiele im kleinen feinen Stadion in Baranowo aus. Przeźmierowo hat nur einen Bolzplatz zu bieten. Nun offerierte der Vorort Sady seinen Sportplatz, welcher am heutigen Tag (6.8.2022) eingeweiht wurde. In Sady gibt es ein Altherren-Verein, Old Boys Sady, welcher auch bisher in Baranowo spielte. Was macht man nun also, wenn einem der Titel „Schlechtester Verein des Landes“ mal so richtig stinkt? Man wechselt halt einfach den Namen.    In dieser Saison läuft Pluton als Farm-Team für die Old Boys in der B-Klasa als Old Boys Sady auf. Für dieses Eröffnungs-Spiel nutzten sie allerdings noch einmal die blassgelben Pluton-Trikots. Im Juli nahm Pluton übrigens an der Meisterschaft im Schlammfußball (!, Fotos davon gibt es im Netz) teil und schnitt dabei gar nicht so schlecht ab. Mal sehen, wie es heute läuft. 20 Minuten vor Beginn war absolut noch gar nichts los. Zum Beginn waren dann um die 40 Leute anwesend, später kam ich auf gezählte 60 Köpfe. Dafür, dass hier die unterste Liga gegen die Altherren-Liga antrat, geht das schon. Vom Drumherum hatte ich mir mehr erhofft. Meine letzte Stadioneröffnung war die der Nudel-Arena von Stahl Riesa, weshalb ich wohl etwas verwöhnt war. Keine Musik, kein Priester, nicht mal eine laute Ansage gab es.    Leider verfügt auch der Sportplatz bis auf ein paar Bänke auch über keinen nennenswerten Ausbau. „Auf einer grünen Wiese zwei Tore aufgestellt.“ Und noch einen Container! Allerdings ohne Platz für den Schiedsrichter, welcher einen Spaziergang von und zum Kulturhaus bewältigen musste.  Es ist schon irgendwo genial, wenn dir plötzlich an der Kreuzung im Ort ein Mann in Schiedsrichterkluft entgegenkommt. Sportsachen ok, aber die Sachen es Schiedsrichters heben sich ja nun deutlich von den normalen Sport- bzw. Trainingssachen ab. Doch mal Hand aufs Herz! Genau deshalb ist doch der echte Amateurfußball bei uns so beliebt! Aber wisst ihr, was der riesige Vorteil bei diesem Platz ist? Gegenüber gibt es gleich einen żabka-Laden! Auch während Sonntagsspielen kann man sich an einem Hot-Dog oder Burger laben.   Das Spiel konnte sich in der ersten Hälfte wahrlich sehen lassen. Da spielen ältere Herren mit grauen Haaren und Bäuchen gegen junge Burschen, und sofort landet der erste Torschuss auch schon im Tor. Schön in den Dreiangel! Kurz danach knallt der Ball gegen den Pfosten, von diesem an den anderen, von dort an das Bein eines Old Boys – 2:0. Pluton begann nun doch endlich zu rotieren. Einen Pfostenknaller und der Nachschuss auf das leere Tor landete irgendwo am Zubringer zur Bundesstraße 92. Aber der nächste Schuss saß. 2:1. Auf der anderen Seite lief es besser, denn da erreichte ein auf ein leeres Tor abgegebener Schuss auch sein Ziel. Die zweite Hälfte war sehr freundschaftlich und brachte außer einem Anschlusstreffer keine weiteren Erkenntnisse. Fotos: Michael

Jetzt in der App abspielen

MSV gegen RWE: Knackiges Derby auf Rasen und Rängen, aber mit Bahn-Chaos

06.08.2022 00:00:00

„Das Beste an Duisburg ist die Bahn nach Essen“, scherzte kürzlich noch ein Freund. Ok da hat er die sehenswerten Hotspots Innenhafen, Landschaftspark Nord oder Sechs-Seen-Platte wohl vergessen. Aber viele Fans von Rot-Weiss Essen dachten gestern Abend wohl so, als sie am Bahnhof Duisburg-Schlenk die S-Bahn bestiegen: endlich geschafft, raus aus der Stadt. Vorausgegangen war nach dem Fußballspiel MSV Duisburg gegen Rot-Weiss Essen eine chaotische Organisation der Abreise von tausenden RWE Fans und das sowohl am Stadion, als auch zwei Kilometer weiter am Bahnhof. Wir kritisieren ja nicht zum ersten Mal den Gästezugang der MSV Arena, der bei Spielen mit hohen Fanaufkommen eher einer Massentierhaltung gleicht: Personen-Vereinzelungsanlagen, ein schlauchartiger Zugang zu den Blöcken und im Oberrang bei den mittleren Blöcken nur einen schnellen Ausweg im Notfall: runter springen.Fangen wir aber vorne an. Wie beim Flug in den Urlaub, auch zum Ruhrpott-Derby nach Duisburg war eine frühe Anreise angesagt. Die Organisatoren appellierten an die Fans bitte den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und nicht das Auto. Ein Tipp, der aber nur gut ist, wenn es auch organisatorisch perfekt läuft. Lief es aber nicht. Die Bahn hatte so einige Probleme die Fans 25 Kilometer weit zu transportieren. Wer dann am Bahnhof Schlenk ankam wurde von der Polizei begrüßt, musste aber die Lautsprecherdurchsage überhören. Denn die kommunizierte Wegbeschreibung führte die Fans nicht zum Gästeblock, sondern eigentlich direkt in die Arme der Zebras in den blau-weißen Heimbereich. Der Autor des Artikels gab dem anscheinend nicht ortskundigen und nicht gut informierten Polizeibeamten einen Tipp und die Durchsage wurde geändert.„Alle in Rot nach Duisburg!“ Dem Aufruf der aktiven Essener Fanszene folgten tatsächlich so gut wie alle und so zog eine rote Karawane Richtung MSV Arena. Durchgecheckt in der Vereinzelungsanlage rauf auf den Oberrang, wo es sich direkt vor einem Verpflegungsstand knubbelte, so dass ein Durchkommen zu den Sitzplatzblöcken nur langsam möglich war. Ein weiterer Treppenaufgang stand aufgrund des eingerichteten Pufferblocks nicht zur Verfügung. Alles lief über eine Treppe rauf und herunter. Nix für Leute mit Platzangst und über einen auftretenden Notfall möchte man nicht denken, denn alle anderen (Flucht)Wege waren mit schweren Gerät und Bauzäunen verbarrikadiert. Was wurde in den letzten Wochen nicht alles zum Spiel gesagt und geschrieben. Jeder Stein wurde von den Medien umgedreht und jeder ehemalige Spieler, Funktionär oder B-Promi wurde vor das Mikrofon gezerrt, ob er nun Ahnung von Fußball hat oder doch nur Jury Mitglied einer Trash-Tanzshow im deutschen Fernsehen ist. Nach zwei Begegnungen im Niederrheinpokal, war es nun die erste Begegnung in einer Profiliga nach 15 Jahren der beiden Klubs. Im Mai 2007 gewannen die Duisburger am letzten Spieltag zu Hause gegen RWE und stiegen in die erste Liga auf, während Essen absteigen musste. Traumatisch, denn danach begann der sportliche (und wirtschaftliche) Abstieg in den folgenden Jahren der in die Insolvenz und bis in die fünfte Liga führte. Aber Rot-Weiss Essen schaffte die Wende, stabilisierte sich in den letzten Jahren und schaffte in diesem Jahr die Rückkehr in den Profifußball. Aber auch die Zeiten des MSV Duisburg nach dem Bundesligaaufstieg 2007 waren nicht rosig, denn es ging direkt wieder runter und man pendelte in der Folge Zeitlang zwischen zweiter und dritter Liga. Inzwischen ist man in der vierten Saison in Folge in Liga drei unterwegs, dabei sind den Zebras vor allem die letzten beiden Spielzeiten in schlechter Erinnerung, denn nur knapp ist man dem Abstieg in der Regionalliga West entronnen. Trotzdem: Die Zebra Fans erwarteten nix anderes von ihrem Team als RWE aus dem Stadion zu schießen und am Anfang sah es ja auch fast so aus.Los ging es: Platz gesucht, hingesetzt und sich vom überlauten (wahrscheinlich im Gästeblock nochmal eine Stufe lauter gestellten) Vorprogramm, inklusive der „Puffmama“, bis zum Anpfiff volldröhnen lassen. Geschmackssache. Für mich wirkt dies in Duisburg immer ziemlich überdreht und hat eher was von einer Animation in einem Cluburlaub am Ballermann. Vielleicht hat der Namensgeber des Stadions („schauinsland-reisen“) seine Finger im Spiel, denn die Heimfans waren auch ohne ihren Cluburlaub-Stadionanimateur voll motiviert und von Beginn an lautstark dabei. Das änderte sich erst später, ab der 67. Spielminute. Eine mit 28.200 Zuschauern ausverkaufte MSV Arena, dazu ein mit über 5.000 RWE Fans pickepacke voller Gästeblock. Trotz des durch Duisburg zur Verfügung gestellten erhöhten Kontingents an Gästekarten, waren diese innerhalb von wenigen Minuten im Vorverkauf vergriffen. Der MSV startete keinen freien Vorverkauf, da man befürchtete, dass sich die RWE Fans mit weiteren Karten eindecken würden. Taten sie über Umwege aber trotzdem, wie man beim Essener Torjubel sehen konnte.Die Duisburger Fans, dessen aktive Fanszene vom Stehplatzbereich in den Sitzplatzbereich des Oberrangs der Nordkurve umgezogen ist, zeigten zum Anpfiff eine sehenswerte Choreographie „Wir sind nur, weil du bist“, die noch einmal den Vereinsgeburtstag (120 Jahre MSV) und auch den der Gruppierung „Kohorte“ (15 Jahre) in den Mittelpunkt rückte. Auf Essener Seite war Unterrang und Oberrang schon sehr gut gefüllt, aber einige Fans kamen aufgrund von Bahn-Problemen bei der Anreise erst kurz nach Anpfiff ins Stadion. Sehenswertes vom eigenen Team auf dem Rasen gab es zu Beginn auch nicht. Angepeitscht von den Tausenden „Roten“, wirkte das Spiel wie ein Déjà-vu. Es war eine Kopie der Heim-Niederlage gegen die SV Elversberg (1:5) zwei Wochen zuvor mit den gleichen Protagonisten.Gleiche Mannschaft, gleiche Fehler und mit dem MSV Duisburg wieder einen frischeren und effektiveren Gegner vor der rot-weissen Brust. Die erste Halbzeit sah aus Essener Sicht nicht gut aus. Der MSV hatte RWE locker im Griff und erzielte schon früh in der sechsten Spielminute hochverdient die 1:0 Führung durch Marvin Bakalorz, der nach einer Ecke sehenswert ins Tor köpfte. Die MSV Arena explodierte und die im Zebralook ausstaffierten Fans feierten, während die RWE-Fans einen kurzen Moment schlucken mussten. Aber weiter ging es. Zwar hatte der Essener Daniel Heber kurz danach den Ausgleich auf dem Fuß (Lattentreffer), aber die Duisburger sahen einfach in allen sportlichen Situationen bis zu dem Zeitpunkt besser aus. Ballannahme, Ballweitergabe, Pässe, Kopfbälle: Nichts wollte bei Essen funktionieren. Dazu, wie schon gegen Elversberg die sichtliche Nervosität. Essens Trainer Christoph Dabrowski erkannte die Fehler und wechselte in der Halbzeitpause. Für die beiden überforderten Sandro Plechaty und Cedric Harenbrock kamen Meiko Sponsel und Thomas Eisfeld. Es musste mehr Feuer rein ins Essener Spiel. Das brachten dann erst einmal die RWE Fans mit einer sehenswerten Pyroshow im Unterrang des Gästeblocks und lautstarken Anfeuerungen. Aber wieder durften erst einmal die Duisburger jubeln. Nach einem misslungenen Freistoß für RWE, konterten Alaa Bakir und Moritz Stoppelkamp (der 2007/2008 für Essen spielte) die rot-weisse Abwehr geschickt aus und der MSV-Kapitän persönlich schlenzte den Ball sehenswert in der 52. Spielminute vorbei an Torwart Golz ins Tor. 2:0. Das saß. Die Fans in ihren blau-weiß gestreiften Trikots drehten durch.Minuten der Stille beim rot-weissen Anhang. Sollte es die nächste Klatsche geben und das ausgerechnet gegen den Rivalen? Zu viele Fehler. Und vor allem viel zu einfach fielen die Tore. War man noch nicht bereit für Liga 3? Aufgeben? Niemals! Die RWE Fans pushten ihr Team nach dem Schock und die folgenden 40 Minuten hatten es tatsächlich in sich. Erst einmal reagierte Essen und wechselte den Regionalliga Rekordtorjäger Simon Engelmann (für Niclas Tarnat) sowie Moritz Römling (für Felix Herzenbruch) ein. Es dauerte ganze sieben Minuten bis der Joker netzte und die meisten MSV Fans verstummen ließ: Ron Berlinski scheiterte erst mit einem Abschlussversuch, passte dann aber zu Engelmann der den Anschlusstreffer markierte. Sein erstes Tor im Profifußball und eine perfekte Antwort für diejenigen MSV-Fans, die ihn Wochen vorher in Foren und sozialen Netzwerken verhöhnten. Nun war Essen da. Die Unsicherheiten weggewischt und voll im Spiel. Vier Minuten später: Volle Ekstase auf der Gästetribüne. Nach einem Fehler in der Duisburger Abwehr und einem starken Steilpass von Thomas Eisfeld stand Lawrence Ennali frei und schob den Ball am MSV Schlussmann Vincent Müller vorbei zum Ausgleich. Der Duisburger Torhüter stand dann auch beim ultimativen Showdown in der Nachspielzeit im Mittelpunkt, als er einen Kopfball von Felix Bastians (nach Flanke von Oguzhan Kefkir) gerade noch so vor dem Tor entschärfen konnte. Ein 3:2 Sieg von Rot-Weiss Essen in Duisburg hätten die „Roten“ natürlich gerne mitgenommen, aber ein 2:2 Unentschieden war im Endeffekt das faire Ergebnis, was auch die meisten Fans (ob blau-weiß oder rot-weiss) so sahen. Darauf können beide aufbauen. Am Ende zufrieden ging es für die RWE Fans auf den leider langwierigen Heimweg. Erst schob sich die Masse durch das beklemmende schlauchartige Nadelöhr Gästeausgang MSV-Arena, dann harrten die Fans stundenlang am Bahnhof in Duisburg Schlenk aus. Statt Entlastungszüge bereit zu stellen oder eine andere Taktung anzubieten, mussten die über 5.000 Fans (abzüglich die, die mit Auto oder Fahrrad anreisten) über den S-Bahn Regelverkehr in Richtung Essen geschickt werden. Es war dunkel, die Fans standen dicht gedrängt unter der Eisenbahnbrücke und wurden nach und nach auf den Bahnsteig gelassen. Die Polizei schrieb später von „kleineren Verzögerungen im Bahnverkehr“. Interessante Interpretation. Das Spiel war um 20:50 Uhr beendet, aber am Bahnhof Schlenk standen die Fans noch bis weit nach 23 Uhr und warteten auf einen Zug. Auf der einen Seite fordert man die Fans auf mit dem ÖPNV anzureisen, aber auf der anderen Seite sorgt man nicht für einen reibungslosen Ablauf. Fazit: Sportlich und aus Stimmungssicht war es ein echtes Highlightspiel von beiden Seiten. Die Organisation der Anreise und Abreise der Fans durch die Bahn war aber eine Vollkatastrophe. Nächstes Mal fährt man am besten mit dem Fahrrad Teile des Radschnellweg Ruhr (RS1), dann wäre man schneller.Fotos: Privat und von Jawattdenn.de

Jetzt in der App abspielen

Wattenscheid 09 vs. Wuppertaler SV: Die SGW fast chancenlos gegen den WSV

31.07.2022 00:00:00

Nach Insolvenz und Rückzug aus Liga vier kurz nach Beginn der Saison 2019/2020 (was manch einer dem Traditionsverein immer noch übel nimmt) ist die SG Wattenscheid 09 wieder zurück in der Regionalliga West. Dabei ging es für die SGW von Spieltag 1 an direkt zur Sache. Mit Preußen Münster und den Wuppertaler SV erwischten die schwarz-weißen ein richtig schweres Auftaktprogramm. Bei den Adlerträgern aus dem Münsterland, die Aufstiegsfavorit sind, gab es entsprechend nichts zu holen und auch heute gegen die Löwen aus dem Bergischen Land sah die SGW über weite Strecken (vor allem in der ersten Hälfte) des Spiels kaum Land. Große Erwartungen hatten die Wattenscheider Fans nicht gegen den Tabellendritten der Vorsaison, trotzdem kamen sie heute zahlreich ins Lohrheidestadion um sich die nach eigenen Angaben beste Stadionwurst Deutschlands und ein frisch gezapftes helles Blondes einer lokalen Ruhrgebietsbrauerei zu gönnen (nein natürlich nicht  das Bochumer „Fiege“, sondern das Essener „Stauder“). Aber zuerst hieß es anstellen vor dem Eingang und warten auf den verzögerten Einlass eine Stunde vor Anpfiff. 2.060 Zuschauer kamen ins weite Rund, darunter gut 600 Fans, die es mit dem Wuppertaler SV hielten. Die wiederum leiteten das Spiel zum Anpfiff mit einem sehenswerten Rauch-Pyro-Intro ein, bei dem der Gäste-Stehblock in roten und blauen Rauch gehüllt wurde. Den feurigen Einstieg im Gästeblock, ließ die Gastmannschaft auf dem Rasen Taten folgen. Zwar versuchte die SGW etwas mitzuspielen, aber der pfeilschnelle Wattenscheider Kim Sané konnte fast nie in Szene gesetzt werden. Dagegen zeigte sich der WSV hellwach und ging früh und hochverdient durch Lewin Alexander D Hone in der neunten Minute in Führung. Kurz danach erhöhte Valdet Rama auf 2:0 für die Gäste und damit war Wattenscheid zum Pausentee noch gut bedient. Nach der Pause zeigten sich die Schwarz-Weißen kurz von einer anderen Seite und erzielten sogar den 1:2 Anschlußtreffer durch Emre Yesilova und wollten wenig später einen Handelfmeter zugesprochen bekommen, aber der Schiedsrichter entschied auf weiterspielen. Aus Sicht des Autors war das Ganze nicht zu beurteilen. Kurz danach stellte der Wuppertaler Spieler Lion Schweers den vorherigen Toreabstand wieder her und in der 70. Spielminute entschied Kevin Rodrigues Pires mit einem Foulelfmeter das Spiel. Endstand 1:4.War noch was? Ja zwei Spruchbänder. Eines der Wattenscheider Fans, das in Richtung Peter Neururer zielte: Mit "Peter N. der in jedem Käseblatt seinen Mist verbreitet, doch für 09 absolut nix geleistet!", kritisierten sie das jetzige Vorstandsmitglied des WSV für seine Stippvisite an der Lohrheide. Die Wuppertaler Fans kritisierten dagegen den Preisaufschlag für Gästefans, den auch sie berappen mussten mit dem Spruchband: „2 Euro Aufpreis für Gäste? Habt Ihr ein Knall?“. Das Spiel war gespielt. Für die SGW sind erstmal zwei fette Ligabrocken weg. Der Wuppertaler SV kann erstmal durchatmen nach der Auftaktniederlage vergangene Woche gegen RW Ahlen. Kommende Woche wartet für den WSV der SC Wiedenbrück, während Wattenscheid nach Ahlen reist.Alle Fotos: frontalvision Sport Photo Agency > zur Wattenscheid 09 Fotostrecke > zur Wuppertaler SV Fotostrecke

Jetzt in der App abspielen

FC Wil vs. Xamax Neuchâtel: Sonne, Partyblock und fliegende Wasserbecher

28.07.2022 00:00:00

Lieber spät als nie folgt nun also auch der Erlebnisbericht von der Partie zwischen dem FC Wil und Xamax Neuchatel. Die Gäste aus Neuchatel, in Kindheitstagen mein Lieblingsverein der ersten Schweizer Fußball-Liga, mussten hierfür einmal quer durch das Land reisen und hatten dementsprechend auch reichlich Zeit um sich entsprechend zu verpflegen. Der gute fünfzig-Mann/Frau-Mob wirkte sichtbar angeschlagen und machte aus dem Gästeblock eine Art "Partyblock". Dauergesang, ab und zu Mal ein bisschen Gepöbel und zwischendurch flogen auch immer wieder ein paar Becher voller Wasser durch den Sektor. Die dauerhaft einprasselnde Sonne sorgte in beiden Kurven für ein wenig Mitleid meinerseits, denn aufgrund der Akkreditierung durften wir im einzigen schattigen Plätzchen des Stadions Platz nehmen. Dies tat allerdings auch größter Not, denn die wilde "Neun-Euro-Tour" durch Deutschland wirkte sich ein wenig negativ auf mein Erscheinungsbild und auch mein Gemüt aus. Man könnte schon von innerem Zerfall sprechen. Netterweise hat nicht nur der Gästeblock für Stimmung gesorgt, auch auf der Heimseite positionierte sich ein ganz gut aufgelegter kleiner Mob, der auch fast durchgängig auf sich aufmerksam machen konnte. Trotz alle dem fanden sich nur etwas weniger als 1.000 Zuschauer im Stadion wieder - etwas enttäuschend für ein Spiel der zweiten Liga. Hätte ich allerdings bereits vor der Party bemerkt, dass sich hinter der Haupttribüne ein Freibad befindet, dann hätte ich mich wohl eher gegen einen Besuch der "Lidl-Arena" entschieden. Sportlich gesehen hatten die Gastgeber aus Wil den besseren Tag erwischt und gewannen das Spiel verdient mit 2:0. Ein ehemaliger Union-Stürmer mit dem klanghaften Spitznamen "Silvio" erzielte hierbei den Führungstreffer. Den Treffer zum 2:0 erzielte Genuss Montolio kurz vor der Pause. Dies passierte auch ganz zur Freude der beiden neugierigen Gäste abseits des Stadions, welche die erste halbe Stunde der Partie auf einer Art Klettergerüst hinter der Gegentribüne verfolgten. Wir bedanken uns beim FC Wil für die "Einladung". Vielleicht kommen wir bald nochmal (etwas fitter) wieder.     Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) > zur turus-Fotostrecke: Fußball in der Schweiz

Jetzt in der App abspielen

Ansbach vs. Bayern Amateure: Heimsieg, volle Ränge und Käfighaltung

26.07.2022 00:00:00

Ansbach, Großaspach oder Asbach. Egal, Hauptsache Fußball! Als Berliner hat man doch eh keinen Plan, wo genau im tiefen Süden diese Ortschaften liegen. Gut, gut, der FC Asbach spielt in der Kreisklasse A Mosbach. Die SpVgg Ansbach ist indes zuletzt aus der Bayernliga Nord in die Regionalliga Bayern aufgestiegen. In der Relegation konnte sich denkbar knapp gegen den SC Eltersdorf mit 2:0 und 1:2 durchgesetzt werden. Immerhin 2.559 Zuschauer sahen daheim im Xaver-Bertsch-Sportpark das Hinspiel, beim Rückspiel im Elsner Sportpark Erlangen fanden sich exakt 2.222 Fußballfreunde ein. Es schien, als sei der Drops gelutscht, nachdem nach einer halben Stunde Sven Landshuter die Ansbacher mit 1:0 in Führung bringen konnte. Spannend wurde es in der Schlussphase, als Eltersdorf noch zwei Buden in der 82. und 87. Minute machte. Am Ende feierte die SpVgg Ansbach jedoch den Aufstieg in die vierthöchste Spielklasse.   Nachdem es am ersten Spieltag ein 2:2 bei Wacker Burghausen zu sehen gab, empfing Ansbach am vergangenen Freitag die Amateure des FC Bayern München. Insgesamt 3.700 Zuschauer fanden sich im Xaver-Bertsch-Sportpark ein, unter ihnen rund 600 Gästefans. „GUESS WHO’S BACK“ hieß es in großen Lettern auf der Heimseite. Dazu wurden grüne, weiße und schwarze Zettel hochgehalten. Organisiert wurde das Ganze von der Gruppierung ‚Rezatbande 21‘. Und ja, nach acht Jahren ist Ansbach nun wieder zurück auf der Regionalliga-Bühne.   Eine Zumutung war der Gästebereich, der eher einem Gästekäfig ähnelte. Und somit hieß es dazu passend auf einer Zaunfahne: „Bayern Amateure gegen Käfighaltung. BFV-Wahnsinn stoppen.“ Während im Gästekäfig ein paar Bengalos auf dem Boden vor sich hin brannten, erfreuten sich auf Heimseite etliche Fußballfreunde an Steak und fränkischen Bratwürsten, die das Prädikat „absolut empfehlenswert“ erhielten.   „Gegen den modernen Fußball“, hieß es im Gästeblock. Ein „Nein zu RB“ war im Heimbereich zu lesen. Auf dem Rasen bestimmte der Aufsteiger die Partie und konnte das Ganze verdient mit 2:0 gewinnen. Bereits in der 2. Minute machte Tom Abadjiew das 1:0, eine Viertelstunde vor Abpfiff machte Patrick Kroiß den Sack zu. Wie es scheint, dürften die Bayern Amateure nach Stand der Dinge dieses Jahr nicht im Aufstiegsrennen ganz oben dabei sein, doch sollte noch ein paar Spieltage abgewartet werden, um ein erstes Fazit zu ziehen. Aktueller Spitzenreiter ist die SpVgg Unterhaching, die am Samstag daheim vor 1.350 Zuschauern den FV Illertissen mit 4:0 vom Rasen fegte. Nicht gut in die Saison starteten die Würzburger Kickers, die aktuell mit einem Punkt auf Rang 15 zu finden sind.    Fotos: Dominik S. > zur turus-Fotostrecke: Bayrischer Fußball  

Jetzt in der App abspielen

Awantura wie im „alten Polen“ bei Chrobry Głogów vs. Ruch Chorzów

26.07.2022 00:00:00

Bühne frei im / am Stadion Sportowy in der niederschlesischen Stadt Głogów (Groß-Glogau). Ein Old-School-Wasserwerfer stand bereit, die Polizei hatte zudem Gewehre und Reizgas im Anschlag. Das sah schon doll aus! Am Halfter baumelten Xl-Schwarzwurzeln, auf dem Rücken saßen gleich zwei Behälter mit Pfefferspray, und die Finger waren teils gefährlich nahe des Abzugs der Gewehre. Zu Gast war am vergangenen Samstagabend kein Geringerer als der 14-malige polnische Meister KS Ruch Chorzów, dessen goldene Zeiten prompt mit dem Fall des Eisernen Vorhangs endeten. Gastgeber war der im Zuge einer Fusion im Jahre 1957 ins Leben gerufene Międzyzakładowy Klub Sportowy Chrobry Głogów. Ganz große Erfolge kann Chrobry Głogów nicht aufweisen, immerhin gelang 1979/80 der Einzug ins polnische Pokalfinale, doch musste man sich damals Legia Warszawa mit 0:4 geschlagen geben.    Nachdem in der Saison 2002/03 sogar in der IV Liga gespielt werden musste, gelang 2011 der Sprung in die II Liga (dritthöchste Spielklasse). Seit 2014 ist Chrobry Głogów eine feste Größe in der I Liga. In der vergangenen Saison wurde der Sprung in die Ekstraklasa denkbar knapp verpasst. In der Aufstiegsrunde unterlag man Korona Kielce mit 2:3 nach Verlängerung. In der 119. Minute schoss Jacek Kiełb die Jungs aus Kielce ins Glück und Głogów ins Tal der Tränen. Ruch Chorzów gelang indes der Durchmarsch von der III Liga in die I Liga. Als Tabellendritter setzte sich Ruch am Ende der vergangenen Saison in der Aufstiegsrunde gegen Radunia Stężyca (1:0) und Motor Lublin (4:0) durch. Vor 9.300 Zuschauern brachte Daniel Szczepan mit seinen drei Treffern die Ruch-Fans zum freudigen Ausrasten.    Rund 310 Kilometer musste am Samstag die Anhängerschaft von Ruch Chorzów zurücklegen, um beim Auswärtsspiel in Głogów mit von der Partie zu sein. Nachdem am ersten Spieltag es gegen Skra Częstochowa vor 8.026 ein torloses Remis zu sehen gab, sollte nun ein Auswärtssieg her. Das Problem jedoch am Ganzen: Offiziell waren nur 170 Gästefans erlaubt. Viel zu wenig, war auch Chrobry Głogów der Meinung und versuchte, noch etwas auszuhandeln. Mit wenig Erfolg.   Betrachtet man die Fotos, so könnte man annehmen, dass die klassische „Awantura“ (verbale Bambule) startete, doch richtete sich die Wut vor allen Dingen in Richtung Polizei. So kam es vor Anpfiff zu teils skurrilen Szenen. Die Zäune wurden auf ihre Festigkeit getestet, man schaute, ob es nicht irgendwo ein Schlupfloch geben könnte. Das Tor 13 blieb fest verriegelt? Dann wurde halt ein Behälter über den Zaun geworfen. Mit einem Beutel auf dem Zaun versuchte ein vermummter Chobry-Kibole mal eben das besagte Tor 13 aufzutreten. Es juckte ihn keinesfalls, dass die Policja bereits das Reizgas im Anschlag hatte. Tatsächlich öffnete sich kurzzeitig das Tor, doch nur, damit die Polizei noch besser das pfeffrige Zeug versprühen konnte.   Die Anhängerschaft aus Chorzów stand ebenso am Zaun, an Tor 9 versuchte auf Heimseite ein Sportlicher den Überstieg. Teils ging es etwas surreal zur Sache. Während ein Chrobry-Fan mit Schal und Basecap einen weiteren Behälter über den Zaun warf, traf ihn von hinten ein satter orangefarbener Strahl. Zu einem Durchbruch in Richtung Polizei kam es nicht. Es blieb beim verbalen Austausch von Nettigkeiten, und auf der Sitzplatztribüne zeigte nun die sportliche Garde Chrobry Głogów seine Astralkörper. In feinster Ronaldo-Manier wurde Aufstellung genommen und gezeigt, was man hat.   Die Gästefans hatten inzwischen im Gästeblock ihre Zaunfahnen angebracht und stimmten die Gesänge an. Hinter dem Blue Army-Banner erhoben sich die Arme gen Abendhimmel, hochgehalten wurden auch vier ins Auge stechende Widzew-Schals. Zu erhofften Pyro-Aktionen kam es an diesem Abend nicht. Allerdings wurden die Gästefans für die Anreise mit einem 2:0-Auswärtssieg belohnt. Tomasz Wójtowicz und Artur Pląskowski sorgten in der 75. und 78. Minute für einen Doppelschlag.    Für Freunde des alten Polens war diese Partie sicherlich eine interessante Angelegenheit, wenngleich die begrenzte Anzahl der Gästefans ein echter Wermutstropfen war. Statt einer modernen Arena gibt es in Głogów noch ein recht klassisches Stadion mit unüberdachtem Gästeblock auf der Gegengerade zu sehen. Wer Interesse hat: Am 6. August ist ŁKS Łódź in Głogów zu Gast. Und wer Ruch Chorzów einmal auswärts sehen möchte, der hat am 8. August dazu die Gelegenheit. Das Ziel der Reise: Stal Rzeszów.  Anmerkung: Nach Absprache mit dem Fotografen wurden zwei Textpassagen geändert, da in der ersten Version Fehler waren. Im Laufe des Tages erfolgt ein weiteres Update mit weiteren Informationen aus erster Hand.          Fotos: Los Misenas > weitere Impressionen vom Duell

Jetzt in der App abspielen

Awantura und Ambiente wie im „alten Polen“ bei Chrobry Głogów vs. Ruch Chorzów

26.07.2022 00:00:00

Alarmstufe Niebieski am / im Stadion Sportowy in der niederschlesischen Stadt Głogów (Groß-Glogau). Ein Old-School-Wasserwerfer stand bereit, die Polizei hatte zudem Gewehre und Reizgas im Anschlag. Das sah arg gefährlich aus! Am Halfter baumelten XL-Schwarzwurzeln, auf dem Rücken saßen gleich zwei Behälter mit Pfefferspray, und die Finger waren teils gefährlich nahe des Abzugs der Knarren. Zu Gast war am vergangenen Samstagabend kein Geringerer als der 14-malige polnische Meister KS Ruch Chorzów, dessen goldene Zeiten prompt mit dem Fall des Eisernen Vorhangs endeten. Gastgeber war der im Zuge einer Fusion im Jahre 1957 ins Leben gerufene Międzyzakładowy Klub Sportowy Chrobry Głogów. Ganz große Erfolge kann Chrobry Głogów nicht aufweisen, immerhin gelang 1979/80 der Einzug ins polnische Pokalfinale, doch musste man sich Legia Warszawa mit 0:4 geschlagen geben.     Nachdem in der Saison 2002/03 sogar in der IV Liga gespielt werden musste, gelang 2011 der Sprung in die II Liga (dritthöchste Spielklasse). Seit 2014 ist Chrobry Głogów eine feste Größe in der I Liga. In der vergangenen Saison wurde der Sprung in die Ekstraklasa denkbar knapp verpasst. In der Aufstiegsrunde unterlag man Korona Kielce mit 2:3 nach Verlängerung. In der 119. Minute schoss Jacek Kiełb die Jungs aus Kielce ins Glück und Głogów ins Tal der Tränen. Ruch Chorzów gelang indes der Durchmarsch von der III Liga in die I Liga. Als Tabellendritter setzte sich Ruch am Ende der vergangenen Saison in der Aufstiegsrunde gegen Radunia Stężyca (1:0) und Motor Lublin (4:0) durch. Vor 9.300 Zuschauern brachte Daniel Szczepan mit seinen drei Treffern die Ruch-Fans zum freudigen Ausrasten.    Rund 310 Kilometer musste am Samstag die Anhängerschaft von Ruch Chorzów zurücklegen, um beim Auswärtsspiel in Głogów mit von der Partie zu sein. Nachdem am ersten Spieltag es gegen Skra Częstochowa vor 8.026 ein torloses Remis zu sehen gab, sollte nun ein Auswärtssieg her. Allerdings gab es ein gewaltiges Problem: Ruch Chorzów sollte nur 170 Eintrittskarten erhalten. Definitiv zu wenig, war auch Gastgeber Chrobry Głogów der Meinung. Etwaige Einwände fanden jedoch kein Gehör. Es blieb dabei. 170 Karten für Ruch. Basta!   Ruch Chorzów ist allerdings trotzdem mit voller Kapelle gefahren. 120 Ruch-Fans betraten den Gästebereich, der Rest blieb vor den Stadiontoren. Nachdem die Polizei den Gästeblock verschlossen hatte, sodass niemand mehr rein und raus konnte, kam verständlicherweise Unruhe auf. Die Fans von Chrobry Głogów bekamen dies mit und versuchten an den Ort des Geschehens heranzukommen - unterstützt von einer stabilen Truppe von Stilon Gorzów.   Drei Parteien hielten nun die Einsatzkräfte der Polizei auf Trab, wobei es zu teils skurrilen Szenen kam. Beim Betrachten der Fotos hätte man meinen können, dass es sich um eine klassische „Awantura“ (verbale Bambule) handelte, doch richtete sich die Wut allein auf die Polizei. Zäune wurden auf ihre Festigkeit getestet, Gegenstände wurden über die Absperrungen geworfen. Mit einem Beutel auf dem Zaun versuchte ein vermummter Chobry-Fan mal eben das Tor 13 aufzutreten. Es störte ihn keinesfalls, dass die Policja bereits das Reizgas im Anschlag hatte. Tatsächliche öffnete sich kurzzeitig das Tor, doch nur, damit die Polizei noch besser das pfeffrige Zeug versprühen konnte. Nachdem etliche Gegenstände in Richtung Einsatzkräfte gesegelt waren und massig Pfefferspray verteilt wurde, durften die Ruch-Fans dann doch den Gästeblock verlassen. Zu Beginn der Partie, die aufgrund des wabernden Reizgas-Nebels später angepfiffen wurde, blieb der Gästeblock komplett leer. Auf Heimseite betraten die Fans von Chrobry Głogów und Stilon Gorzów zwar die Tribüne, doch wurden aus Solidarität keine Fahnen und Banner angebracht.  Nach etlichen Gesprächen durften schließlich dann doch noch sämtliche Ruch-Fans geschlossen den Gästeblock betreten. Hinter dem Blue Army-Banner erhoben sich die Arme gen Abendhimmel, es folgte ein richtig starker Support mit genialem Liedgut. Nun brachte auch die Anhängerschaft von Chrobry Głogów ihre Stoffe an und startete mit lauten Gesängen und Schlachtrufen. Gemeinsam mit den Gästefans wurden Anti-Polizei-Gesänge gen Spielfeld geschmettert, die 45 Stilon-Fans legten etwas abseits indes ihre Oberkörper frei und nahmen in feinster Ronaldo-Manier Aufstellung und präsentierten ihre Astralkörper. Unter ihnen befanden sich auch sechs Fanatiker aus Lubniewice und Skwierzyna. Im Gästeblock waren derweil vier hochgehaltene Widzew-Schals ein Blickfang.   Verständlicherweise kam es nach dem ganzen Trubel zu keinen Pyro-Aktionen. Immerhin wurden die Gästefans für die Anreise und das ganze Theater mit einem 2:0-Auswärtssieg belohnt. Tomasz Wójtowicz und Artur Pląskowski sorgten in der 75. und 78. Minute für einen Doppelschlag und brachten die Ruch-Kibice zum Jubeln.    Fazit: Manches ist erst auf dem zweiten Blick erkennbar, und von daher musste nach Rücksprache mit dem Fotografen dieser Bericht noch einmal geändert werden. Beim Anblick des Bildmaterials hätte man von einer klassischen Awantura ausgehen können, bei der sich beide Fanlager aufs Übelste bepöbeln. Vielmehr kam es indes zu einer Solidaritäts-Aktion von Seiten der Heimfans (plus Stilon). Aufgrund der Bauart des Stadions erinnerte das ganze Szenario an alte Zeiten. Statt einer modernen Arena gibt es in Głogów noch ein recht klassisches Stadion mit unüberdachtem Gästeblock auf der Gegengerade zu sehen. Wer Interesse hat: Am 6. August ist ŁKS Łódź in Głogów zu Gast. Und wer Ruch Chorzów einmal auswärts sehen möchte, der hat am 8. August dazu die Gelegenheit. Das Ziel der Reise: Stal Rzeszów. Gilt zu hoffen, dass es nicht wieder das leider häufige Theater um die Gästekontingente gibt.     Fotos: Los Misenas > weitere Impressionen vom Duell

Jetzt in der App abspielen

10.000 Hansa-Fans außer Rand und Band - epischer Sieg in Hamburg!

25.07.2022 00:00:00

„Ick bin jespannt, ob du dit Ding von damals toppen kannst!“, erklärte mir ein Hansa-Fans am Abend beim Aussteigen am Berliner Hauptbahnhof. Mit dem „Ding“ war mein Bericht über den legendären 2:1-Sieg bei RasenBallsport Leipzig am 23. November 2013 gemeint. Der brachiale Marsch gen Zentralstadion, der ganz stark an Balkan-Zustände erinnerte. Die Emotionen, der Torjubel, der Sieg beim Brause-Konstrukt, der sensationelle Auftritt der rund 6.000 Hansa-Fans. Zurecht schrieb ich mich in einen Rausch und packte eine fette Extraportion Herzblut in die getippten Zeilen. „Scheiß Bullen!“ Allein beim Anblick des fetten Banners kriegte ich mich gar nicht mehr ein vor Freude. Wie geil war das denn bitte schön?! Fast neun Jahre ist das nun her. Irre! Ob ich den damaligen Bericht toppen kann? Keeeene Ahnung. Das ist mir auch Mumpe. Getoppt wurde am gestrigen Nachmittag allerdings die Zahl der Gästefans. Eine blau-weiß-rote Invasion fand statt - zwischen 8.000 und 10.000 Hansa-Fans hatten sich mit weißen T-Shirts ihrer Wahl im Hamburger Volksparkstadion eingefunden und zeigten einen Support feinster Güte. Dazu jedoch gleich.  Beginnen wir mit dem Schrillen des Weckers um drei Uhr in der Frühe. Welch eine unchristliche Zeit! Wie das jedoch so ist, war ich eh schon vorher wach. Die Aufregung war schlichtweg zu groß, um in Ruhe vier, fünf Stunden pennen zu können. Ich träumte von vollen Regionalzügen und Scharmützeln auf den Bahnsteigen. Beim Gedanken an den Umstieg in Schwerin wurde mit Angst und Bange. Und dann erst die Rückfahrt. Aber was soll’s, es wurde nun mal beschlossen, von Berlin aus mit dem 9-Euro-Ticket gen Hansestadt Hamburg zu düsen. Der erste Zug gen Wismar sollte es sein.    Nachdem kurz nach Abfahrt die Mucke anging, waren die Mitreisenden hocherfreut. Der Duft von geöffnetem Bier waberte durch den Zug und ein paar halbtote Party-Leichen, die den CSD vermutlich nicht ganz so gut verkraftet hatten, murmelten etwas von Kopfschmerzen und einem Messer. Ansonsten recht entspannt ging es bis Schwerin, wo unsererseits das arg versiffte Bahnhofsklo für Kopfschmerzen sorgte. Gar nicht mal soooo überfüllt war anschließend der aus Rostock kommende Regionalexpress, der nach Hamburg Hauptbahnhof weiterfuhr. Der Großteil der Hansa-Fans schien tatsächlich auf Autos und Neuner zu setzen.  Im astreinen nordischen Dialekt mahnte der Zugführer, dass nicht bei jedem Zwischenstopp geraucht werden müsse. Er würde bekannt geben, wenn am Bahnhof X mal etwas Luft für eine Fluppe sei. Als Dank für die Kooperation gab es über die Zuglautspecher auch einmal ein „Hansa forever“ zu hören. Schönes Ding! Und während wir gemütlich gen Hamburg rauschten, wurde uns erst einmal bewusst, dass wir uns auf eine Zeitreise begeben hatten. „08.12.2002 - 07:33“, zeigte die grüne Digitalanzeige an. Dat is ja nen Ding! Mal eben knapp 20 Jahre zurück. Ein Teil meiner Mitfahrer war damals noch nen Baby, und ich war halt noch jung und knackig. Sprich - vorne war noch eine Zwei.  Meine private Webseite war noch bei Geocities gehostet, ich programmierte täglich HTML und tingelte jeden Tag zur Uni und paukte Geographie und Germanistische Linguistik. Ich war mit einer Kroatin zusammen und die beiden Kinder waren - wie man so schön sagt - noch Quark im Regal. Der F.C. Hansa Rostock spielte erstklassig und musste am Tag zuvor jedoch eine 0:3-Klatsche in der Stadt, die es gar nicht gibt (das Foto zeigt indes den damaligen Auftritt bei Hertha), verschmerzen. Hansa-Trainer Armin Veh war alles andere als erfreut, zumal zu allem Übel auch noch Andreas Jakobsson mit Gelb-Rot vom Platz musste. Direkt am 8. Dezember 2002 spielte der HSV gegen die graue Maus aus Bochum und musste in der AOL-Arena - ich bin ja schon drin - in der letzten Minute den Ausgleich hinnehmen. Nachdem Sergej Barbarez die Rothosen nach einer knappen Stunde in Führung gebracht hatte, lochte Peter Graulund in der 90. Minute mit Rechts ein. Ein schlechtes Omen für die Partie gegen Hansa knapp 20 Jahre danach?! Ich dachte schon, wir kämen wirklich in Hamburg im Jahr 2002 an und selbst die WM 2006 würde noch in weiter Ferne liegen, doch zeigte sich recht fix, dass wir zurück in den Juli 2022 katapultiert wurden. Die Layla noch in den Ohren, begann der Kampf um die Schließfächer, anschließend wurden sämtliche erkennbaren Hansa-Fans zu einer Sonder-S-Bahn gebracht, die in einem Rutsch bis Lurup durchfuhr. Vermutlich war es auch besser, nicht auf eigene Faust mit der S-Bahn zur Elbgaustraße zu fahren, denn wie später ein paar Hansa-Fans berichteten, befanden sich Späher an jeder Ecke und etliche Hamburger waren auf Achse und suchten den Kraftvergleich.    Auf solche Ungemütlichkeiten konnte ich getrost verzichten. Vom S-Bahnhof Elbgaustraße ging es problemlos zu Fuß zum Bauhaus, wo im Vorfeld der Treffpunkt für die Hansa-Fans ausgemacht war. Glücklicherweise gab es auf dem arg tristen Parkplatz kein langes Verweilen, pünktlich ging es als Fanmarsch gen Volksparkstadion. In den hinteren Reihen brannte und qualmte es ein wenig, und die örtliche Polizei konnte es nicht lassen, ihren beachtlichen Fuhrpark an einer Kreuzung zur Schau zu stellen. Räumfahrzeug und Wasserwerfer standen bereit, um möglicherweise ostdeutsche Bambule-Fans zu zügeln, doch gab es keinerlei Probleme. Leider Gottes hatte sich ein Fan an einer Bordsteinkante übel das Bein umgeknickt und musste ärztlich versorgt werden. Gute Besserung an dieser Stelle!   Positiv überrascht wurde man kurz vor dem Erreichen des Volksparkstadions von den dortigen Imbissständen, an denen man sich vor dem Betreten der Arena noch fix mit was Ordentlichem versorgen konnte. Hunderte Würste lagen bereit - und für vier Taler holte ich mir einen Krakauer Riemen, der durchaus schmackhaft war. Zum Glück, denn im Stadion selbst zeigte sich ein wahres Trauerspiel. Keine Ahnung, ob es irgendwo Fischbrötchen oder Würste gab, an den beiden Ständen, wo ich mich anstellte, gab es nur Brezeln und Getränke. Fünf Euronen für ein alkfreies Bier sind schon harter Tobak, zudem achteten die Verkäufer penibel darauf, dass bloß nicht die kostbare Flüssigkeit den heiligen Strich auf dem Becher überschritt. Später holten mein Kumpel ich einfach eine Ladung Leitungswasser vom Klo. Kam einfach besser und günstiger.  Eine Stunde vor Anpfiff kam ich oben auf dem noch recht leeren dritten Rang schon wieder ins Grübeln, ob ich für diese modernen Arenen und den ganzen Profifußball nicht doch schon zu alt sei. Vielleicht sollte man nur noch zu den Amateuren gehen, um dort am Rande locker plaudern und richtiges Pils zu vernünftigen Preisen trinken zu können. Diese Gedanken wischte ich jedoch recht bald weg, denn je voller die Ränge wurden, desto mehr erhöhte sich die Betriebstemperatur. Nach zwei Jahren Corona-Maßnahmen gab es doch nix Geileres, als endlich mal eine volle Hansa-Kapelle zu sehen. „Dank“ jener Maßnahmen konnte ich im vergangenen März auf Schalke nicht dabei sein. Alter Schalter, was war das für ein genialer 4:3-Sieg! In der 90.+5. Minute machte Nils Fröling den Siegtreffer klar und brachte die Fans vor Ort und vor den Bildschirmen zum kollektiven freudigen Ausrasten.  Noch konnten wir nicht ahnen, dass es gestern ähnlich werden würde. Auf jeden Fall zeigte man der eigenen Mannschaft beim Warmmachen schon mal, was heute im ausgedehnten Gästebereich anliegen würde. Volle Kraft voraus! 100 Prozent für Hansa! Ruhig wurde es kurz vor dem Anpfiff, als die Hamburger dem verstorbenen Idol Uwe Seeler gedachte. Applaus auch von zahlreichen Hansa-Fans. „Loyal und bescheiden - der Größte aller Zeiten. R.I.P. Uwe Seeler“ war in der Hamburger Nordkurve zu lesen. Auf dem Oberrang wurde anschließend aus weißen und schwarzen Zetteln ein „UNS UWE“ gebildet.    Wenige Augenblicke nach dem leicht verzögerten Anpfiff hieß es dann im Gästebereich: Feuer frei und Alarm machen! Es qualmte und brannte an allen Ecken, im Anschluss hoben sich tausende Arme, und ich war überrascht, wie groß auch in den oberen Bereichen die Mitmachquote war. Ebenso erstaunt war ich, wie textsicher hinter mir ein älteres Ehepaar war. Da wurde nicht ein einziges Lied oder Schlachtruf ausgelassen. Davon ganz abgesehen war es sicherlich nicht leicht, an diesem Tag den Support zu koordinieren. Das Ergebnis konnte sich jedoch sehen und hören lassen. Gänsehaut!   Und das Geschehen auf dem Rasen? 73 Prozent Ballbesitz für den HSV sind sicherlich erst einmal eine Hausnummer. 562:191 gespielte Pässe besagt die Statistik des Kicker. Aber! Die Laufleistung war fast exakt dieselbe, und auch in Sachen Torschüsse (17:13) gestaltete sich das Ganze recht ausgeglichen. Bei den Ecken (7:5) lag Hansa Rostock sogar vorn. Demzufolge hatte man aus Rostocker Sicht durchaus das Gefühl, dass es sich um eine ausgeglichene Partie handelte. Zwar war der HSV mehr am Ball, doch kam Hansa in der 22. Minute zu einer ersten richtig guten Chance. Nach einer Ecke von Rhein köpfte Fröde das Leder neben das Gehäuse.    Hansa drückte nun, kam flott über die linke Seite und nach einer halben Stunde gab es die Tormöglichkeit gleich im Doppelpack. Kurz vor der Pause kam der HSV zu einer guten Chance, doch Hansa-Keeper schnappte sich die Kugel im Nachfassen. Nachdem es mit 0:0 in die Kabinen ging, hatte Neuzugang Kai Pröger in der 55. Minute eine fette Chance, doch war der Winkel einfach zu spitz. Zehn Minuten später hatte Ingelsson die Rostocker Führung auf dem Fuß - hier ging heute was! In der Schlussphase der regulären 90 Minuten wurde der HSV jedoch deutlich besser und machte nun richtig Druck. In der 84. Minute zeigte der Rostocker Schlussmann eine klasse Reflex gegen Glatzel, vier Minuten später wurde der Ball neben das Gehäuse gelenkt.   Ein 0:0 würde man gern aus Hamburg mitnehmen, dachten sich die meisten Hansa-Fans und warfen einen bangen Blick auf die Uhr. Aufgrund einer Verletzungspause und der Trinkpause gab es satte acht (!) Minuten Nachspielzeit. Das Gefühl war anfangs nicht das beste, doch befreite sich Hansa Rostock wieder und kam selber wieder in die Partie. Und dann kam die 90.+4. Spielminute! Es kam DER Moment des Tages. DER Moment, an dem der in der 72. Minute eingewechselte Kevin Schumacher zum Held des Tages wurde. Der wunderbar agierende Pröger spielte Schumacher mustergültig an, dieser arbeitete sich noch ein Stück vor und schloss mit einem flachen Schuss ab!    Unfassbar genial! Tausende Hansa-Fans waren völlig aus dem Häuschen. Was für ein Urschrei! Welch ein Jubel! Der F.C. Hansa Rostock ließ sich diesen Sieg nicht mehr nehmen und brachte die knappe Führung über die Zeit. Ahu! Angemessen wurde der Auswärtssieg mit der glücklichen Mannschaft minutenlang gefeiert - es wurde mal wieder Geschichte geschrieben. Auswärts ist einfach Hansas Ding in jüngerer Vergangenheit. Bähm! Dank des Sieges wurde sich mal gleich auf Rang elf geschoben.    Draußen vor den Toren wurde erst einmal die Abfahrtsstelle der Shuttlebusse gesucht. 1a ausgeschildert ist das Ganze wahrlich nicht. Zudem kam immer nur ein Bus, der den nächsten Schub Gästefans zu einem Bahnhof brachte. Dort hieß es unter Polizeiaufsicht warten, bis ein bereitgestellter Zug die Hansa-Fans geschlossen zum Hauptbahnhof bringen würde. Immerhin bot sich die Gelegenheit an einem Imbiss für 2,50 ein gelb etikettiertes „Edel“, das am dollsten knallt, zu erwerben. Später im Zug fand sich ein DJ, der genau den Musikgeschmack der meisten Anwesenden traf und den Waggon mit „guten Freunden“, dem Zug ohne Bremse und Layla beschallte.   Am Hauptbahnhof selbst sank der Stimmungspegel zunächst. Da alles ein wenig länger gedauert hatte, wurde die ins Auge gefasste Verbindung verpasst. Es schien, als müsste es um 18:21 Uhr mit dem Regionalzug gen Rostock gehen, doch spotteten die Zustände auf dem Bahnsteig jeder Beschreibung. Nur zu klar, dass nicht alle Willigen in den Zug passten, unsere Berliner Truppe hatte es erst gar nicht versucht, sich dort hineinzuschieben. Es hätte eng werden können mit dem Anschluss in Schwerin, und somit wurde auf einen ICE umgesattelt. Im Bordbistro wurde das erste Bier bestellt, wohl oder übel wurde zudem online fix ein Ticket erworben. Wat willste machen?!  Der Sieg war es wert! Wann hatte Rostock eigentlich das letzte Mal beim HSV gewonnen? Man schrieb den 28. Oktober 2001, als Markus Beierle in der 42. Minute nach Vorarbeit von Antonio di Salvo das Tor des Tages schoss und die mitgereisten Hansa-Fans glücklich machte. Apropos, damals im HSV-Gehäuse stand kein Geringerer als Martin Pieckenhagen. Und während wir gestern Abend so schön im Bordbistro saßen und am Bier naschten, stellte sich tiefe Zufriedenheit ein. Die Anspannung fiel ab. All der Stress mit dem 9-Euro-Ticket. Fast waren wir traurig, als wir den Berliner Hauptbahnhof erreichten. In einem tschechischen Eurocity könnte es doch glatt weitergehen gen Prag oder sonstwohin. Stattdessen gönnten wir uns die 1. Klasse des RE bis Berlin Ostkreuz, staunten über den gigantischen Tisch, der auch in einem Präsidenten-Flieger eingebaut sein könnte.  Abgerundet wurde das Ganze mit zwei Bierchen in einem Kneipchen mit drei Hansa-Fans, die es aus beruflichen oder privaten Gründen nicht geschafft hatten nach Hamburg zu fahren. Eine Umarmung folgte der nächsten. Prost! Geil, oder?! Strahlende Gesichter auf allen Seiten. Zum Abschied folgten gleich wieder Umarmungen. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so oft geknuddelt wurde. Fußball verbindet. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Ach was, Fußball ist alles. Und Hansa ist das Größte!  Fotos: Ronny, Jens, Marco Bertram, Michael (Archivbild 2002) > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock  > Infos und Bestellmöglichkeit zum 512-seitigen Hansa-Wälzer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“  

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen gegen die SV Elversberg: Kalte Dusche zum Start in Liga 3

24.07.2022 00:00:00

Angekommen um zu bleiben, aber im ersten Spiel der 3. Liga bescherte die SV Elversberg, Aufsteiger aus der Regionalliga Südwest, Rot-Weiss Essen eine Lehrstunde in Sachen „Profifußball“. Am Ende hatte in dem Spiel im Stadion an der Hafenstraße RWE ein Tor geschossen und Elversberg fünf. Stimmung mies, Euphorie verflogen? Mitnichten. Bis auf wenige Ausnahmen (halt die üblichen „Meckerköppe“) in den sozialen Medien und Foren standen die Fans nach dem Spiel genauso hinter der Mannschaft, wie vor dem Anpfiff, als einige sich zur Einstimmung am RWE-Fanprojekt trafen.Gemeinsam ging es dann zügig mit einem Fanmarsch die 1,5 Kilometer zum Stadion vor dem sich schon lange Schlangen bildeten. Alle hatten Bock auf Liga 3 und wollten mit Öffnung der Stadiontore die Profiliga erschnuppern. Keine reinen „Dorfklubs“ mehr bei denen man das Highlight der Saison war, sondern viel Tradition mit weiten Reisen und reichlich Fankultur, die den Gästeblock auch mal füllten. Gut zum Start bescherte der DFB Rot-Weiss Essen die SV Elversberg, die den Gästeblock jetzt nicht voll machten, dafür aber kompakt (150 Fans) für einen ordentlichen Support sorgten. Sie hatten ja auch allen Grund zur Freude.Insgesamt wollten 16.347 Zuschauer den Essener Drittligaauftakt sehen. Nur in Dresden kamen an diesem Spieltag mit 24.046 Zuschauern mehr. Da sieht man schon die Wucht, die hinter dem Klub steht. Natürlich ließ es sich die aktive Fanszene nicht nehmen auf ihre Art und Weise die Liga kurz vor dem Anpfiff zu begrüßen: Hinter einem Banner mit den martialischen Worten „Der RWE ist wieder da, Fussball Terror jedes Jahr“ wurde auf der „Westtribüne“ reichlich rot-weisser Rauch entzündet und das Spiel lautstark eingeleitet. Eine herrschte eine ausgelasse Stimmung von den Rängen von Beginn an, aber auf dem Platz passierte das was nach den beiden letzten erfolgreichen Regionalligajahren keiner erwartet hatte: wenig Sehenswertes, jedenfalls für diejenigen mit rot-weisser Fanbrille.Die These, dass man mit einer starken Regionalligamannschaft auch in der 3.Liga mithalten kann wurde gestern übe rweite Strecken erst einmal widerlegt. Jedenfalls in den ersten 26 Minuten des Spiels, denn da stand es schon ruckzuck 1:4. Schaut man sich diese Phase genauer an, waren darunter auch viele vermeidbare unglückliche Situationen. Alles begann in der dritten Spielminute, als Essens Abwehrchef Daniel Heber nach einem taktischen Foul vom Schiedsrichter Konrad Oldhafer mit der gelben Karte bestraft wurde. Eine harte Entscheidung, die den Kapitän sichtlich schwächte und damit die ganze Abwehr. Kurz danach herrschte das erste Mal ein großes Durcheinander in derselbigen, als nach einer überragenden Flanke über das  gesamte Spielfeld sich der Elversberger Kevin Koffi, der in jungen Jahren beim SSC Neapel und AS Rom unter Vertrag stand, locker durchsetzen konnte und zur Führung der Gäste einnetzen konnte.Die Antwort von RWE: Wütende Angriffe nach vorne vor allem durch den agilen Ron Berlinski. Mit vollem Einsatz setzte er die Abwehr der Gäste unter Druck und hatte Erfolg. Der Torhüter Nicolas Kristof konnte den Ball im Strafraum vor einem Abstoß nicht festhalten und Berlinski holte ihn sich unter starkem Körpereinsatz. Daraufhin riss Kristof den RWE-Stürmer rabiat um und der Schiedsrichter pfiff den berechtigten Elfmeter für Essen. Kaum einer auf den Rängen erwartete was Gutes, zu oft vergaben die rot-weissen in der Vergangenheit vom Punkt. So auch diesmal. Cedric Harenbrock war der Unglückliche, der zwar platziert schoss, Nicolas Kristof aber die Ecke ahnte. Auch der Nachschuss saß nicht, Harenbrock verstolperte den Ausgleich in aller Aufregung vor dem leeren Tor. Viel Pech, vor allem da im direkten Gegenzug Essen das zweite Tor durch Kevin Koffi kassierte (10. Spielminute), der einfach ohne Gegenwehr durch die Abwehr durchmarschierte und dann RWE Torhüter Jakob Golz erfolgreich überlupfte - Alu-Glück inklusive.In der 13. Spielminute war es dann einmal Essen, das mit einem schönen Angriff über Isiah Young zum Torerfolg durch Berlinski kam. Das erste Tor in Liga 3 für RWE. Es sollte die beste Szene des Spiels bleiben. Der Stürmer musste dann noch ausgewechselt werden, das Foul vom Elversberger Torhüter hatte ihn wohl doch mehr zugesetzt. Für ihn kam Simon Engelmann (Regionalliga Top-Torjäger). Völlig unbeeindruckt vom Gegentreffer zeigte sich die SV Elversberg. Erst scheiterte Luca Schnellbacher in der 19. Spielminute an Jakob Golz, konnte ihn dann aufgrund von überflüssigen und unglücklichen Abwehrfehlern (Fehlpässen, Querschlägern) gleich doppelt überwinden (23. und 26. Spielminute). Das saß. Gefühlt war jeder Schuss von Elversberg drin. Halbzeitstand 1:4. Nach dem Wiederanpfiff versuchte Essen ein schnelles zweites Tor mit viel Einsatz zu erkämpfen, das gelang nicht, da die SV Elversberg gut verteidigte und auch Zeit von der Uhr mit auf dem Rasen herumliegen nahm. Ein zweites Tor für RWE hätte dem Ganzen noch einmal einen Schub geben können mit der Wucht von den Rängen. Stattdessen kam es noch bitterer für Essen. Semih Sahin zog in der 82. Spielminute ab und markierte den 1:5 Endstand. Dass das Ergebnis nicht noch höher ausfiel, war auch RWE Schlussmann Golz zu verdanken, der einige Male gut parierte.  Willkommen in Liga 3 RWE. Es gilt nichts schönzureden, aber man sollte auch nicht alles verdammen. Die meisten Fans im Stadion sahen das so und applaudierten dem Team und sprachen Mut zu. Die verdiente Abreibung kam zur richtigen Zeit, denn nun hat man zwei Wochen Zeit sich neu zu ordnen und Fehler zu korrigieren. Rot-Weiss Essen ist als Team stark genug, um erfolgreich zu sein. Ja auch mit einer starken (bzw. verstärkten) Regionalligamannschaft kann man in der 3.Liga mithalten, wenn alle Räder in einander greifen. Spieltag 1 von 38 ist nicht gut gelaufen. Aber RWE ist auch nicht angetreten um alle 38 Spiele zu gewinnen. Weiter geht es. Es kommen noch 37 Spieltage. Ein Blick elf Monate zurück: In der Regionalliga West Saison 2021/2022 vergeigte RWE das erste Heimspiel. Gegen den SV Straelen gab es eine 1:4 Pleite, aber nur wenige Tage später gab es einen Auswärts-Derbysieg beim Wuppertaler SV. Der nächste Spieltag der 3. Liga ist in zwei Wochen (aufgrund DFB-Pokalpause). Dann fordert der MSV Duisburg Rot-Weiss Essen im Ruhrpott-Derby.Fotos: frontalvision Sport Photo Agency

Jetzt in der App abspielen

Oberhausen vs. Aachen: Sehenswerter Regionalliga-West Auftakt auf Platz und Rängen

23.07.2022 00:00:00

Eine bessere Begegnung hätte man sich für den Auftakt der Regionalliga-West Saison 2022/2023 nicht wünschen können: Rot-Weiß Oberhausen gegen Alemannia Aachen. Viel Fußballgeschichte und dazu ein gut gefülltes Stadion Niederrhein mit einer bordeauxrot leuchtenden Heimtribüne und einem gut aufgelegtes schwarz-gelben (eigentlich nur gelb) Gästeblock. Über zwei Monate nach dem Ende der vergangenen Saison, die die Alemannia am Ende auf Platz zwölf und RWO auf Platz vier beendete, nun der Startschuss um die besten Plätze in Liga vier.Für die Fans aus Aachen war - auch neutral betrachtet - die letzte Spielzeit eher zum Vergessen. Zwar konnte man mit einem Punktgewinn im April diesen Jahres kurzzeitig den späteren Aufsteiger Rot-Weiss Essen noch ärgern und in der Folge durch eine sportlich positive Serie den Hals aus der Abstiegsschlinge ziehen, trotzdem gab es in der Saison 2021/2022 viel sportlichen Frust rund um den Tivoli. Dabei ging es im ersten Spiel der vergangenen Saison gut los. Beim Auftaktmatch in Münster ging man früh in Führung, kassierte kurz vor der Halbzeit den Ausgleich und verlor am Ende in der Nachspielzeit. Mit Auftaktspielen hat die Alemannia so ihre Probleme. Der letzte Dreier gelang vor sechs Jahren (2016/17) gegen die Sportfreunde Siegen. Anders dagegen die Stimmung in Oberhausen. Seit Jahren können die Kleeblätter immer gut mit den Top-Teams mithalten und das mit ihren (selbst umschriebenen) „minimalen“ Mitteln. Vor drei Jahren wäre ihnen fast der Coup gelungen Viktoria Köln den Aufstieg zu versauen und selber in die 3. Liga hochzugehen. Am Ende fehlten drei Punkte. In der abgelaufenen Saison blieb man zwar ungeschlagen gegen den Aufsteiger und Rivalen RWE (zweimal 1:1), am Ende waren es aber zwölf Punkte Rückstand auf den ersten Platz. Trotzdem: Bei den Anwärtern auf den Meistertitel der Regionalliga West ist Rot-Weiß Oberhausen immer mit im Topf.In diesem Jahr sind die Kandidaten für den Spitzenplatz (und damit den Aufstieg) Preußen Münster, der SV Rödinghausen, der Wuppertaler SV, RWO und Fortuna Köln und ja vielleicht auch Alemannia Aachen, wenn man das gestrige Spiel insgesamt sieht. Die Saison ist lang und die Favoriten werden sicherlich auch in dieser Saison bis zum Ende alles reinhauen ob auf sportlichem Weg oder unsportlichen wie z.B. plötzliche Spielabsagen aufgrund eines gefrorenen Bodens bei 12 Grad, fehlende Bälle und Balljungen oder Abwerbeversuchen von gegnerischen Spielern, um Unruhe beim Konkurrenten zu stiften. Mit Düren, Kaan-Marienborn und dem ambitionierten 1. FC Bocholt sind auch drei neue ambitionierte Klubs mit dabei in der Amateur-/Profiliga RL-West. Es ist alles drin in den 34. Spieltagen, das zeigte auch der gestrige Auftakt. Das Eröffnungsspiel bot einiges auf Rasen und Rängen. So leiteten die Fans beider Mannschaften die Saison mit sehenswerten Pyroshows und Choreographien ein und lieferten über das ganze Spiel einen starken Support. Dass nur 5.280 Zuschauer im Stadion Niederrhein waren merkte man fast gar nicht. Unterstützt von den Gesängen ging das Spiel munter los. Beide Teams hatten sich ordentlich was vorgenommen, aber der Schock für die Alemannia kam früh und das ausgerechnet durch einen ehemaligen Aachener Spieler.In der dritten Spielminute nahm Nils Winter Maß und knallte den Ball von außerhalb des Strafraums in die Maschen. Da war nix zu machen für den Aachener Keeper. Party in der Emscherkurve, eine kurze Verschnaufpause beim gelb-schwarzen Anhang. Aber die gut 1.500 mitgereisten Aachener Fans, die zum größten Teil in gelben 12.Mann Motto-Trikots anreisten (die Mannschaft trug diese auch beim Aufwärmen), brauchten nicht lange um den ersten Frust wegzuwischen. Weiter ging es. Nur vier Minuten nach dem Führungstreffer durch RWO explodierte dann die Kanalkurve. Nach einem Freistoß stand Jannik Mause goldrichtig und versenkte den Ball mit dem Kopf im Tor. Denkste. Der Linienrichter sah das anders und entschied auf Abseits. Schwer zu entscheiden ohne Videobeweis, aber aus der Perspektive des Autors war Mause eher auf gleicher Höhe als im Abseits, dafür stand ein Mitspieler hinter ihm in der verbotenen Zone und machte eine Schußbewegung, berührte aber nicht den Ball. Eine knifflige Situation. Für Aachen aber mit Folgen, denn das Tor fehlte am Ende. Weiter ging es für Aachen und zwar mit ordentlich Druck und immer wieder Mause. In der 31. Spielminute rissen alle die Arme hoch, köpfte doch der 24jährige den Ball in Richtung leeres Tor. Aber ein RWO Spieler fing den Ball ab und kickte ihn raus. Ob vor oder hinter der Linie kann man nicht sagen. Die Torlinientechnik gibt es nicht in der Regionalliga West. Was man aber sagen kann ist, das Aachen wirklich Pech hatte, denn kurz nach dem „Nicht Tor“ gab es ein Tor, aber auf der Gegenseite. Oberhausen agierte stark und konsequent: Das Team von Mike Terranova nutzte eiskalt einen Fehler in der Aachener Abwehr und Sven Kreyer stand völlig frei und brauchte nur noch einnetzen. Halbzeitstand 2:0. Kein Traum-Zwischenergebnis für die Aachener Fans, für Oberhausener dagegen schon, die sich schon als ersten Spitzenreiter der jungen Saison feierten. Aber noch waren 45 Minuten zu gehen und die hatten es nochmal in sich. Vor allem weil RWO sich nur auf das Verteidigen konzentrierte und mit schnellen Kontern versuchte das Spiel zu entscheiden. In der zweiten Hälfte machte vor allem Aachen das Spiel. Belohnt wurden sie dafür früh. Nach einem Foul an Elsamed Ramaj im Strafraum, verwandelte Tim Korzuschek locker den fälligen Elfer. Das Team von Fuat Kilic versuchte es nun hoch und weit, aber der Ball wollte sich einfach nicht ins Tor senken. Bei RWO im Kasten: Wieder Daniel Davari. Nach seiner zweijährigen Stippvisite in Essen, ist er zurück zwischen Kanal und Emscher und zeigte gestern sowohl seine Klasse, aber auch noch die eine oder andere Unsicherheit. Aachen erkannte das und warf alles nach vorne. Oberhausen konterte unter anderem mit dem eingewechselten Kilian Skolik, der zwar ein ordentliches Laufpensum absolvierte, aber glücklos blieb. Genauso wie am Ende die Alemannia. Auch wenn ein Unentschieden vom sportlichen Verlauf des Spiels gerecht gewesen wäre, blieb es beim 2:1 für Rot-Weiß Oberhausen. Das war erst der Auftakt. Die Saison ist noch lang. In der kommenden Woche reist Oberhausen zur zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach und Alemannia Aachen erwartet zu Hause im heimischen Tivoli den Aufsteiger 1. FC Düren.Alle Fotos (c) frontalvision Sport Photo Agency > turus Fotostrecke RWO > turus Fotostrecke Alemannia Aachen

Jetzt in der App abspielen

Ahu! Hansa Rostock II überrascht mit 4:0-Sieg beim Regionalligisten Luckenwalde

19.07.2022 00:00:00

Freundschaftsspiel in Luckenwalde? Kann man mal machen. Rein in den Regio und ab in Richtung Fläming. Wurde man bei Ankunft noch von einem herzhaften Regenschauer begrüßt, so brachen wenig später die Sonnenstrahlen durch, sodass der Besuch im Werner-Seelenbinder-Stadion eine durchaus nette Angelegenheit wurde. Auf der Haupttribüne sitzend fühlte sich das Ambiente wie bei einem Testspiel in einem Trainingslager in Spanien, Portugal oder in der Türkei an. Unten die sich aufwärmenden Spieler auf dem satten Grün, auf den Rängen die Zuschauer in einem bunten Mix. Rund 50 angereiste Hansa-Fans, ein paar heimische Zuschauer und dazu etliche Spieler- und Spielbeobachter.  Zu beobachten gab es einiges. Auf der einen Seite wollte man in Erfahrung bringen, in welcher aktuellen Verfassung der Regionalligist FSV 63 Luckenwalde ist, auf der anderen Seite war man gespannt, was das Überraschungspaket F.C. Hansa Rostock II bieten würde. Nach der vergangenen Oberliga-Saison gab es einen großen Umbruch - gleich 12 Spieler verließen die Hansa Amateure. Unter ihnen Bill Willms, der zu Anker Wismar ging, und Henry Haufe, der nun beim FSV Bentwisch unter Vertrag steht. Bill Willms war quasi ein echtes Urgestein bei den Amateuren, am 1. Januar 2015 kam er vom VfL Bergen 94 nach Rostock. Satte 175 Partien absolvierte er in der NOFV-Oberliga, als Verteidiger erzielte er immerhin fünf Treffer.    Henry Haufe hatte zuletzt immerhin vier Jahre bei den Amateuren des F.C. Hansa gekickt, war aber davor bereits von 2008 bis 2010 und von 2013 bis 2014 unter Vertrag. Nicht mehr an Bord der Kogge ist auch Nick Stepantsev, der aus der eigenen Jugend kam und nun zu Hannover 96 II wechselte. In der vergangenen Spielzeit schoss er in 29 Partien satte 19 Tore. Gemeinsam mit Bill Willms zu Anker Wismar ging nun im Sommer auch Julian Hahnel, der bereits in der U16 / Jugend des F.C. Hansa Rostock gespielt hatte.    Kurzum: Etliche bekannte Gesichter verließen die zweite Mannschaft von Hansa Rostock, und demzufolge kamen auch etliche neue Spieler an Bord. Unter anderen rückten fünf Spieler von der U19 in die U23 auf: Leon Borkovic, Oliver Zajac, Randy Dei, Lucas Juhrmann und Noah Hoffmann. Von der ersten Mannschaft wechselten drei Spieler in den Kader der Amateure. So zum Beispiel Luca Horn, der beim FSV Zwickau und bei Hansa bereits 30 Drittligaspiele absolvierte und gegen Meppen einen Treffer erzielte. Bereits 42 Partien in der 3. Liga absolvierte Oliver Daedlow für Hansa Rostock und den TSV Havelse. Daedlow war von Hansa an Havelse ausgeliehen, kehrte nach Rostock zurück und spielt nun bei den Amateuren.   Wer sonst noch kam: Max Hagemoser von der U19 des 1. FC Köln, Marcel Kohn von Germania Halberstadt, Louis Köster von der U19 des FC Schalke 04, Nico Rieger von der U19 des 1. FC Heidenheim, Marcio Pälchen vom VfL Halle 96, Tom Seidel von der U19 des Chemnitzer FC, Ephraim Eshele von Stadtallendorf und Len Koch vom MSV Neuruppin. Marcio Pälchen, der sowohl die deutsche als auch die brasilianische Staatsangehörigkeit hat, absolvierte für die Hallenser 28 Oberligaspiele und traf zweimal ins Schwarze.   Gespannt durfte man in Luckenwalde einen Blick auf die Startaufstellung werfen. Im Gehäuse fand May Hagemoser seinen Platz, als Kapitän ging Marcel Kohn von Beginn an zu Werke, im Sturm durfte sich anfangs Ephraim Eshele probieren. Zur Pause wurde dann munter gewechselt, und es kamen sieben neue Spieler auf den Platz, unter ihnen Stürmer Mike Bachmann.   Zu sehen gab es zwei unterhaltsame Halbzeiten, in denen vor allem in den ersten 45 Minuten der Gastgeber teils sehr gute Möglichkeiten hatte - diese aber vergeigte. Hansa Rostock II zeigte eine solide Leistung und ging Dank des Treffers von Louis Köster in der 19. Minute mit 1:0 in Führung. Gute Laune unter den rund 50 Hansa-Fans, die das Wetter, das Bier und das Beisammen genossen. Es herrschte große Vorfreude. Die Saison konnte beginnen. Man freute sich nicht nur auf die kommenden Spiele der Profis, sondern auch auf die Partien der Amateure. Gleich am ersten Spieltag geht es zum 1. FC Frankfurt (Oder). Für viele ist dieser Auftritt im Stadion der Freundschaft ein Muss. Am Abend zuvor spielen noch die Profis im Ostseestadion gegen Bielefeld? Egal! Kein Weg ist zu weit. Egal, wie früh der Wecker klingelt - auch die Amateure sollen unterstützt werden.   Man munkelt, dass Hansa Rostock II ganz oben mitspielen könnte in der kommenden Saison. Zwar sind generell die zweiten Mannschaften nicht wirklich beliebt und erwünscht in den höheren Ligen, doch würde manch eine Regionalliga-Partie durchaus locken. Was tun, wenn theoretisch zeitgleich die erste Mannschaft gegen Heidenheim spielt und die Amateure bei Chemie Leipzig antreten würden? Ein vielsagendes Lächeln bei manch einem Hansa-Fan. Auf Leutzsch und Probstheida hätte man halt auch mal richtig Bock.   Das Feld der aktuellen Nord-Staffel ist indes attraktiv genug. Mit den Aufsteigern 1. FC Frankfurt (Oder) und SG Dynamo Schwerin kam sehr Feines dazu. Und nach Rathenow und Fürstenwalde kann es halt auch mal wieder gehen. Und was das Spiel in Luckenwalde betrifft, so überraschten die Hansa Amateure wirklich. In der zweiten Halbzeit zog man dem Regionalligisten den Zahn, nach einer Stunde erhöhte Nico Rieger auf 2:0. Erste Gesänge ertönten, die Laune unter den Hansa-Fans wurde immer besser.   Muffig wurden indes ein paar ältere Zuschauer hinter uns auf der Haupttribüne. Der eingewechselte Mike Bachmann machte in der 81. und 89. Minute noch zwei Buden und erhöhte somit auf 4:0. Die Luckenwalder waren bedient, die Hansa-Fans baten die Spieler zum Abklatschen heran. Diese sollten zudem auf einer McPom-Fahne unterschreiben. Auf eine gute Saison! Auf weitere gute Spiele! Heute Abend treten die Amateure zum nächsten Test im Stadion Rugwisch in Travemünde an. Gegner ist der 1. FC Phönix Lübeck. Anmerkung: Das Buchprojekt „Kaperfahrten II“ läuft an. Wer mich / uns unterstützen möchte (Grafik, Druck, etc. wird alles selber finanziert), eventuell noch nicht Band I hat oder Interesse an eines der anderen Bücher hat, der schaue einfach hier vorbei: www.marco-bertram.de Fotos: Marco Bertram, Jens > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock 

Jetzt in der App abspielen

Fragen über Fragen beim internationalen Vergleich zwischen Viktoria Berlin und Lipno Stęszew

18.07.2022 00:00:00

Lang ist es her! 2012 war Opalenica Herberge für die Mannschaft Portugals bei der EURO in der Ukraine und Polen. Portugal schaffte es damals bis ins Halbfinale und scheiterte in Donezk an Spanien. Die ganze EURO ging damals einfach an mir vorbei. Ich hatte keine Lust. Der Spaß war vergangen. Wegen dieser Veranstaltung gab es damals heftige Drangsalierungen gegenüber polnischen Fußball-Fans zu beklagen. Lieber machte ich etwas in der komplett leeren Uni-Bibliothek, wenn die deutsche Mannschaft ein Spiel hatte. So komme ich nach über zehn Jahren am Bahnhof in Opalenica an. Und was sehe ich? Ein Relikt aus dieser Zeit. Auf Englisch verweist noch ein Schild auf alle möglichen Einrichtungen der Stadt. Persönlich finde ich es eigentlich in Opalenica nicht so schlecht. Ein nettes Städtchen. Das muss ich zugeben. Man merkt, dass einmal renoviert wurde, aber so wurde es dann auch gelassen. Am besten hat mir der futuristische Eingang zum Fußgängertunnel gefallen. Dieser Tunnel selbst war dann noch ein Zacken besser. Mehr als zwei Meter Platz zwischen Decke und Boden konnten das nicht gewesen sein.    Die weiteren Highlights des Städtchens passiert man alle auf dem Weg zu Stadion. Als wenn ich es nicht geahnt hätte. Am Morgen war ich eigentlich ziemlich stolz auf meine geringe Liste an Zonks bzw. Nebenplätzen. Ich spaziere durch den Park zum Stadion, das sehr gut in Schuss ist, aber heute verwaist. Dann wurde aus der Befürchtung Gewissheit: Ein weiterer Nebenplatz wird sich in der Liste wieder finden. Wenn man schon mal hier ist … Eine andere Rückverbindung hätte ich eh nicht gehabt. Das internationale Testspiel zwischen Lipno Stęszew und Viktoria Berlin wurde also auf Platz 4 der Hotelanlage ausgetragen. Was? Die große Viktoria bekommt nur einen Bolzplatz zugewiesen? Trotz des Ansetzungsplakats schienen auch die Polen begriffen zu haben, dass Viktoria keine Hertha oder Union ist. Viktoria ist Viktoria. Sie ist einfach da. Wie der Deckel über der Schutzfolie eines Quarkbechers. Wenn es sie nicht mehr geben würde, würde auch kein Hahn danach krähen.  Erinnert sich noch jemand an den VfB Lichterfelde? Lange Tradition, weg und dann vergessen. Viktoria verabschiedete sich aus Liga 3 und startet nun in Liga 4 und bäckt in dieser Saison mit einer fast komplett neuen jungen Mannschaft kleinere Brötchen. Temporär wahrscheinlich. Dank der schon so häufig kritisierten Aufstiegsregelung wird es dann in der Saison 2023/24, wenn bis dahin die Welt noch nicht untergegangen ist, vermutlich plötzlich wieder eine Viktoria im Aufstiegsrennen geben, denn dann steigt der Ost-Aufsteiger direkt auf. Polen denken häufig, dass in Deutschland alles besser sei. Sie fallen in der Regel aus allen Wolken, wenn ich ein paar Geschichten aus dem Land der Dichter und Denker zum Besten gebe. So ist es eigentlich überall normal, dass Erstplatzierte aufsteigen. Aber nicht im DFB-System! Der Relegationsgegner wäre jedenfalls in dieser Saison der Bayern-Meister. Egal, wer es wird, er wird stärker als jeder andere Ost-Meister sein. Somit hatte eigentlich Lipno von diesem Testkick sehr viel mehr. Sie spielen seit dieser Saison in der höchsten Liga von Wielkopolska. Ein absolut empfehlenswerter Ground mit Tribüne am Badesee, und aktuell bauen sie dort sogar den obligatorischen Gästekäfig. Fanartikel gibt es dort in Hülle und Fülle. Apropos Ground. Ob die drei gelangweilten Burschen an der Eckfahne und der einsame Typ mit dem Rucksack Hopper sind? Wurde die Hopperkasse schon geöffnet? Nein, solche asozialen Sachen haben wir hier nicht. Die Dreiergruppe sprach Polnisch – vermutlich Spieler eines Vereins in der Umgebung - und der einzelne Herr fuhr später mit einem polnischen Auto davon. Genau 50 Zuschauer hatten sich eingefunden. Einen Berliner konnte ich wirklich nicht ausmachen, was noch einmal die Relevanz von Viktoria in der Hauptstadt unterstreicht. BFC Dynamo, Lichtenberg 47, Tasmania – mit Sicherheit hätten diese Vereine richtig Lust auf ein Spiel im Ausland gehabt.    Das ist doch als Fan die größte Sache, die du haben kannst – ein Spiel mit deinem Verein im Ausland. Bei sommerlichen Temperaturen musste Viktoria hat ohne Unterstützung auskommen. Man kennt es ja nicht anders. Von Beginn an drückte Viktoria und ließ Lipno eigentlich nie über die Mittellinie. Am Ende fehlten aber die Erfahrung und die Kaltschnäuzigkeit. Und ganz so blöd stellte sich Lipno in der Abwehr auch nicht an. Die hatten ziemlich harten Beton gemischt. Zur Pause stand es daher 0:0.   „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ So hatte ich ganz fix die Antwort auf die Frage, warum ein so wichtiges Testspiel nur auf Platz 4 ausgetragen wurde. Das schmucke Stadion gehört der Stadt, Viktoria hat ein Trainingslager im Hotel. Überspitzt ausgedrückt: Da kann auch Bayern München kommen, der städtische Verein Promień Opalenica aus Liga 6 hat Vorrang. Was nicht geklärt werden konnte, waren ein gegen Lipno ausgesprochener Hand-Elfmeter nach einer Stunde sowie die Erläuterung dazu, warum die vier Mülltonnen am Spielfeldrand das Logo des VfL Wolfsburg trugen. Ein 0-2 auf Platz 4 ist mir zu wenig. Ich muss noch einmal hier her. Vielleicht erklärt es mir dann jemand … Fotos: Michael

Jetzt in der App abspielen

Auftaktsieg für die roten Teufel - Hannover 96 mit klasse Support

18.07.2022 00:00:00

Nach langen Jahren der Trostlosigkeit, der Misserfolge, der finanziellen Probleme und der teilweise nur mager gefüllten Stadien ist es endlich wieder soweit. Der große 1.FC Kaiserslautern ist zurück in der zweiten Bundesliga. Etwas mehr als 40.000 Zuschauer wollten sich das potentiell mögliche Spektakel gegen die Gäste aus Hannover nicht entgehen lassen.   Der eine oder andere Schaulustige wird sicherlich enttäuscht gewesen sein, aber anders als in den vergangenen Spielen verzichtete man beim FCK ganz bewusst auf eine Choreographie. Man nutzte die Partie vorwiegend dafür die eigene Mannschaft anzupeitschen und über einige Missstände in der internationalen - sowie auch in der eigenen Fußballabteilung aufmerksam zu machen. Das Thema "Katar 2022" wurde thematisiert und auch der Einstieg der "PMG" wurde eher "kritisch" abgewertet.   Sportlich lief für die "Roten Teufel" alles nach Plan. Dank eines sehr späten Treffers in Nachspielzeit platzte das Stadion nochmal aus allen Nähten und ein zaghaftes "Spitzenreiter, Spitzenreiter" hallte durch das weite Rund. Weniger bundesligatauglich präsentierte sich der Verein außerhalb des Spielfeldes - das Catering präsentierte sich in unseren Bereichen auf der "Süd" völlig überfordert, hatte teilweise aber auch gar keine Getränke mehr zur Verfügung.    Der neue Sicherheitsdienst hatte auch eher weniger Interesse am Abtasten der Leute und kümmerte sich auch nicht um die Leute, die über die Eingangsdrehkreuze sprangen. Alles in allem ein schöner Ausflug in die Pfalz, aber beim Personal sollte wohl nochmal nachgeschult werden.   Die Gäste aus Hannover hingegen legten großen Wert auf die optische Untermalung der Partie und begannen mit einem Fahnen/Strobo-Intro. Zu Beginn der zweiten Halbzeit folgte eine weitere kleine Choreo der "Gruppe Unterrang", die sich vor fünf Jahren in Kaiserslautern zusammengefunden hatten und die Gruppe ins Leben riefen.    Die Mitmachquote sollte trotz des ungenügsamen Spielverlaufes aber dennoch solide bleiben und auch die Lautstärke wusste zu Gefallen, aber so eine Sonderzugfahrt von Hannover in die Pfalz sorgt bei vielen Mitfahrern eben für allseits gute Laune.    > zur turus-Fotostrecke: 1. FC Kaiserslautern > zur turus-Fotostrecke: Hannover 96 Bericht: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) Fotos: Dominik S., "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

Rückkehr des FC Winterthur: Zum Auftakt ein Remis gegen Basel

18.07.2022 00:00:00

37 Jahre lang war es mittlerweile her, dass der FC Winterthur erstklassigen Fußball spielen durfte. Am vergangenen Wochenende war es endlich wieder soweit und als Begrüßungsgeschenk wurde ein Eröffnungsheimspiel gegen den FC Basel kredenzt. Zwei motivierte Kurven und ein paar optische "Schmankerl" also garantiert. Das Stadion, in welchem Tickets für illustre Tribünen wie "Bierkurve" und/oder "Siruskurve" gekauft werden können, platzte aus allen Nähten und bot einen tollen Rahmen für diese Partie. Die unüberdachten Bereiche der Ultras wurden beidseitig für den Einsatz von Rauchbomben genutzt. Basel qualmte das anliegende Hochhaus in ihren typischen rot, gelben und blauen Farben ein und auch Winterthur brannte 45 Minuten später ein wenig rot und weißen Rauch ab. In der ersten Hälfte zeigten sich die Gastgeber kreativ und versuchten ein fahrendes Auto darzustellen, welches die einzelnen Spielorte der teilnehmenden Mannschaften anpeilt.    Einen kleinen Wink in Richtung Schaffhausen konnten sie sich hierbei auch nicht verkneifen. In der zweiten Halbzeit dann der große Auftritt des FC Basel - gleich zweimal feuerte die ausverkaufte Gästekurve, bestehend aus 800 Personen, Batterien und Raketen in den Abendhimmel und wurden hierbei sogar freudig von den Securities gefilmt.    Der akustische Auftritt gefiel mir auf Seiten der Gastgeber allerdings ein wenig besser, ist wegen der verschiedenen möglichen Positionierungen im Stadion aber natürlich mit Vorsicht zu genießen. Und voilà, der FC Winterthur konnte gegen die Basler einen Punkt holen. Nachdem Ramizi den Gastgeber nach drei Minuten in Führung bringen konnte, glich Burger in der 70. Minute für den FC Basel aus. Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) 

Jetzt in der App abspielen

Regionalliga trifft 3. Liga: Sehenswerter Test zwischen Aachen und Essen

16.07.2022 00:00:00

Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen der vielzitierte „Westschlager“ war vor allem in den letzten zehn Jahren immer ein Klassiker auf Rasen und Rängen in der Regionalliga West. Sensationell und immer oft genannt das Spitzenspiel im Februar 2015, als über 30.000 Fans zum Aachener Tivoli pilgerten und am Ende dann doch keiner der beiden Traditionsvereine in die 3. Liga aufstieg. Dann in der vergangenen Viertligasaison im April trotzten die abstiegsgefährdeten Aachener vor knapp 11.000 Zuschauern den Essenern am Ende tatsächlich noch einen Punkt ab, obwohl RWE über weite Strecken die überlegene Mannschaft war.Für die Aachner war dieser Punktgewinn am 10. April 2022 gegen den alten Rivalen ein Wendepunkt und motivierte sie noch einmal richtig im Abstiegskampf der Regionalliga West. Ja tatsächlich der Europapokal Teilnehmer von 2005 stand kurz vor dem Absturz in die fünfte Liga, kam aber nach dem Heimspiel gegen Essen richtig stark zurück und durfte am Ende die Saison auf Platz zwölf mit fünf Punkten über dem Strich abschließen. Und Rot-Weiss Essen? Ja die Geschichte ist schon geschrieben und wir wissen alle um den spektakulären Ausgang der Saison 2021/2022. Aber nach Abpfiff im Tivoli am 10. April machte sich ersteinmal viel Frust breit. Münster war nun zwei Punkte enteilt und die Fans sahen den Aufstieg in der Ferne verschwinden. Zwar patzten die Preußen einen Spieltag später selber (in Lippstadt), aber Essen auch (zu Hause gegen Mönchengladbach). Aber am Ende wendete sich das Blatt für RWE noch verdient zum Guten, auch dank dem "Hexer von Wiedenbrück". Am vorletzten Spieltag als Aachen zu Hause gegen die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf den Klassenerhalt sichern konnte, schafften es die Preußen nicht den Torwart Marcel Hölscher vom SC Wiedenbrück zu überwinden. Das Spiel endete 0:0, während RWE einen Tag später mit einem 3:0 gegen den SV Rödinghausen die Vorlage für die pure Ekstase am 14. Mai (Heimspiel gegen Ahlen) legte.Rot-Weiss Essen spielt in dieser Saison in Liga 3 und die Euphorie kennt keine Grenzen. Die Mitgliederzahl explodierte (über 8.000) und auch die Anzahl der verkauften Dauerkarten knackt vielleicht noch die 10.000. Die Stadt ist in purer Vorfreude auf kommende Woche, wenn der SV Elversberg in einem mit Sicherheit ausverkauftem Heimbereich des Stadions an der Hafenstraße seine Drittliga-Visitenkarten abgibt. Dann endet die stramme Vorbereitung auf die neue Liga und neue Saison mit neuem Trainer (Christoph Dabrowski), die vor einem Monat (16. Juni) begonnen, als 3.000 Fans zum ersten Training an die Hafenstraße pilgerten.Auch in Aachen hat man die letzte Saison längst abgehakt. Neu verstärkt auch mit Spielern aus Essen (David Sauerland, Felix Heim) soll die kommende Spielzeit anders verlaufen. Alemannia Aachen eröffnet die Regionalliga West Saison nächsten Freitag bei Rot Weiß Oberhausen. Da kam der heutige knackige Test zur Saisoneröffnung ganz recht. Leider wollten nur 2.700 Zuschauer (gezählte 70 Gästefans) das Duell sehen. Den anderen war vielleicht zu warm und sie lagen bei einem kühlen Blonden im Planschbecken und schauten das Spiel im Stream. Die da waren verbreiteten aber eine recht gute Stimmung. Rot-Weiss Essen agierte robust und hatte wie schon im April die besten Möglichkeiten zur Führung auf dem Fuß. Aachen hielt gut dagegen konnte die  Führung vom Essener Neuzugang Ron Berlinski nach Vorlage von Isiah Young in der 29. Spielminute aber nicht verhindern. Essen kontrollierte das Spiel, aber Aachen kam kurz vor dem Pausentee durch Dimitry Imbongo fast zu einem Abschluß, aber die Essener Nummer eins Jakob Golz lenkte den Ball zur Ecke.Die zweite Halbzeit begann mit einer Unaufmerksamkeit in der Aachener Hintermannschaft und einem frühen Tor für RWE: Nach einer schönen Flanke von dem eingewechselten Lawrence Ennali (auf Leihbasis von Hannover 96 gekommen) stand Ron Berlinski wieder richtig und netzte zu seinem zweiten Tor ein. Aber Aachen gab nicht auf und glänzte in einigen Szenen. Kunstvoll dann der Anschlusstreffer von Jannik Mause, der seinen Volleyschuss mit Alu-Hilfe im Essener Tor versenkte. Der Aachener Trainer Fuat Kilic konnte mit der zweiten Hälfte seines Teams zufrieden sein auch wenn zum Ende des Spiels wild durchgewechselt wurde. Auf Essener Seite kam Regionalliga-Rekordtorschütze Simon Engelmann und stellte seine Fähigkeiten in der 67. Spielminute einmal unter Beweis in dem er locker die 3:1 Führung und den Endstand erzielte.Es war ein gutes Testspiel mit vielen guten Aktionen auf beiden Seiten. Beide Teams haben noch eine Woche Trainingsarbeit zu gehen, sind aber gut auf die Herausforderungen eingestellt. Wie gut sehen wir dann ab dem kommenden Wochenende. Fotos: frontalvision Sport Photo Agency

Jetzt in der App abspielen

Reichlich Konfliktpotential bei FC Differdange vs. Olimpija Ljubljana

15.07.2022 00:00:00

Für meine Wenigkeit sollte es am heutigen Donnerstag erstmals zu einer Partie der noch relativ jungfräulichen UEFA Conference League gehen. Als Standort wurde das wunderschöne Luxemburg ausgewählt - in diesem Fall mit der Partie zwischen dem FC Differdange und Olimpija Ljubljana. Die Gäste aus Slowenien gerieten vor wenigen Wochen in die Schlagzeilen, als sie bei der gefühlt fünfzigsten Trainervorstellung in den vergangenen fünf Jahren die Pressekonferenz unterbrachen und die Verantwortlichen des Vereines bepöbelten. Auch im Hinspiel vor exakt einer Woche machten die "Green Dragons" einen optisch sehr ansprechenden Eindruck und sahen ein eher maues Remis ihrer MannschaftIn den frühen Morgenstunden brachen wir von Aschaffenburg aus auf und machten uns auf einige Zugverspätungen mit dem allseits beliebten "Neun-Euro-Ticket" bereit. Zu unserer Überraschung überquerten wir die Landesgrenzen pünktlich und nach knapp 5 1/2 h trafen wir in Luxemburgs Hauptstadt ein. Ein Lob geht hierbei auch nochmal an die Architekten des Bahnhofs Koblenz und deren Mitarbeiter, die dafür sorgten, dass der übervolle Zug aus und nach Frankfurt auf der kleinstmöglichen Plattform einrollte und für ein absolutes Chaos sorgte. Ein Ausgang für 500 Leute - Corona hustet "Danke Vallah!"   Nach einer kleinen Sightseeing-Tour durch Luxemburgs Hauptstadt begaben wir uns auf den Weg nach Differdange. In Stadionnähe liefen uns bereits die ersten Gästefans entgegen, welche schlussendlich das Café unmittelbar vor den Stadiontoren in Beschlag nahmen.   Der Gästemob spazierte in englischer Manier erst wenige Minute nach Anpfiff in Richtung des Stadions und stellten sich mit einer Art "Kanonenschlag" vor. Alle wach? Dann kann es los gehen. Die optimistisch aufgerundeten Slowenen konnten sich im Laufe der Partie nur selten bemerkbar machen und fielen eher damit auf, dass sie ein wenig zündelten oder den heimischen Spielern Bier über die Rübe kippten. Unmittelbar neben uns gaben sich ebenfalls gut fünfzig Mann sehr viel Mühe, um ihren FC Differdange in die zweite Runde zu peitschen. Ganz zum Unwohlsein der Gästebank, welche sich nur zwei Meter daneben befand.   An jener Stelle sollte bis zum Ende der Verlängerung auch einiges an Konfliktpotential entstehen. Immer wieder gerieten Leute der Luxemburger Fanszene mit den Akteuren der Slowenen aneinander und mussten von der eher gechillten Security besänftigt werden. Auch im Gästeblock bildete sich zeitweise eine Kette aus blau-gekleideten Fachkräften der Sicherheit in unmittelbarer Entfernung zu den Fans und wirkte zumindest wachsam (bis auf das Vermummen und Zündeln, welches ihnen ziemlich unwichtig erschien).   Zurück zum Sportlichen - Differdange spielte wohl eine ihrer besten Halbzeiten der internationalen Vereinsgeschichte und drückte Ljubljana regelrecht an die Wand. Dass es nur mit einem 1-0 in die Pause ging, verdankten die Gäste ihrem Keeper, dem Aluminum und der Unfähigkeit der Offensivspieler.    In der zweiten Halbzeit wendete sich das Blatt, Ljubljana wurde stärker und kam im letzten Drittel der regulären Spielzeit zurück. Ein harmlos erscheinender Distanzschuss landete im langen Eck. Zum Unmut der ausverkauften Haupttribüne verteilte der ungewohnt englische kleinliche Schiedsrichter plötzlich eine rote Karte und brachte das Stadion zum Kochen. Die gute Stimmung kippte ein wenig und der Faktor "Hass" übernahm die prägende Rolle. Differdange verteidigte aber auch zu zehnt sehr souverän und musste sich kurz vor Schluss der Verlängerung doch nochmal geschlagen geben. Der typisch osteuropäisch erscheinende "Holzhacker" aus der Innenverteidigung benutzte seinen "großen Onkel" und sorgte für Euphorie auf der slowenischen Bank. Daraus resultieren eben jene besagten Diskussionen im anliegenden Bereich der Fanszene. Auch Flaschen flogen.    Dass an diesem Tage nicht alles normal ablaufen sollte erkannten wir auch, als der junge dunkelhäutige Mann, der offensichtlich als "Kellner" eingesetzt wurde, mitten im "Ultra-Mob" verschwand und supportete, als gäbe es kein Morgen mehr. Eine junge und stark geschminkte Dame ließ sich fatalerweise auf der Treppe unmittelbar neben uns nieder und wurde kurzerhand vom Spielball niedergeschlagen, den ihr ein anderer Fan aus kurzer Entfernung ins Gesicht bugsierte.  Ljubljana darf sich glücklich schätzen in die zweite Runde eingezogen zu sein und ersparte sich in letzter Sekunde eine wohl deftig ausfallende Reaktion ihrer Anhänger, das Schiedsrichtergespann wurde mit Begleitschutz in die Katakomben unterhalb der aufgebrachten Meute gebracht und oberhalb der Katakomben gerieten noch einige Personen verbal und körperlich aneinander. Der von allen akzeptierte Multikulturalismus zeigt in solchen Aktionen manchmal doch sein wahres Gesicht.   Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) > weitere Impressionen vom Spiel

Jetzt in der App abspielen

FC Slovan Liberec vs. MKS Miedź Legnica: Chaotix Supporters mit gutem Auftritt

13.07.2022 00:00:00

Da die Chaotix Supporters des FC Slovan Liberec aktuell mit etlichen Stadionverboten belegt sind, treten diese aktuell meist nur bei Testspielen in Erscheinung. So auch am vergangenen Wochenende beim Heimspiel gegen den MKS Miedź Legnica. Insgesamt hatten sich rund 500 Zuschauer im Stadion u Nisy Liberec eingefunden, unter ihnen 15 Gäste aus Legnica. Auf Heimseite gab es Unterstützung von den Freunden aus Jablonec (Gablonz) und Most (Brüx). Während der FC Slovan Liberec am Ende der zurückliegenden Saison in der ersten tschechischen Liga Rang acht belegte, konnte der MKS Miedź Legnica die Rückkehr in die polnische Ekstraklasa feiern. Bereits 2018/19 gab es ein einjähriges Abenteuer im polnischen Fußballoberhaus, am Ende der Spielzeit 2019/20 scheiterte man in der Aufstiegsrunde mit 1:3 an Radomiak Radom.   In der vergangenen Saison musste indes kein Umweg über die Aufstiegsrunde gegangen werden. Vielmehr durfte gemeinsam mit Widzew Łódź der direkte Aufstieg in die Ekstraklasa gefeiert werden. Am 15. Mai bekamen 5.674 Zuschauer einen 1:0-Sieg gegen Widzew Łódź zu sehen. Den Umweg über die Aufstiegsrunde meisterte Korona Kielce vor über 14.000 Zuschauern gegen Chrobry Głogów. In der 119. Minute erzielte Jacek Kiełb den erlösenden Treffer zum 3:2.   Um zurück auf Legnica und Liberec zu kommen: Während der 1971 ins Leben gerufene Miejski Klub Sportowy Miedź Legnica erst ein Jahr erstklassig spielen konnte und 1992 immerhin den polnischen Pokal holte, ist Slovan Liberec seit 1993 in der ersten tschechischen Liga eine feste Größe. 2002, 2006 und 2012 wurde sogar der Meistertitel geholt. Hinzu kommen die Pokalsiege 2000 und 2015. Im UEFA-Pokal schaffte man es in der Saison 2001/02 bis ins Viertelfinale, wo man sich Borussia Dortmund mit 0:0 und 0:4 geschlagen geben musste. Zuletzt war Slovan Liberec 2020/21 in der Europa League dabei, in der Gruppenphase waren KAA Gent, Roter Stern Belgrad und die TSG 1899 Hoffenheim die Gegner.   Das Freundschaftsspiel am vergangenen Samstag gegen Miedź Legnica konnte Slovan Liberec erstaunlich deutlich mit 3:0 gewinnen. Demzufolge herrschte bei den Chaotix Supporters beste Laune. Ein Hingucker war ein kleines Kind im A.C.A.B.-Shirt, das friedlich einen Schokoriegel mampfte. Arme hoch - etwas Pyro - für ein Testspiel war das Ganze sicherlich keine schlechte Hausnummer.   Fotos: D. Stürmer > weitere Fotos vom von Slovan Liberec

Jetzt in der App abspielen

Gut was los im Max-Reimann-Stadion beim arrangierten Testspiel

13.07.2022 00:00:00

Einst befanden sich dort die Sportanlagen des MTV 1861 Cottbus. Nachdem diese im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, fasste man den Entschluss, diese wieder instandzusetzen. Hunderte Arbeiter der Cottbuser Bau-Union und freiwillige Helfer griffen zu Hacke und Spaten, und bereits vom 15. bis 17. August 1952 konnte das Max-Reimann-Stadion vor rund 20.000 Zuschauern feierlich eingeweiht werden. Benannt wurde das Stadion nach dem damaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in der Bundesrepublik Deutschland.Zum Stadion gehörten einst eine 400 Meter lange ovale Betonpiste als Radrennbahn, die bereits ab 1951 genutzt werden konnte, Sanitär- und Umkleideräume sowie ein Sprecherturm. Jener Turm ist denkmalgeschützt und heute noch zu besichtigen.   Genutzt wurde die Sportanlage in der Folgezeit von den Leichtathleten, den Radsportlern, den Handballern und Boxern. Fußballspiele wurden auf dem Rasen des Max-Reimann-Stadions auch ausgetragen, so wurde dieses von 1955 bis 1957 von Vorwärts Cottbus bespielt.   Nachdem 1987 das neue Cottbuser Radstadion fertiggestellt wurde, erfolgten am Max-Reimann-Stadion die ersten Abrissarbeiten. Erhalten blieben das Eingangstor und der besagte Wettkampfturm. Im Zuge der Umbauarbeiten musste auf dem Gelände auch die einstige Eishalle dem Neubau weichen. Zu finden ist dort in der Gegenwart der Rasenplatz des Fußball-Landesverbandes-Brandenburg.   Das gesamte Sportgelände, auf dem sich auch die Leichtathletikhalle und und die Lausitz-Arena befinden, ist bekannt als Sportzentrum Cottbus. Demzufolge trägt auch die dortige Straßenbahnhaltestelle in der Dresdener Straße diesen Namen.   Da seit Menschengedenken - genauer gesagt, seit 28 Jahren - kein Fußballspiel mehr in diesem Stadion ausgetragen wurde - warum findet dort nicht einmal ein Brandenburger Landespokalfinale statt? -, bot sich für viele Fußballfreunde kürzlich ein Freundschaftsspiel an, um endlich einmal ein Häkchen in der persönlichen Statistik machen zu können.    Mehrere hundert Groundhopper reisten aus den verschiedensten Ecken an, am Ende waren es 521 zahlende Zuschauer, die eine prima Kulisse bildeten. Das Ganze wurde 1a organisiert, und somit hatte jeder, der vor Ort war, seine Freude. Auf dem Rasen traten die SG Graustein (1. Kreisklasse Süd) und die zweite Mannschaft des VfB Cottbus 97 (Kreisliga Niederlausitz) gegeneinander an.   In der fünften Spielminute konnte Paul Drescher die SG Graustein mit 1:0 in Führung bringen, in der Folgezeit drehten jedoch Tobias Schwan, Oliver Weber (2x), Dominic Uhlig und Nico Klammer die Angelegenheit. Am Ende konnten die Cottbuser das Testspiel gegen die Jungs aus Spremberg mit 5:1 für sich entscheiden. Für Freude unter den zahlreichen Hoppern sorgte die Pyro-Einlage zu Beginn der zweiten Halbzeit. Unter der markanten Anzeigetafel brannte und qualmte es ein wenig, und die Kameras und Smartphones konnten in Stellung gebracht werden.   Fotos: D. Stürmer > weitere Fotos vom Max-Reimann-Stadion

Jetzt in der App abspielen

NOFV-Oberliga Nord: Frankfurt (Oder) und Dynamo Schwerin als geniale Puzzlestücke!

07.07.2022 00:00:00

So, blau-weiß-rote Freunde, die Sextouristen-Zaunfahne darf bereits zurechtgelegt werden. Nach über fünf Jahren geht es mit den Amateuren des F.C. Hansa Rostock wieder ins altehrwürdige Stadion der Freundschaft in Frankfurt (Oder)! Unvergessen der schmerzfreie Auftritt einiger Hansa-Fans im Mai 2017. Zuerst hübsch in Slubice vortanken - und dann mit dem blanken Hintern rauf auf die Zaunkrone! Auf Heimseite war nicht jeder angetan vom Rostocker Auftritt, doch nach fünf Jahren in der Brandenburg-Liga dürfte die Freude groß sein, in der kommenden Saison endlich wieder überregionale Gäste begrüßen zu dürfen. Es war wahrlich beeindruckend, welch eine Serie die Mannschaft des 1. FC Frankfurt (Oder) in der Schlussphase der Rückrunde hinlegen konnte. Keine Frage, das war aller Ehren wert! Am 21. Mai 2022 konnte Dank des 6:1-Sieges gegen den SV Altlüdersdorf die Tabellenführung erobert und am Oranienburger FC Eintracht 1901 vorbeigezogen werden. Waren es bei jenem Spiel noch 130 Zuschauer, so schauten drei Wochen später beim Heimspiel gegen Union Klosterfelde bereits über 400 Fußballfreunde im Stadion der Freundschaft vorbei. Nach dem 3:1-Sieg gab es Freibier, und es wurde bis in den späten Abend hinein gefeiert und sich ausgetauscht.   Der Sack zugemacht wurde in Werder (Havel), und somit wurde ein fehlendes Puzzlestück in der Oberliga-Landkarte hinzugefügt. Der Standort Frankfurt (Oder) gehört einfach dazu! Ebenso mit von der Partie ist die 2003 neu ins Leben gerufene SG Dynamo Schwerin, die an die Tradition der alten SG Dynamo Schwerin nahtlos anknüpfen möchte. Unvergessen ist der Einzug ins FDGB-Pokalfinale 1990, als man als PSV Schwerin denkbar knapp der SG Dynamo Dresden mit 1:2 unterlag, aber trotzdem in den Europapokal der Pokalsieger einzog. Gegen Austria Wien gab es zwar sportlich nichts zu holen, doch wurde sich wirklich wacker geschlagen.   Seit 2003 kämpfte sich die (neue) SG Dynamo Schwerin wieder von der Kreisliga hoch, verweilte dann eine gefühlte Ewigkeit in der Landesliga und startete dann den Durchmarsch in die NOFV-Oberliga. Ausgerechnet beim letzten Pflichtspiel auf Paulshöhe gelang gegen Anker Wismar der Sprung nach oben, und 2.300 Zuschauer wussten dies gebührend zu feiern!    Nach über 32 Jahren wird es nun ein Wiedersehen von den Oderstädern und den Schwerinern geben. Von 1988 bis 1990 spielten der FC Vorwärts Frankfurt (Oder) und die SG Dynamo Schwerin gemeinsam in der Staffel A der DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse). Zuvor gab es vier FDGB-Pokalspiele gegen Vorwärts Frankfurt (Oder) bzw. Vorwärts Berlin. Unvergessen ist das Pokalspiel am 20. November 1971, als die Frankfurter auf Paulshöhe vor 3.000 Zuschauern mit 6:5 (!) nach Verlängerung gewinnen konnten. Den Siegtreffer zum 6:5 erzielte Wolfgang Strübing in der 99. Minute. In den insgesamt acht Aufeinandertreffen konnte Vorwärts siebenmal gewinnen, am 3. Dezember 1988 gab es in Schwerin ein 1:1 zu sehen. Zeit für eine Revanche? Dynamo Schwerin freut sich sehr auf ein Wiedersehen mit den Frankfurtern!   Ebenso freut man sich bei der SG Dynamo Schwerin auf die Stadtduelle mit dem FC Mecklenburg Schwerin. Während der FC Mecklenburg im Hauptstadion des Sportparks Lankow spielen darf, wird die SG Dynamo mit einem Nebenplatz abgespeist. Vor allem zuschauertechnisch wird man in der kommenden Saison zeigen wollen, wer die klare Nummer eins in der Landeshauptstadt ist. Nicht weit wird man es zudem zum Auswärtsspiel nach Pampow haben, wo die „grünen Piraten“ den Nachbarn zeigen möchten, dass mit ihnen jederzeit zu rechen ist,   Willkommen in der Oberliga! Auf nach Berlin! Die SG Dynamo Schwerin darf in der kommenden Spielzeit gleich siebenmal nach Berlin düsen. Hinzu kommt der RSV Eintracht 1949, der südlich von Berlin in Stahnsdorf ansässig ist. Gleich los geht es mit einem Auswärtsspiel am 6. oder 7. August bei der Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin. Besser geht es eigentlich kaum. Schön gemeinsam mit den Anhängern von Blau-Weiß 90 im Volkspark Mariendorf ein paar Bierchen zischen und über alte Zeiten plaudern. Als einst die Mauer fiel, spielten beide Vereine zweitklassig. Blau-Weiß 90 in der 2. Bundesliga und Dynamo Schwerin - wie bereits erwähnt - in der Staffel A der DDR-Liga. Was beide Vereine eint: Beide fingen später ganz, ganz unten in der Kreisliga an und arbeiteten sich hoch. Respekt!   Bleibt zu hoffen, dass die Partien Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin vs. SG Dynamo Schwerin und 1. FC Frankfurt (Oder) vs. F.C. Hansa Rostock II an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Beide Partien sind nun mal ein Muss! Was wir sonst so haben in der Nordstaffel der NOFV-Oberliga? Die Absteiger FSV Optik Rathenow, SV Tasmania Berlin und FSV Union Fürstenwalde. Man glaubt es kaum, aber auch für die Tasmanen und die Frankfurter wird das Ganze ein Wiedersehen sein. Wer hat schon auf dem Schirm, dass von 1997 bis 1999 Tasmania Neukölln und der Frankfurter FC Viktoria 91 gemeinsam in der Oberliga gekickt hatten? Ich definitiv nicht.    Mit TUS Makkabi Berlin gibt es zudem einen absoluten Neuling auf der Oberliga-Bühne. Zum Auftakt gibt es indes erst einmal ein lokales Duell gegen den CFC Hertha 06, und auch in der Woche darauf darf sich mit dem Auswärtsspiel beim SC Staaken erst einmal zaghaft herangetastet werden. Am 28. August darf Makkabi schließlich zur SG Dynamo Schwerin reisen. Am Spieltag zuvor steigt das Duell Blau-Weiß 90 Berlin vs. Tasmania Berlin. Am Wochenende 17./18. September darf man sich auf das angesprochene Wiedersehen von Dynamo Schwerin und dem 1. Frankfurt (Oder) freuen. Das Stadtduell SG Dynamo Schwerin vs. FC Mecklenburg Schwerin ist für den 26./27. November 2022 angesetzt. Man darf gespannt sein, wo diese Partie ausgetragen wird, hat der angedachte Nebenplatz ohne großartigen Ausbau nur eine recht geringe Zuschauerkapazität.   Der Fußballroman "Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel" ist erhältlich auf www.marco-bertram.de.  Fotos: Marco Bertram

Jetzt in der App abspielen

Vorwärts! Sparta Ahu! - Reformbühne, Stadthaus, Fanprojekt und Stadionruine als Lesungsorte

07.07.2022 00:00:00

Der 1. FC Frankfurt (Oder) - Nachfolgeverein des ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) - ist jüngst in die NOFV-Oberliga aufgestiegen und der SV Sparta Lichtenberg 1911 feiert aktuell seinen 111. Geburtstag. Während vor allem Vorwärts Berlin in den 1960er für Furore sorgte, sechs Meistertitel einfuhr und große Schlachten auf europäischem Parkett ablieferte, war Sparta Lichtenberg in den 1920er und Anfang der 1930er Jahre eine feste Größe im deutschen Arbeiterfußball. So stand Sparta im Jahre 1931 im Finale der Meisterschaft Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit. Denkbar knapp musste sich Sparta vor 15.000 Zuschauern auf dem NNW-Platz mit 2:3 dem Dresdner SV 1910 geschlagen geben. Zu beiden Vereinen kamen kürzlich zwei Fußballfibeln von unserem turus-Autor Marco Bertram heraus. Während es zu Vorwärts einen Fußballroman zu lesen gibt, handelt es sich bei Sparta Lichtenberg um eine Historie mit einigen langen Interviews mit Sparta-Legenden.Zu beiden Büchern wird es in Kürze Lesungen in Berlin und Leipzig geben. Während am 14. Juli und 31. Juli Marco Bertram allein auftreten wird, gibt es am 10. Juli und 13. Juli gemeinsame Lesungen mit anderen allseits bekannten Autoren. So wird es am 13. Juli beim Berliner Fanprojekt eine gemeinsame Veranstaltung mit Frank Willmann und Andreas Gläser geben. Zuerst steht jedoch am kommenden Sonntag, den 10. Juli ein Auftritt bei der Reformbühne an. Während Andreas „Baufresse“ Gläser bereits seit 1998 dort immer wieder seine Texte vorträgt, wird es für Marco Bertram eine echte Premiere sein. Lesen wird er aus seinem Vorwärts-Buch und aus dem Hansa-Wälzer „Kaperfahrten“. Damit die Leser und Zuhörer im Bilde sind, führten Andreas und Marco schon mal ein locker flockiges Gespräch. Andreas Gläser: Marco, du umtriebiger Fußball-Journalist, am Sonntag dem 10.7. bist du zum ersten Mal bei einer Lesebühne zu Gast, der altehrwürdigen Reformbühne Heim und Welt, die es seit 1997 gibt, wo jeden Sonntag ein halbes Dutzend Autoren am Start sind. Weißt du, was dir blüht? Schon mal diesen Markt beobachtet? Marco Bertram: Moin Andreas, im Gegensatz vor anderen klassischen Lesungen habe ich ein wenig Bammel. Weniger vor dem Publikum, sondern eher vor der Tatsache, dass in diesem Fall "in der Kürze liegt die Würze" gilt. Ich labere halt gern und mag es ausschweifend. Ich hatte gestern schon mal die Stoppuhr an, um zu schauen, wie lang ein möglicher Text wäre. Was mir blüht? Keene Ahnung. Ich lass mich überraschen. In der Tat beobachte ich sehr viel in der Branche, doch was die Reformbühne betrifft, bin ich nicht sooooo sehr im Bilde. Ich freue mich aber ganz dolle über die Einladung und bin wirklich sehr gespannt! Andreas Gläser: Ich kenne die Reformbühne seit Januar ´98, als im Schokoladen-Mitte das Publikum während der Lesung sogar die Bühne belagerte. Das hat sich inzwischen beruhigt, aber die Atmosphäre ist immer noch offen und fair. Eine dufte Institution. Wenn du das Maß findest, wird’s laufen. Marco Bertram: Eine Frage für dich: Du wirst es kaum glauben, aber ich lese gerade noch mal deinen Klassiker "Der BFC war schuld am Mauerbau". Da ich mein Exemplar verbummelt hatte (oder es mir jemand nicht zurückgegeben hatte), borgte ich mir neulich von einem Kumpel ein Büchlein aus. Duftes Ding! Da fragt man sich doch beim Lesen: Wann kommt endlich mal neues Lesefutter aus dem Hause Gläser? Oder wird der Klassiker eventuell sogar noch einmal neu aufgelegt? Andreas Gläser: Danke für die Blumen! Wenn ich keinen 38,5-Stundenjob hätte, wäre der nächste lange Riemen sicher im Juli/August fertig. So dauert’s halt. Im Erscheinungsjahr würde ich das Debüt, den Klassiker, gerne noch mal ins Spiel bringen, aber er wird jetzt auch nicht verschenkt. Marco, du hast dir für deine aktuelle Erscheinung, der Fußball-Fibel zu Vorwärts Berlin bzw. Frankfurt, viel DDR-Kultur reingezogen. Welche Musik, welche Filme, kannst du empfehlen?  Marco Bertram: Sagen wir es mal so, ich wollte den allgemeinen Zeitgeist einfangen und selber spüren. Das fing mit den späten 50ern an. Mit "Ich bin ein Vagabund" von Fred Bertelmann beginnt ja sogar mein Vorwärts-Buch. Ich ließ im weiteren Verlauf weitere Liedtexte einfließen, und selbstverständlich wurde das eine oder andere Lied ein echter Ohrwurm. "Als ich fortging" von Karussell aus dem Jahre 87 berührt sehr stark meine Seele. Ansonsten hatte ich bei der Recherche für mein Buch die verrücktesten Dinge angeschaut und angehört. Radionachrichten, Sendezeichen zur vollen Stunde... Ich ließ mich völlig treiben und wollte gedanklich bestmöglich in alte Zeiten eintauchen - was letztendlich auch sehr gut geklappt hatte. Apropos eintauchen, Andreas, zu welcher Zeit kannst du am besten konzentriert kreativ schreiben? Gleich morgens nach dem Knäckebrot mit Schnittkäse und dem türkischen Kaffee oder doch besser abends beim Gläschen Whiskey, wenn die Hektik des Tages vorbei ist? Andreas Gläser: Ganz unromantisch: Vormittags, ausgeruht, mit ´nem Termin und Druck auf’m Kessel, und am besten keine Ablenkung wie irgendwelche Ämterzettel auf’m Tisch. Ist mir heute noch ein Rätsel, wie ich in den ´90ern zwischen Bau-Job und Konzerten die ersten Fanzine-Texte zustande brachte. Ich bewundere auch deine Produktivität, wie du kurz nach irgendwelchen Spielen und einigen Bieren immer solche Texte raushaust. Na gut, am Sonntag dem 10. sind du und ich bei der Reformbühne zusammen mit den Kumpels und Rappern von Ostberlin Androgyn open air in einer Ex-Tankstelle in der Schwedterstraße 262 am Start und lesen keinen Fußballkram; am Mittwoch dem 13. sind wir im Fanprojektdomizil an der Cantianstraße 25 zusammen mit Frank Willmann die Hausherren und lesen ausschließlich Ballsporttexte. Warum sollten möglichst viele Leute an beiden Terminen dabei sein?  Marco Bertram: Du sagtest es ja bereits. Bei der Reformbühne wird es eher weniger um Fußball gehen, bei der Lesung beim Berliner Fanprojekt umso mehr. Am 13. Juli steht der Fußball im Prenzlauer Berg im Mittelpunkt, am 10. Juli wir es andere Texte zu hören geben. Einen habe ich bereits ausgesucht. Was stellte man in der DDR einst mit einer "braunen Clara" (10 Mark-Schein) so alles an?! Wie schaut es bei Dir aus? Steht bereits alles fest? Und die große Frage lautet: Wirst auch du etwas singen? Gibt es in der Regel Zugaben? Und noch eine Frage: Wird es im Anschluss eine wilde After-Show-Party geben? Ich muss mich schließlich mental drauf vorbereiten. Ich las da irgendwas von einer Sauna … Andreas Gläser: Ich vermute, dass ich was ganz Altes und was Neues lese, bei Ostberlin Androgyn mit den Knien wippe und beim gemeinsamen Schlusslied in der hinteren Reihe mitwirke. Es gibt wohl zwei flotte Halbzeiten und danach weder Zugaben noch Diskussionen. Sauna-Party? Gute Idee. Danach krabbeln wir schneckenmäßig von der Schwedter Straße in die Cantianstraße, um die Mittwochssause pünktlich angehen zu können.   Lesungen Termine:  10. Juli 2022 um 19 Uhr:  Reformbühne Heim & Welt - Open Air mit Marco Bertram, Andreas Gläser und Ostberlin Androgyn Schwedter Straße 262 in 10119 Berlin Eintritt: 8 €, ermäßigt 4 €   13. Juli 2022 ab 19 Uhr Fußball im Prenzlauer Berg - früher und heute Marco Bertram, Frank Willmann und Andreas Gläser lesen aus ihren Büchern Fanprojekt Berlin im Haus der Fußballkulturen Cantianstraße 25 in 10437 Berlin Eintritt: frei   14. Juli 2022 ab 18 Uhr Buchpräsentation im Museum Lichtenberg: Marco Bertram stellt die neu erschienene Fußballfibel „Sparta Lichtenberg 1911“ vor. Museum Lichtenberg im Stadthaus Türrschmidtstraße 24 in 10317 Berlin   30. Juli 2022 ab 15 Uhr VORWÄRTS ZUM SOZIALISMUS! Ein Leseabenteuer auf der Ruine des ehemaligen Vorwärts-Stadions Marco Bertram liest aus seinem jüngsten Roman „Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel“ VOLLY VORWÄRTS liest aus seinen Kurzgeschichten „Vorwärts Leipzig - mit dem Panzer zum Auswärtsspiel“ Geländeführung mit der Secret Grounds Crew Maria-Grollmuß-Straße 8 in 04157 Leipzig   24. August 2022 ab 19:30 Uhr Buchpräsentation: Marco Bertram stellt die neu erschienene Fußballfibel „Sparta Lichtenberg 1911“ vor. In den Vereinsräumen von Sparta Lichtenberg. Fischerstraße 15 in 10317 Berlin Fotos: Dominik Bertram, Marco Bertram, Karl Max von Husowsky

Jetzt in der App abspielen

FSV Großpösna 1990: Prädikat wertvoll - eine der besten Amateurfußball-Fanszenen

06.07.2022 00:00:00

Großpösna?! War da nicht kürzlich was? Jawoll! Unsere „Schwarze Natascha“ besuchte Mitte Februar dieses Jahres im Stadion des Friedens das Duell SG MoGoNo (Motor Gohlis Nord) Leipzig vs. FSV Großpösna, bei dem die Gästefans für einen guten Auftritt inklusive einer satten Pyro-Einlage gesorgt hatten. Vor 100 Zuschauern musste sich der FSV Großpösna allerdings mit 0:2 geschlagen geben, am Ende der Stadtliga-Saison konnte mit Rang 13 der Klassenerhalt gesichert werden.Die zweite Mannschaft spielt indes aktuell in der 2. Kreisklasse und konnte die zurückliegende Saison mit Rang sieben abschließen. Bereits beim besagten Duell der ersten Mannschaft im Februar wurde an den Pokalsieg der Betriebssportgemeinschaft Traktor Großpösna im Frühjahr 1972 gedacht. Ehre, wem Ehre gebührt! Gemeint ist allerdings nicht der Bezirkspokal, sondern der Traktor-Pokal des Bezirks Leipzig, der von 1956 bis 1978/79 ausgespielt wurde.    Während am 24. Juni 1972 in Leipzig-Mockau die BSG Chemie Leipzig II vor 1.400 Zuschauern die BSG Motor Grimma mit einem 2:1-Sieg den Bezirkspokal holen konnte, schlug die BSG Traktor Großpösna die BSG Traktor Schweta mit 5:2 nach Verlängerung und schnappte sich somit den heiß begehrten Traktor-Pokal.   Fast exakt 50 Jahre später sollte nun noch einmal an den einstigen Triumph gedacht werden. „Traktor Großpösna bleibt unvergessen“. Das Testspiel FSV Großpösna 1990 II vs. TSV Großsteinberg II bot am 2. Juli eine prima Gelegenheit, um noch einmal richtig doll aufzufahren. 153 zahlende Zuschauer fanden sich auf dem Sportplatz Großpösna ein - und die Anhängerschaft war mit voller Kapelle vor Ort und bot einiges für das Auge.   Während auf dem Rasen Marvin Steeger (2x), Kim Justin Kunze, Benito Skinfill Rivera und Christian Kotte mit ihren Toren für den 5:1-Sieg sorgten (den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer erzielte Torsten Harnisch), wurde am Spielfeldrand dem einstigen Triumph gedacht. „Fünfzig Jahre Pokalsieger“, war in blauen Lettern zu lesen. Dazu das Emblem der DDR und das einstige Wappen der BSG Traktor Großpösna.   Blaue und gelbe Fahnen sowie gelber Rauch auf gesamter Länge sorgten für ein sahne Intro. Wer jedoch dachte, das sei es gewesen, sah sich getäuscht. Ab gen Himmel mit den blauen Rauchspuren! Und ja, ab mit dem Kopf eines Kindes in den bereitgestellten Wassereimer! Abkühlung tat Not. Der 5:1-Sieg der zweiten Mannschaft wurde gefeiert wie ein Aufstieg bzw. ein Pokalsieg, und die Fans ließen sich nicht lumpen. Hoch mit der Blockfahne - Fackeln an!    Im Anschluss konnten die Batterien, mit denen anfangs der blaue Rauch gen Himmel geschossen wurde, eingesammelt werden und weiteres Bier gezapft werden. Gegen den modernen Fußball! Auf die Tradition! Auf den Amateurfußball! - Respekt! Von uns gibt es ganz klar das Prädikat wertvoll!   Fotos: Los Misenas > weitere Impressionen aus Großpösna

Jetzt in der App abspielen

Rauchige Party in Deckenpfronn: TSV Kuppingen feiert Aufstieg in Bezirksliga

27.06.2022 00:00:00

Zuerst wieder die Verortung. Wo bitte schön liegen in Herrgottsnamen Nufringen, Kuppingen und Deckenpfronn? Ganz einfach erklärt: Fährt man von Stuttgart aus in Richtung Südwesten, so durchquert man zuerst Sindelfingen und Böblingen und erreicht dann wenig später die Gemeinde Nufringen. Dort ist der SV Nufringen ansässig, der in der zurückliegenden Saison in der Bezirksliga Böblingen/Calw den vorletzten Platz erreicht hatte und somit in die Relegation musste. Der Gegner war der TSV Kuppingen, der in seiner Kreisliga-Staffel hinter der SpVgg Aidlingen Rang zwei sichern konnte. Kuppingen, das zu Herrenberg gehört, liegt quasi gleich neben Nufringen, mit dem Auto sind gerade einmal knapp fünf Kilometer zurückzulegen. Ausgespielt wurde das Relegationsspiel au neutralem Terrain in Deckenpfronn, das wiederum nur fünf Kilometer nördlich von Kuppingen und Nufringen liegt.   Gespielt wurde am vergangenen Mittwoch, und vor allem die Fans des TSV Kuppingen hatten mächtig mobil gemacht. Ganze viermal hatte die blau-weiße Anhängerschaft aus Kuppingen eine Pyro-Einlage parat. Zwischendurch gab es als Ergänzung einzelne Bengalos und ein etwas Rauch. Auch die Fans aus Nufringen hatten etwas im Gepäck, doch konnte sowohl fantechnisch, als auch sportlich mitgehalten werden.   Der (Noch-)Kreisligist TSV Kuppingen war dem (Noch-)Bezirksligisten komplett überlegen, und folgerichtig wurde diese Partie völlig verdient gewonnen. Die Treffer erzielten Jakob Schwanke in der 23. Minute, Asim Arslan in der 64. Minute und Kevin Humm in der 80. Minute.    Sich nicht von den Pyro-Einlagen beeindrucken ließ das Schiedsrichtergespann. Unaufgeregt wurde einfach weiter spielen gelassen. Nach Abpfiff durfte ordentlich gefeiert werden, nicht fehlen durfte das obligatorische Gruppenfoto. Herzlich Willkommen in der Bezirksliga, TSV Kuppingen! Fotos: Dominik Stürmer > zur turus-Fotostrecke: Weitere Impressionen vom Relegationsspiel

Jetzt in der App abspielen

Alles oder nichts! Wacker Nordhausen holt den wichtigen Punkt und feiert den Klassenerhalt

27.06.2022 00:00:00

Alles oder nichts! Das sagt sich häufig so daher, doch galt dies für den abstiegsbedrohten FSV Wacker Nordhausen, der einige Jahre lang in der Regionalliga Nordost zu finden war, beim letzten Spiel der zurückliegenden Oberliga-Saison in jedem Fall. Nicht verlieren! So lautete die Devise bei der Sause nach Bautzen, wo der FSV Budissa freien Eintritt gewährte und somit das Stadion Müllerwiese mit 555 Zuschauern recht gut füllen konnte. Eine Busladung Fans hatte sich in Nordhausen auf den Weg gemacht, um die Mannschaft 300 Kilometer weiter östlich beim alles entscheidenden Spiel zu unterstützen. „Geh zum Fußball in deiner Stadt!“, war auf einem Banner zu lesen. Ein Großteil der Oberkörper wurde freigelegt, die mitgebrachten Fahnen wurden geschwenkt.    Sich nicht lumpen ließ man auf Heimseite, wo hinter dem Banner der „Sektion Bautzen“ ein paar Konfetti-Shooter zum Einsatz kamen. Auf Heimseite wurde der tschechische Spieler Pavel Patka, der seit September 2013 bei Budissa Bautzen spielte und nun seine Karriere beendet. „Pavel, hau rein alte Socke - Dekuji für 9 Jahre Vereinstreue! Bier geht auf dich!“, stand auf einem Spruchband zu lesen. In der 84. Minute wurde er ausgewechselt, für ihn kam Tom Nathe in die Partie.   Zu jenem Zeitpunkt stand es bereits 2:2 - und die Gästefans erlebten eine emotionale Achterbahnfahrt vom Allerfeinsten. In der 20. Minute hatte Robert Knopp die Jungs aus Nordhausen mit 1:0 in Front gebracht, nach etwas einer halben Stunde machte Paul Jockusch den Ausgleich für Budissa Bautzen klar.   Nach exakt einer Stunde machte Paul Jockusch seine zweite Bude des Tages - und im Gästeblock stand den Fans aus Nordhausen der Angstschweiß auf der Stirn. Inter Leipzig hatte mit 0:11 bei Rot-Weiß Erfurt verloren - ein Pünktchen musste her, um an den Leipzigern in der Tabelle Dank des besseren Torverhältnisses vorbeizuziehen.    Die Erlösung erfolgte nur drei Minuten nach dem Rückstand. Auch Robert Knopp erzielte seinen zweiten Treffer und ließ die Fans im Gästeblock vor Freude kollektiv durchdrehen. Weitere Treffer sollten nicht mehr fallen - das 2:2 sollte genügen. Tonnenlasten fielen bei Wacker Nordhausen ab. Fackeln an! Wassereimer ausschütten! Brachial jubeln! Amateurfußball der feinsten Güte! Die Spieler gaben im wahrsten Sinne des Wortes ihr letztes Hemd und liefen später nur noch im Schlüpper in die Kabine… Fotos: Los Misenas (Link zum Blog) > zur turus-Fotostrecke: FSV Wacker Nordhausen

Jetzt in der App abspielen

3. Liga Spielplan: Aufsteiger RWE mit Derby-Auswärtstouren zum Start

24.06.2022 00:00:00

Osnabrück gegen Duisburg, Dresden gegen 1860 München und Zwickau gegen Halle. Der erste Spieltag der 3. Liga der Saison 2022/2023 kann sich sehen lassen und auch die Fans des Neuling Rot-Weiss Essen sind sicher nicht ganz unzufrieden direkt mit einem Heimspiel gegen den SV Elversberg zu starten. Gegen den Aufsteiger aus dem Südwesten ist ein volles Stadion an der Hafenstraße garantiert. Bereits jetzt bevor der freie Dauerkartenverkauf gestartet wurde, konnte der Traditionsverein 6.000 Jahreskarten verkaufen.Die RWE-Fans haben Bock auf ihren Verein davon zeugt auch der starke Mitgliederzuwachs. Konnte zum 125. Jährigen Vereinsjubiläum im Februar das 7.000ste Mitglied begrüßt werden, sind es nun knapp vier Monate später schon 8.100 (24.06.2022). So einen Ansturm auf die Mitgliedschaft beim Klub gab es noch nie. Pure Euphorie überall in der Stadt, die nun mit der heutigen Veröffentlichung des Spielplans nochmal einen Schub bekommt.Das Heimspiel zum Start in die Saison freut natürlich viele, aber der DFB meinte es mit der Planung gut mit Rot-Weiss Essen und gewährt den Klub eine Eingewöhnungsphase in die bundesweite Liga und lässt RWE erst am sechsten Spieltag rund um den 27. August in die Ferne (Bayreuth) reisen. Davor darf sich Essen im Ruhrgebiet in die Liga reinschnuppern. Erst der Kracher am zweiten Spieltag auswärts beim MSV Duisburg, ein Derby bei dem die MSV Arena sicherlich aus allen Nähten platzen wird. Dann gastiert Viktoria Köln an der Hafenstraße, bevor RWE nach Dortmund zur zweiten Mannschaft der Borussia reist. Interessant sicherlich auch die Begegnung mit dem VfL Osnabrück rund um den 10. September wo der ehemalige  geschäftsführende Vorsitzende Dr. Michael Welling nun als Geschäftsführer Wirtschaft für den kaufmännischen Bereich zuständig ist. Eine richtig pralle volle Hütte wird es dann Mitte Oktober an der Hafenstraße geben: Nach 15 Jahren gastiert mal wieder Dynamo Dresden in Essen. Das letzte Spiel im November 2007 noch im Georg-Melches Stadion endete 1:1 vor 11.000 Zuschauern. Je nach äußeren (Corona) Entwicklungen und Bedingungen, kann man davon ausgehen das in diesem Jahr ein paar tausend mehr Fans kommen und dieses Spiel ausverkauft sein wird. Eine interessante Begegnung eine Woche später: Am 13. Spieltag trifft RWE auf seinen Ex-Trainer Christian Neidhart und Waldhof Mannheim.„Eines Tages, eines Tages, eines Tages wird´s geschehen und dann fahren wir nach Zwickau um den RWE zu sehen“, das in der vergangenen Saison von den RWE Fans vielbesungene Lied bewahrheitet sich erst zum Ende der Saison am 22. April 2023. Erst dann reist Rot-Weiss Essen zum FSV Zwickau nach Sachsen. Die Zwickauer dagegen kommen Ende Oktober 2022 an die Hafenstraße. Kurz vor der diesmal zwei Monate (aufgrund der ominösen WM in Katar) dauernden Winterpause geht es für Rot-Weiss Essen mit seiner Fanschar an die Grünwalder Straße nach München zu 1860.Die Rückrunde wird dann mit einem Heimspiel gegen den Halleschen FC und einem Auswärtsspiel beim SC Verl beschlossen. Anfang Februar gibt es dann das Derby-Rückspiel gegen Duisburg und viele, diesmal weiter entfernte aber hochinteressante Auswärtstouren – auch für den einen oder anderen Fan um mal ein paar neue (umgebaute) Stadien mitzunehmen: Ingolstadt, Aue, Saarbrücken, Dresden, Zwickau, Meppen und Halle. Rot-Weiss Essen beendet die Saison dann am 27. Mai 2023 mit einem Heimspiel gegen den SC Verl [...].Insgesamt ein guter und ausgewogener Spielplan für die Rot-Weissen je nachdem an welchen Tagen gespielt wird. So wird es ein Spiel am Freitag (19 Uhr), Sechs Spiele am Samstag (alle 14 Uhr), Zwei Spiele am Sonntag (13 und 14 Uhr) und ein Spiel am Montag (19 Uhr) geben. Dazu kommen noch ein paar „englische Wochen“ wo am Dienstag- und Mittwochabend gespielt wird. Die 3. Liga im TV und Livestream: Alle Spiele der 3. Liga sind in der Saison 2022/2023 live und in voller Länge bei dem Angebot der Telekom bei MagentaSport zu sehen. Freitags, sonntags und montags überträgt MagentaSport exklusiv live, ebenso an den Wochenspieltagen. Samstags zeigen die Dritten Programme der ARD im Free-TV 86 ausgewählte Spiele zusätzlich live. Die Highlights der 3. Liga sind wöchentlich unter anderem in der ARD-Sportschau, den Sportsendungen der Dritten Programme sowie am späten Montagabend in "3. Liga pur" bei Sport1 zu sehen.> zum Spielplan der 3. Liga Fotos: Bildagentur frontalvision.com / K.Hoeft

Jetzt in der App abspielen

Vom Keulenberg zum Kieferberg: Großnaundorf feierte den Finalsieg der C-Jugend

22.06.2022 00:00:00

Die Gemeinde Großnaundorf am Fuße des Keulenbergs. Mal kurz zur Verortung: Diese sächsische Ortschaft befindet sich nordwestlich von Pulsnitz und noch grober gesagt: Ein Stück nordöstlich von Dresden. Während die erste Mannschaft der SG Großnaundorf in der örtlichen Kreisoberliga spielt und die zurückliegende Saison mit Rang sieben abschloss, bilden die C-Junioren eine Spielgemeinschaft mit dem Lomnitzer SV.Nachdem in der ‚Druckerei Schütz Kreisliga Staffel 2‘ der erste Platz belegt wurde, durfte die SpG SG Großnaundorf / Lomnitzer SV zum Rückspiel des Kreisliga-Finales auf dem Sportplatz Kieferberg in Schirgiswalde antreten. Gegner war der SV Oberland Spree, und nachdem das Hinspiel am 12. Juni bereits mit 6:0 gewonnen wurde - allein Kurt Zeidler konnte drei Treffer erzielen -, war die zweite Partie quasi nur noch Formsache.   Die Fans machten mächtig mobil, und somit fanden sich mal eben 140 Fußballfreunde auf dem Sportplatz Kieferberg ein. „SPORTGEMEINSCHAFT GROSSNAUNDORF“ und „ALLES FÜR GRÜN-WEISS“ war auf langen Bannern zu lesen. Dazu einige grün-weiße Fahnen und - wie sollte es auch anders sein? - Pyro satt. Mit netter Maskerade wurden grüne Fackeln gezündet. „Hier ist nicht Disneyland“, war auf einem Shirt zu lesen.   Bei der brütenden Hitze wurde der Bierkasten herangeschleppt, und per Spruchband wurde gefragt: „WFV … Geht’s?!“ Gute Frage. Auf dem Rasen lief es auf jeden Fall wieder rund. Bereits nach fünf Minuten machte Kurt Zeidler das 1:0 für die Gäste. Hoch die Bierflaschen - hoch die Plastikbecher mit dem Pfeffi!    Nachdem Benjamin Mai in der 39. Minute auf 2:0 erhöhen konnte und in der 49. Minute Felix Hoffmann den Ball in das eigene Gehäuse bugsiert hatte, war der 3:0-Sieg für die SpG SG Großnaundorf / Lomnitzer SV in trockenen Tüchern.    Die Party konnte weitergehen. Kassenrollen, grüner Rauch und weitere Fackeln sorgten für die viel zitierte südländische Atmosphäre am Kierferberg. Schwarze Kreismeister-Shirts wurden verteilt und gemeinsam konnte schön gepflegt die Sau rausgelassen werden …       Fotos: Los Misenas > zur turus-Fotostrecke: weitere Impressionen von der Großnaundorfer Party

Jetzt in der App abspielen

Feuer frei! Der FK Baník Most-Souš steigt in die dritte Liga auf!

22.06.2022 00:00:00

Mit den Vereinsnamen ist das immer so eine Sache. FK Baník Most? Dürfte den meisten ein Begriff sein. Schließlich gelang dem Verein am Ende der Saison 2004/05 der souveräne Aufstieg in die tschechische Gambrinus Liga. Kurz zuvor hatte die italienische Gasgesellschaft SIAD die Mehrheit am Verein übernommen und in den Spielerkader investiert. Sehr lange dauerte das Erstliga-Abenteuer allerdings nicht an. 2008 stieg Most als Tabellenletzter in die zweithöchste tschechische Liga ab. Aus dem FK SIAD Most wurde am 1. Juli 2008 wieder der FK Baník Most. In der Folgezeit ging es weiter bergab. 2015 erfolgte der Abstieg in die dritte Liga, wenig später fand man sich in der vierten Liga wieder. 2020 erfolgte der Zusammenschluss der Vereine Mostecký FK (1919 als SK Čauš / SK Souš ins Leben gerufen) und FK Baník Most in FK Baník Most-Souš. In etlichen Portalen ist der aktuelle Verein nur noch als  FK Baník Souš zu finden. So auch bei soccerway.com. Auf den Shirts und Trikots gab es indes nur "Baník Most" zu lesen.   Sei es, wie es sei. Am vergangenen Wochenende gab es endlich einmal wieder einen Grund zu feiern! Der Aufstieg in die dritte Liga wurde in trockene Tücher gebracht - und rund 300 Fans im Stadion Zdeňka Fibich Most wussten dies angemessen zu zelebrieren.   Mit 7:1 wurde der SK Slaný überrollt, und der Verfolger FK Neratovice-Byškovice konnte somit locker hinter sich gelassen werden. Feuer frei! Gleich drei Pyro-Einlagen gab es zu sehen - vor Ort waren auch 15 Freunde aus Jablonec -, als Sahnehäubchen legte der Verein noch ein kleines Feuerwerk oben drauf. Wir sagen Glückwunsch zum Aufstieg! Gratulujeme! Vše nejlepší!           Fotos: Dominik Stürmer > zur turus-Fotostrecke: Weitere Impressionen aus Most

Jetzt in der App abspielen

turus-Sommertour - #7 SSC Weißenfels

22.06.2022 00:00:00

Beim SSC Weißenfels wurde am Samstag offiziell die Sommersaison eingeläutet. Knapp 35 Grad sorgen für einen müden Kick, der rein vom Papier her auch anders hätte enden können. Bei der Partie zwischen Weißenfels und Westerhausen trafen nämlich die zwei besten Team der abgelaufenen Saison in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt aufeinander.Leider konnten die Weißenfelser eine Woche zuvor nur einen einzigen Punkt vom SV Eintracht Elster entführen und die Gäste aus Westerhausen drehten einen 3-1 Rückstand in Haldensleben und machten somit den Aufstieg in die Oberliga bereits vorzeitig perfekt.    Aus einen möglichen Fußballfest wurde somit also ein freundschaftlich anmutender Vergleich auf Punktspielebene. Im Vorfeld der Partie verabschiedete der Stadionsprecher noch zwei anstehende Abgänge und erzählte voller Stolz von der zweiterfolgreichsten Spielzeit der gesamten Vereinsgeschichte.  Im Stadtstadion von Weißenfels fanden sich laut offiziellen Angaben 95 zahlende Zuschauer ein und positionierten sich fast ausschließlich auf den schattigen Plätzen unter der kleinen überdachten Tribüne oder auf der Wiese in der Kurve.    Der Aufsteiger aus Westerhausen brachte auch knapp 30 lautstarke und trinkfeste Zuschauer mit, die den Verein würdevoll aus der Verbandsliga verabschieden wollten. Das eher langweilige Spiel konnten die Gäste auch für 1-2 für sich entscheiden.   Wir bedanken uns auch hier ganz herzlich beim SSC für die Gastfreundlichkeit - Aber sechs Euro Eintritt sind doch etwas happig. :) Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

turus-Sommertour - #6 SV Blau Weiß Bennewitz

22.06.2022 00:00:00

Letzte Woche Freitag haben wir uns erneut ins schöne Muldental begeben und bei der Partie zwischen Blau-Weiß Bennewitz und dem Roßweiner SV vorbeigeschaut. Es sollte der Startschuss für den letzten Spieltag der Kreisoberliga Muldental sein, in der bereits einen Spieltag zuvor die Entscheidung über den Aufstieg gefallen war und somit war die Partie zwischen den beiden Kontrahenten eher bedeutungslos - dachte man.Die Gastgeber aus Bennewitz, die im Jahre 1968 als SG Traktor Bennewitz gegründet wurden agierten frech und leisteten der Topmannschaft aus Roßwein reichlich Gegenwehr. Nach dem frühen uns sehenswerten Führungstreffer der Roßweiner kamen die Gastgeber durch einen Doppelpack des sehr auffälligen Abdulaziz Elkiskas zurück und drehten die Partie zu ihren Gunsten. Die Qualität und der Entertainmentfaktor der Partie brach nicht ab und so wurden die angegebenen 122 Zuschauer bestens unterhalten.  Der Großteil der Anhängerschaft nahm an der Barriere lehnend auf der Gegenseite der Trainerkabinen Platz, aber auch an den Trainerbänken gesellten sich gut zwei dutzend junge und motivierte Fans der Heimmannschaft und supporteten ihre Mannschaft mit Fahnen und teils lautstarken Stimmbändern nach vorn. Im Schlussdrittel der Partie konnte der Gast aus Roßwein die entscheidenden Akzente setzen und entschied die Partie mit 3-4 für sich. Roßwein beendet die Saison somit auf einem undankbaren zweiten Tabellenplatz, während die Gastgeber aus der Nähe von Wurzen die Saison im gesicherten Mittelfeld abschließen. Wir bedanken uns beim SV Bennewitz für den tollen Abend und können jedem Leser nur empfehlen in der kommenden Saison mal dort vorbeizuschauen. Das Catering (mit bedruckten Bechern), die Unterhaltung (DJ Pult mit ansprechender Musik) und das ganze Ambiente (sehr ländlich, Zugverkehr im Rücken der Trainerbänke) haben uns sehr überzeugt.   Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

Fußball ist Fußball! Aufstiegskampf bei FFC Turbine Potsdam II vs. Hamburger SV

20.06.2022 00:00:00

Die Frauenabteilung des HSV hatte auf Instagram zum Aufstiegsrückspiel in Potsdam aufgerufen. Also hieß es für mich am heutigen 19. Juni 2022 auf ins Waldstadt Sportforum Potsdam. Kurz vor Spielbeginn traf die aktive Fanszene des HSV mit rund 100 Supportern ein. Im Gepäck neben der obligatorischen Trommel auch einige Fahnen und eine kleine Choreo, bestehend aus Fahnen, Spruchband sowie Konfetti-Shootern. Die 747 Zuschauer teilten sich zu etwa gleichen Teilen auf beide Fanlager auf. Pünktlich um 11 Uhr pfiff Mirka Derlin das Spiel an. Die Damen des HSV hatten das Hinspiel mit 1:0 gewonnen, sodass sie schon mal ein kleines Polster hatten. Das Spiel startete ganz gut für den HSV. Sie hatten sich in der gegnerischen Hälfte festgesetzt, aber leider keine nennenswerte Torchancen. Turbine erspielte sich zwei sehr gute Möglichkeiten, die sie aber erst in der 38. Spielminute in das 1:0 umwandeln konnten. Die HSV-Schlussfrau Lela Naward war weit aus ihrem Kasten aufgerückt und durch ihren Fehlpass feierte Alisa Grincenco ihr Tor. Nur zwei Minuten später waren es wieder die Potsdamerinnen, die Jubelten. Pauline Deutsch netzte locker zum 2:0 ein. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wechselten noch die Hamburger. Für Markella-Dimitra Koskeridou kam Antonia Fischer.   In der Halbzeitpause nahmen viele Fans dankend das Angebot des Platzwartes an und erfrischten sich an dem bereitgestellten Wasserschlauch. Bei rund 35 Grad auch nicht überraschend, da die Vereinskneipe anscheinend nicht oft so viele Besucher hatte, und daher war die Getränkeversorgung mehr als schleppend. In der 54. Minute wechselten dann wieder die Hanseaten. Diesmal kam Sophie Charlotte Nachtigall für Svea Stoldt ins Spiel. Dann kam die 65. Minute. Die eingewechselte Koskeridou sah nach einer Notbremse kurz vor dem Strafraum Rot. Den darauffolgenden Freistoß verwandelte Jenny Leonie Löwe direkt. Dieser astreine Freistoß war die Entscheidung des Spiels. Aufgrund der Hitze und der dezimierten Mannschaftsstärke hatte der HSV nun nicht mehr viel entgegenzusetzen.   In der 67. Minute kam dann noch Carla Morich für Paulina Bartz, ehe der FFC in der 71. Spielminute Amelie Woelki für Viktoria Schwalm auswechselte. Als Pauline Deutsch schließlich in der 76. Minute ihre zweite Bude des Tages machte, war die Messe endgültig gelesen.   Die Auswechselungen von Turbine in der 82. Minute und der 89. Minute änderte nichts mehr am Spielgeschehen. Aber so kamen noch Lena Uebach und Katja Enke auf ihren Einsatz, während Alisa Grincenco und Pauline Deutsch den Platz verließen.   Das war es dann. Ehe die Zweite von Turbine ihren Aufstieg in die zweite Bundesliga feierte, gingen sie zu jeder HSV-Spielerin und gaben ihnen die Hand. Die vor Erschöpfung und Trauer am Boden liegenden Hamburgerinnen hatten den Trost auch nötig. Sie hatten den Aufstieg auf dem Fuß und brachen spielerisch total ein. Selbst der Trost von Horst Hrubesch und den HSV-Fans dürfte nur wenig helfen. Trotzdem können die HSV-Frauen auf eine starke Saison zurückblicken. Fotos und Text: Benjamin Barsig

Jetzt in der App abspielen

RSV Eintracht 1949 vs. Hansa Rostock II: Hitze, Bier und Auswärtssieg zum Abschied

20.06.2022 00:00:00

Mein lieber Scholli! Am gestrigen Sonntag gab es eine Demse, die an brasilianische Verhältnisse erinnerte. Im etwas nach Abgasen miefenden Bus von Teltow nach Stahnsdorf kamen erste Zweifel auf, ob es wirklich soooo eine gute Idee sei, bei 37 Grad im Schatten mit dem größeren Sohnemann zu einem Oberligaspiel nach Stahnsdorf zu düsen. Andererseits war dies das letzte Saisonspiel der Amateure des F.C. Hansa Rostock und bekanntlich verlassen etliche Spieler den Verein. Somit sollte für etwas Support auf dem Sportplatz in der Heinrich-Zille-Straße gesorgt werden.Wer pünktlich war, konnte sich eine Holzbank der Wahl in den Schatten schieben. Und da die Sonne von hinten kam, wurde das Ganze doch recht erträglich. Zumindest auf dem sandigen, halbschattigen Wall. Bier und Wurst gab es zu fairen Preisen, und verschiedene Eissorten gab es sehr zur Freude der erstaunlich zahlreich anwesenden Kinder für einen schlappen Euro.    Während ein paar Kilometer westlich der 1. FC Frankfurt (Oder) in Werder um den Aufstieg in die NOFV-Oberliga kämpfte, ging es in Stahnsdorf beim Oberliga-Duell RSV Eintracht 1949 vs. F.C. Hansa Rostock II mehr oder weniger um die Ehre. Aber gut, schaut man auf die Tabelle, so ist erkennbar, dass der Gastgeber im Fall eines Heimsieges in der Tabelle hätte vorbeiziehen können. Dies war für die Hansa Amateure wohl Ansporn genug, denn vor den 219 Zuschauern - rund die Hälfte drückte die Gäste die Daumen - wurde eine ansprechende Leistung geboten.    Im Netz rascheln sollte es allerdings erst in der 40. Minute, Mahir Huber ließ die Hansa-Fans jubeln. Nach knapp einer Stunde konnte Lucas-Levi Juhrmann zum 2:0 für die Hansa Amateure nachlegen, und es schien, als würde in der Folgezeit in Anbetracht der brüllenden Hitze das Ganze nun dahinplätschern. Weit gefehlt. Nachdem sich in der 70. Minute ein Heimspieler mit ein paar Gästefans angelegt hatte, war wieder Feuer in der Partie. Tonio Schüttler machte fünf Minuten später prompt den 1:2-Anschlusstreffer klar und gab somit den Startschuss für eine interessante Schlussphase.   Allerdings sollten es die Rostocker sein, die nun noch einmal, zweimal, ja sogar dreimal jubeln durften. Oliver Zajac, Mike Bachmann und Sascha Schünemann sorgten für ein mehrfaches „Ha Ho Höre, Hansa Amateure!“ Nach Abpfiff waberte ein wenig weißer und blauer Rauch am Geländer entlang, und die Spieler kamen rüber zu den anwesenden Hansa-Fans. Abklatschen, Geschenketausch und wenig später ein Gruppenfoto auf dem Rasen. Die Hansa-Spieler hatten ein paar olivegrüne T-Shirt in Größe S mitgebracht und schenkten diese den anwesenden Kindern. Eine klasse Geste! Der Aufdruck „Hansa Rostock - Der beste Club der Welt“ brachte die Kinderaugen zum Leuchten. Als dann mein Sohnemann von Bill Willms auch noch einen blauen Trainingspullover bekam, konnte dieser sein Glück kaum fassen.   Wenig später ertönten in der Kabine noch ein lautstarkes „Forza FCH“ und die allseits bekannte Torhymne (Kernkraft 400 / Zombie Nation). Unsere Reisegruppe steuerte indes wieder Teltow an, von wo aus mit dem Regionalexpress zurück nach Berlin ging. Zu viert wurde am späteren Abend der Tag hübsch beim Paddenwirt im Nikolaiviertel ausklingen gelassen. Auf die alten Zeiten! Auf eine kommende klasse Saison 2022/23! Der 1. FC Frankurt (Oder) hatte den Aufstieg in die NOFV-Oberliga tatsächlich gepackt, und somit dürfen die Hansa Amateure auch wieder das Stadion der Freundschaft ansteuern. Die große Frage lautet: Wird die „Sektion Sextourismus“ wieder am Start sein? Fotos: Marco Bertram, Jens > Infos zum Wälzer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock 

Jetzt in der App abspielen

Dynamo Schwerin vs. Hansa Rostock: Ein Fest der Flitzer und Autogrammjäger

20.06.2022 00:00:00

Nachdem vor zwei Wochen beim Aufstiegsspiel gegen Anker Wismar auf der Sportanlage Paulshöhe eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden konnte, dass die SG Dynamo Schwerin zuschauertechnisch aktuell die klare Nummer eins der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ist, konnte nun am vergangenen Freitag nachgelegt werden. Kamen beim Duell gegen Anker Wismar, in dessen Rahmen mit weinenden Augen die 100 Jahre alte Sportstätte Paulshöhe verabschiedet wurde, knapp 2.300 Zuschauer, so wurde diese Zahl beim Freundschaftsspiel gegen den F.C. Hansa Rostock noch einmal erhöht.Über 3.000 Fußballfreunde fanden bei bestem Wetter den Weg ins Stadion Lambrechtsgrund, das einst im Zeitraum 1953 bis 1956 errichtet wurde und zu DDR-Zeiten unter anderen den Fußballern des SC Traktor Schwerin (später BSG Motor Schwerin) als Spielstätte diente. In jüngerer Vergangenheit ließen der FC Eintracht Schwerin bzw. der FC Mecklenburg Schwerin in diesem weitläufigen Stadion den Ball rollen. Am 23. Mai 2014 trug der FC Mecklenburg Schwerin erstmals ein Heimspiel auf der neuen Sportanlage Lankow aus. In der Saison 2016/17 wurde noch einmal in den Lambrechtsgrund zurückgekehrt, da in Lankow die neue Haupttribüne gebaut wurde.   Nichts zu tun mit Lambrechtsgrund hatte indes die SG Dynamo Schwerin. Die Heimat war bis jetzt stets die altehrwürdige Paulshöhe. Der drohende Abriss dieser Sportanlage und die geplante Bebauung sind eine echte Tragödie, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Am Nachmittag vor dem um 18 Uhr beginnenden Freundschaftsspiel gegen Hansa Rostock, drehten wir noch einmal eine Runde über das Gelände und ließen uns einige historische Details erklären. Ein letzter Blick, ein paar letzte Fotos - Wut im Bauch. Wut auf die Stadtvertreter, die für den Abriss und die Bebauung mit Wohnungen gestimmt hatten. Die Wut verflog erst ein wenig, als in Sponi’s Schnitzelbude eingekehrt und wir rustikal begrüßt wurden. Regnet’s draußen? Nö! Aber drinnen ist es so schön gemütlich! Auf DDR-Tellern mit den berühmten dunkelgrünen Rändern bekamen wir die Schnitzel auf Brot serviert. Dufte, knorke - empfehlenswert! Was das Stadion Lambrechtsgrund betrifft, so gab es nach dem Mauerfall am 13. Juli 1997 einen Zuschauerrekord zu verzeichnen. Rund 8.000 Zuschauern bekamen einen 4:0-Sieg des FC Bayern gegen Eintracht Schwerin zu sehen. Die Treffer erzielten damals Carsten Jancker (2x), Dietmar Hamann und  Mehmet Scholl.    Generell sind ja Freundschaftsspiele nicht der Oberhammer, zumal bei einem Duell zwischen einem frisch gebackenen Oberligisten und einem Zweitligisten der spielerische Unterschied dann doch zu deutlich ist. Was soll’s! Am Freitag stand der Spaß an erster Stelle. Zum einen konnte sich die SG Dynamo Schwerin noch einmal positiv in die Schlagzeilen bringen, zum anderen gab es die Hansa-Spieler nach Abpfiff auf dem grünen Rasen zum Anfassen. Last but not least konnte beim Bier für faire drei Euro auf den Rängen geplauscht werden. Des weiteren nutzten ein paar Flitzer die Gunst der Stunde und enterten während der Partie den Rasen.    Den Anfang machte ein Junge mit einer Fahne in der Hand. An einer Eckfahne testete er zuerst einmal an, wie achtsam die Dynamo-Ordner sind. Da viele Kids eh auf der Tartanbahn saßen und umherliefen, störte sich eh niemand dran. Also dann! Tempo aufgenommen in Halbzeit zwei - und rauf auf den Platz! Drei-, viermal drehten Flitzer lachend eine Runde auf dem Rasen. Schiedsrichtergespann, Ordner und Spieler quittierten das Ganze mit einem Lächeln.   Was das Sportliche betrifft, so schufen die Profis des F.C. Hansa Rostock gleich zu Beginn Fakten. Hansa baute in aller Ruhe auf, und bereits in der vierten Minute brachte Behrens die Rostocker mit 1:0 in Führung. Locker wie bei einem Trainingsspielchen legte Munsy nur drei Minuten mit einem flachen Schuss zum 2:0 nach. Juut, so einfach wollten es die Schweriner den Rostockern eigentlich nicht machen. Klassenunterschied hin, Klassenunterschied her. Nach einer Viertelstunde machte Verhoek nach einer Hereingabe von Fröling mal eben das 3:0 für den FCH klar. Es schien, als könnte es für die SG Dynamo Schwerin ein Debakel werden, doch schalteten die Gäste nun einen Gang runter, und somit kamen die Gastgeber deutlich besser in die Partie.   Kurz vor der Pause verhinderte nur der Pfosten den 1:3-Anschlusstreffer, und das „Dynamo! Dynamo!“ hallte nun durch das weite Rund. Nach der Pause waren es jedoch die Rostocker, die den nächsten Treffer erzielten. Theo Martens war in der 47. Minute zur Stelle. In der 64. und 69. Minute waren es schließlich Breier und Martens, die auf 5:0 bzw. 6:0 erhöhen konnten. Laut wurde es noch einmal eine Viertelstunde vor Schluss, als Roubut zum 1:6 für Dynamo Schwerin einköpfen konnte.    In der Schlussphase standen schließlich vor allem die besagten Flitzer im Fokus, und nachdem das Spiel abgepfiffen wurde, nutzten Jung und Alt die Gunst der Stunde und fertigten unten auf dem Rasen das eine oder andere Erinnerungsfoto an. Richtig frech: Während Hansa-Spieler Svante Ingelsson gerade Autogramm- und Fotowünsche erfüllte, wurden ihm seine weißen Fußballschuhe geklaut. Wie in sozialen Netzwerken zu lesen ist, wurde inzwischen ein Schuh gefunden. Der zweite wird derweil noch vermisst.   Wir hatten indes großes Glück, denn als bei einer geselligen Bierrunde gegen 21 Uhr noch einmal sicherheitshalber auf bahn.de geschaut wurde, durfte festgestellt werden, dass bereits in einer Viertelstunde der Bus des Schienenersatzverkehrs nach Holthusen abfahren würde. Drei, vier Tage zuvor war davon noch nix zu lesen. Egal! Beine in die Hand genommen und den Bus erreicht, in dem Dank der Jungs von Empor Grabow bereits gute Stimmung herrschte. Besten Gruß an dieser Stelle! Fotos: Marco Bertram > Infos zum Wälzer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen Trainingsauftakt: 3.000 Fans im „Stadion an der Hafenstraße“

16.06.2022 00:00:00

„Mehr als bei RWO im Schnitt“, unkten einige in den sozialen Medien als die ersten Bilder heute aus dem „Stadion an der Hafenstraße“ sich durch das Internet teilten. Rot-Weiss Essen lud zum öffentlichen Training und viele (sehr viele) kamen. Es fühlte sich fast an wie ein paar Stunden vor einen normalen Heim-Spieltag, als man in die Essener Hafenstraße einbog. Vor dem Hafenstübchen standen Fans und glühten vor, während andere in ihren weißen „Liga 3 Essen ist dabei“ Aufstiegsshirts bereits freudig zum Stadion zogen. Sogar Simon Engelmann, RWE-Topstürmer der beiden letzten Spielzeiten, zeigte sich in seinem Auto auf der Zufahrt überrascht.„Ist heute Spieltag?“, fragte er lachend die beiden Parkplatzeinweiser und auch Abwehrspieler Felix Herzenbruch, der mit seiner Vespa und Helm (auf seiner inzwischen fehlenden Haarpracht) in Richtung Stadion sauste, war nicht minder beeindruckt über die Anzahl der Fans, die zu dem Training pilgerten um ihre Aufstiegshelden sowie die neuen Spieler und den Cheftrainer Christoph Dabrowski zu begrüßen. Aber nicht nur das Team war heute ein Anziehungspunkt, sondern auch die neu gestaltete Außenfassade hinter der Haupt- und Westtribüne: Die Schriftzüge „Stadion an der Hafenstraße“ sind nun gut sichtbar montiert und werden nicht wenige Selfiejäger beglücken. Warum, wieso, weshalb? Der Stadionname (Stadion Essen) stand zur Disposition und Rot-Weiss Essen kam potentiellen Kaufinteressenten rund um den Stadionnamen zuvor und sicherte sich die Namensrechte am „Stadion Essen“ für satte fünf Jahre und firmierte das Stadion in seinen alten (noch vor Georg Melches Stadion) um bzw. wieder zurück. Im Rahmen einer Crowdfunding Aktion (Stadionpatenschaft) soll dieser finanziert werden (wir berichteten im November 2021). Wo vorher kein Schriftzug war, glänzt nun weit sichtbar (auch im Dunkeln) „Stadion an der Hafenstraße“. Foto geschossen, rein ins Stadion, geduldig gewartet auf Wurst + Pils und Punkt 15 Uhr betrat die Mannschaft unter frenetischen Jubel und Gesang der 3.000 Fans das Spielfeld was ein Lächeln auf die Gesichter der Mannschaft und des Staffs zauberte. Nicht nur die Anzeigentafel wurden seit einem Monat nicht mehr angerührt, auch die Euphorie ist noch nicht verflogen, sondern steigert sich. Entsprechend ließ es sich der neue Cheftrainer Christoph Dabrowski nicht nehmen und begrüßte die Fans in einem kurzen Interview (mit RWE-Blogger, Livestream-Kommentator und Rot-Weiss Essen Fußballfibel Autor Andreas Crom) bevor er mit dem Trainerteam die Mannschaft bei guten 28 Grad ordentlich zum Schwitzen brachte. Ganz frisch dabei Felix Wienand, die geplante Verstärkung auf der Torwartposition. Der 19-jährige kommt von der U23 von Schalke 04 wo er seit seinem 15.Lebensjahr die Jugendmannschaften durchlaufen hat. Er soll das bestehende Torhüter-Gespann um Jakob Golz und Raphael Koczor ergänzen.Auch neu dabei Aurel Loubongo (20 Jahre / Flügelspieler) von der U23 des FC St. Pauli. Seit 2020 lief er für die U23 des Nordklubs auf, in der vergangenen Saison kam Loubongo dabei auf 16 Torbeteiligungen (acht Treffer, acht Vorlagen) in 30 Partien. Die RWE-Fans sehen (und hoffen) in ihm eine Kopie des zum Publikumsliebling avancierten Isaiah Young, der mit seinem agilen Spielstiel vor allem in der letzten Saison zu begeistern wusste.Ebenfalls aus einem Nachwuchsteam eines Profiklubs kommt Meiko Sponsel an die Hafenstraße. Der 20-Jährige kommt auf Leihbasis vom 1. FC Köln, wo er bereits einen Profivertrag unterschrieb und Mitglied des erweiterten Lizenzspieler-Kaders ist. Der 1,89 Meter große Rechtsfuß wechselte im Sommer 2017 von seinem Jugendverein Sportfreunde Eisbachtal in den Nachwuchs des 1. FC Köln. Als Stammspieler wurde er mit der dortigen U17 Deutscher Meister, in seiner letzten Saison als Jugendspieler kam er zudem bereits zu 20 Einsätzen im Seniorenbereich in der Regionalliga West. In der vergangenen Saison, in der er wegen einer Schulterverletzung mehrere Wochen ausfiel, absolvierte Sponsel 17 Partien für die Kölner Zweitvertretung.Ein weiterer starker Transfer kommt aus dem Nordosten vom Zweitligisten F.C. Hansa Rostock: Björn Rother. Der 25-Jährige, der vor allem als Sechser zum Einsatz kommt, unterschreibt an der Hafenstraße einen Vertrag bis 2024. Er bringt viel Erfahrung (130 Drittliga- sowie 40 Zweitligaspiele) mit und auch mit Traditionsvereinen. Vor Rostock spielte er unter anderem beim FC Magdeburg. Mit dem FCM schaffte Rother den Sprung in die 2. Bundesliga, um nur kurze Zeit später das gleich mit dem FCH zu wiederholen.Erfahrung bringt auch Ron Berlinski mit: Der Angreifer kommt vom SC Verl wo er letzte Saison für Furore sorgte wie auch schon vorher für verschiedene Amateurklubs. Der Kader sieht schon stark aus für den Angriff in Liga 3. Auch wenn es heute erst der zweite Trainingstag war, wussten die Spieler zu gefallen. So kamen die anwesenden Fans bei einem Match gut auf ihre Kosten. Noch ist ein langer Weg zu gehen: Viel Training und eine Reihe von Testspielen. Die 15. Saison der 3. Liga wird am 22. Juli 2022 eröffnet und endet am 27. Mai 2023 mit dem 38. Spieltag. Wegen der Fußball-WM in Katar macht die Liga zwischen dem 13. November und dem 13. Januar eine zweimonatige Pause. Und: Die Austragung der Aufstiegsspiele für die 2. Bundesliga ist für den 2. und 6. Juni 2023 geplant. Der Spielplan soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.Es kribbelt bei den Fans > zu den Rot-Weiss Essen Fotos Fotos: K.Hoeft (frontalvision.com)

Jetzt in der App abspielen

Hansa Rostock II vs. Eintracht Mahlsdorf: 1.300 Zuschauer verabschieden zahlreiche Junge Hanseaten

15.06.2022 00:00:00

Der einstige, inzwischen leider verstorbene Fanbeauftragte Axel ‚Boulette‘ Klingbeil hatte einst einen großen Traum. Einmal wollte Boulette 2.000 Zuschauer bei einem Spiel der Amateure des F.C. Hansa Rostock im Volksstadion sehen. Bereits im Mai 2012 wurde nach seinem Tod der Plan beim Heimspiel gegen den BFC Viktoria 1889 in Angriff genommen. Nun - zehn Jahre später - sollte beim Heimspiel der Amateure gegen den BSV Eintracht Mahlsdorf nochmals versucht werden, die 2.000er Marke zu knacken.  Nach neun Jahren fand zum ersten Mal wieder ein Heimspiel der Hansa Amateure im Ostseestadion statt, und die Preise für die Eintrittskarten waren mit fünf Euro äußerst moderat. Vielleicht lag es am Namen des Gegners - sicherlich hätten Greifswald oder Neustrelitz ein paar mehr Fußballfreunde angezogen -, die 2.000er Marke konnte nicht geknackt werden, doch sorgten die rund 1.300 Zuschauer auf der Haupttribüne durchaus für eine ansprechende Kulisse.   „Auf geht’s junge Hanseaten! Kämpfen und siegen! Nur der FCH!“, stand auf einem Spruchband geschrieben. Und auch das schwarze Banner, das an Boulette erinnert - „Du bist nicht mehr da, wo du warst, aber du bist überall, wo wird sind.“ - wurde neben dem blau-weiß-roten Amateure-Banner angebracht.   Motiviert von der großen Kulisse legten die Hansa Amateure auf dem Rasen auch ordentlich los. Nach knapp einer Viertelstunde legte Top-Torjäger Nick Stepantsev zum 1:0 vor, in der Folge wollten trotz guter Leistung bis zur Pause keine weiteren Treffer fallen. Der Knoten platzte schließlich in der zweiten Spielhälfte. Zuerst köpfte Moritz Rosenberg in der 53. Minute das 2:0, nur acht Minuten später Sascha Schünemann legte zum 3:0 nach. In der 74. Minute machte Mannschaftskapitän Bill Willms in seinem letzten Heimspiel für die Jungen Hanseaten das 4:0 klar, nur zwei Minuten später setzte Nick Stepantsev mit seinem zweiten Treffer des Tages den verdienten Schlusspunkt zum 5:0.   Bereits vor Anpfiff der Partie wurden zehn Spieler gebührend verabschiedet. Nach acht Jahren verlässt Bill Willms, der aktuell 173 Pflichtspiele absolviert hatte, den Verein. Ihm zu Ehren gibt es am 25. Juni 2022 auf dem Kunstrasenplatz ein Abschiedsspiel mit Freunden und alten Weggefährten. Ebenso die Kogge verlässt Nick Stepantsev, der zukünftig für die zweite Mannschaft von Hannover 96 auflaufen wird. Außerdem verabschiedet wurden Henry Haufe (2013/14 zwei Einsätze in der 3. Liga), Julian Hahnel, Moritz Rosenberg, Rocco Häufglöckner, Mattes Kmiecik, Hajo Kurth und Ben-Luca Ehlers.    Eine weitere News aus der Familie der Jungen Hanseaten: Nicht mehr der Trainer bei der U19 ist ab sofort Uwe Ehlers. Er konzentriert sich fortan auf die Profis. Seinen Platz an der Seitenlinie der U19 übernimmt in der kommenden Saison Ex-Hansaprofi Christian Rahn. Ebenso von Bord geht der Co-Trainer der U23 Torsten Pinkohs.    Wer alle noch einmal sehen möchte, der hat am kommenden Samstag beim Oberliga-Auswärtsspiel in Stahnsdorf die Gelegenheit dazu. Um 14 Uhr treten die Hansa Amateure auf dem Sportplatz Heinrich-Zille-Straße beim RSV Eintracht 1949 an.  Fotos: T.K. > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Jetzt in der App abspielen

Noch ein Punkt - dann ist Frankfurt (Oder) wieder auf der Oberliga-Landkarte

15.06.2022 00:00:00

Ein einziges Pünktchen (in reiner Theorie sind es zwei) fehlt dem 1. FC Frankfurt (Oder) noch bis zur Wiederkehr in die Nordstaffel der NOFV-Oberliga. Am kommenden Samstag treten die Frankfurter beim Tabellenvierten Werderaner FC Viktoria 1920 an, doch Obacht sei gegeben. So hatte allein Patrick Richter kürzlich beim 6:0-Auswärtssieg beim SV Frankonia Wernsdorf vier Treffer beigesteuert.  Der 1. FC Frankfurt (Oder) hatte es indes am vergangenen Spieltag mit der SG Union Klosterfelde zu tun. Vor Anpfiff wurde dem jüngst verstorbenen Dieter Schulz gedacht. Vor 407 Zuschauern im Stadion der Freundschaft gerieten die Oderstädter in der 54. Minute in Rückstand, konnten jedoch das Ganze in der Folgezeit drehen. Mein turus-Kollege und Buchautor Marco Bertram las gerade im Gästeblock live ein Kapitel aus seinem Fußballroman über den ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) vor, als im Hintergrund drei der insgesamt vier Treffer fielen.    Nach exakt einer Stunde konnte Max Rocher ausgleichen, zehn Minuten später machte Maik Frühauf die Führung klar. Die über 400 Zuschauer auf den Rängen des altehrwürdigen Stadions der Freundschaft sorgten für eine beachtlich gute Stimmung, und es wurden sogar zwei Bengalos gezündet. Nachdem in der 76. Minute Paul Bechmann das Tor zum 3:1-Endstand schoss, konnte die Party beginnen. Bis in die späten Abendstunden hinein gab es vor dem Stadion Freibier und Grillgut, und an den Tischen kamen alte FCV-Fans mit den aktuellen Spielern und jüngeren Zuschauern ins Gespräch. Nach einer gewissen Lethargie herrscht nun wieder eine Aufbruchstimmung.    So werden sich einige Fans am Samstag auf den Weg nach Werder (Havel) machen. Ein Punkt - und dann können in Frankfurt (Oder) die SG Dynamo Schwerin, Tasmania Berlin und die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin und ihre jeweiligen Fans begrüßt werden. Daumen drücken ist angesagt! Meine Rezension zur Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel: Marco Bertram hat sich gewagt. Gewagt ein Fußballbuch zu schreiben, das einerseits die Geschichte des ASK / FC Vorwärts darstellt, andererseits aber in Romanform auf fiktionaler Ebene vier Jahrzehnte das Leben im Arbeiter- und Bauernstaat erzählt. Was sich anhört wie eine ziemlich verrückte Idee, ist im Endergebnis ein viel zu schnell gelesenes, weil sehr kurzweiliges Buch über einen längst untergegangenen Fußballclub, der heutzutage nur noch in den Köpfen und Herzen einiger weniger Getreuen fortlebt.  Lang bevor der Berliner FC Dynamo und der 1. FC Union Berlin die Vormacht in der Hauptstadt der DDR unter sich ausmachten, schickte sich die 1953 aus der Messestadt Leipzig nach Berlin delegierte Vorwärts-Elf an, Meisterehren zu erringen. Als Sportkollektiv der Nationalen Streitkräfte und Aushängeschild der Armeesportvereinigung Vorwärts war es für die Mannschaft geradezu ein Muss erfolgreich zu sein. Und da Spieler nicht transferiert, sondern durchaus im Zuge des Ehrendienstes verpflichtet wurden, schien es gar unendliche menschliche Ressourcen zu geben. Der Erfolg blieb nicht aus. Mehrfach konnten die kurz behosten Volksarmisten Meisterschaften und Pokalsiege feiern. All dies, während man in der Hauptstadt der DDR stationiert war. Die kurze Zeit zuvor in Leipzig war hingegen weniger erfolgreich. Dass dort mit der BSG Chemie auch ein wesentlich beliebterer Club ansässig war, tat sein übriges. Also ab nach Berlin - und dort beginnt auch die Erzählung abseits des grünen Rasenvierecks. Wir durchleben mit Lutz, einem der beiden Hauptprotagonisten, die Irrungen und Wirren im Alltag der noch jungen DDR. Da geht es nicht nur um Fußball, sondern auch um ganz banale Dinge. Vater auf Montage, die Wohnung ist eigentlich zu klein und Südfrüchte gibt es auch schon wieder nicht. Es ist eine Stärke des Buchs, dass Marco Bertram ein feines Gespür für Stimmungen hat. Er lässt den Leser mithilfe von Schlagertexten, Schlagzeilen und Ortsbeschreibungen tief in die 50er und 60er Jahre in Ost-Berlin und später an der Seite des zweiten Hauptakteurs Molli ins Frankfurt (Oder) der 70er und 80er Jahre eintauchen.  Lebensgefühl und Lebenslust unter Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Wir erleben mit den beiden "Ur-Ultras" des FC Vorwärts Erfolge und Enttäuschungen, große Spiele und bittere Niederlagen. Trauer darüber, dass der FCV von Berlin nach Frankfurt (Oder) delegiert wird, und das dortige Erwachen und Wachsen der Begeisterung für die Rot-Gelben:  ---  „Drücken Sie ordentlich auf die Tube! Ich leg auch noch ’ne braune Clara drauf!“, ermunterte Manfred den Taxifahrer, der in der Tat mächtig aufs Gas trat und vorbei am Anger und am Hochhaus, das damals noch niemand Oderturm nannte, zum Viertel Hansa Nord brauste. Mit der „braunen Clara“ war der bräunliche 10-Mark-Schein gemeint, auf dem die alte Clara Zetkin mit schlohweißem Haar und großem Kragen etwas griesgrämig dreinschaute. Der Wolga schlängelte sich die Straße entlang, die über den Klingefließ ins etwas höher gelegenen Plattenbauviertel Hansa Nord führte. 20 Minuten vor Anpfiff erreichte das Taxi tatsächlich wieder den Vorplatz des Stadions, wo Herr Gafke ganz brav mit Molli an einer Ecke gewartet und sich mit einem Ratespiel die Zeit vertrieben hatte. „Nun aber nix wie rein in die gute Stube!“ --- Fährt man heute ins Stadion der Freundschaft in der Oderstadt, ist vom Ruhm des FC Vorwärts nicht mehr viel zu sehen. Alle Jubeljahre packt eine Handvoll übrig gebliebener Fans die Fahnen mit dem Wappen des FC Vorwärts aus, um beim Abend der Legenden über die gute alte Zeit zu plauschen. Mit dem heutigen 1. FC Frankfurt (Oder) e.V. wollen sie nicht wirklich etwas zu tun haben. Sie erinnern sich lieber an ihren FC Vorwärts, die ganz Alten auch an den ASK/FC Vorwärts Berlin. Sie haben die Erinnerung an glorreiche Tage an Spree und Oder konserviert. Marco Bertram sorgt mit seiner Fußballfibel dafür, dass diese Erinnerung noch lange anhalten wird. > die „Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel“ auf marco-bertram.de > zur turus-Fotostrecke: 1. FC Frankfurt (Oder)

Jetzt in der App abspielen

Feuer frei beim Duell Roßweiner SV vs. BSV Einheit Frohburg

13.06.2022 00:00:00

Spitzenspiel in der Kreisoberliga Muldental! Der Roßweiner SV empfängt den BSV Einheit Frohburg und begrüßt fast 300 Zuschauer im Industriestadion, darunter dutzende Anhänger der SG Dynamo Dresden. Im Gegensatz zum Auftritt der Rostocker in Schwerin wird hier allerdings nicht mit der Hopperkasse hofiert. Dass es sich an diesem angenehmen Mittwoch Abend allerdings überhaupt noch um mehr als die goldene Ananas dreht ist einzig und allein der fulminanten Siegesserie des Gastgebers in den vergangenen Partien zu verdanken. Nach einem 14:1-Sieg gegen die Mittelfeldmannschaft aus Klinga-Ammelshain, folgte nur zwei Tage vor der Spitzenpartie gegen Frohburg eine Spielabsage des Gegners aus Machern, welche wegen Nichtantritt der Kontrahenten am grünen Tisch für die Roßweiner gewertet werden wird. Wenn man bedenkt, dass die Frohburger am selbigen Montag eine kräftezehrende Pokalpartie absolvieren mussten, dann hat die ganze Thematik einen sehr faden Beigeschmack.    Gepusht vom eigenen Anhang ließen sich die Gäste aus Frohburg aber nicht aus der Reserve locken und spielten ihren Stiefel souverän herunter. Die Gastgeber machten selten den Eindruck als würden sie wirklich gewinnen, geschweige denn aufsteigen wollen. Der Tabellenführer aus Frohburg ging nach einem glasklaren Elfmeter verdient in Führung und stand hinten relativ sicher. Die wenigen Möglichkeiten des Roßweiner SV konnte der gut aufgelegte Gästekeeper allesamt parieren.    Die Grün-Weißen konnten das Ergebnis in der zweiten Hälfte noch auf 3:0 hochschrauben und ließen spätestens nach dem Abpfiff alle Dämme brechen. Die Verantwortlichen lagen sich in den Armen und die gut bestückte Fanszene brannte im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuerwerk ab. Den Frohburgern würde in den kommenden zwei Spielen ein einziger Sieg reichen, um den langersehnten Aufstieg in die Landesklasse Nord bewältigen zu können - Gegen Ligakonkurrenten Naunhof könnte man Ende Juni sogar noch das Double im Kreispokal perfekt machen. Wir drücken die Daumen!       Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

RWE-Cheftrainer Christoph Dabrowski vorgestellt: Essen soll stabile Rolle in 3. Liga spielen

09.06.2022 00:00:00

Ein kleiner Eintrag in die rot-weissen Geschichtsbücher wird dem 8. Juni 2022 sicherlich zuteil: Punkt 14 Uhr fand an diesem Tag die erste Pressekonferenz für Rot-Weiss Essen in der 3. Liga statt. Die Profi-Liga wurde zur Saison 2008/09 eingeführt, aber RWE konnte sich damals nach einem traumatischen Saisonfinale nicht für die Liga qualifizieren und versank für 14 Jahre im Amateurfußball (eine Saison in der fünftklassigen damaligen NRW-Liga, 13 Spielzeiten in der viertklassigen Regionalliga West). Was über Jahre blieb, war und ist die unglaubliche Leidenschaft der Fans, die dem Klub auch in den mageren Regionalligajahren die Treue hielten und in diesem Jahr am 14. Mai mit dem Aufstieg belohnt wurden.Lohn für die jahrelange Unterstützung, aber auch für das professionelle Agieren der Verantwortlichen um den Vorstandsvorsitzenden Marcus Uhlig (seit 2017 im Verein) und Sportdirektor Jörn Nowak (seit 2019 im Klub) und vielen weiteren Akteuren und Zahnrädern im Hintergrund, die gemeinsam das langersehnte Ziel möglich machten. „Gemeinsam unschlagbar“ - was die RWE-Fans am 19. März 2022 (30. Spieltag der Regionalliga West gegen den KFC Uerdingen) in einer starken Choreographie auf der „West“ vorgaben, soll auch für die Zukunft gelten. Auch für den neuen Mann an der Seitenlinie Christoph Dabrowski, der am 8. Juni 2022 in der Pressekonferenz offiziell vorgestellt wurde.Mit der Trainerwahl ist den RWE-Verantwortlichen wieder einmal ein Coup gelungen: Christoph Dabrowski bringt reichlich Erfahrung mit und schaut in seiner Profi-Karriere auf mehr als 750 Pflichtspiele als Spieler und als Trainer zurück. Zuletzt war der Fußball-Lehrer von Dezember 2021 bis Mai 2022 für das Zweitliga-Team von Hannover 96 verantwortlich. Zuvor arbeitete er bei H96 als Trainer der U17, U19 und der U23 sowie als Assistent der 1. Mannschaft. In seiner aktiven Zeit spielte er für Werder Bremen, Arminia Bielefeld, Hannover und den VfL Bochum. An der Bochumer Castroper Straße kam er zwischen 2006 und 2013 unter anderem als Mannschaftskapitän 224 Mal zum Einsatz. „Gemeinsam in der 3. Liga stabil sein und sich Schritt für Schritt etablieren“, das gab der neue RWE-Cheftrainer als Ziel für die Zukunft aus. Er möchte die Euphorie im Klub mitnehmen und gehe das mit viel Leidenschaft und harter Arbeit an, um den Verein Stück für Stück wieder im Profifußball zu etablieren. Aussagen, die den Fans gefallen. Denn trotz aller Euphorie durch den Aufstieg und neu entfachten Träumereien bleiben die meisten Anhänger in den sozialen Medien und im RWE-Fanforum realistisch und wünschen sich nichts sehnlicher, als eine entspannte Saison in Liga 3 in der RWE mal ohne Drama eine gute Rolle spielt. Aber wie man (also wir) Rot-Weiss Essen in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, so geht es an der Hafenstraße aber eigentlich kaum ohne Spannung und Dramatik.Spätestens wenn der Schriftzug „Stadion an der Hafenstraße“ hängt und im Juli wieder tausende in ihr Fußball-Wohnzimmer pilgern und es zum Brodeln bringen, wird auch Christoph Dabrowski spüren welche Begeisterungsfähigkeit und welche Wucht hinter Rot-Weiss Essen steht. Aber auch wenn sich viele nach einer Wiederholung der Gänsehautmomente vom 14. Mai 2022 sehnen, wissen die Verantwortlichen rund um den Klub wie man gekonnt die Euphorie kanalisiert: „Wir wollen die 3. Liga positiv und voller Vorfreude angehen und haben mit Christoph Dabrowski einen Trainer gefunden, der wie wir einen mitreißenden, leidenschaftlichen Fußball an der Hafenstraße spielen möchte“, erklärte Essens Vorstandsvorsitzender Marcus Uhlig in der Pressekonferenz, wohlwissend das im Hintergrund noch viel Arbeit auf alle wartet. So musste der Klub erst vor ein paar Tagen seinen U19-Nachwuchstrainer Vincent Wagner in Richtung Hoffenheim ziehen lassen. Bei der TSG wird er die U23 betreuen. Wagner, spielte zwischen 2007 und 2014 für Rot-Weiss Essen und wechselte nach Stationen in Bochum und Duisburg 2021 ins Nachwuchsleistungszentrum von RWE. Auf Anhieb erreichte die rot-weisse U19 unter seiner Führung den sechsten Platz in der Bundesliga-Staffel West und konnte zudem den Gewinn des Niederrheinpokals und den damit verbundenen Einzug in den DFB-Pokal feiern. Dazu war er auch neben Sportdirektor Jörn Nowak nach der Freistellung von Christian Neidhart an dem 3. Liga Aufstieg aktiv beteiligt, als er bei den letzten zwei Regionalliga-West-Spieltagen die 1. Mannschaft als Co-Trainer betreute.Der Nachwuchs spielte bei RWE in den letzten Jahren eine verstärkte Rolle. So wurden die U19-Spieler Nico Haiduk und Timur Mehmet Kesim kürzlich mit Profiverträgen ausgestattet. Auch künftig soll der Essener Nachwuchs eine erfolgreiche Basis bilden und so wird sicherlich schon bald ein Nachfolger von Wagner vorgestellt. Neues gibt es auch in Sachen Trainingsgelände. Dieses wird modernisiert und kann dann schon im Rahmen der Sommer-Vorbereitung genutzt werden. Und auch in der ersten Mannschaft tut sich noch was: Auch wenn die 3.Liga Aufstiegsmannschaft fast komplett zusammenbleibt, können sich die Fans auf ein paar neue Gesichter freuen. So soll ein Spieler auf der 6er Position sowie noch ein rechter Verteidiger verpflichtet werden. Wo es dann noch weiteren Verbesserungsbedarf gibt, wird im Laufe der Vorbereitung analysiert und sicherlich auf dem Transfermarkt realisiert. Apropos: Christoph Dabrowski startet am kommenden Mittwoch mit dem Team in die Vorbereitung, bevor am kommenden Donnerstag die Fans bei einem öffentlichen Training im „Stadion an der Hafenstraße“ den „neuen“ an der Seitenlinie und die Spieler unter die Lupe nehmen können. Der Klub Rot-Weiss Essen hat in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung genommen. Und es geht weiter. Sicher ist: Man will gut in der 3. Liga mitspielen, aber es soll keinesfalls die Endstation sein. Langfristig darf man sicherlich von höheren Zielen träumen. Langfristig wohlgemerkt, wenn man geduldig ist und immer dranbleibt, wie in den letzten Jahren sehr gut bewiesen: „Niemals aufgeben – immeRWEiter.“ > zu den Rot-Weiss Essen Fotos Titelfoto: Marcus Uhlig, Christoph Dabrowski, Jörn NowakFotos: Bildagentur frontalvision.com für turus.net

Jetzt in der App abspielen

In Dorfmerkingen das Schalke 2.0 erlebt - Stuttgarter Kickers müssen in die Aufstiegsrunde

08.06.2022 00:00:00

Wir schrieben den 19. Mai 2001. Vier Minuten und 38 Sekunden lang feierte damals der FC Schalke 04 bereits dein heiß ersehnten Meistertitel. Bis, ja bis die Nachricht aus Hamburg eintraf. Tor in der Nachspielzeit im Volksparkstadion. Patrick Andersson mit dem „strammsten Bumms“ haute den indirekten Freistoß in das HSV-Gehäuse. Der FC Bayern München war Deutscher Meister und das Parkstadion Gelsenkirchen wurde ein gigantisches Tränenmeer. So bitter kann Fußball sein.Ähnliches geschah am vergangenen Samstag im 1.000-Einwohner-Ort Dorfmerkingen, der zu Neresheim (östlich von Stuttgart) gehört. Punktgleich gingen der SGV Freiberg und die Stuttgarter Kickers am letzten Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg ins Rennen. Allein das deutlich bessere Torverhältnis sorgte dafür, dass die Freiberger auf Rang eins zu finden waren / sind. Während Freiberg beim FC Nöttingen anzutreten hatte, mussten die Stuttgarter Kickers beim abstiegsbedrohten Spfr Dorfmerkingen ihre Hausaufgaben erledigen.   Vor insgesamt rund 2.000 Zuschauern wurde das Ganze für die Blauen jedoch kein Selbstläufer. Mit dem Rücken an der Wand ging Dorfmerkingen nach knapp einer Viertelstunde mit 1:0 in Führung. Daniel Nietzer brachte die Heimfans zum Jubeln, und die Stuttgarter Kickers mussten ein gehöriges Schippchen drauflegen. Gesagt, getan. In der 27. Minute machte Konrad Riehle aus kurzer Distanz den Ausgleich klar. Im zweiten Spielabschnitt war es Kevin Dicklhuber, der in der 52. und 60. Minute mit seinem Doppelschlag die Gästefans zum fröhlichen Ausrasten brachte. In der Ferne stand es in Nöttingen vermeintlich bis zum Ende 1:1, und nach Abpfiff feierten die Fans und die Spieler der Stuttgarter Kickers auf dem Rasen ausgelassen den Aufstieg.   Zu früh gefreut. Die Partie in Nöttingen war noch gar nicht abgepfiffen, und in der 90.+ 3. Spielminute erzielte Marcel Sökler den 2:1-Siegtreffer für den SGV Freiberg. Somit war Freiberg der direkte Aufsteiger und die Stuttgarter Kickers müssen nun in die Aufstiegsrunde. Bitter auch für die Spfr Dorfmerkingen: Der Freiberger FC konnte mit 3:1 gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen gewinnen und somit an Dorfmerkingen vorbeiziehen und den Klassenerhalt sichern.   Mund abputzen! Noch vor Ort in Dorfmerkingen sprachen die Fans der Stuttgarter Kickers den Spielern Mut zu. Am heutigen Mittwochabend empfangen die Kickers auf heimischen Terrain im GAZI-Stadion auf der Waldau den TSV Eintracht Stadtallendorf. Es ist die erste Partie von der Aufstiegsrunde, aus der einer der drei Vereine am Ende der Glückliche sein wird. Ebenso im Rennen ist Eintracht Trier, das am 11. Juni ins Rennen geht. Gewinnen heute die Stuttgarter Kickers, muss Eintracht Trier zuerst bei Eintracht Stadtallendorf ran. Gibt es heute Abend ein Remis oder eine Niederlage der Kickers, steigt am 11. Juni zuerst das Duell Eintracht Trier vs. Stuttgarter Kickers. Aber wie heißt es so schön im Klappentext der ‚Stuttgarter Kickers Fußballfibel“ von Frank-Michael Lange, Dieter Beck und Michael Wurst? „Drei Sterne um das Kickers-K stehen für Kämpfer, Könner und Kameraden. Außerdem trägt die Kickers-Hymne von Erwin Lehn und ‚Blacky‘ Fuchsberger durch gute wie durch schlechte Zeiten.“   Aus gegebenen Anlass präsentieren wir einen Auszug aus der Fußballfibel - und zwar von der Relegationsrunde zur 1. Bundesliga, bei der die Stuttgarter Kickers gegen den FC St. Pauli antraten. Damals musste eine drittes Spiel her, das am 29. Juni 1991 im Parkstadion Gelsenkirchen (!) ausgetragen wurde. Vor 18.000 Zuschauern gewannen die Blauen gegen die Sankt Paulianer mit 3:1 und zogen in die 1. Bundesliga ein. Folgend eine Passage vom einstigen Kickers-Spieler Ralf Vollmer: Irgendwann konnten auch wir mit unseren ganzen Taschen und Koffern die Rolltreppe hochfahren. Dann hat es nochmals gedauert. Wer weiß, wie eine Profimannschaft unterwegs ist, der kennt das Prozedere: Da hat nicht jeder seine eigene Sporttasche dabei, sondern die Klamotten, Stutzen und Schuhe liegen alle in riesigen Containern. Normalerweise hat der Zeugwart genug Zeit, unsere Sachen in aller Ruhe vorzubereiten. Aber nicht dieses Mal! Bis endlich jeder sein Zeugs gefunden hatte ... es gab ja keine bunten Schuhe, die waren zu der Zeit alle schwarz mit einem weißen Puma-Streifen! Alle besaßen dieselben Kickstiefel, nur mit dem Stift war ganz klein reingeschrieben, wem der Schuh gehört. Ihr könnt Euch vorstellen, was das für ein gewaltiges Chaos und heilloses Durcheinander in der Kabine war. Das Gute: Es gab einfach keine Zeit, Nervosität oder Versagensängste aufzubauen. Es gab keinen Erfolgsdruck mehr, es zählte nur noch, irgendwie rechtzeitig auf den Platz zu kommen.  Wir schafften es: ab, die Rolltreppe runter, auf den Platz, kurz ausgeschüttelt und dann ging‘s schon los!  Das Spiel startete und jeder hat frisch, fromm, fröhlich und frei aufgespielt. Verrückte Geschichte: Wir waren letztendlich völlig locker und haben ein überragendes Spiel abgeliefert. Ein Spiel wie aus einem Guss, zur Halbzeit stand es schon 3:1 und in der zweiten Halbzeit hätten wir die voll abschießen können. Wir waren fußballerisch, wir waren physisch und wir waren von der Psyche klar überlegen. In ihrem Kopf hieß es „auf keinen Fall absteigen“ und wir hatten nichts zu verlieren; nach dieser Vorgeschichte war bei uns einfach kein Druck mehr da. Im Nachhinein für mich die wichtigste Erkenntnis: Dadurch, dass wir zu spät kamen, hatten wir einen psychologischen Vorteil und diese Lockerheit. Endstand 3:1 – die Kickers waren zurück in der Ersten Bundesliga! 
Nach dem großen Erfolg ging es nochmal kurz zurück ins Kölner Hotel zu einer kleinen Feier und dann weiter nach Hause ins Kickers-Vereinsheim. Dort wurde der Aufstieg mit vielen Fans gebührend gefeiert. Tags darauf war dann das ganze Team zu Gast bei Sport im Dritten. Nur einer war nicht im Fernsehstudio: der Ralf Vollmer. Denn der saß im Flieger auf dem Weg zu seinen Freunden nach Amerika.  Fotos: Dominik Stürmer, K. Hoeft (Parkstadion), Sachseninformer > zur turus-Fotostrecke: Stuttgarter Kickers > die Stuttgarter Kickers Fußballfibel beim Verlag CULTURCON medien 

Jetzt in der App abspielen

SV 09 Arnstadt vs. FC Rot-Weiß Erfurt: 19. Sieg in Folge!

07.06.2022 00:00:00

Nach zwei Jahren Abstinenz kehrt der FC Rot-Weiß Erfurt in die vierhöchste deutsche Spielklasse zurück. In einer sehr lang gestreckten Oberligasaison sind die Thüringer bereits seit mehreren Spieltagen nicht mehr von der Konkurrenz einzuholen und können frühzeitig am Kader für die kommende Saison basteln.Mit den Erfurtern kehrt auch wieder ein Stück Geschichte in die Regionalliga Nordost zurück und steigert die Qualität der Liga allen voran auch auf den Rängen. Bis Mitte Juni muss der Erfurter Anhang allerdings noch mit den eher weniger namenhaften Gegner wie Martinroda, An der Fahner Höhe oder dem SV Arnstadt vorliebnehmen.    Eben jene Arnstädter sollten am vergangenen Freitag den FC Rot-Weiß auf ihrer kleinen Sportanlage begrüßen dürfen. Exakt 1.407 zahlende Zuschauer, darunter vermutlich etwas mehr als die Hälfte aus Erfurt, durften eine stark kämpfende und überraschend stark mithaltende Mannschaft aus Arnstadt erleben, die in den letzten Spielminuten leider noch ziemlich auf den Sack bekam und endgültig den Gang in die sechste Liga antreten müssen. Für die Gäste wiederum sollte das 5:2 der 19. Sieg in Folge sein.    Der Erfurter Gästeanhang auf der Gegenseite supportete beinahe durchgängig und sorgte bei sehr angenehmen Wetter für eine tolle Atmosphäre. Der Gastgeber aus Arnstadt wird uns auch positiv in Erinnerung bleiben, denn die Akkreditierung unsererseits wurde problemlos und rasch durchgeführt und auch die Verkäufe der kulinarischen Köstlichkeiten wurden schnell und ordentlich durchgeführt, lange Schlangen haben wir nur vor der Partie erkennen können.    Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) > zur turus-Fotostrecke: FC Rot-Weiß Erfurt

Jetzt in der App abspielen

SG Dynamo Schwerin: Aufstieg in die Oberliga! RIP Paulshöhe! Wut auf die Stadtpolitiker!

06.06.2022 00:00:00

Welterbe Schwerin. Seit 2014 steht das Residenzensemble Schwerin auf der Liste zur Bewerbung um den Titel als Welterbe-Stätte der UNESCO. Was die in Schwerin befindlichen Bauwerke betrifft, ganz sicher zurecht. Schwerin ist einfach wunderschön, und es ist immer wieder eine Wonne, vom Hauptbahnhof aus einen ausgedehnten Spaziergang durch die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern zu starten. Was jedoch einen Teil der lokalen Stadtpolitiker betrifft, so kann man nur den Kopf schütteln. So fand sich tatsächlich im Jahr 2018 eine knappe Mehrheit, die dem Abriss der einmaligen Sportstätte Paulshöhe zustimmte. Wohnungen statt Tradition, sportlicher Aktivität und einmaliger Historie am Schleifmühlenweg.Am 20. August 1922 wurde der Sportplatz Paulshöhe im Stadtteil Ostorf eingeweiht, das sogenannte Torhaus wurde 1927 errichtet, das erweiterte Vereinsheim mit Gaststätte wurde 1938 eingeweiht. Anfangs ließ der 1903 gegründete Schweriner FC 03 dort auf den zwei Plätzen den Ball rollen, ab 1953 durfte die SG Dynamo Schwerin diese Sportanlage nutzen. Immerhin 29 Spielzeiten war Dynamo Schwerin in der DDR-Liga (zweithöchste Spielklasse) mit von der Partie. In der ewigen Tabelle dieser Spielklasse ist Dynamo Schwerin auf Rang sieben zu finden. Knapp hinter der ASG Vorwärts Stralsund und der BSG Post Neubrandenburg.   Die vermutlich denkwürdigsten Partien fanden auf der Paulshöhe in der Saison 1989/90 statt. Im FDGB-Pokal schlugen die Schweriner im Viertelfinale den 1. FC Magdeburg und im Halbfinale den 1. FC Lok Leipzig. Als PSV Schwerin musste man sich am 2. Juni 1990 im Berliner Jahn-Sportpark der SG Dynamo Dresden denkbar knapp mit 1:2 geschlagen geben. Trotz Niederlage war Schwerin für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert, in der ersten Runde schlug man sich gegen Austria Wien recht wacker (0:2 und 0:0). Das Heimspiel wurde jedoch im Rostocker Ostseestadion ausgetragen.   Die jetzige SG Dynamo Schwerin wurde am 27. November 2003 neu gegründet und führt die Tradition fort. Die alte SGD ging 1997 im FC Eintracht Schwerin (seit 2013 FC Mecklenburg Schwerin) auf. 2004/05 wurde der Spielbetrieb in der Kreisliga Schwerin gestartet, über die Bezirksklasse West und die Bezirksliga West ging es schnurstracks in die Landesliga West. In dieser hing die SG Dynamo Schwerin ganze 14 Jahre fest. So auch 2018/19, als die Mehrheit der  Stadtvertreter dem Bebauungsplan und dem Abriss der Paulshöhe zustimmten. Die Stadt setzte voll auf den FC Mecklenburg Schwerin als Aushängeschild und machte diesem Verein den neuen Sportpark Lankow hübsch. Für die SG Dynamo Schwerin - quasi eine Art unbequemes Schmuddelkind der Stadt - war / ist ein Nebenplatz in Lankow vorgesehen.   Neulich durfte man vom Glauben abfallen, als dieser Nebenplatz in Lankow von der Stadt stolz eingeweiht wurde. Oh meine Güte! Ein gesichtsloser Käfig im Gehölz mit sehr niedrigen Rängen. Trostloser könnte ein neuer Sportplatz wohl kaum aussehen. Dies soll also die neue Heimat der SG Dynamo Schwerin werden! Eine Schande! Aber hey, eine kleine Tribüne und ein Funktionsgebäude würde man Dynamo noch bauen.   Man hatte in der Stadt allerdings nicht damit gerechnet, dass Dynamo Schwerin plötzlich durchstartet. Etwas im Schatten der Corona-Krise stieg Dynamo Schwerin 2021 in die Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern auf. Die Aufstiegsfeier wurde damals nachgeholt, und bei jener Party ließ es sich richtig gut versacken und fast den letzten Zug nach Berlin verpassen. Noch gab es ein Fünkchen Hoffnung, dass sich in Sachen Paulshöhe noch ein Schlupfloch finden lassen möge.   Zwar gab es das Schlupfloch nicht, doch marschierte Dynamo Schwerin mal eben durch. Ausgerechnet beim letzten Pflichtspiel auf Paulshöhe konnte die SG Dynamo Schwerin am vergangenen Samstag in die NOFV-Liga aufsteigen. Der Fußballgott schien Dynamo zu mögen, denn krasser konnte das Zusammenspiel kaum sein. Gegen Anker Wismar sollte ein Pünktchen reichen, und der Verein machte richtig mobil. Letztendlich fanden sich bei bestem Sommerwetter knapp 2.300 Zuschauer auf den Rängen von Paulshöhe ein. Und das in der sechsten Liga! Ein echter Hammer! Unter dem Strich sollte es ein großartiges Fußballfest werden. Der eine oder andere ortsfremde Groundhopper bekam jedoch zu spüren, dass auch Schwerin eine Hansazone ist. Diesbezüglich war das eine oder andere auf diversen Blogs zu lesen, doch soll es an dieser Stelle einzig und allein um den Aufstieg der SG Dynamo Schwerin und die emotionale Verabschiedung von Paulshöhe gehen.   Ganz klassisch reiste ich mit meinem größeren Sohnemann gleich früh morgens mit dem 9-Euro-Ticket an. Die verbleibende Zeit zwischen Zugankunft und Anpfiff zu vertreiben, war in Schwerin nun wahrlich kein Problem. Verliebt, verliebt, verliebt - wieder einmal hatte ich mich in diese Stadt verliebt, und meine Entscheidung steht nun endgültig fest, dass ich 2023 einen Roman schreiben möchte, der in den 80er und 90er Jahren in Schwerin und auf Hiddensee spielen wird. Im Stadion selbst brütete bereits die Hitze, und an den Getränkeständen kamen die netten Damen kaum hinterher, die Flaschen mit dem lokalen Bier für 2,50 den halben Liter zu öffnen. Wer auf der Gegengerade im Schatten der dortigen Bäume stand, hatte es an diesem Tag recht gut getroffen. Auf die restlichen Ränge knallte die Sonne mit voller Wucht. Das juckte jedoch an diesem Tag keine Sau, um es mal so zu sagen. Aufstieg und Abschied standen voll im Fokus.   „Mach’s gut geliebte Paulshöhe“, war in weißen Lettern auf schwarzem Grund zu Beginn der Partie zu lesen. Eine Art Blockfahne wurde hochgezogen, auf der die Wappen des eingangs erwähnten Schweriner F.C. 1903 und der SG Dynamo Schwerin zu sehen waren. Dazu eine alte Eintrittskarte und ein Programmheft von der legendären FDGB-Pokalsaison 1989/90. An den Rändern stieg schon bald blauer, gelber, roter und grüner Rauch empor. Wenig später gab es einige Doppelhalter mit dem Schweriner Stadtwappen und etliche Bengalos zu sehen.   Es sollte an diesem Nachmittag nicht das einzige Mal gewesen sein, dass Pyrotechnik zum Einsatz kam. Später wurde zur Botschaft „Schwerin hat dich nicht verdient“ reichlich schwarzer Rauch zum Wabern gebracht. Im Laufe der weiteren Partie wurden im eigentlichen Dynamo-Fanblock immer wieder Fackeln angerissen, an anderen Stellen stieg roter Rauch empor. Sagen wir es mal so: Nicht nur mein Söhnchen kam voll und ganz auf seine Kosten.    Was noch fehlte, war ein Treffer der SG Dynamo Schwerin, um Sicherheit ins Ganze zu bringen. Man wusste ja nicht, ob die Gäste aus Wismar kurz vor Schluss noch ein krummes Ding unterbringen und somit die Party versauen könnten. Verfolger 1. FC Neubrandenburg 04 ließ gegen den SV Siedenbollentin nix anbrennen und gewann mit 7:0. Es lief jedoch auch auf der Paulshöhe alles nach Plan, in der 51. Minute erzielte Nicklas Klingberg den Treffer des Tages und ließ die knapp 2.300 Zuschauer jubeln.   So langsam aber sicher konnte das große Finale vorbereitet werden. Aus Taschen heraus wurden Fackeln verteilt. Wer wollte, der durfte. Sogar ältere Herren ließen sich kurz einweisen und griffen sich eine Fackel. Dynamo Schwerin konnte das 1:0 über die Runden bringen, und nach Abpfiff wurden ringsherum zu guter Mucke die Fackeln angerissen. Ein wahrlich starker Anblick! Erst dann enterten zahlreiche Dynamo-Fans den Innenraum und feierten gemeinsam mit den glücklichen Spielern den Aufstieg in die NOFV-Oberliga.   Während ich fotografierte, rammte mich ein guter Kumpel auf dem Rasen von der Seite fast um. „Ich glaub es nicht! Oberliga! Stell dir das mal vor! Oberliga! Wir fahren mehrmals nach Berlin! Immer wieder können wir dann gemeinsam ein Bier trinken!!“, brüllte er mir ins Ohr und drückte mich ganz fest. Es ist ja auch irre. Nach 14 Jahren Landesliga wurde mal eben durchmarschiert.    So sehr die Freude über den Aufstieg jedoch auch war an jenem Nachmittag, die Trauer über den Abschied der Paulshöhe legte sich etwas bleiern über die Party. Egal, mit wem man sprach, der hässliche Nebenplatz in Lankow war das Thema. Wut und Entsetzen. Vorfreude auf das Stadtduell gegen den FC Mecklenburg Schwerin. Man werde der Stadt zeigen, wer die Nummer eins der Landeshauptstadt ist.  „RIP Paulshöhe - Ruhe in Frieden“, wurde an eine Wand gemalt. Drei Grabkerzen wurden davor abgestellt. „Dort drüben auf dem Nebenplatz hatte ich vor 47 Jahren mit dem Fußballspielen begonnen“, erklärte mir Axel voller Wehmut. Zuletzt hatte Dynamo Schwerin immer wieder mit der Stadt zu kämpfen gehabt. Warmes Wasser fiel immer wieder aus, nötige Reparaturen wurden nicht mehr in Angriff genommen. Man müsse zusammenhalten - auch in Lankow, erklärte ein anderes Urgestein bei seiner kurzen Rede zu den noch Anwesenden.   Ob das Stadion Lamprechtsgrund eine Option sei, fragte ich in die Runde. Schließlich wird es ja dort das Freundschaftsspiel gegen den F.C. Hansa Rostock am Freitag, den 17. Juni geben. Schwierig, lautete die Antwort. Diese Sportstätte gehöre nun mal nicht der Stadt, und eine Stadionmiete an die Betriebsgesellschaft mbH sei fällig.  Wie die Heimspiele 2022/23 aussehen mögen, weiß noch niemand. Kämen gegen die Amateure des F.C. Hansa Rostock beispielsweise mal eben 2.000 Zuschauer, würde rein theoretisch nicht einmal das Hauptstadion in Lankow reichen. Was jedoch in jedem Fall für Freude sorgen wird, sind die Auswärtsspiele. Die Gegner heißen unter anderen Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin, SC Tasmania Berlin, F.C. Hansa Rostock II, FC Mecklenburg Schwerin, TSG Neustrelitz und MSV Pampow. Vielleicht steht auch eine Sause ins Stadion der Freundschaft in Frankfurt (Oder) an, wo einst der FC Vorwärts Frankfurt seine Heimspiele austrug und nun der 1. FC Frankfurt (Oder) beheimat ist. Der Aufstieg ist zum Greifen nahe!   In der Staffel A der DDR-Liga reiste Dynamo Schwerin in den Spielzeiten 1988/89 und 1989/90 zu Vorwärts Frankfurt, musste sich jedoch dort mit 0:2 und 0:5 geschlagen geben. Unvergessen ist auch ein Aufeinandertreffen im FDGB-Pokal am 20. November 1971. Mit 5:6 nach Verlängerung mussten sich die Schweriner geschlagen geben, in der 53. Minute (!) hatte Hans-Peter Sinn den zwischenzeitlichen Führungstreffer zum 3:2 erzielt. Geschichte wurde geschrieben - nun ist es an der Zeit, neue Geschichte zu schreiben! Und was Vorwärts Frankfurt betrifft, so sei mein kürzlich erschienener Fußball-Roman empfohlen. Im nächsten Roman wird indes die SG Dynamo Schwerin mit eingebaut. Sport frei!  > die Fußball-Bücher auf www.marco-bertram.de Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: SG Dynamo Schwerin  

Jetzt in der App abspielen

Sch**ß Relegation! Meister müssen aufsteigen! Der BFC im Tal der (Pfeffer-)Tränen

06.06.2022 00:00:00

Werte Sportsfreunde, was soll ich sagen? Womit soll ich beginnen? Wir drehen gedanklich die Zeit zurück. Es ist Freitag.  Ein Blick auf die "ein Stück Blech, eine Schnur, fertig ist die Ruhla-Uhr": 17 Uhr Uhr. Nix besonderes eigentlich, aber das Relegationsrückspiel zwischen dem Nord-Meister VfB Oldenburg und dem Nordost-Meister BFC Dynamo steht an. Es sind zwar noch 21 Stunden Zeit bis zum Anpfiff - wir fahren aber trotzdem schon in dieses Städtchen und schauen, was dort so abgeht.Gefühlt 1.000 Kilometer trennen beide Städte von einander, und somit wird es wohl die längste Auswärtssause der Saison werden. Notgedrungen, ungewollt von allen - außer von den gewissen Herren aus Frankfurt am Main. Es ist nahezu unbeschreiblich,  wie hohl diese gesamte Konstellation eigentlich aussieht. Fünf Regionalligen - vier Aufsteiger. Herzlichen Glückwunsch.    Ja, es ist schon klar, dass der NOFV und die meisten nordostdeutschen Regionalligisten die Verschmelzung bzw. Teilung des Teilnehmerfeldes im Zuge der möglichen Reduzierung auf vier Staffeln ablehnten. Allerdings stand kurioserweise auch nicht mehr das Modell im Raum, das es in den 90ern mal gab. Vier Staffeln, die wie folgt aussahen: Nord, Nordost, Süd und West/Südwest. Bereits damals mussten Nord und Nordost in die Relegation (wir erinnern uns an Oldenburg vs. TeBe und Energie Cottbus vs. Hannover 96), allerdings gab es damals nur drei Aufsteiger in die 2. Bundesliga. Nun haben wir zwar vier Aufsteiger, aber nun mal fünf Staffeln. „Schön", dass Bayern auf seine eigene Staffel besteht und keinen Bock auf eine Staffel Süd hat. Kein Wunder, dass es nix wurde mit der Reduzierung auf vier Staffeln und wir nun durch diese unsägliche rotierende Relegation müssen.   Wie dem auch sei, gespielt werden musste jetzt nun mal. Da hilft auch kein Motzen und kein Meckern. Leider. Die Ausgangsposition konnte schlechter nicht sein für den BFC Dynamo. Nach der 0:2-Hinspielniederlage waren die Chancen zwar gering, aber das Ganze war nicht unmöglich. Oldenburg war nicht super stark, der BFC nur arg zerfahren in Halbzeit eins. In der zweiten Halbzeit machte der BFC ordentlich Dampf. Letztlich der eigene Torerfolg fehlte. Frenetisch gefeiert wurde das Team aus Oldenburg von den knapp 600 mitgereisten Fans. Darunter schätzungsweise 80 Ultras und 90 Hools. Optisch sah es nach einer Mischung aus Oldenburg/Kiel aus.    Zum Rückspiel nach Oldenburg reiste der BFC mit voller Kapelle gen Norden. Knapp 2.500 glaubten an ihr Team und unterstützen den BFC Dynamo im Stadion am Marschweg. Verteilt auf den Gästeblock, den Nachbarblöcken und auf der Haupttribüne. Dies schmeckte den anwesenden Heimfans zwar nicht wirklich, aber der Ultra-Block seitens Oldenburg nahm im A Block platz bzw. auf der Gegengrade und war somit reichlich entfernt. Vorab wurde kommuniziert, dass alle in Fankleidung anwesenden BFC-Fans direkt in den Gästeblock gebracht werden sollten. Dieser platzte jedoch aus allen Nähten und aufgestellt wurden ein Bierstand, ein Stand mit alkoholfreien Getränken und ein Grillstand sowie ein WC. Das versprach also in jeder Hinsicht eine enge Angelegenheit zu werden. Am Abend zuvor, als wir in Oldenburg strandeten, gab es bereits die wildesten Gerüchte. Oldenburg/Kiel/Bremen würden auf uns – sprich den BFC - warten und zeigen, wer Herr in der Stadt ist. Obacht war also angebracht. Auf dem Weg in die Innenstadt, den ich zusammen mit einem Kollegen per Fuß bewältigte, sehen wir viele Fahrräder. Die Späher waren also in alter Manier mit dem Zweirad unterwegs. Bei einer Fastfood-Kette angekommen, wurden wir auch gleich in Empfang genommen und von etlichen Oldenburger Fans begrüßt. Die Polizei aus Cuxhaven, Wilhelmshaven und Oldenburg war bereits massiv am Start. Welch ein enormer Aufwand für solch ein Relegationsspiel der vierten Liga. Am Marktplatz versammelte sich zum Abend hin dennoch eine beachtliche Gruppe von jungen und alten Oldenburger Hools, auf Blickfang zu einer Bar, in der BFC-Fans saßen.    Die Gruppe wuchs schnell auf knapp 100 Personen an, in der Bar selbst verweilten jedoch nur ca. 20 Personen. Die Polizei bekam schnell Wind davon und unterbrach den Dauerlauf der Oldenburger, die wirklich systematisch in jeder Gasse Ausschau hielten. Nun ja. Nach Identitätsfeststellung und der Aussage, dass wir aus Berlin kämen, wurde uns geraten das Hotel aufzusuchen oder eben in irgendeine Bar zu gehen, jedoch nicht in dieser Straße. Keinesfalls bitte in dieser Straße!! Zu groß war die Angst vor eventuellen Zusammenstößen bereits einen Abend vor dem Spiel.  Wir nahmen unser Essen und liefen die 1,5 Kilometer quer durch die Stadt und nahmen Platz im Hotel. Nach einer kurzen Nacht wurde der eigentliche Spieltag erst einmal mit einem ausgiebigen Frühstück eröffnet, ehe die Polizei dann den Parkplatz und das Klosett des Hotels aufsuchte. In aller Frühe waren die Beamten bereits auf der Suche nach den BFC-Fans – und dies wie gesagt auch auf den stillen Örtchen. Respekt. Gegen 10:15 Uhr machten wir uns auf den Weg gen Stadion. Eine Stunde später sollte die erste Sicherheitskonferenz stattfinden,  um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Hierzu möchte ich anfügen, dass die Verantwortlichen des VfB Oldenburg stets bemüht waren, alles in beste Ordnung zu bringen. Sicherlich gibt es auch hier noch Nachholbedarf, aber sie bemühten sich wirklich sehr. Der einzige Spielverderber an diesem Tag war die Polizei, die einfach das Zepter übernahm, wann es ihr passte - und das teils mit einer völlig falschen Herangehensweise.    Fast zeitgleich fand am Waffenplatz der Fanmarsch des VfB Oldenburg statt. Zu diesem waren schätzungsweise 500 Fußballfreunde gekommen, welche sich lautstark in Richtung Stadion auf den Weg machten. Ebenso zeitgleich wurden fast alle Busse mit BFC-Inhalt systematisch abgefangen, durchsucht und mit Begleitschutz zum Stadion gebracht. Unterschiedlicher können Fan-Anreisen nicht aussehen. Das erschien teils schon grenzwertig. Vermutete man hinter jedem Fan einen gewaltbereiten und mit Mundschutz ausgestatteten Hooligan? Ist es wirklich so, dass die BFCer auch gern kleine Kinder zum Frühstück fressen und gegen Mittag die halbe Stadt in Schutt und Asche legen? Im Regionalliga-Alltag war davon nix zu sehen. Direkt unter der Autobahn durften die PKW-Besatzungen parken und den kurzen Weg zum Gästeblock laufen. Dies ergab ein schönes Gesamtbild zwischen Alt-Fans und Jung-Ultras, welche den Weg gemeinsam bestritten. Die Polizei sah wohl Gefahr in Verzug und zog ihre Helme auf und hielt das Pfefferspray stets griffbereit. Geholfen hat dabei noch die Pferdestaffel aus Hannover, welche in englischer Manier den Tross begleitete.    Der Anpfiff des Spiels näherte sich, und mittlerweile war das Stadion gut gefüllt und mit 12.000 Fans ausverkauft. Im Gästeblock zierte ein 30-Meter-Banner mit der Aufschrift: "ALLES FÜR DYNAMO" die schöne Kurvenansicht. In der Mitte waren der Berliner Bär und das alte Logo des BFC Dynamo zu sehen.  Im Ultra-Block der Oldenburger wurde eine große Blockfahne hochgezogen, untermalt wurde diese mit ein paar Bengalos. Im Gegenzug rauchte es im Gästeblock weinrot-weiß. Dazu wurden etliche Schals in weinrot-weiß gehalten mit der Aufschrift: ALLES FÜR DYNAMO. Das Spiel selbst begann ähnlich wie eine Woche zuvor in Berlin. Der BFC wirkte etwas gehemmt, aber suchte sofort den Weg zum Tor. Es mussten ja erstmal zwei Tore wettgemacht werden, um die mögliche Verlängerung zu erreichen. Aber auch Oldenburg suchte schnellstmöglich die Entscheidung, und so waren sie es auch, die nach einem langen Abschlag des Torwarts durch Wegener in Führung gingen. Verdammte Axt! Der Gästeblock verstummte nicht und sorgte weiterhin für gute Stimmung und gute Laune. Einzig die Polizei zog plötzlich etliche Beamte zusammen und positionierte sich am oberen Abteil des Pufferblocks. Just in diesem Moment erfolgte eine Festnahme - vermutlich hatten Fans eine Holzlatte aus einem provisorischen Gerüst gezogen -, was die BFC-Fans mit Unmut quittierten.  Plötzlich marschierte in den ohnehin schon engen Gästeeingang eine Hundertschaft Polizisten hinein. Das Ganze wurde begleitet mit einer ordentlichen Portion Pfeffer. Es steht außer Frage, dass kurzzeitig die Nerven blank lagen und es zu kurzen heftigen Auseinandersetzungen kam. Zwischen den Fans, die bereits am Grillstand standen und den Leuten, die aus dem Block wollten, um auf die Toilette zu gehen, standen sie nun,  die Polizisten. Just in diesem Moment fiel das 1:1 durch Niklas Brandt. Die Polizei verließ schnell das Gehege, und somit konnten die Fans dann doch noch auf die Toilette. Aufgrund des unsachgemäßen Einsatzes von Gewürzen aus der Flasche flohen die Mitarbeiter des Grillstands samt Kasse. Es gab somit ungewollt Freiwurst zur Halbzeit. Die Lage beruhigte sich erst, als Verantwortliche des BFC dafür sorgten, dass die Polizei sich von den Zäunen verabschiedete und zurück in die Pufferblöcke marschierte. Die zweite Halbzeit begann druckvoll seitens der Weinroten, und somit lag das 2:1 in der Luft. Oldenburg hatte nur noch wenig entgegenzusetzen, aber das Tor wollte einfach nicht fallen. "Beckus" köpft erst gegen den Pfosten, 60 Sekunden später war es dann die Latte, die sich im Weg befand. Abermals 60 Sekunden später probierte es Beck mit einem Kopfballheber. Die BFC-Fans hatten den Jubelschrei schon auf den Lippen. Es war zum Haare raufen.   Mittlerweile positionieren sich vor dem Gästeblock drei Reihen Polizei, um den möglichen Platzsturm seitens der Oldenburger abzufangen. Im Gegenzug erwartete man anscheinend, dass die BFC Fans aus Frust ebenso den Innenraum betreten könnten. Die Fanbetreuung des BFC Dynamo hatte aber alles unter Kontrolle. Lediglich das Abbrennen von Pyrotechnik wurde vernommen, was aber heutzutage kaum noch verhindert werden kann.    Plötzlich versperrten die Einsatzkräfte den Durchgang der BFC-Verantwortlichen, um an Zaun zu gelangen. Dies sorgte nicht nur für Unmut, sondern auch für absolutes Unverständnis. Durchweg probierte man von Seiten des BFC Dynamo während des Spiels alles friedlich zu halten - und plötzlich war man nicht mehr gut genug?! Die Polizei wollte nun alles auf ihre Art und Weise regeln?! Nach einem verbalen Austausch kam es dann auch kurzzeitig zu Handgreiflichkeiten im Innenraum. Mehr als angefressen führten die Verantwortlichen des BFC dennoch ihren Job aus, um die letzten Minuten des Spiels zu Ende zu bringen. Mir fehlten nach dieser polizeilichen Aktion schlichtweg die Worte! Was das Sportliche betrifft: Die Zeit verging wie im Fluge, und erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit traf Andor Bolyki zum 2:1. Es waren noch zwei Minuten Zeit, doch noch das Unmögliche zu schaffen. Wenigstens die Verlängerung! In den 120 Sekunden probierte der BFC noch mal alles, doch es half nichts. Der BFC gewinnt zwar das Spiel, steigt aber aufgrund des Hinspielergebnisses nicht in Liga 3 auf. Christian Beck sorgte im Anschluss des Spiels mit einer Ansage in Richtung DFB für eine klare Ansage. Zehn Spiele wurden mehr absolviert als in der Regionalliga Nord, und am Ende steigt man dennoch nicht auf. Es ist und bleibt unfassbar ungerecht. 15 Minuten nach Spielende kam Zeugwart und Publikumsliebling Stefan "Malle" Malchow in die Kurve. Auch er konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Ihm folgten die Spieler und das Trainerteam. Auch diese hatten Tränen in den Augen. Alles umsonst. Alles für die Katz. Eine super Saison trägt nun keine Früchte. Das Gold des Meistertitels wirkt nun wie Blech. Alles auf Anfang!    Egal, wen es getroffen hätte. Lok Leipzig, Weiche Flensburg, Carl Zeiss Jena oder Oldenburg. Solch ein Anblick muss doch echt nicht sein! Dies kann einfach nicht der Dauerzustand werden. Wie die Aufteilung von vier Staffeln aussehen könnte, hat man doch in den 90ern gesehen. Aber scheinbar sind in Bayern dermaßen mächtige Kräfte zugange, die eine Staffel Süd mit aller Macht verhindern wollen. Für den Nordosten, der bis 1990 einen ganzen (!) Staat darstellte, ist der jetzige Zustand ein reines Desaster. Es bleibt der wahrlich üble, bittere Beigeschmack, dass diese Region seit 32 Jahren vom DFB benachteiligt wird. Danke für nichts! Fotos: Abteilung Utzki Bericht: Abteilung Utzki in Zusammenarbeit mit Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo

Jetzt in der App abspielen

Pyro satt und Aufstiegsparty beim SV Blau-Weiss Möglenz

03.06.2022 00:00:00

Frei Schnauze aus dem Kopf: Wo liegt Möglenz? Klingt irgendwie nach Sachsen? Fast. Zu finden ist die Ortschaft Möglenz im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster und gehört seit 1993 zur Stadt Stadt Bad Liebenwerda. Nun dürfte es gewiss klingeln. Was man zu Möglenz wissen sollte? 1870 wohnten bereits etwa genauso viele Menschen in Möglenz wie heute.1953 erfolgte die Gründung der LPG Roter Stern, wenig später wurde der örtliche Erntekindergärten errichtet. Die Sportgemeinschaft Möglenz wurde 1964 ins Leben gerufen, und das Sportlerheim wurde im Jahre 1973 gebaut. Sprich, es ist genauso alt wie ich. Was den Fußball betrifft, so ist der SV Blau-Weiss Möglenz (noch) in der Staffel West der Kreisliga Südbrandenburg zu finden. In der kommenden Saison dürfen sich die Blau-Weißen Kreisoberligist nennen, nachdem in der zurückliegenden Spielzeit mit ordentlich Karacho durchmarschiert wurde.    Und dabei startete der SV Blau-Weiss Möglenz zu Beginn noch nicht ganz durch. Nach dem 2:0-Sieg gegen die SpG Mühlberg/​Fichtenberg vor 165 Zuschauern folgte in der Woche darauf eine 0:2-Niederlage beim SV Lok Uebigau. In der Folgezeit nahm Möglenz indes gut Fahrt auf und festigte Rang eins. Am vorletzten Spieltag konnte bereits der Aufstieg gesichert werden. Während der TSV 1878 Schlieben II daheim gegen den Tabellenletzten SV Wacker Reichenhain mit 4:6 verlor, konnte der SV Blau-Weiss Möglenz mit 4:0 bei SpG Doberlug-Kirchhain gewinnen. Tom Effland machte drei Buden, das vierte Tor steuerte Elias Gattermann bei.   Am vergangenen Sonntag wurde auf dem heimischen Sportplatz der SV Aufbau Großkmehlen empfangen - und vor 122 Zuschauern wurde mal eben mit 9:0 gewonnen. Wieder erzielte Tom Effland drei Treffer, die restlichen Tore schossen Robert Heinrich, Julian Trzmiel, Elias Gattermann, Rene Daniel, David Göhlert und Markus Pech.   "Wir sind blau, wir sind weiß, wir regieren den ganzen Kreis", hieß es hinter einem Banner. Am Geländer befestigt wurde auch die Zaunfahne der "Blue Fanatics". Während hinter einem Tor die Rinder genüsslich auf einer Wiese das Gras futterten, ließen sich die Heimfans nicht lumpen, und zogen eine große Folie auf. "Unaufhaltsam SVM - Meister und Aufsteiger 2022". Dazu gab es eine sehenswerte Pyro-Einlage, von der man wahrlich im ganzen Kreis sprechen wird.  Die Spieler zeigten sich sehr erfreut - die Pyro-Reste wurden brav in bereitgestellten Blecheimern abgelegt.    Noch ein Gruppenfoto - noch ein Einzelfoto von Tom Effland Nummer 16 Fußballgott. Danach durfte das eine oder andere kühle Bierchen die durstigen Kehlen hinuntergeronnen sein. Fotos: Los Misenas

Jetzt in der App abspielen

turus-Sommertour - #5 BSG Chemie Kahla

03.06.2022 00:00:00

Ein für Leipziger ungewöhnliches Bild fanden wir am Mittwoch im thüringischen Kahla wieder. Die heimische BSG Chemie Kahla wurde auserkoren, um einen soliden Start in das Abenteuer "Neun-Euro-Ticket" zu wagen. Ironischerweise spielten die Gastgeber der BSG Chemie in blau-gelben Trikots und hatten auch einiges an Merchandise in jenen Farben zu bieten. Ich habe mich bis zum heutigen Tage der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht an den Anblick gewöhnen können.Gegründet wurde die Betriebssportgemeinschaft im Jahre 1910 und hat somit eine ziemlich lange und teils auch erfolgreiche Geschichte vorzuweisen. Zwischen den Jahren gab es die üblichen Wechsel des Vereinsnamens, der am längsten im Vereinsregister stehende Name ist aber BSG Chemie.    Der nun immerhin 122 Jahre existierende Verein kickte überwiegend im regionalen unterklassigen Bereich, durfte für eine ganze Spielzeit in der zweithöchsten DDR-Liga Lehrgeld zahlen und stieg 1996 tatsächlich in die Oberliga-Nordost auf.    Zwei Jahre später musste sich Kahla zusammen mit dem Halleschen FC aus jener Liga aber wieder verabschieden. In der Landesklasse kämpfen die Männer vom Dohlenstein aktuell um den Klassenerhalt und konnten gegen Tabellennachnarn Stadtroda auch nichts zählbares mitnehmen.   Wir empfehlen jedem Leser mal einen Abstecher zum Stadion am Dohlenstein zu wagen und ermuntern euch nebenbei auch noch diesen schönen Aussichtspunkt in unmittelbarer Nähe des Stadions zu besteigen.   Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)  

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen glückt Revanche: A-Junioren holen Niederrheinpokal 2022 gegen den MSV

02.06.2022 00:00:00

Die A-Junioren (U19) von Rot-Weiss Essen (RWE) konnten gestern den Niederrheinpokal in Oberhausen gegen MSV Duisburg im Elfmeterschießen mit 5:4 für sich entscheiden und dürfen sich nun über den Einzug in die erste DFB-Pokalrunde der Junioren und ein attraktives Los wie den FC Bayern München oder Borussia Dortmund freuen. Am DFB-Pokal der Junioren nehmen die 21 Sieger der A-Jugend-Verbandspokale sowie die bestplatzierten elf Mannschaften aus den A-Junioren-Bundesligen teil. Das Endspiel findet in Berlin meistens vor dem Finale der Profis statt. Bis Berlin ist und war es aber ein weiter Weg: In der Hauptrunde des Junioren-FVN-Pokals nahm die Essener A-Jugend, trainiert von Vincent Wagner, die Hürde TSV Meerbusch mit einem lockeren 4:1, bevor im Achtelfinale der VfR Fischeln (ein Monat nach der ersten Mannschaft von RWE) wartete und mit 3:1 besiegt wurde. Im Viertelfinale machte es die U19 dann aber besser als die erste Reihe: Sie besiegte den Wuppertaler SV am 7.Mai mit 1:0 und zeigte sich eine Woche später am 15. Mai trotz der Feierlichkeiten um den Aufstieg der ersten Mannschaft in die 3. Liga am Tag zuvor hellwach und besiegte die U19 von Fortuna Düsseldorf mit 2:1 und zog verdient ins Finale gegen den MSV Duisburg ein.Diese Final-Paarung gab es schon einmal und zwar im Jahr 2016. Damals siegten die A-Junioren des MSV Duisburg nach 120 torlosen Minuten 5:4 im Elfmeterschießen. Diesmal lief die Geschichte aber andersherum. Diesmal gewann Rot-Weiss Essen nach 120 torlosen Minuten 5:4 im Elferkrimi auf der Oberhausener Fritz-Collet-Sportanlage. 500 Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten bei leckeren Bier, Bratwurst, Sonne, Regen und Regenbogen: Auch wenn keine Tore fielen, so war es doch ein sehr ansehnliches und intensives Spiel mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten. Sowohl Essen als auch Duisburg hatten mehrfach die Möglichkeit das Spiel für sich zu entscheiden, aber entweder war das Aluminium im Weg oder die beiden Torhüter glänzten stark. Das Spiel hätte gut und gerne auch 4:4 enden können. Genauso wie das Spiel so verlief auch das Elfmeterschießen: Knallhart und abgezockt. Stark und teilweise frech geschossene Elfer ließen den Torhütern kaum eine Chance. Elferschießen ist halt auch etwas wie Glücksspiel. Die Rot-Weissen begannen und einer nach den anderen zimmerte den Ball in die Maschen. Manch einer dachte es könnte ein langer Elfer-Abend werden. Dann trat aber Elias Boadi Opoku für die Zebras an und der 17-jährige RWE-Torhüter Dorian Drucks konnte den Schuss unter großem Jubel seiner Mitspieler und einem Teil der Zuschauer parieren. Der Pokal konnte im Halbdunkeln der Sportanlage in die Höhe gereckt und damit eine erfolgreiche Saison von Rot-Weiss Essen gekrönt werden. > zu den Rot-Weiss Essen Fotos > zu den MSV Duisburg Fotos  

Jetzt in der App abspielen

turus-Sommertour - #4 Meeraner SV

31.05.2022 00:00:00

Unmittelbar an der thüringischen Grenze liegt die sächsische Kleinstadt Meerane, bekannt für ihre "Steile Wand", die dem einen oder anderen Radfahrer zu DDR-Zeiten Kopfschmerzen und schwere Beine bereitet hat. Ebenso beschwerlich ist aktuell die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, da die Zugverbindung nach Meerane gekappt wurde und die Stadt aktuell nur mit Bussen bzw. Schienenersatzverkehr zu erreichen ist. Der kurze Aufstieg zum Richard-Hofmann-Stadion konnte nach einer kurzen kulinarischen Reise an "Tonys Cafe" ziemlich entspannt in Angriff genommen werden und auch vor Ort wurden wir bestens bewirtet. Der SV Meerane spielt mit seiner ersten Herrenmannschaft in der Landesklasse West und verfügt über eine absolut vernünftige Sportanlage mit einem Vereinshaus, einem großen Hauptplatz mit ausreichend Spielraum für größere Kulissen, ein Hockeyfeld und einen Kunstrasenplatz für die Fußballer.    Gegründet wurden die Blau-Weißen im Jahre 1907 und sie haben in ihrer langen Vereinshistorie bereits einige nennenswerte Anekdoten und Erfolge zu verzeichnen. Unter der Führung des "Starspielers" Richard Hofmann, der bereits einige Länderspiele zu verzeichnen hatte und heute immer noch dem Stadion seinen Namen verleiht, konnten in der westsächsischen Gauliga drei Meistertitel innerhalb kürzester Zeit errungen werden.    Im Jahre 1949 wurde die DDR-Oberliga gegründet und auch die Fußballer aus Meerane bekamen unter dem Namen "BSG Einheit" einen Startplatz in jener Liga. In jener Saison nahmen an der Oberliga sehr namenhafte Mannschaften wie zum Beispiel die "BSG Märkische Volksstimme Babelsberg" oder die "BSG Eintracht Hans Wendler Stendal" am Spielbetrieb teil. In den folgenden Jahren wird die DDR-Oberliga weiter aufgestockt und die Männer aus Meerane entwickeln sich ein wenig zur Fahrstuhlmannschaft. In der ewigen Tabelle der DDR-Oberliga landet Meerane zumindest einen Rang vor der BSG Energie Cottbus.    Die goldenen Zeiten in Meerane sind natürlich schon längst erloschen, aber dennoch haben wir vor Ort einen sehr sympathischen und modernen Verein erlebt, der auch in der Zukunft seinen Weg gehen wird. Gegen Eiche Reichenbrand reichte es am Sonntag zwar nur zu einem 2-2 Unentschieden, aber die 110 Zuschauer ließen sich davon die Laune nicht spürbar vermiesen.  Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

Fußballtour in Bosnien & Herzegowina: Zrinjski Mostar auswärts und Velež Mostar daheim

30.05.2022 00:00:00

Neben FK Sarajevo und Željezničar Sarajevo sowie Borac Banja Luka dürften die beiden Stadtrivalen aus der 115.000-Einwohner-Stadt Mostar die bekanntesten Vereine in der Premijer Liga von Bosnien und Herzegowina sein. Die Rede ist vom Fudbalski klub Velež Mostar und vom Hrvatski Športski Klub Zrinjski Mostar. Während Zrinjski Mostar in der Liga mit einem enormen Vorsprung auf Tuzla City an der Tabellenspitze zu finden ist und somit den Meistertitel feiern darf, konnte Velež Mostar kürzlich den Kup Bosne i Hercegovine holen. Im Endspiel wurde der FK Sarajevo nach einem 0:0 mit 4:3 im Elfmeterschießen bezwungen.Wenige Tage nach dem Pokalfinale sahen sich die Kontrahenten in Mostar im Stadion Rođeni Vrapčići wieder. Dem FK Sarajevo, der aktuell auf Rang vier zu finden ist, sollte jedoch keine Revanche glücken. Vielmehr gab es in der Stadt mit der weltberühmten Brücke eine 0:3-Niederlage.    Vor 3.500 Zuschauern zeigte Velež Mostar eine prima Leistung, alle drei Treffer erzielte Dženan Zajmović, der 1994 in Antwerpen das Licht der Welt erblickt hatte und vor der Saison von CSMS Iasi zu Velež kam. Nach Mostar angereist waren 92 Gästefans aus Sarajevo, die hinter dem weinroten Horde Zla Banner im Gegensatz zu ihrer Mannschaft eine ordentliche Leistung boten. Gut verteilt im Block konnte mal wieder unter Beweis gestellt werden, dass auch eine 100-Mann-Meute was auf die Beine stellen kann.    In der Dämmerung wurden im Gästebereich die Oberkörper freigelegt, auf der Heimseite standen die Ultras in Reihe und Glied und gaben ebenso ihr Bestes. Und wie es sich für ein Freitagabendspiel gehört, kam auf beiden Seiten eine Portion Pyrotechnik zum Einsatz.   Der Stadtrivale HŠK Zrinjski Mostar mit dem kroatischen Schachbrettmuster im Wappen reiste am Samstag zum Tabellenletzten FK Rudar Prijedor. Aus Mostar angereist waren fünf Neunerbusse, und somit fanden sich rund 100 Gästefans im Gradski Stadion Prijedor ein. Zurückzulegen waren pro Strecke knapp 300 Kilometer - Prijedor befindet sich im Nordwesten des Landes in der Entität (Gliedstaat) Republika Srpska.    Beim örtlichen Verein FK Rudar Prijedor gingen zum Ende der Saison quasi bereits die Lichter aus und die heimische Fanszene boykottierte die Partie gegen den frisch gebackenen Meister. An der Straße befestigten die Fans ein Spruchband, auf dem sinngemäß zu lesen war: „Ihr seid alle nur wegen dem Geld hier - Hände weg von den Bergarbeiter Fans!“    Die Fans von Zrinjski Mostar trafen mit 25 Minuten Verspätung am Ort des Geschehens ein und sorgten im Anschluss für einen durchgehenden Support und zwei sehenswerten Pyro-Einlagen. Dank der beiden Treffer von Nemanja Bilbija in der 66. und 86. Minute konnte das Spiel mit 2:0 gewonnen werden, und nach Abpfiff wurden der Mannschaft noch sämtliche Klamotten „abgenommen“. Teils nur noch mit einer Unterhose bekleidet durften die Spieler anschließend in die Kabinen marschieren und sich dort sicherlich ein kühles Bierchen genehmigen.     Fotos: Dominik Stürmer > zur turus-Fotostrecke: Fußball in Bosnien & Herzegowina

Jetzt in der App abspielen

BFC Dynamo vs Oldenburg & Wismut Aue U19: Zweimal feierten die Gäste

30.05.2022 00:00:00

Da war es wieder - dieses grässliche Gefühl der Leere. Eine geil gespielte Saison, ein eingefahrener Meistertitel - und plötzlich stehst du vor dem Nichts und darfst wie Meuselwitz & Co wieder auf Anfang gehen. Nach der erschütternden, aber leider auch verdienten 0:2-Niederlage gegen den VfB Oldenburg verließ ich anfangs recht zügig das Gelände des Sportforums Hohenschönhausen und brachte einen Kumpel vor zur Straßenbahnhaltestelle am Weißenseer Weg. Trübes Wetter, trübe Aussichten - was nun? Einfach nach Hause fahren? Nee! So trostlos dürfte der Tag einfach nicht enden. Ich stiefelte die Konrad-Wolf-Straße zurück, um am Vereinsheim des BFC Dynamo noch mit ein paar Leuten zu quatschen und später gemeinsam das CL-Finale zu gucken.Auf dem Weg dorthin musste ich an die grässlichen Aufstiegsrunden in den 90ern denken, als zu Beginn des Jahrzehnts gleich vier Oberliga-Meister den Aufsteiger in die 2. Bundesliga ausspielen durften. Aus dem Osten waren 1991/92 drei Vertreter dabei (Staffel Nord, Mitte und Süd), hinzu kam der Nord-Meister VfL Wolfsburg. Wer konnte sich durchsetzen? Richtig! Der VfL Wolfsburg ließ den FC Berlin (BFC Dynamo), den 1. FC Union Berlin und den FSV Zwickau hinter sich und durfte sich über den Einstieg in den Profifußball freuen. Ich fand das erschütternd. Für den Fußball-Osten war es eine Tragödie.   Zwar milderte die Einführung der Regionalligen zu Beginn der Saison 1994/95 das Ganze etwas ab, doch die grundsätzlichen Probleme blieben. Während 1996 und 1997 die Meister der Staffeln Süd und West/Südwest direkt in die 2. Bundesliga aufsteigen durften, mussten die Meister aus Nord und Nordost eine Relegation ausspielen. 1996 musste sich Tennis Borussia Berlin dem VfB Oldenburg geschlagen geben, im Jahr darauf konnte sich der FC Energie Cottbus im hochdramatischen Rückspiel gegen Hannover 96 durchsetzen. Bereits zu jenem Zeitpunkt gab es genug Stimmen, die sagten, dass es so nicht funktionieren könne, da nach einer exzellenten Meister-Saison mit einem Mal alles - sprich die Existenz der Vereine - auf dem Spiel stünde. Nach oben hin besser wurde es, als es nur noch die zwei Regionalliga-Staffeln Nord und Süd gab, doch verlagerte sich das Ganze wieder nach unten. So musste im Juni 2001 der BFC Dynamo in der Relegation gegen den 1. FC Magdeburg antreten. Einer von beiden war 2001/02 in der Regionalliga Nord mit von der Partie und durfte sich auf eine „2. Bundesliga Light“ freuen, da unter anderen Preußen Münster, der VfB Lübeck und Rot-Weiss Essen als Gegner winkten. Für den BFC Dynamo wurde es ein Drama. Nach dem 0:0 im Hinspiel stand es auswärts in Magdeburg zwischenzeitlich 2:2, was Dank der Auswärtstorregel gereicht hätte, doch dann drehten die Magdeburger auf und gewannen das Spiel mit 5:2. Der BFC Dynamo geriet in arge finanzielle Nöte und musste 2002/03 einen Neustart in der Berliner Verbandsliga starten. Der mühsame Weg zurück in die Regionalliga dürfte bekannt sein. Nun wurde der BFC Dynamo endlich Meister in der Regionalliga Nordost und setzte sich gegen die namenhafte Konkurrenz wie Energie Cottbus, 1. FC Lok Leipzig und FC Carl Zeiss Jena durch, muss jedoch den Weg über die Relegation gehen, um in die 3. Liga zu gelangen.   Während die Vertreter aus West und Südwest aktuell jeweils einen Aufsteiger sicher haben - in diesem Jahr packten der SV Elversberg und Rot-Weiss Essen den Sprung nach oben -, rotiert in Bayern, Nord und Nordost das Ganze. Einer von Dreien darf direkt aufsteigen - dieses Jahr ist es Bayreuth aus Bayern -, und die anderen beiden müssen diese unsägliche Relegation / Aufstiegsrunde ausspielen. Es ist eine Schande, dass zumindest in der Viertklassigkeit keine Lösung gefunden wurde. Meister müssen direkt aufsteigen! Basta! Mir geht es auch nicht in den Kopf, weshalb Bayern seit geraumer Zeit eine eigene Regionalliga hat. Wir erinnern uns: 1995/96 gab es vier Staffeln: Süd, West/Südwest, Nordost und Nord (leider nur mit 3 Aufsteigern in die 2. Bundesliga). Nun haben wir vier Aufsteiger in die 3. Liga, jedoch fünf Staffeln, weil Bayern erfolgreich an seiner eigenen Regionalliga festhält. Muss man nicht verstehen.   Zurück zum Spiel am Samstag. Der Tag begann mit einem Fanmarsch in Alt-Hohenschönhausen. Dazu aufgerufen hatten die Ultras BFC und die Fraktion H. Während zahlreiche BFC-Fans noch in all den Kneipen ein erstens Bierchen zischten, machten sich rund 250 BFCer stark für den Erhalt des Sportforums Hohenschönhausen und marschierten bei recht kühler Witterung bis zur aktuellen Spielstätte des BFC Dynamo. Auf den Einsatz von Pyrotechnik wurde ganz bewusst verzichtet, man wollte bei solch einem enorm wichtigen Spiel nicht wieder Nährboden für negative Zeitungsberichte liefern. Die gab es im Vorfeld eh zu genüge.   Das Gleiche galt auf den Rängen: Keine Pyro auf der Gegengerade! Stattdessen wurde eine Dynamo-Blockfahne hochgezogen, am Zaun war die Botschaft „FÜR BERLIN FÜR LIGA 3“ zu lesen. In der Gästeblock entfaltete man sich indes in klassischer Form. „Auf geht’s VfB Oldenburg!“ Dazu gab es blaue und weiße Fähnchen sowie etwas Rauch und ein paar Fackeln. Wie aus dem Nichts landete auch ein roter Rauchtopf (red smoke) auf dem Rasen des Innenraums. Aufgrund der Farbe wird der Verband vermutlich diesen dem Gastgeber zuordnen, doch schien es, als sei dieser aus der Gästekurve gesegelt. Grundsätzlich muss indes betont werden, dass es völlig friedlich blieb und es kaum zu Provokationen auf den Rängen kam.    Die Fans aus Oldenburg sorgten während der Partie für prima Stimmung, in den Heimbereichen wurde am Ende die bittere Niederlage zähneknirschend hingenommen. Prinzipiell blieb die Stimmung auf der Heimseite weit unter den Möglichkeiten, was jedoch einzig und allein am Spiel lag. Beim BFC Dynamo war es halt immer so - und es wird wohl auch immer so bleiben. War soeben noch Stille, so kann Sekunden später die Stimmung explodieren. Eine gute Torchance, ein Treffer, ein strittige Schiedsrichterentscheidung - und schon hallt das „Dynamo! Dynamo!“ bis zum Alexanderplatz.   Für die BFC-Fans arg enttäuschend waren die ersten 30 Minuten, in denen so gut wie gar nix gepasst hatte. Die Stimmung ebbte komplett ab, ratlos betrachtete man das Geschehen auf dem Rasen. Die Oldenburger waren stets schneller am Ball, wirkten bissiger und williger. Und hinten im Kasten hatten sie mit Pelle Boevink einen exzellenten Torwart mit dem nötigen Überblick. Nichts ausrichten konnte im heimischen Kasten Dmitri Stajila nach einer Ecke von Dennis Engel. Robert Zietarski war in der 28. Minute zur Stelle und machte das 1:0 für den VfB Oldenburg. Der Torschütze rannte über den ganzen Platz in Richtung Gästekurve, wo die Fans den Führungstreffer frenetisch feierten. Ein Oldenburger zückte wie einst in den 90ern lässig seine Fackel und hielt diese ohne großartige Vermummung hoch.    In der Folgezeit wurde das Spiel des BFC Dynamo etwas besser und das Wetter etwas schlechter. Es regnete kurzzeitig und es blieb die Hoffnung auf eine bessere zweite Spielhälfte. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass nur zwei Minuten nach der Oldenburger Führung Max Wegner hätte zum 2:0 nachlegen können. Der Ball sauste jedoch am linken Pfosten vorbei. Wenig später erhielt Christian Beck eine der viele hohen Vorlagen, aus der Drehung versuchte er abzuziehen, doch sein Schuss wurde erfolgreich abgeblockt.    Zu Beginn des zweiten Spielabschnitts lugte die Sonne wieder hervor und der BFC Dynamo hatte nach einer Ecke die dicke Chance zum Ausgleich. Gerade so bekam der VfB-Schlussmann den Ball zu packen. Verdammte Axt, das hätte das 1:1 sein müssen! Wenig später kam der BFC Dynamo über die rechte Außenbahn, der Ball wurde hereingebracht und Christian Beck köpfte die Kugel aus kurzer Distanz vorbei am rechten Pfosten.    Besser machten es die Oldenburger. In der 78. Minute blieben die Gäste nach einer Ecke am Ball, und die folgende Hereingabe konnte Robert Zietarski freistehend mit dem Kopf verwerten. 2:0 für den VfB Oldenburg! Logisch, dass die Gäste nun kollektiv vor Freude ausrasteten. Kurios: In der gesamten Saison hatte Zietarski nur drei Treffer erzielt, und nun machte er gleich zwei Tore in dem so wichtigen Spiel. In der Schlussphase warf der BFC noch einmal alles nach vorn, doch auch die letzte gute Möglichkeit des zuvor eingewechselten Matthias Steinborn führte nicht zum erwünschten Erfolg. Es war die einzige Situation, in der Pelle Boevink patzte und den Ball nicht festhalten konnte.    Wenig später war Schluss und die Oldenburger Mannschaft feierte den Sieg ausgelassen mit den rund 600 angereisten Fans. Auf Heimseite musste sich erst einmal gesammelt werden. Nach dem ersten Schock wurde sich dann später am Bierstand ausgetauscht und beraten. Wer fährt wie nach Oldenburg? Wie stehen die sportlichen Chancen, das Ding noch einmal zu drehen? Nun denn - ein frühes Tor des BFC in Oldenburg, und schon könnte die Luzie abgehen. Würde dies andersherum geschehen, wäre der Drops wohl gelutscht. Warten wir es ab!   Im Laufe des Abends erreichte mich die Nachricht, dass am kommenden Vormittag mit rund 100 Fans des FC Erzgebirge Aue im Sportforum Hohenschönhausen zu rechnen sei. Grund sei die Partie der A-Junioren in der Regionalliga Nordost. Der FC Erzgebirge Aue hat noch die Möglichkeit aufzusteigen, muss jedoch auf einen Patzer des FC Hertha 03 Zehlendorf hoffen. Nachdem beide Kinder Interesse signalisiert hatten, ging es am Sonntagvormittag zu dritt ins Sportforum Hohenschönhausen. Nach 15 Stunden stand ich demzufolge dort wieder auf der Matte, fand jedoch 40 Minuten vor dem Spiel noch niemanden vor.    Wenige Minuten vor dem Anpfiff trafen jedoch die ersten Gästefans aus Aue ein, bezahlten die fünf Euro Eintritt und holten sich im Vereinsheim das erste Bier. Man war sichtlich überrascht, dass man sich so frei bewegen durfte. Von BFC-Fans war jedoch (noch) nicht allzu viel zu sehen. Zum einen nüchterten die meisten noch aus, zum anderen hatten viele diese Partie der U19 gar nicht auf dem Schirm gehabt.    Auf der einen Seite der Haupttribüne durften die Aue-Fans mit ihrer mitgebrachten Trommel für Stimmung sorgen, im restlichen Bereich der Haupttribüne nahmen die Heimzuschauer ihre Plätze ein. Während noch der Vortag ausgewertet wurde, machte unten auf dem Rasen der FC Erzgebirge Aue bereits nach einer Minute das 1:0 klar. „Wismut Aue! Wismut!“, skandierten die Gästefans. Die weite Anreise schien sich gelohnt zu haben.    Die U19 des BFC hatte in der neunten Minute die passende Antwort parat, Dzenis Hot machte mal eben den Ausgleich zum 1:1. Wie bereits am Tag zuvor, vergoss auch bei diesem Spiel Petrus ein paar Tränen, doch wurde das Wetter in Halbzeit zwei wieder besser. Dank der im Vereinsheim ausgeschenkten Getränke kamen die Gästefans immer mehr in Schwung und zeigten zwei, drei beachtliche Pyro-Einlagen.    Auf dem Rasen wurde Aue auch besser und machte in der zweiten Halbzeit noch drei Buden. Auf Heimseite traf inzwischen der eine oder andere BFCer ein, der den mühsamen Weg aus der kuschligen Koje ins Sportforum gefunden hatte. Während nach Abpfiff die Aue-Mannschaft die Arme kreuzte und gemeinsam mit den angereisten Fans den Sieg feierte, traf draußen bereits polizeiliche Verstärkung ein. Der Bus wurde vorgefahren und eine Kette aus Ordnern und Polizisten wurde gebildet.    Zur Abfahrt der Gästefans kam es jedoch noch nicht. Tore zu, Tor auf. Zum anderen kam am Weißsenseer Weg ein wenig Bewegung auf. Wenig später durften die Sportsfreunde aus dem Erzgebirge noch einmal kurz aus dem Bus aussteigen und im Vereinsheim Nachschub holen. Drei Erzgebirger nutzten die Gunst der Stunde und tranken am Tresen mal gleich mehrere Reihen Kirsch und Pfeffi. Dann hieß es jedoch wirklich Einsteigen. Auf Heimseite zeigten nun auch ein paar jüngere Sportliche Präsenz, doch blieb es beim kurzen verbalen Austausch.    Unter dem Strich wird sich die Sause für die Jungs aus Aue gelohnt haben. Leider leistete der FSV Zwickau keine Schützenhilfe und kam in Zehlendorf mit 1:7 unter die Räder. Aber gut - Aue und Zwickau -, da darf wohl kaum mit dem letzten Quäntchen Einsatz gehofft werden, um sich gegenseitig zu helfen. Erfreulich für den BFC Dynamo: Da der VfL Halle 96 gegen den SC Borea Dresden mit 1:3 verloren hatte, ist der Klassenerhalt bereits gesichert! Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo > zur turus-Fotostrecke: VfB Oldenburg

Jetzt in der App abspielen

turus-Sommertour - #3 VfB Preussen Greppin 1911

28.05.2022 00:00:00

Unweit des Bayer-Werkes befindet sich die Sportanlage des VfB Preussen Greppin. Mythen besagen, dass zu Topspielen und/oder Derbys hier auch gut und gerne mal bis zu 300 Zuschauer aufschlagen können. Am gestrigen Freitag ging die wohl eher bedeutungslose Partie gegen Blau-Weiß Schortewitz vor gemütlichen 50 Zusehenden über die Bühne. Das letzte Heimspiel der Saison endete ebenso erfolglos, wie auch schon die komplette Spielzeit, die der Gastgeber auf dem letzten Tabellenplatz abschließen wird. Doch es gab natürlich auch schon bessere Zeiten im kleinen Örtchen, welches sich unmittelbar zwischen den etwas bekannteren Städten Wolfen und Bitterfeld einordnen lässt.    Im Jahre 1911 wurde der Verein unter dem jetzigen Namen "VfB Preussen Greppin" gegründet. Wir waren uns gestern etwas unschlüssig, ob diese Region Deutschlands überhaupt etwas mit den Preußen zu tun hatte und fragten Onkel Google - dieser spuckte uns die Information heraus, dass die Region um Bitterfeld ab 1816 tatsächlich zum preußischen Territorium zusammengesetzt wurde.    Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der komplett neuen Lebensumstände im kompletten Bundesgebiet entfiel der preußische Begriff aus dem Vereinsregister und die "SG Greppin" wurde ins Leben gerufen. Bis zum Jahre 1991 wurde der Vereinsname noch des Öfteren angepasst und spielte auf das naheliegende Chemie-Werk an.    Seit nun mehr knapp 21 Jahren agieren die Sportler in Greppin wurde unter ihrem ursprünglichen Vereinsnamen und konnten in den tiefsten Amateurligen auch einige Titel und Meisterschaften einfahren. Mehr zur Vereinsgeschichte könnt ihr natürlich auf der Homepage der Anhaltiner nachlesen und erfahren, dort wird tatsächlich sehr ausführlich darüber berichtet.    Uns bleibt nur zu sagen, dass sich der sehr stürmische Ausflug sehr gelohnt hat, bedanken uns für die nette und kostengünstige Verpflegung (Fantabier haben wir tatsächlich auch noch nie getrunken) und sprechen auch hier nochmal ein Kompliment für die tollen Eintrittskarten aus. Chapeau! Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

Emotionaler Dammbruch im Poljud! Hajduk Split holt den kroatischen Pokal!

28.05.2022 00:00:00

Dinamo Zagreb und Hajduk Split. Bad Blue Boys und Torcida. Wenn man über den kroatischen Fußball spricht, dann kommt man an diesen beiden Vereinen und den jeweiligen Gruppierungen nicht vorbei. 23-mal wurde Dinamo Zagreb kroatischer Meister, viermal konnte Dinamo die Jugoslawische Meisterschaft gewinnen. Neunmal wurde Hajduk Split kroatischer Meister, neunmal wurde der Meistertitel in Jugoslawien geholt. Wenngleich Dinamo Zagreb in jüngerer Vergangenheit in sportlicher Sicht den kroatischen Fußball dominierte, so überrascht dann doch ein wenig die Tatsache, dass der letzte Meistertitel des Hrvatski nogometni klub Hajduk Split bereits 17 Jahre zurückliegt. Und auch beim kroatischen Pokal gab es zuletzt eine Durststrecke. 2013 konnte das letzte Mal der Pott gen Himmel gestreckt werden.Das sollte sich nun ändern! Nachdem in der Liga am 21. Mai mit 1:3 beim Erzrivalen im Stadion Maksimir mit 1:3 verloren wurde, sollte nun gegen HNK Rijeka der kroatische Pokal her! Apropos, das Ligaspiel bei Dinamo endete völlig verrückt! Bis zur 90.+4. Minute führte Dinamo Zagreb mit 1:0, dann erzielte Livaja nach langem Pass den Ausgleichstreffer. Mit 1:1 ging es allerdings nicht in die Katakomben. Haltet Euch fest! In der 90.+10. Minute machte Mislav Oršić wirklich fatal freistehend das 2:1, in der 90.+12. Minute konnte Baturina zum 3:1 nachlegen. Mann muss jedoch auch dazu sagen, dass aufgrund der Pyro-Unterbrechungen bereits zu Beginn der Nachspielzeit satte zehn Minuten angezeigt wurden.    Das Ganze sollte am vergangenen Donnerstag aus Sicht von Hajduk Split besser verlaufen. Pokalfinale im heimischen Poljud gegen HNK Rijeka, das bislang sechsmal den kroatischen Pokal holen konnte und 2017 kroatischer Meister wurde. 1978 und 1979 wurde Rijeka sogar Jugoslawischer Pokalsieger. Offiziell hatte HNK Rijeka im Pokalendspiel Heimrecht, doch änderte dies nichts an der Tatsache, dass von insgesamt 29.411 Zuschauern rund 27.000 fest die Daumen für Hajduk Split drückten. Nach neun Jahren Durststrecke sollte endlich mal wieder ein Titel her!   Gesagt, getan. Vor dem phantastischen Bergpanorama gab es eine wundervolle blau-weiß-rote Choreo zu sehen. „STAZAMA HAJDUKA“ (Die Wege von Hajduk). Sportlich betrachtet würde es für Hajduk eine harte Nuss werden. Zum einen konnte zuletzt 2017, 2019 und 2020 der kroatische Pokal geholt werden, zum anderen konnte Rijeka im Viertelfinale mit 3:1 bei Dinamo Zagreb gewinnen. Im Halbfinale räumte Rijeka die Jungs von NK Osijek mit 3:2 aus dem Weg, Hajduk Split konnte mit 2:1 gegen HNK Gorica gewinnen.   Und ja, es wurde anfangs unbequem. In der 13. Minute rannte Drmic allen davon und machte das 1:0 für HNK Rijeka. Die rund 2.200 angereisten Fans waren völlig aus dem Häuschen. Es sollte elf Minuten dauern, bis Hajduk Split die passende Antwort hatte. Mit dem Kopf brachte Ferro den Ball platziert am rechten Pfosten unter. Das Poljud explodierte quasi. Ein Urschrei hallte über die nahe Adria. Weiter ging die Sause in der 36. Minute. Melnjak stand bereit und schloss zum frenetisch umjubelten 2:1 ab. Ein Sprung auf die Werbebande. Eine geballte Faust!   Den Sack zu machte Melnjak in der 56. Minute. Freistehend vor dem Rijeka-Keeper schob er zum 3:1 ein und brachte die Massen zum Jubeln. Vorausgegangen war ein katastrophaler Abwehrspieler von HNK Rijeka. Der Ball wurde Melnjak quasi direkt vor die Füße gelegt. Dieser fackelte nicht lange und nutzte eiskalt die gebotene Chance.   Für Hajduk Split sollte nichts mehr anbrennen. Die Fackeln wurden angerissen, zahlreiche Fans enterten den Rasen, Tränen der Freude liefen manch einem Fan über die Wangen, die Tore wurden von den Fans fachgerecht zerlegt. Ein Pfosten wurde auf dem Dach eines Autos abtransportiert. Das lange Warten hatte ein Ende - HNK Hajduk Split ist Pokalsieger 2022! Čestitamo! Ein „Hvala lijepa“ an Dominik Stürmer für die tollen Fotos! Willkommen an Bord! Dobrodošli!      Fotos: Dominik Stürmer > zur turus-Fotostrecke: HNK Hajduk Split

Jetzt in der App abspielen

Polnischer Fußball vor 40 Jahren: Als Górnik Wałbrzych ein Zugpferd war

25.05.2022 00:00:00

In der Saison 2015/16 gab es noch das brisante Duell Górnik Wałbrzych vs. Karkonosze Jelenia Góra zu bestaunen, in der Folgezeit trennten sich die Wege und Górnik Wałbrzych musste 2019 einen sportlichen Neubeginn in der Klasa A wagen. Ein Jahr musste sich erst einmal gesammelt und geschüttelt werden, bis am Ende der Spielzeit 2020/21 der Aufstieg in die Klasa okręgowa gelang. Auch in der laufenden Saison sind die Jungs aus der Bergbaustadt auf Rang eins zu finden. Bitter genug, in welchen Niederungen der einst so stolze Verein aktuell zu finden ist. Man glaubt es kaum, aber vor rund 40 Jahren war Górnik Wałbrzych in der ersten polnischen Liga der Zuschauermagnet schlechthin. So kamen in der Saison 1983/84 bis zu 40.000 Zuschauer zu den Heimspielen ins Stadion 1000-lecia. So geschehen am 27. August 1983, als Szombierki Bytom mit 2:0 bezwungen wurde. Nur die Heimspiele des späteren Meisters Lech Poznań gegen Widzew Łódź und Pogoń Szczecin zogen genauso viele Fans ins Stadion.    Mit dabei in jener Spielzeit 1983/84 waren auch Zagłębie Sosnowiec, Ruch Chorzów, Motor Lublin, Łódzki KS und Bałtyk Gdynia, und auch damals gab es wie heute recht extreme Unterschiede, was die Zuschauerzahlen betrifft. So spielte Szombierki Bytom häufig vor gerade einmal 1.000 Zuschauern, während Górnik Wałbrzych gegen Łódzki KS rund 30.000 Fußballfreunde begrüßen konnte.    Die ganz großen Erfolge blieben jedoch beim 1946 gegründeten Klub Sportowy Górnik Wałbrzych aus. Rang sechs in den Saison 1983/84 und 1985/86 waren der Höhepunkt in der Historie der Weiß-Blau-Schwarzen, die im einstigen Waldenburg der Stolz der Region waren und - trotz des sportlichen Niedergangs - immer noch sind. Genau zu jener Zeit, in der Górnik Wałbrzych seine Hochphase hatte, erreichte auch Lech Poznań zum ersten Mal den Zenit und fuhr seine ersten Meistertitel (1983 & 1984) ein.   Während jedoch Lech Poznań zu Beginn der 90er Jahre seine zweite Hochphase hatte, geriet Górnik Wałbrzych in arge Turbulenzen. Notgedrungen musste mit dem Stadtrivalen Zagłębie Wałbrzych, der Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre erstklassig spielte, fusionieren. Nach einer sportlichen Talfahrt wurde das Ganze jedoch wieder aufgetrennt und als Górnik Wałbrzych weitergespielt. Von 2010 bis bis 2015 wurde immerhin in der II Liga (dritthöchste Spielklasse) gespielt, und zu den Heimspielen gegen Miedź Legnica und Polonia Słubice kamen immerhin bis zu 3.000 Zuschauer. Nachdem in der Saison 2018/19 in der IV Liga Gruppe Niederschlesien hinter Śląsk II Wrocław der Aufstieg in die III Liga verpasst wurde, war sprichwörtlich Schicht im Schacht. Alles auf Anfang in der untersten Liga.   Zagłębie Wałbrzych ist jedoch nicht der einzige Vertreter aus der Erstliga-Saison 1983/84, der später arge Probleme bekam. So war ŁKS Łódź 2013/14 nach einem finanziellen Kollaps plötzlich in der IV Liga zu finden, nachdem zwei Jahre zuvor noch in der Ekstraklasa gespielt wurde. Inzwischen hat sich der Verein jedoch wieder halbwegs erholt, die zurückliegende Saison wurde in der I Liga mit einem Mittelfeldplatz abgeschlossen. Ebenso einen Rückschlag hinnehmen musste Ruch Chorzów, das von 2019 bis 2021 nur viertklassig spielte.    Vor teils exzellenter Kulisse wurde Ruch Chorzów in der zurückliegenden Drittligasaison Dritter und nimmt am heutigen Tag an der Play-off-Runde teil. Zu Gast ist Radunia Stężyca, angepfiffen wird die Partie um 17:45 Uhr.   Und was macht der einstige Erstligist Szombierki Bytom, der 1979/80 polnischer Meister wurde und anschließend im Europapokal der Landesmeister mal eben Trabzonspor raushaute, dann aber an CSKA Sofia scheiterte? Seit 2016 spielt Szombierki Bytom nur noch fünftklassig und scheiterte 2020 in der Aufstiegsrunde zur III Liga mit 0:2 an LKS Goczałkowice Zdrój. Die Zuschauerzahlen waren eh nicht mehr der Rede wert, der Glanz alter Tage ist völlig verblasst. Unvergessen die Zeiten, als in der Meister-Saison 1979/80 rund 20.000 Zuschauer den 2:1-Sieg gegen Górnik Zabrze sahen (wenngleich die Mehrheit der Zuschauer den Gästen die Daumen drückte) … Fotos: Marco Bertram, Haderlump, Los Misenas > zur turus-Fotostrecke: Impressionen vom polnischen Fußball

Jetzt in der App abspielen

Irres Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Eintracht Trier und Wormatia Worms

25.05.2022 00:00:00

In der Meisterrunde der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar steht ein ähnlich spannendes Saisonfinale an wie zuletzt in der Regionalliga West, in der Dank des besseren Torverhältnisses Rot-Weiss Essen vor dem SC Preußen Münster endlich den lang ersehnten Aufstieg in Liga 3 gepackt hatte. Während RWE froh ist, die dortige „Kirmes-Liga“ endlich verlassen zu dürfen, möchten der SV Eintracht Trier 05 und Wormatia Worms liebend gern mal wieder Regionalliga-Fußball schnuppern.Eintracht Trier spielte zuletzt von 2008 bis 2017 in der Regionalliga West bzw. Regionalliga Südwest. Von 1976 bis 1981 sowie von 2002 bis 2005 war man sogar dabei in Liga zwei. Sich einen Namen machte konnte Eintracht Trier in der Saison 1997/98, als im DFB-Pokal zum einen der UEFA-Pokal-Gewinner FC Schalke 04 und zum anderen der Weltpokal-Gewinner Borussia Dortmund bezwungen und ins Halbfinale eingezogen wurde. Am 18. Februar 1998 musste man sich daheim dem MSV Duisburg denkbar knapp mit 1:1 n.V. und 9:10 im Elfmeterschießen geschlagen geben. Berlin war zum Greifen nahe ...   Auch Wormatia Worms war zweimal in der 2. Bundesliga am Start. 1974/75 wurde Worms in der Staffel Süd nur Vorletzter und musste nach dem einjährigen Abenteuer wieder direkt absteigen. Besser lief es im zweiten Anlauf, immerhin von 1977 bis 1982 spielte Wormatia Worms zweitklassig. Mitte der 90er Jahre stürzte der Verein ab in die Verbandsliga Südwest, von 2008 bis 2019 war Wormatia Worms eine feste Größe in den jeweiligen Regionalligen.   Am vergangenen Samstag nutzte Eintracht Trier die Gunst der Stunde und konnte mit einem 2:1-Sieg gegen Worms in der Tabelle nach Punkten gleichziehen. 4.400 Zuschauer hatten sich im altehrwürdigen Moselstadion eingefunden, und beide Fanblöcke zeigten sich von ihrer besten Seite. Großalarm im Südwesten! Auch die Polizei war mit Hund und Helm im Innenraum reichlich vertreten.   Und nun war es nicht nur einfach ein 2:1. Vielmehr wurde es zu einem Szenario schlechthin! „Gemeinsam zum Ziel - Aufstieg“, hieß es zu Beginn in großen Lettern in der heimischen Fankurve. Den ersten Treffer des Tages erzielten jedoch die Gäste aus Worms. Nach einer Ecke bugsierte Tevin Erich Ihrig in der 13. Minute den Ball ins Gehäuse. Und nun haltet Euch fest! Die Nachspielzeit lief. Und exakt nach 90 plus 3:35 Minuten machte Kevin Heinz aus spitzem Winkel den Ausgleich klar. Was für ein Jubel unter den knapp 4.000 Heim-Fans! Kollektives Durchdrehen par excellence.    Und es kam noch besser! In der fünften Minute der Nachspielzeit wurde der Ball weit nach vorn geschlagen, Jan Brandscheid kam an den Ball und konnte ihn am Wormatia-Torwart vorbeischieben. Das Moselstadion explodierte - die Zuschauer drehten völlig durch vor Freude. Nach Punkten (73) ist Trier nun gleichgezogen mit Worms. Allein das Torverhältnis trennt beide Vereine in der Tabelle. Man darf gespannt sein, wie das Ganze ausgehen wird. Am 4. Juni wissen wir mehr! Buchtipp: Im vergangenen Jahr kam die ‚SV Eintracht Trier 05 Fußballfibel‘ (Verlag Culturcon medien) auf den Markt. Geschrieben wurde dieses Buch von Vertretern der Fanszene. Mit ihren 218 Seiten ist dieses blau-schwarz-weiße Werk eine der dickeren Fußballfibeln in der Reihe. Folgend eine kleine Leseprobe: Als Platzwart Hanni Oberhausen die Punkte rettete von Matthias Röcke Das Moselstadion hat einen Pfostenbruch erlebt – und ich war dabei. Es geschah lange vor dem berühmt gewordenen Pfostenbruch auf dem Mönchengladbacher Bökelberg. Dort wurde am 3. April 1971 die Partie der Borussia gegen Werder Bremen anschließend abgebrochen. Im Spiel der Regionalliga Südwest (zweite Liga) am 29. November 1964 gegen die SpVgg Mainz-Weisenau lief die Sache mit dem Pfostenbruch anders ab: In der 69. Minute ging die Eintracht mit 2:1 in Führung durch Dieter Brozulat. Peter Scholtes rannte vor Freude ins Tor und „bremste“ sich im Netz ab. Das reichte, um das Gebälk – es war wirklich noch ein Gebälk aus vierkantigen Balken – zum Einsturz zu bringen. Scholtes, der Weisenauer Torwart und der Ball blieben unbehelligt.  Ein Spielabbruch wäre die logische Folge gewesen – und der Gegner wollte das auch so. Der Schiedsrichter aber gab der Eintracht eine Chance – und somit Platzwart Hanni Oberhausen das Signal, zur Tat zu schreiten. Oberhausen kannten viele Zuschauer aus seiner Zeit als Spieler der ersten Mannschaft in den 1950er Jahren, fast alle kannten ihn, weil er im Krieg einen Arm verloren hatte.  Dieses Handicap hinderte ihn nicht daran, zusammen mit Helfern und unter dem Beifall der Zuschauer an den unten gebrochenen Torpfosten von hinten Bretter zu nageln (!), bis das Tor wieder stabil war. Der Schiedsrichter war mit Oberhausens Arbeit zufrieden, der Weisenauer Torwart allerdings gar nicht. Er rüttelte an dem Pfosten, was wütende Proteste aus der gut besetzten Westkurve nach sich zog. Es half ihm nichts, das Spiel wurde fortgesetzt, es gab zwei weitere Tore für die Eintracht zum 4:1-Endstand. Im „Trierischen Volksfreund“ hieß es am nächsten Tag, nur noch die weiße Farbe hätte zuvor das Tor zusammen gehalten… Das Tor wurde in Holz wiederaufgebaut und der Platzwart wird öfter mal nach dem Zustand der Pfosten geschaut haben…. Erst den Pfostenbruch von Mönchengladbach gut sechs Jahre später nahm der DFB zum Anlass, auf Aluminiumtore mit runden Segmenten umzustellen. Fotos: Dominik Stürmer > zur turus-Fotostrecke: SV Eintracht Trier 05

Jetzt in der App abspielen

Taurin im Pokal - Piwo bei Polonia - warum ich niemals zu RB Leipzig gehen würde!

24.05.2022 00:00:00

O meu Deus! Wir schreiben den 3. Februar 2022. Der portugiesische Spieler André Miguel Valente da Silva öffnet in der Umkleide sitzend zischend eine Dose Red Bull. „Start your day right!“, steht unter dem TikTok-Video von RasenBallsport Leipzig geschrieben. Was für eine Botschaft an unsere Kinder und Jugendlichen! 5. April 2022. „My Name is Chicky. Chicky, Chicky, Chicky. My name is Cha-Cha …“ Mohamed Simakan und Nordi Mukiele tollen auf dem Trainingsplatz herum und hauen sich am Ende jeweils eine Dose Red Bull der Yellow Edition rein. Es gibt halt nix besseres für einen Sportler als eine Portion Natriumcitrate, Beta-apo-8’-Carotinal, Riboflavin und Taurin.Ortswechsel. 15. Mai 2022. Erschöpft, aber glücklich hauen sich die Spieler des FC Polonia Berlin am Hertzbergplatz in Neukölln auf eine Wiese und lassen die Kronkorken knallen. Es gibt halt nichts besseres als die Pilsette danach. Mit 4:1 wurde vor rund 100 Zuschauern das Kreisligaspiel beim Rixdorfer SV gewonnen. Aus der rangekarrten Box ertönte das seit den 90ern beliebte „Bo wszyscy Polacy to jedna rodzina“. Fröhliche Gesichter. Arme werden auf die Schultern gelegt und gemeinsam wird das „Wieczorem, wieczorem, kiedy gwiazdy mocno lśnią. Wieczorem, wieczorem zaśpiewajmy razem song …“ gesungen. Gänsehaut und feuchte Augen. Echtes (Fußball-)Familiengefühl.    Zurück nach Leipzig. „With 50.000 in our city“. Roter Rauch erhebt sich über den Leuten. „Seriously what is this place?“ - „This … is heaven!“ Was zur Hölle?! In der Marketingabteilung von Red Bull weiß man die elegant geschmeidigen Möglichkeiten von TikTok zu nutzen. RasenBallsport Leipzig hatte gegen den SC Freiburg den DFB-Pokal geholt und zieht in den sozialen Medien sämtliche Register. Während jedoch auf TikTok das Ganze schmuck geschnitten und mit geiler Mucke unterlegt wird, kommt beim Betrachten der neutral gefilmten Videos von der Bühne dann eher schon das Fremdschämen auf.  Brav stehen die Fans links und rechts hinter dem Gatter, wedeln die Schals und erfreuen sich am Szenario, das auf der Bühne zu sehen ist. Der Moderator und das Bullen-Maskottchen legen ein Tänzchen hin. „Olé, olé … Leipziger Jungs sind unterwegs. Rot-weiße Farben, wohin ich seh. Unser Stolz des Ostens heißt?“ - „RB, RB …“, rufen ein paar Anwesende zurück.  Fremdschämen par excellence. Hochrollende Fußnägel. Eine Animation wie auf einer Kirmes. Ach wat sach ick. Wie bei einem Football-Spiel in den USA. Unterhaltung und „Fankultur“, wie es sich manche Leute in unseren deutschen Verbänden wünschen würden. Ein bisschen Rauch fürs Entertainment. Ansonsten aber brav konsumierend und unkritisch. Und jetzt bitte: Klatschen! Na, wer ist der Stolz des Ostens? Nochmals ein „O meu Deus!“, das „Mein Gott“ bedeutet. In Brasilien wird es teils so häufig verwendet wie in Polen das „kurwa“, wenngleich die Bedeutung selbstverständlich eine völlig andere ist. Aber ja, beide Begriffe können rausposaunt werden, wenn man erstaunt ist oder einfach nur den Kopf schüttelt. Und meinen Kopf möchte ich schütteln noch und nöcher. Wie viele andere hierzulande bin ich ein harter Kritiker vom RasenBallsport-Konstrukt seit der ersten Stunde an.    RasenBallsport Leipzig ist nun mal - wie ich es 2016 in einem Artikel ausführlich beschrieben habe - eine perfekte Werbekampagne. Nicht mehr, nicht weniger. Extremsport, Motorsport und Fußballvereine sind die perfekten Sprungbretter, um die Marke „Red Bull“ weiter zu festigen, global noch bekannter zu machen und unter die Top 5 zu positionieren. Irgendwo zwischen Tesla, Apple, Amazon und Google. Und wenn die Position gefestigt ist, kann sich ja eines Tages überlegt werden, was man mit solch einem Marken-Schlachtschiff noch so alles anfängt. Es muss ja nicht bei Taurin-Limonade bleiben.  Also „heaven“ ist für mich die Bullen-Show ganz gewiss nicht. Sie ist ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was ich und viele anderen Millionen Menschen lieben. „Heaven“ kann für mich das Fußballspiel um die Ecke sein. Ohne Inszenierung und TamTam. Im Fall von mir und meiner Kinder ist der FC Polonia Berlin eine Familie geworden. Und dabei ist dieser Verein tatsächlich jünger als RasenBallsport Leipzig. Während RasenBallsport Leipzig am 19. Mai 2009 ins Leben gerufen wurde und sogleich den Oberliga-Startplatz des SSV Markranstädt übernehmen durfte, wurde der FC Polonia Berlin 2012 gegründet, startete ganz unten im Freizeitligen-Bereich und arbeitete sich im Schweiße des Angesichts inzwischen hoch bis in die Kreisliga A.  Allerdings ist beim FC Polonia Berlin bereits jetzt mehr Tradition und Authentizität zu spüren. Warum? Weil sich die Vereinsmitglieder und Spieler seit Jahren einbringen, das Ganze Stückchen für Stückchen voranbringen und es sich eine Polonia-Familie gebildet hat. Sicherlich ist es schwer, einen Kreisligisten mit einem Bundesligisten zu vergleichen, doch fingen beide Vereine quasi bei Null an, was das Umfeld betrifft. Während der eine Verein jedoch ganz langsam wächst, wurde das - tja, wie nenne ich das jetzt korrekt? - Red Bull-Marketing-Fußball-Konstrukt mit Hilfe der Kontakte in die Politik und die Verbände und der reingesteckten Millionen nach ersten Anlaufschwierigkeiten von der NOFV-Oberliga bis in die Spitzenplätze der 1. Bundesliga katapultiert.  Nun gibt es wieder die Kommentare: „Ihr seid doch nur neidisch! Ich will doch nur schönen Fußball sehen!“ Und das ist der Punkt. Sind mir die jeweilige Herkunft der Vereine und die Tradition eher schnuppe, kann ich mir getrost vor der heimischen Glotze die Konferenz der englischen Premier League anschauen und die schnellen Spielzüge und geilen Tore bestaunen. Möchte ich jedoch Tradition einatmen, mich an der Historie eines Vereins erfreuen, kann ich schlecht zu RasenBallsport Leipzig gehen. Sehe ich Fußball als reines Entertainment, kann ich dies gewiss tun. Ich frage mich jedoch nur, wie es sich anfühlen würde, einen Schal zu tragen, auf dem ein Logo (kein Wappen) zu sehen ist, das dem des Red Bull-Konzerns sehr ähnlich aussieht.  Für was zeige ich meine Begeisterung? Für die sportliche Aktivität der unten auflaufenden Spieler? Okay - dies würde aber auch ohne Fanutensilien gehen. Ich zeige meine Begeisterung und Liebe zur Messestadt Leipzig? Das ist halt schwierig. Mit Leipzig hat das wenig zu tun. Red Bull war lange auf der Suche nach einem geeigneten, willigen Standort. Es hätte vor 2009 auch Hamburg St. Pauli, München, Düsseldorf oder Essen werden können. Die Fühler wurden ausgestreckt. Auch zum einstigen FC Sachsen Leipzig. Eine Übernahme wie im Fall Salzburg war angedacht. RB St. Pauli oder RB Essen. Was für eine Vorstellung. Zum Glück ist dies nicht geschehen. Noch einmal ein „O meu Deus“!  Also was ist es, wofür ich den RasenBallsport-Schal schwenke und wedle? Was könnte mich motivieren, auf den Zuruf „Unser Stolz des Ostens heißt?“ ein „RB, RB …“ zu rufen? Mein lieber Herr Gesangsverein! Wie kann solch ein Konstrukt eines global agierenden Konzerns der Stolz des Ostens sein? Tradition müsse halt wachsen, meinen zahlreiche Anhänger von RasenBallsport. Schön. Im Fall des FC Polonia Berlin mag dies zutreffen. Was jedoch wächst im Fall RasenBallsport? Auf was wird man eines Tages zurückblicken und im Vereinsheim beim Blättern durch alte Fotos denken? Schön, wie RasenBallsport anfangs ohne Logo spielen durfte. Wunderbar, wie von Beginn an Millionen reingesteckt und Talente aus regionalen Vereinen abgeworben wurden. Wunderbar, wie der sächsische Fußballverband und der DFB letztendlich doch in Sachen Logo drüber hinwegsahen. Ach ja, und wie wunderbar, als nach dem DFB-Pokalsieg anstatt des Sektes die Limonade werbewirksam in den Pott gegossen wurde.   Einst hielten die Männer von Rotation, Chemie und Lokomotive zu DDR-Zeiten ihre Knochen hin. Ruhm und Ehre dem jeweiligen Verein. Mit Stolz und Wonne können sich die Leipziger Fußballfreunde in den Wälzern „Steigt ein Fahnenwald empor“ und „125 Jahre vom VfB zum 1. FC Lokomotive Leipzig“ vertiefen. Sandige Stufen und Regionalliga-Fußball sind in Probstheida und Leutzsch der Stand der Dinge. Neben RasenBallsport wird in der Messestadt in absehbarer kein weiterer Profiverein wirklich Platz finden. Zu wünschen wäre es aber, dass die Loksche eines Tages zumindest den Sprung in Liga 3 packt. Von mir aus auch die Chemie-Schweinchen aus dem Leutzscher Forst. Trotz aller Konflikte in der Vergangenheit - Euch tausendmal lieber als RB! Aber egal, man kann auch bei Rotation oder Roter Stern sein Bierchen schlürfen und hübsch fachsimpeln. Wenn auf dem grünen Rasen der Einsatz stimmt, kann auch ein Landesklasse-Duell durchaus für Freude sorgen. Man muss unsere Kinder nur ranführen und sie nicht gleich in die Arena karren und so tun, als sei dies der einzige relevante Fußball. Ich spreche da aus meiner eigenen Erfahrung.  Aber es ist schon klar. Red Bull schnuppert nach Lifestyle. Nach Glamour und Ruhm. Dementsprechend ist auch manch ein TikTok-Video aufbereitet. Allerdings ist diese TikTok-Glamour-Welt eben nicht die reale Welt. Die reale Welt ist rau, aber eben auch herzlich. Mit Schmerzen verbunden. Mit Freud und Leid. Lieber würde ich mit der blau-weiß-roten Kogge durch die 3. Liga oder die Regionalliga schippern und in ranzigen Stadien Zäune zum Innenraum entern, als mit einem Marketing-Produkt in einer surrealen Lifestyle-Welt brav und artig zu konsumieren und auf Zuruf „RB! RB!“ zu rufen. Lieber gehe ich zu Polonia in der Kreisklasse oder zu einem Amateurspiel im tiefsten Brandenburg, wo in Klosterfelde und Trebbin echter Fußball gelebt wird. Ihr möget nun sagen, scheißegal, was dieser turus-Autor hier von Tradition faselt. Der ewig-gestrige Nostalgiker kann sich ja in Leutzsch die Kauleiste polieren oder in Probstheida ungemütlich anmachen lassen. Kein Problem, auch lieber das, als zu einem Produkt zu gehen. Wohl denn, doch eines Tages - und da bin ich mir sicher - kann RasenBallsport Leipzig Geschichte sein. Und das schneller, als man denkt. Anderer Standort - gleiches Modell. Das Ganze ist dermaßen austauschbar und hat mit dem Fußball, den wir alle lieben, rein gar nichts mehr zu tun. Und kommt mir nicht mit der Phrase, dass woanders ja auch massig Gelder verpulvert und große Unternehmen / Sponsoren Einfluss nehmen. Nach dem Hineingießen der Brause in den DFB-Pokal war alles gesagt. Alles gezeigt, worum es dort wirklich geht. Fußball allein zum Zweck, sich zu inszenieren und die Marke weiter zu festigen … Fotos: Marco Bertram, Claude Rapp, Kamil Drass

Jetzt in der App abspielen

turus-Sommertour - #2 SG Blau-Weiß Bad Kösen

23.05.2022 00:00:00

In unserer zweiten Ausgabe dieser Serie führen wir Euch in das sehr beschauliche Bad Kösen im Burgenlandkreis. Das knapp 3.600 Einwohner fassende Örtchen ist ein Ortsteil des etwas bekannteren Naumburgs und ist vor allem in der etwas älteren Bevölkerung als Kurort sehr beliebt. Nur wenige Meter vom Bahnhof Bad Kösen entfernt finden sich mehrere Grünflächen, ein Tierpark und die Saale wieder. Personen, die sich eher an Party und Halligalli erfreuen, ist dieser Ort definitiv das falsche Pflaster.Es bedarf nur wenige Minuten, um einfach mal komplett herunterzufahren, die Alltagssorgen zu vergessen und Beine, sowie auch Seele baumeln zu lassen. Uns Großstädtern fällt sofort die Sauberkeit auf - keine Kippenstummel, keine zugeklebten Straßenschilder und sogar die Saale sieht erstaunlich sauber aus.   In Bad Kösen entstand wohlgemerkt auch die Idee, diese Sommertour ins Leben zu rufen, da der Ausflug in den Kurort wirklich alles anbot, welches einem Liebhaber des runden Leders gefallen könnte - Bestes Wetter, kühles Bier, eine gut schmeckende Bratwurst, einen Freisitz mit perfekter Sicht auf das Feld und eine angenehme Atmosphäre zum Mittwochabend.   Rund 46 Zuschauer fanden sich an der Hufelandstraße ein, um sich das Kreispokalspiel zwischen der Zweitvertretung der SG Blau-Weiß Bad Kösen gegen die dritte Mannschaft des SSC Weißenfels anzuschauen. Die Gäste aus Weißenfels konnten dieses Achtelfinale ziemlich souverän mit 3-1 für sich entscheiden und zogen somit in das Viertelfinale ein. Auf den "Rängen" versammelte sich das obligatorische Stammpublikum, welches mutmaßlich zu fast allen Heimspielen des Gastgebers vor Ort sein wird.    Die Sportgemeinschaft ist nämlich der einzige ansässige Fußballverein im Ort. Die erste Mannschaft Bad Kösens wird sich aller Voraussicht nach zum Meister der Kreisoberliga des Burgenlandkreises küren dürfen und könnte somit in der kommenden Saison in der Landesklasse antreten.    Leider müssen wir offen gestehen, dass uns der Aufenthalt in Bad Kösen so gut gefiel, dass wir uns schlussendlich nur noch auf den Verzehr des kühlen Bieres reduzierten und somit auf Fotos der Sportanlage verzichteten. Wir bitten dies zu entschuldigen, bedanken uns für die nette Bedienung vor Ort und auch die absolut epischen Eintrittskarten und versprechen euch nochmal wieder zu kommen. Prost! Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

1. FC Frankfurt (Oder) neuer Tabellenführer im Vorwärts-beflaggten Stadion

23.05.2022 00:00:00

Ein Zeichen. Ein Wille. Ein epischer Moment. Etwas überraschend kamen die Spieler des 1. FC Frankfurt (Oder) nach dem 6:1-Sieg gegen den SV Altlüdersdorf und der damit verbundenen Eroberung der Tabellenführung rüber zur Gegengerade des altehrwürdigen Stadions der Freundschaft, machten eine LaOla und bedankten sich für die Unterstützung der dort stehenden alten Vorwärts-Fans. Shakehands und strahlende Gesichter. Die Freude stand den Spielern ins Gesicht geschrieben. Die Freude über die Tabellenführung - und die Freude über die Tatsache, dass wieder etwas Leben auf der Gegengerade war.Nun war es ja nicht so, dass die alten FCV-Fans während der Partie großartig supporteten. Vielmehr wurde bei den sechs Treffern brav geklatscht und ansonsten über alte Zeiten geplaudert. Allein die Tatsache, dass am vergangenen Samstag all die angebrachten rot-gelben Stoffe für einen herrlichen Farbtupfer sorgten und sich einige ältere Fans mal wieder die Ehre gaben, im Stadion vorbeizuschauen, sorgte für Hoffnung und hüpfende Herzen.   Meine Güte, ist das bereits lange her! Es war in der letzten (DDR-)Oberliga-Saison 1990/91 - in jener Spielzeit wurde bekanntlich der F.C. Hansa Rostock Meister -, als zum letzten Mal die Oderstädter als FC Vorwärts Frankfurt bei einem Heimspiel antraten. Am 24. November 1990 trat der FC Vorwärts im Stadion der Freundschaft vor knapp 1.000 Zuschauern gegen die BSG Stahl Brandenburg an. Tore gab es an jenem Tag keine zu sehen. In der Woche darauf wurde als FC Vorwärts mit 1:2 beim FC Berlin (BFC Dynamo) verloren, am 23. Februar 1991 wurde auswärts in Halle erstmals als FC Victoria 91 Frankfurt (Oder) gespielt.   Am Ende der Saison waren die Frankfurter Tabellenletzter und verpassten somit jegliche Qualifikationen. Man fiel komplett hinter runter und war einer der Wendeverlierer schlechthin. Als Frankfurter FC Viktoria 91 spielte man bis 2012 in der Oberliga und der Verbandsliga Brandenburg, nach der Fusion mit Eintracht Frankfurt (Oder) wird als 1. FC Frankfurt (Oder) aktuell in der Brandenburg-Liga um den Aufstieg in die NOFV-Oberliga gespielt. Zuletzt hatte die Mannschaft ordentlich Aufwind und konnte mächtig Boden gut machen.    Aufgrund des Bruchs mit der Tradition des ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) taten und tun sich die älteren, noch verbliebenen FCV-Fans, die einst in den 80ern regelmäßig ins Stadion pilgerten, ziemlich schwer mit dem aktuellen 1. FC Frankfurt (Oder). Mein Besuch am vergangenen Samstag bot die Gelegenheit, mal wieder die alten rot-gelbe Stoffe aus den Schränken und Bettkästen hervorzuholen.   Und ja, es war einiges dabei. So schnupperte der rot-gelbe Preußen-Stoff wieder Stadionluft. Darüber wurde gleich die Zaunfahne befestigt, auf der die Meistertitel 1958, 1960, 1962, 1965, 1966 und 1969 aus der Berliner Ära drauf geschrieben wurden. Nicht fehlen durften auch „FCV für immer“, „FCV Frankfurt / Oder“ und der selbst gemalte Hahn mit Herz und  Fußball. Und siehe an, auch ein Stoff mit dem alten Berliner Wappen wurde am Zaun angebracht. Dazu hatte jeder eine braune Jacke, ein gelbes Shirt und / oder einen Schal mit dabei. Nicht fehlen durften jedoch nicht die Regen- bzw. Windjacken, denn punktgenau um 15:25 Uhr erreichte die angesagte Regenfront das Stadion der Freundschaft.    Petrus - oder war es der Fußballgott? - weinte, aber in Halbzeit zwei waren sämtliche Tränen vergossen und der Himmel riss wieder auf. Nachdem der Stadionsprecher die große sportliche Leistung der Frankfurter Eintracht auf europäischem Parkett gelobt hatte und sogar ein SGE-Lied abgespielt wurde, konnten unten auf dem Rasen die lokalen Fußballer zeigen, was sie drauf haben.   Nachdem vergangene Woche in Petershagen/Eggersdorf nach mäßiger Leistung, aber mit zwei tollen Toren mit 2:1 gewonnen werden konnte, wurde am Samstag noch ein Schippchen draufgelegt. Während in der Ferne sich der Oranienburger FC gegen den FSV Bernau schwer tat und keine Tore fallen wollten, legten die Frankfurter den Turbo ein.   Bereits nach fünf Minuten konnte Robin Grothe das 1:0 erzielen. Nachdem in der 18. Minute Paul Radom für Altlüdersdorf ausgleichen konnte, machte Marcel Georgi nach etwas über einer halben Stunde das 2:1 klar. Nur zwei Minuten später brachte Paul Bechmann mit dem Tor zum 3:1 Sicherheit ins Spiel. Hier würde nix mehr anbrennen! Gesagt, getan. In der 54. und 61. Minute machte Paul Bechmann zwei weitere Buden. Zwischendurch wurden teils hochkarätige Chancen versiebt, doch in der 76. Minute konnte Steven Frühauf zum 6:1 nachlegen. Der Applaus bei den alten FCV-Fans wurde von Tor zu Tor lauter.    Nachdem sich in der Schlussphase ein Gästespieler schwer verletzt hatte und mit einem Krankenwagen abtransportiert wurde, pfiff der Schiedsrichter nach einer etwas längeren Unterbrechung nach Absprache mit beiden Mannschaften die Partie etwas früher ab. Nachdem sich im Innenraum zum Gruppenfoto versammelt wurde und einige Erinnerungsfotos angefertigt wurden, kamen wie eingangs erwähnt die Frankfurter Spieler in einer Reihe herüber und bedankten sich für die Unterstützung. Eine solche Art des freundschaftlichen Abklatschens wird es lange nicht mehr gegeben haben.   An der Bar im Vereinsheim konnte sich noch etwas bei einem frisch Gezapften ausgetauscht werden, während nebenan im Konferenzraum die Spieler ein „Spitzenreiter! Spitzenreiter!“ anstimmten. Wie der Zufall wollte, begegnete man sich am späteren Abend noch einmal, nachdem im benachbarten Slubice eine Schnitzelplatte verdrückt wurde und sich das Kind auf einem Spielplatz an der Oder austoben konnte. Wieder ertönte das „Spitzenreiter!“ und man lud uns herzlichst dazu ein, am 11. Juni zum Heimspiel gegen Union Klosterfelde zu kommen. Im Anschluss würde der Grill angeworfen werden - und vielleicht, ja vielleicht würde es bereits an diesem vorletzten Spieltag eine sportliche Entscheidung bzw. Vorentscheidung geben. Frankfurt (Oder) sei es zu gönnen! Unter anderen eine Partie gegen den möglichen McPom-Aufsteiger SG Dynamo Schwerin hätte doch mal was! Sport frei!   Buch-Tipp ‚Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel‘ Mit sechs Meistertiteln und zwei FDGB-Pokalsiegen war der ASK/FC Vorwärts Berlin in den 1960er Jahren einer der erfolgreichsten Vereine in der DDR-Oberliga. Es gab legendäre EC-Spiele gegen Wolverhampton, Benfica und Feyenoord. Namen wie Otto Fräßdorf, Jürgen „Kuppe“ Nöldner sowie Karl-Heinz Spickenagel hatten einen großen Klang. Mit dem Umzug nach Frankfurt (Oder) endete zwar die goldene Ära des Vereins, doch auch im Stadion der Freundschaft feuerte eine treue Anhängerschaft ihre Helden im rot-gelben Dress an. Aus dem Blickwinkel von zwei jugendlichen Anhängern lässt Marco Bertram die Vereinsgeschichte lebendig werden. Dabei zeigt er das reale sportliche Geschehen eingebettet in eine farbenfrohe Schilderung des zeitgenössischen DDR-Alltags. Zum Autor:  Marco Bertram wurde 1973 in Ost-Berlin geboren und geht seit dem Fall der Mauer Woche für Woche zum Fußball. Seit 2008 betreibt er gemeinsam mit K. Hoeft das Onlinemagazin turus.net. In den vergangenen Jahren veröffentlichte er zahlreiche Fußballbücher, u.a. „Zwischen den Welten“, „BFC Dynamo Fußballfibel“, „F.C. Hansa Rostock Fußballfibel“, „Fußballheimat Brandenburg“ und „Kaperfahrten – Mit der Kogge durch stürmische See“. Aufgrund fester privater Freundschaften hat er seit Anfang der 1990er-Jahre eine besondere Beziehung zur Stadt Frankfurt (Oder).  > Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit auf www.marco-bertram.de  Fotos: Jens, Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: FC Vorwärts / 1. FC Frankfurt (Oder)

Jetzt in der App abspielen

turus-Sommertour - #1 SV Panitzsch/Borsdorf

23.05.2022 00:00:00

In Zeiten, in denen sich der Profisport immer weiter vom 0815-Pöbel auf den Rängen entfernt, in einer Zeit, in der Spieler für eine Vertragsverlängerung 100 Millionen Euro Handgeld erhalten, in einer Zeit, in der Weltmeisterschaften problemlos in Länder wie Katar vergeben werden können, genau in dieser Zeit ist es wichtig, uns auf die wichtigen und sympathischen Eigenschaften unseres geliebten Sportes zu besinnen - den Amateursport! Mit Anbruch der Sommerpause haben wir uns als Ziel gesetzt noch etwas tiefer in die Materie Amateursport einzutauchen und den entsprechenden Vereinen die verdiente Wertschätzung ihrer tollen Arbeit zu geben. In den kommenden Wochen oder vielleicht auch Monaten besuchen wir ausgewählte Spiele bzw. Vereine und wollen diese mit unserem Besuch auch für die Öffentlichkeit ein wenig bekannter machen.Anfangen wollen wir mit dem SV Panitzsch/Borsdorf - von Anhängern des Vereines auch liebevoll "PaBo" genannt. Die Rand-Leipziger haben eine äußerst spannende und erfolgreiche Saison hinter sich gebracht (auch wenn sie noch nicht ganz beendet wurde). Am vergangenen Freitag wurde der Aufstieg in die Landesklasse Nord perfekt gemacht und auch im Sachsenpokal sorgte man für einige Furore und scheiterte schlussendlich am späteren Turniergewinner aus Chemnitz. Auch auf den Rängen ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen, denn nicht nur bei den großen Duellen wie etwa gegen Chemnitz, sondern auch beim Aufstiegsspiel in Schkeuditz fanden sich rund vierzig lautstark mitgereiste Fans der Blau-Gelben ein und unterstützten ihr Team optisch und lautstark sehr ansprechend.  Gegründet wurde der SV Panitzsch übrigens im Jahre 1920 und trat damals noch als eigenständiger Verein im Ligabetrieb an. Erst 81 Jahre später folgte die Fusion mit dem benachbarten SV Borsdorf. Die Heimspiele finden üblicherweise in Panitzsch statt und bieten Platz für 1.500 - 2.000 Zuschauer. Bis auf einen kleinen Sitzplatzbereich und eine wirklich wunderschöne Vereinskneipe muss man auf der Anlage ziemlich naturverbunden sein, um problemlos dem Spielverlauf folgen zu können. Bereits seit 1962 kicken die Panitzscher nun schon auf diesem Platz und traten immer wieder auch mal mit neuem Vereinsnamen an - ein Vorgehen, welches vor allem zu DDR-Zeiten wenig überraschend vorkommen sollte. Bis zur Fusion beider Vereine spielten beide Teams überwiegend in den untersten Ligen des Raumes Leipzigs.  Der Bezirksligaaufstieg des SVP im Jahre 1996 wird hierbei schon als größter Erfolg der Vereinsgeschichte betitelt. Die neue Ära mit einer gemeinsamen Fußballmannschaft aus Panitzsch und Borsdorf brachte anfangs leider nicht den erwünschten Erfolg und kostete viel Schweiß und vielleicht auch Tränen bei den Verantwortlichen. Doch spätestens seit der Saison 2014/2015 und dem damit verbundenen Aufstieg in der Stadtliga und der Stabilisierung des eigenen Nachwuchses nimmt das ganze Projekt ganz neue Fahrt auf. In den letzten Transferphasen konnten einige richtig starke Spieler aus der Region verpflichtet werden, die den diesjährigen Aufstieg in die Landesklasse nahezu erspielen mussten.  Da die damaliga Bezirksliga heutzutage mit der Landesklasse gleichzusetzen ist, hat der Verein hiermit also seine eigene Bestmarke der Ligazugehörigkeit eingestellt und hofft auf einen längeren Ligaverbleib als damals. In der Landesklasse Nord trifft "PaBo" unter anderem auf traditionsreiche Teams wie Lipsia Eutritzsch oder Rotation Leipzig, aber auch ein Gastspiel der sehr polarisierenden Roten Sterne steht noch im Bereich des Möglichen. Wir bedanken uns natürlich auch recht herzlich beim SC Eintracht Schkeuditz für den sehr netten und zum Glück trockenen Empfang vor Ort - der Nudelsalat war hervorragend! Gleichzeitig wünschen wir dem SV Panitzsch/Borsdorf alles Gute auf dem weiteren Weg und kommen bei Gelegenheit auch mal zu Euch zu Besuch.  Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)

Jetzt in der App abspielen

Landespokal-Sieg für Energie Cottbus gegen Krieschow

23.05.2022 00:00:00

Dobry dzen – wie man im sorbischen Cottbus sagen würde. Am heutigen 21.5.2022 startet pünktlich um 14.15 Uhr das AOK-Landespokalfinale des Landes Brandenburg. Aber die Partie VfB Krieschow gegen Energie Cottbus findet nicht im Krieschow Sportpark statt, sondern im Werner-Seelenbinder-Stadion in Luckenwalde, das Dank der Haupttribüne recht modern daher kommt.Einige Nächte zuvor haben sich wohl ein paar Fans auf den Weg gemacht, um im rund 100 Kilometer entfernen Luckenwalde an einem leerstehenden Plattenbau gegenüber dem Stadion ein großes „Energie Cottbus seit 1966“ ranzumalen.   Zum Einlauf der der Mannschaften gab es auf Cottbuser Seite etwas Pyro und auf Krieschower Seite mehrere kleine blau-weiße Fahnen. Das Spiel startete munter als in der 5. Minute, als Janik Mäder nur knapp am Tor vorbei schoss. Der VfB, dessen Startelf ausnahmslos aus Ex-Energie Spielern bestand, fand von Minute zu Minute besser ins Spiel. Es wurde sich von beiden Mannschaften nix geschenkt und so war es ein sehr körperbetontes Spiel. Krieschow hatte seine besten Chancen meist mit Distanzschüssen. So wie zum Beispiel in der 17. Minute, als Jonas Zickert aus etwa 25 Metern einfach mal abzog und Toni Stahl im Energie-Tor Schwierigkeiten hatte diesen Flatterball zu halten. In der 35. Spielminute war es Dimitar Rangelov, der mit seinem Freistoß nur knapp am Pfosten vorbei schoss.   0:0 zur Pause. Was war denn hier los? Hatte etwa der stark spielende Oberligist mit seinen 500 Einwohnern echt eine Chance gegen den Regionalligisten, der nur 14 Kilometer entfernt wohnt?! Nach der Pause waren es dann weiterhin vor allem Distanzschüsse, die gefährlich wurden. In der 66. Minute war es wieder Zickert für den VfB und direkt im Anschluss war es Maximilian Pronichev, der den Ball gegen die Latte von Krieschow hämmerte.   Beide Mannschaften spielen weiterhin sehr stark und bieten ein packendes und schönes Spiel den 2.832 Zuschauern. Ein satter Schuss von Tobias Hasse ist es dann, der in der 76. Spielminute das 1:0 für Cottbus klar machte. In der Folge hatte der VfB dann Pech, als in der 81. Minute ein schöner Kopfball von Felgenträger nur an den Außenpfosten ging.   Als in der 92. Minute dann Pflug aus seinem Kasten nach vorne geeilt war, um seine Mannschaft zu unterstützen, war es dann Zografakis, der ihn umlaufen hat und den Endstand von 2:0 beschloss. Der Schiedsrichter hatte in Folge des Tores das Spiel gar nicht erst wieder angepfiffen. Das wäre auch schwer möglich gewesen, da die Fans schon längst durch eine von der Polizei geschaffene Öffnung in der Spielfeldabsperrung aufs Feld gelaufen und ihren Spielern um den Hals gefallen waren.   Danach brachen alle Dämme und Cottbuser Fans stürmten aus allen Blöcken das Feld und feierten zusammen mit ihrer Mannschaft den zehnten Landespokal-Titel der Vereinsgeschichte. Auch ich habe es mir nicht nehmen lassen, mal den Platz zu betreten. Natürlich nur aus rein journalistischen Gründen, um euch die besten Fotos liefern zu können. *Zwinkersmilie* Text und Fotos: Benjamin Barsig > zur turus-Fotostrecke: FC Energie Cottbus

Jetzt in der App abspielen

VfB Homberg vs. Alemannia Aachen: Entspannter Saisonabschluss am Rheindeich

20.05.2022 00:00:00

Letzter Spieltag der Regionalliga West. Bis auf die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg waren alle Messen längst gelesen. Unter anderem der VfB Homberg stand bereits seit längerem als Absteiger fest. Nichts womit man im linksrheinischen, 1975 nach Duisburg eingemeindeten Stadtteil nicht gerechnet hat.Bereits die letzten beiden von der globalen Pandemie bestimmten Spielzeiten zeigte sich, dass die Schwarz-Gelben eine Nummer zu klein für die Regionalliga sind. Jeweils die Plätze 18 und 20 sprangen im Endtableau heraus. Beide Male profitierten die Homberger davon, dass es keine oder nur einen Absteiger gab.    Nun also die erste Saison unter „richtigen“ Wettkampfbedingungen. Große Namen wurden im schmucken PCC-Stadion vorstellig. Rot-Weiss Essen, Oberhausen, Münster... Ach was schreibe ich das eigentlich? Es dürfte bekannt sein, welche Traditionsvereine im Westen zu finden sind. Homberg war da eher der Karpfen im Hechtteich. Scheinbar leichte Beute. Und so tummelte man sich während der ganzen Saison am Tabellenende. Keine Chance für die Halbprofis die Klasse zu halten. Ganze 11 Punkte konnten im heimischen Stadion erzielt werden, derer 15 auf fremden Geläuf. Fast ähnlich mies lief die Saison für die Gäste am letzten Spieltag. Die Aachener Alemannia, Traditionsclub und Bayern-Bezwinger spielte die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, erst am vorletzten Spieltag konnte im Tivoli der Klassenerhalt gefeiert werden. Dass man immer noch Strahlkraft hat, bezeugen die knapp 10.000 Zuschauer, die zum letzten Heimspiel der „Kartoffelkäfer“ gekommen waren.    Wieviele Aachener mit an den Rhein reisen, ließ sich im Vorfeld des letzten Spiel nicht wirklich eruieren. Von einer handvoll bis zu ganzen Hundertschaften war also alles möglich. Am Ende bescherten die Gäste dem Homberger Kassenwart nochmal ein nettes Sümmchen in der Tagesabrechnung. Knapp 700 Aachen-Supporter waren es schätzungsweise. Und die gaben ein gutes Bild ab. Fast alle in einheitlichen Motto-Shirts, dazu ein gut beflaggter Zaun. Optisch also schon mal top. Zu Spielbeginn gab es am Zaun außerdem ein großes Banner („Unsterblicher Turnsportverein – Alemannia geht niemals vorbei“), dazu viele Fahnen und gelbe Wurfrollen. Ein gutes Intro für eine bedeutungslose Partie.  Was wäre wohl los gewesen, wenn die Alemannia erst in diesem Spiel den Klassenerhalt hätte perfekt machen können? Der Gästeblock wäre wohl aus allen Nähten geplatzt. Der Block an sich übrigens ist nicht mehr als ein Graswall mit ein paar Stufen, wovon allerdings die Hälfte vor dem Zaun liegt und demzufolge nicht nutzbar ist. Bei Regen sicherlich nicht ungefährlich. Stimmlich hatten die Gäste rund um Karlsbande und Yellow Connection keine Gegenwehr. Homberg hat keine Fanszene, trotzdem ließen sich die Aachener die Motivation nicht nehmen und lieferten 90 Minuten lautstark und abwechslungsreich ab.   Auf dem Rasen merkte man schnell, dass es wohl keinen Sieger geben wird. Früh zeichnete sich ein typisches 0:0-Spiel ab. Aachen zwar insgesamt zwingender, aber im Torabschluss zu ungenau, Homberg wollte zwar, konnte aber nicht wirklich Akzente setzen. Dennoch war es ein abwechslungsreiches Spiel. Man hätte meinen können, es geht um mehr als die berühmte goldene Ananas.  Emotional wurde es, als auf Seiten der Gäste Peter Hackenberg ausgewechselt wurde. Seit 2013 hielt er mit kurzer Unterbrechung die Knochen in der Abwehr der Alemannen hin. Seine letzte Auswechslung quittierten die Fans mit einem Spruchband und Gesängen. Da scheint man einen wirklich lieb zu haben.    Genauso wie der Rhein hinter dem Gästeblock plätscherte auch das Spiel dahin, und nachdem der finale Abpfiff erfolgt war, konnte man mit ansehen, wie auf Seiten der Gäste noch ein wenig gefeiert wurde und wie es auf Seiten der Homberger fast schon dörflich-familiär in die Sommerpause ging. Da spielten die Spielerkinder auf dem Platz Fangen und ließen sich auch nicht von den Ordnern stören, die ein paar Aachener Fans von eben diesem bitten wollten.  Gefahr lag aber sowieso nicht in der Luft. Es war ein sehr entspannter Ausklang der Spielzeit 2021/22. Für den VfB Homberg geht es in der nächsten Spielzeit in der Oberliga Niederrhein unter anderem gegen Hamborn 07. Die Karten im Spiel um die Nummer 2 in der Stahlstadt werden dann neu gemischt.  Für die Alemannia wird es darum gehen wieder im Konzert der Großen mitzuspielen. Mit Essen hat ein Schwergewicht die Liga verlassen. Einen Absteiger aus der dritten Liga gibt es nicht. Vielleicht folgt auf die schlechteste Saison aller Zeiten ja eine zum Feiern. Fotos: Christian Lenke > zur turus-Fotostrecke: Alemannia Aachen

Jetzt in der App abspielen

In Rixdorf ist Musike - Bo wszyscy Polacy to jedna rodzina

19.05.2022 00:00:00

Es war mal wieder soweit. „In Rixdorf ist Musike, Musike, da tanzen Franz und Rieke die letzte Polka vor…“ Hoch her ging es Anfang November 2020, als auf heimischem Terrain der FC Polonia Berlin den Rixdorfer SV empfing. Es war das letzte Spiel vor einer weiteren langen Corona-Pause, und auch deshalb lagen wohl allgemein die Nerven ein wenig blank. Verbal flogen mächtig die Fetzen, und mir wollte ein Rixdorfer Spieler eine Fahnenstange in den "Hintern schieben". Nach der Partie kühlten die Gemüter jedoch wieder ab und ich wurde sogar zu einem Heimspiel des Rixdorfer SV eingeladen. Dort würde man mir die gastfreundliche Seite des Vereins präsentieren.Im Normalfall trägt der Rixdorfer SV seine Heimspiele auf dem Innsportplatz an der Ecke Sonnenallee / Innstraße aus, doch die Partie gegen den FC Polonia Berlin wurde ein Stück weiter auf den Hertzbergplatz verlegt. Rasen und ein paar Stufen. Passt doch. Zumal ich an diese Spielstätte vorzügliche Erinnerungen habe. Im Juni 2014 waren die Amateure des F.C. Hansa Rostock dort zu Gast bei Hürtürkel, und rund 150 Hansa-Fans veranstalteten eine lässige Wasser-Party, bei der die Wassereimer durch die Gegend flogen und für Erfrischung sorgten.    Das Wetter war am vergangenen Sonntag ähnlich, doch glücklicherweise bot ein großer Baum ein wenig Schatten auf den Rängen. Da der Imbiss des Sportplatzes geschlossen war, musste sich in nahen Büdchen mit kühlen Getränken versorgt werden. Sportlich betrachtet ging der Rixdorfer SV als Tabellenelfter der Staffel 4 der Kreisliga A ins Rennen, der FC Polonia Berlin reiste als Sechster an und hatte Rang fünf im Visier. Für Kreisliga-Verhältnisse hatte sich eine recht passable Kulisse von schätzungsweise 80 Zuschauern eingefunden, von denen rund 50 dem FC Polonia Berlin die Daumen drückten.   Auf dem Rasen war sogleich die oben zitierte Musike drin, doch verlief im Gegensatz zum Herbst 2020 die Partie recht fair. Beide Mannschaften gingen motiviert zur Sache. Und zwar dermaßen motiviert, dass sich auf Rixdorfer Seite zwei Spieler vor der Ausübung eines Freistoßes in die Haare bekamen. Der Ball wurde dem anderen aus der Hand geschlagen - eine gelbe Karte war die Folge.    Den ersten Treffer des Tages erzielte Polonia. Nach einem Foul zeigte der Schiedsrichter ohne zu zögern auf den Elfmeterpunkt. Rafael Majewski übernahm Verantwortung - 1:0 für Polonia! Fünf Minuten später hatten die Rixdorfer die mega dicke Chance zum Ausgleich, doch wurde der Ball aus bester Position über das Gehäuse geballert. Das sollte sich bitter rächen. Wiederum nur zwei Minuten später machte Rafael Majewski seine zweite Bude des Tages. Aus ordentlicher Distanz hatte er einfach mal Maß genommen. 2:0 für den FC Polonia Berlin.   Mit diesem Ergebnis ging es in die Halbzeitpause. Die Gelegenheit wurde genutzt, um sich draußen auf den Straßen Neuköllns Nachschub zu besorgen. Die Stimmung stieg, auf einer herangerollten Anlage wurden die ersten Lieder abgespielt. Wenig später wurde zum Mikrofon gegriffen. Schließlich musste das „In Rixdorf ist Musike“ lautstark hervorgetragen werden. Auf Heimseite ließ man sich nicht lumpen und stimmte auf dem Balkon des dortigen Vereinsheims ebenso ein paar fröhliche Gesänge an.   Spannend wurde die Partie auch noch. Nach etwas über einer Stunde erzielte Maher El-Taha den auf Heimseite intensiv gefeierten 1:2-Anschlusstreffer. Richtig Musike kam in den letzten zehn Minuten auf. Zuerst forderten die Gastgeber vehement einen Elfmeter, im Gegenzug machte Michal Jakub Macjcher für Polonia prompt das 3:1 klar. Rixdorf öffnete nun verständlicherweise und musste in der 86. Minute das 1:4 hinnehmen. Nach einem langen Sololauf konnte Dominik Kadyjewski abschließen.    Aus Sicht der Gäste war dies ein brillanter Abschluss. Die Mannschaft wurde gefeiert und zum gemeinsamen Gruppenfoto gebeten. Da der Sportplatz eine Viertelstunde nach Abpfiff abgeschlossen wurde, erfolgte der Umzug in den anliegenden Park, wo bis 20 Uhr noch gesungen und gefeiert wurde. Fehlen durfte nicht das berühmte Lied „Bo wszyscy Polacy to jedna rodzina“, bei dem das weiß-rote Familiengefühl wieder aufkam. Wieder einmal hatte sich gezeigt, wie wunderbar Amateurfußball sein kann. Ob bei Polonia Berlin, in Klosterfelde, bei Blau-Weiß 90 oder auch in Waldesruh … Fotos: Marco Bertram, Kamil Drass > zur turus-Fotostrecke: FC Polonia Berlin

Jetzt in der App abspielen

Zu Gast bei Union Klosterfelde - dieses Mal aber ohne Party bis der Arzt kommt

19.05.2022 00:00:00

Rheinmetall Sömmerda vs. Aktivist Steinkohle Zwickau. Wenn das nicht brachial klingt! Okay, bei „Rheinmetall“ fallen einem aktuell (Ukraine) ganz andere Dinge ein, doch wollen wir beim Fußball bleiben. Am 5. August 1950 wurde in der noch jungen DDR die erste Runde des FDGB-Pokals ausgespielt, und neben der eingangs genannten Partie gab es noch andere klangvolle Partien zu bestaunen. So traf „Alfred Kempe“ Stollberg auf Hydrierwerk Zeitz, und Fischlandschmuck Ribnitz empfing die ZSG Burg. Und um zum Thema zu kommen: Aufbau Klosterfelde hatte es daheim mit der SG Voran Friedrichshain zu tun. Nach großer Schlacht musste sich Klosterfelde mit 3:5 geschlagen geben.Klosterfelde? Wo das liegt? Klosterfelde ist ein Ortsteil der Gemeinde Wandlitz, wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt und liegt nördlich von Berlin. Mittendrin im Dreieck Oranienburg, Bernau und Eberswalde. Der dort ansässige Fußballverein wurde im September 1919 als Union Klosterfelde ins Leben gerufen. Zu DDR-Zeiten war das Holzverarbeitungswerk Klosterfelde der Trägerbetrieb, und der Verein konnte sich als BSG Aufbau Klosterfelde immerhin ein paar Jahre in der Bezirksliga Frankfurt festbeißen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde das „Aufbau“ abgelegt - stattdessen lässt man wieder fortan als SG Union Klosterfelde das runde Leder rollen. Nachdem der Verein in den Niederungen des Brandenburgischen Ligensystems abgetaucht war, ging es ab 2010 wieder aufwärts. Mit 29 Siegen in 30 Spielen wurde Union Klosterfelde souveräner Meister in der Barnimliga. Einen Partymarathon, eine Bierdusche und Freibier in Strömen gab es 2014, als der nächste Aufstieg gefeiert wurde. Der Stamm blieb beisammen, zwei Jahre später konnte die nächste Party steigen. Gemeinsam mit Einheit Bernau ging es nun hoch in die Brandenburgliga. Vor 684 Zuschauern wurde das entscheidende „6-Punkte-Spiel“ beim FSV Bernau mit 3:0 gewonnen. Wieder wurde mit Bier und Sekt geduscht, die Haare des Klosterfelder Trainers wurden klitschnass.
 „Wir sind Union“, heißt es auf einer CD im Fanshop. „Feiern bis der Arzt kommt!“, lautet häufig das Motto auf dem Sportplatz an der Mühlenstraße. Und in der Tat wirkt das gesamte Ambiente durchaus geselliger als auf manch anderen Sportplätzen der Region. Das Brandenburg-Liga-Duell gegen den FV Preussen Eberswalde - schade, dass das „Motor“ abgelegt wurde - bot am vergangenen Freitag die Möglichkeit, endlich einmal wieder bei einem Heimspiel der Klosterfelder vorbeizuschauen.  Da es Schienenersatzverkehr gab, zogen wir es vor, als kleine Truppe von Strausberg aus mit dem Auto gen Klosterfelde zu düsen. Felder, Wälder, Kopfsteinpflaster-Abschnitte in den Ortschaften und desaströser Handy-Empfang. In Klosterfelde schlug die Anzeige jedoch wieder auf 4G - und am Bierstand kam ich wenig später gleich ins Gespräch. Der F.C. Hansa Rostock, der einstige FC Vorwärts Frankfurt (Oder) und selbstverständlich die SG Union Klosterfelde waren das Thema beim leckeren Hacksteak und bei frisch Gezapftem. Noch gemütlicher soll es in Zukunft werden. So soll die Holzhacker-Tribüne eine Überdachung erhalten. Wir dürfen feststellen: Auch heute spielt die Holzverarbeitung im Ort noch eine große Rolle. Auf dem Schild der Holzhacker-Tribüne wird die Axt leger über die Schulter gelegt. Nicht auf die Schulter geworfen werden konnten an diesem Abend die Gäste aus Eberswalde. Und dabei sah es anfangs vor 308 zahlenden Zuschauern recht passabel aus. Florian Schulte konnte Klosterfelde in der 25. Minute in Führung bringen. Kurz vor dem Pausentee glich jedoch Dimitar Milushev zum 1:1 für Motor, äh Preußen Eberwalde aus. So richtig rocken wollte das Spiel nicht - und für Union Klosterfelde wurde es dann doch Freitag, der 13. In der 84. Minute ließ Nick Lange die Eberwalder jubeln. In der Dämmerung erfolgte unter Flutlicht noch ein letztes Aufbäumen von Union Klosterfelde, doch nachdem in letzter Sekunde ein strammer Schuss knapp am Eberswalder Gehäuse vorbei zischte, war der Drops gelutscht. Die Gäste hatten mit 2:1 gewonnen und sangen inbrünstig das „Derbysieger! Derbysieger!“  Was bleibt? Die Hoffnung, dass wir in Klosterfelde mal gemeinsam eine Lesung veranstalten und dann feiern, bis der Arzt kommt. Die Jungs von Rheinmetall Sömmerda laden wir zu dieser Veranstaltung jedoch lieber nicht ein. *Zwinkersmilie* Anmerkung: Über Union Klosterfelde gibt es in meinem Buch „Fußballheimat Brandenburg“ (arete verlag) einen eigenen Beitrag zu lesen. Weitere Infos zu diesem Buch sind auf meiner privaten Webseitewww.marco-bertram.dezu finden. Fotos: Marco Bertram

Jetzt in der App abspielen

Saisonrückblick RL Nordost Teil II: Chemie Leipzig, TeBe, Babelsberg, L47 und Tasmania

17.05.2022 00:00:00

Nachdem in Teil I des Saisonrückblicks der Regionalliga Nordost bereits der Staffelmeister BFC Dynamo und die Verfolger VSG Altglienicke, FC Carl Zeiss Jena, 1. FC Lok Leipzig, Berliner AK 07, FC Energie Cottbus und Chemnitzer FC abgehandelt wurden, folgen nun die Vertreter, die ab Rang acht zu finden sind. Angefangen bei den Hertha-Bubis über Nulldrei und TeBe bis hin zu den Tasmanischen Teufeln ...- Hertha BSC II - Die Hertha Bubis spielten eine sehr überzeugende Rückrunde und kletterten in der Tabelle noch ziemlich weit nach oben. Mit Derry Scherhant und Timur Gayret kommen die beiden gefährlichsten Offensivspieler der Hertha auf 48 Scorerpunkte und waren maßgeblich am Erfolg beteiligt. Keeper Marcel Lotka, der den Großteil der Saison noch bei der Zweitvertretung der Hertha im Tor stand, durfte im Laufe der Rückrunde erstmals in der Bundesliga auflaufen und sich dort als Stammkeeper festspielen. Es ist zu erwarten, dass es in Berlin auch in der kommenden Saison wieder einen größeren Umbruch geben wird und viele Jungs aus der sehr talentierten U19 den Sprung in die Regionalliga wagen werden - Es sei denn die Bundesligamannschaft der Hertha steigt ab.   - BSG Chemie Leipzig - Eine grundsolide Saison spielte auch die BSG Chemie Leipzig, die mit ihren Fans im Rücken für das ein oder andere Highlight auf und neben dem Platz sorgen konnten. Im Saisonendspurt gewannen die Chemiker das brisante Stadtderby gegen den 1. FC Lok und zogen gegen den FSV Zwickau in das Sachsenpokalfinale ein. Grundsätzlich war es für die Grün-Weißen eher eine Saison der entspannteren Art und Weise, denn mit dem Abstieg hatte man nicht wirklich etwas zu tun und den Anschluss an die Tabellenspitze hatte man schon nach wenigen Spieltagen verloren. Im Hintergrund tüfteln die Bauherren bereits an der Konstruktion der neuen Flutlichtanlage und nebenbei wurden mit mehreren Vertragsverlängerungen auch die Weichen für die kommende Saison gestellt.   - Tennis Borussia Berlin - Wie bereits im Eingangstext von Teil I beschrieben, litt auch der charmante Verein aus dem Westen Berlins unter den etlichen Verschiebungen und Absagen ihrer Spiele und verlor zum Schluss seine gute Ausgangssituation in der Tabelle. Die große Anzahl an englischen Wochen zehrt vor allem einem Amateurverein ziemlich an den Kräften und resultierten in acht sieglosen Spielen am Stück. Einer der Shootingstars der Saison ist mit Solomon Junge-Abiol aber recht schnell gefunden - der 22 jährige Deutsch-Amerikaner überzeugte mit 22 Scorerpunkten und wird in der kommenden Saison mutmaßlich nicht mehr im Mommsenstadion auflaufen.   - SV Babelsberg 03 - Eine absolut miserable Rückrunde legte der SV Babelsberg aufs Parkett. Nur drei Siege im Jahr 2022, eine Trainerentlassung und der freie Fall in der Tabelle sind das Endresultat. Die ziemlich junge Mannschaft wirkte nach den Misserfolgen natürlich auch immer unsicherer und konnte sich nicht mehr in den Flow des vergangenen Jahres zurückspielen. Schade eigentlich, denn die Babelsberger spielen einen attraktiven und modernen Fußball, der es verdient hätte in der Tabelle weiter oben stehen zu dürfen. Für die Zukunft setzt man sich in Potsdam sehr hohe Ziele und möchte in den kommenden Jahren den Aufstieg in die dritte Liga anpeilen.   - FSV Luckenwalde - Die Brandenburger dürften absolut zufrieden sein - hatten mit dem Abstieg nichts zu tun und konnten die Saison ganz locker ausklingen lassen. In der Rückrunde wurden die Ergebnisse etwas turbulenter, so spielte man in einem Zeitraum von knapp drei Wochen 4-1, 0-4, 5-3 und 1-4. Luckenwalde setzte im Gegensatz zu ihren Kontrahenten aus Babelsberg eher weniger auf die spielerische Komponente sondern auf den Kampf. Das unfairste Team der Liga kassierte ganze sechs Platzverweise und 96 gelbe Karten und hatte mit Christian Flath einen Spieler in den Reihen, der bei einer weiteren Verwarnung das dritte Mal gelbgesperrt gewesen wäre. Offensivtalent Frederik Schmahl wird den Verein im Sommer verlassen und nach Hoffenheim wechseln und damit natürlich auch eine kleine Lücke in der Kaderplanung reißen.   - SV Lichtenberg 47 - Mit dem überzeugenden 3:0-Erfolg gegen den 1.FC Lok Leipzig konnten die Lichtenberger den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen und sich für eine weitere Saison in der Regionalliga "qualifizieren". Besonders beeindruckend ist die Konstanz der Ostberliner, die seit dem 19. Spieltag auf dem dreizehnten Tabellenplatz lagen und diesen nicht mehr hergeben wollten. Trotz der hohen Anzahl an Berliner Vereinen sind die Lichtenberger eine Bereicherung für unsere Staffel - cooles Stadion, sympathische Anhängerschaft und leidenschaftlicher Amateurfußball. Aber auch die Lichtenberger müssen in der kommenden Spielzeit ihren Topscorer ersetzen - Tarik Gözüsirin wechselt in den Norden nach Lübeck.   - ZFC Meuselwitz -  Die Zipsendorfer beenden ihre absolut chaotische Saison mit einem versöhnlichen vierzehnten Platz und dürfen somit eine weitere Saison in der Regionalliga Nordost auflaufen. Nach dem desolaten Saisonstart, dem Trainerwechsel und dem Austausch einiger Spieler im Kader auf dem Transfermarkt spielte man sich allmählich aus der Abstiegszone und darf in der kommenden Saison, mal wieder mit einem neuen Trainer, den nächsten Anlauf versuchen.    - Germania Halberstadt - Wir kommen in die gefährliche Abstiegszone und landen beim einzigen Verein des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Nach der Tabellenführung an den ersten beiden Spieltagen ging es in Halberstadt standesgemäß rapide bergab und seit dem 16. Spieltag kratzte man stetig an der Grenze zu den Abstiegsrängen. In der Winterpause zeigte sich die Vereinsführung sehr emsig und transferierte enorm viele Spieler, die zumindest ihren Anteil am Klassenerhalt inne hatten. Die Halberstädter gewannen trotz teils guter Leistungen nur sehr selten, aber dafür immer gegen die richtigen Gegner - Auerbach, Fürstenwalde, Eilenburg, Meuselwitz, Tasmania und Lichtenberg.    - FC Eilenburg - Viele hätten es wohl nicht für möglich gehalten, aber der FC Eilenburg steht nach Ablauf der Saison nicht als fester Absteiger fest! Der Haken ist nur, dass der BFC Dynamo bei einem Misserfolg gegen Oldenburg noch dafür sorgen könnte. Die Muldestädter haben sich in der abgelaufenen Saison dennoch sehr stark präsentiert und trotz enormer Verletzungssorgen und sehr geringem Budget eine gute Runde gespielt und im Vergleich zum Mitaufsteiger Tasmania Berlin eindeutig die Oberhand behalten. In der Winterpause präsentierte der Verein insgesamt drei Neuzugänge - Einen Ersatzspieler der U19 des Halleschen FC, einen Spieler aus der Landesklasse Nord und einen Ersatzspieler der BSG Chemie Leipzig. Wir ziehen den Hut vor unseren Nachbarn aus Eilenburg und hoffen auf den Ligaerhalt.   - FSV Union Fürstenwalde - Der erste sichere Absteiger der Regionalliga Nordost, der seinem Sparkurs am Ende Tribut zollen musste. Der extrem junge und zusammengewürfelte Kader zeigte sich ab dem Monat März zwar relativ gefestigt und spielstark, konnte den Verein aber leider nicht mehr retten. Die bittere Niederlage am vorletzten Spieltag gegen Optik Rathenow zog den Brandenburgern den Zahn und rettete den FC Eilenburg. Wir erwarten einen weiteren großen Umbruch in der kommenden Saison, denn die Neuzugänge aus dem Ausland werden wohl nicht so viel Lust auf die Oberliga Nord haben.   - Optik Rathenow - Wir mussten uns ein wenig Kritik an unseren Äußerungen des Hinrundenresumes über den FSV Optik Rathenow anhören, aber wir bleiben bei unserer Meinung, dass der kleine und sympathische Verein aus der brandenburgischen Provinz den Abstieg verdient hat. Drei Siege im Jahr 2022 reichen leider nicht aus, um die direkten Konkurrenten zum Wanken zu bringen und auch die mühsamen Diskussionen über die Verkleinerung der Liga lassen den Verein in ein eher schlechtes Licht rücken. Wir drücken dennoch die Daumen, dass die junge Mannschaft in der kommenden Oberligasaison wieder oben angreifen kann und dann sehen wir uns in der Saison 2023/2024 vielleicht wieder.   - VfB Auerbach - Eine Regionalliga ohne den VfB Auerbach ist eigentlich undenkbar. Seit dem es die neu reformierte Regionalliga Nordost gibt, gibt es auch in die Auerbacher als Mitglied derer. Nachdem der Verein bereits in der abgebrochenen Spielzeit letztes Jahr mit einigen Problemen zu kämpfen hatte, folgte nun folgerichtig der Abstieg in der Oberliga Süd. Dort trifft man unter Anderem auf die Freunde vom VFC Plauen. Wir verabschieden uns mit Respekt vor den Vogtländern und dem Rekordtorschützen der Liga, Marc Philipp Zimmermann.   - Tasmania Berlin - Der Abstieg der Neuköllner war schon frühzeitig in den Stein gemeißelt. Die junge und unerfahrene Mannschaft zeigte sich nur selten als wirklich konkurrenzfähig und stieg somit absolut verdient ab. Mit insgesamt 107 Gegentoren und fünfzehn sieglosen Spielen am Stück schrieb der Verein zumindest Regionalliga-Geschichte. Einzig und allein den schwächelnden Leipzigern ist es zu verdanken, dass sich die Tasmania im Jahre 2022 über einen Punktgewinn erfreuen konnte.  Bericht: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) Fotos: Los Misenas, Marco Bertram, bfc-fotos.de > zu Teil I des Regionalliga-Saisonrückblicks

Jetzt in der App abspielen

Saisonrückblick RL Nordost Teil I: Lok Leipzig, Cottbus, Jena, Chemnitz und BFC

17.05.2022 00:00:00

Wir haben es geschafft - die reguläre Spielzeit der Regionalliga Nordost wurde fristgemäß beendet - Zeit für ein Fazit! Nach rekordverdächtigen und sehr turbulenten 38 Spieltagen dürfen wir dem BFC Dynamo zur Meisterschaft, aber leider noch nicht zum Aufstieg, gratulieren - die Gründe dafür sind jedem bekannt. Verabschieden mussten wir uns bereits vorzeitig von Tasmania Berlin und dem VfB Auerbach, die bereits mehrere Spieltage vor Schluss keine Chance mehr auf den Klassenerhalt hatten. "Dank" des direkten Abstieges der Viktoria aus Berlin mussten nun auch noch Optik Rathenow und Union Fürstenwalde die Segel streichen. Die Nordost-Staffel verliert somit ein waschechtes Urgestein der Liga, einen frischen Aufsteiger und die Hälfte ihrer Brandenburger Vereine. Für den FC Eilenburg werden die kommenden vierzehn Tage ein ziemlicher Drahtseilakt, denn die Muldestädter müssen noch auf die Finalergebnisse des BFC Dynamo warten, ehe sie endgültig für die kommende Saison planen können.  Wir blicken auf eine absolut chaotische Saison zurück, welche geprägt von hunderten Corona-Fällen, dutzenden Spielabsagen und teils völlig verwirrenden Corona-Maßnahmen einige Fans und natürlich auch die Vereine zum Verzweifeln brachte. Am Härtesten traf es hierbei den 1. FC Lok Leipzig und Tennis Borussia Berlin, welche Spielabsagen im zweistelligen Bereich durch die Saison mittragen mussten.  Genau diesen beiden Vereinen ging am Ende auch etwas die Luft aus. Für reichlich Gesprächsstoff sorgten wie immer die Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Play-Off-Spiele und die Ausführung derer und auch die Verkleinerung der Liga auf die üblichen achtzehn Mannschaften stieß vor allem bei den Abstiegskandidaten böse auf. Wir bleiben unserer Meinung der Hinrunde treu und begrüßen die Verkleinerung der Liga, um auch die Qualität der Liga aufrecht erhalten zu können.  Erfreulich ist dennoch die Tatsache, dass alle Vereine gleichzeitig am vergangenen Wochenende ihr jeweils 38. Spiel bestreiten durften und wir nicht mehr mit Quotienten-Tabellen arbeiten müssen. Auch die Rückkehr der Fans sorgte für freudige Reaktionen. Besonders hervorzuheben sind hierbei die beiden Leipziger Mannschaften, die über die gesamte Saison hinweg die größten Massen an Auswärtsfahrern mobilisieren konnten. Den höchsten Zuschauerschnitt daheim hat wenig überraschend der FC Energie Cottbus. Nun wollen wir uns aber die Vereine nochmal einzeln etwas genauer zu Gemüte führen und beginnen standesgemäß mit dem Meister aus Berlin Hohenschönhausen.   - BFC Dynamo - Viel verdienter kann ein Aufstieg kaum sein. Mit der Rekordpunktzahl von 82 und 84 geschossenen Toren sowie der besten Defensive der Liga konnte die Meisterschaft in dieser Saison nur nach Ostberlin gehen. Die Weinrot-Weißen lagen bereits nach dem ersten Spieltag auf dem ersten Tabellenplatz und gaben diesen nur äußerst selten ab. Der Zuschauerschnitt konnte aufgrund der guten Leistungen ordentlich nach oben geschraubt werden und mit Christian Beck verfügen die Berliner nun auch offiziell über den besten Torjäger der Liga.  Grundsätzlich spielten die Berliner sicherlich nicht den schönsten Fußball der Liga, waren dafür aber auf beinahe jeder Position doppelt gut besetzt und konnten die Ausfälle einiger Stammspieler sehr gut verkraften. Die kommenden Tage und Wochen werden für den BFC nun noch interessanter, denn aktuell stehen nicht nur die zwei Partien gegen den Meister des Nordens im Wege, sondern auch eine sehr hohe sechsstellige Summe, die der Verein als Bürgschaft bereitstellen muss.   - Carl Zeiss Jena -  Etwas überraschend spielte sich der einzige Regionalligaverein Thüringens (edit: selbstverständlich liegt auch Meuselwitz in Thüringen *Zwinkersmiley*) noch auf den zweiten Platz der Regionalliga und hatte bis zum letzten Spiel sogar noch theoretische Chancen auf die Meisterschaft. Aufgrund der wohl wieder sehr hohen Qualität der Spitzengruppe in der kommenden Saison könnte jedem Jenaer Angst und Bange werden, denn der Verein kündigte drastische finanzielle Einsparungen an. Der zweitbeste Torschütze der ganzen Liga, Fabian Eisele, wird den Verein definitiv verlassen und möglicherweise in Cottbus wieder aufschlagen. Auch Kapitän Oesterhelweg wird nicht in Jena bleiben. Abseits des Platzes erfreuen wir uns wieder an der Wiederkehr der Jenaer Ultraszene, die in Lichtenberg ein imposantes Comeback hinlegte und auch der Stadionbau im Paradies verläuft super.    - FC Energie Cottbus - Die Brandenburger konnten sich in der gesamten Spielzeit auf ihre eigenen Fans verlassen - knapp 4.100 Zuschauer verfolgten die Heimspiele ihrer Männer. Zum Angriff auf den ersten Platz reichte dies aber in der ganzen Saison nicht wirklich. In der Rückrunde ließen die Cottbuser vor allem gegen die direkten Konkurrenten zu viele Punkte liegen und konnten sich schon frühzeitig auf eine weitere Saison in der Regionalliga vorbereiten. Die Poweroffensive, bestehend aus Erik Engelhardt und Maximilian Pronichev, platziert sich schlussendlich auf dem ersten und dritten Platz der Scorerliste, konnten aber nicht mehr ganz an die Leistungen der Hinrunde anknöpfen. Im Großen und Ganzen spielten die Rot-Weißen trotzdem einen der attraktivsten Spielstile der Liga und verzauberten zumindest den neutralen Zuschauer des Öfteren. Mit Erik Engelhardt steht zumindest ein hochkarätiger Abgang bereits fest und auch Janik Mäder wird wohl in seine Leipziger Heimat zurückkehren.    - VSG Altglienicke - Was wäre die VSG Altglienicke nur, wenn sie gegen die Teams aus dem unteren Mittelfeld und der Abstiegszone regelmäßig ihre Normalform abgerufen hätte? Vergleichen wir die direkten Duelle der Top-Sieben, dann sind die Randberliner mit Abstand das beste Team des oberen Tabellendrittels. Den möglichen Aufstieg verspielte Altglienicke aber bereits in der Hinrunde und stellte somit auch gar keinen Antrag für die dritte Liga mehr. Zwar konnte Altglienicke die Schwäche gegen vermeintlich leichtere Teams im Jahre 2022 etwas mildern, aber dennoch stehen Niederlagen gegen Eilenburg und Chemie Leipzig zu Buche. Wiederum bügelte Altglienicke nacheinander die Teams aus Probstheida, Cottbus, Moabit und Chemnitz ziemlich eindrucksvoll aus dem Weg. Der Verein zeigt sich mit der Kaderplanung der kommenden Saison noch ziemlich bedeckt, aber es ist davon auszugehen, dass auch in der Spielzeit 2022/2023 eine schlagfertige Mannschaft auf dem Rasen stehen wird.   - Chemnitzer FC -  Auch die Chemnitzer verzichteten auf die Lizenzunterlagen für die dritte Liga. Die ziemlich durchwachsene Hinrunde ließ auch nur sehr wenig Handlungsspielraum. Nach der bitteren Hinspielniederlage gegen den 1.FC Lok folgten allerdings beeindruckende fünfzehn Spiele ohne Niederlage, die hauptsächlich für die gute Platzierung am Ende der Saison verantwortlich sind. Zum Erstaunen einiger Leute wurde während der sehr guten sportlichen Phase Trainer Berlinski beurlaubt und von Christian Tiffert ersetzt. Das sportliche Highlight wird also wie so oft das Sachsenpokalfinale sein - Gegner an der Gellertstraße ist die BSG Chemie Leipzig.   - 1. FC Lokomotive Leipzig - Lange war der 1. FC Lok der größte und fast einzige ernsthafte Konkurrent für den BFC Dynamo. Zahlreiche Spielausfälle und dazugehörige englische Wochen störten den Spielfluss der Leipziger ungemein und ließen den ersten deutschen Meister sogar noch auf den sechsten Platz abrutschen. Der kleine Kader konnte den Strapazen nicht mehr Stand halten und wirkte in den letzten Wochen ziemlich platt, ließ Punkte gegen Abstiegskandidaten liegen, verlor auch die 50/50 Spiele gegen Chemnitz und Chemie und steht vor einem kleineren Umbruch im Sommer. Stammspieler wie Berger, Sievers und Sirch werden den Verein verlassen und hinterlassen enorm große Lücken. Zuschauertechnisch gehört man in der Regionalliga weiterhin zu den besten Vereinen, verliert aber immer mehr den Anschluss an die Rivalen aus Leutzsch.   - Berliner AK - Eine rabenschwarze Rückrunde erwischten der Berliner Athletik-Klub. Der Trainerwechsel im Winter wog offenbar doch schwerer als erwartet und hinterließ ein ziemlich großes Loch. Im Monat Februar holten die Jungs aus Moabit gerade mal einen einzigen Punkt aus vier Spielen und verloren extrem schnell den Anschluss an die Tabellenspitze. Leistungsträger wie El-Jindaoui konnten in der Rückrunde gar nicht mehr an ihre Leistungen und Statistiken aus der Hinrunde anknüpfen und auch vermeintliche Startransfers, wie Änis Ben-Hatira sorgten nicht zwingend für eine Leistungssteigerung. Immerhin beendete der BAK die Saison mit einem Knall und verabschiedete sich mit einem 7:5-Erfolg gegen Rathenow von den eigenen Fans. Die 462 Zuschauer im Poststadion zeigten allerdings auch eindrucksvoll, dass der Hype um den Berliner AK nur von kurzer Dauer war. Kamen zu Beginn der Saison noch regelmäßig über 1.500 Zuschauer, so pendelte sich die Zahl schlussendlich bei 500-800 Zuschauern ein.  Bericht: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) Fotos: Los Misenas, Marco Bertram, Benjamin Barsig > zu Teil II des Regionalliga-Saisonrückblicks

Jetzt in der App abspielen

Altglienicke vs. BFC Dynamo: Der Meister als Gast in der alten Heimat

17.05.2022 00:00:00

Da die Abteilung Utzki aktuell international für Euch Unterwegs ist und Marco bei Polonia Berlin vor Ort war, habe ich die Ehre mal über den BFC Dynamo schreiben zu dürfen. Am heutigen 15. Mai 2022 bin ich zu einem sehr besonderen Spiel im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zu Gast. Besonders nicht nur weil der BFC heute die Gastmannschaft der VSG Altglienicke ist, sondern weil die 1.796 Zuschauer heute auch Zeuge vom Meistertitel des BFC Dynamo in der Regionalliga Nordost werden können.Aber alles von Anfang an. Zum Einlauf der Mannschaften führte UBFC eine Choreo durch, bestehend aus weinroten und weißen Fahnen sowie einem Spruchband mit der Aufschrift „DEINE FARBEN TRAGEN WIR MIT STOLZ IN DIE WEITE WELT“, ehe dann um Punkt 13 Uhr der Ball rollt. Die Hohenschönhausener kommen bereits in der 6. Minute zu ihrer ersten Ecke. Philip Schulz tritt den Ball mit Gewalt vors Tor, Alexander Siebeck kommt an die Pille, doch scheitert aus kurzer Distanz an Julian Knoll.   Keine Minute später ist es die VSG, die das erste Tor durch Johannes Manske erzielt. Er wird sauber durch die Mitte geschickt und schießt den Ball vorbei an Dmitri Stajila ins Tor. In der 10.Minute ist es dann der BFC in Form von Christian Beck, der eine schöne Flanke mit dem Kopf gegen den Pfosten haut. Trotzdem sind die Jungs von Altglienicke weiter oben auf und der BFC hat Schwierigkeiten und Glück es bei 1:0 zu belassen. Das Spiel ist sehr unterhaltsam, obwohl die Pässe beider Vereine immer seltener ankommen. Die Fans des BFC geben auf den Rängen alles, um ihre Mannschaft zum sicheren Meistertitel zu brüllen. Denn zu dieser Minute müsste Jena eigentliche gewinnen und eine 13-Tore-Differenz aufholen. Aber Carl Zeiss liegt gegen Fürstenwalde mit 1:0 hinten was dem BFC reicht.   In der 30. Minute ist es dann so weit. Der BFC gleicht nach einer Ecke durch Darryl Geurts aus. Der Stürmer aus Grünheide wartet an der 16er Linie auf den Ball und schießt ihn flach in den Kasten. Das war dann die Bierdusche Nr.1 auf den Rängen. Danach lässt das Tempo von beiden Mannschaften etwas nach. Ist ja auch nicht verwunderlich am 38. Spieltag. Man merkt, dass die Spieler müde sind. Nachdem einige Standardsituationen auf dem Feld zu sehen waren, köpft Beck das Leder in der 45.Spielminute ins Altglinicker Gehäuse, ehe der Schiedsrichter zur Pause pfeift. Bierdusche Nr.2.   In der Halbzeitpause trällert dann der Stadionsprecher Ronny Rothé diverse Schlagermelodien ins Mikrofon. Na ja, Geschmacksache würde ich sagen. Kurz nach der Pause, genauer gesagt in der 49.Minute, ist es dann wieder der BFC Dynamo, der feiert. Nach einem schönen Standardfreistoß erhöht dann Andor Bolyki auf 3:1, was zur Bierdusche Nr.3 führt. Danach schallt es „Dmitri-Dmitri-Dmitri“ durch den Exer. Stajila pariert glänzend zwei Schüsse aus kurzer Distanz. Was ein Teufelskerl. Alexander Siebeck ist es in der 55. Spielminute, der mir Bierdusche Nr.4 beschert an diesem sonnigen Nachmittag. Der Schuss von Bolyki wird geblockt, ehe dann der gebürtige Leipziger den Ball in den Winkel schlenzt. Nach einem Fehler von Schulz in der 59. Minute am eigenen Strafraum schießt dann Tugay Uzan den Ball flach unter Stajila zum 2:4 ein.   Danach geht dann das muntere Wechseln auf beiden Seiten Los: Die VSG wechselt in der 62. Minute Liebelt für Zeiger, Bach für Uzan und Sander für Belegu. In der 65.Minute dann noch Hüther für Manske. Danach dann der BFC doppelt in der 68. Minute mit Steinborn für Breitfeld und Kleihs für Schulz sowie in der 81. Minute Stutter für Wiegel und Meyer für Blum. In der 27. Minute kam verletzungsbedingt bereits Klump für Hertner.   Langsam, aber sicher neigt sich ohne große Vorkommnisse das Spiel dem Ende. Die BFC-Fans sitzen bereits auf dem Zaun und die Ersatzbank hat sich das Meister-Shirt schon übergezogen. Dann ist es endlich so weit. Der Berliner Fußballclub Dynamo ist Meister der Regionalliga Nordost und die Fans und Spieler fallen sich auf dem Platz in die Arme und feiern den größten Erfolg seit der Wende. Diverse Fans des BFC gehen zur Altglienicker Ersatzbank, von wo sich VSG-Spieler das bunte Treiben anschauen und reichen ihnen die Hand. Das ist echter Sportsgeist!   Während der Mannschaft der Meisterpokal überreicht wird und die Fans frenetisch ein Lied nach dem anderen singen, habe ich es mir ebenfalls auf der Ersatzbank gemütlich gemacht und genieße einfach nur den Moment. Man mag es kaum glauben, aber der BFC hat es fast geschafft nach 32 Jahren sich aus eigener Kraft wieder in den Profifußball zu spielen. Es trennt ihn jetzt nur noch diese zwei unsäglichen Relegationsspiele gegen Oldenburg vom sportlichen Aufstieg. MEISTER MÜSSEN AUFSTEIGEN! Bis dahin verbleibe ich mit einem lauten Sport frei! Text und Bilder: Benjamin Barsig > zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo

Jetzt in der App abspielen

Hansa Rostock vs Hamburger SV: Radaune im Ostseestadion

16.05.2022 00:00:00

In den Achtziger Jahren war mal ein ZDF-Kamerateam im Ostseestadion und filmte für einen Beitrag über Rostock den Hansa-Fanblock, daraufhin war ein tausendfaches "HSV, HSV, HSV" zu vernehmen. Klar, für viele Hansa-Fans war der HSV "seine" Westmannschaft. Nach dem Mauerfall 89 fuhren viele Rostocker zum Europacupspiel des HSV gegen Porto für 5 DM Eintritt ins Volksparkstadion. Es gab sogar einen gemeinsamen Freundschaftsschal, Fanspiele und Hallenturniere. Im Ostseestadion waren HSV-Fahnen zu sehen, und wir fuhren mit den Jungs vom HSV Fanclub "K.d.g.H." gemeinsam zu Spielen von Hansa und dem HSV. Ein normales Wochenende gestaltete sich am Freitagabend mit dem Besuch eines HSV-Heimspiels, dann fuhren wir zu Hansas Auswärtsspiel nach Saarbrücken. Wir tickten alle gleich und trieben auf unseren Fahrten dermaßen viel Blödsinn. Es waren für uns die goldenen Neunzigerjahre mit Übernachtungen für 30 DM und kostenlosen Eintrittskarten für die "Jungpresse". Wir erlebten dort gemeinsam Dinge, welche heute wohl nicht mehr so möglich sind. Es hat extrem viel Spaß gemacht.   Heute kommen die HSV-Fans mit dem Sonderzug in Rostock an und werden mit Bussen in den Gästeblock gekarrt. Für mich nicht der Sinn einer Auswärtsfahrt, daher trafen wir uns am Vorabend des Spieles mit HSV-Fans, welche ein langes Wochenende in Rostock verlebten.   Das Vorspiel begann in der Trotzenburg, welches ein Brauhaus mit dem größten Biergarten in Rostock ist. Für uns alle diesmal ein entspannter Saisonausklang, denn Hansa hatte bekanntlich den Klassenerhalt schon lange gesichert. Anders für die Fans des HSV, welche diesmal nicht zum vierten Mal hintereinander den undankbaren vierten Platz erreichen wollten. Nein, sie hatten heute eine Chance zum Aufstieg oder Erreichen des Relegationsplatzes. Daher waren die 2.500 Gästekarten schnell verkauft und der Kartenhandel blühte. Früher stellten sich die Schwarzkartenhändler noch vor dem Stadion hin, aber heute gibt es ja verschiedene Plattformen im Internet, welche teilweise "Mondpreise" verlangten. Meine teuerste Eintrittskarte war 2006 mit 320 Euro zum Viertelfinalspiel der WM zwischen Deutschland und Argentinien, welches ich aber nicht bereut habe.   Das Ostseestadion war mit 26.000 Zuschauern natürlich komplett ausverkauft, und Hansa spielte die für mich beste erste Hälfte der Saison. Eine 3:0-Führung zur Pause wäre möglich gewesen, aber auch über das 1:0 durch Niko Neidhart freuten wir uns. Hansa schenkte überraschend nicht ab, sondern wollte den Heimsieg.   Der HSV machte dann in der zweiten Hälfte aus ihren wenigen Chancen das Entscheidende im Fußball und führte mit 3:1. Auf der Westtribüne feierten etliche Vips die Tore des HSV, welches zu Unmut von Hansa-Fans führte. Die HSV Fans erfreuten mit "Nordlichtern" und Nebel, welches dem Schiedsrichter nicht gefiel. Und auch auf Hansa-Seite wurde noch ein "Freudenfeuer" gemacht, denn erbeutete HSV-Fanschals wurden entzündet.    In der Nachspielzeit gelang Hansa noch das 2:3. Kolke ging mit nach vorne und köpfte das 3:3 - nicht. Schade, da wäre nochmal "Radaune" im Ostseestadion gewesen. Nach nur drei Minuten Nachspielzeit beendete der Schiedsrichter unsere erfolgreiche Saison. Freude auf Rasen und Rängen, leider gab es noch einen Austausch von Leuchtkugeln. Noch ein Abschlussbier am Haltepunkt, und die HSV Fans genossen sicherlich die kostenlose Stadtrundfahrt zum Bahnhof. Ahoi.   Anmerkung: Radaune ist ein Begriff vom früheren TSG Bau Rostock Oberfan und Sponsor Max Kaden. Leider ist dieser bereits verstorben. Er rief immer bei den DDR-Liga-Spiele immer "Radaune" und "Bauarbeiterblut ist keine Buttermilch". Es gibt in Rostock-Evershagen noch eine Kneipe mit Namen "Radaune". Bericht: Heiko Neubert Fotos: Jens, Aumi, Heiko Neubert > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock > Der Hansa-Wälzer "Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See"

Jetzt in der App abspielen

„Liga 3 – Essen ist dabei“: Pure Ekstase nach emotionalem RWE-Aufstieg

15.05.2022 00:00:00

„Eines Tages, eines Tages, eines Tages wird´s geschehen und dann fahren wir nach Zwickau um den RWE zu sehen“, schallte es bis tief in die Nacht immer wieder durch das Kneipenviertel in Essen Rüttenscheid. Die jahrelange Sehnsucht hat sich erfüllt und tausende von Rot-Weiss Essen Fans feierten in der ganzen Stadt den Aufstieg ihres Klubs in die 3. Liga und damit die Rückkehr in den („offiziellen“) Profifußball. 15 Jahre mussten die RWE-Fans auf diesen Moment warten. 15 Jahre Leiden aber immer mit viel Leidenschaft auf den Rängen, wie auch das Motto der Mega-Choreo inklusive Chaos Intro der aktiven Essener Fanszene gestern wieder einmal zeigte: „Nur der RWE, egal was kommt wir stehen zu Dir“.Und wie die RWE Fans gestern hinter ihrem Team standen. 16.500 Fans durften rein und kamen auch und machten das Stadion an der Hafenstraße zu einem gigantischen Hexenkessel. Gänsehautatmosphäre, die in der Form lange nicht mehr an der Hafenstraße fühlbar war. Schon Stunden vor dem eigentlichen Anpfiff zum Saisonfinale und spannenden Fernduell mit Preußen Münster stimmten sich die Fans am Hafenkiosk, Hafenstübchen und am Stadion auf das Kommende ein. Vor zehn Tagen nach dem (verdienten) Ausscheiden aus dem Niederrheinpokal noch am Boden und etwas abgeschlagen in der Liga erlebten die Rot-Weissen eine nie mehr geglaubte „Wiedergeburt“ auch dank des SC Wiedenbrück der mit einer couragierten Leistung gegen Preußen Münster (0:0) RWE wieder die Chance auf den Aufstieg gab.Sportlich hatte es Rot-Weiss Essen plötzlich wieder in der eigenen Hand an Münster vorbei zu ziehen und RWE tat es mehr als souverän. Erst der Sieg in Lotte gegen ein stark agierenden SV Rödinghausen und dann gestern der Heimsieg gegen Rot Weiss Ahlen, die begleitet von etwa 100 Fans gut dagegen hielten und sich richtig reinhängten. Trotz aller Rivalität zu Münster, Ahlen wollte sich nicht hängen und schon gar nicht abschießen lassen. Auf Rot-Weiss Essen wartete ein hartes Stück Arbeit. Aber getragen von den Fans, auch denen die draußen vor den Toren ohne Tickets standen und den tausenden in den Kneipen der Stadt, glückte es.Erst sorgte Cedric Harenbrock nach einer Flanke von Oguzhan Kefkir in der 28. Spielminute mit einem Kopfballtor für einen Schub an Erleichterung, dann ging die Information durch das Stadion, dass die zweite Mannschaft des 1. FC Köln in Münster in Führung gegangen sei. Während die Ränge vor Freude explodierten, spielte die Mannschaft ihr Spiel eindrucksvoll herunter inklusive zahlreiche Chancen, um die Führung zu erhöhen. Aber die RWE Fans mussten sich noch bis zur 60. Spielminute gedulden. Bis zum Auftritt von „Engelmann, Simon Engelmaaann …“, der kurz vorher den Ball an den Pfosten setzte und dann wenig später zum 2:0 traf. Ein gigantischer Jubel für den Toptorjäger der Regionalliga West (24 Treffer). Die letzten 30 Minuten spulte Essen sein Spiel herunter und hatte noch weitere zahlreiche Möglichkeiten das Ergebnis deutlich zu gestalten.Dann der Abpfiff und obwohl das Spiel in Münster noch lief und die Preußen das Spiel gegen die U21 des 1. FC Köln sogar noch zu einem 2:1 drehen konnten, feierten die RWE Fans bereits auf dem Rasen des Stadions an der Hafenstraße. Kurze Zeit später dann auch die offizielle frohe Kunde, dass Rot-Weiss Essen aufgestiegen in die dritte Liga aufgestiegen ist. In der letzten Saison noch knapp an der U23 von Borussia Dortmund gescheitert, konnte RWE nun selber knapp (mit drei Toren Vorsprung) den hochverdienten Aufstieg eintüten. Was für eine Regionalliga West Saison, was für ein Saisonfinale mit Preußen Münster einem ebenbürtigen sportlichen Gegner. Am Ende kann aber nur einer aufsteigen und das ist nun Rot-Weiss Essen. Fans und das ganze Team lagen sich in den Armen. Tränen schossen in die Augen. Reichlich Bier floss die Kehlen runter und Fackeln wurden angerissen. Manch ein Fan küsste den Rasen, andere lagen einfach träumend im Gras. Auch wenn die Ansage vor dem Spiel war nicht das Feld zu stürmen, da die Frauen des Bundesligisten SGS eigentlich ein wichtiges Meisterschaftsspiel am heutigen Sonntag absolvieren müssen und der Platz auch für die Saisonvorbereitung (aufgrund des Neubaus des Trainingszentrums) genutzt werden sollte, gab es kein Halten mehr. Den Emotionen wurde freien Lauf gelassen. Bei aller Freude über das Erreichte, RWE-Spieler und -Fans haben nicht vergessen wem Sie diese nun genutzte Chance verdanken. So wurde bei der Siegerehrung der SC Wiedenbrück insbesondere der Torhüter des ostwestfälischen Klub Marcel Hölscher mehrfach besungen. Auch hatten einige Fans Trikots des Klubs an. Ein Nachmittag voller großer Gefühle, die nur der Fußball schafft. Zur Krönung zogen nach der langen emotionalen Aufstiegsparty im Stadion die Fans später in einem großen Fanmarsch an dem über 3.000 Anhänger teilnahmen aus der nördlichen Innenstadt zwei Stunden lang mit Gesängen und reichlich Pyro im Gepäck in Richtung des Essener Kneipenviertel Rüttenscheid. Dort feierten schon tausende von Fans bierselig und freudetrunken. Denn der viel besungene Tag ist nicht mehr weit weg und bald real. Nein nicht die Rückkehr nach 15 Jahren in die Fußballsimulation FIFA, sondern bald geht es auch zum besungenen FSV Zwickau: „Eines Tages, eines Tages, eines Tages wird´s geschehen und dann fahren wir nach Zwickau um den RWE zu sehen“! > zu den Rot-Weiss Essen Fotos

Jetzt in der App abspielen

Hansa Amateure auf Kaperfahrt am Hölzchen: 10:0-Sieg bei Lok Stendal

09.05.2022 00:00:00

Boah ey, der Tach jing mal wieder richtig jut los … Die allzu oft zitierte „Störung im Betriebsablauf“ ließ den Regionalexpress nach Rathenow später kommen und uns zu viert am Bahnhof Berlin-Jungfernheide auf heißen Kohlen sitzen. Auf nach Stendal! Doch würden wir den Anschlusszug in Rathenow nach Stendal verpassen, müssten wir zwei Stunden in Optik-City warten und später in Stendal ein Taxi nehmen, um überhaupt pünktlich den Anpfiff der Oberligapartie der Hansa Rostock Amateure im Stadion am Hölzchen sehen zu können. Mal wieder Abkotzfaktor hoch zehn. Plus zehn, plus 15, plus zehn, plus 20, doch wieder plus 15. Letztendlich ging es mit einer Viertelstunde Verspätung in den Zug nach Rathenow. Gemeinsam mit drei Optik-Fans, die zum Heimspiel gegen Union Fürstenwalde wollten.Würden wir den Anschlusszug nach Stendal verpassen, müssten wir zu Optik und dort alles kaputt machen, meinten wir im Scherz. Dort sei jedoch nix mehr zum Kaputtmachen, erklärten die drei Optik-Fans. Allerdings erfolgte dort am gestrigen Nachmittag eine sportliche Wiederbelebung, denn Dank des 2:0-Sieges gegen Fürstenwalde wurde sich plötzlich ganz unverhofft vorbeigeschoben. Ingo Kahlisch, dieser alte Fuchs! Aber das nur so am Rande.   In Rathenow wartete der Zug der Hanseatischen Eisenbahn auf uns, und somit trudelten wir doch pünktlich in der Hansestadt Stendal ein. Stendal, das seit dem 1. Januar 2010 wieder offiziell als Hansestadt daherkommt, zeigte sich wieder einmal von seiner überaus verschlafenen Seite. Und dabei hätte die Altstadt enormes Potential. Auf dem Markplatz könnte wie auf einem polnischen „Rynek“ durchaus mehr Leben herrschen. So aber „erfreuten“ wir uns ein Stück weiter an den „Nach-Corona-Preisen“ in einem griechischen Restaurant. Alter Schalter, die Kohle muss wohl wieder reinkommen. Knapp 4 Euro für ne 0,3er Cola sind schon fett.   Zu Fuß ging es zum wiederholten Male den recht langen Weg zur am Stadtrand gelegenen Spielstätte des 1. FC Lok Stendal. Meine letzten beiden Sausen mit den Amateuren des F.C. Hansa Rostock hatten sich gelohnt. Beim letzten Mal gab es im recht gut gefüllten Gästeblock sogar eine Pyro-Einlage zu sehen, an der sich vor allem mein größerer Sohnemann sehr erfreut hatte. Leuchtende Augen und ein Daumen nach oben.    Dieses Mal sollte es jedoch etwas ruhiger vonstatten gehen. Der eigentliche Gästeblock blieb geschlossen, und die Hansa-Fans durften mit auf der Haupttribüne Platz nehmen. Es habe sich halt niemand vorher angemeldet, erklärte der Ordner an der Kasse. Macht ja nix, auf der Heimseite herrschte eh Untergangsstimmung. Die sportliche Situation ist derzeit katastrophal, und der 1. FC Lok Stendal steht längst als Absteiger in die Verbandsliga Sachsen-Anhalt fest. Ein trauriger Umstand, denn zeigte sich der Verein bei meinen Besuchen (nicht nur gegen Hansa Rostock II) stets gastfreundlich und ist das Stadion sowieso immer eine Reise wert.   Meine Güte, was wurde im Stadion am Hölzchen für Geschichte geschrieben! Von 1949 bis 1954, von 1956 bis 1957, 1959, 1961/62 sowie von 1963 bis 1968 spielte die BSG Lok Stendal in der DDR-Oberliga, und in der Kalenderjahr-Saison 1956 war Lok Stendal am Ende auf Rang vier zu finden! In jener Spielzeit wurde der SC Wismut Karl-Marx-Stadt (Aue) Meister, der SC Aktivist Brieske-Senftenberg wurde Zweiter, und der SC Dynamo Berlin und der SC Empor Rostock mussten in die DDR-Liga absteigen. Verkehrte Welt! Torschützenkönig wurde Ernst Lindner von Lok Stendal, und zu jener Zeit pilgerten im Schnitt über 8.000 Zuschauer zur damaligen Wilhelm-Helfers-Kampfbahn (seit 2005 wieder Stadion am Hölzchen).  Von 1994 bis 2000 wurde als Lok Altmark Stendal immerhin in der Regionalliga Nordost gespielt, anschließend folgte eine lange Durststrecke in der Verbandsliga, ehe 2017 der Sprung in die NOFV-Oberliga gelang. Die laufende Oberliga-Saison wurde ein einziges Desaster. Gerade einmal drei Sieg gelang den Stendalern, vor der gestrigen Partie lautete das Torverhältnis 23:65. 90 Minuten später war in der Tabelle indes ein 23:75 zu lesen. Konnte man zuletzt auswärts beim Rostocker FC 1895 noch halbwegs mithalten (0:2), so geriet man gestern komplett unter die Räder.   Mit sage und schreibe 0:10 verlor der 1. FC Lok Stendal gegen die Hansa Amateure, bereits nach vier Minuten stand es 0:2. Vor insgesamt 229 Zuschauern (schätzungsweise rund 70 Gästefans) eröffneten Sascha Schünemann und Nick Stepantsev das Torreigen. In der 18. Minute konnte Mahir Huber auf 3:0 erhöhen, vor der Pause legten Oliver Zajac und Bill Willms nach. Das Ganze wurde hübsch aufgeteilt. Fünf Buden in Halbzeit eins, zwei Buden in Halbzeit zwei. Ein schmeichelhafter Elfmeter wurde verschossen (ob mit Absicht oder nicht - keine Ahnung), wenig später wurde jedoch nicht lange gefackelt und nachgelegt. Tore aus allen Lagen. Freistoß, hübsch von schräg links. Es war einiges dabei. Mike Bachmann (2x), Til Kozelnik, Sascha Schünemann und Oliver Zajac schossen die Tore im zweiten Spielabschnitt. Logisch, dass der Jubel zum 10:0 beim Anhang besonders doll gefeiert wurde.   Wann wurde bei turus das letzte Mal über einen 10:0-Sieg berichtet? Eine gute Frage. Die Suchfunktion gibt Aufschluss: Am 18. November 2018 konnte Tennis Borussia Berlin das Landespokalspiel beim FC Polonia Berlin auf dem Sportplatz Borsigpark mit 10:0 für sich entscheiden. Kurze Zeit vorher gewann der BFC Dynamo sein Pokalspiel bei SF Charlottenburg-Wilmersdorf ebenfalls mit 10:0. Ebenso mit 10:0 gewann der Chemnitzer FC ein Testspiel beim SV Tirol Dittmannsdorf. Testspiele und Landespokalspiele sind aber etwas anderes. Somit taucht die Frage auf: Wann gab es zuletzt in der NOFV-Oberliga Nord solch ein hohes Ergebnis zu sehen? Die Antwort lautet: Am 25. Mai 2003 gewannen der FC Schönberg 95 bei Eintracht Schwerin und am 8. Dezember 2013 die Hansa Amateure gegen den BSV Hürtürkel jeweils mit 10:0. Getoppt wurde das Ganze in der Historie nur von Hertha BSC II, das am 11. Mai 2003 mit 11:0 beim Oranienburger FC Eintracht siegen konnte.   Da am Tag zuvor die Auswärtssause nach Ingolstadt auf dem Programm stand und es in Stendal irgendwie nur noch um die Goldene Ananas ging, war der Support der anwesenden Hansa-Fans nicht zu vergleichen mit dem vom letzten Auftritt inmitten der Corona-Pandemie am 20. September 2020, als Fackeln, Rauchtöpfe und Gesang im Gästeblock für eine geile Atmosphäre gesorgt hatten. Anständig gefeiert wurde der gestrige 10:0-Sieg trotzdem. Der Sohnemann stürmte nach Abpfiff den Platz un klatschte jeden Spieler ab, und wenig später wurde sich zu einem Gruppenfoto vor der Haupttribüne eingefunden.    Den Stendalern, die sich trotz der überaus derben Klatsche auch am Ende der Partie gastfreundlich gezeigt und einem sogar noch eine gute Heimreise gewünscht hatten, kann man für die kommende Saison nur die Daumen drücken. Kommt möglichst rasch wieder zurück in die NOFV-Oberliga! Schließlich könnte in naher Zukunft auch mal die SG Dynamo Schwerin zu Gast sein! :-) Fotos: Jens, Michael Stoffl, Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen: RWE geht als Spitzenreiter ins Saisonfinale der spannenden Regionalliga West

08.05.2022 00:00:00

So tief in die Niederungen des deutschen Fußballs wagt sich die ARD-Bundesligakonferenz an einem Samstagnachmittag im Radio fast nie. Aber am 7. Mai 2022 um kurz vor 17 Uhr zwischen dem Wettstreit um die Europapokalplätze für die Bundesligisten und Abstiegssorgen von Liga eins bis drei fand WDR 2 Moderator Sven Pistor auch noch Zeit, um seine Hörer über das hochspannende Saisonfinale in der Regionalliga West zu informieren. Richtig! Denn wer braucht schon die Bundesliga in der der Titelkampf seit neun Jahren mit einem Dauersieger zur fußballerischen Tristesse verkommen ist, wenn es da eine Liga gibt, die von Spieltag eins an mehr Spannung mit teilweise nicht zu erwartenden Wendungen bot und bietet als ein Jahrzehnt erste Liga.War es zwischenzeitlich ein flotter Fünfkampf um den Aufstieg aus der Regionalliga West in die dritte Liga mit Rot-Weiss Essen, Preußen Münster, Wuppertaler SV, Rot-Weiß Oberhausen und Fortuna Köln, lief es ab April auf RWE und den SCP hinaus, die sich leicht von den drei anderen absetzen konnten. Zwischenzeitlich hatte vor allem Rot-Weiss Essen alle sportlichen Trümpfe auf seiner Seite, konnte sie aber nicht gewinnbringend ausspielen. Beispielsweise lag man Anfang März zwar zwei Punkte hinter Münster (die dem SCP vom Verband zugesprochenen Punkte aufgrund des abgebrochenen Spiels gegen RWE eingerechnet), hatte aber noch drei Nachholspiele in der Hinterhand. Eigentlich eine vielversprechende Ausgangssituation. Das man aus diesen Spielen (in Oberhausen, in Ahlen und bei Fortuna Köln) am Ende nur zwei Punkte holte, obwohl viel mehr drin war, war für die RWE-Fans mehr als frustrierend.Am ersten April Wochenende stand Rot-Weiss Essen dann gleichauf mit Münster, um sie nur einen Spieltag später nach einem unglücklichen Unentschieden in Aachen wieder um zwei Punkte enteilen zu lassen. Aber auch Münster war nicht frei von Fehlern und ließ Mitte April Punkte in Lippstadt liegen. Besser machte es Essen am gleichen Tag aber auch nicht und spielte nur Unentschieden gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Ging den beiden Titelanwärtern die Luft aus? Nicht unbedingt, denn die folgenden zwei Spieltage zogen die beiden Kontrahenten ohne Mühe durch bis zum aktuellen 37. Spieltag, der es in sich hatte vor allem auch in den Tagen davor. Während Münster sich ausruhen konnte, musste Rot-Weiss Essen im Niederrheinpokal Halbfinale beim Wuppertaler SV ran. Es ging um viel: Ums Prestige und auch um den Einzug in die erste Runde des DFB Pokals bei einem Finalsieg und damit um nicht wenig Geld. Aber RWE spielte an diesem Abend des 3. Mai im Stadion am Zoo nicht so wie man es Monate zuvor gesehen hatte. Die Spielweise ähnelte der der Niederlage in Ahlen oder des Unentschiedens gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach ein paar Wochen zuvor. Es fehlte etwas, der letzte Biss das Spiel gewinnen zu wollen. Nach der verdienten Niederlage ging ein Ruck durch den Verein. Bei den Fans wurde in Foren und den sozialen Netzwerken heiß über irgendwelche nicht verifizierten Gerüchte, die irgendwelche Leute irgendwo gepostet haben, über Spieler und den Klub wild und übereifrig diskutiert. Aber während das Netz heiß lief und überkochte, behielt der Verein bzw. die Klubverantwortlichen einen kühlen Kopf und machten das einzig Richtige: Sie beteiligten sich nicht an irgendwelchen Diskussionen, sondern machte ihre Arbeit und bewahrten Ruhe. Der Verein blieb nicht untätig und wollte zwei Spieltage vor Schluss noch einmal ein sportliches Zeichen setzen. So wurde zwei Tage nach dem Ausscheiden im Pokal und zwei Tage vor dem wichtigen Auswärtsspiel gegen den SV Rödinghausen im Stadion am Lotter Kreuz Erfolgstrainer (seit Juli 2020 insgesamt 62 Siege in 89 Spielen) Christian Neidhart von seinem Amt als Cheftrainer freigestellt. Der neue Plan: Für die beiden letzten Saisonspiele sollten interimsweise Sportdirektor Jörn Nowak als Teamchef und der erfolgreiche U19-Trainer Vincent Wagner als zusätzlicher Co-Trainer an der Seitenlinie fungieren. Ein Paukenschlag kurz vor Saisonende der viele Fans überraschte und sicherlich auch großes Erstaunen und Grübeln beim Kontrahenten aus Münster auslöste. Ein neuer Trainer kann manchmal was bewegen, manchmal aber auch nicht. Aber anders als bei anderen Klubs wurde kein (externer) Übungsleiter eingesetzt, der den Verein die Struktur und die vielzitierte „Wucht“ von Rot-Weiss Essen nicht kennt, sondern die Klubführung hat eine naheliegende, schnelle und intelligente Lösung gefunden, um das Team noch einmal anders anzusprechen und den letzten Biss und Willen herauszukitzeln: Jörn Nowak spielte selbst jahrelang für verschiedene Vereine in dritter Liga und der Regionalliga als Verteidiger und agiert seit 2019 erfolgreich als Sportdirektor bei RWE. Vincent Wagner, aktuell Trainer der U19 von Rot-Weiss Essen, hielt in seiner aktiven Zeit als Spieler viele Jahre für RWE (ebenfalls als Verteidiger) die Knochen hin.Der interne Anreiz für die Mannschaft war gesetzt und am gestrigen Samstag dann in Teilen auch sichtbar. An der sportlichen Ausgangslage änderte das erst einmal nichts. Preußen Münster hatte 83 Punkte und damit zwei Punkte mehr als Rot-Weiss Essen (81 Punkte) auf der Habenseite. Ein enormer Wert von beiden, wenn man in die anderen Ligen so schaut. Während die Preußen schon am Freitag beim SC Wiedenbrück ihr vorletztes Punktspiel bestreiten mussten, war RWE erst am gestrigen Samstag in Lotte gefragt. Das Spiel wurde schon vor Wochen aufgrund von Sicherheitsbedenken und Kapazitätsgründen von Rödinghausen (Häcker Wiehenstadion) ins Stadion der Sportfreunde Lotte am Lotter Kreuz verlegt. Gut 1.500 Essener Fans hatten sich vor dem Spieltag mit Auswärtskarten eingedeckt. Das es dann nochmal fast 1.000 mehr wurden lag sicherlich auch an der engagierten Leistung des SC Wiedenbrück am Vortag. Es ist allgemein bekannt in der Regionalliga West, dass der SC Wiedenbrück immer ein unangenehm zu bespielender Gegner ist, insbesondere mit seinem Schlussmann Marcel Hölscher, der an besonderen Tagen Spiele auch alleine entscheiden kann. Rot-Weiss Essen weiß davon ein Lied zu singen. In der Hinrunde gab es gegen den SCW nur ein 0:0 und in der Rückrunde gewann RWE nur knapp mit 1:0. Anders herum lief es für Preußen Münster. Das Hinspiel im November vergangenen Jahres gewann der SCP knapp mit 1:0 und das Rückspiel im Wiedenbrücker Jahnstadion am 6. Mai 2022 endete 0:0. Schock bei den Adlerträgern, große Vorfreude bei den RWE-Fans. Mit einem Sieg könnte man direkt wieder mit Münster in Punkten gleichziehen. Entsprechend machte sich eine große Autokarawane mit wehenden rot-weissen Schals aus den Fenstern in Richtung Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück.Der ganze Ort wurde in Beschlag genommen und mit Rot-Weiss Essen Fans geflutet: Von „Heidis Bratpfanne“ bis zu den zum Parkplatz umfunktionierten Acker am Kornweg. Man kennt sich aus in Lotte, war man ja schon vor zwei Wochen hier und konnte einen 3:0 Auswärtssieg bei den Sportfreunden feiern. Während damals neben dem kleinen Sitzplatzbereich hinter dem Tor nur ein Block auf der Gegengerade für die Fans geöffnet wurde, durfte man nun den größeren Stehblock hinter dem anderen Tor in Beschlag nehmen. Die wenigen Anhänger des SV Rödinghausen unter den insgesamt 2.532 Zuschauern fanden auf der Haupttribüne Platz. Eine großartige Atmosphäre mit vielen Gänsehautmomenten. Im Sitzplatzbereich wurde ein großes Banner mit dem Wortlaut "Allez Rot-Weiss" und auf der Stehplatztribüne eines mit "Gemeinsam zum Ziel" präsentiert. Die RWE Fans machten aus dem kleinen Stadion einen Hexenkessel und die Mannschaft spielte mit. Wie gewohnt präsentierte sich der SV Rödinghausen als starker und unangenehm zu bespielender Gegner. Eines war klar: Einfach abschenken wollte die Mannschaft von Carsten Rump das Spiel nicht. Platz sechs der Tabelle (vor dem Spiel) und 61 Punkte auf der Habenseite bestätigen auch die Qualität des Teams aus Ostwestfalen. Druckvoll hielten sie dagegen, während Rot-Weiss Essen konzentriert zu Werke ging. Der Wunsch der Fans nach einem frühen Tor, wurde dann auch erhört vom Spieler des Tages (neben Jakob Golz und weiteren) Oguzhan Kefkir: Nach einer Ecke von Thomas Eisfeld und einem Durcheinander im Strafraum des SVR, stand Kefkir an der richtigen Stelle und schoss den Ball in die Maschen. Was ein Jubel der bestimmt vom Lotter Kornweg bis ins niedersächsische Osnabrück schallte, wo RWE nächste Saison gerne spielen möchte.Mit dem Tor stand Rot-Weiss Essen nun an der Tabellenspitze: Gleiche Punktzahl und Tordifferenz, aber mehr geschossenen Tore. Das Stadion am Lotter Kreuz wurde zum rot-weissen Tollhaus, einmal mehr als RWE-Goalgetter Simon Engelmann eine Viertelstunde nach der Führung nach einer Ecke von Kefkir mit dem Kopf das 2:0 erzielte. Schon zuvor scheiterte Sandro Plechaty knapp. Mit der verdienten Führung ging es in die Pause und Essen wollte mehr. Da war der in manchen Spielen zuletzt vermisste Biss und Willen. Rödinghausen spielte zwar mit, aber RWE ließ so gut wie nichts zu. Eine Flanke von Thomas Eisfeld erreicht Felix Bastian, der Mut bewies und diese Volley nahm. Der Ball flog aber über die Stehplatztribüne aus dem Stadion. Da war mehr drin. Besser machte es (und wie) kurz danach Isaiah Young, der am Strafraum gleich zwei Gegenspieler stehen ließ und den Ball in die Maschen zimmerte: 3:0. Es wären noch ein bis zwei Tore mehr drin gewesen für RWE vor allem mit Hinblick auf das zum Saisonfinale am kommenden Samstag entscheidende Torverhältnis, aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau. Zumal der SV Rödinghausen auch noch zwei gute „Dinger“ hatte, diese aber dank des überragenden Essener Schlussmanns Jakob Golz nicht den Weg ins Tor fanden. Was für eine Wendung in der Regionalliga West. Noch bis weit nach Spielschluss feierten die Fans die Mannschaft („Eines Tages, eines Tages, eines Tages wird‘s geschehen, dann fahren wir nach Zwickau um den RWE zu sehen!“), die sich auch gerne feiern ließen.Aber nicht zu lange, denn noch ist nichts erreicht. Der Auswärtssieg war nur ein erster Schritt, der richtige folgt am kommenden Samstag. Die Ausgangslage könnte nicht spannender sein: Rot-Weiss Essen und Preußen Münster liegen mit 84 Punkten gleichauf. Dabei hat RWE (+50 Tore) das bessere Torverhältnis gegen über dem SCP (+48). Da bei gleichem Torverhältnis wie oben geschrieben die Anzahl der geschossenen Tore zählt, hat dort aktuell Rot-Weiss die Nase vorn. Rot-Weiss Essen: 82:32; Preußen Münster: 71:23. Für Rot-Weiss Essen gilt: Unbedingt das inzwischen längst ausverkaufte (also der Heimbereich) Heimspiel gegen Rot Weiss Ahlen gewinnen und das Torverhältnis trotz dem kleinen Polster nicht aus den Augen verlieren. Das Spiel gegen den RWA wird aber auch kein Selbstläufer, wie das nachgeholte Hinspiel vor ein paar Wochen zeigte. Zwar kassierte der Klub von der Werse in der Saison ein paar hohe Niederlagen, konnte aber sowohl Essen als auch Münster Punkte abluchsen. Die Preußen bekommen es ebenfalls zu Hause mit der starken zweiten Mannschaft des 1. FC Köln zu tun, die kaum hohe Niederlagen in dieser Saison kassierte (außer eine 3:0 Niederlage gegen den WSV) und derzeit auf dem sechsten Tabellenplatz rangiert.Eines ist sicher: Es wird ein Herzschlagfinale einer besonderen Saison und (aus Sicht des Autors) hoffentlich mit dem besseren Ende für Rot-Weiss Essen. > Ein Stimmungsvideo vom Spiel in unserem YouTube Kanal > zu den Rot-Weiss Essen Fotos

Jetzt in der App abspielen

Niederrheinpokal-Halbfinale: WSV siegt verdient, RWE zündet nur im Fanblock

04.05.2022 00:00:00

Schneller als über den Landespokal kommt man als Viertligist nicht auf die große Fußballbühne. Potentielle Spiele Anfang August gegen den FC Bayern München, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt sollten doch Motivation genug sein Vollgas in einem Halbfinale zu geben und es nicht einfach so dem Gegner zu überlassen. Aber gestern Abend im Halbfinale des Niederrheinpokals zwischen dem Wuppertaler SV und Rot-Weiss Essen hatte vom Gefühl des Autors her nur einer die richtige Energie: Der WSV.Getreu dem Motto der Fans auf der Nordtribüne „Denn unser WSV nimmt jedes Spiel genau“ auf einem Banner, welches von einer schönen Pyroshow zum Anpfiff eingerahmt wurde hielten die Wuppertaler auf dem bekannt schwerem Geläuf im Stadion am Zoo von Beginn an gut dagegen. Sehr zur Freude der insgesamt 11.420 Zuschauer, die es mit Rot-Blau hielten, auch wenn einige aufgrund des Andrangs verspätet an ihrem Platz waren. Was eine Kulisse. Ein paar Tage vor dem Halbfinale war man doch etwas erstaunt über die Erwartungshaltung des WSV-Sportvorstands Peter Neururer, als er gegenüber Medien meinte, er wäre bei einer Zuschauerzahl von unter 10.000 enttäuscht. Vor allem da in den letzten Heimspielen gerade einmal so um die 1.000 Fans ins traditionsreiche Stadion im Schatten des Zoos kamen und der Schnitt in der Regionalliga West bei aktuell 1.596 Besuchern liegt. Umso erstaunlicher, das gestern zehn Mal so viel ins Stadion pilgerten als zuletzt. Fast so viele wie vor fünf Jahren am 28. März 2017, ebenfalls das Niederrheinpokal-Halbfinale. Vor 13.003 Zuschauern konnte damals RWE ins Finale einziehen und das von den Essener Fans mitgebrachte Banner „Finale Bäääääm!“ präsentieren. Ob die RWE Anhänger gestern das Banner wieder im Gepäck hatten weiß man nicht. Es blieb auf jeden Fall in der Tasche, da es am Ende nicht für das Finale gereicht hat. Auch wenn die ersten Zeilen des Artikels anders klingen, ja Rot-Weiss Essen hatte schon Lust auf das Spiel und kam an die 80 Prozent Ballbesitz, aber den Ball nur in den eigenen Reihen zu halten reicht nicht. Der Wille war da, aber die Effektivität das eigene Können gewinnbringend aufs Grün zu bringen gestern irgendwie nicht. Es scheint, als ob RWE zum Saisonende die Puste und die sprichwörtlichen Körner fehlen. Anscheinend zu hart die vergangenen Wochen inklusive der erzwungenen Corona-Pause und den vielen englischen Wochen. Aber so bleibt dann der Erfolg aus. Denn nur wer seine wenigen Chancen auf schwerem Geläuf eindrucksvoll nutzt und hinten über weite Strecken stabil steht, der darf verdient in das Finale des Niederrheinpokals einziehen. Und das war am Ende der Wuppertaler SV. Zwar begann RWE zielstrebig, ließ aber wie zuletzt sehr oft gute Möglichkeiten liegen oder agierte zu kompliziert. Schörkelloser der WSV, der Essen erst einmal machen ließ und dann mit einem 20 Meter Schuss von Roman Prokoph in der 16. Spielminute die gut 2.000 mitgereisten RWE Fans schockte und den Rest des Stadions in Ekstase versetzte. Déjà-vu? Ja wie schon beim Ligaspiel in Oberhausen kam der Essener Gegner zum schnellen und einfachen Abschluss per Distanzschuss, während RWE noch mit der Ideenfindung in Sachen Spielaufbau beschäftigt war. Anders als im Niederrheinstadion, war aber von Gegenwehr gestern kaum was zu spüren. Im Gegenteil, nun spielte der WSV und drängte auf das 2:0, was dann auch Kevin Rodrigues Pires, der zwischen 2012 und 2014 für RWE spielte, gelang. Ein Freistoß aus 25 Metern schlug hinter Jakob Golz ein. Nicht unhaltbar möchte man meinen. Immerhin berappelte sich Rot-Weiss kurz vor der Pause und nach einer Flanke von Sandro Plechaty erzielte Marius Kleinsorge per Kopf und Aluminium den Anschlusstreffer.  Pünktlich zum Anpfiff der zweiten Hälfte waren es diesmal die Essener Fans die eine sehenswerte Pyroshow in roten Fackelfarben im Gästeblock abbrannten. Was nett anzusehen ist, wird möglicherweise aber die Kasse von Wuppertal und Essen belasten, falls der Westdeutsche Fußballverband seinen Strafen-Katalog schwingt. Aber vielleicht drückt der WDFV im Falle des WSV und RWE auch mal beide Augen zu, so wie er es scheinbar auch bei Preußen Münster tut, denn die SCP-Fans tauchen ja seit Monaten ihren Heimblock und die Gästeblöcke der Regionalliga West mit Pyro in ihre Vereinsfarben ohne das es bisher eine unnötige Verbandsstrafe gab, jedenfalls keine die bisher öffentlich bekannt wurde. Ordentlich Feuer und gute Stimmung im Gästeblock, was sich aber nicht auf dem Rasen widerspiegelte. Ja die zweite Hälfte begann druckvoller von RWE und eine hundertprozentige Chance zum Ausgleich gab es auch. In der 53. Spielminute konnte der WSV-Keeper Sebastian Patzler einen Schuss von Sandro Plechaty nicht festhalten, aber Felix Bastians schaffte es nicht den Nachschuss gewinnbringend unterzubringen. Das wäre das Dingen gewesen, vielleicht hätte das Spiel eine andere Wendung genommen. Hat es nicht und eine Viertelstunde später schlief die Essener Hintermannschaft nach einem Freistoß komplett. Roman Prokoph sagte danke und nickte mit seinem zweiten Tor an diesem Abend ein.3:1, das Spiel war durch. Der Wuppertaler SV konnte ohne viel Mühen das Derby für sich entscheiden und steht nun zum zweiten Mal hintereinander im Finale des Niederrheinpokals. Wie schon im Vorjahr treffen die Bergischen in Duisburg auf den SV Straelen. Einziger Unterschied: Diesmal dürfen die Fans dabei sein, vielleicht so zahlreich wie gestern Abend. Essen stehen nun die zehn Tage der Wahrheit bevor: Showdown in der Regionalliga West. Es geht um nichts anderes als den Aufstieg in die 3. Liga. Erst reist RWE am kommenden Samstag nach Lotte zum Spiel gegen den SV Rödinghausen bevor man am 14. Mai zum Saisonfinale RW Ahlen an der Hafenstraße erwartet. Noch ist alles drin, ein Ausrutscher von Münster vorausgesetzt. Einzige Anforderung: Ein echtes wirkliches „durchbeißen“ seitens Rot-Weiss Essen.> zu den Fotos vom Wuppertaler SV> zu den Fotos von Rot-Weiss Essen

Jetzt in der App abspielen

Heute und vor 30 Jahren: Das Grauen der Relegationen und Aufstiegsrunden

04.05.2022 00:00:00

„Herzlich willkommen, liebe Zuschauer! Im Namen des Präsidiums möchte ich mich erst einmal bei unserem treuen Anhang bedanken, der uns insbesondere in der Endphase der Meisterschaft stimmungsvoll, aber auch diszipliniert den Rücken stärkte. Wir wünschen uns eine derartige Unterstützung auch in der schweren Relegation.“ - 30 Jahre ist es nun her, als der damals in FC Berlin umbenannte BFC Dynamo Meister der Staffel Nord der NOFV-Oberliga wurde. Mit fünf Punkten Vorsprung auf den Greifswalder SC 1926 wurde Rang eins und somit die Teilnahme an der Aufstiegsrunde in Mai und Juni 1992 gesichert.Schauten am ersten Spieltag gegen den SV Post Neubrandenburg am 4. August 1991 nur sage und schreibe 76 zahlende Zuschauer im Jahn-Sportpark vorbei, so stieg die Zahl im Laufe der Saison an. Gegen den FC Viktoria 91 Frankfurt (Oder) kamen im Oktober 1991 bereits 387 Zuschauer ins Stadion, gegen Bergmann-Borsig Berlin waren es am 28. April 1992 sogar 1.595 Fußballfreunde, die einen 2:0-Sieg beim Spitzenspiel sahen. Reckmann und Tolkmitt erzielten die Treffer. Randnotiz: Das Auswärtsspiel beim SV Hafen Rostock wurde im Herbst 1991 abgesagt, da die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen nicht gewährleistet werden konnten.    Am 22. Mai 1992 startete die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, an welcher der 1. FC Union Berlin (Meister der Staffel Mitte), der FSV Zwickau (Meister der Staffel Süd) und der VfL Wolfsburg (Meister der Oberliga Nord) teilnahmen. Einer von Vieren durfte letztendlich den Sprung in den Profifußball feiern. Welch eine miese Quote! Die erste Parte gegen den VfL Wolfsburg verlor der FC Berlin vor knapp 2.500 Zuschauern mit 0:2, ebenso mit 0:2 wurde das Auswärtsspiel im Westsachsenstadion vergeigt. Am 31. Mai 1992 wurde dann jedoch der 1. FC Union Berlin vor 4.520 Zuschauern mit 3:0 weggebügelt. Vier Tage später gewann der FC Berlin sogar auswärts bei den Eisernen mit 4:0.  Für die beiden Berliner Vertreter war nun der 5. Spieltag der Aufstiegsrunde entscheidend. Zuerst empfing der FC Berlin den FSV Zwickau, etwas zeitversetzt spielte Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg. Für die drei Heimspiele der Aufstiegsrunde ließ der FC Berlin im Vorfeld nur ein Heftchen drucken, dessen Seiten lose hineingelegt wurden. Klaus Janz, Vizepräsident des FC Berlin, und den beiden Spielern Leif Poßling und Michael Hennig wurde zum Geburtstag gratuliert, zudem wurden kurz und knapp die drei Gegner vorgestellt. Derbystar, die Glanzpunkt Gebäudereinigung, die Druckerei Rohloff, die Stelcon AG, Promox, der Autohändler Andreas Witt, die Bäckerei-Konditorei Günter Vetter und die FuWo buchten sich einen Werbeplatz. Und siehe an, in dem schwarz-weiß-roten Programmheft ließ man sich nicht lumpen und druckte das Wappen der Wölfe grün ab. So viel Ordnung bzw. Aufwand musste sein.   Am 7. Juni 1992 war ich für ein Wochenende in Berlin - ich hatte von 1991 bis 1994 meine Ausbildung in Leverkusen gemacht -, und ich schaute im Stadion An der Alten Försterei vorbei. Ich stand auf der sandigen Gegengerade, und vor mir hatte sich die kleine Truppe Wolfsburger Fans mit einer Trommel eingefunden. Einen Gästeblock hatte man für die paar Niedersachsen nicht eingerichtet. Der VfL Wolfsburg konnte die Partie mit 3:1 gewinnen, und bereits während der Halbzeitpause machte auf den Rängen ein Gerücht die Runde: „Die BFCer kommen!“ Und tatsächlich, kurz nach dem Pausentee streiften ein paar BFC-Hools über die Ränge, hielten Ausschau, verhielten sich jedoch weitgehend ruhig. Ach kiek ma einer an! Auch der Brocken aus der einstigen Parallelklasse der 10. POS war mit von der Partie. Im Sportunterricht hatte er einen in der muffigen Umkleide mal gern in den Schwitzkasten genommen. Nun turnte er mit Sonnenbrille auf den Stufen der Alten Försterei herum, und ich hoffte, dass er mich nicht entdecken würde. Ich war doch nur zum Kieken da … Am letzten Spieltag fuhr der FC Berlin am 13. Juni 1992 nach Wolfsburg und musste sich dort vor rund 8.000 Zuschauern im VfL-Stadion am Elsterweg knapp mit 1:2 geschlagen geben. Es war für den BFC die letzte Fahrt in den Westen. An der Aufstiegsrunde im Frühjahr 1993 nahmen nur noch die drei Staffelsieger der NOFV-Oberligen teil. Der FC Berlin wurde 1992/93 aber eh nur Vierter hinter Tennis Borussia Berlin, dem BSV Stahl Brandenburg und dem Eisenhüttenstädter FC Stahl.  Gehen wir gedanklich noch einen kleinen Schritt zurück. An der Relegation zur 2. Bundesliga nahm der FC Berlin bereits im Juni 1991 als Tabellenelfter der letzten DDR-/NOFV-Oberligasaison teil. Gegen Stahl Brandenburg, Union Berlin und den 1. FC Magdeburg musste sich durchgesetzt werden. Am Ende wurde der FC Berlin hinter Stahl Brandenburg mit 8:4 Punkten nur Zweiter, durfte aber immerhin auf diesem Wege am DFB-Pokal teilnehmen.   Die Relegation / Aufstiegsrunde, an die sich die meisten wohl am Besten erinnern können, war sicherlich jene im Juni 2001. Beim Hinspiel im Sportforum Hohenschönhausen hatten sich 8.282 Zuschauer eingefunden - über die Hälfte drückte dem 1. FC Magdeburg die Daumen. Es ging arg erhitzt zur Sache, doch Tore wollten keine fallen. Das Rückspiel sahen im Ernst-Grube-Stadion 20.600 Zuschauer, und nachdem Koslov in der 57. Minute den Ausgleichstreffer zum 2:2 erzielt hatte, war der BFC Dynamo Dank der Auswärtstorregel mit einem Bein in der Regionalliga Nord, die 2001/02 viel Spaß und Action versprechen würde. Rot-Weiss Essen, Preußen Münster! Am Ende verlor der BFC jedoch die Partie in Magdeburg mit 2:5, und Action gab es nun im und am Gästebereich.   Die jüngere Geschichte dürfte den meisten bekannt sein. Insolvenz, Neuanfang in der Verbandsliga Berlin, Aufstieg in die NOFV-Oberliga Nord am Ende der Saison 2003/04. Zehn Jahre später gelang der ersehnte Sprung in die Regionalliga Nordost. Nun könnte der nächste Schritt glücken - der Aufstieg in die 3. Liga. Allerdings ist wieder diese hässliche Hürde zu überwinden. Relegation bzw. Aufstiegsrunde - wie man das Ding auch nennen mag. Der Gegner dürfte der VfB Oldenburg sein, der kürzlich den Verfolger Weiche Flensburg verputzen konnte. Die Termine stehen bereits fest: Hinspiel in Berlin am 28. Mai, Rückspiel in Oldenburg am 4. Juni. Vorausgesetzt, beide Vereine werden auch tatsächlich Staffelsieger.   Der BFC Dynamo wollte am vergangenen Freitagabend den Staffelsieg in Fürstenwalde feiern und war mit voller Kapelle angereist. Laut offizieller Zahl waren es insgesamt 2.076 Zuschauer im Friesenstadion, doch waren es wohl allein auf Gästeseite über 1.800. Ein geholtes Pünktchen würde quasi den Meistertitel mit hoher Wahrscheinlichkeit sichern, doch musste in Fürstenwalde ein Sieg her, um ganz sicher zu gehen. Der FC Carl Zeiss Jena hatte zeitgleich in Auerbach mit 4:1 gewonnen, und demzufolge blieb noch das Torverhältnis als entscheidender Punkt. Plus 51 gegenüber plus 36 sprechen zwar eine deutliche Sprache, doch gibt es da einen Spruch mit Kühen, einer Wiese und der Kotzerei. Im Fußball ist alles möglich.    Umso ärgerlicher aus Sicht des BFC Dynamo war es, dass nach eigener Führung (Andor Bolyki in der 33. Minute) in der 80. Minute noch der Ausgleich hingenommen werden musste. Valentin Rode ließ die Fürstenwalder jubeln, und in der Folgezeit lag sogar kurzzeitig die Führung in der Luft. 1:1 hieß es am Ende, und die geplante Party fiel auf dem Rasen aus. Nun muss, um ganz sicher zu gehen, gegen den Berliner AK 07 oder spätestens auswärts bei der VSG Altglienicke noch ein Pünktchen her.   VfB Oldenburg? Berlin? Aufstiegsrunde? War da nicht mal was? Richtig! Am Ende der Saison 1995/96 hatte es der VfB Oldenburg in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga mit Tennis Borussia Berlin zu tun. Ich war damals beim Hinspiel im Mommsenstadion vor Ort. Insgesamt 5.683 Zuschauer wollten bei trüber Witterung am 2. Juni 1996 jene Partie sehen, und im Gästeblock wurde reichlich Pyro eingesetzt. Ein paar Unioner hatten in der Oldenburger Kurve vorbeigeschaut und zündeten TeBe-Schals an. Kurz vor der Pause brachte Olaf Backasch die Veilchen mit 1:0 in Führung, in der 76. Minute konnte Wieslaw Cisek für den VfB Oldenburg ausgleichen.   Dramatisch ging es im Rückspiel zu. Vor 15.172 Zuschauern im Marschwegstadion brachte der Oldenburger Torwart Hans Jörg Butt den Gastgeber in der 8. Minute per Elfmeter in Führung. In der der 70. Minute gab es Elfmeter für TeBe und Taskin Aksoy konnte zum 1:1 ausgleichen. Die Verlängerung musste her. Alexander Woloschin traf in der 95. Minute zum 2:1, nur sieben Minuten später hätte Taskin Aksoy seinen zweiten Elfer des Tages verwandeln können. Er verschoss diesen, und zeitgleich musste TeBe-Trainer Rainer Zobel auf die Tribüne. Alles oder nichts! Die Nerven lagen blank. Am Ende konnte sich der VfB Oldenburg mit 2:1 nach Verlängerung durchsetzen und den Aufstieg in die 2. Bundesliga feiern ... Fazit: Wieder heißt es - alles oder nichts! Wieder wird ein Verein leer ausgehen und wieder zurück auf Start gehen müssen. Wir dürfen gespannt sein, ob der BFC Dynamo im vierten Anlauf erfolgreich aus einer Relegation / Aufstiegsrunde hervorgehen wird. Fotos: Marco Bertram, Mythos BFC > zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo > zur turus-Fotostrecke: Impressionen aus den 90er Jahren

Jetzt in der App abspielen

Germania Schöneiche gewinnt in Erkner und festigt Tabellenführung

01.05.2022 00:00:00

Der Jubel hallte noch lange durch das schicke Erich-Ring-Stadion in Erkner. Allerdings durften an diesem 23. Spieltag der Fußball-Landeliga Süd nicht die Gastgeber des FV Erkner jubeln. Denn der  SV Germania Schöneiche, Tabellenführer der Liga, hatte das Spiel mit 1:0 gewonnen. Schütze des Goldenen Tores war Martin Gruner kurz vor Ende der ersten Halbzeit.Derbysieger Der Germania-Jubel war aus zwei Gründen noch intensiver als sonst. Zum einen hatte Germania das Derby der Liga gewonnen und zum anderen konnte die Mannschaft von Trainer Oliver Richter den Abstand auf den Tabellenzweiten FC Concordia Buckow/Waldsieversdorf gleich halten. Es geht für beide Vereine in der Endphase der Saison immerhin um den Aufstieg in die Brandenburgliga. Ganz nebenbei war es das Spitzenspiel der Liga, denn der FV Erkner war vor dem Spieltag noch Tabellendritter.  „Hat der FV selbst noch Ambitionen Staffelsieger und damit Aufsteiger zu werden?“ Trainer Ronald Mersetzky winkt lächelnd ab und sagt: „Ich weiß gar nicht wie der Abstand zur Tabellenspitze tatsächlich ist. Mit diesem Thema beschäftige ich mich nicht. Ich freue mich bei diesem herrlichen Wetter auf ein schönes Fußballspiel.“ Druck für Germania  Natürlich lag der Druck bei den Schöneichern, die nach der 2:5-Heimniederlage der Vorwoche gegen den Hauptkonkurrenten aus Buckow/Waldsieversdorf, ein wenig angeschlagen waren.  Abwehrreihen dominieren  Das Spiel begann sehr verhalten. Die Schöneicher hatten den Auftakt gegen den FC Concordia vor sieben Tagen mit Sicherheit nicht vergessen. Nach 15 Minuten lagen sie mit 0:3 hinten. So verlief die Partie vor immerhin 120 zahlenden Zuschauern nicht spektakulär, dafür aber auf taktisch und spielerisch hohem Niveau. Beide Abwehrreihen agierten sehr souverän und auch im Mittelfeldbereich gab es durchaus fußballerische Leckerbissen zu bewundern. Nur Torchancen gab es nicht zu sehen. Beide Trainer dirigierten von der Seitenlinie aus das überwiegend faire Spiel. Da war es schon sehr verwunderlich, warum Schiedsrichter Jens Polzenhagen insgesamt elf Gelbe Karten verteilte. Erkners Jakob Kunert bekam Gelb/Rot. Tor des Tages durch Martin Gruner  Das Tor des Tages fiel drei Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Martin Gruner war nach Freistoß von Paul Mitscherlich zur Stelle. Eine Szene gab es in der ersten Halbzeit noch zu sehen, über sich vor allem Schöneiches Trainer Oliver Richter sehr aufregte - und auch zu Recht. Torhüter Emmanouil Demenikos wurde beim Abschlag so behindert, dass ein Schöneicher Konter gar nicht eingeleitet werden konnte. Diese Szene ahndete Schiri Polzenhagen nicht.  Spannung in der zweiten Halbzeit  Die Spannung in der zweiten Halbzeit steigerte sich nochmals. Erkner erhöhte das Tempo und kam auch zu Torgelegenheiten. Zunächst verpasste Robert Szczegula nach schöner Einzelleistung und scheiterte wenige Minuten später allein am herausgelaufenen Schöneicher Torhüter. Die vorzeitige Entscheidung in der Partie vergab Denis Tetera. Im Abschluss vertendelte er den Ball. Erkners Torhüter Kurt Kossahn konnte ihm die Kugel regelrecht vom Fuß nehmen.  Edelfan Moni feiert mit  Es blieb beim 1:0 und auch die überlange Nachspielzeit überstanden die Schöneicher schließlich. Tiefes Durchatmen bei Trainer Oliver Richter, dem die Anspannung deutlich ins Gesicht geschrieben war.   „Wir haben den Sieg verdient - ganz klar“, freute sich auch Germania-Schöneiche-Edelfan Moni. Monika Domschula verpasst kaum ein Spiel und das im besten Fußball-Fanalter von 80 Jahren. „Ich wohne zwar in Rahnsdorf, bin aber seit 2007 echter Germania-Anhänger“, sagte sie mit blau-weißem Schal und einer Fanfare um den Hals. „Alle Spiele kann ich leider nicht sehen, aber die die in der Nähe angepfiffen werden, da bin ich dabei.“ Nach Erkner kam sie im mit ihrem Mann Gerd. „Der sitzt aber auf der anderen Seite des Stadions. Er kann meine Tröte nicht ertragen“, sagt sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht.  „Warum ich Fußball so mag? Mich begeistert das Mannschaftsgefühl und die Gemeinsamkeit. Das sind Dinge, von denen es in unserer Gesellschaft immer weniger gibt.“ Bericht & Fotos: Edgar Nemschok / reisereste.de

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen: Letztes abendliches „Wegbier“ in Liga 4

30.04.2022 00:00:00

Freitagabend ein mit 11.450 Fans top gefülltes und stimmungsvolles Stadion an der Hafenstraße in Essen und aus den Boxen knallt einem von Weitem „Don´t speak“ entgegen. Irgendwie passend. Zwar handelt der Klassiker der US-amerikanischen Rockband No Doubt vom Trennungsschmerz am Ende einer Liebesbeziehung, aber so ähnlich ist aktuell auch der Gemütszustand vieler RWE Fans. Zwischen Hoffnung und tiefer Traurigkeit. Nein kein Fan wird sich – egal wie die Saison endet - von seiner rot-weissen Liebe trennen, aber die Gedanken vielleicht den Aufstieg in die 3. Liga wieder einmal nicht zu schaffen schmerzen. Dabei hatte man alles in der eigenen Hand, aber dann kam diese Unentschieden-Wochen im April 2022.Erst die Remis in Oberhausen und Aachen, obwohl man über weite Strecken den Gegner teilweise an die Wand spielte. Dann das mehr als vermeidbare 1:1 gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach während parallel der Rivale um den Aufstieg Preußen Münster in Lippstadt Federn ließ. Die Nerven schienen zu flatterten und RWE kassierte spät den bis heute bei vielen Fans schmerzhaft sitzenden Ausgleich. Die Hoffnung auf einen erneuten Ausrutscher der Preußen erfüllte sich bisher nicht, da die Gegner der Adlerträger natürlich auch nicht die nötige sportliche Qualität hatten, um mit den Preußen mitzuhalten. Liest man sich durch verschiedene Fanforen scheinen einige Fans auch nicht sonderlich traurig über eine Niederlage des eigenen Teams, wenn damit RWE geärgert werden kann. Ja klar gegen Rot-Weiss Essen im Stadion an der Hafenstraße zu spielen ist was Besonderes, das wird ja immer ohne Umschweife gesagt und das möchte man am Liebsten jede Saison. In Spielen gegen RWE wird bis zu den Ermüdungskrämpfen immer alles rausgehauen, aber teilweise ansonsten in der Liga nicht viel gerissen. Bestes Beispiel der gestrige Gegner von Essen der FC Wegberg-Beek. Begleitet von gerade einmal zwölf Fans wurde um jeden Ball gekämpft auch als man schon durch Tore von Felix Herzenbruch (28. Spielminute) und Isaiah Young (32. Spielminute) mit 2:0 ins Hintertreffen geriet. Lohn für die Mühe der Anschlusstreffer in der 49. Spielminute von Jeff-Dennis Fehr. Dass es am Ende natürlich ein hochverdienter 3:1 RWE-Sieg wurde, Simon Engelmann knipste sein 22. Saisontreffer in der 83. Spielminute, war kurz nach der Halbzeit nicht abzusehen. Viele RWE-Fans sahen sich teilweise im falschen Film bzw. im falschen Spiel. Zu sehr ähnelte das Match in den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte dem Kick gegen die Jungfohlen (BMG U23). Aber warum der FCW nicht die ganze Saison in allen Spielen so spielt, sondern nur in zwei Spielen der Saison alles raushaut (das Hinspiel auf dem Acker im Wegberger Waldstadion endete 1:1) ist merkwürdig. Am Ende reicht es so natürlich nicht für den Klassenerhalt und damit wird es wahrscheinlich auf lange Sicht kein „Wegbier“ äh Wegberg mehr in Essen geben. Für Rot-Weiss Essen war es nach der Unentschieden-Serie nun der dritte Sieg in Folge. Und RWE wollte mehr. Nach jedem Treffer drängte Essen auf den nächsten. Starke Einstellung. Nun steht unter der Woche noch ein schweres Pokalhalbfinale in Wuppertal an bevor es mit tausenden RWE-Fans wie vergangende Woche nochmal nach Lotte geht zum vorletzten Ligaspiel gegen den SV Rödinghausen. Das Spiel wurde aus Kapazitätsgründen ins Stadion am Lotter Kreuz verlegt, aber der SVR wird wahrscheinlich auch dort versuchen sein Spiel der Saison zu machen. Trotzdem: Noch ist für Rot-Weiss Essen alles drin. Die dritte Liga ist noch auf Sicht und sogar das Double greifbar. Die Messe ist längst noch nicht gelesen und die dicke Frau in der Oper […]. Ach lassen wir das. Im Fußball gab es schon viele Kuriositäten und nicht vorhersehbare Wendungen. So lange es noch geht, einfach #immeRWEiter - Aufstieg jetzt!> zu den Rot-Weiss Essen Fotos vom Spiel Update 01.05.2022: Der Artikel wurde aktualisiert, da ein als ironisch gemeintes und in Anführungsstrichen gesetztes Wort bei einigen Lesern nicht als Ironie verstanden wurde.

Jetzt in der App abspielen

Glasgow Rangers Fans lassen es in Leipzig gut krachen

29.04.2022 00:00:00

Als die Rangers im Jahre 2017 letztmals in Leipzig auf die "Roten Bullen" trafen, waren wir mit unserer Kamera natürlich auch schon vor Ort. Mehrere tausende Briten begleiteten ihre Männer in die kalte und nasse Messestadt und verloren das Testspiel damals mit 0:4. Für die Rangers war es damals das erste internationale Kräftemessen nach einer schweren Zeit mit Zwangsabstieg und Herumdümpeln in den Tiefen der schottischen Fußballprovinzen. Nur fünf Jahre später sind die Rangers aber wieder eine große Nummer auf der europäischen Bühne und reisen an einem sonnigen und warmen Donnerstagabend zum Europa League Halbfinale nach Leipzig. Eine erstaunliche Entwicklung! Wir ließen uns die Möglichkeit auch diesmal nicht entgehen und schauten zumindest auf dem Treffpunkt am Marktplatz, sowie auch auf Teilen des einstündigen Fanmarsches zum Stadion vorbei.    Im Vorfeld der Partie las man schon so einige Schlagzeilen und hörte das ein oder andere Gerücht. Die Gazetten sprachen von bis zu 8000 Gästefans, darunter sollten sich auch knapp 500 Personen aus dem befreundeten Hamburg einfinden. Wie auch schon im Jahre 2017 wurden mehrere Sonderflüge gestellt, welche die Fans unproblematisch von Glasgow nach Leipzig und/oder Erfurt einfliegen lassen sollten. Wir haben nachgezählt - fünf Flieger landeten in Leipzig und drei Stück in Erfurt. Der Rest der Anhängerschaft musste anderweitig planen und teilweise von England aus in eine x-beliebige deutsche Stadt fliegen, um dann mit dem Bus oder mit dem Zug nach Leipzig weiterzureisen.    Es wäre wohl das Einfachste gewesen, wenn sich die Jungs aus Schottland einen Frachtflieger von DHL geleased hätten. Auch die Gastronomen und Hoteliers waren mehr oder weniger begeistert vom regen Interesse ihrer Locations. Britische Fußballfans bedeuteten zumindest immer ausgelassene und gute Stimmung, einen sehr hohen Verbrauch von Alkohol, aber auch immer ein mögliches Restrisiko vor Schäden, wie es auch im Jahre 2017 einige Barbesitzer zu beklagen hatten. Im Gegensatz zum letzten Aufeinandertreffen trafen in dieser Woche bereits am Mittwoch die ersten durstigen Jungs in der Leipziger Innenstadt ein und beflaggten typisch britisch ihren Standpunkt.    Am Spieltag direkt traf unter anderem die bekannte Leipziger Bar "Spizz", die sinnvollste aller Vorkehrungen und installierte eine mobile Zapfanlage, sowie Grill inmitten ihres Freisitzes und sorgten mit den ziemlich happigen Preisen zumindest für funkelnde Augen des Barbesitzers. Den Briten war dies natürlich egal, denn Bier ist Bier und Leipzig ist nur einmal im Jahr, und außerdem waren die Bierkästen, die bereits seit Stunden in der prallen Sonne von Leipzig auf dem Markt platziert waren, schon ungenießbar und der naheliegende Rewe nahezu ausverkauft.    Laut Angaben der Behörden trafen sich gut 2.000 bis 2.500 Rangers Anhänger auf dem Marktplatz ein und zogen kurzerhand zum Steigenberger Hotel um. Ein Hotel, welches eher durch Schicki-Micki und extrem hohe Zimmerpreise bekannt sein dürfte, ist aber seit vielen Jahren die Anlaufstelle für die meisten Fußballvereine, die in Leipzig gastieren.  Während die allgemeine Stimmung am eigentlichen Treffpunkt eher einem lauen Frühlingsabend glich, so erhöhten sich Temperatur und Laune am Vorplatz des Hotels beständig. Ununterbrochen brüllten hunderte Fans gegen die Absperrungen, die Mannschaftsbusse und die Hotelmauern, bis sich Mannschaft und Trainerteams tatsächlich an die Fenster bewegten und in Ode an die Queen mal kurz mit der Hand nach links und rechts wippten.    18.40 Uhr sollte der offizielle Marsch dann tatsächlich auch beginnen. Unmittelbar zwischen Leos Brasserie und Ibis-Budget-Hotel platzierten sich die teils vermummten Anhänger der "Union Bears" hinter einer extrem großen und angemessenen Ultrafahne (nicht). Damit die Abstände und die Linie gehalten werden können befestigte man links und rechts der Fahne noch ein paar meterlange Fahnenstangen. Nur eben ohne Fahne.    Die Stimmung war einem Halbfinale absolut angemessen und im Vergleich zum Spiel der Rangers im Jahre 2017 und zur Begegnung der grün-weißen Schotten im Jahre 2018 wurden nochmal ein paar Schippen draufgelegt. Ab und zu wurde noch ein Rauchtopf gezündet, des Öfteren wurden auch die Schnapsflaschen in die Luft gestreckt und laut geschallt hat es in den engen Leipziger Gassen sowieso. In der Pfaffendorfer Straße kurz vor dem Leipziger Zoo nutzten wir als Investigativjournalisten die Möglichkeit und eroberten einen der gut gelegenen Balkone eines Mehrfamilienhauses.    Nach kurzer Rücksprache mit einem der Anwohner durften wir einen wunderbaren Blick auf den heranschleichenden Mob erhaschen und die Show genießen, bevor der Mob in Richtung Rosental abbog.    Im Stadion selber waren wir zwar nicht mehr vor Ort, ließen uns aber sagen, dass die grob geschätzten 5.000 Gäste (davon nur 2.500 im Gästebereich) für eine vernünftige Stimmung sorgen konnten. Die Leipziger konnten das Spiel in der Schlussphase dennoch für sich entscheiden und tragen nun auch ihren Teil zu einem möglichen deutschen Finale in der Europa League bei - Wer hätte es gedacht? Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) > ein Video vom Auftritt der Rangers-Fans auf YouTube > weitere Impressionen in der turus-Fotostrecke

Jetzt in der App abspielen

Melancholie und Wehmut im Fußball-Roman über den FC Vorwärts Berlin / Frankfurt

28.04.2022 00:00:00

„Ick hab Freiwoche. Kommste mit rüber nach Frankfurt?“ Immer wieder düsten Jan, einer meiner besten Freunde, der beim Bolzen auf Asche immer ein rot-gelbes Vorwärts-Käppi tug, und ich in den 1990ern gemeinsam vom Rheinland bzw. von Berlin aus rüber in seine Heimatstadt Frankfurt (Oder), um dort ein paar dufte Tage zu verbringen. Die weiße Robbe baumelte vorn im weißen Golf, es liefen Kassetten vom Polenmarkt: Kim Wilde, die Onkelz und das Brandenburglied. In Polen tanken fahren, auf der Datsche der Eltern nen bissel blöde quatschen, mit seinem Papa in der Neubaubutze über alte Vorwärts-Zeiten philosophieren. Am 14. August 1994 besuchte ich gemeinsam mit Jan das erste Mal das Stadion der Freundschaft. Morgens um 10.30 Uhr wurde das Testspiel Frankfurter FC Viktoria 91 vs. Borussia Mönchengladbach angepfiffen – eine Art Ablösespiel für den noch beim FC Vorwärts Frankfurt (Oder) ausgebildeten Spieler Carsten Moritz – und das Ganze endete 1:5. Schauten bei jener Partie noch ein paar Zuschauer vorbei, so war der Ligaalltag der Viktoria meist trist und grau. Müde wurde in Frankfurt abgewunken, wenn es um den lokalen Fußball ging. Viktoria? Det wird doch nüscht mehr ...  Die Fahrten nach Frankfurt, die gemütlichen Nachmittage und Abende vor dem Bungalow, all die zum Besten gegebenen Anekdoten vom einst ruhmreichen FC Vorwärts ließen mir die Stadt mit allem Drum und Dran ans Herz wachsen. Eine schwer zu beschreibende, an der Oder deutlich spürbare Melancholie war es, die dazu geführt hatte, dass ich Anfang 2020 das Buch „Fußballheimat Brandenburg“ veröffentlichte Und da eine Fußballfibel über den ASK/FC Vorwärts beim Verlag CULTURCON medien bereits ziemlich lange im Raum stand, sagte ich an einem Tag X zu und überlegte mir, wie ich dieses Buch wohl angehen könnte. In mir schlummerte bereits seit Jahren, mich endlich mal an einen Roman zu wagen.  Es sollte meine bislang größte Herausforderung werden, die mich emotional fest in die Zange nahm. Da ein Buch aus der Ich-Perspektive wenig Sinn ergeben hätte – meine Vereine sind bekanntlich der F.C. Hansa Rostock und der BFC Dynamo – reifte der Plan, diesen Band in Romanform zu schreiben. Heureka!, dachte ich mir. Zwei Teile – zwei Protagonisten. Und ich wollte gleichzeitig den Alltag der 1950er- und 1960er-Jahre in Ost-Berlin bzw. der 1970er- und 1980er- Jahre in Frankfurt (Oder) schildern. Vor Augen hatte ich zwei Figuren, die an reale Personen angelehnt sind: Lutz und Molli.  Der Berliner Abschnitt über den ASK/FC Vorwärts Berlin spielt größtenteils in Friedrichsfelde, wo einst meine Mutter aufgewachsen ist und meine Großeltern bis zuletzt wohnten. Dreh- und Angelpunkt im Frankfurter Abschnitt ist neben dem Stadion der Freundschaft das Neubauviertel Hansa Nord. Die privaten Episoden sind fiktiv, stützen sich jedoch auf selbst Erlebtes und versuchen so gut es geht die Realität widerzuspiegeln. Ausnahmslos real sind die sportlichen Aspekte.  Drei, vier Jahre lang hatte ich recherchiert, etliche Schauplätze in Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt, Buckow, Groß Köris, Rahnsdorf und Friedrichsfelde besucht, etliche Dokus angeschaut, hunderte Stunden die Musik aus den 50ern und 60ern gehört und zahlreiche Stichpunkte angefertigt sowie Zettelchen an die Regale gepinnt. Die Protagonisten des Buches suchten mich in meinen Träumen auf, und manch ein gehörtes Lied und gesehenes Fußballspiel längst vergangener Zeiten verfolgte mich bis in den tiefsten Schlaf. Nie zuvor hatte mich das Schreiben dermaßen in den Bann gezogen. Ich studierte das Buch „Vorwärts – Armee-Fußball im DDR-Sozialismus“ von Hanns Leske und sprach mit älteren Fans, die in den 80ern aktiv mit dabei waren und teils auch mal die Fäuste in der Gubener Straße schwangen. Ich studierte die Statistiken und Europapokalspiele von Vorwärts Berlin in den 60er Jahren und war überrascht, wie erfolgreich Vorwärts in jener Zeit war. Ich litt mit, wie der FC Vorwärts schließlich kurz nach der Wende zugrunde ging und gestaltete dementsprechend mein letztes Kapitel in der „Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) Fußballfibel“. Am 19. März schaute ich - mit ein paar Buchexemplaren in der Tasche - noch einmal im Stadion der Freundschaft vorbei. 104 wackere Zuschauer hatten sich zum Brandenburg-Liga-Duell gegen den SV Frankonia Wernsdorf eingefunden. Beim Blick ins weite Rund kam sie wieder auf - diese Wehmut. Meine Güte, in diesem Stadion wurde 1974 - sprich, ein Jahr nach meiner Geburt - Juventus Turin mit 2:1 geschlagen! Hier gaben einst in den 80ern Nottingham Forest, der VfB Stuttgart und der SV Werder Bremen ihre Visitenkarten ab. Und ja, in der Saison 1990/91 legte hier der F.C. Hansa Rostock den Grundstein für die Qualifikation für die 1. Bundesliga und den Meistertitel. An die Polonäse im Gästeblock erinnert sich jeder ältere Hansa-Fan, der damals vor Ort war.  Mit 3:0 konnte der 1. FC Frankfurt die Jungs von Frankonia Wernsdorf schlagen, doch echter Jubel kam nicht auf. Ein zustimmendes Nicken. Mehr nicht. Am Bierstand trafen zwei FCV-Fans, die noch immer die rot-gelbe Fahne hochhalten, und ich den einstigen Vorwärts-Spieler Hans-Jörg Hildebrandt, der nach längerer Zeit mal wieder im Stadion der Freundschaft vorbeigeschaut hatte. Von 1981 bis 1986 trug er das Trikot des FC Vorwärts Frankfurt und erzielte in 70 DDR-Oberligaspielen 18 Treffer. Und das als Abwehrspieler! Respekt! Mit dabei war er auch bei fünf UEFA-Pokalspielen. Einmal für 49 Minuten, viermal über die volle Zeit. Was bleibt? Die Hoffnung, dass die Historie des FC Vorwärts in Frankfurt noch mehr lebendig gemacht wird und dass eines Tages der 1. FC Frankfurt mal wieder etwas höher spielt. Man muss doch gar nicht sooo große Brötchen backen. NOFV-Oberliga. Lassen wir den FC Stahl Brandenburg in naher Zukunft auch mal wieder dazu kommen. Wenn dann die SG Dynamo Schwerin noch mit dabei wäre, hätte diese Staffel doch gewisse Würze und könnte Zuschauer locken.  Um auf mein kürzlich aus dem Druck gekommene Buch zurückzukommen: Folgend gibt es ein paar kurze Kostproben zu lesen. Viel Spaß dabei! > Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit auf www.marco-bertram.de Unvergessener Sieg gegen die Wolves  … Beim Spiel gegen die Wolves ging sein Stern auf. Mit seinen gerade einmal 18 Jahren war er bei jener Partie zur Stelle und machte nach 24 Minuten den Ausgleich klar. Der Jubel der über 60.000 hallte vermutlich bis Friedrichsfelde. Als fünf Minuten später Horst Kohle zum 2:1 nachlegen konnte, gab es einen Ost-Berliner Urschrei zu hören. All die Alltagsstrapazen waren in jenem Moment vergessen. Alle Nöte und Ängste, auch die politischen Drangsalierungen. Unten auf dem Rasen liefen die Spieler aus der eigenen Heimat. In Rot-Gelb.  Vorwärts! Der englische Meister wurde ins Wanken gebracht und am Ende mit 2:1 geschlagen. Immer wieder warf sich Vorwärts-Schluss- mann Karl-Heinz Spickenagel tapfer ins Getümmel. Gemeinsam mit den Abwehrspielern Krampe und Kiupel stellte er sich den anstürmenden Broadbent und Jim Murray entgegen. Für die in Weiß auflaufenden Wolves war an jenem späten Nachmittag nichts zu holen. Die Ost-Berliner K-Combo hatte den englischen Meister in die Schranken gewiesen. Neben den „drei K“ in der Abwehr stand mit dem Torschützen Horst Kohle ein viertes „K“ in der Mannschaft. Und dann gab es sogar noch ein fünftes „K“, erhielt doch der andere Torschütze Jürgen Nöldner den Spitznamen „Kuppe“.  … Wurstklau und Heimsieg gegen Turbine  … Vor dem Spiel gegen den SC Turbine Erfurt trieben Lutz und Erwin sich in den Nebenstraßen herum und begutachteten all die Hinterhöfe. Dies sollte vor und nach vielen kommenden Heimspielen zur Gewohnheit werden. Zu entdecken gab es schließlich immer wieder was. Während das Wohngebiet in Friedrichsfelde aufgeräumt und modern wirkte, duftete es hier im Prenzelberger Kiez entlang der Gleimstraße nach Staub, Asche und Abenteuer. Allein dieser Geruch, der einem im Sommer entgegenströmte, wenn man eine der ächzenden Eingangstüren aufschob! Manch ein Gebäude wirkte, als würde man sich noch in der unmittelbaren Nachkriegszeit befinden. Ein Eldorado für Kinder und Jugendliche. Während auf der Schönhauser Allee bereits der sozialistisch geprägte Aufschwung zu spüren war, moderne Gebäude die Kriegslücken geschlossen hatten und die eine oder andere Altbaufassade saniert wurde, konnte man zwischen Gleimstraße und Kopenhagener Straße noch alte Zille-Zeiten schnuppern.  „Ey, erstmal wiegen!“, rief Erwin und stupste Lutz lachend an. Ein älterer Mann mit Hut und dicker Hornbrille hatte eine Waage aufgebaut, mit der man sowohl Personen als auch größere Gegen- stände abwiegen konnte. Einmal Wiegen – ein Groschen. Der Mann hatte sogar einen Sonnenschirm aufgestellt und vor der Waage eine rollbare Karte angebracht. 10 Jahre: Knaben Gewicht 30 kg, Mädchen Gewicht 27 kg. Männer: 1,70 m Gewicht 70 kg. Frauen: 1,60 m Gewicht 54 kg. Lachend stellten sich die beiden nacheinander auf die Waage und der Alte schob oben die kleinen Gegengewichte zurecht. Lutz und Erwin lagen deutlich unter den für zwölf und 13 Jahre alte Jungens angezeigten Normwerten, was Erwin, der schon öfters allein in der Stadt unterwegs war, auf den Plan rief.  „Ey, alter Herr, ihre Waage tickt nicht richtig. Wir wollen die beiden Groschen zurück!“  „Ick werd dir gleich eine ticken, du Bengel!“, rief der Mann mit Hut und fuchtelte mit den Händen.  Kreischend rannten die beiden den Bürgersteig hinunter, bis sie an der nächsten Kreuzung stoppten und über das Vorgehen für die verbleibende Zeit bis zum Anpfiff berieten.  „Meenste, wir sind wirklich zu dürre?“, fragte Lutz, zog sein Nicki hoch und betastete seinen Bauch, auf dem sich die Muskeln abzeichneten.  „Weeß ick nich“, meinte Erwin, begutachtete ebenso seinen Bauch und schlug dann vor: „Haste Hunger? Ick könnte wat vertragen!“  „Meene Eltern haben mir zwei Mark für ’ne Brause und ’ne Wurscht mitgegeben. Will ick mir aber erst kurz vor dem Spiel holen.“  „Macht nischt, Lutze. Ick hab ’ne Idee! Los komm mit!“ … Ferienlager in Groß Köris  … In Groß Köris wollte er beim Pionierlager-Sportfest die Farben seiner Stadt würdig vertreten und kramte in seinem Schrank nach halbwegs passenden Klamotten. Er war das einzige Kind aus Frankfurt an der Oder, da seine Eltern ja nicht beim VEB Schwermaschinenbau Wildau tätig waren. Die meisten Jungs und Mädchen kamen aus dem südlichen Ost-Berlin, aus Königs Wusterhausen und direkt aus Wildau. Gegen die wollte er sich vor allem in den Ausdauerdisziplinen durchsetzen.
Als es beim Weitsprung zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem ein Jahr älteren Ost-Berliner Bengel kam, wurde dieser gleich pampig. Er war es nicht gewohnt, beim Weitsprung geschlagen zu werden.  „Ey Keule, wat bist’n du für Eener? Denkst, du kannst hier ’nen Hotten machen, oder wat? Du übertrittst doch ständig! Seh ick doch!“, rief der Ost-Berliner, der von seinen Kumpels nur Maute genannt wurde.  „Ich übertrete hier gar nix. Beruhig dich mal, verstanden?“, entgegnete Molli, der sich für den letzten Versuch warm machte.  „Große Fresse, oder wat? Kriegst gleich paar. Kannst gern mal abends rüberkommen. Kriegste Dresche und ’n blauet Ooge verpasst, du Eumel!“  „Ich komm vorbei! Aber jetzt kiekste erst mal meinen letzten Sprung an! Für den FCV!“, rief Molli und ballte die Faust. Anschließend nahm er ordentlich Anlauf und mit der nötigen Wut im Bauch setzte er in der Sandgrube eine neue Bestmarke.  „Respekt, Kleener. Dat war’n korrekter Sprung. Lass mal nachher quatschen“, zollte nun Maute den nötigen Respekt.  Später trafen sich Maute und Molli an den Tischtennisplatten und wurden – anders als anfangs vermutet – miteinander warm.  „Jehste ooch zum Fußball?“, fragte Maute und bot einen Eis- Drops an. Diese blau-weiß verpackten durchsichtigen Lutschbonbons von Goldeck waren aktuell gerade angesagt und verzückten manch einen Kindermund.  „Logo, ich gehe zum FCV. Also zum FC Vorwärts Frankfurt.“ Molli nahm den Drops dankend an.  „Knorke. Ick jeh zu Union in die Alte Försterei. Immer wat los, sach ick dir. Letzte Saison mussten wa zweete Liga spielen, konnten uns aber gegen Hütte durchsetzen und wieder uffsteigen. Borchhardt machte 20 Buden, Sträßer 19. Fetzen die beeden, sach ick dir. Mussten ooch gegen eure Zweete spielen. Lass ma nich lügen, aber auswärts gab es keene Niederlage für die Eisernen. Kommende Saison jeht es wieder rund. Komm ick dich mal besuchen, wenn wa an der Oder spielen“, erklärte Maute und schob sich gleich einen weiteren Drops in den Mund.  „Mach das. Mein Vater war ein bisschen traurig. Er mag auch Stahl Eisenhüttenstadt und wollte, dass die aufsteigen. Aber er sagte, ist schon okay so, Union gehört nun mal in die Oberliga“, meinte Molli.  „Gruppe 4, bitte auf den Vorplatz kommen!“, ertönte eine laute Frauenstimme aus dem Hintergrund.  „Gruppe 4 – das bin ich. Ich glaub, wir machen noch ’nen kleinen Ausflug zum Konsum. Ich muss los. Wir sehen uns!“, rief Molli und flitzte fix zu seinem Bungalow, um seine Geldbörse aus dem Schrank zu holen. … Veranstaltungstipp: Am kommenden Samstag, den 30. April 2022 gibt es ab 19 Uhr eine Lesung in der Schankwirtschaft Baiz in der Schönhauser Allee in Berlin. Vor Ort sein werden auch Frank Willmann, der den Abend moderiert, und Andreas „Baufresse“ Gläser, der sein Gastkapitel „Gästeblock“ lesen wird. Zur Veranstaltungsseite auf Facebook. Zum Autor:  Marco Bertram wurde 1973 in Ost-Berlin geboren und geht seit dem Fall der Mauer Woche für Woche zum Fußball. Seit 2008 betreibt er gemeinsam mit K. Hoeft das Onlinemagazin turus.net. In den vergangenen Jahren veröffentlichte er zahlreiche Fußballbücher, u.a. „Zwischen den Welten“, „BFC Dynamo Fußballfibel“, „F.C. Hansa Rostock Fußballfibel“, „Fußballheimat Brandenburg“ und „Kaperfahrten – Mit der Kogge durch stürmische See“. Aufgrund fester privater Freundschaften hat er seit Anfang der 1990er-Jahre eine besondere Beziehung zur Stadt Frankfurt (Oder).  > Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit auf www.marco-bertram.de Fotos: Marco Bertram, Archiv Uwe Zühlsdorf

Jetzt in der App abspielen

CFC Hertha 06 vs. Rostocker FC: Knackiges Spitzenspiel in der Sömmeringstraße

28.04.2022 00:00:00

Lang, lang ist’s her, als ich vor gut 15 bis 20 Jahren im Winter bei den Hallenturnieren in der Sömmeringhalle vorbeigeschaut hatte. War mächtig was los auf den Rängen! Auf dem benachbarten Sportplatz in der Sömmeringstraße war ich indes noch nie zu Gast. Am gestrigen Abend bot das Spitzenspiel der NOFV-Oberliga eine prima Gelegenheit, dieser Spielstätte auch endlich mal einen Besuch abzustatten. Zumal wollte ich unbedingt einmal ein Ligaspiel des Rostocker FC 1895 sehen, um das sportliche Potential dieser Truppe ein wenig einschätzen zu können.Mein größerer Sohnemann war sogleich mit von der Partie und Feuer und Flamme. Gleiche Farben und auch einen Greif im Wappen - haben die irgendwas mit Hansa zu tun? Nee! Egal, Rostock ist Rostock. Zwei kleine blau-weiß-rote Fähnchen wurden in den Rucksack gepackt und später an einer Ecke fleißig gewedelt.  „War dat früher TSG Bau?“, wurde ich auf den flachen, mit Gras bewachsenen Rängen von einem interessierten Zuschauer gefragt. „Oder doch Schiffahrt Rostock?“ TSG war schon richtig. Den Namen Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Bau Rostock erhielt der Verein im Jahre 1969, nachdem der VEB Wohnungsbaukombinat Rostock die Trägerschaft übernommen hatte. Und was die Historie betrifft, übernehme ich einfach mal das entsprechende Kapitel aus meinem Buch „Fußballheimat Mecklenburg-Vorpommern“, das im Frühjahr 2020 im arete Verlag erschienen ist: Es hätte bei einem einjährigen Abenteuer in der DDR-Liga bleiben können, doch am Ende der Saison 1973/74 sorgte das bessere Torverhältnis dafür, dass die TSG Bau Rostock die Klasse halten und in der Folge nonstop bis 1985/86 in dieser Spielklasse durchspielen konnte. Immerhin 975 Zuschauer fanden damals im Schnitt den Weg zu den Heimspielen. Sieben Jahre später waren es 845. Auch in der Saison 1980/81 sorgte das Torverhältnis dafür, dass es in der zweiten Liga weiterging. Zuvor wurde die TSG Bau Rostock am Ende der Spielzeit 1978/79 Staffelmeister, scheiterte jedoch in der Aufstiegsrunde an Vorwärts Frankfurt und Chemie Leipzig. 1986 war als Tabellenletzter Schluss mit lustig. 1990 war die TSG Bau Rostock noch einmal als Bezirksmeister mit einem Bein zweitklassig, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde. Am 18. Juli 1990 wurde der Verein in TSV Grün-Weiß Rostock umbenannt und spielte bis 1996 in der Verbandsliga. Im Oktober 1996 lösten sich die Fußballer vom TSV Grün-Weiß und gründeten den Rostocker FC von 1895 e.V.  Der Bogen zu den Anfängen konnte wieder geschlossen werden, bereits am 20. Juni 1895 gründeten die vier Gymnasiasten Michael Beyer, Paul Buchholtz, Wilhelm Metzenthin und Werner Ahrens den Rostocker Fußball-Club (RFC). Vier Jahre später ging das erste Spiel gegen den Internationalen Fußball-Club (IFC) Rostock über die Bühne, welches mit 1:0 gewonnen werden konnte. Nach dem Zusammenschluss mit dem Rostocker Fußballclub Greif von 1916 und dem Rostocker Schwimm-Club hieß der Verein bis 1938 Rostocker Sport-Club (RSC) von 1895. Bis Kriegsende ging es weiter als verordnete Großgemeinschaft TSG Rostock. Nach dem Krieg erhielt der Verein nach einigen Umstrukturierungen im Jahr 1969 den eingangs erwähnten Namen TSG Bau Rostock. Aktuell spielt der Rostocker FC in der Verbandsliga, die Heimspiele werden am Damerower Weg ausgetragen. Die größte Erfolge in neuer Zeit: Das Erreichen des Landespokalfinales 2010 - gegen den Torgelower SV Greif mussten sich die Rostocker jedoch mit 1:2 geschlagen geben - und der Aufstieg in die NOFV-Oberliga. Nun denn, werfen wir auch einen kurzen Blick auf den gestrigen Gastgeber. Als Charlottenburger FC Vorwärts wurde der Verein am 5. März 1906 ins Leben gerufen. Jedoch erfolgte die Umbenennung in CFC Hertha 06 bereits vier Monate später. 1920 schloss sich die Mannschaft des Charlottenburger SC Stern 1916 an, 1933 erfolgte ein Zusammenschluss mit dem FC Brandenburg 03 Berlin zum FC Brandenburg-Hertha 06, doch bereits im Jahr darauf konnte dies Fusion wieder aufgelöst werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nach der Auflösung des Vereins im Jahr 1949 der CFC Hertha 06 wieder neu gegründet, und dieser hatte zwischen 1965 und 1970 eine Hochphase, in welcher in der Amateurliga Berlin gespielt wurde. In der Folgezeit ging es derb abwärts, und der Club fand sich phasenweise in der Kreisliga B wieder. Der erneute Aufschwung erfolgte ab 2004, zehn Jahre später konnte der Aufstieg in die Berlin-Liga gefeiert werden, im Jahr darauf durften nach dem Durchmarsch in die NOFV-Oberliga nochmals die Sektflaschen geöffnet werden.  Nach den zweistelligen Tabellenplätzen in den Jahren zuvor spielt der CFC Hertha 06 in der laufenden Saison um den Aufstieg mit. Ebenso in Richtung Regionalliga schielen jedoch auch die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin, der FC Hertha 06 Zehlendorf, der Greifswalder FC und der Rostocker FC. Nach kurzzeitigem Leistungseinbruch spielte der Rostocker FC zuletzt wieder volle Pulle und konnte unter anderen mit 3:0 bei den Amateuren des F.C. Hansa Rostock gewinnen.   Aus Sicht des aktuellen Tabellenführers Blau-Weiß 90 Berlin schien ein Unentschieden die optimale Sache am gestrigen Abend. Auf Sieg spielten indes beide Teams. Ein Abtasten gab es vor den 133 zahlenden Zuschauern nicht. Sogleich mit offnem Visier ging es zur Sache, und der Rostocker Angreifer Djibril N Diaye zeigte nach einer Ecke mal gleich, wo der Hammer hängt. Mit Schmackes klatschte der Ball an die Latte. Rostock machte weiter Druck, doch die Charlottenburger ließen sich nicht lumpen, und Hassan Oumari machte nach einer Ecke das 1:0 für den Gastgeber klar.    Der Rostocker FC zeigte sich nicht geschockt. Ganz im Gegenteil. Nun wurde gezeigt, was in der Mannschaft steckt! Rackzack wurde sich durch den Strafraum kombiniert, in der 26. Minute schloss Obinna Johnson Iloka zum 1:1 ab. In der Folge ließ keine Seite locker. Nach einer halben Stunde blieb der Rostocker Kevin Mbengani angeschlagen liegen, doch die Partie ging weiter. Kemal Atici schnappte sich den Ball, stürmte nach vorn und machte fast das 2:1 für den CFC Hertha 06. In der 39. Minute gab es dann das nächste Tor des Abends zu sehen, doch wurde dieses von Obinna Johnson Iloka geschossen. Jubel, Trubel, Heiterkeit - und ein doppelter Salto. 2:1 für Rostock!   Wiederum die passende Antwort hatten die Charlottenburger in der 50. Minute parat. Nach einer Ecke köpfte Rifat Gelici zum 2:2 ein. Nur zwei Minuten klingelte es wieder fast im Rostocker Gehäuse. Ein Freistoß aus zentraler Position klatschte an den Querbalken, in der Folgesituation konnte die Rostocker Abwehr vor der Linie klären. In der Folge hatten die Gäste noch eine 1a Möglichkeit nach einem Konter, in der Schlussphase hatten die Charlottenburger etwas mehr von der Partie, konnten aber keine weitere Bude machen. Am Ende der fairen und sehr ansehenswerten Partie ging das 2:2 sicherlich unter dem Strich in Ordnung. Erleichtert zeigte man sich beim Tabellenführer Blau-Weiß 90, der in anderthalb Wochen den Rostocker FC bei sich im Volkspark Mariendorf zu Gast haben wird.    Infos und Bestellmöglichkeit zum erwähnten Buch „Fußballheimat Mecklenburg-Vorpommern“ gibt es hier: www.marco-bertram.de Fotos: Marco Bertram, Ulf Lange (Fußballfotografie) > zur turus-Fotostrecke: Rostocker FC 1895

Jetzt in der App abspielen

Glück Auf zum Nachbarschaftsderby zwischen Wismut und Empor / Hansa

26.04.2022 00:00:00

Schon in tiefsten DDR Oberligazeiten bin ich gerne nach Aue gefahren. Es war, mit Motor Suhl, die längste mögliche Auswärtszugfahrt. Wir waren tatsächlich drei Tage für 90 Minuten Fußball unterwegs. Am Abend um 23.11 Uhr ging es mit dem D 729 "Chemnitzer" ab Rostock bis Karl-Marx-Stadt. Für 6,50 Mark besorgte ich uns Liegeabteile, so dass wir von Ordnern und Trapo unbehelligt waren. Ankunft war in "Kalle Malle" um 7.29 Uhr. Der nächste mögliche Personenzug fuhr als P 18616 erst um 10.04 Uhr, so dass die Wartezeit in der Mitropa bei Bockbier und "Elfmeterschnaps" überbrückt wurde. Erst um 11.44 Uhr war unser Zug in Aue. Unterwegs wurden den Schafen, Bauern und Bergarbeitern freundlich aus dem Zug zugewunken, allerdings wurde auch etwas Leergut verschenkt. In Aue wartete dann ein kleines Polizeiaufgebot auf unseren 150 bis 200-köpfigen Trupp. Wir konnten uns auf ein Bergmannsbier noch schnell entfernen, während ein Teil der Hansafans verhaftet wurde oder gleich zum Gästeblock gebracht wurde. Die Rückreise verlief dann ähnlich wie die Hinfahrt, allerdings über Leipzig und Berlin, und mit dem Ostseeexpress D 328 hatte uns Rostock am Sonntag um 2.42 Uhr wieder.   Zur Reise in die Vergangenheit fuhr diesmal sogar ein Sonderzug von Rostock nach Aue, allerdings brauchte man dafür nur den kompletten Sonntag. Ich selbst war bereits ein paar Tage vorher im Erzgebirge, so dass ich noch etliche Eintrittskarten in Zwickau und Annaberg Buchholz kaufen konnte. Leider waren die 1.700 Gästekarten sofort ausverkauft, daher wollten viele Hansafans sich direkt Karten kaufen. Aue machte nur einen Onlineverkauf an Mitglieder und Dauerkarten-Inhaber. Auch die offiziellen Kartenverkaufsstellen sollten nicht an Rostocker verkaufen.   Im schönen Brauereihotel Zwönitz machte ich mit weiteren Hansafans Quartier. Neben dem hervorragenden Bier und zwei langen Abenden mit dem Stadt- und Kneipenführer Werner besuchten wir auch ein Schaubergwerk. Die Einheimischen waren sehr freundlich zu uns, so dass ich immer wieder gerne im Erzgebirge bin.   Am Spieltag fuhren wir auf einen der ungepflasterten Parkplätze, wobei uns hier "Honsa" ein Parkticket für drei Euro ins Auto reichte. Bissel viel Chaos, aber so viele Gästefans sind auch nur zweimal im Jahr. Das einstige Otto-Grotewohl-Stadion war mit seinem Fassungsvermögen von 25.000 Zuschauern bereits zu DDR-Zeiten eine der schönsten Anlagen. Früher gab es eine überdachte Tribüne, welche eine langgezogene Überdachung in die Kurven auswies. Dazu die tolle Lage im Lößnitztal, welches von vielen Bäumen umgeben ist. In diesen Hängen gab es damals immer zirka 100 "Schwarzgucker", welche sich die 80 Pfennige Eintrittsgeld sparten.    Auch diesmal konnte ich einen Aue-Fan entdecken, welcher sich sogar eine überdachte Fanhütte gebaut hatte. Auf dieser überdachten Tribüne versammelten sich in DDR-Zeiten viele Aue-Fans, welche mir mit ihren Aue-Rufen in Erinnerung geblieben sind.   Beim Spiel am vergangenen Sonntag hatten wir Karten für den Nebenblock des Gästeblocks. Dank der freundlichen Ordner wurde uns ein langer Umweg erspart, so dass extra zwei Tore vom Gästeblock aufgeschlossen wurden. Hier hatten sich 50 Hansafans verteilt, meist Kinder und ältere Fans. Im gleichen Block befand sich auch die örtliche Hool-Szene, welche uns natürlich "ableuchtete". Beim Rausgehen wurde einem 62-jährigen Hansafan sein Hansa-Schal geruppt. Der "Held" hatte ihn bestimmt noch mit Ketschup beschmiert, so dass er von einer Schlacht mit Rostockern berichten konnte.   Der Aue-Block war auch gut gefüllt und das Steigerlied kam wirklich beeindruckend rüber. Fast 11.000 Zuschauer sind ja in Aue auch nicht so oft mit von der Partie. Rund 2.500 Zuschauer, davon wohl 2.000 im völlig überfüllten Gästeblock, sorgten für Stimmung und Dampf. Mein Auer Nachbar meinte zu seinem Kumpel: "Die Rostocker grillen wieder". Ich antworte ihm:"Ja, aber Möwen.".    Hansa schenkte Aue schnell ein Eigentor, aber ein Elfmeter wurde durch John Verhoek zum 1:1 verwandelt und ließ uns weiter auf den ersten Auswärtssieg seit 55 Jahren hoffen. Noch vor der Halbzeit gelang Aue die 2:1-Führung. Die Fans aus Aue brüllten nochmals lautstark ihr "Wismut Aue!". In der zweiten Hälfte gelang uns in der 52. Minute der 2:2 Ausgleich durch Hanno, aber der mögliche Auswärtssieg wurde etwas unnütz verschenkt.   Irgendwie passend zur Mottofahrt "80er & 90er", denn Auswärtssiege von Hansa gab damals so oft wie Schnee zu Weihnachten im Norden. Toll anzusehen war das Fahnenmeer am Gästezaun. Tolle Schmuckstücke wurden aus dem Keller und diversen Koffer ausgegraben. So erblickte unter anderen auch die Zaunfahne vom Hansa-Fanclub "Udopia Zwickau" mal wieder das Tageslicht. Ebenso schön anzusehen waren die alten Stoffe der Suptras, von "Vier Tore Power Neubrandenburg", der "Durstigen Schweriner", der "Viecher" und der Wolgastä.    Ich brauchte nach Abpfiff noch nicht mit dem Zug zurück nach Rostock fahren, daher konnten wir im Ursprungsland von Hansa bzw. Empor noch unsere "Aufstiegsfeier" veranstalten. Glück Auf an Wismut Aue, dann sehen wir uns vielleicht in 55 Jahren zum Auswärtssieg wieder!    Nachtrag: Man munkelt, dass bereits alte Fotos gesichtet, in alten Heften gestöbert und erste Interviews geführt werden. Band II vom Hansa-Wälzer "Kaperfahrten" ist bereits in Arbeit. Wer sich noch Band I zulegen möchte: "Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See" auf www.marco-bertram.de Bericht: Heiko Neubert Fotos: Heiko Neubert, Christopher, Aumi > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock

Jetzt in der App abspielen

Old School im Volkspark Mariendorf: Eierlikörchen im Schokobecher

25.04.2022 00:00:00

So, Kinder, Ihr habt die Wahl: Mit der Straßenbahn nach Schöneiche, wo Germania die Concordia empfängt. Mit der S-Bahn schön durch die Walachei nach Schönfließ, wo Fortuna Glienicke die Ahrensfelder zum Tänzchen bittet. Oder aber klassisch der kurze Sprung in den Volkspark Mariendorf, wo die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin die TSG Neustrelitz empfängt. Mir war es gleich. In Schöneiche hätte ich gern einen befreundeten Journalisten getroffen und mich auf frisch gezapftes tschechisches Bier gefreut, in Schönfließ hätte ich Neuland betreten und zudem vielleicht ein paar mir bekannten Ahrensfeldern Hallo gesagt, bei Blau-Weiß würde es halt wieder sehr familiär werden.Die Antwort fiel eindeutig aus. „Felix und ich wollen zu Blau-Weiß 90!“, schrieb mir Dominik kurz und bündig via WhatsApp. Allerdings stellte der jüngere Sohnemann noch eine Bedingung. Er komme nur mit zum Fußball, wenn in seinem Brötchen gleich zwei dieser leckeren Bratwürste liegen würden. Juut, das bekäme man auch noch irgendwie hin, wenngleich er als Sechsjähriger wohl kaum zwei würzige Wurstriemen verdrücken würde.  Da Blau-Weiß 90 Berlin aktuell seine Tabellenführung in der NOFV-Oberliga verteidigen möchte, war mir das Heimspiel gegen die TSG Neustrelitz auch sehr genehm. Zumal die Anreise deutlich kürzer ausfallen würde als nach Schöneiche oder Schönfließ. Von der U-Bahn-Station Westphalweg ging es die gleichnamige Straße hinunter, bis linke Hand ein kroatisches Restaurant mit süffigem Balkan-Bier lockte. Die Sonne schien, und auf der Terrasse hatten es sich bereits sechs Blau-Weiße gemütlich gemacht. Allerdings musste für Getränke schon mal tief in die Schatulle gegriffen werden. Drei Euro für eine 0,2er Cola und ein satter Fünfer für den halben Liter kroatischen Gerstensaft sind dann doch eine deutliche Hausnummer. Aber gut, bei älteren Mariendorfer Witwen und gutbürgerlichen Ehepaaren scheint es auf die eine oder andere Kröte nicht so anzukommen. Bei Božo und Dragan kehrt man gerne ein.   Die 2,50 für das 0,4er Bier im Volkspark Mariendorf erschienen im Vergleich allerdings wohltuend und motivierend, zumal das kroatische Zapfgut bei weitem nicht so sämig war wie in der Erinnerung. Vielleicht sollte man dort dann doch lieber die Berliner Molle bestellen. Egal! Nun hieß es erst einmal, das Versprechen beim jüngeren Spross einzulösen. Kaum wurde die Tribüne betreten, sollten die zwei Würste kommen. Ich schickte den Größeren zum Grillstand und erklärte ihm, dass die Wurst geteilt und somit das Brötchen doppelt belegt werden solle. Hatte 1a funktioniert! Es ging Felix schließlich nicht allein um die Masse, sondern um den Anblick. Er hatte das halt mal irgendwo auf einem Video gesehen.   Wurst gut, alles gut? Nicht ganz! Der Ketchup kleckerte und ein Stück Wurst kullerte kurzzeitig auf den Schoß. Kein Problem für Felix, umso größer die Sorgenfalten bei seinem großen Bruder. Schließlich sei es ursprünglich sein Trikot gewesen, das Felix nun tragen durfte. Den Tränen nahe hockte er auf den Stufen, und ich wurde von anderen Zuschauern gefragt, was denn los sei. Musste nicht verstehen! Ich atmete tief durch und wollte es nicht bereuen, gleich mit beiden zum Fußball gegangen zu sein. Um es vorweg zu nehmen: Nach der kleinen Wursterei benahmen sich die Beiden top und es wurde ein wahrlich dufter Fußballtag.   Zu weiteren kulinarischen Genüssen komme ich später. Nun erst einmal zum Sportlichen. Ein Blick auf die Tabelle besagt folgendes. Die TSG Neustrelitz (19) hat nach dem Rostocker FC (18) die beste Abwehr der Liga. Zwar hat Blau-Weiß 90 Berlin mit 50 Toren den zweitbesten Sturm hinter dem Rostocker FC (56), doch wurde die Statistik auf dem Papier am vergangenen Samstagnachmittag Programm. Gegen Neustrelitz taten sich die Blau-Weißen vorne sehr schwer, und es wurde einfach kein probates Mittel gefunden, um das Bollwerk der Residenzstadt-Kicker zu knacken.    Dass mit der TSG auch vorn zu rechnen ist, wurde gleich in der Anfangsphase deutlich, als Artur Dawid Bednarczyk über die rechte Seite für Gefahr sorgte, und das Ganze zur Ecke geklärt werden konnte. Wenig später versuchte es auf der Heimseite Rico Steinhauer aus der Distanz, und der Ball landete auf dem oberen Außennetz. Blau-Weiß 90 erhöhte nun den Druck, und es schien zu jenem Zeitpunkt nur eine Frage der Zeit, bis der Ball im Netz landen würde. Nach einer halben Stunde sorgte Gelicio Aurelio Banze für Gefahr, und von den Rängen ertönte ein „Bewegung! Zack, zack!“ Es nutzte nichts, der Ball wollte nicht rein. Mit einem Gesang wurden die blau-weißen Spieler zum Pausentee verabschiedet.    Zu Beginn der zweiten Halbzeit ging der Trommelstock kaputt. Und das zum ersten Mal nach 30 Jahren! Mit einem Lachen wurde er den anderen Fans präsentiert, notdürftig repariert konnte es wenig später weitergehen. Apropos 30 Jahre. Zur Auswärtsfahrt nach Pampow wird es den ersten blau-weißen Fanbus seit 30 Jahren geben. Bock? Aber klar, ich ließ mir mal gleich zwei Plätzchen reservieren. Es wäre mir eine große Ehre, mit der alten blau-weißen Garde, die teilweise bereits Zweitligazeiten (und Erstligazeiten) erlebt hatte, im Bus nach Pampow vor den Toren Schwerins zu fahren. Das klingt nach absolutem Revival und Old School par excellence. Die Fahrt würde so oder so stattfinden. Ganz gleich, ob der Aufstieg noch drin sei oder nicht. Ob dieser sportlich wirklich machbar sei? Gute Frage. Gegen die Neustrelitzer taten sich vor allem im zweiten Spielabschnitt die Blau-Weißen sehr schwer. Allerdings schienen die Gäste aus McPom bereits in der 75. Minute mit einem Pünktchen zufrieden und kästen sich leider allzu sehr aus, wenn der Ball für Abstöße oder Einwürfe geholt werden musste. Nicht ganz zufrieden war man auf Heimseite zudem mit dem Schiedsrichter.  Ein Törchen sollte an jenem sonnigen Nachmittag nicht mehr fallen. Die TSG Neustrelitz rückt dem Ziel näher, die beste Abwehrbilanz der Liga aufweisen zu können. Allerdings kam auch der Rostocker FC am Sonntag wieder in Fahrt und konnte mal eben mit 3:0 bei den Amateuren des F.C. Hansa Rostock gewinnen. Was den ärgsten Verfolger Greifswalder FC betraf, so wettete ich auf ein Unentschieden auswärts in Pampow am Samstagabend. Dieses sollte es dann tatsächlich auch geben. Vor 320 Zuschauern trennte man sich am Gartenweg mit 1:1. Demzufolge hatte sich nicht allzu viel verändert, außer das der zwischenzeitlich etwas schwächelnde Rostocker FC wieder Boden gut machen konnte. Dieser kann jedoch in zwei Wochen aus eigener Kraft im Volkspark Mariendorf auf Abstand gehalten werden. Was ich zu jener Partie sagen würde, wurde ich gefragt. Keine Ahnung, der RFC sei schließlich nicht der F.C. Hansa.   Aber ja, auch bei den Amateuren von Hansa Rostock wird am 14. Mai noch die blau-weiße Visitenkarte abgegeben. Kurzum: Die Spiele gegen die McPom-Vertreter könnten richtungsweisend sein. Und darauf erst einmal ein Eierlikörchen! Das Leben müsse schließlich irgendwie weitergehen. Die Schokobecher wurden ausgepackt, und der Eierlikör wurde ausgeschenkt. In Kindheitserinnerungen schwelgend naschte die blau-weiße Runde auf der Dachterrasse des Volksparks Mariendorf das gelbe Zeug weg wie nischt. In teils angeknabberte Becher wurde noch einmal eingeschenkt, ohne dass der berühmte Satz aus dem Film „Der Junge muss an die frische Luft“ gesagt werden musste.   Wenig später wurde auf einer sonnigen Terrasse eines Imbissrestaurants über Vergangenheit und Zukunft philosophiert. Über „Sportliche Vereinigungen“ und „Spielvereinigungen“. Über eingetragene Vereine und die wichtige Rolle von Herrn Meister bei Blau-Weiß 90. Ohne ihn würde man wieder Bezirks- oder Landesliga spielen. So viel sei sicher. Am Ende sei es manch einem Älteren egal. Ob dort unten auf dem Rasen die TSG Neustrelitz oder der FC Concordia Wilhelmsruh spielt, es kämen doch immer die gleichen 100 Leute. Und das Wichtigste sei es doch, an Spieltagen all die langjährigen Freunde zu treffen. Da sei die Liga doch fast egal. Aber gut, solch ein Busreise nach Pampow habe natürlich auch etwas. Und selbstverständlich würde man sich über eine Saison in der Regionalliga Nordost freuen. Dann könnte vielleicht öfters ein Bus gebucht werden, um sicher und in der Gemeinschaft zu Chemie Leipzig und Energie Cottbus zu reisen. Wir werden sehen. Abgerechnet wird im Juni - und auf die Fahrt nach Pampow freuen wir uns so oder so! Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin

Jetzt in der App abspielen

FK Jablonec vs. Slavia Prag: Eine polnische Prise im Gästeblock

25.04.2022 00:00:00

Zum 29. und somit vorletzten Spieltag der regulären Runde in der ersten tschechischen Spielklasse empfing der FK Jablonec die überregional bekannten Jungs von Slavia Prag. Die Fronten waren bereits vor Spielbeginn klar geklärt, während die Gastgeber aus Jablonec im Tabellenkeller um den Abstieg kämpfen, brauchen die Hauptstädter wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft. Der Kampf um den Titel ist dieses Jahr nämlich überraschend spannend und wird zwischen Viktoria Pilsen, Slavia Prag und Sparta Prag ausgespielt. Wenn ein Verein wie Slavia Prag durch Tschechien reist, dann sind viele Zuschauer fast vorprogrammiert. Erstmals in der laufenden Spielzeit wurde in Jablonec die gesamte Hintertortribüne für den Gästeanhang geöffnet und zumindest auch gut ausgefüllt. Etwas mehr als 4.000 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion - darunter geschätzte 500 Gäste hinter dem Tor und zahlreiche Anhänger Slavias auf der Gegentribüne.    Der amtierende Meister konnte leider keinen positiven Schwung aus den beiden KO-Spielen gegen Feyenoord Rotterdam in der Conference League mitnehmen und unterlag dort schlussendlich ganz knapp nach zwei sehr aufreibenden Spielen. Bereits beim Heimspiel gegen Rotterdam bekamen die Rot-Weißen zahlreiche Unterstützung ihrer Freunde aus Sosnowiec. Einige dieser motivierten Jungs sollte vor allem in der zweiten Spielhälfte in Aktion treten.    In der ersten Halbzeit plätscherte nämlich nicht nur das Geschehen auf dem Rasen, sondern auch die Unterstützung von den Rängen etwas vor sich hin. Der kleine Ultra-Mob der Gastgeber, unterstützt von ein paar Anhängern von KS Karkonosze Jelenia Góra, war stets bemüht und wusste durchaus zu gefallen, während die Monotonie im Gesang der Gäste doch eher langweilte. Ein grober Torwartfehler besorgte zumindest noch die sehr schmeichelhafte Pausenführung für Slavia Prag.    Bereits in der Pause erblickten meine müden Augen ein wenig Bewegung im Gästeblock. Der eigentlich als Gästeblock gekennzeichnete Bereich auf der rechten Seite, der bereits das ganze Spiel über voll beflaggt erschien, wurde etwas voller. Am Trennzaun zum Heimbereich und in perfekter Blickrichtung für die Jablonecer Ultras wurden zwei offenbar entwendete Banner der Gastgeber befestigt und schlussendlich im typischen polnischen Stil verbrannt.    Abgerundet wurde die ganze Szenerie von einer kleineren Choreo und ein wenig Beleuchtung. Aber auch ohne diese optisch ansprechende Aktion wurde der Gästeanhang immer euphorischer und lauter und machte die noch langweiligere zweite Halbzeit zumindest für die Ohren ein wenig attraktiver. Auf dem Rasen erzielte Slavia kurz vor Schluss das Partie den beruhigenden Treffer zum 0:2 und konnte sich den sehr schönen Anschlusstreffer in der Nachspielzeit problemlos gefallen lassen.  Bericht: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram) Fotos: Los Misenas, "schwarze_natascha"  > zur turus-Fotostrecke: Slavia Praha

Jetzt in der App abspielen

Endspurt: Starker Auftritt von Preußen Münster bei Rot-Weiß Oberhausen

25.04.2022 00:00:00

"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", lautet ein Sprichwort. Aber eine Schwalbe kann eine sportliche Vorentscheidung bringen. So wie gestern, als der Torwart von Rot-Weiß Oberhausen Justin Heekeren in der 75. Spielminute aus Sicht des Schiedsrichter Timo Gansloweit im Strafraum scheinbar Nicolai Remberg von Preußen Münster regelwidrig legte und die Adlerträger dafür einen Elfmeter abstauben konnten. Was der Unparteiische nicht sah: Der RWO-Schlussmann berührte den Ball, aber nicht den Preußen Spieler. Ok, Hand aufs Fußballerherz: Nimmt jeder mit so eine Chance auf ein schnelles Tor, die Preußen Münster aber eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, denn sportlich hatten sie Oberhausen über weite Strecken des Spiels fest in ihren Adlerklauen. Die Regionalliga West steuert auf das Saisonfinale zu und es bleibt hochspannend, da vor allem Preußens ärgster Konkurrent Rot-Weiss Essen einige Matchbälle nicht gewinnbringend nach Hause schaukeln konnte. Mit vermeidbaren Punktverlusten gegen Fortuna Köln, Ahlen, Aachen und der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach bremste sich der Klub von der Hafenstraße in den letzten Wochen selber aus. Von dem idiotischen Böllerwurf und die daraus (richtige) resultierende Punkteweitergabe an Münster mal ganz zu schweigen. Aufstiegs-Konkurrent Preußen Münster raufte sich dagegen eindrucksvoll zusammen und steigerte sich (bis auf das Spiel in Lippstadt) von Match zu Match und hat manchmal halt auch das Schiedsrichterglück auf seiner Seite, beispielswiese wie beim Spiel in Wuppertal, wo lange nachgespielt wurde (96. Minute), bis der Ausgleich für den SCP 06 dann doch noch fiel.Aber man kann das Schiedsrichterglück auch erzwingen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Im Vergleich zu den Spielen, die wir in dieser Saison von den Adlerträgern gesehen haben (in Velbert gegen Uerdingen, in Wuppertal, in Essen), zeigte der gestrige Auftritt, wie willensstarker und hochmotivierter das Team um Trainer Sascha Hildmann geworden ist. Alle bilden eine Einheit, ob Fans, Spieler oder Staff. Da wird sich gegenseitig gepusht und das nicht nur im Spiel, sondern schon beim Aufwärmen und Warmschießen. Sie haben die Reihen geschlossen, während es in anderen Klubs intern rumort. Preußen Münster kann dazu auch knappe Siege einfahren und weiß abseits und auf dem Platz trickreich zu bestehen. Okay, Spiele abzusagen (Fortuna Köln) wegen eines gefrorenen Rasen bei 15 Grad und Sonne, obwohl man sich wahrscheinlich eigentlich nur auskurieren wollte, fanden jetzt selbst eingefleischte Preußen-Fans etwas merkwürdig. Alles unnötige Nebengeräusche, genauso wie die Zeit zu schinden nach vermeintlichen Fouls beim gestrigen Spiel, denn Preußen Münster hatte Oberhausen total im Griff. Rot-Weiß Oberhausen schenkte das Spiel natürlich nicht ab, aber hatte vor allem in der ersten Hälfte kaum was gegen die stark agierenden Münsteraner entgegenzusetzen. RWO fand eigentlich gar nicht statt. Folgerichtig fiel in der 21. Spielminute das 1:0 für die Preußen durch Jules Schwandorf. Umjubelt von gut 2.500 mitgereisten SCP Fans unter den insgesamt 5.847 Zuschauern, die in den beiden ihnen zugewiesenen Blöcken im Schatten des Rhein-Herne Kanals ordentlich Alarm machten, auch wenn der Dauersupport phasenweise mit immer dem gleichen Lied etwas eintönig rüberkam. Ach ja: Der Gästeblock blieb gestern ausnahmsweise einmal pyrofrei. Keine Fackeln und kein Rauchtöpfchen wie in den letzten Heim- und Auswärtsspielen unterstützten als Stilmittel den Support.Frenetisch angetrieben von den eigenen Fans wollten die Preußen direkt nachlegen und spielten Oberhausen fast schwindelig. Nur Dank des glänzenden RWO-Keepers Justin Heekeren ging es mit der knappen Führung in die Pause. Aber kurz vor dem Halbzeitpfiff ein kurzer Schockmoment in der Kanalkurve und wahrscheinlich ein Jubelschrei auf den Lippen der Rot-Weiss Essen Fans vor ihren Streaminggeräten (das Spiel wurde auch mit dem hauseigenen RWE Kommentator ins Internet gestreamt): RWO konnte doch mal einen Angriff kreieren und die Preußen-Abwehr war einen Moment unachtsam, sodass der Ball Jerome Propheter vor die Füße fiel. Dieser wollte den Ball mit Wucht ins Tor zimmern, er traf aber nur die Latte.Wer weiß wie das Spiel bei einem Stand von 1:1 weitergegangen wäre, denn nach der Pause agierte Oberhausen mutiger und offensiver, hätte sich aber fast das 0:2 gefangen, als Gerrit Wegkamp aus zehn Metern abzog, aber nur den Pfosten traf. Fast im Gegenzug dann der Ausgleich, aber Jerome Propheter hatte wieder Pech. Sein Schuss ging ebenfalls an den Pfosten. Das Spiel war nun etwas offener, aber auch von Fouls auf beiden Seiten und vielen „schauspielerisch erspielten“ Unterbrechungen auf Seiten der Adlerträger geprägt. Der Schiedsrichter hatte aber kein Interesse, diese Art des Zeitspiels zu unterbinden. So konnten die Preußen zwischen der 60. und 75. Spielminute den RWO- Spielfluss erfolgreich unterbinden und versuchten so das Match für sich über die Zeit zu retten oder halt anders.RWO drängte auf den Ausgleich und die Schützenhilfe für den Essener Rivalen, aber Münster spielte clever mit feinen Pässen in die Tiefe. In der 70. Spielminute war es Deniz-Fabian Bindemann, der im Strafraum in einer 1:1 Situation seinen Meister im RWO-Keeper fand und dazu noch die gelbe Karte sah nachdem er ohne Rücksicht auf die Verletzung des Schlussmanns einfach durchzog. Fünf Minuten später tauchte dann Nicolai Remberg im Strafraum auf und versuchte den Keeper zu umkurven. Der Keeper berührte den Ball und Remberg nutzte die kürzeste Ausfahrt zur Spielentscheidung, da auch der Schiedsrichter Timo Gansloweit wie eingangs erwähnt nix dagegen hatte. Schwalbe oder Elfmeter? Keine leichte Entscheidung, in Bruchteilen von Sekunden das Richtige zu tun. Da entscheiden auch Schiedsrichter auf Top-Niveau schon einmal verkehrt. Auch gibt es sowas wie den Videobeweis gar nicht in der Regionalliga. Sollte es aber auch nicht, das zerstört die Emotionalität des Fußballs und dann würde ja die ganze Aufgeregtheit verschwinden. Trotzdem sind manche, wenn auch kleine fehlerhafte Entscheidungen dann so gravierend, dass sie nicht nur einen Spielverlauf, sondern damit auch den Saisonverlauf bestimmen können. Vor zwei Wochen beim Spiel von Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen wurde der Essener Felix Herzenbruch in der dritten Spielminute im Strafraum gelegt. Ein klares Foul, was aber Herr Gansloweit nicht so sah und Herzenbruch für die angebliche Schwalbe noch mit einer gelben Karte bestrafte. Das Spiel endete für RWE mit einem Punktverlust (1:1), was aber nicht am Schiedsrichter, sondern zu 100 Prozent an Essen selber und den vielen vergebenen Chancen lag. Aber die unnötige gelbe Karte des Esseners Spielers, war die fünfte in Folge, sodass er beim RWE Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach pausieren musste. Das Ende ist bekannt: Ein nicht schön anzusehendes 1:1 und der nächste Punktverlust im Aufstiegsrennen für RWE. Ob Essen mit dem gegebenen Elfer in Aachen gewonnen hätte oder das nachfolgende Spiel gegen BMG2 mit einem Felix Herzenbruch auch positiver hätte gestalten werden können, kann man nicht sagen. Auch kann man nicht sagen, ob der Ausgang des Spiels von Preußen Münster bei Rot-Weiß Oberhausen anders gewesen wäre, wenn Herr Gansloweit den Elfmeter nicht gepfiffen und Henok Teklab diesen nicht verwandelt hätte. „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Am Ende liegt es nicht am Unparteiischen, sondern am Team selber, wie man ein Spiel erfolgreich gestaltet und mit welchen Mitteln auch immer man einen Sieg erzwingt. Der Schiedsrichter sollte nicht als Ausrede für das eigene Unvermögen herhalten. Preußen Münster wollte den Sieg (am Ende 0:3) gestern unbedingt und sie haben ihn sich mehr als verdient geholt. Noch sind drei Saisonspiele zu gehen. Mit zwei Punkten vor Rot-Weiss Essen haben es die Adlerträger selber in der Hand den Aufstieg in die dritte Liga nach zwei Jahren Regionalliga West festzumachen. Am kommenden Freitag gastiert der schon abgestiegene KFC Uerdingen im Preußen Stadion. Sorry, KFC: Nach dem Auftritt in der Grotenburg gegen den VfB Homberg, bei dem nur die Fans top waren, muss man mit einem großzügigen Ausbau des Torverhältnis der Adlerträger rechnen. Am 6. Mai spielen die Preußen dann in Wiedenbrück, bevor der Saison-Showdown dann im Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln (ohne Profis) stattfindet.Wer braucht schon Bundesliga? Wir bleiben dran an der Regionalliga West, die (aus Sicht des Autors) spannendste Liga in Deutschland ;-)> zu den Rot Weiß Oberhausen Fotos > zu den Preußen Münster Fotos  

Jetzt in der App abspielen

Endspurt: Starker Auftritt von Preußen Münster bei Rot Weiß Oberhausen

25.04.2022 00:00:00

"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", lautet ein Sprichwort. Aber eine Schwalbe kann eine sportliche Vorentscheidung bringen. So wie gestern, als der Torwart von Rot Weiß Oberhausen Justin Heekeren in der 75. Spielminute aus Sicht des Schiedsrichter Timo Gansloweit im Strafraum scheinbar Nicolai Remberg von Preußen Münster regelwidrig legte und die Adlerträger dafür einen Elfmeter abstauben konnten. Was der Unparteiische nicht sah: Der RWO-Schlussmann berührte den Ball, aber nicht den Preußen Spieler. Ok, Hand aufs Fußballerherz: Nimmt jeder mit so eine Chance auf ein schnelles Tor, die Preußen Münster aber eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, denn sportlich hatten sie Oberhausen über weite Strecken des Spiels fest in ihren Adlerklauen. Die Regionalliga West steuert auf das Saisonfinale zu und es bleibt hochspannend, da vor allem Preußens ärgster Konkurrent Rot-Weiss Essen einige Matchbälle nicht gewinnbringend nach Hause schaukeln konnte. Mit vermeidbaren Punktverlusten gegen Fortuna Köln, Ahlen, Aachen und der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach bremste sich der Klub von der Hafenstraße in den letzten Wochen selber aus. Von dem idiotischen Böllerwurf und die daraus (richtige) resultierende Punkteweitergabe an Münster mal ganz zu schweigen. Aufstiegs-Konkurrent Preußen Münster raufte sich dagegen eindrucksvoll zusammen und steigerte sich (bis auf das Spiel in Lippstadt) von Match zu Match und hat manchmal halt auch das Schiedsrichterglück auf seiner Seite, beispielswiese wie beim Spiel in Wuppertal wo lange nachgespielt wurde (96. Minute) bis der Ausgleich für den SCP 06 dann doch noch fiel.Aber man kann das Schiedsrichterglück auch erzwingen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Im Vergleich zu den Spielen, die ich in dieser Saison von den Adlerträgern gesehen habe (in Velbert gegen Uerdingen, in Wuppertal, in Essen), zeigte der gestrige Auftritt wie willensstarker und hochmotivierter das Team um Trainer Sascha Hildmann geworden ist. Alle bilden eine Einheit ob Fans, Spieler oder Staff. Da wird sich gegenseitig gepusht und das nicht nur im Spiel, sondern schon beim Aufwärmen und Warmschießen. Sie haben die Reihen geschlossen, während es in anderen Klubs intern rumort. Preußen Münster kann dazu auch knappe Siege einfahren und weiß abseits und auf dem Platz trickreich zu bestehen. Okay Spiele abzusagen (Fortuna Köln) wegen eines gefrorenen Rasen bei 15 Grad und Sonne, obwohl man sich wahrscheinlich eigentlich nur auskurieren wollte, fanden jetzt selbst eingefleischte Preußen-Fans etwas merkwürdig. Alles unnötige Nebengeräusche, genauso wie die Zeit zu schinden nach vermeintlichen Fouls beim gestrigen Spiel, denn Preußen Münster hatte Oberhausen total im Griff. Rot Weiß Oberhausen schenkte das Spiel natürlich nicht ab, aber hatte vor allem in der ersten Hälfte kaum was gegen die stark agierenden Münsteranern entgegen zu setzen. RWO fand eigentlich gar nicht statt. Folgerichtig fiel in der 21. Spielminute das 1:0 für die Preußen durch Jules Schwandorf. Umjubelt von gut 2.500 mitgereisten SCP Fans unter den insgesamt 5.847 Zuschauern, die in den beiden ihnen zugewiesenen Blöcken im Schatten des Rhein-Herne Kanals ordentlich Alarm machten, auch wenn der Dauersupport phasenweise mit immer dem gleichen Lied etwas eintönig rüberkam. Ach ja: Der Gästeblock blieb gestern ausnahmsweise einmal Pyro frei. Keine Fackeln und kein Rauchtöpfchen wie in den letzten Heim- und Auswärtsspielen unterstützten als Stilmittel den Support.Frenetisch angetrieben von den eigenen Fans wollten die Preußen direkt nachlegen und spielten Oberhausen fast schwindelig. Nur dank des glänzenden RWO Keepers Justin Heekeren ging es mit der knappen Führung in die Pause. Aber kurz vor dem Halbzeitpfiff ein kurzer Schockmoment in der Kanalkurve und wahrscheinlich ein Jubelschrei auf den Lippen der Rot-Weiss Essen Fans vor ihren Streaminggeräten (das Spiel wurde auch mit dem hauseigenen RWE Kommentator ins Internet gestreamt): RWO konnte doch mal einen Angriff kreieren und die Preußen Abwehr war einen Moment unachtsam, so dass der Ball Jerome Propheter vor die Füße fiel. Dieser wollte den Ball mit Wucht ins Tor zimmern, er traf aber nur die Latte.Wer weiß wie das Spiel bei einem Stand von 1:1 weitergegangen wäre, denn nach der Pause agierte Oberhausen mutiger und offensiver hätte sich aber fast das 0:2 gefangen als Gerrit Wegkamp aus zehn Metern abzog, aber nur den Pfosten traf. Fast im Gegenzug dann der Ausgleich, aber Jerome Propheter hatte wieder Pech. Sein Schuss ging ebenfalls an den Pfosten. Das Spiel war nun etwas offener, aber auch von Fouls auf beiden Seiten und vielen „schauspielerisch erspielten“ Unterbrechungen auf Seiten der Adlerträger geprägt. Der Schiedsrichter hatte aber kein Interesse, diese Art des Zeitspiels zu unterbinden. So konnten die Preußen zwischen der 60. und 75. Spielminute den RWO- Spielfluss erfolgreich unterbinden und versuchten so das Match für sich über die Zeit zu retten oder halt anders.RWO drängte auf den Ausgleich und die Schützenhilfe für den Essener Rivalen, aber Münster spielte clever mit feinen Pässen in die Tiefe. In der 70. Spielminute war es Deniz-Fabian Bindemann der im Strafraum in einer 1:1 Situation seinen Meister im RWO-Keeper fand und dazu noch die gelbe Karte sah nachdem er ohne Rücksicht auf die Verletzung des Schlussmanns einfach durchzog. Fünf Minuten später tauchte dann Nicolai Remberg im Strafraum auf und versuchte den Keeper zu um kurven. Der Keeper berührte den Ball und Remberg nutzte die kürzeste Ausfahrt zur Spielentscheidung, da auch der Schiedsrichter Timo Gansloweit wie eingangs erwähnt nix dagegen hatte. Schwalbe oder Elfmeter? Keine leichte Entscheidung in Bruchteilen von Sekunden das richtige zu tun. Da entscheiden auch Schiedsrichter auf Top-Niveau schon einmal verkehrt. Auch gibt es sowas wie Videobeweis gar nicht in der Regionalliga. Sollte es aber auch nicht, das zerstört die Emotionalität des Fußballs und dann würde ja die ganze Aufgeregtheit verschwinden. Trotzdem sind manche wenn auch kleine fehlerhafte Entscheidungen dann so gravierend, dass sie nicht nur einen Spielverlauf, sondern damit auch den Saisonverlauf bestimmen können. Vor zwei Wochen beim Spiel von Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen wurde der Essener Felix Herzenbruch in der dritten Spielminute im Strafraum gelegt. Ein klares Foul, was aber Herr Gansloweit nicht so sah und Herzenbruch für die angebliche Schwalbe noch mit einer gelben Karte bestrafte. Das Spiel endete für RWE mit einem Punktverlust (1:1), was aber nicht am Schiedsrichter sondern zu 100 Prozent an Essen selber und den vielen vergebenen Chancen lag. Aber die unnötige gelbe Karte des Esseners Spielers, war die fünfte in Folge, so dass er beim RWE Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach pausieren musste. Das Ende ist bekannt: Ein nicht schön anzusehendes 1:1 und der nächste Punktverlust im Aufstiegsrennen für RWE. Ob Essen mit dem gegebenen Elfer in Aachen gewonnen hätte oder das nachfolgende Spiel gegen BMG2 mit einem Felix Herzenbruch auch positiver hätte gestalten werden können, kann man nicht sagen. Auch kann man nicht sagen, ob der Ausgang des Spiels von Preußen Münster bei Rot Weiß Oberhausen anders gewesen wäre, wenn Herr Gansloweit den Elfmeter nicht gepfiffen und Henok Teklab diesen nicht verwandelt hätte. „Hätte, hätte Fahrradkette“. Am Ende liegt es nicht am Unparteiischen, sondern am Team selber wie man ein Spiel erfolgreich gestaltet und mit welchen Mitteln auch immer man einen Sieg erzwingt. Der Schiedsrichter sollte nicht als Ausrede für das eigene Unvermögen herhalten. Preußen Münster wollte den Sieg (am Ende 0:3) gestern unbedingt und sie haben ihn sich mehr als verdient geholt. Noch sind drei Saisonspiele zu gehen. Mit zwei Punkten vor Rot-Weiss Essen haben es die Adlerträger selber in der Hand den Aufstieg in die dritte Liga nach zwei Jahren Regionalliga West festzumachen. Am kommenden Freitag gastiert der schon abgestiegene KFC Uerdingen im Preußen Stadion. Sorry KFC: Nach dem Auftritt in der Grotenburg gegen den VfB Homberg, bei dem nur die Fans top waren, muss man mit einem großzügigen Ausbau des Torverhältnis der Adlerträger rechnen. Am 6. Mai spielen die Preußen dann in Wiedenbrück bevor der Saisonshowdown dann im Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln (ohne Profis) stattfindet.Wer braucht schon Bundesliga? Wir bleiben dran an der Regionalliga West, die (aus Sicht des Autors) spannendste Liga in Deutschland ;-)> zu den Rot Weiß Oberhausen Fotos > zu den Preußen Münster Fotos  

Jetzt in der App abspielen

Anadoluspor Berlin 1970 II vs. SV Adler Berlin: Tumulte und Spielabbruch auf der Lohmühleninsel

25.04.2022 00:00:00

Lohmühleninsel?! Anadoluspor?! War da nicht mal was? Richtig. In der Saison 2018/19 ging es in der Kreisliga A bei beiden Aufeinandertreffen zwischen Anadoluspor Berlin 1970 II und dem FC Polonia Berlin hoch her. Nachdem das Hinspiel bei Polonia dermaßen hitzig war, gab es beim Rückspiel auf dem Kunstrasenplatz auf der Lohmühleninsel einen extra Spielbeobachter vom Verband und etwas mehr "Begleitschutz" auf Seiten des FC Polonia Berlin. Eine 20-minütige Spielunterbrechung sollte es damals dennoch geben...Drei Jahre später wurde es wieder heiß auf der Lohmühlensinel. Jedoch war dieses Mal nicht der FC Polonia Berlin, sondern der SV Adler Berlin zu Gast. Fangen wir indes von vorne an. So ging es nach meinem Besuch am letzten Mittwochabend in den Brandenburger Speckgürtel dieses Mal die fünfzehn Minuten Bus- und Fußweg zum in Kreuzberg gelegenen Sportplatz Lohmühleninsel, wo am Nachmittag die Partie der neunklassigen Kreisliga A Staffel 2 Berlin zwischen Anadoluspor Berlin 1970 II und dem SV Adler Berlin auf dem Programm stand.    Dort etwas mehr als eine Stunde vor Anpfiff ankommen, genoss man noch die zweite Halbzeit der mehr als unterhaltsamen achtklassigen Bezirksliga-Partie zwischen der ersten Mannschaft von Anadoluspor 1970 und der SG Rotation Prenzlauer Berg, welche die Heimelf doch verdient mit vier zu zwei für sich entscheiden konnte. Da ahnte ich noch nicht, dass ich vom eigentlichen Spiel nicht einmal solange etwas haben sollte.    Doch erstmal die sportliche Voraussetzungen für diese kommende Partie. Und hier hieß es höchste Abstiegsnot gegen (noch) leise Aufstiegshoffnungen. Die Heimelf, die nach dem erzwungen Rückzug des bisherigen Schlusslichts NSC Marathon nun zumindest sportlich auf dem letzten Platz lag, konnte zwar zwei ihrer letzten fünf Spiele gewinnen, dies jedoch gegen das ebenfalls stark abstiegsbedrohte Wacker Lankwitz II und gegen das eben genannte Marathon. Dennoch lag man vor diesem Spieltag mit 14 Punkten und 22 Spielen, 40:111 Toren und acht Punkten Rückstand auf das rettende Ufer auf dem fünfzehnten Platz und braucht so schon ein kleines Wunder, zur Rettung. Dagegen schielen die heutige Gäste vom SV Adler Berlin noch auf den Aufstieg, lag man doch aktuelle vor diesem Spieltag mit 45 Punkten aus 22 Spielen, 101:49 Toren und sechs Punkten Rückstand zum ersten Aufstiegsplatz von TuS Makkabi II auf dem vierten Platz, musste somit aber auch zwingend gewinnen, wollte man weiter an diesen Traum glauben.   Den Anfang machte jedoch völlig überraschend der Außenseiter von Anadoluspor, welcher bereits nach zwei Minuten nach einem Ballverlust zu einem Konter nutzte und im Eins gegen Eins aus zehn Metern die 1:0-Führung erzielen konnte. Diese sollte aber nicht lange halten, denn bereits vier Minuten später war es ein wunderbarer Kunstschuss von Adler Berlin vom rechten Strafraumrand ins lange Eck, der zum 1:1 Ausgleich führte. Wiederum nur drei Minuten später war es eine Kombination und ein Abschluss aus Nahdistanz, der mit dem 2:1 dieses Spiel zugunsten des Favoriten drehte.   Anadoluspor gab aber nicht auf, doch etwas Zählbares sprang dabei nicht raus, und man merkte den Frust der Gastgeber, welche mit der Zeit stetig zunahm. Etliche Schiedsrichterentscheidungen wurden harsch kritisiert und dies in einem Maße, welches später gravierende Folgen haben sollte.    Erstmal sorgte jedoch das 3:1 nach zwanzig Minuten nach einem Konter und der folgenden Eins-gegen-eins-Situation für die Vorentscheidung, ehe sieben Minuten darauf mit einem Ballverlust Anadoluspors nahe des eigenen Strafraums und des folgenden Angriffs das 4:1 für die Gäste erfolgte. Dies sollte es dann leider auch sportlich gewesen sein, denn nun kam der eigentlich skandalöse Teil des Nachmittages...   Der Frust auf Seiten des Gastgebers nahm zu und fand seinen Höhepunkt kurz nach dem 4:1 der Gäste nach einer knappen halben Stunde, als es nach einem an sich harmlosen Zweikampf zu Ungunsten der Gastgeber zu massiven Beschimpfungen des Trainers und Co-Trainers gegen den Schiedsrichter kam, welche mit roten Karten gegen mindestens einen der beiden endete. Daraufhin kam es in der Folge zu weiteren Beschimpfungen, Bedrohungen und auch (laut Augenzeugen der Gäste) Tritten und wohl einem Schlag in den Nacken oder an den Hinterkopf.    Da die Tumulte auch zu körperlichen Angriffen gegen den Unparteiischen führten, blieb in meinen Augen der Abbruch der Partie die einzig richtige Entscheidung. Doch auch als das Spiel bereits abgebrochen war, mussten einige aggressive Spieler von Anadoluspor immer noch von den eigenen Leuten zurückgehalten werden, während der Schiedsrichter (auch beschützt von den Gästespielern) das Feld verließ. Auf unrühmliche Art und Weise fand dieses Kreisligaspiel ein mehr als bitteres Ende. Man darf nun gespannt sein, welche Folgen dieser Spielabbruch für Anadoluspor haben wird.   Erstaunlicherweise blieb es drumherum völlig ruhig. Die Hitze des Gefechts war somit nur auf dem Platz festzustellen. Eingerahmt von zwei Kanälen und einer alten Industrieanlage stahlt diese Sportanlage prinzipiell eine Tiefenentspannung aus. Dass dieser erste Eindruck täuschen kann, wurde beim gestrigen Heimspiel gegen den SV Adler Berlin deutlich. Leider konnte man beim Anblick der hässlichen Szenen nur den Kopf schütteln und nach etwas über eine halben Stunde wieder den Heimweg antreten... Bericht & Fotos: Jannek81 / Groundhopping Berlin und Co. (externer Link)

Jetzt in der App abspielen

Germania Schöneiche vs. Concordia Buckow/Waldsieversdorf: Niklas Zulciak trifft und trifft und trifft

25.04.2022 00:00:00

Der Rahmen für das Spitzenspiel konnte besser nicht sein, und der SV Germania Schöneiche erwies sich als großartiger Gastgeber. Das begann an der Kasse mit dem freundlichen Damenteam, das wirklich jeden Gast herzlich begrüßte, ging weiter mit dem emsig flitzenden „Super-Trainer Henry“, der die Zuschauer-Versorgungspunkte auf dem Sportplatzgelände mit seinem Handwagen belieferte und reichte bis hin zum Stadionsprecher Gregor Radam, der kurzfristig für René Hofrichter einspringen durfte.Dank dieser guten Rahmenbedingungen zeigte sich auch Germania-Vorstandsvorsitzender Jens Wiedenhöft gut gelaunt und bedankte sich bei allen Helfern. Auf die Frage, ob man bei seinem SV schon für die Brandenburgliga plane, antwortete er noch vorsichtig: „Die Saison ist noch längst nicht vorbei. Ich sage mal so, wir planen zweigleisig.“    Komplimente von Danny Knofe  „Im Prinzip sind wir heute hergekommen, um Fußball zu spielen und den zweiten Platz in der Meisterschaft der Landesliga Süd der Saison 2021/22 zu sichern“, sagte der Trainer des FC Concordia Buckow/Waldsieversdorf Danny Knofe. „Ich denke, Germania Schöneiche ist durch und wird im Titelkampf kaum noch Punkte lassen. Wir haben einige Zähler auf anderen Plätzen verloren und müssen uns wohl mit der Vizemeisterschaft begnügen. Germania wird in die Brandenburgliga aufsteigen, was unter dem Strich dann auch verdient ist.“ Er machte dem Konkurrenten große Komplimente für die gute Arbeit, was sowohl den sportlichen Bereich als auch das komplette Umfeld betraf. Turbulenter Auftakt an der Babickstraße  Wer damit aber nun glaubte, Concordia würde nur mitspielen und dem Gastgeber das Geschehen auf dem Platz überlassen, sah sich schnell getäuscht. Nach 15 Minuten stand es auf dem Sportplatz an der Babickstraße sage und schreibe 3:0 für die Männer aus Märkisch Oderland. Die Schöneicher standen völlig neben sich und Concordia war ganz offensichtlich überrascht, dass ihnen das Toreschießen so einfach gemacht wurde.  Niklas Zulciak trifft und trifft und trifft  Das 1:0 für Concordia besorgte – na klar – Niklas Zulciak. Die Flanke kam von rechts von Kapitän Jonas Ehm. Zulciak nahm den Ball an und schlenzte dann wunderschön und unerreichbar für Germania-Torhüter Emmanouil Demenikos ins untere rechte Toreck ein. Das 2:0 besorgte Concordia-Mittelstürmer Ringo Kretzschmar, nach einem heillosen Durcheinander in der Germania-Abwehr. Im Anschluss war wieder Niklas Zulciak an der Reihe. Er schoss sein 31. Saisontor! Schöneicher Aufholjagd Die Gastgeber schüttelten sich nach diesem dreifachen Schock und spielten nun deutlich besser. Antreiber war insbesondere Regisseur Dominik Tuchtenhagen. Und tatsächlich: Vier Minuten nach dem 3:0 zappelte der Ball erneut im Tor. Diesmal auf der Gegenseite. Das 3:1 schoss wieder ein Concordia-Spieler, denn nach einer Ecke von Paul Mitscherlich lenkte Sebastian Fabianski den Ball unglücklich ins eigene Netz. Turbulent ging es vor 275 zahlenden Zuschauern weiter, denn in der 38. Minute sorgte Anton Hohlfeld mit dem Anschlusstreffer wieder für Spannung. Vorausgegangen war eine großartige Vorarbeit von Germanias Linksaußen Marco Spann.  3:2 für den FC Concordia Buckow/Waldsieversdorf zur Pause – dabei gab es hüben wie drüben weitere hochkarätige Tormöglichkeiten – brachte ordentlich Gesprächsstoff in den Fan-Lagern und natürlich den in den Kabinen. Schöneiches Trainer Oliver Richter und auch Danny Knofe konnten mit ihren Mannschaften nur bedingt zufrieden sein.  Paukenschlag direkt nach dem Seitenwechsel  Die zweite Halbzeit begann ebenfalls mit einem Paukenschlag. Nach einem riskanten Ausflug von Concordia Keeper Patryk Piotr Koniecko, er wehrte den Ball per Kopf weit vor seinem Kasten zu kurz ab, traf Marco Spann das leere Tor nicht.  Vorentscheidung nach Torwartfehler Die Vorentscheidung im Spiel gab es in der 73. Minute. Danny Knofe hatte kurz zuvor Stürmer Bartosz Barandowski eingewechselt. Von der linken Seite flankte er in die Mitte. Den an sich harmlosen Ball konnte Torhüter Emmanouil Demenikos nicht festhalten. Jonas Ehm „bedankte“ sich und wuchtete die Kugel über die Torlinie  Bis zur 82. Minute bleibe es beim 4:2 für die Männer des FC Concordia. Übergens hatte genau dieses Ergebnis Kapitän Jonas Ehm in einem Interview vor dem Spiel so vorhergesagt. Sein Mannschaftskamerad Stephan Carsten Ilausky legte in der 82. Minute dann aber noch einen drauf. Aus vollem Lauf zog Ilausky ab und traf ins äußerste linke Toreck.  Der FC Concordia Buckow/Waldsieversdorf hat verdient in Schöneiche gewonnen und beweist mit diesem Spiel, dass es wirklich bitter ist, das am ende der Saison nur eine Mannschaft den Aufstieg in die Brandenburgliga feiern kann. Beide Teams wären in der nächsten Serie der Brandenburgliga eine deutliche Bereicherung. Bericht & Fotos: Edgar Nemschok / reisereste.de

Jetzt in der App abspielen

Endlich zu Hause: KFC Uerdingen spielt nach vier Jahren wieder in der Grotenburg

23.04.2022 00:00:00

Endlich wieder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Stadion, endlich wieder Vorglühen an der Tanke und endlich nicht mehr auswärts zu Hause in Duisburg, Düsseldorf, Lotte oder Velbert. Der KFC Uerdingen darf endlich wieder zwischen Tiergartenstraße und Berliner Straße im altehrwürdigen Grotenburg Stadion spielen und das nach endlosen langen fast vier Jahren Wartezeit (Mai 2018), was nicht zuletzt an vielen Kuriositäten unter anderem auch an der Stadt Krefeld und den dortigen Entscheidungsträgern lag.Trotz auch aktueller Probleme mit der Stadt, die sich – so berichtet es die Rheinische Post -  ein Training vor dem heutigen Spiel des KFC in der Grotenburg fürstlich bezahlen lassen wollte, sah man heute rund um das traditionsreiche Stadion nur fröhliche und glückliche Gesichter. Schon Stunden bevor der Ball nach über 1.400 Tagen endlich wieder für die „Blau Roten“ über das satte Grün rollen sollte, versammelten sich die ersten Fans auf dem Parkplatz vor dem Stadion um sich auf diesen langersehnten Feiertag einzustimmen.Die aktive Fanszene traf sich dagegen ein paar Kilometer stadteinwärts an der Großmarktkantine, um dann gemeinsam hinter dem legendären 2018 kreierten Grotenburg Banner („Grotenburg. Unsere Heimat, unser Stadion“), welches fast im Jahr 2019 beim Drittligaspiel des KFC gegen Braunschweig abhandengekommen wäre, gen Stadion zu ziehen. Im Gepäck für den Dauersupport auf der Straße und im Stadion die auf die eigene Auswärtsleidengeschichte der letzten Jahre umgetextete Fanmelodie „Allez Allez Allez“, die Jamie Webster und die FC Liverpool Fans vor ein paar Jahren in den europäischen Stadien populär gemacht haben, dessen Ursprung aber im italienischen 80er Jahre Sommerhit „L’Estate Sta Finendo“ (Der Sommer endet) der Band „Righeira“ liegt.Der Song von den KFC Uerdingen Fans mit so viel Leidenschaft dargeboten, das man hätte meinen können, sie durchlebten noch einmal komplett ihre „auswärts zu Hause“ Tortur und alles nur weil der DFB die Grotenburg für nicht Drittliga tauglich hielt und Investitionen fehlten. Es begann mit Spielen in der MSV Arena, es folgte die Arena in Düsseldorf und als negativer Höhepunkt das 170 Kilometer entfernte Stadion am Lotter Kreuz. In dieser Regionalliga West Saison spielte der KFC Uerdingen dann im neuen Stadion in Velbert und nun auch dank der tatkräftigen Unterstützung der eigenen Fans (Grotenburg Supporters) wieder im heimischen Stadion. „The boys are back in town.“ Die Rückkehr wurde entsprechend ausgiebig gefeiert. 2.000 Zuschauer waren zugelassen und die Tickets rasend schnell vergriffen. Draußen vor dem Stadiontor waren einige Fans auf Ticketsuche, aber kaum einer wollte seine Karte abgeben. Sicherlich hätten zu dem Spiel gegen den VfB Homberg auch mehr Zuschauer Platz gefunden, wenn man wie auf der Haupttribüne die Stufen mit Klebeband abgetrennt hätte. Aber auch trotz Baustellenambiente war es aus Fansicht ein gelungener Nachmittag, der mit einer sehenswerten Fahnenchoreo der aktiven Fanszene eingeleitet wurde und durch den durchgängigen Dauersupport bis zum Abpfiff gekrönt wurde. Und das obwohl das Spiel gegen den VfB Homberg mit 4:0 verloren ging. Sportlich ging es für beide um nichts mehr, aber die Gäste traten entschlossener auf sicherlich mit dem Ziel den letzten Tabellenplatz zu verlassen. Für viele stand der KFC Uerdingen zu Beginn der Saison als direkter Absteiger fest. Was das Team um Trainer Alexander Voigt dann aber nach der Winterpause noch sportlich mit den Mitteln war aller Ehren wert. Zwischenzeitlich holte der KFC Uerdingen tatsächlich mehr Punkte als Aufstiegsaspirant Rot-Weiss Essen im gleichen Zeitraum. Dass es nun doch in die Oberliga Niederrhein geht, wurde unter der Woche bei der Auswärtsniederlage in Wuppertal besiegelt. Aber kaum jemand schien darüber wütend oder gar traurig. Das einzige was heute zählt, dass man endlich wieder zu Hause ist. Aber vielleicht ist der KFC Uerdingen noch für die eine oder andere Überraschung in dieser noch drei Spiele dauernden Saison gut …> zu den KFC Uerdingen Fotos

Jetzt in der App abspielen

„Volle Lotte“: Rot-Weiss Essen legt in der Regionalliga West vor

23.04.2022 00:00:00

Kaum Schlaf finden die Fans dieser Tage von Rot-Weiss Essen und sicherlich auch von Preußen Münster. Zu spannend ist die Endphase der Regionalliga West und der Kampf um den Aufstieg in die dritte Liga. War es vor ein paar Wochen noch ein Fünfkampf im Ringen um den Platz an der Sonne mit einer neben RWE und dem SCP weiteren illustren Schar an Traditionsvereinen wie dem Wuppertaler SV, Fortuna Köln und Rot Weiß Oberhausen, fällt die Entscheidung nun zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, denn auch RWO hat noch minimale Möglichkeiten.An Spannung ist diese Liga aktuell nicht zu überbieten. Ließ zuerst Münster letzte Woche Punkte in Lippstadt liegen, konnte Essen diesen Ausrutscher nicht nutzen und patzte gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Unter der Woche gewann dann RWE sein Nachholspiel gegen Lippstadt mit 4:0 und auch Münster konnte seines knapp mit 1:0 gegen Fortuna Köln mit komplett genesenen Kader gewinnen, nachdem die vorherige Ansetzung aufgrund eines gefrorenen Rasens bei 15 Grad und Sonne verschoben wurde. Vor ein paar Tagen bekamen dann die Preußen dann auch endgültig vom Verbandsgericht die Punkte aus dem abgebrochenen Spiel (Böllerwurf) gegen Rot-Weiss Essen zugesprochen bzw. geschenkt, was erwartet wurde und die meisten Sportinformationsdienste schon längst in ihren Statistiken verrechnet hatten.Vor dem gestrigen Anpfiff des 35. Spieltages (vier Spieltage vor Ende) rangierte Preußen Münster mit 77 Punkten auf Platz eins, vor Rot-Weiss Essen mit 75 Punkten auf dem zweiten Platz. Die Plätze drei und vier teilten sich der Wuppertaler SV und Rot Weiß Oberhausen mit 69 Punkte mit ebenfalls noch (rechnerisch) Möglichkeiten auf den Aufstieg. Rang fünf hatte Fortuna Köln inne. RWE musste vorlegen und dazu ins Tecklenburger Land ins Stadion am Lotter Kreuz reisen. Für die Sportfreunde Lotte ging es um nicht weniger als den Abstieg in die Oberliga Westfalen. Nur ein Heimsieg und das Hoffen auf Ausrutscher der Konkurrenz hätten dem Klub geholfen. Große Hoffnungen hatten die Lotte-Fans anscheinend nicht auf einen Erfolg ihres Klubs. Neben der aktiven Fanszene, die alles versuchte sich gegen die rot-weisse Übernahme zu stemmen, verloren sich nur wenige Zuschauer, die es mit den Sportfreunden hielten, in das zusammengewürfelt wirkende nette Stadion. Dies wurde deutlich als die Gästefans im pickepacke vollen Stehblock skandierten „Steht auf wenn ihr Essener seid“ und neben der Hintertor-Sitzplatztribüne auch fast die ganze Haupttribüne aufstand und das Team um Christian Neidhart feierte. Die an diesem Freitagabend mitgereisten gut 2.000 Essener Fans (2.196 Zuschauer insgesamt) hatten einen entspannten Fußballabend. Denn RWE legte bereits nach einer Minute furios vor und machte klar, das an diesem Tag für „Tante Lotte“ nichts zu holen ist. Die Sportfreunde noch gar nicht richtig wach und schon im Rückstand. Sandro Plechaty flankte mustergültig auf Marius Kleinsorge der nur einschieben brauchte. Essen agierte druckvoll und Lotte konnte sich nicht befreien. In der 18. Spielminute "fummelte" sich Isaiah Young durch den Lotter Strafraum und vollendete zum 2:0 für RWE. Die Sportfreunde Lotte sichtbar angeknockt konnten gar nichts mehr entgegen setzen. Folgerichtig führte RWE dann zur Halbzeit mit 3:0 nach einem schönen Kopfball von Daniel Heber. Essen wusste: Das Torverhältnis kann am Ende entscheidend sein und drückte zu Beginn der zweiten Hälfte auf das vierte Tor nach einer kurzen Spielunterbrechung. Denn die Essener Fans hatten einiges an Konfetti, Luftballons und Wasserbällen mit ins Stadion gebracht und zeigten zu Beginn der zweiten Hälfte eine sehenswerte Choreografie: „Ich steh immer hinter Dir, hab mich oft für dich geschlagen“. Nach dem die Ballons der Choreo vom Spielfeld geräumt wurden ging die wilde Fahrt weiter, bei der nun aber auch die Sportfreunde besser mitmischten. Zwar kam RWE noch zu Chancen, aber nicht mehr so zwingenden. Spätestens als RWE Trainer Neidhart Zlatko Janjić für Simon Engelmann brachte, wussten die mitgereisten Fans das weitere Tore nicht zu erwarten sind. Zu unglücklich agierte Janjić in den bisherigen Spielen. Mit Nico Haiduk und Nils Kaiser brachte Essen dann noch zwei Spieler aus dem eigenen erfolgreichen Nachwuchs, deren flinke Spielweise Hoffnungen auf Großes macht.Am Ende blieb es beim hochverdienten 3:0 für Rot-Weiss Essen, wobei mehr Tore noch besser zur allgemeinen Entspannung beigetragen hätten. Aber sieben Tore in drei Tagen zu schießen und sich zumindest im Torverhältnis mit drei Treffern zu Münster etwas abzusetzen ist eine starke Leistung. Die Werbetafel über dem Gästeblock für den nahegelegenen Flughafen gab zudem die sportliche Richtung vor: „Mit uns aufsteigen“.> Sportfreunde Lotte Fotos > Rot-Weiss Essen Fotos  

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen: Geht RWE im Saisonfinale die Puste aus?

16.04.2022 00:00:00

Statt des Osterhasen, war anscheinend der Angsthase heute zu Gast im Stadion an der Hafenstraße, dabei war alles für einen großen Fußballnachmittag vorbereitet: Anstoß zur Bundesliga Primetime um 15:30 Uhr, sonniges und warmes Frühlingswetter, über 10.000 gut gelaunte RWE-Fans vor Ort und dazu ein passendes Spielergebnis des ärgsten Konkurrenten Preußen Münster beim SV Lippstadt, das in der 20 Spielminute des Spiels von Rot-Weiss Essen gegen die U23 von Borussia Mönchengladbach das Stadion wie eine Welle euphorisieren ließ.Ein großartiger Gänsehautmoment: Obwohl der SV Lippstadt zur Halbzeit noch gegen Preußen Münster (das Spiel wurde 90 Minuten vor dem von RWE angepfiffen) mit 2:0 führte, konnten die Preußen das Spiel dann kurz vor Schluss noch in eine 3:2 Führung drehen. In der Nachspielzeit fiel dann der sowohl in Lippstadt als auch in Essen umjubelte Ausgleich zum 3:3. Die RWE-Fans feierten den Last-Minute Punkteverlust der Adlerträger frenetisch, hatte man es doch nun wieder in der eigenen Hand noch an diesem Samstag um 17:15 Uhr an die Tabellenspitze zu rücken oder zumindest mit Punkten gleich zu ziehen. Aber daraus wurde nichts.Während die Ränge an der Hafenstraße „Vollgas“ gaben, bewegte sich auf dem Rasen kaum was. Mangelte es in den vorherigen Spielen an der Chancenverwertung, gab es in dem Spiel kaum welche. Das Team von Christian Neidhart lieferte kaum Ideen im Spielaufbau und bescherte den Fans einen recht langweiligen Kick. Erst eine Nachlässigkeit der Gladbacher Defensive nutze Marius Kleinsorge zur Essener Führung. Aber anstatt nun nachzulegen passierte recht wenig. Die Hoffnung ruhte auf Halbzeit zwei zu deren Beginn der ehemalige Capo der Ultras "Biersa" mit einem Banner verabschiedet wurde (er ist nun Fanbeauftragter). Sportlich tat sich aber kaum was und das in einem Spiel des Tabellenzweiten gegen den Tabellenzwölften. Zwar kam Essens-Toptorjäger Simon Engelmann zu ein paar Abschlüssen, vergab diese aber kläglich. Während in den letzten Spielen die Gegner teilweise von RWE an die Wand gespielt wurden, kam der Favorit diesmal gegen die gut stehenden Gladbacher nicht durch. Angsthasenfußball. Ja Essen hatte mehr vom Spiel, aber weder Flanken noch Ecken saßen richtig. Dazu gesellten sich viele unnötige Abspielfehler. Die Antwort auf das harmlose Spiel folgte in der 61. Spielminute, als Tom Gaal freistehend für Gladbach den Ausgleich vergab. Ein Weckruf für Essen? Mitnichten. Es sah so aus, als ob Essen das Spiel einfach irgendwie über die Zeit bringen wollte. Gefährlich und so passierte es in der 85. Spielminute: Die sonst kaum auffälligen Jungfohlen, außer für Schauspieleinlagen, Zeitspiel und Diskussionen mit dem überforderten Schiedsrichtergespann, erzielten den Ausgleich durch Michael Wentzel. Ein Schock für alle Fans und viel Frust auf den Rängen, aber auch auf dem Rasen. Das merkte man an einer Chance für Simon Engelmann in der Schlussminute, als er weit außerhalb des Strafraums völlig freistehend einfach auf das Tor schoss, anstatt noch ein paar Schritte weiterzulaufen und das Tor zu hundert Prozent festzumachen. Einfach nur flächendeckender Frust. Entsprechend wurden die Spieler nach dem Abpfiff mit Pfiffen bedacht, was dann aber auch nicht sein muss und wirklich übertrieben ist. Heißt es nicht in dem Fußballsong: "Wir halten zusammen, Sieg oder Pleite. Regen oder Schnee Wir sind mit dabei, wir sind.... RWE RWE RWE" Ja das Spiel war eines von der schlechteren Sorte und irgendwie ist seit der Corona Pause der sprichwörtliche Wurm drin. Ja ein Befreiungsschlag mit vielen Eiern unterm Osterstrauch bzw. im gegnerischen Tor hätte heute zur Bundesliga-Primetime (15:30 Uhr – 17:15 Uhr) geholfen und wahrscheinlich frische Emotionen im Saisonendspurt freigesetzt. Aber noch ist alles drin in dieser wirklich bisher sehr erfolgreichen und sehr gut gespielten Saison für Rot-Weiss Essen. Nun heißt es weiter durchbeißen. Noch sind fünf Spiele zu gehen. 15 Punkte sind noch zu vergeben, wobei man nochmal auf einen Patzer des Konkurrenten hoffen muss. Leicht ist es gegen kein Team in der Regionalliga. Als nächster Gegner kommt der SV Lippstadt am kommenden Dienstag an die Hafenstraße. Rot-Weiss Essen sollte gewarnt sein. In diesem Sinne: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Zusammenraufen unter weiter "immeRWEiter".> zu den Rot-Weiss Essen Fotos  

Jetzt in der App abspielen

50 Jahre unterwegs mit dem MSV Duisburg: Vom Abrissblock zur Fußballfibel

14.04.2022 00:00:00

Sieg oder Niederlage. Hop oder top. Klassenerhalt oder Abstieg. Dazwischen gibt es aktuell nichts bei den Zebras aus Duisburg-Wedau. In den vergangenen neun Ligaspielen gab es fünf Niederlagen und vier Siege. Am kommenden Samstag tritt der MSV Duisburg im Kellerduell beim FC Viktoria 1889 Berlin an. Ralf Koss alias Kees Jaratz, der seit 2008 den Zebrastreifenblog schreibt, wird vor Ort im Jahn-Sportpark und - wie seit nun mehr 50 Jahren - dem MSV fest die Daumen drücken. Mit ein paar Freunden wird er gleich ein paar Tage in Berlin dranhängen und am Abend des 19. April eine Lesung in der BAIZ veranstalten. Im Vorfeld des Ganzen nutzten wie die Gelegenheit und führten mit ihm ein ausführliches Interview. Viel Spaß dabei!turus (Marco Bertram): Moin Ralf, kürzlich kam dein Buch über die Zebras frisch aus dem Druck. Vorab musst Du uns aber eine Sache erklären - und zwar die mit deinem Namen. Bei Wikipedia und amazon geriet einiges durcheinander. Koos - Koss, Kees - Kess. Wir kam es eigentlich zum „alias Kees Jaratz“? Ralf Koss: Ich wollte ein Pseudonym, als ich 2008 den Zebrastreifenblog begann. Damals habe ich noch viel Kulturjournalismus gemacht. Das Schreiben im Netz sollte von meinem Schreiben für die Printwelt getrennt bleiben. Ich wusste auch noch nicht, wohin der Zebrastreifenblog führen würde. Ich wollte weder pöbelnden Fans noch bornierten Kulturredakteuren Gelegenheit geben, mir das Leben schwer zu machen. Und für das Pseudonym kamen nur Helden des MSV aus meiner Jugend in Frage. Ich habe mir aus Kees Bregman, Kurt Jara, Bernard Dietz, Rudi Seliger und Ronnie Worm unterschiedliche Namen gebastelt und die dann zwei, drei Tage in mir klingen lassen. Kees Jaratz klang dann am besten in meinen Ohren. turus: Du hattest bereits in den 1970ern eine Dauerkarte als Abrissblock. Kannst du dich an dein allererstes Fußballspiel erinnern oder wurdest du bereits im Kinderwagen ins alte Wedaustadion geschoben? Ralf: Ich kann mich tatsächlich an mein erstes Spiel erinnern. Da war ich sechs oder sieben. Das war ein Heimspiel gegen Kaiserslautern. Von dieser Zeit erzähle ich auch ausführlicher im Buch. Bei diesem Heimspiel fand ich Fußball sehr langweilig. Ich war mehr action gewohnt vom Basketball. Den spielte meine Mutter in der damals höchsten Spielklasse und da war ich bei den Spielen oft dabei. Basketball war damals noch nicht so populär, aber es passierte beim Basketball eben viel mehr. Es ging hin und her. Jede Minute war ein Korb möglich. Fußball in den 60er war ja gerade im Mittelmaß ein langsames Spiel, oft ohne wirkliche Torchancen. Richtig los ging das mit dem Fußball für mich erst, als ich mit elf aufs Gymnasium kam. Von da an sind wir in einer Clique regelmäßig ins Wedaustadion. turus: Was waren die schönsten und bittersten Momente mit dem MSV Duisburg? Ralf: Puh, da gibt es viele, wenn man fast 50 Jahre ins Stadion geht. Das Halbfinale gegen Cottbus in der Pokalrunde 2010/11 war ein großartiges Spiel. Ausverkauftes Stadion, das fast die ganze Zeit komplett supported. kriege ich heute noch Gänsehaut. Aber auch das gedrehte Spiel gegen 1860 in der Saison 2015/16 war ein unfassbares Spiel. Wir waren Letzter und hatten gegen alle Erwartungen uns an den Relegationsplatz rangekämpft. Wir brauchten aber den Sieg, und diese Explosion beim Tor von Obinna kurz vor Schluss. Unfassbar laut. Bitter natürlich der Zwangsabstieg 2013 und diese Niederlage gegen die Bayern im Pokalfinale 98. Wir hatten die Chance den Pott zu bekommen. Und dann wird Bachirou Salou kaputt getreten. Nicht mal gelb für den Tritt. Ich spreche seinen Namen nicht aus. turus: Verglichen mit den Ruhrpott-Nachbarn in Essen, Oberhausen und Bochum - was macht den MSV Duisburg aus? Sprich, welches Alleinstellungsmerkmal hat dieser Verein? Ralf: So viele Unterschiede gibt es da gar nicht.  Das ist ja gerade das Problem dieser vier Pott-Vereine. Alle haben den größten Teil ihrer Zuschauerbasis in der eigenen Stadt. RWO hat sich sicher mehr mit der Regionalliga arrangiert als RWE. RWE hat eben eine größere Fanbasis. Was das angeht, sind die mit dem MSV und dem VfL vergleichbar. Wahrscheinlich unterscheidet sich die soziale Mischung des Publikums leicht bei diesen drei Vereinen. In Bochum hast du die Studenten der Uni als potentielles Publikum, Essen bleibt der Arbeiterverein der Stadt, selbst wenn die sozialen Gegebenheiten im Publikum andere sind. Der MSV ist für alle da, sowohl für den ärmeren Norden als auch den wohlhabenderen Süden. Das sind aber kleine Unterschiede. Bodenständig würde ich alle vier Vereine nennen. Emotional die Fans, mit der dunklen Kehrseite der übermäßigen Unzufriedenheit, wenn es mal nicht gut läuft. turus: Als damals die Bagger anrückten und das alte Wedaustadion plattmachten, damit eine neue Arena gebaut werden kann… Wie war das für dich? Auch Freude und Zuversicht oder vor allem nur Trauer und Wehmut? Ralf: Es war ja in ganz Deutschland beim Fußball eine Zeit der Veränderung. Natürlich gab es Wehmut, aber es war so offensichtlich, dass ohne ein neues Stadion der MSV den Anschluss an die Bundesliga verlieren würde. Um die Jahrtausendwende lebten wir in Duisburg ja noch in diesem Gefühl gerade erst nach einer erfolgreichen Zeit in die 2. Liga abgestiegen zu sein. Da gab es den neuen starken Mann, Walter Hellmich, der große Worte über die Zukunft sprach. Der Abriss rückte gegenüber dem Aufbruch also in den Hintergrund. Zuversicht nenne ich mein Rückblick nicht. Es war eher eine erwartungsolle Spannung, ob denn diesen großen Worte in sportlicher Hinsicht auch Taten folgten. turus: Um auf die Fußballfibel zu sprechen zukommen, wie kam es dazu? Hattest du vorher bereits andere Bände gelesen bzw. Kontakt zu anderen Autorinnen und Autoren gehabt? Ralf: Mich hat ein Leser meines Blogs angesprochen. Christian Lenke, der schreibt auch hier und fürs Zeitspiel. Das ist schon länger her. Bestimmt vier Jahre. Das passte das zeitlich nicht zu meinen anderen Projekten. Anfang letzten Jahres hat er mich nochmal drauf aufmerksam gemacht, dass der Verlag für den MSV einen Autor sucht. Ich sollte einfach mal mit Frank Willmann. Was mir machten. Das Ergebnis sieht man ja jetzt seit Anfang März. turus: Welche Art von Autor bist du? Morgens beim schwarzen Kaffee am Küchentisch schreiben? Oder doch lieber bei Wein oder Bier des Abends bei leiser Musik im Wohn- oder Arbeitszimmer? Ralf: Ich lebe vom Schreiben seit Anfang der 90er Jahre. Schreiben ist also Berufsalltag für mich und hat keinen romantischen Anstrich. Ich setze mich morgens an den Schreibtisch und arbeite meist mit einer Mittagspause bis frühen Abend. Gibt es Terminsachen, kann das auch mal später und mit  Wochenendarbeit werden. turus: Aus deiner Sicht: Was erwartet die Leserinnen und Leser in deinem Buch? Ralf: Mit meiner Geschichte mit dem MSV lernt man auch die Geschichte des Vereins und Duisburgs seit den 1960er Jahren bis in die Gegenwart kennen. Ich habe mit der Fibel eine literarisch ambitionierte Erzählung geschrieben.  Meine Messlatte war dabei natürlich die Urgeschichte dieses Schreibens, Fever Pitch von Nick Hornby. So habe ich meine Erfahrungen mit und im Fußball immer wieder ins Allgemein-Menschliche gedeutet. Komik sollte nicht fehlen und natürlich auch all die Emotionen, die Fußballspiele in Anhängern eines Vereins hervorrufen. turus: Wie waren die ersten Reaktionen auf dein neues Werk? Ralf: Auf unterschiedlichen Kanälen haben Leser reagiert. Stimmen von Frauen gab es tatsächlich noch nicht. Zum einen fühlte sich das Publikum bei der Premierenlesung Anfang März sehr gut unterhalten. Danach haben mich mehrere Bekannte angesprochen, wie sehr sie das Buch berührt. Darunter waren auch schon Menschen, die mit dem MSV nichts am Kopf haben, sich aber für Sport oder das Ruhrgebiet interessieren. Über den Zebrastreifenblog und Facebook habe ich Nachrichten bekommen, ich solle so weitermachen. Alles in allem also habe ich das Gefühl, das Buch wirkt, wie ich es mir erhoffte.  turus: Seit 2008 schreibst du über die Höhen und Tiefen des MSV im renommierten Zebrastreifenblog. Die Zeiten haben sich geändert. Welche Veränderungen in Bezug auf einen Onlineblog konntest du im Laufe der Jahre feststellen? Ralf: Neben Blogs sind als Medium des Austauschs über Fußball sämtliche anderen sozialen Medien natürlich von sehr viel größerer Bedeutung. Ich erreiche mein Publikum etwa mehr über geteilte Inhalte bei Facebook. Am Anfang klickten die Leser den Blog öfter direkt. Bei mir selbst gibt es natürlich auch Veränderungen. Auch der Blog war ein literarisches Projekt von Anfang. Mit dem Fußball wollte ich immer etwas über das einzelne Spiel hinaus erzählen. Ein Spielbericht alleine war mir zu wenig. Nach den all den Jahren habe ich das Gefühl, die meisten Spielsituationen schon einmal originell gedeutet zu haben. Ich kann nicht mehr über jedes Spiel schreiben. Mal schauen, wie sich das entwickelt. turus: Ein Blick auf die aktuelle Saison: Wo wird der MSV nach dem letzten Spieltag stehen? Ralf: Meinem Tabellenrechner nach werden wir 16. nach dem entscheidenden Unentschieden gegen Verl. Aber ich nutze Tabellenrechner immer als Beruhigungsmittel. Ich prognostiziere die Ergebnisse für den MSV so schlecht wie möglich und so gut wie nötig, damit alles gut geht. Das führt dann dazu, dass meist der MSV besser abschneidet als ich prognostiziere. Mein Tabellenrechner beruhigt aber die Nerven sehr, wenn es ganz eng ist. turus: Der Blick voraus. Wo könnte der MSV in zehn Jahren zu finden sein? Könnte er überhaupt im Konzert der Großen mitspielen oder wird die Kluft noch größer werden zwischen den Platzhirschen und den Klubs, die zwischen zweiter und dritter Liga pendeln? Ralf: Da bin ich in widersprüchlichem Denken unterwegs. Realistisch betrachtet, ist die Durchlässigkeit doch inzwischen nicht mehr gegeben. In der 2. Liga stehen gerade zwei von drei Aufsteigern aus dem letzten Jahr wieder auf einem Abstiegsplatz. Natürlich gibt es immer wieder mal eine Mannschaft, die gegen diese Prinzipien der Kapitalkonzentration dennoch Erfolg hat, das lässt sich nicht durch Leistung herbeiführen. Da muss Glück hinzukommen. Der Zufall. Das ist die Realität. Gleichzeitig hoffe ich natürlich doch auf Aufstiege. Ich bin ein Kinder dieser Leistungsgesellschaft. Das steckt tief in mir und führt zu den Widersprüchen, die uns auch im richtigen Leben begegnen. turus: Schaust du dir eigentlich auch 1. Bundesliga und Europapokal an, oder befindet sich allein der MSV Duisburg im Fokus? Ralf: Im Grunde interessiert mich das nicht mehr wirklich. Beides schaue ich mir an, wie ich früher oft Radio gehört habe. Ohne Konzentration. Nebenbei. Weil es gerade läuft, aus alter Gewohnheit. Dann merke ich manchmal auf, wenn was besonderes passiert. Aber wenn ich irgendwelche pseudo-aufgeregten Reporterstimme höre, kann ich das Geschehen auch ignorieren, wenn mich jemand anspricht. Fußball ist für mich der MSV. Noch genauer, eigentlich nur der MSV in einem Stadion.  turus: Ein Blick über den Tellerrand und mal ganz frech gefragt: Wird Rot-Weiss Essen noch den Aufstieg schaffen? Ralf: Schwer zu sagen. Wenn eine Mannschaft zu Beginn der Saison so dominierte wie RWE und es dann noch knapp wird, hat der Gegner, in dem Fall Preußen Münster, einen Vorteil. Der drückt sich nun mit einem Punkt Vorsprung aus. Wir in Duisburg kennen diese Situation von vor zwei Jahren. Und wenn ich mich daran erinnere, sehe ich schwarz für RWE. Auch wenn ich nichts dagegen hätte, sie in der 3. Liga nächstes Jahr zu sehen. Ein Spiel mit mehr Brisanz als gegen Münster. turus: Im kommenden Jahr könnte es ein Aufeinandertreffen des MSV Duisburg und des BFC Dynamo kommen? Was sagst du dazu? Besser gefragt: Was fällt dir auf Anhieb zum BFC Dynamo ein? Ralf: Ich kenne natürlich die Geschichte vom BFC, und habe zunächst eine Reportage im Kopf, in der die Identität des Vereins ständig Thema war. Diese Bemühungen, ein normales Publikum in der Berichterstattung in den Blick zu bekommen, statt eine rechtsradikale Hooligan-Szene immer wieder nur zum Thema zu machen. Ich schaue da aber sehr oberflächlich drauf. Ich bin da mehr in meiner Region unterwegs, wo RWE ja ein ähnliches Problem hat. turus: Apropos Berlin, am kommenden Samstag darf bereits im Jahn-Sportpark angeschnuppert werden. Duisburg gibt beim Kellerduell seine Visitenkarte beim FC Viktoria 1889 Berlin ab. Ein paar Freunde / Bekannte von dir und du werden dann noch in der Hauptstadt bleiben, da es am 19. April eine Lesung in der Baiz geben wird. Worauf dürfen wir uns freuen? Ralf: Ich lass das entspannt auf mich zukommen, habe das Buch dabei und werde auf jeden Fall ein paar Ausschnitte zum Besten geben. Es wäre natürlich für uns MSV-Fans schön, wenn wir uns mit bester Laune nach einem Auswärtssieg dort begegneten. Egal, wie es ausgeht, gute Unterhaltung möchte ich schon bieten, aber auch etwas über diese besondere Fußballkultur erzählen, die im Ruhrgebiet gelebt wird. Ob ich oder wir den Zebra-Twist dann singen, soll das Publikum mal entscheiden. Ich bin textsicher. Zumal der Twist in meinem Bühnenprogramm zum Glück im Fußball auch vorkommt. Was Henry Valentino damit zu tun hat, verrate ich aber erst am Dienstag. turus: Vielen Dank für das Interview! Und dem MSV viel Glück im Abstiegskampf!   Lesung und Signierstunde 19. April 2022 um 19:00 Uhr BAIZ Kultur- und Schankwirtschaft Schönhauser Allee 26A 10435 Berlin   Fotos: Ralf Koss, Christian Lenke, Marco Bertram > die MSV Duisburg Fußballfibel bei CULTURCON medien

Jetzt in der App abspielen

Fananwalt René Lau, der einst den BFC rausboxte, geht unter die Autoren

11.04.2022 00:00:00

Juni 2010. Schauplatz Jahn-Sportpark in Berlin Prenzlauer Berg. Im Berliner Landespokalfinale unterlag der Oberligist BFC Dynamo dem Berliner AK 07 knapp mit 0:1, und nach Abpfiff stürmten rund 200 BFC-Fans den Innenraum und verhinderten die Siegerehrung auf dem Rasen. Nachdem es bereits beim Ligaspiel im Frühjahr 2006 gegen den 1. FC Union Berlin im Sportforum Hohenschönhausen zu einem Platzsturm kam, wollte der Berliner Fußballverband nun klare Kante zeigen und schloss zunächst den BFC Dynamo aus dem Landespokalwettbewerb 2010/11 aus. Der Verein legte gegen das Urteil des Verbands Berufung ein und nahm den Fananwalt René Lau mit ins Boot. Und das mit Erfolg! René Lau, selber seit Jahrzehnten BFC-Fan und seit 1994 anwaltlich tätig, boxte den BFC Dynamo aus der Sache raus. Der BFC Dynamo durfte doch am Berliner Landespokal teilnehmen und gewann diesen sogar am Ende gegen Stern 1900 mit 2:0 und zog somit in die erste Runde des DFB-Pokals ein, in welcher die Weinroten gegen den 1. FC Kaiserslautern antreten durften.   Wie lief das Ganze im Juni 2010 eigentlich im Detail ab, lautete die Frage. Lust auf einen Akteneinblick? Klar doch! Bei einer Tasse Kaffee wurde sich in den Räumlichkeiten der Rechtsanwaltskanzlei René Lau & Carsten Meyer GbR in der Schlüterstraße nahe Savignyplatz zusammengesetzt. Knackpunkt des Ganzen, schilderte René Lau beim Gespräch, war das Geschehen vor dem Endspiel. Wie üblich gab es im Vorfeld eine erste Sicherheitsbesprechung, des weiteren folgte eine weitere Sicherheitsbesprechung, an der unter anderen der Vizepräsident des BFC Dynamo und der Geschäftsführer der damals zuständigen Security-Gesellschaft teilnahmen. Der BFC Dynamo hatte angeboten, sich en punto Sicherheit mit zu beteiligen. Beim Einlass der BFC-Fans, eigene Ordner im und vor dem Block, etc. Der Berliner Fußballverband hatte dieses Angebot jedoch abgelehnt und setzte beim Pokalendspiel voll und ganz auf sein ins Spiel eingebrachte Sicherheitsunternehmen.    Mitbringen konnte der BFC alleinig ein paar Ordner, die mit im BFC-Block standen. Nachdem es zum Spielende zum besagten Platzsturm kam, konnte der BFC Dynamo anhand von Videoaufnahmen einige Fans identifizieren, und es wurden einige Stadionverbote ausgesprochen. Ein Großteil der Platzstürmer war dem Verein jedoch nicht bekannt. Der Berliner Fußballverband hatte im Nachfeld als Veranstalter dieses Pokalfinales ein sportgerichtliches Verfahren eingeleitet, im Rahmen der Verfahrensordnung ist dies durchaus möglich. Das Sportgericht des Berliner Fußballverbandes hatte dann einen Termin einberaumt, und das Ganze ging recht zügig über die Bühne. Bereits bei dieser Verhandlung war der Fananwalt René Lau mit vor Ort, der BFV hatte in erster Instanz den Pokalausschluss ausgesprochen und eine Geldstrafe erteilt. Begründet wurde das Urteil damit, dass der BFC Dynamo verantwortlich für seine Fans sei und in jüngerer Vergangenheit häufig solche Dinge aufgetreten seien.   Der BFC Dynamo legte postwendend Berufung ein, und diese wurde von René Lau sehr ausführlich begründet. Zuständig war in nächster Instanz das Verbandsgericht. Etwas überraschend wurde recht zügig der Termin für die Verhandlung bekanntgegeben, da die kommende Saison bereits vor der Tür stand. In den Räumlichkeiten des Berliner Fußballverbandes am Eichkamp traten schließlich René Lau als Anwalt und ein paar Vertreter des BFC Dynamo als Zeugen auf. In der mündlichen Verhandlung hatte René Lau zwei Komplexe vorgetragen. Zum einen war entscheidend, dass nicht der BFC Dynamo, sondern der BFV der Veranstalter war. Somit war dieser für sämtliche Dinge verantwortlich. Hinzu kam der Punkt, dass das Spiel später angepfiffen wurde, weil draußen vor den Stadiontoren noch etliche Zuschauer Karten kauften und warten mussten.    Im Vorfeld hatte der BFC Dynamo den BFV darauf hingewiesen, dass ein Vorverkauf von Nöten sei, da mit zahlreichen BFC-Fans zu rechnen sei. Der Verband hatte daraufhin mitgeteilt, dass ein Vorverkauf so kurzfristig nicht mehr umzusetzen sei. Zweiter entscheidender Punkt war, dass der Verband den Einsatz der BFC-Ordner an Einlass und Zäunen abgelehnt hatte. Weiterhin bemerkenswert: In der damaligen Rechts- und Verfahrensordnung des Berliner Fußballverbandes war ein Pokalausschluss als Bestrafung eines Vereins gar nicht vorgesehen. Punktabzüge und Geldstrafen waren durchaus vorgesehen, ein Wettbewerbsausschluss indes nicht.    Das Verbandsgericht konnte den Ausführungen folgen und hob am Ende den Pokalausschluss des BFC Dynamo auf. Im Berufungsurteil wurde der BFC stattdessen zu einer Geldstrafe von 2.000 verurteilt. Zudem wurde der Verein verpflichtet, bei allen Pokalspielen der kommenden Saison eine bestimmte zusätzliche Anzahl an Ordnern zu stellen. Egal, ob auswärts oder daheim.  Ganz klar, für René Lau war dies als Fananwalt der bislang größte berufliche Erfolg. Gern erinnert er sich an die verkniffenen Gesichter bei der Übergabe des Berliner Pokals nach dem 2:0-Sieg gegen Stern 1900 im Frühjahr 2011.    Über ein Jahrzehnt später gab es statt des Stelldicheins beim Verbandsgericht eine nette Lesung in der Baiz in der Schönhauser Allee. Gemeinsam mit dem Herausgeber Frank Willmann wurde im Beisein des Verlegers Bernd Oeljeschläger die „Beim Fanwalt Fußballfibel“ den interessierten Zuhörern vorgestellt. Als Band 52 - eingebettet von Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder) und Arminia Bielefeld - kam dieses Werk kürzlich aus dem Druck und mit einem ganz anderen Cover daher. Anstatt der bislang üblichen Fahne wurde dieses Mal eine schmucke Grafik von der ELS-Crew verwendet. Fester Blick, verschränkte Arme, offene Hemdknöpfe, lose umgelegter Schal und die Kompassrose auf dem Ärmel. Sport frei!   Im 142-seitigen Buch abgedruckt wurden sämtliche Kolumnen, die René Lau für die Zeitung Junge Welt geschrieben hatte. Ergänzt wurden diese Kolumnen mit späteren Anmerkungen, eingeflossen sind zudem die Gedanken von Lesern, die sich nach dem Erscheinen der jeweiligen Kolumne an ihn gewandt haben. Jedoch ist dieses Buch kein juristisches Fachwerk, vielmehr soll es unterhalten und informieren und vor allen Dingen viel Freude bereiten. Zu Beginn gibt es ein ausführliches Interview zu lesen, das Frank Willmann mit ihm führte. Auf diesem Wege erfahren die Leserinnen und Leser einiges aus dem Leben von René Lau und seinem Bezug zum Fußball und zu den Fans.    Worum es in den Kolumnen geht? Querbeet! Um mögliche Konzepte für den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik, um szenekundige Beamte, um das Tragen von „ACAB“, um die Fanhilfen, um die Geldgier der FIFA, um die Sammelwut von persönlichen Daten und auch um die 50+1-Regelung. Kurzum: Einmal die gesamte Palette - und das aus der Sicht eines Anwalts, der selber seit Kindheit an begeisterter Fußballfan ist und in früheren Tagen auch schon mal auf der Zaunkrone anzutreffen war… Fotos: Marco Bertram > die „Beim Fananwalt Fußballfibel“ von René Lau bei CULTURCON medien

Jetzt in der App abspielen

BFC Dynamo vs. Carl Zeiss Jena: Graupelsturm, Gästesieg und gebrochene Fahne

11.04.2022 00:00:00

Zugegeben, eine enorme Anspannung war vor dem gestrigen Spitzenspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena in der Konrad-Wolf-Straße vor den Spätis und Imbissläden nicht zu spüren. Dafür war vor der Partie der Vorsprung doch bereits zu groß. Was sollte noch groß passieren? Zumal die Loksche bei den Tasmanischen Teufeln über ein mickriges 1:1 nicht hinauskam. Und eine Niederlage würde es wohl gegen Jena nicht geben, oder? Ja, okay, ein Remis war im Sportforum gegen die recht starken Jungs aus dem Paradies denkbar. Aber gleich eine Niederlage?Dass der Zuschauerzuspruch etwas höher war als in den Wochen zuvor, war allerdings auf den Bürgersteigen schon erkennbar. Sämtliche G-Regeln fielen inzwischen weg, und eine Begrenzung auf 2.000 gab es auch nicht mehr. Wäre es etwas wärmer gewesen, hätten es vielleicht 3.500 bis 4.000 Zuschauer werden können. Letztendlich waren es 3.219 Fußballfreunde, die sich auf den Rängen eingefunden hatten. Und diese bekamen auf den windigen Tribünen vor allem in der ersten Halbzeit sämtliche Facetten eines typischen Aprilwetters zu spüren.    Im Vorfeld stand die Zahl von 800 Gästefans im Raum, am Ende waren es wohl schätzungsweise rund 500 Carl Zeiss-Fans, die für Stimmung sorgten. Da die Horda Azzuro seit dem Auswärtsspiel bei Lichtenberg 47 auch wieder aktiv am Start ist, konnte sich das Ganze sehen und hören lassen. Zu Spielbeginn gab es eine große Blockfahne, und nach dem Wegziehen wurden zahlreiche Fahnen und Doppelhalter sichtbar. Untermalt wurde das Ganze von einer Portion blauen Rauch. Der gelbe Rauchtopf wurde indes aus irgendwelchen Gründen auf dem Klo zum Einsatz gebracht.    Auf Heimseite beschränkte man sich auf weinrot-weiße Fähnchen und Luftballons und etwas Konfetti. Das Projekt Aufstieg sollte keinesfalls durch eine große angelegte Pyro-Aktion, wie sie aktuell in zahlreichen anderen deutschen Stadion zu bestaunen ist, gefährdet werden. Gezündet werden kann schließlich immer noch, falls der ersehnte Aufstieg - womöglich gegen Oldenburg - in trockene Tücher gebracht werden könnte. Bis dahin bleibt aber noch ein Stück Arbeit zu erledigen. Jena und Lok Leipzig müssen auf Abstand gehalten werden.   Mit Schmackes ging es gleich rein in die Partie! Bereits nach zwei Minuten hätte Christian Beck aus kurzer Distanz frei stehend den Ball unterbringen können. Allerdings war das runde Leder auch schwer unter Kontrolle zu bringen. Halb so wild! Nur zwei Minuten später war schließlich Alexander Siebeck zur Stelle und brachte den Ball zum 1:0 unter. Jubel auf den heimischen Rängen. Das war doch ein Auftakt nach Maß!    Ich wechselte gerade mit dem größeren Sohnemann auf den Rängen die Seite, um ein paar Freunden hallo zu sagen, da fiel bereits der zweite Treffer des Nachmittags. In der achten Minute dribbelte sich Maximilian Oesterhelweg auf der rechten Seite munter durch und spielte schließlich zum völlig freistehenden Fabian Eisele, der wirklich gar nix mehr tun musste. Fuß hinhalten - Ausgleich für Jena. Der Gästeblock kam in Fahrt. Die Reise schien sich gelohnt zu haben.   In Fahrt kam auch das Aprilwetter. Hinter der Gegengerade dunkelte sich der Himmel bedrohlich ab, wenig später warf eine Windböe die Werbebanden die um. Da lag sie nun flach - die Bande der Malerfirma BärTo. Aufgestellt wurde sie nicht mehr. Zu unberechenbar erschien die fiese Witterung. Sekunden später ballerten einem die Graupelkörner in den Nacken und in den Bierbecher. Schön ist anders. Aber nun denn, das ist halt Fußball wie zu alten Zeiten. Ohne Schnittchen, Heizstrahler, Sitzkissen und sonstigem Schnickschnack. Man fühlte sich gleich erinnert an an richtig räudige Spiele, als 350 wackere BFC-Fans bei brachialem Mistwetter in der NOFV-Oberliga gegen Lichterfelde & Co. wacker ausharrten. Einst in der Saison 1995/96 verließ ich sogar einmal früher das Spiel. Und das gegen Erzgebirge Aue. Zu trostlos was das Gekicke auf dem nassen Rasen (0:0), zu derb war die eisige Brise.   Gestern jedoch verzogen sich rasch die grauen Wolken und die Sonne lugte wieder hervor. Und das Spiel war keinesfalls vergleichbar mit dem traurigen Gegurke vor 25 Jahren. Jena kam nach dem Ausgleichstreffer zu weiteren Möglichkeiten und hatte in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel. Eisele versuchte es mit dem Kopf, BFC-Keeper Dmitri Stajila streckte sich und bekam die Finger an den Ball.    Im zweiten Spielabschnitt versuchte sich mal gleich auf Gästeseite der schnelle Maximilian Krauß, doch sein Abschluss ging knapp über das Gehäuse. Aber dann! In der 73. Minute setzte sich Matthias Steinborn auf der rechten Seite prima durch, traf dann jedoch nur das Außennetz. Wenig später versuchte er es aus vollem Lauf mit einem Lupfer, doch rutschte der Ball wohl etwas vom Schlappen. Vor dem BFC-Gehäuse gefährlich wurde es wenig später, als Stauffer abzog und Stajila den Ball nur abklatschen konnte und Drinkuth nochmals abschloss. Jedoch ging auch dieser Schuss drüber.    Zwischendurch sorgte der Schiedsrichterassistent für große Erheiterung. Seine Fahne brach, und Ersatz lag nicht bereit. Als würde es massiv auf der Blase drücken, rannte er durch den Spielertunnel hurtig in die Kabine und kehrte wenig später mit einem hölzernen Köfferchen wieder. Als dieser Koffer vor lauter Schreck noch fallen gelassen wurde, war das Gelächter gleich noch lauter. Der Schiedsrichterassistent nahm es mit einem Lächeln und stand wenig später mit seinem neuen Arbeitsgerät wieder an der Linie.    Die meisten Zuschauer rechneten bereits mit dem Remis, als in der 82. Minuten Oesterhelweg einen Freistoß in der BFC-Mauer schoss. Der Ball ging an Steinborns Arme, die er reflexartig gehoben hatte, und der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Eisele trat an und verwandelte routiniert zum 2:1 für den FC Carl Zeiss Jena. Die Betriebstemperatur auf den Rängen erhöhte sich nun schlagartig, und zwischen dem äußeren Bereich der Haupttribüne, wo die sportlichen Jungs anzutreffen sind, und dem Gästeblock kam es nun zu einem verbalen Austausch. Auf Heimseite mit am Start waren ein paar Anhänger von Pogon Szczecin, die phasenweise sogar einen eigenen dynamischen Support anstimmten. Das „Dynamo Berlin!“ brachte mal etwas Abwechslung ins Ganze. Satte acht Minuten wurde nachgespielt, und der BFC drückte nun aufs Tempo. Logischerweise wurde noch einmal alles probiert - und fast hätten die Heimfans das 2:2 bejubeln können. Nach einer Ecke traf der zuvor eingewechselte Max Klump nur den linken Pfosten. Das hätte es sein können. Am Ende brachten die Gäste jedoch die knappe Führung über die Runden, und an an der Pufferzone zwischen Gästeblock und Haupttribüne wurde es noch einmal ein bisschen hitzig. Der Rest der Zuschauer verließ recht schnell die Ränge. Mund abputzen und in Auerbach möglichst gleich wieder einen Sieg einfahren. Nicht dass Lok Leipzig doch noch einmal rankommen würde, wenngleich die Loksche selber noch ein hartes Programm zu absolvieren hat.   Bericht: Marco Bertram in Zusammenarbeit mit Abteilung Utzki Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: BFC Dynamo > zur turus-Fotostrecke: FC Carl Zeiss Jena

Jetzt in der App abspielen

RWE: 30 Minuten Zauberfußball reichen nicht für 3 Punkte von Essen in Aachen

10.04.2022 00:00:00

Das war ein schnelles Ding. Es gibt Spieltage da sitzt man Stunden an der Auswahl von hunderten geknipsten Spielfotos und es gibt Tage so wie heute bei der der Auswahlprozess aufgrund fehlender Bilder schnell geht. Der Grund: Nach 30 Minuten war das Spiel für Rot-Weiss Essen im Tivoli bei Alemannia Aachen zu Ende. Ab der 31. Spielminute stellte RWE jegliche Bemühungen, die zehn Minuten vorher erzielte 1:0 Führung weiter zu erhöhen, ein. Entsprechend gab es kaum was Sehenswertes für die Linse, bis vielleicht den wie immer provozierenden Aachener „Vöbel“ („VIP-Pöbel“) schräg über dem Gästeblock.Dabei bot die erste Hälfte des immer wieder als „Westschlagers“ titulierten Duell zwischen Aachen und Essen viel Interessantes: Eine Choreo der Aachener Fans in der sie ihre Freundschaft mit Roda Kerkrade huldigten, eine hervorragende Kulisse und prächtige Stimmung unter den 10.900 Zuschauern (2.500 Gästefans) und eine von Beginn an frech aufspielende Essener Elf. Als zweiter der Regionalliga West gegen den abstiegsbedrohten Traditionsverein aus der Kaiserstadt wurde das auch von beiden Seiten erwartet. Direkt kurz nach dem Anpfiff große Aufregung im Aachener Strafraum. Nach einem Zweikampf kommt der Essener Felix Herzenbruch zu Fall, aber anstatt des fälligen Elfmeters gab es die gelbe Karte für den RWE-Abwehrmann. Eine (ohne Videoüberprüfung) falsche und vor allem überharte Entscheidung des Schiedsrichters, der ansonsten das Spiel gut im Griff hatte. Aber Essen machte klar, dass es für Aachen heute nix zu holen gibt. In der zehnten Minute dann ein Traumpass des Esseners Thomas Eisfeld auf Isaiah Young, der frei auf den Aachener Torhüter Joshua Mroß zuläuft und wie erwartet vergibt. Young ist ein flinker Spieler und spielt den einen oder anderen klugen Pass, wenn er sich nicht gerade vertändelt, aber vor dem Tor ist er nur sehr selten eiskalt. Aber es ging weiter und die Chancen häuften sich nun im Minutentakt für RWE, dessen Spieler von der Gegengerade in einer Tour durchbeleidigt wurden. Ist halt Regionalliga, da muss man sich auf allen Ebenen durchbeißen. Alles konzentrierte sich auf das Aachener Tor, als Tugrul Erat nach einem Konter fast die Aachener Führung auf dem Fuß hatte. Aber Jakob Golz im Essener Tor glänzte wieder einmal. Essen drückte nun massiver und schließlich war es Cedric Harenbrock der halb mit der Brust, halb mit dem Knie den Ball in der 20. Spielminute über die Linie drückte. Drücken ist das Wort: Essen drückte weiter und ging auf das 2:0, das auch fast durch Simon Engelmann fiel, aber er wurde zur Ecke abgedrängt. Ein starker Auftritt von Rot-Weiss Essen bis hier hin. Wie schon bei den Partien im Südstadion (Fortuna Köln) und im Niederrheinstadion (Rot Weiß Oberhausen) überrollte RWE förmlich den Gegner in den ersten Minuten des Spiels. Nur die Chancenauswertung ließ massiv zu wünschen übrig. Aber plötzlich ab der 30. Spielminute lief plötzlich fast gar nichts mehr bei RWE. Im Gegenteil, nun ließ Essen die Aachener mitspielen, die man nicht zweimal bitten musste. Mehrmals musste Golz retten und damit Essen in die Halbzeit retten. Was war das bitte schön? Wie in Köln und Oberhausen hätte es nach 30 Minuten locker 4:0 für RWE stehen können, aber die Chancen wurden reihenweise liegengelassen. Die Hoffnung auf die zweite Halbzeit war bei den RWE Fans groß, aber es kam anders als erhofft. Anstatt an die gute erste halbe Stunde anzuknüpfen spielte Essen überhaupt nicht mehr. Verwaltungsfußball der sich schon in der 52. Spielminute rächte, als Marcel Damaschek zum Ausgleich für die Alemannia einnetzte. Die zweite Halbzeit ist schnell erzählt: Aachen versuchte mit frechen Kontern auf den Sieg zu gehen, hielt aber die Abwehr stabil. Essen hatte nicht mehr die Ideen von Spielbeginn und auch irgendwie keine Power die erneute Führung zu erzwingen. Was bringt es auch im Strafraum nochmal trickreich den Ball für den nächsten Spieler abzulegen, als wenigstens einmal direkt abzuschließen. Es geht nicht um schöne Tore, es geht darum nur Tore zu schießen. Dazu hatte RWE auch das Glück die 1:1 Szenen für sich zu entscheiden wieder einmal nicht auf seiner Seite. Am Ende stand ein für Aachen nicht ganz unverdientes 1:1, das die Fans wie ein Sieg feierten insbesondere die eingangs erwähnten im VIP Bereich residierenden Fans (Alcoholican Boys) schräg über dem Gästeblock, die sich sicher in ihrer Komfortzone fühlten und nicht mit Gesten und nacktem Arsch (à la „Braveheart“) in Richtung RWE Fans sparten sowie auch den einen oder anderen vollen Bierbecher in den Block warfen. Ob sie Rot-Weiss Essen wiedersehen? Das wird knapp, denn Aachen steckt immer noch im Abstiegsstrudel fest und das Restprogramm ist alles andere als leicht. Ein Abstieg in die Oberliga Mittelrhein wäre bitter. Anders sieht es bei Rot-Weiss Essen aus. Die wahrscheinlich verlorenen Punkte aus dem abgebrochenen Spiel gegen Münster eingerechnet, sind die Preußen (die heute auf Schalke gewannen) nun zwei Punkte vor. Essen muss auf einen unwahrscheinlichen Ausrutscher von Münster hoffen, das gegen Gegner spielt die RWE liebend gerne auch in der kommenden Saison in der Liga sehen möchten. Aus eigener Kraft ist es für RWE nicht mehr möglich aufzusteigen, dafür wurden zu viele „Matchbälle“ in den vergangenen Wochen (Ahlen, Fortuna Köln, RWO) liegen gelassen, indem man einfach die vielen Chancen nicht nutzte. Vielleicht hat die erzwungene zweiwöchige Corona-Pause und die daraus resultierenden englischen Wochen ihr übriges getan und das Team ist einfach nur platt. Die sportliche Qualität ist da, das ist Fakt. Es ist das beste Team seit Jahren, das für RWE um den Aufstieg spielt und im Hintergrund agiert. Jetzt hat man ein paar Tage Zeit sich zu erholen, bevor am Ostersamstag die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach an der Hafenstraße gastiert. Noch sind sechs Spiele zu gehen, zwei auswärts und vier zu Hause. 18 Punkte sind noch zu vergeben. Enden wir mit einer gewohnten Floskel: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. > zu den Rot-Weiss Essen Fotos > zu den Alemannia Aachen Fotos

Jetzt in der App abspielen

Remis im Ruhrpott-Derby, aber tolle Kulisse am Kanal bei RWO gegen RWE

06.04.2022 00:00:00

Es war wieder soweit. Derbytime zwischen Kanal und Emscher. Auch Fans höherklassiger Vereine wussten Bescheid, denn das lokale Sportblatt schoss wie gewohnt mehr als ein Dutzend Artikel in Sachen Vorberichterstattung zum Duell zwischen Rot Weiß Oberhausen gegen Rot-Weiss Essen durch seine Internetleitung. Jeder der einmal in seinem Leben kurz vor den Ball getreten hat wurde zum Interview gebeten, um ein paar Sätze zu sagen. Alles wie immer: Ein Klick-Schmaus für die lokale Sportpresse. Nur was macht sie bloß, wenn es das Derby nicht mehr gibt und allen Schreiberlingen zum Trotz Rot-Weiss Essen dann doch aufsteigt?Denkt sich auch Rot Weiß Oberhausen, denn in der Regionalliga West bringt kein Verein eine ähnlich hohe Anzahl an Fans mit ins Niederrheinstadion. Gestern Abend waren es weit über 3.500 RWE-Fans und das bei teilweise strömenden Regen in der zum größten Teil nicht überdachten Kanalkurve. Aber auch die Rot-Weiß Oberhausen Fans ließen es sich nicht nehmen und pilgerten zahlreich ins ihre Heimstätte im Schatten des Gasometers. 9.128 Zuschauer wurden es, die auch das erste Mal seit langer Zeit ein Spiel genießen konnten ohne an Corona zu denken: Es gab keine Zuschauerbeschränkungen und auch keine Kontrollen. Nur lecker Bratwurst, Frikadelle und ein kühles Gezapftes in Pfandbechern. Diese landeten dann nach dem Spiel zu hunderten im Innenraum. Nein nicht um einen Spieler oder Unparteiischen zu treffen, sondern für den guten Zweck. Der ganze Pfand, so erklärte es RWO-Präsident Hajo Sommers im Beisein des RWE-Vorstandsvorsitzenden Marcus Uhlig, soll gespendet werden unter anderem für Kriegsflüchtlinge. Das ganze Spiel stand auch unter dem Eindruck des Krieges von Russland gegen die Ukraine. So waren nicht nur die Eckfahnen in den Farben der ukrainischen Flagge mit dem Label „Stop War“ gekennzeichnet, auch beide Mannschaften liefen statt in ihren üblichen weißen und roten Trikot in den Farben der Ukraine auf. Rot-Weiß Oberhausen in Blau und Rot-Weiss Essen in Gelb. Die Trikots werden dazu für den guten Zweck versteigert. Eine einmalige und vor allem starke Aktion beider Klubs, welche auch von den Fans getragen wurde. Ja es gab die üblichen Schmähgesänge, aber es blieb ein friedliches Derby bei „ausgelassener Atmosphäre“ und das obwohl es vor allem in der zweiten Spielhälfte auf dem Rasen recht wild zuging. Zwar hat RWO nur noch minimale Chancen auf den Aufstieg. Trotzdem legten die Kleeblätter alles in die Waagschale um RWE noch ein weiteres Jahr in der Kirmesliga Regionalliga West zu halten. Spült doch ein Heimspiel gegen Essen doch immer wieder eine schöne Stange Geld in die Vereinskasse. Aber sportlich lief es vor allem zu Beginn der ersten Hälfte, so wie es die meisten Zuschauer erwartet haben: Einbahnstraßenfußball von Essen in Richtung Oberhausener Tor. Zum Held der ersten Hälfte avancierte RWO-Torhüter Justin Heekeren, der glänzend in 1:1 Situationen eine frühe Essener Führung verhinderte. Mit vollem Körpereinsatz stellte er sich den wilden RWE-Angriffen in den Weg. Ein Schuss aus kürzester Distanz von Sandro Plechaty traf ihn im Gesicht. Er konnte aber nach kurzer Verletzungsunterbrechung weitermachen. Weiter machte auch Essen mit einem Doppelschlag, aber vom Tor vorbei. Erst setzte Simon Engelmann nach einer Hereingabe von Plechaty den Ball neben das Tor, dann köpfte Thomas Eisfeld knapp vorbei. Kurz vor dem Halbzeitpfiff bekam RWE dann die Fußballweisheit („wenn du vorne die Dinger nicht machst“) in Form von Pierre Fassnacht zu spüren. Der Linksverteidiger nahm aus 20 Metern Maß und erzielte sein erstes Saisontor. Das passiert auch nur Rot-Weiss Essen. Unmögliche ins Tor gehende Schüsse des Gegners, damit kennt man sich aus.Mit viel Wut im Bauch ging es für RWE in die Pause, während RWO feierte. Lange mussten die Essener Fans sich aber nicht gedulden, denn ihr neuer „Fußballgott“ Engelmann „regelte“ mit seinen 20. Saisontreffer den Ausgleich in der 54. Spielminute. Großer Jubel in der Kanalkurve, ein Sieg zum Greifen nah. Aber anders als in Hälfte Eins, versteckte sich Oberhausen nicht, sondern spielte intensiv mit und kam zu einigen hochkarätigen Chancen. Während Jakob Golz, der neue Mann zwischen den Essener Pfosten, stark unter anderem gegen Sven Kreyer parierte, wäre ein fehlgelenkter Schuss des RWO Spielers Fabian Holthaus fast im eigenen Tor gelandet. Es wurde ein offener Schlagabtausch mit einem vor allem aufgrund der zweiten Hälfte gerechten Remis. RWE hat die Chance verpasst, wie schon bei Fortuna Köln, den sprichwörtlichen Sack in der ersten Hälfte zuzumachen. Für RWO geht es schon am Freitag gegen die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf weiter, während Rot-Weiss Essen zum abstiegsbedrohten Traditionsverein Alemannia Aachen reist. Kein leichtes Unterfangen für das Ziel Aufstieg in die 3. Liga. Auch wenn es noch nicht feststeht, die Punkte aus dem abgebrochenen Spiel gegen Münster wird RWE wohl verlieren und so steht man punktgleich mit dem trickreichen Rivalen. Aus den beiden Nachholspielen gegen Ahlen und gestern gegen RWO konnte man nur einen Punkt mitnehmen, aber die (englischen) Wochen nach der Corona Pause waren auch hart: von den Witterungsbedingungen, Platzverhältnissen und mehr als Hundertprozent gebenden Gegnern. Wer hoch will darf nicht jammern und muss alles überstehen. Noch sind sieben Spiele zu gehen und vielleicht kann sich trotz aller Rivalität Essen noch einmal auf Oberhausen am 8. April (gegen MS) verlassen, wie in der vergangenen Saison, als RWO dem späteren Aufsteiger BVB II in der Hinrunde die Stirn bot und Unentschieden spielte. Warten wir es ab. Wir bleiben dran.> zu den Rot-Weiß Oberhausen Fotos > zu den Rot-Weiss Essen Fotos  Titelfoto: Ein Tor, indem die zweite Tore des Spiels fielen.

Jetzt in der App abspielen

Knapp 4.000 FCM-Fans im Berliner Regen - Viktorias erster Liga-Sieg in diesem Jahr

06.04.2022 00:00:00

„Kommste mit?“ - „Logo!“ Der größere Sohn hatte trotz übler Witterung richtig Bock auf Montagabend-Fußball im Berliner Jahn-Sportpark. Zugegeben, ich hätte das Spiel komplett verpasst, wenn nicht eine gute Freundin mich einen Tag zuvor drauf aufmerksam gemacht hätte. Die Drittligapartie FC Viktoria 1889 Berlin vs. 1. FC Magdeburg lief unter dem Radar, was wohl auch daran lag, dass ich Montagabendspiele überhaupt gar nicht mehr auf dem Schirm habe. Es gab ja Zeiten, da war der 1. FC Magdeburg ein gefühlter Dauergast in Berlin. In der Regionalliga wurde bei Viktoria 1889 in Lichterfelde, beim Berliner AK 07 im Poststadion und bei Hertha BSC II, bei Union II beim BFC Dynamo im Amateurstadion, in der Alten Försterei und im Jahn-Sportpark gespielt. Bei einer Cola im gemütlichen Empor-Ecke werteten die anwesenden FCM-Fans das Ganze noch einmal aus. Es müssten acht Gegner gewesen sein, gegen die die Magdeburger bereits im JSP antreten mussten. Türkiyemspor Berlin, Türkspor Berlin, Berliner AK, Hertha BSC II, 1. FC Union Berlin, 1. FC Union Berlin II, BFC Dynamo und FC Viktoria 1889.    Im Berliner Raum allgemein kamen seit der Wende noch der FC Lichterfelde, S.D. Croatia Berlin, der Spandauer SV, Bergmann Borsig Berlin, Hertha 03 Zehlendorf, der Köpenicker FC, die Reinickendorfer Füchse, Tennis Borussia Berlin, der SC Charlottenburg und der BFC Preußen dazu. Schreibt in die Kommentare, falsch etwas vergessen wurde. Kurzum: Nach Berlin verschlug es den 1. FCM in all den Jahren sehr häufig.   In guter Erinnerung blieb der Magdeburger Auftritt am Abend des 27. April 2007, als rund 2.000 FCM-Fan den 2:0-Auswärtssieg bei den Amateuren von Hertha BSC feierten. Damals waren die Magdeburger auf klarem Aufstiegskurs, am Ende wurde es überaus tragisch. Ihr wisst schon. Bayer 04 Leverkusen II, der FC St. Pauli… Aktuell sind die Magdeburger wieder auf Aufstiegskurs. Die Rückkehr in die 2. Bundesliga gerät allerdings etwas ins Stocken. Konnte in der Hinrunde von einer Übermannschaft gesprochen werden, so hakte es zuletzt ein wenig. Nur ein 1:1 daheim gegen den Halleschen FC, ein torloses Remis gegen den SV Meppen. Aber gut, was sollen die Fans von Viktoria Berlin sagen? Sah es zu Saisonbeginn noch richtig gut aus, hagelte es in der Liga in vergangenen Wochen etliche Niederlagen. 0:2 bei Wehen Wiesbaden, 0:2 gegen Freiburg II, 1:4 in Halle, 0:2 gegen 1860 München, 1:3 in Osnabrück. Unentschieden gab es bei Havelse und gegen Zwickau. Der Abstieg nach nur einem Jahr Drittligafußball droht akut.    Kein Wunder, dass am Montagabend gegen den Tabellenführer aus Magdeburg auf Heimseite nur noch extrem wenige Fans kamen. Während der eigentliche Gästeblock voll war, konnten auch auf der Gegengerade fast nur FCM-Fans ausgemacht werden. Dabei war sicherlich auch der eine oder andere neutrale Zuschauer, der an diesem Abend einfach mal dem FCM ein wenig die Daumen drückte. Aufgrund des überaus miserablen Wetters wirkte die Haupttribüne indes fast menschenleer. Die Anwesenden stellten sich halt unter die Vorsprünge oder blieben gleich in den warmen Räumlichkeiten. Recht gut geschützt stand man auf der Gegengerade. Der Wind kam von hinten, und unter dem Dach war es vergleichsweise lauschig.    Ich hätte nicht gedacht, dass ich dort noch einmal als Zuschauer bei einem Fußballspiel stehen würde, hatte ich - wie viele - fest mit dem baldigen Abriss des Jahn-Sportparks gerechnet. Umso größer war das Erstaunen, als im vergangenen Sommer dann doch noch einmal die Betriebserlaubnis verlängert wurde und der Aufsteiger aus Tempelhof/Lichterfelde einzog. Würde der BFC Dynamo am Ende der laufenden Saison aufsteigen, dürfte auch er in der kommenden Spielzeit seine Heimspiele in der 3. Liga dort austragen.   Die Zahl der Gästefans war am vergangenen Montagabend in jedem Fall eine Wucht. Ganz egal, ob es nun 3.000 oder knapp 4.000 „echte“ FCM-Fans waren. Zu Beginn der Partie wurde die eigentliche Gästekurve ein blau-weißes Fahnenmeer - Block U war wieder zurück -, und mein größerer Sohnemann (und manch ein anderer) hoffte gewiss ein wenig auf eine schmucke Pyro-Show. Dieses blieb jedoch aus. Verständlich, wenn es quasi gar kein richtiges Heimpublikum gibt. Der Support konnte sich indes hören lassen. Endlich wieder volle Kurven, endlich wieder klassischer Support, wie man ihn vor der Corona-Krise gewohnt war. Schön, mal wieder all die Klassiker zu hören.    Leider war die Magdeburger Leistung auf dem Rasen nicht allzu berauschend. Vielleicht lag es am Mistwetter, vielleicht ist auch wirklich der Wurm drin. Wer weiß das schon? Meinem Sohn und mir taten all die Fans leid, die sich am Montag auf den Weg nach Berlin gemacht hatten, um ihr Team zu unterstützen. Da müsste man unten auf dem nassen Grün eigentlich volle 100 Prozent geben. Gefühlt eigentlich sogar 120. Aber gut, Viktoria Berlin steht nun mal mit dem Rücken zur Wand und nutzte die Gunst der Stunde. Der hellblaue Knoten platzte und Lewald und Benyamina brachten die Berliner mit 2:0 in Führung. Der Kopfball zum 1:0 in der 19. Minute nach hereingebrachtem Freistoß war halt wie aus dem Lehrbuch und konnte ohne große Gegenwehr untergebracht werden.    Immerhin wurde die Schlussphase noch einmal spannend, nachdem Brünker in der 76. Minute mit dem Kopf den 1:2-Anschlusstreffer erzielen konnte. Zehn Minuten zuvor hätte Benyamina allerdings bereits das 3:0 machen können. Nun denn, spannend wurde es halt aufgrund des knappen Spielstandes, ein echtes Aufbäumen der Magdeburger war nämlich nicht zu erkennen. Das war schlichtweg zu wenig, und so war es kein Wunder, dass nach Abpfiff die meisten Fußballfreunde sofort den Weg nach draußen suchten.   Noch ist das Punktepolster groß genug, doch gegen Viktoria Köln sollte mal langsam wieder ein Dreier her, um das gesteckte Ziel nicht noch zu verspielen. Wer würde sich am Ende der Saison über eine mögliche Relegation gegen die SG Dynamo Dresden freuen? Dieses Szenario haute ich nach dem Spiel bei der Auswertung im besagten Empor Eck bei einem frisch Gezapften mal einfach in den Raum. Zurecht erschrockene Gesichter am Tisch … Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: 1. FC Magdeburg

Jetzt in der App abspielen

Der HSV vertändelt gegen Paderborn die Aufstiegschance

03.04.2022 00:00:00

Zurück aus den Corona-Einschränkungen in Hamburg. Am heutigen 2. April 2022 um 13.30 Uhr startete der 28. Spieltag der zweiten Fußballbundesliga für den Hamburger SV. Es ist der erste Spieltag ohne Corona-Einschränkungen in der Hansestadt und das bedeutete, dass die aktive Fanszene wieder Einzug hält auf der Nordtribüne.Der Tag startete vielversprechend am Stellinger Bahnhof bei der ein oder anderen Hopfenkaltschale und guten Gesprächen. Man hatte sich schließlich in dieser Konstellation gut zwei Jahre nicht mehr gesehen. Also ging es für die Hansestädter top motiviert in den Volkspark.   Den ersten Dämpfer für den HSV gab es bereits in der ersten Spielminute, als der Paderborner Srbeny etwa 30 Meter vor dem Tor den weit draußen stehenden Heuer Fernandes mit einem gekonnten Schuss über seinen Kopf bezwang. Der HSV hatte trotz des frühen Gegentores die Oberhand und erarbeitete sich einige gute Chancen, was das Stadion weiter anheizte. Aber trotzdem fehlte es an Ideen und Cleverness im Abschluss. Zu oft unterliefen dem HSV Ballverluste in der eigenen Hälfte. Schon das erste Tor war nach einem solchen gefallen und auch jetzt führte es immer wieder zu guten Situationen für den SC Paderborn.   Die Paderborner Abwehr stand kompakt und der Schlussmann Jannik Huth machte am heutigen Tag ein sehr guten Job. Der Hamburger Bakery Jatta kam des Öfteren über die rechte Seite, aber immer war ein Paderborner Verteidiger zur stelle, der seine Flanken abfangen konnte. In der 55. Spielminute ging der HSV-Spieler Robert Glatzel im Strafraum zu Boden und nach kurzem VAR entschied Martin Thomsen auf Elfmeter. Der Gefoulte Glatzel ging selbst zum Elfmeterpunkt und legte sich den Ball zurecht. Er wollte den Ball locker ins rechte untere Eck legen, aber das erahnte der Paderborner Keeper und wehrte den Ball zur Seite ab. Nur sechs Minuten später steckte Thalhammer durch die HSV-Verteidigung den Ball Srbeny zu, der aus spitzem Winkel sofort abzog - und schon zappelte der Ball wieder im Netz des HSV. Die Rothosen liefen weiter an, aber die Verteidigung der Gästemannschaft hatte stets eine bessere Antwort parat.   In der 78. Minute war der Ball plötzlich im Netz der Paderborner, jedoch war die Fahne oben. Rohr flankte auf Jatta, dessen Kopfball noch von Huth abgewehrt wurde, aber Schonlau stand bereit und staubte ab. Leider stand Jatta bereits bei Rohrs Flanke im Abseits. In der 84. Minute kam abermals der VAR zum Einsatz, als Jatta mit einem Pass in den Rückraum Kaufmann fand, der aus kurzer Distanz rechts unten einschob. Leider stand Jatta bereits bei der ankommenden Flanke auf ihn knapp im Abseits.   In der 93. Minute machte es Chakvetadze noch einmal kurz spannend, als er aus rund 20 Metern einfach mal abzog. Eigentlich war dies ein harmloser Schuss, doch der Paderborner Schlussmann ließ ihn durch seine Arme gleiten. Das war es dann aber leider auch aus Hamburger Sicht. Damit ist ein lang ersehnter Wiederaufstieg ins Oberhaus fast nicht mehr zu schaffen. Es blieb den 27.135 Fans am heutigen Tag nur noch die Hoffnung auf den Pokal in Berlin. Bericht & Fotos: Benjamin Barsig

Jetzt in der App abspielen

Auf gute Freunde! Hansa Rostock besiegt endlich mal wieder den FC St. Pauli!

03.04.2022 00:00:00

Hey, hey! Schlager, Partymucke und gute Laune. Es fühlte sich ein wenig an wie in einem Fanbus in den frühen 90ern, als es nach Nürnberg, Bremen, Nantes und Parma ging. Nee, nee, nicht mit Hansa, sondern mit dem Verein aus der kurzzeitigen Wahlheimat am Rhein. Das Gefühl war jedoch sicherlich übertragbar und bei ziemlich jedem Verein gleich. Let’s fetz! Alk und Rock’n Roll! Am gestrigen Samstag ging es von Berlin aus im Neuner gen Rostock - und Spannung und Vorfreude stiegen von Kilometer zu Kilometer. Volle Kapelle im Ostseestadion. Der verhasste FC St. Pauli zu Gast in Rostock!Das letzte Heimspiel gegen den selbsternannten Kiezklub aus Hamburg hatte ich verpasst. Aber wat heißt verpasst?! Am 19. November 2011 hatte ich dem Sprössling den Vorzug gegeben, fleißig die Windeln gewechselt und den Buggy in Berlin zu irgendeinem Amateurspiel gekutscht. Die Bilder von jener Partie im Ostseestadion hatten sich selbstverständlich eingebrannt. Die fliegenden Leuchtkugeln, die Gegentreffer von Max Kruse und Mahir Saglik. Ein brachialer Stich ins Herz. Rote Karte für Tom Weilandt in der achten Spielminute. Das Nachspiel. Deniz Naki. Die Fahne. Ohnmacht. Wut und Hass.  Aber hey, den Tränen von Klaus Thomforde sei Dank durften wir Älteren im Oktober 1995 das ins Berliner Olympiastadion verlegte Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt bewundern. Erpelparka und feuchte Augen, als vor knapp 60.000 Zuschauern der Ausgleichstreffer zum 1:1 erfolgte. Geilomat hoch drei! Und während ich mir die Aufstellung des „Skandalspiels“ am 23. September 1995 im Rostocker Ostseestadion anschaue, fällt mir auf, dass damals auf St. Pauli-Seite Stephan Hanke mit in der Startelf stand. Vier Jahre zuvor hatten wir in der Lehrwerkstatt in Leverkusen für kurze Zeit Seite an Seite Platinen bestückt und Dioden festgelötet.    So wat allet jeht einem halt durch die Birne, wenn man hinten im Neuner sitzt und zum Zweitligaduell Hansa Rostock vs. St. Pauli gefahren wird. Während die vorderen Reihen bereits ordentlich abgingen, brauchte ich noch ein bisschen, um auf die nötige innere Betriebstemperatur zu kommen. Später am / im Gasthaus Trotzenburg löste sich ein wenig die Anspannung. Die Vorfreude wuchs. Erst jetzt konnte wirklich realisiert werden, dass in knapp zwei Stunden das Duell gegen St. Pauli angepfiffen wird. Eine Wurst, ein Steak, zig Gespräche. Im Gehölz donnerten die ersten Böller, am sonnigen Himmel war der Polizeihelikopter zu hören.    Knapp eine Stunde vor Anpfiff ging es hinein in die gute Stube. Während der Gästeblock bereits recht gut gefüllt war, herrschte auf der Südtribüne noch gähnende Leere. Exakt 45 Minuten vor Spielbeginn enterten die Hansa-Fans die Süd und stimmten die Schlachtgesänge an. Langsam aber sicher kam eine gewisse Temperatur auf, doch war (noch) nicht dieses krasse Kitzeln zu spüren, wie beispielsweise 2014 gegen die SG Dynamo Dresden und vor allem 2015 gegen den 1. FC Magdeburg. Vor allem gegen den FCM lag damals solch eine krasse Brisanz in der Luft - das Knistern war im letzten Winkel des Ostseestadions zu spüren. Block U & Co schafften es damals sogar mit dem brachialen Support der ebenso gut aufgelegten Südtribüne ernsthaft Paroli zu bieten. Davon konnte nun beim Gästeblock nicht die Rede sein.    Allerdings ist dies Kritik auf hohem Niveau. Nach zwei Jahren Corona-Maßnahmen war es ein hervorragendes Gefühl, endlich wieder volle Heimränge und einen ebenso vollen Gästeblock zu sehen. 2012 und 2021 gab es am Millerntor zwei Duelle ohne Gästefans - nun endlich fand das Ganze in einem angemessenen Rahmen statt. Um die Jungs aus Hamburg ein wenig aus der Reserve zu locken, hatte man einige Minuten vor Anpfiff ein Lied parat. Ähnlich wie beim letzten DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart wurde „Auf gute Freunde“ von den Onkelz abgespielt, und das Stadion sang lauthals mit. Nicht ganz so laut, wie damals im Pokal, doch untermalte dieses Mal dieser Song keine Choreo. Gereizt fühlten sich die Sankt Paulianer trotzdem, sodass ein „Alerta, Alerta, Antifascista!“ zu vernehmen war.    Und was das Optische und Knalltechnische betraf: Während im Gästeblock bereits vor Anpfiff die erste Ration Pyrotechnik zum Einsatz kam, hielt man sich auf Heimseite zurück. Es muss ja auch nicht alles auf Knopfdruck kommen. Um es schon mal vorweg zu nehmen: Das Erfreuliche des Tages war die Tatsache, dass im Stadion selbst keine Gegenstände hin- und herflogen und somit ein möglicher Spielabbruch zu keinem Zeitpunkt im Raum stand.  Auf der Heimseite setzte man - abgesehen von einzelnen Fackeln beim späteren Tor - vor allem auf die Sangeskraft. Und auch diesbezüglich musste sich nach all den Lockdowns und Einschränkungen sicherlich erst einmal wieder eingetaktet werden. Was sicherlich auch für den Gästebereich zutrifft. Aber hey, irre laut auf den heimischen Rängen wurde es, als Rhein kurz nach Anpfiff zum gedachte 1:0 für Hansa Rostock traf. Welch eine Wucht! Wie ein Orkan bürstete der Torjubel alles weg und war sicherlich bis Güstrow und Warnemünde zu hören. Da blieb kein Auge trocken. Zu emotional war der Moment. Nach den 0:3 und 0:4-Niederlagen auswärts bei St. Pauli nun endlich die Führung gegen den Erzrivalen schlechthin. Das „scheiß St. Pauli!!!“ schepperte aus allen Ecken - und dann das! Meine Fresse, ja, Hansa spielt ja in der 2. Bundesliga. Und in dieser gibt es den VAR. Arge Sache! Nicht dass wenige Sekunden später sich eine Fahne hob. Nein, nach gefühlter Ewigkeit rief wohl der verhasste Keller an. Wegen eines eher leichten Fouls von Verhoek wurde der Treffer zurückgenommen.    Wat willste machen? Jetzt erst recht! Die erste Viertelstunde wurde bissig, in der Folgezeit kamen die Gäste etwas besser ins Spiel, doch Hansa verteidigte mit Leidenschaft und Bravour. Das Gefühl dürfte bei den meisten Hansa-Fans ein gutes gewesen sein. Hier ging was gegen den Tabellenführer - das war klar. Kurz vor dem Pausentee legten die Rostocker ein Schippchen drauf und kamen zu zwei guten Möglichkeiten, doch Neidhart und Rhein konnten den Ball nicht unterbringen.   Pause. Kaffee trinken gehen? Neee. Bei solch einem Duell bewahrt man stets den wachen Blick. Und es sollte nicht lange dauern, bis rötliches Licht durch das Mundloch unter dem Gästeblock auszumachen war. Böller detonierten, draußen lieferte man sich am Zaun ein hitziges Gefecht, bei dem Pyrotechnik die Seiten wechselte. „Klopft hier einer?“, fragte wohl einer auf der Süd, der wohl ein wenig in den Gedanken versunken war. Tja, so kann man es auch ausdrücken. Glücklicherweise übertrugen sich die Auseinandersetzungen nichts ins Stadioninnere, sodass die Partie wieder pünktlich angepfiffen werden konnte. Routiniert wie am Schnürchen zogen USP & Co auch ihre zweite Pyro-Aktion durch und brachten den Block zum Leuchten. Auf Heimseite verzichtete man weiterhin auf den Einsatz von Fackeln und Rauch.   Auf dem Rasen nahmen nun die Rostocker das Heft in die Hand. Der Anblick von Einsatz und Kampfeswille war eine reine Freude. Hansa Rostock wollte es am gestrigen Abend wirklich wissen und drängte auf den ersehnten Treffer. Nach einer Stunde gab es den Lohn all der Mühen. Rizzuto brachte den Ball von der rechten Seite aus scharf rein, und am zweiten Pfosten stand Neidhart bereit. Und zwar in solch einem spitzen Winkel, dass eigentlich nicht mit einem direkten Treffer zu rechnen war. Denkste, Puppe! Rein das Ding! 1:0 für Hansa Rostock - und wieder brandete unbeschreiblicher Jubel auf. Jedoch nicht ganz so krass wie bei der gefühlten Führung in der Anfangsphase. Abseits oder ähnliches? Wieder ein Anruf aus dem gruseligen Keller? Kein Anruf unter dieser Nummer! Der Treffer hatte Bestand und wurde ausgiebig gefeiert.    Einzelne Fackeln brannten ab, in Block 9A wurden ein paar St. Pauli-Utensilien präsentiert. Auf dem Rasen machte Hansa Rostock die Sache weiterhin prima. Es kam kaum Angst auf, dass die Sache noch in die Hose gehen würde. Man durfte guter Dinge sein. Einen Schreckmoment gab es jedoch in der 74. Minute, als ein Freistoß von Paqarada knapp den Dreiangel verfehlte. Holla die Waldfeh, den hatte ich bereits fast drinnen gesehen. Weitere hochkarätige Möglichkeiten der Gäste waren jedoch in der Folge Mangelware. Viel mehr hatten die Rostocker die Chance, den Sack zuzumachen. Ach ja, dieses Gefühl, wenn man sich sehnlichst das 2:0 herbeisehnt. Dieses Gefühl der Entscheidung. Den Gegner Schachmatt setzen. St. Pauli endgültig besiegen. In der 86. Minute hatte Malone solch eine Möglichkeit zum 2:0, doch sollten weitere Treffer an diesem Abend nicht mehr fallen.   Abpfiff nach vier Minuten Nachspielzeit. Welch ein Jubel! Wirklich das gesamte Stadion beteiligte sich am „Ahu!“. Und als die Gästespieler zum Gästeblock trotteten, hallte ein unfassbares lautes „Scheiß St. Pauli!!!“ durch das Ostseestadion. Herrlich! Minutenlang feierten die Spieler mit den Fans und liefen zu sämtlichen Ecken. Trikotwünsche wurden erfüllt, minutenlang blieben die Ränge noch voll. Es war vollbracht. Der Knoten war geplatzt. Der erste Sieg gegen den braun-weißen Erzfeind seit dem 26. September 2008 war vollbracht. Damals bügelten Régis Dorn und Dordije Cetkovic mit ihren Toren den „Kiezklub“ mit 3:0 weg.    Dass es nach Abpfiff nahe des Gästeblocks noch etwas hektisch werden könnte, war zu erwarten. So waren aus der Ferne Böller zu vernehmen, und der Helikopter kreiste über dem Barnstdorfer Wald. Gelinde gesagt etwas merkwürdig erschien es, als mehrere Polizeifahrzeuge mit Blaulicht in Wild-West-Manier in den schmalen Weg in Richtung Südtribüne und Hotel Sportforum einbogen, war doch dieser gefüllt mit Fans und wegfahrenden Autos. Aber gut, muss man nicht verstehen.   Nach der üblichen Wartezeit fanden wir uns im Neuner auf der Autobahn gen Berlin wieder und ließen eher still bei gedämpfter Musik die Gedanken kreisen. Knülle, aber unendlich glücklich wurden auf dem Handy die ersten Nachrichten studiert. Der Blick auf die aktuelle Tabelle lockte ein friedvolles Lächeln herbei. Noch vier, fünf Punkte, dann dürfte der Klassenerhalt greifbar nahe bzw. sicher sein. Vier Siege in Folge für Hansa Rostock - das ist eine echte Hausnummer. Für St. Pauli war es indes die dritte Niederlage in den letzten sieben Spielen. Das dürfte nun oben an der Tabellenspitze ein Hauen und Stechen geben, zumal heute Werder Bremen gegen Sandhausen nicht über ein 1:1 hinauskam.   Für Hansa geht es nun bereits am kommenden Freitag nach Düsseldorf, nach dem Heimspiel gegen Jahn Regensburg geht es am 24. April nach Aue. Fazit des Ganzen: Die bravurös kämpfende Mannschaft des F.C. Hansa Rostock konnte am gestrigen Abend endlich mal wieder gegen den FC St. Pauli Geschichte schreiben. Ähnlich wie einst am 23. September 1995, als nicht nur die „Rauchbombe“, sondern auch Stefan Beinlich und Steffen Baumgart mit ihren Treffern die St. Pauli-Kicker zum Weinen brachten. Blau-weiß-rote Geschichte wurde geschrieben - blau-weiß-rote Geschichte wird geschrieben. Ein weiteres Kapitel für Band II von „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ schrieb sich am gestrigen Tag quasi von selbst. Ahu! Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock > zur turus-Fotostrecke: FC St. Pauli

Jetzt in der App abspielen

Kein Aprilscherz: RWE besteht im Schneetreiben und ist voll auf 3. Liga Kurs

02.04.2022 00:00:00

Vor einer Woche noch „1,2,3 Oberkörper frei“ im Gästeblock in Wiedenbrück und gestern fett eingemummelt bei Schneetreiben und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt im Stadion an der Hafenstraße in Essen. Getreu dem Liedtext „durch Regen und Wind, durch Sturm und Schnee, RWE olé“, schreckte der pünktlich zum 1. April im Ruhrgebiet einsetzende Wintereinbruch aber kaum einen Fan ab. Es gibt nichts Besseres an einem Freitagabend: Flutlicht, Hafenstraße, gute Stimmung und ein spannendes Spiel von Rot-Weiss Essen gegen die U21 des 1. FC Köln mit einem furiosen Finish.Exakt 10.070 RWE-Fans (Gästefans: keine), wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen, auch wenn die RWE-Fans sich gerne mal einen nicht so nervenaufreibenden Fußballabend nah am Herzinfarkt wünschen würden. Aber wie wir schon so oft schrieben: Essen kann nur spannend. Dabei hätte RWE schon früh im Spiel die Weichen auf Sieg stellen können, zumal die Spielbedingungen mit der Dauer aufgrund der Witterungsbedingungen immer schlechter wurden. Darauf hatte man sich im Vorfeld eingestellt. Aber eine Spielabsage stand gar nicht zur Diskussion. Man ist hier an der Hafenstraße halt hart im Nehmen (wie schon beim Heimspiel gegen Düssseldorf II) und jammert nicht wie anderswo über einen Rasen, der auch bei zwölf Grad und Sonne für durchgefroren und damit unbespielbar erklärt wird. Das sind halt die Unterschiede in der „Kirmesliga“ Regionalliga-West. Und außerdem: Die Zeit für Nachholspiele ist rar gesät. Geht es nach Plan, ist die Saison in sechs Wochen vorbei. Also einfach das Dingen bei Wind und Wetter durchziehen und die Punkte mitnehmen, zumal der in dieser Saison stark agierenden U21 des 1. FC Köln (Tabellenplatz 6) Spieler fehlten, die die Profis bei ihrem gleichzeitigen Auftritt in der ersten Bundesliga beim 1. FC Union Berlin (1:0) unterstützen mussten. Die Kölner gewannen zuletzt gegen Rot Weiß Ahlen mit 6:1, gegen die wiederum Essen etwas überraschend mit 2:0 verloren. Trotz Dezimierung lieferten die kleinen Geißböcke auch gestern eine bemerkenswerte Leistung in Essen. Bei den Gastgebern gab es dagegen in der Aufstellung eine Überraschung, die trotz des Spieldatums (1. April) kein Aprilscherz war: Statt des Kapitäns und Schlussmanns Daniel Davari, rückte Jakob Golz auf die Torwartposition. Eine bemerkenswerte aber rein sportliche Entscheidung von Christian Neidhart. Davari schwächelte zuletzt etwas und Golz konnte sich wohl unter der Woche beim Viertelfinale-Pokalsieg über die SpVg Schonnebeck erfolgreich beweisen. Das ist leider die Krux eines Torwarts, der sich anders als die Feldspieler kaum Fehler erlauben darf. Aber Rot-Weiss Essen hat den Luxus (was nicht immer so war) mit Golz und Davari gleich zwei Top-Torhüter in den eigenen Reihen zu wissen, naja eigentlich sogar drei: Denn mit Raphael Koczor steht ein erfahrener Keeper, der gleichzeitig auch Torwarttrainer im Nachwuchsbereich ist, auf Abruf bereit und wenn es nur zum gemeinsamen Feiern nach Spielschluss ist.Zum Feiern gab es auch gestern reichlich nach Spielende, aber nochmal kurz durchgespult: Mit Neu-Kapitän Daniel Heber ging es nach der zweiten „Adiole“ aufs Spielfeld und es begann ein offensiver Schlagabtausch bei denen die Essener aktiver agierten. Mussten sie auch, wollten sie sich mindestens über Nacht die Spitzenposition der Regionalliga West holen. Die Kölner ohne Ambitionen in der Liga (wie bei zweiten Mannschaften üblich) konnten befreit aufspielen. Dann in der 14. Spielminute köpfte der RWE-Kapitän nach einer Ecke ins Tor. Großer Jubel, da auch der Schiedsrichter den Treffer gab. Er wurde aber kurze Zeit später von dem Linienrichter vor der Haupttribüne überstimmt: Nach dem Kopfball von Heber stand Isaiah Young scheinbar im Abseits und war wohl noch am Ball. Das Tor wurde unter großer Entrüstung der 10.000 Fans zurückgenommen. Es ging weiter beim Stand von 0:0. Das Spiel war auf beiden nicht chancenarm und auch Jakob Golz im Kasten der Rot-Weissen konnte sich gleich mehrmals auszeichnen, hatte aber zu Beginn etwas Probleme mit langen Abschlägen. Nach einer spannenden ersten Hälfte, ging es mit einem gerechten Unentschieden in die Pause. Das Schneetreiben wurde (gefühlt) stärker und auch Essen setzte alles daran alle drei Punkte an der Hafenstraße zu behalten. Aber bis kurz vor Schluss wurden fast alle Chancen entweder leichtsinnig vergeben oder der Kölner Torhüter Daniel Adamczyk war zur Stelle. Wie beispielsweise in der 73. Spielminute, als er einen Kopfball von Felix Herzenbruch aus dem Winkel fischte. Es blieb hochspannend und die Fans hatten ein feines Gespür für die Situation und pushten ihr Team mit lautstarken Gesängen von den drei Tribünen. Gänsehaut. In der 81. Spielminute sprangen alle auf, als Isaiah Young fast alleine auf den Kölner Keeper zulief, aber er wurde vor dem Strafraum getackelt und konnte nicht abschließen. Nur vier Minuten später dann die Erlösung auf den Rängen. Der Essener Top-Torjäger war zur Stelle. Wer wenn nicht Simon Engelmann konnte Freude in die eingefrorenen Gesichter auf den Tribünen zaubern. Er ist da, wenn man ihn braucht. Die letzten Minuten des Spiels war aber noch einmal das große Zittern angesagt, zumal der Kölner Keeper bei einer letzten Ecke (9:9 Ecken insgesamt) im RWE-Strafraum mitmischen wollte. Das klappte aber nicht. Im Gegenteil: Der zuvor eingewechselte Marius Kleinsorge bekam den Ball vor die Füße und lief alleine auf das Kölner Tor zu und vollendete zum 2:0 Endstand. Ein wichtiger Sieg für Rot-Weiss Essen im Aufstiegskampf. Noch hat RWE alles in eigener Hand, würde sich natürlich aber über Schützenhilfe freuen. Beispielsweise von den Kölnern, die am letzten Spieltag in Münster gastieren. Für RWE geht es am kommenden Dienstag weiter und zwar mit dem Derby bei Rot Weiß Oberhausen. Danach folgt ein weiteres Auswärtsspiel bei Alemannia Aachen. Die Liga biegt langsam auf die Zielgerade ein: Insgesamt nur noch acht Spiele für Rot-Weiss Essen: #ImmeRWEiter mit Kurs auf Liga 3.> zu den Rot-Weiss Essen Fotos Fotos: K.Hoeft (turus.net / frontalvision.com)

Jetzt in der App abspielen

Pferdeduft und Bavaria Pils in Hollands vierter Liga

02.04.2022 00:00:00

Wenn man aus dem Auto steigt und der Geruch von der Örtlichen Pferdekoppel einen in die Nase steigt, weiß man, dass man in der holländischen vierten Liga ist. 30. März 2022 um 20 Uhr war Anstoß der Corona-bedingten Nachholpartie des 17. Spieltages der Derde Divisie Zondag zwischen dem Echter Voetbal Vereniging und JOS Watergraafsmeer aus Amsterdam.Das Spiel eröffnete der Gast mit dem Sponsor einer Bar aus dem „Red light district“. Nach einem kurzen Ballwechsel hatte aber der Gastgeber die erste große Chance, als van der Schouw mittig des Sechszehners abzog, aber der Ball knapp links vorbei ging.   In der zehnten Minute hatten dann gleich die Amsterdamer ihre erste dicke Chance, als Malcolm Esajas nach einem Freistoß den Ball ins Tor köpfte, jedoch leider knapp im Abseits stand. Nur fünf Minuten später gab es DEN Aufreger des Spiels. Der Echter Torhüter Michel Vercruysse aus Belgien nahm in seinem 300. Pflichtspiel für den EVV schützend seine Hände kurz vor dem Strafraum vors Gesicht, sodass der Unparteiische keine Wahl hatte ihn mit Rot vom Platz zu stellen. Für ihn kam der 20 Jahre jüngere Schlussmann Dylan Creemers. Der Zorn des 42-jährigen Vercruyssen entlud sich prompt an einem Stapel Pylonen und einer Tiefkühlbox.   Den anschließenden Freistoß, mittig vor dem Strafraum durch Fafiani an der Mauer vorbei, hielt der neue Schlussmann vom EVV souverän. Durch die personelle Minderheit hatte Echt Schwierigkeiten dem Druck der Amsterdamer standzuhalten, bis in der 29. Minute Hagary durch eine schöne Hereingabe von Hardenberg zum 0:1 einnetzte.   Keine Minute später zog der Vorlagengeber des 0:1 ab zum 0:2 für JOS. Außer kleiner Nadelstiche hatte der EVV nun nix mehr entgegenzusetzten. Vier Minuten vor der Pause köpfte dann abermals Nigel Hardenberg durch eine Ecke von Richmond Bossman zum 0:3 für Amsterdam ein.   Die Pause wurde meinerseits genutzt, um die kulinarischen Köstlichkeiten Hollands auszutesten. Bei Frikandel und Friet wurde noch ein niederländisches Bavaria Pils verhaftet, ehe es zurück auf die Tribüne des Stadions In de Bandert ging. Die zweite Hälfte war geprägt von einem munteren Schlagabtausch im Mittelfeld. Das einzige Highlight des Schlussabschnittes war das Tor zum 0:4 in der 69. Minute durch Hardenberg der nach Vorlage von Virgil Smith seinen Hattrick komplettierte. Dann hieß es für mich und den weiteren 274 Zuschauern Abschied nehmen für diesen Tag von der „John Gehlen Tribune“. Bericht & Fotos: Benjamin B.

Jetzt in der App abspielen

Mal sehen, was geht! - Pobiedziska lädt zum Derby gegen Mieszko Gniezno

29.03.2022 00:00:00

In Wielkopolskie wurde anno 2006 einmal eine Junioren-EM ausgetragen, wobei für mich damals Grodzisk Wielkopolskie heraussprang. Mittlerweile habe ich die Standorte von damals fast komplett. Als scheinbar unerreichbar erwies sich bei dieser Mission bisher der Platz in Pobieziska. Vier fantechnisch interessante Spiele waren in dieser Saison zu erwarten. Nielba spielte hier schon in der Hinrunde der Wielkopolskie-Liga, Górnik Konin stand erst vor ein paar Tagen im überdachten Gästeblock. Das Derby gegen Mieszko Gniezno und das Spiel gegen Obra Kościan blieben mir. Gegen Obra wird es wahrscheinlich sportlich eher irrelevant werden und somit nur Standard-Support geben, gut möglich unter zahlreicher Unterstützung von Start Gniezno. Also wählte ich die Wundertüte „Derby gegen Mieszko Gniezno“. Mieszko, als Spitzenreiter vor dem Spieltag, hat Ambitionen, in die 4. Liga aufzusteigen. Das wollen Unia Swarzędz, Kotwica Kórnik und Nielba Wągrowiec auch. Alles schön eng an der Spitze und alle Vereine sind professionell aufgestellt. Natürlich alle aus dem Umland von Poznań. Pobiedziska wollte im Derby Mieszko natürlich ordentlich die Suppe versalzen.   Das Wetter zwar nicht prickelnd, aber was soll's… Eine kleine Fahrt mit dem Zug stand an. Bei den Ticketpreisen muss man nicht groß überlegen. Der Bahnsteig voll, der Zug voll. Was denn hier los? Lech Sektion Wilda war übrigens sehr aktiv. Auf der kurzen Strecke gibt es am alten Lech-Stadion mittlerweile zwei nette Wandbilder zu sehen. Dann war der Hauptbahnhof erreicht. Unvorstellbar, wie sich hier alles verändert hat. Das glitzernde Einkaufszentrum lockt ideal zum Totschlagen der Wartezeit. Früher wurden hier Minuten zu Stunden.   Das heutige Bild des Bahnhofs bestimmen die Farben Blau und Gelb und unzählige Flüchtlinge aus der Ukraine. 1 % alte Männer, der Rest Frauen mit Kindern. In der Hand manchmal nur eine Tüte. Die Gesichter allesamt ziemlich stark von den Geschehnissen gezeichnet. Die Hilfe, zu großen Teilen aus dem privaten Bereich stammend, ist enorm. Ein paar polnische Organisationen waren erkennbar, und zu meiner Überraschung waren auch vier Leute der Zeugen Jehovas anwesend. Die genaue Funktion war für Außenstehende nicht ersichtlich. Sie trugen Erkennungs-Schilder in den Händen. Auf irgendeine Art werden sie sich wohl auch hier einbringen, sonst würden sie vermutlich hier nicht stehen. Die Feuerwehr hat Zelte aufgebaut, sonst gibt es Versorgungsstände mit den nötigsten Sachen. Bisher hatte ich schon so ziemlich alle Bahnsteige von Poznań durch, so meinte ich. Aber wo ist 1a? Nur noch 5 Minuten auf der Uhr. Im Gewühl traf ich einen Schaffner, der mich aufklärte. Wie eine Kompassnadel zeigte sein Arm in Richtung „ehemaliger Kaiserbahnhof“ (zu Ehren Wilhelms II.), heute Sommerbahnhof genannt. Festveranstaltungen gibt es hier aber nur im Dezember. Klingt komisch, aber es ist so. Im Gedenken an den Großpolenaufstand startet das Bengalo-Spiel an dieser Stelle. Einmal hatte ich es mitgemacht. Ziemlich eindrucksvoll. Voll war auch der Zug nach Toruń. „Ist hier noch frei?“ Mit knirschenden Zähnen räumte eine Frau ihren Klimbim von einem der Sitze. Ein Mann, offensichtlich von der Arbeit kommend und das Wort Feierabend sehr ernst nehmend, ging mit einer anderen Strategie ins Spiel, um sich eine Fahrt ohne Sitznachbarn zu ermöglichen. Scheinbar hatte er eine oder mehrere Flaschen Wodka getankt, weshalb das Abteil nun eher wie eine Brennerei duftete. Die Gesichter der Fahrgäste wechselten in nur einer Sekunde von angepisst auf angewidert. Na mal sehen, was hier noch geht! Wenige Meter waren erst getuckert, da stand der erste aus dem Viererabteil schon auf. Ihm gegenüber nun ein junger gestylter Typ aus Westpommern mit breitem Grinsegesicht und erstaunlicher Gesprächigkeit. Sie quatschten sogar ziemlich nett miteinander. Mein Vierer wurde nun auch komplettiert. Ein Familienvater mit einem Geschenk für seinen Sohn  setzte sich zu uns.  Dann konnte die Show beginnen. 10 Minuten waren wir unterwegs, da rief ihn der Sprössling an. Auf der anderen Seite startete unser aller Freund ebenfalls ein Gespräch und warf mit Schimpfwörtern um sich wie die Jecken die Bonbons beim Kölner Karneval. Vaddern hatte nun genug und rief zur Mäßigung auf. Das missfiel dem Meister des klaren Wassers. Salven an Beleidigungen knallten nun an Vaters Kopf. Der mahnte nun mit dem Schaffner. Davon wurde sein Kontrahent nur noch mehr angestachelt und drohte mit Schlägen. Vater warnte ausdrücklich vor jeder Berührung. Am Ende bat er den stinkenden Herren um Ruhe, da er einen schweren Tag gehabt hätte und entschuldigte sich mit den Worten: „Fassen Sie es bitte nicht als Beleidigung auf, aber ich möchte jetzt schlafen.“ Die Sonnenbrille aufgesetzt und Ende im Gelände. Der Freund des Wodkas mampfte weiter seine Chips. So vergingen die Minuten bis nach Pobiedziska wie im Fluge.   Organisatorisch wäre aus Sicht der Sicherheitskräfte alles perfekt, um hier höherklassigen Fußball austragen zu können, denn zum Stadion läuft man ganze 5 Minuten. 10 zł mit Dach, 7 zł ohne. Fair. Sehr breit gefächert ist zudem das Fanartikelsortiment. Das schaffen nicht mal höherklassige Vereine! Als dann noch ein Vereinslied abgespielt wurde, was ich noch nicht kannte, war ich schon zufrieden. Dazu hat man hier noch eine perfekte Sicht auf den angrenzenden Badesee. Pobiedziska und Umgebung sind bei den Einheimischen im Sommer sehr beliebt. Da sieht es hier aus wie an der Ostsee. Die Mannschaften laufen auf, aber alles ist irgendwie zu ruhig.    Mit etwas Verspätung trudeln dann 11 Gästefans mit zwei Fahnen ein und bieten mir eine Unterstützungsart wie in den 90ern an. So richtig Szalikowcy-Stimmung. Kurze Gesänge, mehr Schlachtrufe, viele mit Schals. Mieszko ist hinter Start die Nummer 2 der Stadt. Zwischen den Start-Fans vom Speedway und Mieszko rumpelte es sogar schon. „Eine Stadt, ein Verein“ heißt das Motto in vielen polnischen Städten. Die Heimseite mit 10 Picknick-Fans zeigt eine Blockfahne, ein Banner und etwas Glitzer-Konfetti. Hin und wieder konnte man sogar etwas hören. Was will man mehr? Auf dem Platz ging es ruppig zu, so wie es sich für ein Derby gehört. Viele Chancen auf beiden Seiten. Ein Konter führt dann zur überraschenden Führung und dem Tor des Monats vor ca. 200 Zuschauern. Ein schöner Lupfer war`s!   Bei der Halbzeittombola hatte ich leider kein Glück, und die Gutscheine wanderten in andere Hände. Hälfte II war ebenso kurzweilig. Als Mieszko sich nun in der Schlussphase doch noch mehr öffnen musste, nutzte Huragan eine Chance in der 82. Minute zur Entscheidung. In der Nachspielzeit wurde die Vertretung der ersten Hauptstadt Polens dann noch durch einen dritten Gegentreffer gedemütigt. Die Niederlage zu hoch, aber der Einsatz hat gepasst, weshalb der Anhang von Mieszko die Spieler auch abklatschte. Eine nette Wertschätzung! Mal sehen, wie die Saison verläuft. Im letzten Spiel müssen sie gegen Nielba ran. Das wird dann vielleicht ein packendes Finale, oder auch nur ein lahmer Sommerkick… Fotos: Michael

Jetzt in der App abspielen

Zeitreisen in die DDR-Oberliga: Heiko Scholz, Dirk Heyne, Juri Schlünz & Co berichten

28.03.2022 00:00:00

Als die Kinder noch ganz klassisch von der Straße bzw. vom Bolzplatz geholt wurden. In seiner frühen Kindheit bolzte der spätere FCM-Torwart Dirk Heyne auf der Straße und der Wiese und hatte zunächst mit dem Vereinsfußball nix am Hut. Erst als ihn sein späterer Trainer Heinz Brauer beim Spielen sah, nahm das Ganze rasch Fahrt auf. Brauer stattete der Familie Heyne einen Besuch ab und fragte, ob Dirk nicht beim 1. FC Magdeburg trainieren möchte. Im Alter von 10 Jahren begann sein Weg als Feldspieler, erst später landete er eher durch Zufall im Tor - und blieb auch dort.Sein Stammplatz war ihm in der Folgezeit sicher. 30 Jahre lang würde er nun beim Fußball das Gehäuse hüten. Am 13. August 1977 hatte er seinen ersten Einsatz in der DDR-Oberliga und verlor mit seinem 1. FCM gegen den 1. FC Union Berlin mit 1:2. Nach dem Ausrutscher stand er jedes Mal im Tor und nach der Hinserie waren die Magdeburger Erster. Die Wintervorbereitung wurde trotzdem knüppelhart. Trainer Klaus Urbaczyk hatte durchgehend schlechte Laune, weil er abnehmen wollte, und schnorrte sich immer wieder Zigaretten beim Busfahrer. Hatte jemand Mäuschen gespielt oder diese Anekdoten über sieben Ecken weitergetragen? Mitnichten. Das Ganze kommt aus erster Hand. Von Dirk Heyne persönlich. Der SGD-Fan Maik Großhäuser, der aktuell in Salzburg wohnt, hatte den einstigen FCM-Star Dirk Heyne persönlich befragt. Sieben Seiten sind zusammengekommen. Sieben Seiten von insgesamt 456 Seiten. Maik Großhäuser brachte kürzlich den Wälzer „Zeitreisen - Spieler und Trainer erinnern sich an die DDR-Oberliga“ auf den Markt. Chapeau! Knapp 50 Spieler und Trainer wurden interviewt. Die Stars und Helden seiner Jugend offenbaren im Buch ihre Geschichten von der frühen Kindheit bis zur Gegenwart und geben Einblicke in persönliche Erlebnisse, die teils unter die Haut gehen.    Lasst uns sie einfach aufzählen: Christian Backs, Frank Baum, Jürgen Bogs, Uwe Bredow, Martin Busse, Matthias Döschner, Eckhardt Düwinger, Rainer Ernst, Uwe Ferl, Jürgen Heun, der eingangs erwähnte Dirk Heyne, Frank Holick, Martin Iffarth, Eberhard Janotta, Ronald Kreer, Volkmar Kuhlee, Matthias Liebers, Uwe Machold, Harald Mothes, Hans-Uwe Pilz, Jürgen Raab, Lutz Radtke, Hans Richter, Christoph Ringk, Armin Romstedt, Reinhard Rother, Bodo Rudwaleit, Jan Rziha, Juri Schlünz, Lutz Schülbe, Axel Schulz, Frank Siersleben, Dirk Stahmann, Wolfgang Steinbach, Hans-Ulrich Thomale, Thomas Töpfer, Andreas Trautmann, Andreas Wagenhaus, Jörg Weißflog, Bernd Wunderlich, Uwe Zötzsche, Stephan Pohlers, Heiko Scholz und André Sirocks. Manche Namen - wie Hans-Uwe Pilz und Matthias Liebers - kennt man noch aus den 90ern. Andere klingen nach richtig alter DDR-Zeit. Jeder wird seine eigenen Erinnerungen haben. Bei Dirk Stahmann habe ich immer eine bestimmte Reporter-Stimme im Kopf, und ja, ich war erstaunt, dass er noch bis zum 1. Mai 1994 für den 1. FC Magdeburg den Ball rollen ließ.   Warm ums Herz dürfte den Hansa-Fans werden, wenn sie die Seiten 308/309 öffnen. „Undenkbar, den Verein zu wechseln und Hansa zu verlassen“. Die Rede ist von Axel Schulz, der am 20. Mai 1959 in Rostock geboren wurde und 242 Spiele in der DDR-Oberliga absolviert hatte. 38-mal brachte er mit einem Tor die Fans zum jubeln. Sein Vater hatte einst großen Anteil, dass er im Alter von 8 Jahren direkt beim F.C. Hansa Rostock anfing Fußball zu spielen. Auf Seite 309 gibt es aus jener Zeit ein wunderbares schwarz-weiß-Foto zu sehen, auf dem Axel gemeinsam mit Karl-Heinz Aul, Jörg Skowranek und Michael Schulz dem damaligen Hansa-Trainer Horst Bretschneider bedächtig zuhörte. Auf der folgenden Seite ist ein Foto aus dem Jahre 1968 zu sehen. Strahlende Gesichter - die Kogge auf der Brust. Pionierpokal-Gewinner! Auf Seite 317 darf zudem begutachtet werden, wie Axel Schulz - in den Dünen stehend - heute aussieht.  Und das ist das Dolle am Buch. Die Befragten hatten sehr häufig ihre Privatarchive geöffnet und sehr feine Fotos beigesteuert. So gibt es neben den Sportfotografien vom Platz wunderbare private Bilder aus vergangenen Zeiten zu sehen. Jörg Weißflog als vierjähriger Bub am klassischen Lederball, Reinhard Rother in der Kindermannschaft Ak 12/13 der BSG Traktor Friedland, Volkmar Kuhlee im Trikot der Traditionsmannschaft des FC Vorwärts Frankfurt (Oder) im Jahr 2020, Ronald Kreer und Hans-Uwe Pilz in Badehose am Pool auf Gran Canaria im Sommer 1985, der Spieler-Ausweis des 1. FC Lok Leipzig von Ronald Kreer im Jahre 1977, Juri Schlünz - wirklich unverkennbar - bei der Einschulung 1968.   Apropos Juri Schlünz. Geboren wurde er wenige Tage vor dem Mauerbau in Berlin, bereits im Alter von 3 Jahren soll er in Berlin-Pankow dem runden Leder nachgelaufen sein. 1967 ging es zurück in die Heimatstadt seiner Eltern. Sein Vater war großer Fußballfan und spielte selber bei Einheit Rostock. Es kam der Tag als Vater und Sohn nach einem Zoobesuch der Mannschaft des F.C. Hansa Rostock im Volksstadion beim Training zusahen. Ob er dort auch gern Fußball spielen wolle, wurde Juri von seinem Papa gefragt. Aber klar doch! Und somit begann Juri Schlünz bereits als kleiner Schüler seine Laufbahn beim F.C. Hansa. Bis 1996 trug er mit Stolz das Trikot des FCH und wurde zu einer lebenden Legende. Nach seiner aktiven Karriere blieb er sehr lange Zeit dem Verein in verschiedenen Funktionen treu. Um den Bogen zu schlagen, picken wir uns noch einmal Dirk Heyne heraus. Gegen wen hatte Dirk gerne gespielt? Gegen Toni Polster - trotz seiner drei Tore gegen ihn im November 1989. Und gegen wen nicht so gern? Gegen solche Schlitzohren wie Andreas Thom vom BFC Dynamo und Rainer Jarohs von Hansa Rostock. Und ach ja, auch gegen Achim Streich hätte er nie gern gespielt. Zum Glück spielte er jedoch in seiner Mannschaft, und man konnte froh sein, dass die Tore, die er im Training gegen ihn erzielte, in keiner Statistik auftauchen…    Wurde das Interesse - zurecht - geweckt? Das Buch, das kürzlich im SUMA-Eigenverlag erschien, kostet 29,90 Euro ist nur direkt beim Autor / Herausgeber Maik Großhäuser erhältlich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! document.getElementById('cloaka2e545a725fdd68f57e5c8765406eeb6').innerHTML = ''; var prefix = 'ma' + 'il' + 'to'; var path = 'hr' + 'ef' + '='; var addya2e545a725fdd68f57e5c8765406eeb6 = 'bestellung.buch' + '@'; addya2e545a725fdd68f57e5c8765406eeb6 = addya2e545a725fdd68f57e5c8765406eeb6 + 'yahoo' + '.' + 'com'; var addy_texta2e545a725fdd68f57e5c8765406eeb6 = 'bestellung.buch' + '@' + 'yahoo' + '.' + 'com';document.getElementById('cloaka2e545a725fdd68f57e5c8765406eeb6').innerHTML += ''+addy_texta2e545a725fdd68f57e5c8765406eeb6+''; Fotos: Maik Großhäuser, Ulf Lange

Jetzt in der App abspielen

Pöbelei, Emotionen und viel Kampf: Ein Pokalfight vom Allerfeinsten im Mühlenbecker Land

28.03.2022 00:00:00

Als man in den 90ern die Türen der alten S-Bahn-Waggons noch während der Fahrt aufziehen konnte, war die Strecke zwischen Blankenburg und Mühlenbeck-Mönchmühle im Sommer übelst beliebt. Eine gefühlte Ewigkeit fuhr die S-Bahn zwischen den beiden Stationen, und bei offenen Türen konnte man sich den warmen Wind durch die Haare streichen lassen und die vorbeiziehenden Felder bestaunen. Ungemütlich konnte es allerdings in den Abendstunden werden. Der Abschnitt war bei Glatzen gern beliebt, weil man während der elendig langen Fahrt hübsch allein sitzende Fahrgäste belästigen und im schlimmsten Fall auch ausrauben und verkloppen konnte. Die vielleicht zehnminütige Fahrt konnte sich dann gefühlt eine Stunde lang hinziehen. Quasi eine Ewigkeit, wenn Rowdys und Halbstarke mal wieder während der Fahrt Radau machen wollten.Im Sommer 1997 hatte ich sogar mal ein dreiviertel Jahr auf einer Datsche in Bergfelde gewohnt. Im Garten schrieb ich an meinem ersten Laptop an einem Buch über wilde Erlebnisse in Brasilien, am späten Nachmittag schnappte ich mir den Schäferhund von Mitbewohnerin Michaela, joggte mit ihm zehn Kilometer durch die anliegenden Wälder und scheuchte im Unterholz schlafende Wildsäue und Keiler auf. War ne geile Zeit! Spät Abends mied ich allerdings die S-Bahnfahrt über Schönfließ und Mühlenbeck-Mönchmühle und zog die S1 von Birkenwerder vor, um in die große bunte Stadt zu gelangen. Diese Strecke war eh mega, weil auf dieser in den 90ern die ganz, ganz alten S-Bahnzüge mit den Nieten und Holzbänken eingesetzt wurden.    Jedoch genug der Schwelgerei. Zurück in der Gegenwart. Ein Blick auf die Spielpläne. Die Suche nach einem duften Kreispokalspiel im Umland. Die Wahl fiel bereits auf Rehfelde, als ich dann doch noch einmal in der Region Oberhavel / Barnim guckte. Volltreffer! Bingo! Der Kreisligist SV Mühlenbeck 1947 empfing im Viertelfinale des Kreispokals den Kreisoberligisten SV Grün-Weiß Bergfelde. Ein lokales Duell. Quasi schon fast ein echtes Derby, trennen die beiden Ortschaften gerade einmal sieben Straßenkilometer. Das klang wirklich phantastisch, und somit ging es am Samstag mit beiden Kindern mit der S-Bahn nach Mühlenbeck. Vom Bahnhof aus waren knapp zwei Kilometer bis zum Sportplatz zu laufen, und aus gewisser Entfernung waren bereits die ersten Schlachtrufe zu vernehmen.   Für drei Euro waren die Zuschauer mit von der Partie. Offiziell waren es 350, die das Pokalduell sehen wollten. Unter ihnen einige Gästefans, die sich auf der Gegengerade hinter der Werbebande platziert und zwei Banner befestigt hatten. Aus drei weißen Bettlaken wurde ein „Bergfelder Jungs“ gebildet, links daneben war ein „Ultras“ auf einem grün-weiß gestreiften Stoff zu lesen. Da Grün-Weiß gegen Grün-Weiß spielte, war auf dem ersten Blick am Bierstand nicht erkennbar, ob vor einem ein Heim- oder Gästefan stand. Der allgemeine Bierdurst war recht groß, bei schlappen zwei Euro für 0,4 Liter wurde gut zugegriffen. Gemixt wurde zudem im Vereinsheim Aperol Spritz, für exzellent befunden wurde vom Bratwurst-Experten Felix (mein jüngerer Sohn) das gereichte Grillgut im Brötchen. Mit seinen sechs Jahren wollte er das erste Mal auch Senf dazu probieren. „Ist gar nicht soooo sauer“, lautete sein Urteil über die gelbliche Zugabe.   Und was das Ambiente betraf, durfte sogleich gesagt werden: Fetzte wie Sau! Ein paar Unikate liefen mit Camouflage und Yakuza-Jacken herum, bereits vor Anpfiff war die Pöbelquote bereits auf einem beachtlichen Niveau. Insbesondere die etwas ältere Generation holte den Sprachwortschatz der alte Landschule hervor und kommentierte während der kommenden zweieinhalb Stunden jede Aktion. Zu Beginn der Partie hielten die Bergfelder ein paar grüne und weiße Zettel hoch und zündeten etwas Pyrotechnik. Applaus und lauthalses Lachen auf Heimseite unter dem kleinen Blechdach. „Für ein Heimspiel, seid Ihr ganz schön laut!“, riefen die Bergfelder Jungs in der Anfangsphase. Später jedoch verlegte sich das Epizentrum ganz eindeutig in den Heimbereich. Je spannender die Partie wurde, je mehr Bier die Kehle hinunterfloss, desto intensiver wurde die Unterstützung.   Und dabei schien es in der ersten Halbzeit, als würde Bergfelde das Ding recht locker über die Bühne bringen. Bereits nach einer Viertelstunde musste Heimspieler Adnan Nezirevic aufgrund einer Knieverletzung vom Platz, für ihn kam Dennis Maximilian Kind ins Spiel. Sieben Minuten später machte René Retkowski das 1:0 für den Favoriten aus Bergfelde. Nachdem in der 33. Minute André Neue zum 2:0 nachlegen konnte, schien der Drops gelutscht. Gleich den Fünfer ins Phrasenschwein! Ein Kumpel von mir schmiedete bereits den Plan, kurz nach der Pause gehen zu wollen. Aber komm! Irgendwie ein glückliches Ding zum 1:2-Anschluss und es könnte noch einmal rundgehen!   Gesagt, getan. Mühlenbeck wechselte nach der Pause zweimal durch, und in der 64. Minute machte Bastian Kulk tatsächlich 1:2 klar. Und was für ein schönes Ding! An Gehen war auch bei meinem Kumpel nicht mehr zu denken. Mühlebeck machte nun richtig Alarm, und nur sieben Minuten später erzielte Bastian Kulk seinen zweiten Treffer des Tages. Ausgleich. Nun war richtig Alarm auf der Heimseite.    Mit dem 2:2 ging es in die Verlängerung, und mein größerer Sohnemann machte gerade auf der Gegengerade ein paar Fotos, als Paul Michael Franzen in der 99. Minute zum 3:2 abschloss. Alter Schalter! Was für ein Jubel. Rund 250 der 350 Zuschauer drehten nun richtig am Rad. Minute für Minute näherte sich das Ende der Verlängerung, und als sich die Heimseite bereits den Abpfiff herbei sehnte, kam es im Strafraum zu einem Foul. Der Schiedsrichter wollte zunächst weiter spielen lassen, doch gab der Assistent an der Linie ein Signal. Nach kurzer Absprache wurde auf Elfmeter für Bergfelde entschieden. Und das in der 116. Minute. Verdammt ärgerlich für Mühlenbeck. Im ersten Versuch konnte Mühlenbeck-Keeper Oskar Wolff den Schuss abwehren, doch im Nachschuss machte Tom Thiele den Ausgleich zum 3:3 klar. Nun tobte die Gästeseite vor Freude.   Ein weiterer Treffer sollte nicht mehr fallen. Das Elfmeterschießen musste nun die Entscheidung bringen. Da Oskar Wolff in der 116. Minute bereits gezeigt hatte, was er drauf hat, ging die Heimseite mit gesundem Optimismus ran. Und siehe da, Oskar Wolff war zur Stelle. Ein Schuss über die Latte auf Heimseite konnte verschmerzt werden, da für Bergfelde nur Sebastian Buchholz, André Neue und Tom Thiele trafen. Für Mühlenbeck behielten Sergej Krasnikov, Oemer Burak Koc, Bastian Kulk und Aurel Hameister die Nerven. Mit 4:3 konnte Mühlenbeck das Elfmeterschießen gewinnen - die Zuschauer rannten voller Freude auf den Platz. Von Häme in Richtung Bergfelde war nun jedoch kaum etwas zu hören. Es war schön zu sehen, wie sportlich man nach Spielende miteinander umging.   Mühlenbeck feierte den Sieg, startete eine „Uffta“ und ließ - sehr zur Freude meiner beiden Kinder - ein großes Bierglas kreisen. „Wir später ooooch …“, lautet der Vorschlag. Klar doch! „Hier regiert der SVM!“, brüllten indes die Mühlenbecker Spieler und bedankten sich bei den Zuschauern. Anschließend machte sich ein Mühlenbecker zur Legende, indem er mit dem riesigen Bierglas in der Hand brüllend eine Ansage machte. Und zwar so laut, dass irgendwann die Stimme versagte. Das Ganze darf gern auf unserem online gegangenen YouTube-Video bestaunt werden. Dat hat er sich wahrlich verdient! Keine Frage, dieser Pokalnachmittag war einfach genial. Amateurfußball mit allem Drum und Dran. Wenn es die Zeit zulässt, schauen wir auch im Halbfinale vorbei. Versprochen!    In eigener Sache: Wer Bock hat, sich über den regionalen Fußball zu informieren, dem sei unter anderen „Fußballheimat Brandenburg“ empfohlen. Frisch aus dem Druck kam zudem der Fußball-Roman über den ASK / FC Vorwärts Berlin / Frankfurt (Oder). Infos und Bestellmöglichkeit gibt es auf www.marco-bertram.de. Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: Impressionen vom Kreispokalspiel Mühlenbeck vs. Bergfelde > zum Video (mit der besagten Ansprache) auf unserem YouTube-Kanal

Jetzt in der App abspielen

Starke Antwort nach Ahlen: Rot-Weiss Essen gewinnt in Wiedenbrück

26.03.2022 00:00:00

Auch wenn es vielen RWE-Fans vor dem Gastspiel in Ostwestfalen graute, die Bilanz von Rot-Weiss Essen in Wiedenbrück ist gar nicht so schlecht und Angst vor einen Besuch beim SC Wiedenbrück muss man auch eigentlich nicht haben: Das Jahnstadion liegt idyllisch am Ortsrand zwischen Wohngebieten und einer Tankstelle sowie dem Freibad, wo sich auch heute (Corona bedingt oder auch nicht) Rot-Weiss Essen umziehen musste, wie schon in der Vorsaison. Einmal über die Rietbergerstraße, vorbei an den dampfenden Würstchengrills und tropfenden Zapfhähnen hinein in das kleine Regionalligastadion mit schönen Ambiente.Der SC Wiedenbrück zeigte sich mal wieder als guter Gastgeber inklusive eines netten Soundtracks, der einem völlig werbefrei aus den Boxen entgegen dudelte. Wo kann man im Stadion schon einmal Max Giesinger, Herbert Grönemeyer, Nirvana, Offspring und sogar die Dropkick Murphys völlig entspannt hören. Als Krönung ließ es sich der SC Wiedenbrück nicht nehmen (wie es auch schon mal der SV Bergisch Gladbach machte), die RWE Hymne „Adiole“ abzuspielen, sehr zur Freude der zahlreich mitgereisten Fans. Insgesamt lockte der Klub aus Ostwestfalen heute 1.498 Zuschauer in seine Heimstätte, darunter gut 800 Fans, die es mit Rot-Weiss Essen hielten und von denen der größte Teil dem Motto „Alle in weiss nach Wiedenbrück“ gerne folgten.  Die Stimmung im Gästebereich war sehr gut und die aktive Essener Fanszene präsentierte zu Spielbeginn noch eine sehenswerte Fahnen-Choreo hinter einem Banner „Assindia steig auf dies Jahr, Assindia dritte Liga.“ Die Vorgabe der Fans war klar: Nach dem Ausrutscher unter der Woche bei Rot Weiss Ahlen (2:0 Niederlage), musste heute ein Dreier her, um Preußen Münster nicht davon ziehen zu lassen. Noch ist alles drin in der Liga, noch kann Rot-Weiss Essen aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen. Aber sportlich war es auch klar: Der SC Wiedenbrück ein immer unangenehm zu bespielender Gegner hatte im Umfeld viel Freundlichkeit zu bieten, aber sportlich nichts zu verschenken und arbeitet wie viele andere Teams in der Liga mit den inzwischen leider zum Spielalltag gehörenden nicht gerade fairen Tricks, wie dem verstecken von Spielbällen als Mittel des Zeitspiels.Damit steht der SC Wiedenbrück nicht alleine, auch der VfB Homberg und andere Teams nutzen das, um den Gegner aus dem Spielfluss zu bringen. So wurde eigentlich immer nach einem Spielgerät gesucht und so erfolgreich Zeit von der Uhr genommen. Das Spiel wurde wie erwartet keines für Freunde der Chancenvielfalt. Wiedenbrück auf Platz sieben musste nicht unbedingt punkten, im Gegensatz zu RWE. Essen war zwar die spielbestimmende Mannschaft mit gut 80 Prozent Ballbesitz, kam aber selten durch die gut und tief stehende Wiedenbrücker Hintermannschaft. Wie schon in den letzten Jahren (der letzte Sieg war 2018), wenn die Teams aufeinander trafen, so waren auch heute die Ostwestfalen ein schwer zu knackender Gegner. Die erste Chance für RWE hatte Felix Bastians, aber sein Schuss war kein Problem für Marcel Hölscher, Schlussmann des SCW, der vor allem in der vergangenen Saison im Alleingang Essen im Heimspiel einen Punkt abtrotzte, so auch heute, als er in der 25 Minute einen Kopfball von Daniel Heber fast aus dem Torwinkel kratzte. In der 31. Spielminute ein kleiner Schock für RWE: Felix Bastians musste verletzt raus für ihn kam sein Namensvetter Herzenbruch. Zum Ende der ersten Hälfte hatte der SC Wiedenbrück die größte Chance, aber Glück für Essen, das Hendrik Lohmar verschoß. Dann plötzlich ein Jubelschrei im Gästeblock, der Ball lag im Wiedenbrücker Tor. Aber Torschützte Simon Engelmann war wohl vorher mit der Hand dran.Ein schweres Spiel in Halbzeit eins, ein schweres zu Beginn von Halbzeit zwei. Zwar war Rot-Weiss Essen sehr bemüht das Abwehrbollwerk zu knacken, fand aber nicht die richtige Lücke. Man versuchte es mit Fernschüssen oder Einzelaktionen, der Erfolg wollte aber einfach nicht gelingen. Essen wechselte durch und hatte das Jokerglück auf seiner Seite: Der gerade für Sandro Plechaty eingewechselte Oguzhan Kefkir schlug in der 73. Spielminute eine wunderbare butterweiche Flanke auf Simon Engelmann, der nur noch fast freistehend ins Tor köpfen musste. Der 18. Saisontreffer des Torjägers und was für eine Erlösung für alle, die es mit Essen hielten. Waren die mitgereisten RWE-Fans vorher schon laut, wurde der Regler noch eine Stufe höher gedreht. Angepeitscht von den eigenen Anhängern lieferte Essen nun eine große Abwehrleistung gegen den SC Wiedenbrück, der nun alles nach vorne warf und nun auch (oh Wunder) reichlich Bälle für schnelle Einwürfe und Abstöße parat hatte und es auch sonst mit dem FairPlay nicht so ganz Ernst nahm: Als ein Essener Spieler verletzt auf dem Rasen lag und sich gerade wieder aufrappelte, schoss Felix Herzenbruch den Ball ins Aus. Normalerweise gibt der Gegner dann im Sinne des FairPlays den Ball zurück, nicht aber der SC Wiedenbrück, der direkt einen Angriff startete. Aber auch diese Aktion schüttelte RWE ab. Der SCW drückte weiter. Plötzlich ertönte der Torjingel im Jahnstadion und versetzte die rot-weissen Anhänger in Schockstarre. Aber der Wiedenbrücker Ufumwen Osawe köpfte das vermeintliche 1:1 aus Abseitsverdächtiger Position. Kurz danach ein Angriff von Simon Engelmann und Erolind Krasniqi. Engelmann nahm Krasniqi den Ball ab und vergab die Chance die Nerven der RWE-Fans etwas zu beruhigen. Dann war Schluß und am Ende stand ein stark erkämpfter und hochverdienter 1:0 Erfolg für Rot-Weiss Essen. Es geht aber nun munder weiter: Unter der Woche wird zuerst der Niederrheinpokal im Stadtduell gegen die SpVg Schonnebeck gespielt, bevor es gegen die zweite Mannschaft vom 1. FC Köln geht, die heute übrigens Rot Weiss Ahlen mit 6:1 schlugen. Das wird sicherlich wieder ein harter Gang zu drei Punkten, aber noch ist alles drin und RWE hat den Aufstieg sogar selber in der Hand. Das Rezept: Einfach alles gewinnen! > Video vom Intro> zu den Rot-Weiss Essen Fotos Update 26.03.2022: Wir haben die Überschrift geändert, da die vorherige ironisch gemeinte "Starke Antwort: Rot-Weiss Essen gewinnt gegen "Angstgegner" Wiedenbrück" nicht richtig verstanden wurde.  

Jetzt in der App abspielen

Starke Antwort: Rot-Weiss Essen gewinnt beim „Angstgegner“ Wiedenbrück

26.03.2022 00:00:00

Angst vor einen Besuch beim SC Wiedenbrück muss man eigentlich nicht haben: Das Jahnstadion liegt idyllisch am Ortsrand zwischen Wohngebieten und einer Tankstelle sowie dem Freibad, wo sich auch heute (Corona bedingt oder auch nicht) Rot-Weiss Essen umziehen musste, wie schon in der Vorsaison. Einmal über die Rietbergerstraße, vorbei an den dampfenden Würstchengrills und tropfenden Zapfhähnen hinein in das kleine Regionalligastadion mit schönen Ambiente.Der SC Wiedenbrück zeigte sich mal wieder als guter Gastgeber inklusive eines netten Soundtracks, der einem völlig werbefrei aus den Boxen entgegen dudelte. Wo kann man im Stadion schon einmal Max Giesinger, Herbert Grönemeyer, Nirvana, Offspring und sogar die Dropkick Murphys völlig entspannt hören. Als Krönung ließ es sich der SC Wiedenbrück nicht nehmen (wie es auch schon mal der SV Bergisch Gladbach machte), die RWE Hymne „Adiole“ abzuspielen, sehr zur Freude der zahlreich mitgereisten Fans. Insgesamt lockte der Klub aus Ostwestfalen heute 1.498 Zuschauer in seine Heimstätte, darunter gut 800 Fans, die es mit Rot-Weiss Essen hielten und von denen der größte Teil dem Motto „Alle in weiss nach Wiedenbrück“ gerne folgten.  Die Stimmung im Gästebereich war sehr gut und die aktive Essener Fanszene präsentierte zu Spielbeginn noch eine sehenswerte Fahnen-Choreo hinter einem Banner „Assindia steig auf dies Jahr, Assindia dritte Liga.“ Die Vorgabe der Fans war klar: Nach dem Ausrutscher unter der Woche bei Rot Weiss Ahlen (2:0 Niederlage), musste heute ein Dreier her, um Preußen Münster nicht davon ziehen zu lassen. Noch ist alles drin in der Liga, noch kann Rot-Weiss Essen aus eigener Kraft den Aufstieg schaffen. Aber sportlich war es auch klar: Der SC Wiedenbrück ein immer unangenehm zu bespielender Gegner hatte im Umfeld viel Freundlichkeit zu bieten, aber sportlich nichts zu verschenken und arbeitet wie viele andere Teams in der Liga mit den inzwischen leider zum Spielalltag gehörenden nicht gerade fairen Tricks, wie dem verstecken von Spielbällen als Mittel des Zeitspiels.Damit steht der SC Wiedenbrück nicht alleine, auch der VfB Homberg und andere Teams nutzen das, um den Gegner zu versuchen aus dem Spielfluss zu bringen. So wurde eigentlich immer nach einem Spielgerät gesucht und so erfolgreich Zeit von der Uhr genommen. Das Spiel wurde wie erwartet keines für Freunde der Chancenvielfalt. Wiedenbrück auf Platz sieben musste nicht unbedingt punkten, im Gegensatz zu RWE. Essen war zwar die spielbestimmende Mannschaft mit gut 80 Prozent Ballbesitz, kam aber selten durch die gut und tief stehende Wiedenbrücker Hintermannschaft. Wie schon in den letzten Jahren (der letzte Sieg war 2018), wenn die Teams aufeinander trafen, so waren auch heute die Ostwestfalen ein schwer zu knackender Gegner. Die erste Chance für RWE hatte Felix Bastians, aber sein Schuss war kein Problem für Marcel Hölscher, Schlussmann des SCW, der vor allem in der vergangenen Saison im Alleingang Essen im Heimspiel einen Punkt abtrotzte, so auch heute, als er in der 25 Minute einen Kopfball von Daniel Heber fast aus dem Torwinkel kratzte. In der 31. Spielminute ein kleiner Schock für RWE: Felix Bastians musste verletzt raus für ihn kam sein Namensvetter Herzenbruch. Zum Ende der ersten Hälfte hatte der SC Wiedenbrück die größte Chance, aber Glück für Essen, das Hendrik Lohmar verschoß. Dann plötzlich ein Jubelschrei im Gästeblock, der Ball liegt im Wiedenbrücker Tor. Aber Torschützte Simon Engelmann war wohl vorher mit der Hand dran.Ein schweres Spiel in Halbzeit eins, ein schweres zu Beginn von Halbzeit zwei. Zwar war Rot-Weiss Essen sehr bemüht das Abwehrbollwerk zu knacken, fand aber nicht die richtige Lücke. Man versuchte es mit Fernschüssen oder Einzelaktionen, der Erfolg wollte aber einfach nicht gelingen. Essen wechselte durch und hatte das Jokerglück auf seiner Seite: Der gerade für Sandro Plechaty eingewechselte Oguzhan Kefkir schlug in der 73. Spielminute eine wunderbare butterweiche Flanke auf Simon Engelmann, der nur noch fast freistehend ins Tor köpfen musste. Der 18. Saisontreffer des Torjägers und was für eine Erlösung für alle, die es mit Essen hielten. Waren die mitgereisten RWE-Fans vorher schon laut, wurde der Regler noch eine Stufe höher gedreht. Angepeitscht von den eigenen Anhängern lieferte Essen nun eine große Abwehrleistung gegen den SC Wiedenbrück, der nun alles nach vorne warf und nun auch (oh Wunder) reichlich Bälle für schnelle Einwürfe und Abstöße parat hatte. RWE wehrte sich und der SCW drückte. Plötzlich ertönte der Torjingel im Jahnstadion und ein die rot-weissen Anhänger waren in Schockstarre. Aber der Wiedenbrücker Ufumwen Osawe köpfte das vermeintliche 1:1 aus Abseitsverdächtiger Position. Kurz danach ein Angriff von Simon Engelmann und Erolind Krasniqi. Engelmann nahm Krasniqi den Ball ab und vergab die Chance die Nervern der RWE-Fans etwas zu beruhigen. Dann war Schluß und am Ende stand ein stark erkämpfter und hochverdienter 1:0 Erfolg für Rot-Weiss Essen. Es geht aber nun munder weiter: Unter der Woche wird zuerst der Niederrheinpokal im Stadtduell gegen die SpVg Schonnebeck gespielt, bevor es gegen die zweite Mannschaft vom 1. FC Köln geht, die heute übrigens Rot Weiss Ahlen mit 6:1 schlugen. Das wird sicherlich wieder ein harter Gang zu drei Punkten, aber noch ist alles drin und RWE hat den Aufstieg sogar selber in der Hand: Einfach alles gewinnen!> zu den Rot-Weiss Essen Fotos  

Jetzt in der App abspielen

Schön trinken?! Lok Leipzig pirscht sich mit mäßiger Leistung langsam wieder ran

26.03.2022 00:00:00

Vor einigen Wochen wäre die Partie zwischen dem Berliner AK und dem 1. FC Lokomotive Leipzig noch eine absolute Spitzenpartie gewesen. Leider sorgte einer der Stürme zur spontanen Spielabsage und  verärgerte einige Gästefans, die sich bereits auf den Weg nach Berlin machten. Das Wetter spielte am heutigen Mittwoch absolut gar keine tolle. Knackige fünfzehn Grad und strahlender Sonnenschein bzw ein wolkenloser Abendhimmel werteten das eher magere Spiel ein wenig auf. Eine Spitzenpartie war es rein formell sowieso nicht mehr, viel zu schwach präsentierten sich beide Teams in den Wochen zuvor.    Während bei den Berliner parallel die sportlichen Leistungen und die Zuschauerzahlen im Sinkflug zu Boden fallen, so hatte der 1. FC Lok Leipzig vor und nach der langen Coronapause immer wieder mit Teams aus dem Tabellenkeller zu kämpfen und kam dort nicht über Punkteteilungen hinaus.   Für den neutralen Zuschauer entwickelte sich ein ereignisarmes Spiel, welches durch einen schönen Seitfallzieher von Tom Nattermann in der 55. Minute entschieden werden sollte. Die Berliner kamen nur ein einziges Mal wirklich gefährlich vor das Leipziger Gehäuse und scheiterten an Niclas Müller, welcher vergangene Woche aus disziplinarischen Gründen nur zuschauen durfte.   Meine Wenigkeit, die bis 18 Uhr noch gar nicht wusste, ob die angefragte Akkreditierung überhaupt anerkannt wurde, weil der BAK offenbar keinerlei Interesse am E-Mailaustausch hat, konnte sich schlussendlich das Spiel schön trinken, da die Presseabteilung Getränke und Essen umsonst serviert bekommt. Überraschend solider Service für einen Verein der vierten Liga - Vielen Dank nochmal dafür!     Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)  > zur turus-Fotostrecke: 1. FC Lokomotive Leipzig

Jetzt in der App abspielen

Déjà-vu an der Werse: RWE verliert wieder in Ahlen, wieder im Aufstiegsrennen

24.03.2022 00:00:00

Der 24. März 2021 ist den Rot-Weiss Essen Fans nur ungut in Erinnerung. Mit einem Auswärtsdreier bei Rot Weiss Ahlen, die auf dem letzten Ligaplatz rangierten, hätte man zur zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund und den ersten Platz der Regionalliga West aufschließen können. Am Ende ging das Spiel auf schwerem Geläuf mit 2:1 verloren und der Aufstieg wurde um drei Punkte und zwei Tore verpasst. Fast genau auf den Tag genau ein Jahr später am 23. März 2022 hätte man eigentlich gewarnt sein müssen, dass man in Ahlen auf einem Platz der jeder Maulwurfswiese Konkurrenz machen würde, nicht im Vorbeigehen die Punkte mitnimmt, sondern ähnlich „dreckig“ spielen muss, wie zwei Drittel der Mannschaften in der Liga, um zum Erfolg zu kommen. Man war eigentlich vorbereitet, sowohl auf dem Platz, als auf den Rängen: Knapp über 1.900 Zuschauer kamen am gestrigen Mittwochabend ins Ahlener Wersestadion mit seinem besonderen Charme der verschiedenen Tribünen im Licht der untergehenden Sonne, darunter gut 800 Fans aus Essen. Die Energie von den Rängen war durchgängig da nur fehlte diese auf dem Platz vor allem beim hochfavorisierten Gast. Zwar strudelt Ahlen noch im Abstiegskampf mit, mitspielen wollten sie aber nicht. Eine logische Taktik: Hinten tief stehen, hart zupacken und auf Konter lauern. Rot-Weiss Essen fand dafür mal wieder kein Konzept, obwohl in der Liga ein Großteil der Mannschaften so spielt. Ja Essen war vom Spielanteil überlegen, aber kam das Team von Christian Neidhart in Strafraumnähe versuchte man sich im Kurzpassspiel mit Tricks durch die Ahlener Hintermannschaft durchzubrechen, obwohl klar war, dass der (wahrscheinlich vorher nochmal gewässerte) schlammige und von Löchern und Unebenheiten übersäte Rasen zielgerichtete Pässe fast unmöglich machte. Einfach mal draufhalten, kam den Rot-Weissen aus dem Ruhrgebiet nicht oft in den Sinn, vor allem da der Ahlener Torhüter in der ersten Halbzeit einige Male unsicher war und den Ball nicht festhalten konnte. Essen schaffte es aber nicht daraus Profit zu schlagen, da auch die Ahlener ohne Rücksicht auf den Gegenspieler hart verteidigten. So setzte in einer Szene der Ahlener Kapitän Kevin Kahlert in Karate-Manier zu einer Grätsche auf Isaiah Young in Strafraumnähe an. Hätte er ihn getroffen, wäre wohl mit einer schwerwiegenden Verletzung des aktuellen „Tor des Monats“ Gewinners zu rechnen gewesen.Das war die Taktik von Ahlen und sie machten es gut: Provozieren, hartes Gegenhalten und schnelle Konter mit fast erfolgreichen Abschlüssen bei denen die RWE-Hintermannschaft gehörig wackelte. So konnte Torhüter Daniel Davari einen Angriff erfolgreich in einer 1:1 Situation abwehren, verletzte sich später anscheinend leicht und patzte dann aber zweimal wobei ihm die Abwehr um Heber und Alonso rettete. Über einen Rückstand in Halbzeit 1, hätten sich die Essener nicht beschweren dürfen, kamen aber zum Wiederanpfiff motivierter aus der Kabine und erhöhten den Druck auf die Wersestädter, aber immer noch mit der gleichen Rezeptur im Strafraum. Anstatt mal den Abschluss selbst zu wagen, wurde nochmal und nochmal ein Querpass gespielt. RWE, das anscheinend auch die falschen Schuhe eingepackt hatte so oft wie man auf dem Hosenboden landete, fand keine Lösung das Ahlener Bollwerk zu knacken. Ahlen dagegen hielt wie gehabt mit schnellen Kontern dagegen und hatte die nötige Härte und Kunst bei zwei Ecken auf seiner Seite. In der 63. Spielminute segelte der Ball von der Eckfahne in den Essener Strafraum, wo sich fast die ganze Ahlener Mannschaft aufhielt. Ja Daniel Davari wurde massiv von Kevin Kahlert (s.o.) mit dem Ellbogen abgedrängt und der Ball flog an ihm vorbei zu Patrik Twardzik, der nur noch hinter Daniel Heber, der nur zuschaute, einnicken brauchte. Ja Davari wurde im Strafraum angegangen und in einer anderen Liga hätte vielleicht das Tor nach Videobeweis nicht gezählt, aber es ist des Torwarts sein Bereich in dem er agieren muss und sich nicht auf den Schiedsrichter verlassen sollte schon gar nicht in dieser Liga. Er muss für Ordnung sorgen. Genauso wie beim 2:0 (78. Spielminute), eine Kopie des ersten Tores, wo der Essener Torhüter ebenfalls schlecht aussah. Diesmal belohnte sich der besagte Kahlert für seine knallharte und stramme Spielleistung.Aber und das muss gesagt werden: Am Ende verliert die gesamte Mannschaft und nicht der Torhüter alleine. Er ist nur das sprichwörtliche letzte Rad am Wagen. Vorne schaffte es Rot-Weiss Essen nicht die Treffer zu erzielen, wechselte dann auch noch etwas kurios und überraschend (warum bleiben Harenbrock und Krasniqi auf der Bank), um am Ende dann wieder gegen Ahlen die Segel streichen zu müssen. Rot Weiss Ahlen hat das Beste aus seinen Möglichkeiten gemacht und kann entspannt Richtung den weiteren Aufgaben für den Klassenerhalt entgegen schauen: Der RWA bekommt es nun im Doppelpack mit Köln zu tun bekommt: erst auswärts beim Effzeh, dann zu Hause gegen Fortuna Köln, ebenfalls Aufstiegsfavorit.Für Rot-Weiss Essen wird es auch nicht leichter: Am Samstag wartet mit dem SC Wiedenbrück auswärts der nächste hart zu bespielende Angstgegner, der RWE in den letzten Jahren immer mal wieder schockte. Die Fans sind gespannt auf die Reaktion nach dem Ahlener „Déjà-vu“ im ostwestfälischen Jahnstadion. Sonst noch was? Ja und zwar das man sich im Leben ja zweimal sieht: Das trifft auch auf Essen und Ahlen zu und zwar schon in sieben Wochen am letzten Spieltag der Regionalliga West Saison 2021/2022 am 14. Mai im Stadion an der Hafenstraße vielleicht mit gutem Ende für beide.> zu den Rot Weiss Ahlen Fotos > zu den Rot-Weiss Essen Fotos  

Jetzt in der App abspielen

SV Sandhausen vs. F.C. Hansa Rostock: Big points und unkorrekte Bierdosen

22.03.2022 00:00:00

Bezogen auf das Spiel unseres F.C. Hansa am vergangenen Samstag gehen mir so viele Gedanken mit einmal durch den Kopf, dass ich gar nicht weiß, wo ich so wirklich anfangen soll. Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten fange ich deshalb mal mit dem an, was an diesem Tag das wichtigste sein sollte: Das Sportliche. Die Ausgangssituation war klar. Aufgrund der engen Tabellensituation und der Tatsache, dass quasi die komplette untere Tabellenhälfte noch in akuter Abstiegsgefahr schwebt, war ein Sieg in diesem Spiel umso wichtiger. Es war eines dieser Sechs-Punkte-Spiele, vor denen man sich als Hansafan eigentlich nur fürchten kann. Hansa hatte bereits die vorherigen Spiele gegen Schalke und Kiel gewonnen.Der Gedanke daran, dass es uns in den letzten Jahren eher selten gelang, mal drei Spiele am Stück zu gewinnen, sorgte nicht gerade für zusätzlichen Optimismus, sodass die meisten eher mit dem Gedanken „Bloß nicht verlieren!“ in das Spiel gingen.    Das startete dann aus unserer Sicht auch gar nicht mal so gut, denn Sandhausen erarbeitete sich früh diverse Eckbälle, die alle recht gefährlich in Richtung unseres Tores gebracht wurden. Kolke konnte sich dann schnell mehrfach auszeichnen, während Hansa die eigenen Chancen durch Becker und Rhein nur in die Nähe des gegnerischen Tores brachte.   Die Anspannung blieb also groß und in der Pause war man sich einig, dass es auch in der zweiten Halbzeit nicht viele Chancen für uns geben würde. Eine dieser wenigen Gelegenheiten wurde dann aber genutzt und sorgte für kurzzeitige Eskalation im gut gefüllten Gästeblock. Zum Leidwesen der 1.200 anwesenden Gästefans fiel das Tor aber schon in der 49. Minute, was bedeutete, dass man noch sehr viel Zeit rumkriegen musste, um die Punkte auch mitzunehmen. Und diese Zeit verging so langsam, wie schon lang nicht mehr. Gefühlt schaute man alle zehn Minuten auf die Uhr, nur um festzustellen, dass gerade einmal eine Minute vergangen war.    In der 77. Minute gab es dann einen Schockmoment, der sich wahrscheinlich vor allem für die Fans im Stehplatzbereich hinterm Tor mehr ins Gedächtnis eingebrannt hat als das Siegtor. Auch mir ist in diesem Moment kurz das Herz in die Hose gerutscht. Eine Flanke in den Strafraum versucht unser Innenverteidiger vor dem einschussbereiten Stürmer der Sandhäuser per Flugkopfball zu klären, trifft dabei den Ball aber nicht richtig. Während alle hinter dem Tor schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und quasi darauf warten, dass der Ball ins eigene Tor fliegt, prallt dieser mit Schwung gegen den Pfosten und von da zurück ins Feld, wo er geklärt werden kann. Im Nachhinein betrachtet, eigentlich souverän geklärt von Malone, der damit nicht nur das Gegentor, sondern auch die Ecke verhinderte. An sich hätte ich aber auch nichts dagegen, wenn wir solche Spiele einfach mal weniger dramatisch zu Ende bringen könnten.    Während die Mannschaft sich dann noch feiern lassen konnte, stand ich wie so oft in den letzten Jahren etwas platt im Block und brachte nur noch mein fast schon obligatorisches „Dieser Verein macht mich fertig!“ heraus. Diese Siege sind zwar im Nachhinein umso schöner, weil sie einfach so emotional sind, allerdings hätte ich auch nichts dagegen, wenn wir so ein Ding einfach mal mit 2:0 nach Hause schaukeln könnten. Das nur mal so als Idee vielleicht für das Spiel gegen St. Pauli.   Da ich seit dem Erscheinen von „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ einen gewissen Ruf weghabe, möchte ich natürlich auch an dieser Stelle nicht darauf verzichten, das eine oder andere Wort zu den Geschehnissen rund um das Spiel zu verlieren und Marco damit Stoff für Kaperfahrten II“ zu liefern.   Gewissermaßen hofft ja ganz Fußballdeutschland seit Jahren, dass es den SV Sandhausen mal erwischt, was den Abstieg in die 3. Liga angeht. Das kann ich, was den Verein angeht, so erstmal nicht bestätigen. Der einzige Kritikpunkt hier: Es ist in gewisser Weise eine Frage des Respekts und des Anstands, das richtige Logo des Vereins zu verwenden, gegen den man gerade spielt. Das soll es dazu schon gewesen sein. Die Ticketpreise sind für Zweitligaverhältnisse okay und aufgrund der überschaubaren Anzahl an Heimfans ist es absolut kein Problem, sich dort als Fan der Gastmannschaft frei zu bewegen.    Das ist aber in gewisser Weise schon das Problem, denn das muss in Sandhausen quasi eine Art Grundvoraussetzung sein. Wenn man die in der Gästeinfo genannte Adresse für den anzusteuernden Parkplatz ins Navi eingibt, landet man nämlich mitten in einem Wohngebiet hinter dem Heimbereich. Irgendwelche kommentarlos aufgestellten Straßensperren erleichterten das Erreichen des eigentlich anzusteuernden Parkplatzes nicht gerade, sodass ein großer Teil der Hansafans einfach in besagtem Wohngebiet parkte und gezwungen war, sich am Heimbereich vorbei in Richtung Gästeblock zu begeben.    Auf dem Weg dorthin stellte eine Gruppe junger Kerle ihre Bierdosen neben einem der dort stehenden Mülleimer ab. Man sollte meinen, dass dieses Vorgehen mittlerweile überall gängig und bekannt ist. Nicht so im reichen Baden-Württemberg, wo sofort Polizisten auf der Matte standen und darauf hinwiesen, dass die Dosen doch im Müll zu entsorgen sind. Der Hinweis auf eventuelle Pfandsammler wurde dann nur mit „Wenn die das Geld brauchen, werden die die Dosen auch aus dem Eimer holen“ beantwortet. Ich lass das an der Stelle mal unkommentiert, einfach weil mir zu so einer Aussage auch komplett die Worte fehlen. Am Stadion selbst war man dann wohl mit der hohen Anzahl an Gästefans komplett überfordert. Etwa eine halbe Stunde vor Anpfiff standen hinter dem Gästeblock noch massig Leute, was bei dem Anblick von einem einzigen geöffneten Eingang für reichlich Unruhe sorgte. Diese Unruhe wurde dann mal kurzerhand so ausgelegt, dass es den Versuch gegeben hat, zu „drücken“, was wiederum der Vorwand für einen kurzzeitigen kompletten Einlassstopp war. Das Auftreten der nun angerückten BFE schien aber die Ordner mehr zu verunsichern, als in irgendeiner Weise für zusätzliche Sicherheit zu sorgen, sodass dann gefühlt 9 von 10 Fans unkontrolliert ins Stadion gelangten. Ob das dann auch erklärt, wie diverse Schnapsflaschen und komplette Menüs aus dem Restaurant zur Goldenen Möwe den Weg in den Block gefunden haben, überlasse ich eurer Fantasie. Aber Hauptsache, wir haben am Eingang wegen zwei Aufklebern ein großes Fass aufgemacht.   Nach dem Spiel sorgte dann eine etwas unnötige Sperrung des kürzesten Weges in Richtung des besagten Wohngebiets für reichlich Unverständnis. Aber da sich das Wetter wirklich von seiner schönsten Seite zeigte, hatte keiner etwas gegen einen Waldspaziergang einzuwenden, um nach diesem nervenaufreibenden Spiel etwas runterzukommen.   Alles in allem ist das aber jammern auf hohem Niveau. Das wichtigste ist, dass unser F.C. Hansa dieses wichtige Spiel gewonnen und sich somit etwas Luft im Abstiegskampf verschafft hat. Wenn man es bösartig ausdrücken will, könnte man sagen, dass es jetzt nur noch Dummheit ist, wenn man diese Ausgangssituation noch verspielt. Aber wir wissen ja alle, dass bei diesem Verein eigentlich nichts ohne Drama funktioniert.  Fotos: Heiko Baumann, Matthias, Aumi > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock > der 512-seitige Wälzer Kaperfahrten (externer Link)

Jetzt in der App abspielen

Rot-Weiss Essen gegen den KFC Uerdingen: RWE siegt im Schongang

19.03.2022 00:00:00

„Gemeinsam unschlagbar“: Unter diesem gut gewählten Motto, welches lesbar über die gesamte Essener „Westtribüne“ in großen Lettern hing, meldete sich die aktive RWE-Fanszene von einem Tag auf den anderen zurück und überraschte nicht nur mit allen Gruppen-Zaunfahnen vor der „West“, sondern auch spontan direkt mit einer sehenswerten Fahnen- und Konfetti-Choreo (aus Bierrosetten) vor Beginn des Spiels. Eigentlich war geplant erst zum Auswärtsspiel in Ahlen am kommenden Mittwoch wieder „aktiv“ mitzumischen, aber durch die ab sofort geltenden Lockerungen der Corona-Maßnahmen war die Szene direkt heute wieder lautstark dabei. Auch wenn die Stimmung ohne aktiven Support im Oldschool-Style nicht schlecht war, sehnten sich viele Fans doch nach den organisierten Unterstützungsaktivitäten.Auch der heutige Gast, der KFC Uerdingen durfte mit eigenen Fans an die Essener Hafenstraße reisen. Gästefans waren ja teilweise bei den zwischenzeitlichen harten Corona-Auflagen auch nicht möglich. Leider fanden, anders als in der Vergangenheit, nicht ganz so viele Anhänger der blau-roten den Weg in den Ruhrpott. Dabei macht es ja eigentlich kaum einen Unterschied, ob man nun nach Velbert fährt wo der KFC Uerdingen aktuell leider immer noch seine Heimspiele austragen muss, da die traditionsreiche Grotenburg noch bis April saniert wird, oder nach Essen. Aber vielleicht saß die Rekord-Hinspielniederlage von 11:0 bei einigen noch zu tief und manch einer hatte einfach keine Lust auf eine weitere Schmach. Dabei konnte der lange abgeschriebene KFC Uerdingen in den letzten Spielen beeindruckend punkten und auch heute schnupperten die Krefelder kurzzeitig an einem Ausgleichstreffer. Das honorierten auch die mitgereisten und gut aufgelegten etwa 350 Fans, die ihr Team durchgängig mit ihren Mitteln sehr gut unterstützten. Warum auch nicht? Auch nach der heutigen 3:0 Niederlage bei Rot-Weiss Essen ist ja noch rechnerisch alles drin, auch wenn man schon mit der Oberliga Niederrhein in Gedanken plant. Die Vorzeichen waren natürlich klar und der Anspruch für Rot-Weiss Essen auch. Alles andere als drei Punkte für RWE, wäre ein Schock für die Fans und heftiger Rückschlag im Aufstiegsrennen. Aber Ausrutscher passieren, man denke nur an die hohe Heimniederlage gegen den SV Straelen zu Beginn der Saison. Dachte sich wohl auch der Ersatzgeschwächte KFC Uerdingen, der anders als im Hinspiel gut sortiert mitspielte und sich freche Angriffe erarbeitete. RWE hatte aber das Spiel gut im Griff und spielte konzentriert, aber mit etwas angezogener Handbremse nach der Corona-Pause und dem Kräfte aufreibenden Spitzenspiel unter der Woche bei Fortuna Köln (3:3). Einige Spieler auf Essener Seite wurden geschont (u.a. Eisfeld, Alonso), da es ja am kommenden Mittwoch direkt weitergeht. Trotzdem: Die insgesamt 9.457 Zuschauer konnten nicht klagen, da RWE sich gute Chancen herausarbeitete. In der 22. Spielminute startete Torjäger Simon Engelmann seinen persönlichen erfolgreichen Nachmittag mit einem schön heraus gespielten 1:0. Nun dachten alle, der Torreigen beginnt. Falsch gedacht, denn der Gast spielte gut mit und kam zwanzig Minuten nach dem Rückstand zu einer Riesenchance: Uerdingens Knipser Shun Terada stand plötzlich frei vor RWE Schlussmann Daniel Davari, der aber glänzend die 1:1 Situation parierte. Während die einen den Torschrei auf den Lippen hatte, war der Großteil der Fans im Stadion an der Hafenstraße mit einem Mal schockgefrostet und das nicht nur wegen dem kalten windigen Böen, die durch das Stadion wehten. Einmal kurz durchpusten und weiter: Fast im Gegenzug erzielte Simon Engelmann den zweiten Treffer des Nachmittags und wenn das für Uerdingen nicht schon schlimm genug wäre, auch ihr Goalgetter Terada musste verletzt ausgewechselt werden. Die zweite Halbzeit wirkte wie eine Regenerationsphase von Rot-Weiss, trotzdem wurde weiter versucht das Ergebnis hochzuschrauben. Essen kam zu einigen Chancen, die beste verwandelte schließlich der Mann des Tages Simon Engelmann, der damit einen lockeren Dreierpack eintütete (17 Tore in 27 Spielen). Danach waren noch 30 Minuten zu gehen und das war wörtlich zu nehmen. Das Spiel wirkte wie ein lockeres Auslaufen. Der KFC konnte nicht mehr und Essen schonte sich für die weiteren Aufgaben. Am Ende stand ein ungefährdeter 3:0 Erfolg für Rot-Weiss Essen und Simon Engelmann ließ sich von der Kurve feiern, bzw. durfte am Ende auf dem Capo-Stand noch den Vorsänger geben. Für Essen geht es "immeRWEiter" und das bereits am kommenden Mittwoch bei Rot-Weiß Ahlen bevor es in einer Woche zum SC Wiedenbrück geht. Zwei schwierige Gegner auf schwierigem Geläuf. Für den KFC ist rechnerisch noch alles drin, aber 15 Punkte Rückstand in neun Spielen aufzuholen ist doch recht schwer.  > zu den Rot-Weiss Essen Fotos > zu den KFC Uerdingen Fotos Fotos: K.Hoeft / frontalvision.com

Jetzt in der App abspielen

Fortuna Köln gegen Rot-Weiss Essen: Sechs Tore Spektakel im Spitzenspiel

17.03.2022 00:00:00

Eigentlich sollte es schon Ende Januar 2022 im Kölner Südstadion zwischen dem SC Fortuna Köln und Rot-Weiss Essen rundgehen, aber eine grassierende Corona-Infektion im Team zwang die Südstädtler zur Spielabsage. Ähnlich ging es Rot-Weiss Essen in den letzten zwei Wochen. Das letzte Mal stand der Traditionsverein von der Essener Hafenstraße auf dem Spielfeld, da kostete der Liter Diesel noch 1,69 Euro. Zeiten ändern sich, aber die Qualität trotz Corona-Zwangspause von dem Top-Favoriten auf den Regionalliga West Titel nicht, wie das gestrige Spiel einmal mehr zeigte. Kein sonniger Abend aber ein trockener bei frühlingswarmen zwölf Grad im Südstadion oder wie es Preußen Münster formulieren würde: „Zu kalt für den Rasen im Preußenstadion, Spielabsage sofort!“ So geschehen am vergangenen Freitag bei noch besseren Außenbedingungen: Das Spiel zwischen dem (vorläufigen) Spitzenreiter aus Münster und Fortuna Köln wurde kurzerhand aufgrund eines zu kalten Bodens abgesagt. Mit viel Häme und süffisanten Kommentaren wurden die Adlerträger in den letzten Tagen bedacht und sogar der Fortuna-Stadionsprecher ließ in seiner Begrüßungsrede gestern einen kleinen Seitenhieb nicht aus. Konnte er auch, denn die Rahmenbedingungen im Südstadion waren 1A: Für Regionalligaverhältnisse ein guter Rasen auf dem sich sogar zwei Gänse wohlfühlten und eine tolle Atmosphäre bei einer großen Kulisse von insgesamt 6.127 Zuschauern darunter viel lokale Prominenz und gut 2.000 Fans die es mit Essen hielten. Aufgrund des Andrangs wurde die Partie später angepfiffen. Nur bei den Würstchenpreisen (4 Euro für ne schmale im Brötchen) und der Musikbeschallung (kölsche Lieder in einer Tour und in einer Lautstärke, dass die Boxen schon verbruzzelten) kam man ins Grübeln. Trotzdem insgesamt ein würdiger Rahmen und alle waren heiß und besonders gespannt, wie RWE aus der Corona-Pause kommen würde. Eines fiel direkt auf: Die Warm-up Viertelstunde war mit angezogener Handbremse gestaltet. Nur leichte Sprints und ein paar Schüsse auf das Tor. Die Fans machten sich so ihre Gedanken. Mussten sie aber gar nicht, denn mit dem Anpfiff löste Essen die Bremse und überrollte die überraschten Kölner förmlich. Die erste Halbzeit war aus Essener Sicht eine der besten in dieser Saison, wenn auch mit einer zu schwachen Chancenverwertung. Schon nach wenigen Minuten hätte es locker 3:0 für Essen stehen können. Nur dank des Fortuna-Keepers André Weis wurden die Kölner nicht aus dem Meisterschaftsrennen geschossen. Den Treffer von Simon Engelmann in der 13. Spielminute konnte er aber nicht verhindern.Alles lief nach Plan und „immeRWEiter“. Köln konnte sich kaum befreien, dafür Essen immer mehr Chancen kreieren. Aber statt 0:5, stand es plötzlich 1:1. Unfassbar, ein Mini-Angriff der Kölner endete in einem Strafstoß für die Heimmannschaft. Ein wenig zu ungestüm sprintete der Essener Isiah Young in Richtung Suheyel Najar und konnte nicht mehr bremsen. Najar nahm die Chance an und fiel im Strafraum. Den fälligen Elfmeter verwandelte Sascha Marquet ganz souverän. Kaum geschockt von dem Ausgleich rollte der RWE-Express weiter in Richtung Kölner Tor. Nur zwei Minuten nach dem Ausgleich schickte Engelmann Young der direkt den Ball in Richtung Tor bugsierte. Der Torhüter touchierte ihn noch leicht und final lenkte der Kölner Dominik Lanius den Ball ins eigene Tor. Mit einer Essener 2:1 Führung ging es in die Pause. Sehr schmeichelhaft für Fortuna Köln, die sich über weitere vier Gegentore nicht hätten beschweren können.So nun der knappe Vorsprung und der wilde Ritt ging in der zweiten Halbzeit weiter, wenn aus Essener Sicht dann doch nicht mehr mit so viel Tempo. Die erste Spielhälfte hat wohl doch zu viele Körner gekostet. Nun kam Köln zu größeren Chancen. Die größte sicherlich in der 63. Spielminute, als Daniel Davari einen Schuss von Mike Owusu nur parieren, aber sich auf Daniel Heber verlassen konnte der die Gefahr entschärfte. In der 76. Spielminute dann Freistoß für Fortuna Köln: Suheyel Najar legte sich den Ball zurecht und zirkelte den Ball in die Maschen, direkt neben dem Essener Torhüter Davari. 2:2 und ein offener Schlagabtausch in der Schlussviertelstunde mit Jubelekstasen auf beiden Seiten folgte: Erst als direkte Antwort auf den Ausgleich eine riesige Chance für Simon Engelmann der freistehend in der 77. Spielminute vergab, dann machte es Marius Kleinsorge in der 82. Spielminute besser und besorgte die Essener Führung nach Vorarbeit von Alonso und Janjic. Kurz danach die direkte Antwort auf der Gegenseite: Dominik Lanius machte sein Eigentor aus der ersten Halbzeit wieder wett und köpfte den 3:3 Endstand nur zwei Minuten später. Auch hier schaute RWE-Keeper Davari überrascht hinterher. Ein früheres Eingreifen in die kommende Flanke wäre vielleicht die bessere Wahl gewesen, bei den großen Recken im Kölner Team. Insgesamt machte der Essener Schlussmann aber eine gute Partie. Apropos groß: Der größte im Kölner Team ist Jannik Löhden mit satten 2,01 Metern. Er wird geschätzt und gefürchtet, letzteres aber vielleicht auch eher nur für seine Geschichten, die er seinen Gegenspielern während des Spiels zu erzählen hat. Man würde da gerne mal Mäuschen spielen und hören was es denn so interessantes gibt. Auch wenn sich für die Essener Fans das Unentschieden am Ende wie eine Niederlage anfühlte aufgrund der vielen vergebenen Chancen: Am Ende können beide Teams damit leben. Das Titelrennen ist weiter offen und RWE halt alles in eigener Hand. Am kommenden Samstag kommt der Traditionsverein KFC Uerdingen an die Hafenstraße. Das Hinspiel das mit einem Torrekord (11:0) an RWE ging ist vielen ja noch in guter Erinnerung. Ein ähnliches Torfestival ist nicht zu erwarten, da sich der KFC inzwischen gut stabilisiert hat. Die Kölner erwarten die U23 von Schalke 04 und können darauf setzen, das diese nicht in der Stärke auftreten wie beispielsweise vor 2,5 Wochen gegen Essen, als der Sprit noch bezahlbar war. Die erste Mannschaft der Knappen hat Vorrang und braucht aktuell jeden verfügbaren Spieler und bedient sich dann auch an der U23. Das ist die Krux mit den zweiten Mannschaften. Es bleibt interessant und wir bleiben dran am Titelkampf in der Regionalliga West. > zu den SC Fortuna Köln Fotos > zu den Rot-Weiss Essen Fotos

Jetzt in der App abspielen

Lichtenberg 47 vs. Carl Zeiss Jena: Zurück aus Quarantäne und Stadion-Lockdown

15.03.2022 00:00:00

Frisch aus der Quarantäne und ziemlich spontan ging es für mich mal wieder nach Berlin. Bei bestem Fußballwetter wurde die Regionalliga Nordost komplettiert. Erfreulicherweise kündigte die aktive Fanszene des FC Carl Zeiss ihre Rückkehr ins Stadion für genau diese Paarung an und sorgte für einen rundum perfekten Rahmen. Die knapp 300 bis 350 Gästefans aus Jena kamen wohl etwas später als erhofft ins Zoschke-Stadion und waren in den Anfangsminuten mehr mit Basteln als mit Supporten beschäftigt. Vermutlich hat der lang anhaltende "Stadion-Lockdown" die üblichen Handlungen etwas beeinflusst. Sei es drum. Auch im Heimbereich gab es ein reges Interesse an dieser Partie. Euphorisiert von den letzten beiden Heimsiegen gegen die BSG Chemie Leipzig und den BFC Dynamo pilgerten insgesamt 1.600 Fußballfreunde nach Lichtenberg. Bereits weit vor Spielbeginn ähnelte die Ruschestraße eher einer Anlaufstelle für Impfwillige. Die Menschenschlangen erreichten teilweise utopische Längen, lösten sich aufgrund der wirklich gut organisierten Mitarbeiter der 47er aber ziemlich schnell auf.   Zurück zum Spiel. Im Gästeblock waren nach knapp zehn Minuten die ersten Akzente zu vernehmen. Die Mitmachquote war enorm hoch, die Qualität des Liedgutes auch sehr ordentlich. Die eigenen Spieler ließen sich eher weniger vom Support pushen, und so entstand trotz der perfekten äußeren Umstände eher ein müder Sonntagskick. Ein Standard brachte kurz vor dem Pausenpfiff allerdings doch noch die Führung für den FC Carl Zeiss.    Auch in der zweiten Halbzeit wurde das Spiel nicht ansehnlicher. Es wirkte ein wenig so, als würde Jena nicht wollen und Lichtenberg nicht können. Ein abgefälschter Schuss von Prokapenko sorgte in der Schlussphase für die endgültige Entscheidung. Jenas Schlussmann Sedlak hatte einen ruhigeren Arbeitstag, sorgte nur einmalig für Gelächter, als er einen harmlosen Ball in sein Gesicht abtropfen ließ.    Jena nutzte also die Gunst der Stunde und hat zumindest wieder realistischere Chancen auf die Meisterschaft, wenn gleich die Qualität des eigenen Spieles eher mager ist. Das Spiel endete mit 2:0 und die Mannschaft ließ sich vor der eigenen Kurve feiern. Im Heimbereich platzte indes der Mülleimer aus allen Nähten und bereits wenige Minuten vor Abpfiff war der Grill kalt (schwach Männer!). So oder so: Für mich persönlich war dies ein sehr schöner Ausflug. Bericht & Fotos: "schwarze_natascha" (externer Link zu Instagram)  > zur turus-Fotostrecke: SV Lichtenberg 47 > zur turus-Fotostrecke: FC Carl Zeiss Jena

Jetzt in der App abspielen

Die Sechziger brachten Glück: Irrer Jubel beim 2:0 von Blau-Weiß 90 Berlin gegen Staaken

13.03.2022 00:00:00

Welch ein wunderbarer Fußballnachmittag an der Rathausritze! Wer hätte im Vorfeld der Oberliga-Partie gedacht, dass die Sache dermaßen rund werden würde?! Da hatte ja wirklich alles gepasst! Glückliche Gesichter soweit das Auge reichte. Ein etwas überraschender 2:0-Sieg der Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin gegen den Angstgegner SC Staaken, bestes Wetter, ein Jubel sondergleichen und zahlreiche neue Fußballbekanntschaften aus München, Cottbus und Wattenscheid. Ganz ehrlich, aus diesem Grund lieben wir einfach den Fußball! Und auch ganz besonders den Amateurfußball. In Zeiten der absoluten Kommerzialisierung ist es einfach dufte, wenn mal eben mit den Spielern halb auf dem Platz gejubelt wird und man locker flockig bei Wurst und Bier kreuz und quer das eine oder andere Pläuschchen halten kann.Zwei Fragen mussten jedoch erst einmal geklärt werden: Wann hatte die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin zuletzt gegen den SC Staaken gewinnen können? Das musste verdammt lang her gewesen sein. Man sprach von den frühen 1980ern bzw. den späten 1970ern. Genau wussten das auf Anhieb die wenigsten. Zumindest konnte sich niemand dran erinnern, jemals einen Sieg gegen den Angstgegner par excellence gesehen zu haben. Fakt ist, in der NOFV-Oberliga Nord klappte es erst im fünften Anlauf. Begegnet sind sich die beiden Vereine unter anderen von 1963 bis 1971 in der Regionalliga Berlin, zu jener Zeit konnte sich Blau-Weiß 90 meist durchsetzen. In der (ersten) Oberliga-Berlin-Saison 1974/75 sah es schon mal anders aus. Daheim wurde mit 2:3 verloren, auswärts gab es ein 1:1 zu sehen. Beide Partien gewinnen konnte Blau-Weiß 90 in der Spielzeit 1975/76, in welcher Staaken am Ende absteigen musste. Dies müssten auch die letzten Siege gegen Staaken gewesen sein.    Und wann hatte Blau-Weiß 90 Berlin zuletzt gegen den TSV 1860 München gespielt? Logo, irgendwann vor dem Konkurs im Frühjahr 1992, schießt es einem durch den Kopf. Warum die Frage? Ganz einfach. Gestern hatten einige Fußballfreunde aus München beim Oberligaspitzenspiel auf dem Kunstrasenplatz an der Rathausstraße vorbeigeschaut. Am Abend zuvor hatten diese den 2:0-Auswärtssieg des TSV 1860 München beim FC Viktoria 1889 Berlin im Jahn-Sportpark gefeiert. Rund 2.500 Löwen-Fans hatten dafür gesorgt, dass der Jahn-Sportpark mal wieder mit 3.400 Zuschauern eine ansprechende Kulisse vorweisen konnte. Einige Sechziger blieben das Wochenende in Berlin und schauten bei dem einen oder anderen Amateurspiel vorbei.   Das Kommen nach Mariendorf wird keiner von ihnen bereut haben. Auch für drei Cottbuser und ein Freund aus Wattenscheid wurde das Ganze ein echter Volltreffer. Aber wie war das nun mit den möglichen früheren Begegnungen? Womöglich in der 2. Bundesliga irgendwann in den 1980ern? Kurz bevor Blau-Weiß 90 Berlin aufgrund einer aus heutiger Sicht läppischen Schuldensumme aus dem Vereinsregister gelöscht und anschließend als SV Blau-Weiss neu gegründet wurde, hatte im Frühjahr 1991 nach langer Durststrecke der TSV 1860 München den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft, doch spielten Blau-Weiß 90 und die Sechziger in der Zweitligasaison 1991/92 in unterschiedlichen Staffeln (Nord und Süd).    Nach jener Saison musste der TSV 1860 München in der Bayernliga noch einmal Anlauf nehmen, um dann tatsächlich den Durchmarsch zu packen. Also gut, im Ligabetrieb gab es keine Begegnungen, aber nun haltet Euch fest, im Tschammerpokal 1938 (vergleichbar mit dem heutigen DFB-Pokal) trafen in der „Ausscheidungsrunde Altreich“ am 6. November 1938 die Blau-Weißen aus Berlin-Mariendorf auf den TSV 1860 München. Vor 10.000 Zuschauern brachte Junge (ja, der Spieler hieß so) in der Rathausritze Blau-Weiß 90 in der 22. Minute mit 1:0 in Führung, Engelbert Schmidhuber und Georg Burger konnten jedoch die Partie zugunsten der Münchner Löwen drehen.    Somit ist auch dies geklärt. Fakt ist, dass man sich gestern prächtig verstand und wunderbar gefachsimpelt wurde. Was das gestrige Spiel betrifft, so schauten die meisten Blau-Weißen mit gemischten Gefühlen auf die kommenden 90 Minuten. Zwar entsprach das bittere 0:6 bei Hertha Zehlendorf nicht ganz der gebrachten Leistung, doch bleibt nunmal ein 0:6 ein hässliches 0:6. Dazu wurde jüngst das Heimspiel gegen den RSV Eintracht 1949 verloren. Und die Sache mit dem Angstgegner aus Staaken hatten wir ja bereits. Erwartungsfroh hatten sich die angereisten Gästefans vor dem Spiel schon mal einen Humpen Bier für schlappe 2,50 geholt und vor das Vereinsheim gesetzt.    Es wurde allerdings ein Tag, der für die Sp.Vg. Blau-Weiß 90 bombig laufen sollte. Bei strahlendem Sonnenschein erzielte Niklas Wiebach bereits in der neunten Minute aus über 16 Metern das 1:0 für die Mariendorfer. Die Gastgeber blieben am Drücker, kurze Zeit später hatte Guilherme Henrique Lopes de Oliveira das 2:0 auf dem Fuß. Bis zur Pause sollten jedoch keine weiteren Treffer fallen. Im zweiten Spielabschnitt wollte Blau-Weiß unbedingt den Sack zumachen und drängte auf das Staakener Gehäuse. Tobias Göth hatte die Möglichkeit, doch noch musste gezittert werden. Staaken kam auch zu Möglichkeiten, es blieb spannend bis kurz vor Schluss. Von schräg rechts konnte schließlich Oliveira zwei Minuten vor Schluss zum 2:0 nachlegen - und im Anschluss gab es kein Halten mehr. Ab zum Jubeln zum harten Kern der Blau-Weiß-Fans, die stets nahe der Eckfahne ihr Plätzchen haben. Knuddeln, Umarmen, fliegende Bierbecher, ein kurzes Stoßgebet gen Himmel. Das hatte was und erwärmte auch die Gäste aus München.    Als wenig später der Abpfiff ertönte, wurde mit der Mannschaft gefeiert wie lange nicht mehr. Blau-Weiß 90 Berlin bleibt oben mit im Geschäft und rangelt gemeinsam mit Hertha Zehlendorf, dem Rostocker FC, dem SC Staaken, dem CFC Hertha 06 - der heute gegen die Amateure des F.C. Hansa Rostock verloren hatte - und dem Greifswalder FC um den Aufstieg in die Regionalliga Nordost.    Bei herrlichem Sonnenschein wurden nach Abpfiff vor dem Vereinsheim gemeinsam noch ein paar Bier getrunken, bevor es dann in kleinen Gruppen zum nächsten Späti oder in die Kneipen der großen bunten Stadt ging. In meinem Fall ging es mit dem Wattenscheider Fußballfreund nach Neukölln und Kreuzberg. Vielen Dank dafür und besten Gruß nach München, Cottbus und Wattenscheid. Nach exakt zwei Jahren Corona-Krise tut solch ein Fußballnachmittag wirklich gut.   Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: Sp.Vg. Blau-Weiß 90 Berlin > ein Video auf der turus-Facebook-Seite (externer Link)

Jetzt in der App abspielen

Derby in Sofia: Fotoserie aus der Sicht der Levski-Fankurve

10.03.2022 00:00:00

„Вечното дерби“ - das Ewige Derby von Bulgarien. Seit 1948 gibt es das Stadtduell Levski Sofia vs. CSKA Sofia - seit nun mehr 74 Jahren brennt bei diesen Begegnungen die Luft. „COPA90“ wählte das Derby in Sofia auf Rang zwei der verrücktesten Derbys in Osteuropa. Genannt wird es in einem Atemzug mit den Stadtduellen in Belgrad, Bukarest, Budapest und Sarajevo. Was den Aufmarsch von polizeilichen Einsatzkräften betrifft, so hatte das Spiel in Sofia in der Vergangenheit manch einen Rekord aufgestellt.Das erste Aufeinandertreffen erfolgte am 5. Mai 1948. Levski Sofia konnte CSKA Sofia mit 1:0 bezwingen. Zusammengerechnet wurden bislang 209 Stadtduelle, von denen Levski immerhin 82 gewinnen konnte. Auch einige Rekorde kann Levski für sich beanspruchen. So feierte Levski Sofia am 23. September 1994 den höchsten Sieg der Derby-Historie (7:1), und einmal konnte Levski sage und schreibe neun Siege in Folge beim Derby feiern. Die meisten Treffer bei den Derbys erzielte Georgi Alexandrov Ivanov, genannt „Gonzo“, der von 1997 bis 2002, 2006 sowie von 2008 bis 2009 bei Levski unter Vertrag stand und satte 15-mal gegen CSKA traf. Der 1976 in Plovdiv geborene „Gonzo“ durfte Anfang der 90er mit Lokomotiv Plovdiv auch dortige Derby-Luft schnuppern.   Während CSKA (Zentraler Sportklub der Armee Sofia / ZSKA) Sofia am 5. Mai 1948 ins Leben gerufen wurde, geht die Geschichte des Stadtrivalen noch weiter zurück. Am 24. Mai 1914 gründeten Studenten einer Hochschule den „ZS Lewski Sofia“. Die Vereinsfarben waren anfangs noch Gelb und Rot. Bereits 1920 änderte der Verein die Farben in das heute noch verwendete Blau. In der Anfangszeit wurde der Vereinsname öfters geändert: Als „Lewskiego Sofia“, „Spartak Sofia“, „Sportista Sofia“und „SK Lewski Sofia“ ließ man in den 1920er und 1930er Jahren den Ball rollen, der erste bulgarische Meistertitel wurde 1933 eingefahren. Im gleichen Jahr wurde das Wassil-Lewski-Stadion fertiggestellt.   Während CSKA Sofia bislang 31-mal Meister wurde, sind es bei Levski 26 Meistertitel. Was ein wenig überrascht: CSKA wurde letztmalig 2008 Meister, im Jahr darauf fuhr Levski seinen bislang letzten Meistertitel ein. In der Folgezeit wurde zuerst Litex Lowetsch zweimal Meister, seit 2012 ist Ludogorez Rasgrad Dauermeister in Bulgarien. Satte zehnmal wurde Ludogorez Rasgrad nun hintereinander bulgarischer Meister. So wie einst der BFC Dynamo in der DDR. Und was soll man sagen? Aktuell ist dieser Verein schon wieder an der Tabellenspitze zu finden.   Dahinter belegt CSKA Sofia aktuell den zweiten Platz, Levski ist auf Rang fünf zu finden. Am vergangenen Samstag empfing Levski im Stadion Vasil Levski um 13 Uhr den Stadtrivalen. Bei Schneefall wurde die Partie angepfiffen, und auch wenn keine Tore fallen sollten, so kam wieder die typische Hitze auf dem Rasen und auf den Rängen auf. Levski machte in der ersten Halbzeit gut Dampf, kam zu Torchancen und wollte nach einem Foul im Strafraum einen Elfmeter haben. Ball gespielt, meinte der Schiedsrichter. Ganz egal, wie weit der Gegenspieler über den Schneematsch schlitterte.    Der Platz wurde nun immer weißer, gut dass von Beginn an mit einem roten Ball gespielt wurde. CSKA wurde nun besser und prüfte mehrmals den weiß gekleideten Levski-Torhüter. In der Pause wurden entlang der Linien ein paar breite Streifen gezogen, sodass man wenigstens halbwegs den Überblick behalten konnte. Gut in Wallung kamen Mannschaften und Fanlager in der 54. Minute, als nach einem Foul an der Seitenauslinie der brasilianische Levski-Spieler mit dem kuriosen Namen Tsunami mit Gelb-Rot vom Platz musste.    Richtig auf Betriebstemperatur waren alle in der Schlussphase. CSKA-Spieler Mazikou ging gut in die Beine, auf der Tartanbahn stand bereits die Polizei bereit, und nachdem sich der Schiedsrichter das Ganze noch einmal auf einem Monitor angeschaut hatte, zückte er die rote Karte. Tore wollten jedoch keine mehr fallen. Mit einem torlosen Remis endete das Derby vor knapp 20.000 Zuschauern. Es war bereits das dritte 0:0 seit 2019, Levski wartetet seit dem 29. September 2018 auf einen Sieg gegen den Stadtrivalen CSKA.    Was das Geschehen auf den Rängen betrifft, so lassen wir einfach die Bilder sprechen. Der Sachseninformer hatte sich auf Heimseite zwischen die Levski-Fans gemischt und trotz des Schneefalls einige beeindruckende Fotos angefertigt. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die prima Zusammenarbeit!                    Fotos: Sachseninformer (externer Link), Marco Hensel, Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: Weitere Bilder vom Duell Levski vs. CSKA

Jetzt in der App abspielen

Kloppereien, ausgezogene Buchsen und nun ein 4:3-Sieg: Für Hansa war Schalke immer eine Reise wert

07.03.2022 00:00:00

Verdammte Axt! Wäre doch nicht diese 2G-Regelung gewesen. Es hätten noch weitaus mehr Hansa-Fans vor Ort in der Veltins-Arena gewesen sein können, die den sensationellen 4:3-Auswärtssieg beim FC Schalke 04 frenetisch feierten. Die Aussagen der Rostocker, die vor Ort in Gelsenkirchen waren, glichen einander. Waren die ersten Torjubel schon episch, so war die Jubelorgie in der Nachspielzeit einfach nur krank. Im positiven Sinne, versteht sich. Die in den sozialen Netzwerken kursierenden Videos sprechen Bände. Fliegende Bierbecher, aufgerissene Augen. Die Arme gen Himmel. Was für eine Befreiung! Ging der F.C. Hansa Rostock beim Hinspiel nach toller erbrachter Leistung leider Gottes mit leeren Händen aus, schaute es am vergangenen Samstag ganz anders aus.Dreimal konnte Hansa Rostock in der Veltins-Arena in Führung gehen, dreimal konnte Simon Terodde mit dem Kopf für Schalke 04 ausgleichen. Das Spiel war dermaßen aufregend, sodass sogar kurzzeitig der Live-Ticker der Hansa App durchdrehte. Was für ein Nervenkitzel vor Ort und in der Ferne. Nachdem John Verhoek - zuvor hatte Svante Ingelsson das 1:0 für Rostock klargemacht - in der 40. Minute den zweiten Rostocker Treffer des Tages erzielt hatte, zeigte die Hansa App ein schmuckes 2:0 für Rostock an. Ah nee, doch nicht. „Nur“ das 2:1. In der 56. Minute machte Pascal Breier das 3:2 für den FCH, in der 83. Minute köpfte Terodde das 3:3 für den S04. Verflixt und zugenäht. Wenigstens ein Pünktchen musste mitgenommen werden!   In der Ferne rechneten einige bereits mit dem endgültigen 3:3, da schloss Nils Gustav Georg Fröling in der 90.+5. Spielminute nach sensationeller Vorarbeit zum 4:3 für Hansa ab. Irre, einfach nur irre! Hansa Rostock verließ den Relegationsplatz und hat es nun in der Hand am kommenden Freitag im heimischen Ostseestadion gegen Holstein Kiel nachzulegen und sich weiter Luft nach unten zu verschaffen. Zur Feier des Tages werfen wir einen Blick zurück. Das Parkstadion bzw. die Arena auf Schalke waren schon immer eine Reise wert. Zwar stimmte nicht immer das Ergebnis, doch war für den passenden Unterhaltungsfaktor stets gesorgt. Folgend zwei Berichte, die im 512-seitigen Wälzer „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ abgedruckt sind. Zum einen ein Bericht von Heiko Neubert (Fankogge) von der ersten Sause im Oktober 1991, zum anderen ein Bericht von Klischi vom 2:0-Auswärtssieg auf Schalke im August 2004, als die Hosen ausgezogen und kurzerhand auf die Plexiglaswand gelegt wurden. Anmerkung: Die Fotos vom alten Parkstadion stammen aus der Saison 1999/2000. Viel Spaß dabei!   Blutiges Wochenende auf Schalke (von Heiko Neubert & Fanszähne live) 12. Oktober 1991 1. Bundesliga Parkstadion Gelsenkirchen Zuschauer: 52.100 Endstand: 5:0  Die Vorfreude auf Schalke war groß, denn es erwartete uns - laut Medien - das beste Publikum der Bundesliga. Um 4 Uhr fuhren drei Fanbusse nach Gelsenkirchen. Schon zwei Stunden vor Spielbeginn betraten wir das Stadion. Ein super Souvenirangebot erwartete uns, und auch das Stadion war beeindruckend. Im Gästeblock fanden sich rund 300 Hansafans ein. Im Nachbarblock versammelten sich dann einige Schalker Hools, welche mit Unterstützung von Türken immerzu mit „Asylanten!“ und „Baut die Mauer wieder auf!“ provozierten. Doch wir hielten mit „40 Jahre DDR“ und „DDR unser Vaterland“-Rufen gut dagegen.   Dann begann das Spiel. Hansa hatte erste kleine Chancen, und Schalke machte das Tor. Im unmittelbaren Anschluss daran passierte das Unglaubliche, denn Ordner von Schalke entfernten drei Hansatransparente vom Gästezaun und schmissen sie in den Schalker Block. Hier wurden sie zerrissen und verbrannt, ohne dass die Polizei eingriff. Auch die schuldigen Ordner wurden nicht zur Verantwortung gezogen. In unserem Gästeblock wurde es unruhig, und nach weiteren Gegentoren marschierte die Polizei in unseren Block und nahm einen Hansafan fest. Gegenproteste wurden mit Gummiknüppeln und Tränengas unterdrückt. Auch nach der 0:5-Niederlage kam es zu weiteren Übergriffen von Polizei und Schalker Hools.  Einiges zu lesen gab es von jener Partie auch in der Nullnummer des Heftes „15:30 Uhr - jetzt geht´s los!“, das wenig später wieder eingestellt wurde. Dirk aus Rostock vom „Fanszähne live“ schilderte den abenteuerlichen Nachmittag auf Schalke. Die Polizei, die im Programmheft den Aufruf „Gelsenkirchen gewaltfrei“ abdruckte, ließ am Ende ihre Parole selbst ad absurdum führen. Überrascht zeigte man sich, dass es am Zugang des Parkstadions keine Leibesvisitationen oder sonstige Kontrollen gab. Wie bereits im Vorfeld befreundete Hamburger vorausgesagt hatten, stellten sich bereits eine Stunde vor Anpfiff rund 200 Schalker Hools neben dem Gästeblock in der Südkurve. Unter ihnen etliche Türken, die mit Rufen „Wir sind Deutsche und ihr nicht!“ auf sich aufmerksam machten.  Als sich einige Schalker in den Gästebereich einschleichen konnten, setzten sich die Hansafans - Rostocker Hools waren an jenem Tag nur wenige vor Ort - zur Wehr, woraufhin die Polizei mit Reizgas und Knüppel den Block stürmte. Verletzt wurden einige Unschuldige, unter ihnen ein Mitglied des Rostocker Fanprojektes. Als ein Polizeibeamter um Hilfe für einen arg lädierten Hansafan gebeten wurde, gab es nur die dreiste Antwort: „Leck mich am Arsch!“  Dirks Fazit: Man nannte uns „Ossi-Schweine“ - und so wurden wir auch behandelt. Reine Provokation durch die Polizei und die Schalker „Huuls“!   Rollt er nach links… Auswärtssieg auf Schalke! (von Klischi) 28. August 2004 FC Schalke 04 vs. F.C. Hansa Rostock  1. Bundesliga Arena Auf Schalke Zuschauer: 60.790 Endstand: 0:2 (Tore: Antonio di Salvo 2x) Da mein Chef sehr spendabel ist und mir ein freies Wochenende aufdrückte, entschloss ich mich dieses auszunutzen, um Hansa live auf Schalke zu sehen. Die Transportmöglichkeiten wurden im Vorfeld schnell geklärt, und so bestiegen in Bremen elf Hansafans (drei Sturmvögel aus Hamburg, fünf Weserhaie und vier Sympathisanten der Weserhaie) die Abteile der Deutschen Reichsbahn. „Uns Thorsten“ erzählte was von 4 gewinnt (Anspielung auf die Niederlage gegen Bremen) und so ganz nebenbei, dass er Opa wird. 
Pünktlich halb zehn Uhr morgens in Deutschland nahmen dann die meisten ihr zweites Frühstück in Form von Hopfenkaltschalen ein. Die flüssigen Brötchen ließen unsere Kreativität schnell ansteigen, so dass ein Lied von Jürgen von der Lippe umgedichtet wurde. Rollt er nach links, ist alles in Ordnung, rollt er nach rechts, ist auch nicht schlimm, nur wenn der Ball zu Rade läuft, dann ist der Wurm drin! 
Auch waren Sätze von Louis de Funes am heutigen Tag schwer angesagt. NEIN! DOCH OOOOHHHHH! Schwachsinn ist Trumpf! Unter diesem Motto erreichten wir dann sehr schnell Gelsenkirchen. Auf dem Hauptbahnhof wurden wir gleich von der dortigen Transportpolizei gebeten die U-Bahn zum Stadion zu nehmen. Da die meisten jedoch feste Nahrung zu sich nehmen wollten, wurde eine Broiler-Bar geentert. Die Trapo wirkte nun etwas hektisch und drohte uns Verhaftungen an, falls wir nicht schnellst möglichst verschwinden würden. Nachdem in Ruhe aufgegessen wurde, begab man sich mit besagter U-Bahn in Richtung Stadion. Unsere Reisegruppe machte noch einen Rundgang um die Aral-Tankstelle auf Schalke, bevor das Stadion betreten wurde. 
Im Gästekäfig waren zum Anpfiff 2.000 Hanseaten versammelt. Im Stadion selber herrschte ein suptropisches Klima. Und zack, schon flogen die ersten Jeans und Jogger im hohen Bogen an die Plexiglasscheibe. 1, 2, 3, Oberhosenfrei!  Schon geil zu sehen, wie plötzlich zirka 20 bis 30 Leute nur noch in Unterbüxen da standen. Einfach herrlich! Die Anfangsphase des Spieles gehörte den Schalkern. Ein wichtiger Rückhalt war zu diesem Zeitpunkt der Ex-Schalker Matthias Schober, der gegen Bordon und Altintop zwei gefährliche Freistöße glänzend parierte. Bei Schalke machte sich Mitte der ersten Halbzeit Ratlosigkeit breit, und der FCH kam immer besser ins Spiel. So hätte Uwe Möhrle fast die Rostocker in Führung gebracht, aber ein Frank Rost hatte was dagegen und hielt den technisch perfekten Schuss. Aber kurz danach klingelte es im Kasten der Schalker! Ein genauer Pass von Marcus Latz auf Antonio di Salvo, der verfolgt den Ball energisch, dringt in den Strafraum ein, wartet auf die Reaktion von Rost und vollstreckt im richtigem Augenblick zum 1:0. Der Block der Weiß-Blauen war völlig aus dem Häuschen. Die Stimmung war von nun an einfach fantastisch. 
Eine Minute vor Abpfiff watschte der Stürmer-Star Ailton nach einem verloren Zweikampf Möhrle und Persson ab und sah logischerweise die rote Karte. Ailton wohoho, Ailton wohohoho? So kann man auch seinen Abgang von Schalke provozieren. Nach dem Seitenwechsel gingen die Königsblauen trotz Unterzahl volles Risiko aufs Rostocker Tor zu. Wieder einmal fanden sie in Schober einen Weltklasse-Torhüter, der haufenweise die guten Einschussmöglichkeiten der Schalker zunichte machte. 
In der 77. Minute war dann abermals unser Antonio zur Stelle. Nach einem präzisen Pass von Rydle bugsierte er den Ball in Max-Manier über die Linie. Alles war nun außer Rand und Band im Gästeblock. Thomas Rasmussen hatte kurz vor Schluss sogar das dritte Tor auf den Füßen, scheiterte jedoch am Pfosten. Der Nachschuss ging denkbar knapp ans Außennetz. Schiri Meyer, der eine gute Leistung zeigte, pfiff kurz danach ab und der erste Sieg in dieser Saison war perfekt. Fans und Spieler feierten zusammen diese wichtigen drei Punkte. 
Nach dem Spiel wurden für die Rostocker Fans vier Schlenki-Busse zur Verfügung gestellt. Diese brachten den Auswärtsmob - begleitet von Einsatzwagen mit Blaulicht - zum Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Dort kehrten wir mal wieder in die Broiler-Bar ein, um für flüssigen und festen Nachschub zu sorgen. Die Rückfahrt verlief wieder getreu dem Motto „Schwachsinn ist Trumpf“. Bei einigen Leuten schlauchte der Tag ziemlich. So bekamen gewisse Herren starke Niesattacken und legten sich schlafen (Namen nenne ich mal keine, da jeder weiß, wer gemeint ist). 
Gestört wurde die Nachtruhe urplötzlich durch vier, fünf junge Mädels aus der Sowjetunion, die ihren Junggesellinnen-Abschied im Zug feierten. Der schlaftrunkene Herr wusste gar nicht, ob Tag oder Nacht ist und schon gar nicht wie ihm geschah. Nachdem die üblichen Sachen wie Fetzer, Joker und Märchenlandriegel an den Mann bzw. Frau gebracht waren, verließen diese Hüpfdohlen unter lautem Geschrei und Getöse unser Abteil und man hatte seine Ruhe. Alsbald rollte der Zug in Bremen ein und der einfach nur geile Tag neigte sich dem Ende zu. Sport frei!  Fotos: Heiko Neubert, Keili, Klisch, Heiko Baumann, Tobi > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock > das Buch „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ auf www.marco-bertram.de

Jetzt in der App abspielen

Ahu! Blau-weiß-roter Auswärtssieg im Stadion des einstigen Pionierparks Wuhlheide

07.03.2022 00:00:00

DDR-Laternen vom Typ RSL 1, alte Geländer und Steinmauern, schiefe morsche Sitzbänke, ein trockener märkischer Waldboden, der mit tausenden Kienäppeln bedeckt ist. Bei angenehmen Sonnenschein kamen am vergangenen Samstag wie erwartet eine Menge Erinnerungen auf, als es zum Stadion im FEZ Wuhlheide ging. Erinnerungen an die Kindheit, an die genialen Aufenthalte im Betriebsferienlager in Eggersdorf, Großbreitenbach und Breege, an weit zurückliegende Klassenfahrten in den 1980er Jahren nach Pirna, Bad Doberan und Kloster Chorin. Anfang der 80er fuhren wir als Klasse 2a von Mahlsdorf Süd aus mit der Straßenbahnlinie 82 zum einstigen Pionierpark, um in der für damalige Verhältnisse sensationell modernen Schwimmhalle im Pionierpalast am Schwimmunterricht teilzunehmen. Auf der weitläufigen Treppe des Pionierpalastes bekamen wir einst auch das blaue Pioniertuch überreicht und wurden Jungpioniere.Geile Kiste, das Ganze ist mal eben vier Jahrzehnte hier. 40 Jahre! Exakt so lange, wie einst die DDR Bestand hatte. Zwar hatte ich im Pionierpark einst den einen oder anderen Crosslauf, doch hatte ich im dortigen Stadion noch nie ein Fußball gesehen. Bereits Anfang der 1950er Jahre wurde nach Plänen des Landschaftsarchitekten Reinhold Lingner der Pionierpark „Ernst Thälmann“ mit einer Freilichtbühne, dem besagten Stadion und einem künstlich angelegten Badeteich mit Strand und Liegewiese gestaltet. Der Pionierpark wurde am 27. Juli 1951 zu den dritten Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Ost-Berlin feierlich eröffnet. 1955 wurde die Pioniereisenbahn eingeweiht, der besagte Pionierpalast öffnete am am 3. Oktober 1979 seine Tore.    Das Stadion des FEZ, das auf angenehme Art und Weise einen nostalgischen Charme versprüht, wird zum einen vom Kreisligisten SV Askania Coepenick und zum anderen von den Nachwuchsmannschaften des 1. FC Union Berlin genutzt. Allerdings sollte man, wenn man ein Nachwuchsspiel der Eisernen besuchen möchte, genau schauen, auf welcher Spielstätte ein Heimspiel ausgetragen wird. So fand kürzlich das U19-Spiel 1. FC Union Berlin vs. FC Energie Cottbus in Adlershof statt. Genutzt werden auch die Kunstrasenplätze in Oberspree und direkt am Stadion An der Alten Försterei. Ist die Witterung trocken, wird recht gern der Rasenplatz in der Wuhlheide genutzt.   Zu Gast war in der B-Junioren-Bundesliga am vergangenen Samstag die U17 des F.C. Hansa Rostock, die seit 2020 von Tobias Sieg - zuvor Co-Trainer beim FC Mecklenburg Schwerin - trainiert wird. Der Zugang zum Stadion im FEZ ist völlig frei. So hält während eines Spiels der eine oder andere Fahrradfahrer mal eben am Geländer der Gegengerade, um einen Blick auf das Geschehen zu werfen. Auf der Haupttribünen-Seite wurde am Samstag ein Imbisswagen aufgestellt, und aus einer aufgestellten Box ertönten vor Anpfiff all die typischen Union-Klassiker.    Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Krieges in der Ukraine konnte es auf dem Rasen losgehen. Der eine oder andere hatte noch nicht mal seinen ersten Schluck Bier zu sich genommen, als in der dritten Minute vor rund 100 Zuschauern nach einem individuellen Fehler in der Hintermannschaft Kevin Akogo das 1:0 für die Rostocker klarmachen konnte. Nun zeigte sich, dass rund 20 Fußballfreunde auf den Rängen den Jungs mit der Kogge auf der Brust die Daumen drückten. Logisch, dass zwischendurch immer wieder ein Blick auf den Liveticker geworfen wurde. Was machte Hansa auf Schalke?!   Die U17 der Eisernen zeigten nach dem frühen Rückstand eine gute Reaktion, Nick Graupner hatte die Möglichkeit zum Ausgleich, doch konnte Hansa-Keeper Fynn-Jason Karsten den Schuss mit den Füßen abwehren. In der Folgezeit wurde es etwas ruhiger, der Großteil des Geschehens spielte sich im Mittelfeld ab, dicke Tormöglichkeiten blieben zunächst weitgehend aus. Nachdem Hansa kurz vor der Pause noch eine gute Chance hatte, ging es zur Erfrischung in die Kabinen.   Im zweiten Spielabschnitt verteidigten die Rostocker recht robust, doch mehrten sich nun die Möglichkeiten der Gastgeber. Union Berlin gab zwar weitgehend den Ton an, konnte jedoch keinen Treffer erzielen. Am Ende konnte der F.C. Hansa die knappe Führung über die Bühne bringen. Als dann auch noch die Nachricht aus Gelsenkirchen eintrudelte, war der sonnige Samstagnachmittag perfekt. Gemeinsam mit Trainer Tobias Sieg wurde der Kreis gebildet. Tobias Sieg lüftete symbolisch sein Haupt und verneigte sich vor der erbrachten Leistung seiner Jungs. Im Anschluss konnte den Emotionen freien Lauf gelassen werden. Ahu! Nachdem ein Exemplar von ‚Kaperfahrten‘ an den Mann gebracht wurde, hieß es für mich gemeinsam mit dem größeren Sohnemann noch einmal durch das Gelände des einstigen Pionierparks zu streifen.   Fotos: Marco Bertram, frontalvision.com > zur turus-Fotostrecke: F.C. Hansa Rostock > das Buch „Kaperfahrten - Mit der Kogge durch stürmische See“ auf www.marco-bertram.de

Jetzt in der App abspielen

FC Spandau 06 vs. Stern 1900 II: Konrad Cudny findet am Ziegelhof die Lücke

07.03.2022 00:00:00

10:45 Uhr. Eine Anstoßzeit wie in der Kreisliga. Ein recht frühes Stelldichein gab es am gestrigen Sonntagvormittag am Ziegelhof in Berlin-Spandau. Pünktlich raus auf der Koje, das Frühstück racki zacki reingeschoben, und dann fix mit der S-Bahn in den Nordwesten Berlins gedüst. Der Sportplatz am Ziegelhof stand bereits seit geraumer Zeit auf der Liste, doch nachdem die einstigen Polonia-Spieler Konrad Cudny, Adam Szymczyk und Kamil Ryszard Borowski zum FC Spandau 06 gewechselt sind, rutschte ein Heimspiel der Spandauer ganz nach oben auf der to-do-Liste. Letztgenannter konnte allerdings beim gestrigen Heimspiel gegen den SFC Stern 1900 II nicht antreten. Beim vorausgegangenen Auswärtsspiel beim BSV Heinersdorf musste der FC Spandau 06 gleich zwei rote Karten verschmerzen. Und nicht nur das! Bis zur 88. Minute wurde mit 3:1 geführt, dann gab es einen Elfmeter, den Florian Franz für Heinersdorf verwandelte. In der Nachspielzeit machte Philipp Hinz dann sogar noch den Ausgleich klar. Kein Wunder, dass ein wenig die Nerven blank lagen. Bereits am 21. Spieltag musste daheim gegen den SC Borsigwalde kurz vor Schluss der Ausgleich zum 2:2 hingenommen werden. In der 87. Minute machte Borowski noch das 2:1 für Spandau 06, eine Minute später unterlief Ayham Alraai ein Eigentor.   Besser laufen sollte es bei der Partie gegen die zweite Mannschaft von Stern 1900. Bei recht kühler, aber immerhin trockener Witterung fanden sich knapp 100 Fußballfreunde auf dem sehr gemütlichen Rasensportplatz am Ziegelhof ein. Der neue Betreiber des Vereinsheim sprach mich sogleich an und erklärte, dass für Kinder Laugenstangen und Caprisonne am Imbissstand gratis zu haben seien. Meine beiden Söhne zeigten sich hoch erfreut und versorgten sich mal gleich. Ausgeschenkter Kaffee und Glühwein wurden indes von den Erwachsenen dankbar angenommen und brachten innere Wärme herbei.   Die Lage des Sportplatzes ist wirklich genial. Vom Bahnhof Spandau sind es nur ein paar Schritte, und gleich nebenan befindet sich die Havel, an der es sich prima spazieren lässt. Ein paar angelegte Schiffe sorgen für maritimes Flair. In Frühling und Sommer ist diese Sause zum Ziegelhof wahrlich zu empfehlen, im Winterhalbjahr kann es selbstverständlich ein wenig frisch sein.   Gegründet wurde der Verein einst als SC Britannia 06 Spandau. 1919 und 1921 erfolgten Fusionen mit Borussia 1916 Spandau und dem SC Hertha Spandau, als Spandauer BC 06 nahm man 1933 an den Qualifikationsspielen zur Gauliga Berlin-Brandenburg teil, scheiterte jedoch am 1. FC Guben sowie am Polizei SV Berlin. Von 1991 bis 1993 spielten die Spandauer in der Nordstaffel der NOFV-Oberliga, stiegen dann gemeinsam mit dem Frankfurter FC Viktoria und Motor Eberswalde ab. Am 1. Juli 2003 fusionierte der Spandauer BC 06 mit dem 1. FC Spandau zum FC Spandau 06. Aktuell wird in der Staffel 2 der Berliner Landesliga gespielt, Rang 11 ist der Stand der Dinge.   Um etwas Stabilität reinzubringen, wurde unter anderen Konrad Cudny an den Ziegelhof geholt. Cudny ist 35 Jahre alt wurde in Gdansk geboren und spielte in der Vergangenheit unter anderen für Altlüdersdorf, den Oranienburger FC Eintracht, den SC Staaken und den SC Gatow. Von 2017 bis 2020 spielte er beim FC Polonia Berlin und marschierte mit diesem von der Kreisliga C hoch in die Kreisliga A. Das Landespokalspiel gegen Tennis Borussia Berlin vor ansprechender Kulisse dürfte eines der Highlights bei Polonia gewesen sein. Nach einem weiteren Abstecher zu Altlüdersdorf schnürte er noch einmal seine Fußballschuhe bei Polonia, wechselte dann jedoch zu Beginn des Jahres nach Spandau, um noch einmal in der Landesliga den Ball rollen zu lassen.   Mit Erfolg! Zwar gingen bei der gestrigen Partie die blau-gelben Gäste aus Berlin-Steglitz bereits in der fünften Minute mit 1:0 in Führung, doch konnte der FC Spandau 06 die Partie drehen. In der 18. Minute sorgte Leorant Abduli für den Ausgleich, nach exakt einer Stunde fand Konrad Cudny, der zuvor bereits zwei, drei gute Möglichkeiten hatte, die Lücke und schob zum 2:1 ein. In der Folgezeit entwickelte sich eine spannende Partie, bei welcher der Spandauer Keeper Adam Szymczyk zwei-, dreimal beherzt eingreifen musste. Am Ende konnte die knappe Führung über die Zeit gebracht werden, und die Erleichterung stand den Spandauer Spielern ins Gesicht geschrieben. Einem fröhlichen Gruppenfoto stand nun nichts mehr im Wege.   Fotos: Marco Bertram > zur turus-Fotostrecke: FC Spandau 06 vs. Stern 1900 II  

Jetzt in der App abspielen

Union Berlin verschenkt in Wolfsburg mindestens einen Punkt

07.03.2022 00:00:00

Es war eine vermeidbare Niederlage für den 1.FC Union, der wieder einmal bewies, dass er sich in der Bundesliga etabliert hat. Zunächst im Schatten des großen Lokalrivalen Hertha BSC gestartet, hat man dem sogenannten „Big-City-Club“ längst den Rang abgelaufen. Das liegt in erster Linie daran, dass man sich in Köpenick stets demütig gibt und mit relativ geringen Mitteln die Potenziale seines kickenden Personals optimal ausnutzt, während in Charlottenburg die Gelder eines Großinvestors mehr oder weniger nahezu „verballert“ wurden. An seine überaus gute Arbeit, die er bei Eintracht Frankfurt geleistet hat, muss sich Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic in Berlin messen lassen und da besteht nach einer weiteren, eklatanten  Niederlage gegen die Frankfurter Eintracht noch eine Menge Luft nach oben.Um aber nicht abzuschweifen, steht hier der 1.FC Union im Mittelpunkt, den ich mir abseits vom Radsport einmal in Wolfsburg ganz privat ansehen wollte. Anruf meines Sohnes aus Braunschweig, wohin es ihn beruflich verschlagen hat: „Hast du nicht Lust, am Samstag zum Spiel des 1.FC Union beim VfL Wolfsburg herzukommen, dann kannst du mal wieder deine Enkel Emil und Anton sehen. Ich habe Karten organisiert, geboostert bist du ja, dann dürfte doch nichts dagegen sprechen, oder?" Gesagt, getan, so konnte ich auch gleichzeitig meinen neuen Audi erstmals auf der Autobahn testen.  Dann ging es um 14 Uhr ab zum Stadion, eine kleine Abwechslung für uns alle nach nun zweijähriger Pandemie und nun auch noch dem Krieg der Russen gegen die Ukraine. Vor dem Stadion, das mal wieder mit „nur“ 15.703 Zahlenden – erlaubt waren immerhin 22.500 - so etwas wie Fußballstimmung insbesondere durch die 2.500 Union-Fans aufkommen ließ, wurden kleine Buttons in gelb und blau mit dem Peace-Symbol verteilt. Dieses Symbol war auch auf dem Anstoßkreis des Wolfsburger Rasens markiert, darüber hinaus ein minutenlanges Klatschen vor Spielbeginn für die so arg gebeutelten Ukrainer, in der Hoffnung, dass dieser fürchterliche Krieg alsbald noch ein friedliches Ende finden wird. Vom Anpfiff an ein umkämpftes Spiel mit der ersten Wolfsburger Chance durch Schlager, der den Pfosten trifft (3.), aber Union hält dagegen, über die linke Seite durch den auffälligen Oczipka machen sie Druck im Vorwärtsgang. Er und Ryerson ersetzen Trimmel und Gießelmann und vorne sollen es Torjäger Awoniyi, der schon zehn Saisontore erzielt hat, und der schnelle Becker richten. Nachdem Heintz nach Oczipka-Flanke an Casteels gescheitert war (13.), musste Luthe auf der anderen Seite mit zwei tollen Paraden gegen Bialek (22., 24.) retten. Dann ist es Awoniyi (25.), der zum elften Male trifft, leider nur auf der falschen Seite! 1:0 Führung für den VfL durch ein Eigentor und es sollte leider der einzige Treffer des Spiels bleiben. „Ich will noch mehr Tore sehen“, gab mir mein Enkel Emil zu verstehen, der hier im Braunschweiger Umfeld in der F-Jugend kickt und dort mit Toren nicht geizt. Auch sein jüngerer Bruder Anton spielt schon bei der G-Jugend und beiden ist schon, sollten sie bei der Stange bleiben, noch einiges zuzutrauen. Nach der überaus langen Pause – ist das eine neue Unsitte? - fällt dann ein weiteres Tor, das allerdings vom Schiri nicht anerkannt wird. Was war geschehen? Zunächst kann Awoniyi eine tolle Vorarbeit von Becker nicht verwerten (48.) und dann liegt der Ball doch im Wolfsburger Kasten (55.). Sheraldo Becker hatte nach Vorlage von Awoniyi getroffen, doch Schiri Ittrich gibt den von uns schon bejubelten Ausgleich nicht, da Awoniyi die Arme im Zweikampf gegen Arnold zu Hilfe genommen hatte. Es ist nicht der Tag des Nigerianers, der später noch frei zum Kopfball kommt und an Casteels scheitert (63.). Danach beginnt das Auswechseln auf beiden Seiten und Union ist weiter gut im Spielgeschehen, aber die nötige Effizienz vor dem Tor will sich nicht einstellen. Der eingewechselte Lukas Nmecha verpasst die Vorentscheidung zum 2:0, als er an Luthe scheitert (80.), dann ist der ebenfalls eingewechselte Ujah auf Berliner Seite am Drücker, der mit einem Kopfball am rechten Pfosten vorbeizielt (85.). Union kämpft verzweifelt um den Ausgleich, als erneut Ujah Casteels zu einer Glanzparade zwingt (89.) und der für Becker gekommene Voglsammer den Nachschuss ebenfalls vergibt. Die Nachspielzeit von vier Minuten bringt dem 1.FC Union durch Voglsammer, der volley rechts am Tor vorbeischießt, noch eine letzte Chance. Danach ist Schluß und die Gastgeber können einen glücklichen, aber immens wichtigen Sieg feiern, den sie in erster Linie ihrer starken Defensive zu verdanken haben. Die Unioner können sich allein durch das Remis zwischen Leipzig und Freiburg freuen, das ihnen noch alle Chancen für die europäischen Wettbewerbe läßt. Danach ging es für mich wieder zurück nach Berlin, während Sohn und Enkel ihren Rückweg nach Braunschweig antraten. Für mich war es trotz Niederlage der Berliner ein schönes Erlebnis im Kreise der sogenannten „Müllemänner“.  Bericht & Fotos: Bernd Mülle 

Jetzt in der App abspielen

Wuppertal gegen Münster: Glücklicher Punktgewinn der Preußen beim WSV

06.03.2022 00:00:00

Glücklich heißt nicht unverdient. Das Unentschieden zwischen dem Wuppertaler SV und Preußen Münster geht sportlich voll in Ordnung. Trotzdem: Der Wuppertaler SV hätte vor allem in der zweiten Hälfte den Sieg früher klar machen können, versäumte es aber auf schwierigem Geläuf die zahlreichen Konter, die sich durch die eigene frühe Führung boten, gewinnbringend auszuspielen. So kam es am Ende anders, als sich die Mehrheit der 3.067 Zuschauer im Stadion am Zoo gewünscht hätten, auch dank des Schiedsrichters Nico Fuchs, der, als alle mit dem Schlusspfiff rechneten, den Preußen noch ein paar extra Momente gönnte.Aber kurz zurückgespult: Der 28. Spieltag der Regionalliga-West Saison 2021/2022 bot so einiges, vor allem beim Thema Favoritenstraucheln. So kam der Tabellendritte Fortuna Köln zu Hause gegen den Tabellenvorletzten VfB Homberg  nicht über ein 1:1 hinaus. Und auch die Kleeblätter von RWO konnten bei ihrem Auftritt in Ahlen nicht dreifach punkten. Rot-Weiss Essen hatte aufgrund eines großen Corona-Ausbruchs im Team spielfrei. Die beste Gelegenheit also für die zwei weiteren Kandidaten auf den Regionalliga-West Thron, die Punktverluste der Konkurrenz für sich zu nutzen. Der Wuppertal SV hätte mit einem Dreier RWO von Platz vier stoßen können und Preußen Münster die unter der Woche erhaltene Spitzenposition vom Westdeutschen Fußballverband (WDFV) weiter ausbauen können. Der SCP bekam vom WDFV drei Punkte von dem abgebrochenen Spiel in Essen vor ein paar Wochen zugesprochen, bei dem ein (idiotischer) Zuschauer von der RWE-Fantribüne einen Böller in den Innenraum geworfen hatte und einen Spieler verletzte. Spitzenspiel im Stadion Zoo in Wuppertal bei sonnigem aber sehr kaltem Wetter. Ein kühler Wind wehte durch das Tal, aber das Spiel war direkt auf Betriebstemperatur. Während die gut 700 mitgereisten Fans aus Münster hinter ihren Fahnen noch eine Portion grünen Rauch als Intro einsetzten und ihr Team lautstark „organisiert“ unterstützten, legte der WSV auf den Rasen furios los. Die Zuschauer auf der Haupttribüne hatten gerade in die Bratwurst gebissen oder vom Bier genippt, da stand es schon 1:0 für Rot-Blau. Während die eigenen Fans voll bei der Sache waren, war es die Hintermannschaft der Preußen nicht. Einmal geschlafen und zack schon kassiert: Der Wuppertaler Moritz Montag wurde steil geschickt, eine Variante die man öfters in diesem Spiel sah, die aber so nicht mehr klappte. Montag bediente perfekt Roman Prokoph der nur noch einnetzen brauchte. Was für ein Start. Das konnte ein heiteres Spitzenspiel werden, dachte man. Wurde es aber dann irgendwie nicht. Direkt nach der Führung versuchte der WSV nachzulegen, aber Münster passte auf und Wuppertal ließ sich immer mehr zurückfallen. Der SCP nahm das Spiel in die Hand, war optisch überlegen und konnte sich ein Chancenplus erarbeiten, aber ohne Präzision vor dem gegnerischen Tor. Der WSV dagegen konnte sich nach der frühen Führung kaum befreien und erspielte sich nur wenige Chancen. Mit dem 1:0 ging es schließlich in die Pause.Zum Start in Hälfte zwei stieg wieder Rauch aus dem stimmlich motivierten Gästeblock auf. Das ist als Fankultur-Stilmittel schön anzusehen, ist aber immer noch verboten und kann vielleicht eine Strafe vom Verband nach sich ziehen. Naja vielleicht. Schaut man in die Meldungen vom Verband blieb Preußen Münster in dieser Saison von Verbandsstrafen in Sachen Abbrennen von Pyrotechnik bis auf das Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen meist verschont. Nicht einmal die Pyroshow in Velbert während des Auswärtsspiels beim KFC Uerdingen wurde mit einer Strafe belegt, jedenfalls scheinbar bisher nicht (wir konnte dazu keine Info finden).Feuer im Block, sportliches Preußen-Feuer auf dem Rasen? Sportlich erwarteten viele der Zuschauer nun ein Anrennen von Münster, aber das Gegenteil war der Fall. Das Spiel machte zu Beginn wieder nur der Wuppertaler SV. Vor allem der sehr auffällige und stark agierende Kevin Pytlik kam zu guten Chancen und inszenierte schnelle Angriffe. Münster dagegen spielte über weite Strecken der zweiten Hälfte sehr harmlos, sehr zum Unmut der eigenen Fans, die anfingen „Aufwachen, Aufwachen, Aufwachen“ aus dem Gästeblock zu skandieren. In der 69. Spielminute folgte fast die Bestrafung für das lethargische Spiel. Nach einer Ecke köpfte Noah Salau den Ball nur knapp am Gehäuse vorbei. Ein weiteres Wuppertaler Tor wäre zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient gewesen. Die Zeit lief Münster davon und Münster erhöhte den Druck. Während sich der WSV zum Ende des Spiels auf Konter verlagerte versuchte es der SCP mit der Brechstange. Es schien aber kein Durchkommen durch die Wuppertaler Abwehr. Jedem geblockten Angriff folgte ein Angriff des WSV, der die Chance auf ein Tor aber immer wieder leichtfertig vergab. Der Schiedsrichter gab fünf Minuten Nachspielzeit, obwohl es dazu eigentlich kein Anlass gab (kaum Unterbrechungen) und der Torhüter der Preußen verließ zum Ende auch das Tor. Es gab Ecken und Freistöße, die Münster versuchte für sich zu nutzen auch mit Tricks wie das Fallenlassen im Strafraum. Aber das Schiedsrichtergespann fiel nicht darauf rein, gönnte dem SCP aber ein großzügig ausgelegte „Extratime“. Und dann fiel er tatsächlich der von den Preußen umjubelte Ausgleich. Marcel Hoffmeier nahm Maß und sein Schuss landete abgefälscht in den Maschen. Ende? Nein. Schiedsrichter Nico Fuchs hatte noch nicht genug und gab Münster noch etwas mehr Zeit, so dass der SCP nach dem Anstoß noch zu einer weiteren Tor-Chance kam. Am Ende blieb es dann bei dem gerechten Unentschieden. Leichter wird es in den kommenden Wochen für den Spitzenreiter nicht. Noch sind zehn Spieltage zu gehen. Preußen Münster hat drei Spiele und zwei Punkte mehr als der Tabellenzweite Rot-Weiss Essen und am kommenden Freitag kommt der Tabellendritte Fortuna Köln. Auch mit dem wiedererstarkten Wuppertal SV kann weiter gerechnet werden, der auch die Lizenz für die dritte Liga beantragt hat. Unter der Woche erwarten die Bergischen den SV Straelen bevor es zur U23 von Schalke 04 geht. Nur ein Spiel gegen die Top 5 hat der WSV noch zu absolvieren und zwar am 26. März in Oberhausen. Die Liga bleibt spannend und wir bleiben weiter dran. > zu den Wuppertaler SV Fotos > zu den Preußen Münster Fotos

Jetzt in der App abspielen

Podcast verlinken

So kannst du diesen Podcast auf deiner Website verlinken.